The Silly Siblings werfen die Zeitmaschine an

Die Theaterband „The Silly Siblings“
entführte das Publikum im Fletch Bizzel in die 20er und 30er Jahre
des letzten Jahrhunderts. Unter dem Titel “Wermut, Schwermut und
Chansons“ warfen die Mitglieder der Kulturbrigaden einen
liebevollen, aber auch sehr kritischen Blick auf die ereignisreiche
und politisch brisante Zeit zwischen zwei Weltkriegen.

Die
zeitliche Einordnung der Revue lieferte zu Beginn ein Journalist. An
seiner Schreibmaschine sitzend hämmerte er eine Reportage über die
letzten Tage des ersten Weltkrieges in die Tasten. Eine Stimme aus
dem OFF lässt das Publikum an dem zu schreibenden Text teilhaben.
Der Kaiser dankt ab und geht ins Exil, der Krieg endet am 9. November
1918. Dies ist der Ausgangspunkt für die Erzählung des Abends, die
am Ende den nächsten Krieg am Horizont aufflackern sieht.

Kraftvoll und kämpferisch gesungen das Arbeiterlied „Brüder zur Sonne zur Freiheit“, frivol „die fesche Lola“ von Marlene Dietrich, verbittert ein Lied der Mütter, die ihre Söhne nicht im Krieg verheizen lassen wollten. Wunderbar zart und sehnsuchtsvoll rezitierte Anna Marienfeld Kurt Schwitters Gedicht „An Anna Blume“. Einzelne Gassenhauer wie „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“, fehlten nicht. In der dazugehörigen Szene wurde neben der schwarzen Kohle zugleich auch weißes Pulver mitgeliefert. Große Lacher erzeugte eine Schwarzmarktszene in der der Händler sich nach Art des Schlemils aus der Sesamstraße an potenzielle Käufer heranmachte.

Entführten die Zuschauer in die wilden Zwanziger und Dreißiger: The Silly Siblings (v.l.n.r.) Christiane Wilke, Anna Marienfeld, Rada Radojcic, Dixon Ra und Lennart Rybica. (Foto: © Anja Cord)
Entführten die Zuschauer in die wilden Zwanziger und Dreißiger: The Silly Siblings (v.l.n.r.) Christiane Wilke, Anna Marienfeld, Rada Radojcic, Dixon Ra und Lennart Rybica. (Foto: © Anja Cord)

Überzeugend schlüpften Regisseurin Rada Radojcic, Anna Marienfeld und Christiane Wilke in die Rollen der unterschiedlichsten Protagonisten. Schriftsteller, Arbeiter, Unternehmer, Hure, Tänzerin, Mutter oder Schwarzhändler. Stimmlich sehr überzeugend interpretierten sie die unterschiedlichsten Musikstücke mal ironisch, witzig oder auch mit großer Verve. Perfekt unterstützt durch die Musiker Dixon Ra & Lennart Rybica an Schlagzeug und Keyboard entrollten die Schauspielerinnen ein rauschhaftes Bild von Schmerz, Trauer, Lebensfreude, Liebe und Absinth- und Drogenexzessen. Geschickt sind die Übergänge und Kostümwechsel der einzelnen Szenen miteinander verwoben.

Die
Zuschauer honorierten die Darsteller immer wieder mit Szenenapplaus
und nach der Vorführung mit Standing Ovations.

Wer
sich auch in diese faszinierende Zeit entführen lassen möchte, kann
dies das nächste Mal am
31. Dezember
um 21
Uhr zur
Silvester-Sondervorstellung im
Theater im
Depot machen. Weitere Termine sind am 31.01.2020 um 20 Uhr und am
22.02.2020 um 20 Uhr (im Fletch Bizzel).




Weihnachtsmärchen um Ausgrenzung und Willkür im Schauspiel Dortmund

Andreas Gruhn (Direktor des Kinder und Jugendtheaters Dortmund) hat
es auch in diesem Jahr wieder geschafft, mit „Zwerg Nase“
(Wilhelm Hauff) zusammen mit seinem gesamten Ensemble-Team (KJT) plus
sechs Statisten (Jugendclub KJT) ein auch visuell opulentes
Weihnachtsmärchen für die Familie mit Kindern ab sechs Jahren auf
die Bühne des Dortmunder Schauspiels zu bringen.

Die Hauptperson
Jakob, muss schon in jungen Jahren seiner Mutter auf dem Markt am
Gemüse-Obst-Stand als „Kundenlockvogel“ dienen. Sein Vater
verdient als Flickschuster nicht viel Geld.

Als er sich um eine
über die Ware nörgelnde alte, hässliche Kräuterhexe mit dürrem
Hals und langer Nase aus Verärgerung verspottet, lockt sie ihn zu
sich nach Haus und verzaubert ihn mit einem besonderen Kraut. Der
wohlgestaltete Junge wird zu einem halslosen Zwerg mit langer Nase.
Sieben Jahre muss er dort leben und mit Hilfe der im Haus der Hexe
dienenden Eichhörnchen und Meerschweinchen kochen lernen. Mit Hilfe
eines Eichhörnchen gelingt ihm die Flucht nach Hause. Dort erkennen
ihn seine Eltern und die Bewohner der Heimatstadt nicht mehr und
machen sich über ihn lustig. Es gelingt ihm, eine Anstellung als
Koch beim Herzog zu bekommen, der sehr zufrieden mit ihm ist.
Brenzlich wird es, als er ein ganz besonderes Gericht, die „Pastete
Souzeraine“ für den anspruchsvollen Gast, einem anderen Fürsten,
servieren soll.

Der ist in Konkurrenz mit dem Herzog. Mit Hilfe der „sprechenden Gans“ Mimi, der Tochter eines Zauberers, findet Jakob am Ende da Kraut „Niesmitlust“ und flieht wieder als der ursprüngliche Jakob verwandelt mit der auch vom Zauber befreiten Mimi…

Die Bühne wurde mit
Hilfe einer Drehbühne multifunktional für die jeweils verschiedenen
Orte der Handlung genutzt. Fließende Videoprojektionen einer
mittelalterlichen Stadt und andere Gegenden und Orte sorgten für
eine lebendige Atmosphäre, die durch die Musik- und
Geräuscheinspielungen von Oliver Kessler begleitet wurden.

Ein großes Kompliment für die Ausstattung von Oliver Kostecka und für die wunderschönen fantasievollen Kostüme (beispielsweise für die hohen Herren aus der Zeit des Rokoko) und (Tier)-Masken.

Streit um die richtige Zutat: (v.l.n.r.) Fürst (Rainer Kleinespel), Zwerg Nase (Johanna Weißert) und herzog (Andreas Ksienzyk). (Foto: © Birgit Hupfeld)
Streit um die richtige Zutat: (v.l.n.r.) Fürst (Rainer Kleinespel), Zwerg Nase (Johanna Weißert) und herzog (Andreas Ksienzyk). (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das Märchen ist als
Märchen im Märchen konzipiert und wurde stimmungsvoll von einem
Erzähler im Orient in arabischer Sprache begleitet. Schließlich ist
das Märchen eine Rahmenerzählung aus „Der Scheik von
Alessandria und seine Sklaven“.
Die deutsche Übersetzung
konnte an beiden Seiten verfolgt werden.

Das beteiligten Schauspieler*innen des KJT-Ensemble mussten teilweise in mehrere Rollen schlüpfen, was sie mit viel Einsatz, Spielfreude und überzeugend taten. Besonders witzig und eindrucksvoll war zu hören und sehen, wie sich Fürst (Rainer Kleinespel) und Herzog (Andreas Ksienzyk) immer mehr in „Rage“ streiten. Auch Jan Westphal als schusselige Wache sorgte für viele Lacher bei den großen und kleinen Besuchern. Die lustigen Choreografien (Catharina Gadelha) der „Tiere“ sorgte für Heiterkeit. Da ein Theater nicht wie im Film mit CGI-Effekten um sich werfen kann, hatte sich Andreas Gruhn einen Kniff ausgedacht. Den „echten“ Jakob spielte Thorsten Schmidt, während der verzauberte Jakob, also Zwerg Nase, von Johanna Weißert dargestellt wurde.

Es war eine eindrucksvolle und für das Auge ansprechende Weihnachtmärchen-Inszenierung zum Nachdenken.

Das Thema Ausgrenzung derjenigen, die „anders“ sind, ist leider immer noch ein aktuelles. Eine weitere Ebene ist aber die von Hauff „märchenhaft“ dargestellte Willkürherrschaft der Herzöge und Fürsten im zersplitterten Deutschland des revolutionär brodelnden Vormärz im 19. Jahrhundert.

Es lohnt sich
eventuell doch, hinter die Fassade des ungewöhnlichen, uns
befremdlichem „Anderen“ zu blicken und sich Herrscher-Willkür
mit Freunden entgegen zu stellen.

Informationen zu
weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel.:
0231/ 50-27222




Zwerg Nase als Weihnachtsmärchen im Schauspielhaus Dortmund

Es schon eine gute Tradition, dass Andreas Gruhn (Direktor des Kinder
und Jugendtheaters Dortmund) mit seinem gesamten KJT-Ensemble im
Schauspiel Dortmund ein Weihnachtsmärchen für die ganze Familie
inszeniert. In diesem Jahr steht das Märchen „Zwerg Nase“ von
Wilhelm Hauff (1802 – 1827) auf dem Programm.

Es ist schon
schwierig, nach so vielen Jahren immer noch ein neues Märchen für
die Aufführungen im Schauspielhaus auszusuchen. An Hauffs Märchen
interessiert Gruhn vor allem das brandaktuelle Thema der Ausgrenzung
von „andersartigen“ Menschen sowie die starken Figuren.

Beim Gespräch mit
Ars tremonia erklärte der Leiter des KJT, dass die damalige
orientalische Gesellschaft (zur Zeit der Märchen von Wilhelm Hauff)
eine offene, sinnliche Gesellschaft und reich an Farben und Formen
war. Verschiedenste Religionen und Weltanschauungen lebten relativ
friedlich zusammen. Außerdem ist Hauff von der revolutionären
Aufbruch Stimmung im Vormärz 1848 in Deutschland beeinflusst, wo die
Menschen in einem in viele Herzogtümer zersplitterten Gebiet lebten
und vom König oder den Fürsten abhängig waren.

Das diesjährige
Weihnachtsmärchen ist als Geschichte in der Geschichte konzipiert.
Zunächst wird das Publikum in den fernen exotischen Orient in mitten
einer Karawane (in Oase) entführt. Dort erzählt ein Schauspieler
aus dem Jugendclub die Erzählung stimmungsvoll als Zeichen dafür,
dass Fantasie Grenzen überwinden kann.

Probenfoto aus der Produktion "Zwerg Nase", dem Weihnachtsmärchen vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund. (Foto: © Edy Szekely)
Probenfoto aus der Produktion „Zwerg Nase“, dem Weihnachtsmärchen vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund. (Foto: © Edy Szekely)

Die Geschichte
handelt von Jakob, einem freundlichen Jungen von schöner Gestalt,
der seinen Eltern von klein auf auf dem Markt am Gemüsestand hilft.
Eines Tages ärgert er sich über eine griesgrämige, bucklige alte
Frau mit langer spitzer Nase, die sich über die angeblich schlechte
Ware am Stand beschwert. Im Gegenzug lästert Jacob über ihre
hässlicher Erscheinung. Zur Strafe verwandelt die sich als
Kräuterhexe entpuppende Frau ihn in eine Zwerg mit großer Nase. Sie
hält ihn gefangen, damit er ihr in der Küche dient. Was dann
geschah ist ein Abenteuer, dass er mit Hilfe eines Eichhörnchens und
Mimi, die kluge als Gans verwandelte Tochter eines Zauberers, erlebt
und das ihn an den Hof des Herzogs von Frankistan bringt. Dort kommt
es aber bei einem Staatsbesuch zu Verwicklungen.

Für die
atmosphärische Musik sorgt Michael Kessler, und für die flexible
Ausstattung (vom Dorf zum Wald, von der Küche zum Schloss) und die
Kostüme zeichnet Oliver Kostecka verantwortlich. Neben dem gesamten
KJT-Ensemble sind auch Statisten sowie Sadoun Alsinou und Anas
Alfakhouri aus dem Jugendclub-Ensemble mit von der Partie.Es wird
sicherlich auch wieder ein opulentes Vergnügen für die Augen
werden.

Die Premiere des
Weihnachtsmärchen „Zwerg Nase“ findet am Donnerstag, den
14.11.2019 um 19:00 Uhr im Schauspiel Dortmund statt,. Dafür gibt es
noch Rest-Karten.

Informationen über
die vielen anderen Aufführungstermine erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel.:
0231/50-27222.

Ab 01. Dezember bis
Mitte Januar ist „Zwerg Nase“ dann fast 50 mal auf der Bühne im
Schauspielhaus zu sehen.

Übrigens: Für die
Nachmittagstermine und um die Weihnachtsfeiertage gibt es noch gute
Chancen auf Karten, um die Aufführung zu erleben!




Der Maueröffner

Eines vorweg: Das Solostück „Helden wir wir“, das pünktlich zur
30-Jahrfeier der Maueröffnung am 09. November 2019 Premiere hatte,
lebte vor allem von der Darstellung von Andreas Beck. Ebenso präsent
wie bei seinen anderen Solostücken „Die Agonie und Ekstase des
Steve Jobs“ und „Die schwarze Flotte“ zeigte Beck den
Größenwahn und die Minderwertigkeitskomplexe seines Helden Klaus
Uhltzsch.

Das Bühnenstück
von Peter Dehler nach dem Roman von Thomas Brussig stellte mit Klaus
Uhltzsch eine klassische Ostbiografie vor. Der Staat griff mehr oder
weniger lenkend in die Geschicke seiner Untertanen ein, die
versuchten mit dem Leben zurecht zu kommen oder große Pläne zu
schmieden. Uhltzsch träumte schon als Kind, dass er zu ganz Großem
fähig sein. Für Uhltzsch war es ein Ziel, bei der Stasi als Agent
Karriere zu machen. So wie James Bond oder besser wie in der
DDR-Agentenserie „Das unsichtbare Visier“. Leider sind die
Aufgaben bei der Stasi nicht wirklich spannend, aber durch seine
Tätigkeit wird er zur großen Demo auf den Alexanderplatz geschickt.
Dort kommt es zu einem Unfall, bei der er einen riesigen Blutstau in
seinem Penis bekommt, das zu einem Riesenorgan wird. Damit öffnet er
dann am 09. November 1989 die Mauer.

Andreas Beck als Klaus Uhltzsch, dem unbekannten Maueröffner in "Helden wie wir". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Andreas Beck als Klaus Uhltzsch, dem unbekannten Maueröffner in „Helden wie wir“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Wie am „Werkzeug“
der Maueröffnung ersichtlich wird, das Stück enthält viele
sexuelle Anspielungen. Vielleicht war der Osten da ein wenig freier,
wobei der Westen spätestens in den 70ern aufgeholt hat – Stichwort
„Klimbim“. Die Hauptfigur leidet sein ganzes Leben an seinem
kleinen Penis. Dass er ausgerechnet durch den ersten Sexualkontakt
gleich Tripper bekommt, passt wie die Faust aufs Auge. Und darüber
hinaus ist es sehr peinlich, denn seine Mutter ist Hygiene-Fachfrau.

Andreas Beck spielt die Hauptfigur mit Witz und Komik. Denn auch hier zeigt sich die Stärke des Stückes: Ost und West können gemeinsam lachen. Beck braucht keine Requisiten oder ein aufwändiges Bühnenbild, aus einem Schrank wird ein DDR-Wachhäuschen, das zu einem Tisch wird und umgekehrt. Die Präsenz, die Beck ausstrahlt, zieht die Zuschauer in seinen Bann und nimmt alle mit ins Stück. 80 Minuten können lang sein, oder aber wie bei „Helden wir wir“ mit Beck äußerst kurzweilig. Alles passte an diesem historischen Abend perfekt, zumal Beck den echten Mauerfall auf einer Bühne in Eisleben erlebte.

Musik gab es auch:
Natürlich durfte die Hymne „Über sieben Brücken musst du gehen“
von Karat nicht fehlen, ebenso wenig wie „Der kleine Trompeter“
in der Version von Vera Ölschlägel.

„Helden wir wir“:
Ein gelungenes Stück mit einem gut aufgelegten Schauspieler, der die
Höhen und Tiefen seiner Figur glaubhaft machen konnte. Am 07.
Dezember (20 Uhr) und am 25. Dezember (18 Uhr) gibt es weitere
Gelegenheit der Maueröffnung beizuwohnen. Es lohnt sich.

Mehr Infos unter
www.theaterdo.de




Die wahre Geschichte der Maueröffnung

Andreas Beck erzählt im Solo-Stück „Helden wie wir“, wer für die Maueröffnung vor 30 Jahren wirklich verantwortlich war. Kleiner Spoiler: Es war nicht David Hasselhoff.

„Helden wie wir“: Thomas Brussig erzählt die legendär-satirischer Geschichte des DDR-Bürgers und Versagers Klaus Uhltzscht, der seinem Minderwertigkeitskomplex mit umso ausgeprägterer Phantasie, Hang zum Größenwahn und zu sexuellen Perversionen begegnet – von 1968, dem Tag der Niederschlagung des Prager Frühlings, bis zum 9. November 1989, dem Tag, an dem er mit heruntergelassener Hose vor der Mauer steht… Hat Uhltzscht persönlich die Mauer zum Einsturz gebracht hat? Premiere ist am kommenden Samstag, 9. November, um 20 Uhr im Studio des Schauspiel Dortmund.

Ars
tremonia nutzte die Gelegenheit, mit Andreas Beck über das Stück
und seine eigenen Erfahrungen beim Mauerfall zu sprechen.

Ars
tremonia: Andreas, wo
hast du den Mauerfall erlebt? 

Andreas
Beck: Auf der Bühne. Ich habe damals in Eisleben gespielt und zwar
das Rock-Musical „Paul Panke“ von der Gruppe “Pankow”. Wir
kamen nach dem Schlussapplaus umgezogen und abgeschminkt in die
Kantine, da kamen uns die Bühnentechniker entgegen und sagten: „Die
Mauer ist offen, die Mauer ist weg“. Das war recht seltsam, denn
die Kantine war gleichzeitig für die Besucher geöffnet und man saß
abends mit ganz vielen Leuten zusammen, die man gar nicht kannte. Es
war eine seltsame Stimmung. Auf der einen Seite Euphorie, es gab aber
auch Leute, die fast kollektiv geheult hätten. Die sagten: „Das
kann doch nicht wahr sein, jetzt ist alles vorbei.“ Ich gehörte
mehr zur euphorischen Gruppe.

Andreas Beck spielt den Mauerhelden Klaus Uhltzscht in "Helden wie wir". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Andreas Beck spielt den Mauerhelden Klaus Uhltzscht in „Helden wie wir“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das
Stück basiert auf dem Buch, es ist eine Bearbeitung von Peter
Dehler.
Der Roman war im Osten ein großer Erfolg. Dann entstand dieses
Bühnenstück als Monolog, das wird dann landauf,
landab aufgeführt.

Ars
tremonia: Warum wurde das Buch im Osten so ein Erfolg?

Andreas
Beck: Das Buch wurde zum Erfolg, weil es relativ nah dran war. Es war
das erste Buch, was sich satirisch mit der Sache befasste. Fernab von
jeglicher Ostalgie. Sondern es versuchte eine Biografie zu erzählen,
wie sie recht alltäglich war. Nämlich von den Kindern, die in der
DDR geboren wurden und dort aufgewachsen sind, und die in der Tat der
Meinung waren, auf der richtigen Seite geboren worden zu sein. Im
Text heißt es: „Da wo ich bin, wollen die anderen erst hin.”

Ars
tremonia: Was macht die Faszination aus, dies als Solostück zu
spielen? 

Andreas
Beck: Es ist eine Faszination, die anderen Figuren mitzugestalten.
Andererseits gibt es auch Tonaufnahmen, die wir von Kollegen dabei
haben. Es hat auch einen Reiz für das Publikum etwas alleine zu
machen. 

Ars
tremonia: Was macht das Stück für Westler interessant? 

Andreas
Beck: Ich hoffe erst mal, dass es viel zu lachen gibt, weil das Stück
auf viele Pointen hat, die diesseits und jenseits der Mauer zu
verstehen sind. Es ist auch ein bisschen versaut, das hat auch was
mit dem Osten zu tun. Weil der Osten auch wirklich versauter war,
beispielsweise gab es FKK Strände. Da war der Umgang mit solchen
Schweinereien ein wenig lockerer als in der verklemmten BRD. Ich habe
das schon mal gespielt vor 25 Jahren und war etwas erschrocken, als
ich den Text dann wieder hochgeholt habe. Wo man in der heutigen Zeit
von Gender und Triggerwarnungen etwas Skrupel hat und denkt “Kann
man das heute überhaupt noch so machen?“

Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass es 30 Jahre nach dem Mauerfall kein Westen und Osten mehr geben sollte. Wir sollten uns als Gesamtdeutsche oder wie man nennen sollte, begreifen. Für Leute, die im Westen groß geworden sind, könnte es interessant sein, zu sehen, wie eine so eine Biografie ausgesehen  hat.

Ars
tremonia: Ist die Biografie von Klaus Uhltzscht
eine realistische?

Andreas Beck: Es ist natürlich Literatur und auch Kunst. Daher ist das Buch in keinster Weise autobiografisch, sondern eine erfundene Biografie. Es heißt im Text: „Als dann 750. 000 Menschen auf dem Alexanderplatz stehen und demonstrieren, sagt er: „Haben sie nicht alle ihre Zeit sinnvoll in irgendwelchen Arbeitsgemeinschaften verbracht, sind sie nicht alle ins Kinderferienlager gefahren, haben sie nicht alle das Lied vom “kleinen Trompeter“ gesungen, sind sie nicht alle vorm Fernseher vor Dagmar Frederic geflüchtet?“ Die Biografien hatten schon Ähnlichkeiten im Osten. In der Schule, aber schon im Kindergarten ging dieses Indoktrinieren los. Der Staat war wie Mutter und Vater. Er hat versucht, dich immer in eine gewisse Richtung zu erziehen.

Ars
tremonia: Was erwartet den Zuschauer?

Andreas
Beck: Es ist ein bisschen Stand-up mit Tiefgang. Nicht nur im Sinne
von „unter der Gürtellinie“, es gibt auch durchaus ernstgemeinte
Sachen. Damit könnte man es am ehesten vergleichen. 

Restkarten
für 19 Euro sind noch erhältlich an der Vorverkaufskasse im
Kundencenter (Platz der Alten Synagoge), unter 0231/50-27222 und
www.theaterdo.de. Weitere
Vorstellungstermine sind am 7. und 25. Dezember.




Heidi – Der Berg ruft!

„Heidi“, Geißen, Gipfel,
Sensationen lautet der Titel der neuesten Theaterproduktion vom
Theater im Depot. Die klassische Vorlage des Romans von Johanna Spyri
erfährt eine fulminante Überarbeitung durch Regisseur und Autor
Stefan Keim.

Der
Plott der bekannten Erzählung bleibt im Grunde erhalten. Die junge
Heidi wird von ihrer Tante Dete zum Öhi auf die Alm abgegeben. Sie
hat Arbeit in Frankfurt gefunden und kann sich um das Kind nicht mehr
kümmern. Der Öhi gilt allgemein als ungesellig und etwas
sonderlich. Heidi hat jedoch ein sonniges Gemüt und kommt gut mit
dem Großvater klar. Erleichtert wird die Eingewöhnung durch den
Geißenpeter und einige Ziegen, die zu hüten sind. Nach einiger Zeit
erscheint Dete wieder auf der Bildfläche und nimmt Heidi mit nach
Frankfurt, um sie als Kameradin der behinderten Klara einzusetzen.
Nach einigen Anfangsschwierigkeiten arrangiert sich Heidi mit den
Gegebenheiten, vermisst jedoch das freie Leben auf der Alm. Nach
einiger Zeit in der fremden Stadt wird sie vor Heimweh krank und kann
kurz darauf in die Berge zurück. Nun muss sie allerdings Klara
zurücklassen, was Heidi auch nicht leicht fällt. Nach einigen
Monaten kommen Klara und deren Großmutter Frau Stresemann zu Besuch
auf die Alm. Durch gute Bergluft und eine Eifersuchtstat des
Geißenpeters schafft es Klara auf der Alm wieder laufen zu lernen.

Stefan Keim beginnt sein Stück mit einer Szene im Reisebüro. Ein Paar sucht einen Urlaubsort der beiden zusagt. Nach längerem Hin und her entscheiden sie sich fürs „Heidiland“. Inklusive Alphornklängen und Geißenkuscheln. Im Hintergrund ist eine Alpenkulisse auf eine Videowand projiziert. Hier schallen schon die ersten Lacher des Publikums Richtung Bühne. Danach beginnt die Erzählung über Heidis Abenteuer.

Vorbei mit der Alpenromantik! In Frankfurt muss Heidi (Cordula Hein, mitte) lernen wie man mit Messe und gabel isst. Angeleitet von Frl. Rottenmeier (Sandra Wickenburh) und Klara (Thorsten Strunk). (Foto: © Anja Cord)
Vorbei mit der Alpenromantik! In Frankfurt muss Heidi (Cordula Hein, mitte) lernen wie man mit Messe und gabel isst. Angeleitet von Frl. Rottenmeier (Sandra Wickenburg, links) und Klara (Thorsten Strunk). (Foto: © Anja Cord)

Die
drei SchauspielerInnen Cordula Hein (Heidi/Arzt), Sandra Wickenburg
(Der Öhi/Fräulein Rottenmeier) und Thorsten Strunk (der
Geißenpeter/Tante Dete/Klara/Großmutter) besetzen alle vorkommenden
Rollen. Mit Bravour wechseln sie in kürzester Zeit Outfit und
Haltung um in die jeweils nötige Rolle zu schlüpfen. Besonders
witzig und toll inszeniert ist der Auftritt der Herde,
ebenfalls genial durch die drei Schauspieler dargestellt. Beinah jede
Szene brachte das Publikum zum Kichern. Die Tiere
stehen auf einer leicht schrägen Fläche und kommentieren alle
Vorkommnisse auf der Alm. Dabei verhalten sie sich wie Nachbarn die
sich über den Gartenzaun oder aus dem Fenster heraus miteinander
unterhalten. Klatsch und Tratsch des Tages werden kommentiert.
Kreativ unterhalten sie sich durch Muuhs und Määhs, variieren den
Tonfall und beschreiben damit alles was Sie bewegt. Als
Übersetzungshilfe für das Publikum wird der ausführliche Text, man
glaubt ja nicht wie geschwätzig so eine Herde
sein kann, im Videobild aufgeschrieben.

Die
aktuelle Heidi ist ein aufgewecktes Kind, mit einem heiteren Gemüt
und einem positiven Blick auf die Menschen. Sie lässt sich auch vom
Großvater nicht einschüchtern der bei ihrem ersten Auftauchen mit
einer Axt auf sie und ihre Tante losgeht. Sandra Wikenburg verkörpert
den Öhi genauso glaubwürdig wie die Rolle des geifernden Fräulein
Rottenmeier. Thorsten Strunk stellt so viele Figuren da, das er
kurzfristig im Ablauf der Handlung auf der Bühne vom Geißenpeter
zur Klara mutiert.

Mit
neuen Texten versehen geben die Akteure zwischendurch kurze
Gesangseinlagen, wie zum Beispiel zu „La Montanara“ oder
„Frankreich, Frankreich“ von den Bläck Föös umgedichtet in
„Frankfurt, Frankfurt“. Auch das klassische Titellied zum Film
Heidi durfte natürlich nicht fehlen.

Die
Dialoge sind spritzig, Ironie tropft aus jeder Szene und es tut gut,
wenn alles mal nicht so ernst genommen wird

Das
begeisterte Publikum belohnte die Darsteller mit anhaltendem Applaus.

Die
nächsten Vorstellungen sind am 8. Und 9. November, jeweils 20h, am
10. November um 16h und am 22. Und 23. November wieder um 20h.




Tänzerische Läuterung

Xin Peng Wangs zweiter Teil der „Göttlichen Komödie“ von Dante führt uns auf den Läuterungsberg.

Mit dem Stück „Die
Göttliche Komödie II: Purgatorio“ entführt uns Ballettdirektor
Xin Peng Wang erneut in die Welt des italienischen Dichters Dante
Alighieri (1265–1321). Nach dem ersten Teil, dem Inferno, muss sich
unser Held Dante dem Fegefeuer stellen und den Läuterungsberg
erklimmen. Ein Premierenbericht vom 02. November 2019.

Sehr eindrucksvoll
startet das Stück. Auf einem Berg von Knochen sitzt die
Mezzosopranistin Clara Pertuy und singt das sentimentale „Whoever
You Are Come Forth“ von Kate Moore. Das ist gleichzeitig eine
Reminiszenz an die Belgrader Künstlerin Marina Abramovic, die 1995
eine ähnliche Performance gegen den Bürgerkreig im ehemaligen
Jugoslawien organisiert hat. Es ist immer wieder faszinierend, welche
wunderbaren Bilder Xin Peng Wang auf die Bühne des Theaters zaubert.
Beispielsweise, wenn eine Gruppe von Sündern im hinteren Bereich
verharrt und es aussieht, als ob sie im Hintergrund verschwimmen.
Oder am Ende, als die Wollüstigen gereinigt werden, indem sie in
einer riesigen Flammenwand brennen und in Rauch aufgehen. Dabei macht
Xin Peng Wang in seiner Interpretation deutlich: Die Hölle ist kein
echter Ort, sie ist eher in uns selbst. Wenn wir uns mit unseren
Lügengebilden, Eitelkeiten und Narzissmus die eigene Hölle
bereiten. Daher können an diesem Abend alle theologischen
Überlegungen ad acta gelegt werden, denn plötzlich hat man im Stück
das Gefühl es regnet in der Hölle.

Dante (Javier Cacheiro Alemán) in den Fängen der Versuchungen. (Foto: © Maria-Helena Buckley)
Dante (Javier Cacheiro Alemán) in den Fängen der Versuchungen. (Foto: © Maria-Helena Buckley)

Im Mittelpunkt des
Geschehens waren Dante (Javier Cacheiro Alemán) und sein Begleiter
Vergil (Dann Wilkinson). Doch eine beeindruckende Leistung bot vor
allem Guillem Rojo i Gallego als „Erzengel“, der mit seinen
Tanzbewegungen die macht des Engels unterstrich.

Ein bedeutender
Faktor in der Inszenierung war die Musik. Hier hatte Xin Peng Wang
erneut passende Musik ausgewählt. Sehr faszinierend war die deutsche
Erstaufführung von „Become oceans“ von John Luther Adams. Das
Stück ist stark von den Klängen der Natur inspiriert und imitiert
das An- und Abschwellen einer riesigen Welle im Ozean. Dazu kamen
Werke von Kate Moore, die im Bereich der minimal music komponiert und
Pascal Sevajols, dem Korrepetitor am Ballett Dortmund. Die Musik kam
natürlich nicht vom Band, sondern wurde live gespielt von den
Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Philipp Armbruster.
Tänzer und Musiker haben an diesem Abend eine großartige Leistung
vollbracht.

Der Abend ist kurz
(75 Minuten), aber er lohnt sich. Die Musik passt ideal zu den
Tänzern und dem Geschehen auf der Bühne. Die Tänzer selbst zeigen
einen großen Einsatz. Zeitgenössisches Ballett wie es sein sollte.

Mehr Infos und
Karten unter www.theaterdo.de




Inhouse – Multikulti in einem ehrenwerten Haus

Mit einer kleinen Verzögerung
startete am 26. Oktober 2019 im Schauspielhaus Dortmund die
Tanzperformance „Inhouse“ mit einer Mischung aus folkloristischem
Tanz, Spielszenen und Spitzenballett im Schauspielhaus. Unter der
Regie und künstlerischen Leitung von Monica Fotesco-Uta erarbeiteten
zahlreiche KünstlerInnen und Tanzgruppen verschiedenster Nationen
eine unterhaltsame Aufführung.

Zum
Auftakt tanzten die Jugendlichen des Vereins „Romano Than“ einen
traditionellen Tanz der Roma. Die Figuren der Jungen erinnerten an
kunstvollen Schuhplattler, während die Mädchen ihre
farbenprächtigen Röcke schwangen. Der Tanz war die Einleitung zu
häufig wechselnden Szenerien. Als Rahmenhandlung wurde
die Geschichte einer Hausgemeinschaft erzählt, die sich durch
verschiedenste Nationalitäten kennzeichnet. Es wohnen Koreaner,
Italiener, Spanier, Deutsche und Argentinier und weitere
Nationalitäten Wand an Wand. Sie bilden im kleinen Kosmos eines
Hauses die Vielfältigkeit unserer Welt und auch unseres täglichen
Umfeldes ab. „In den eigenen vier Wänden“ prägen sich die
nationalen Eigenheiten aus, im Kontakt zur Außenwelt sind jedoch
Verständnis und Kompromissbereitschaft für die unterschiedlichen
Vorlieben gefragt. Tanzeinlagen vom argentinischen
Tango über Ballett, peruanische Tänze bis zum Steptanz bilden das
tänzerische und musikalische Korsett für die diversen
Spielsequenzen. Durch verschiedene Wendungen in den einzelnen
Geschichten finden sich am Ende alle zur gemeinsamen Tanzparty bei
Giovanni in der Pizzeria um die Ecke ein. Dort hält zuvor allerdings
Barbesitzer Giovanni in der Rolle des „Paten“ noch eine kleine
Audienz ab. Danach wenden
sich alle dem Vergnügen
zu.

Monica Fortesco-Uta und Georgios Kormanos zeigten mit den anderen Tänzerinnen und Tänzern einen  bunten Strauß an unterschiedlichen Stilen. (Foto: © Anja Cord)
Monica Fortesco-Uta und Georgios Kormanos zeigten mit den anderen Tänzerinnen und Tänzern einen bunten Strauß an unterschiedlichen Stilen. (Foto: © Anja Cord)

Tänzerisch durchaus interessant, waren die kurzen Dialoge der Spielszenen leider etwas flach. Es gab zwar witzige Formulierungen, die auch einige spontane Lacher beim Publikum hervorriefen, das Textbuch wäre jedoch noch ausbaufähig beziehungsweise die Interpretation der Sketche müsste pointierter sein, um wirklich zu zünden.

Der letzte Tanz gehörte der ehemaligen Primaballerina des Dortmunder Balletts Monica Fortesco-Uta. Sie zeigte einen wundervollen Pas de deux mit Georgios Kormanos. Damit setzte sie einen hochklassigen Schlusspunkt hinter die Aufführung.

Mitwirkende
des internationalen Abends waren: Amigo Tango, die Ballettschule „La
Pointe“ Hoskins, „Change“, LWL Klinik Dortmund, Color Peru,
Dance in Dance out“, FFHaus, Etnia y Folclor Colombia,
Experimentalensemble Kulturbrigaden, Kharisma Dewi, Misterio del Sur,
Julia Pferdekamp und Romano Than e.V.




KindergartenBuchTheater Festival im Fletch Bizzel

Ein beliebter Bestandteil im Rahmen des LesArt.Festivals in Dortmund
(schon seit 14 Jahren) ist das KindergartenBuchTheaterfestival im
Theater Fletch Bizzel an der Humboldtstraße 45. In diesem Jahr
findet es dort vom 11. bis 15.11.2019 statt. Die künstlerische und
pädagogische Leitung hat Bettina Stöbe.

In diesem Jahr
beteiligen sich 14 Dortmunder Kita-Gruppen und und bringen ihr
Lieblingsbuch auf die Bühne. Es wurden gemeinsam Dialoge
geschrieben, Bühnenbilder gebastelt und auch Kostüme entworfen. Nun
warten die Kinder sowie ihre Verwandten gespannt und aufgeregt auf
ihren Auftritt, auf den sie so lange hingearbeitet haben.

Insgesamt neun
Bücher werden bespielt, darunter sogar ein englischsprachiges. Die
Fabido Kuithanstraße führt das humorvolle „The Birthday Crown“
am Montag, den 11.11.2019 als zweite Gruppe auf. Es geht an den fünf
Tagen um 15.00 Uhr los, und jeweils drei Kita-Gruppen bespielen ihre
Lieblings-Bilderbücher. Wie wichtig Mut ist, und das auch mutig sein
kann „Nein“ zu sagen, beweist der erste Beitrag der Kita
Kunterbund mit „Trau dich Koala…“ am 11.11.2019 um 15:00 Uhr
und am Ende Fabido Kita Beurhausstraße mit „Mutig, mutig“ am
15.11.2019.

14 Dortmunder Kitagruppen präsentieren ihr Lieblingsbuch auf der Bühne. Die Organisatoren (v.l.n.r.) Janesha Jeyaharan (FSJ Kulturbüro), Hartmut Salmen (LesArt Festival) und Isabel Pfarre (Literaturreferentin Kulturbüro) sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse.
14 Dortmunder Kitagruppen präsentieren ihr Lieblingsbuch auf der Bühne. Die Organisatoren (v.l.n.r.) Janesha Jeyaharan (FSJ Kulturbüro), Hartmut Salmen (LesArt Festival) und Isabel Pfarre (Literaturreferentin Kulturbüro) sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse.

In lustiger Form,
ohne erhobenen Zeigefinger, behandeln die ausgewählten Kinderbücher
unter anderem das Problem mit dem Einschlafen, der Angst vor den
fremden neuen Nachbarn oder was für Folgen eine weggeworfene
Bananenschale verursachen kann (Bewegungskindergarten Kletterland mit
„Chaos in Babelsberg“).

Drei Gruppen pro Tag
stellen ihr Lieblingsbuch spielerisch theatral vor. Dabei kommt es
vor , dass sich zwei Kitas auch mal das gleich Kinderbuch ausgesucht
haben. Es wurde von der Festivalleitung jedoch darauf geachtet, dass
diese nicht direkt hintereinander gezeigt werden. Unterschiedliche
Darstellungen und Interpretationen haben ja auch ihren Reiz.

Den genauen
Terminplan finden Sie unter
https://www.lesart.ruhr/kindergartenbuchtheaterfestival/




Neverland – Junge Oper mit behutsamer Adaption von Wagners Lohengrin

Im Rahmen des Wagner-Kosmos der Oper Dortmund mit der Premiere von
„Lohengrin“ startete die Junge Oper schon vorher ( Premiere
26.10.2019) mit „Neverland“ einer speziellen Adaption der
Romantischen Oper (auch) für Jugendliche ab 12 Jahre.

Frei nach Richard
Wagners (1813 – 1883) Lohengrin entstand dieses Werk in der Fassung
von Francesco Damiani und Alvaro Schoeck. Musikalisch sensibel
begleitet wurde die Aufführung von einer kleineren Gruppe von
Bläsern und Streichern der Dortmunder Philharmoniker unter der
Leitung von Satomi Nishi.

Mit Fritz
Steinbacher (Lohengrin), Irina Simmes (Elsa), Hyona Kim (Ortrud) und
Mandla Mndebele (Friedrich) hatte man starke Stimmen mit an Bord. Sie
konnten hier ihr vielseitiges Können unter Beweis stellen. Ob mit
Stimme oder Gestik, alle zeigten vollen Einsatz und konnten
überzeugen.

Wie bringt man
jungen Menschen den komplexen Stoff mit seinem mythologischen und
historischem Hintergrund sowie die Musik dieses ambivalenten
Komponisten näher? Wie einen Einstieg und ersten Zugang schaffen?

Dramatik auf der Bühne bei Neverland: Irina Simmes (Elsa), Fritz Steinbacher (Lohengrin), Hyona Kim (Ortrud). Foto: © Theater Dortmund
Dramatik auf der Bühne bei Neverland: Irina Simmes (Elsa), Fritz Steinbacher (Lohengrin), Hyona Kim (Ortrud). Foto: © Theater Dortmund

Die Inszenierung versucht dies durch die hauptsächliche Konzentration auf das große Frageverbot im Lohengrin: „Nie sollst du mich befragen…“. Ist es aus heutiger Sicht klug, in einer Beziehung (nicht nur) als Frau seine Zweifel zu äußern? Sind Geheimnisse nicht Gift für eine Beziehung?

Lohengrin trägt ein
Geheimnis mit sich herum, das er seiner Liebe Elsa, die sich nichts
mehr als eine ungetrübte Zweisamkeit und eheliches Lebensglück
wünscht, nicht offenbaren darf. Sein Lebenskonstrukt gerät sonst
aus den Fugen. Ortrud und Friedrich sehen die Beziehung skeptisch,
haben aber auch ihre eigenen Geheimnisse. Ist Lohengrin etwa eine
Schwindler und Betrüger? Sie helfen Elsa, sich durch selbständiges
Denken von ihren romantischen Träumen zu befreien und die Frage nach
seinem Geheimnis (Name und Art) zu stellen. Es muss tragisch enden.

Die
Grals-Mythologie, der historische Hintergrund und andere
Begebenheiten aus dem Original-Lohengrin werden eher symbolhaft
angedeutet.

Eine besondere
Eindringlichkeit der Aufführung lag in der Nähe des Publikums zum
Geschehen in der Jungen Oper. Diese wurde von zwei Seiten bestuhlt.
In der Mitte ein mit Kunstrasen umrahmter Graben. Die Delegation der
Bläser saß auf Stühlen am Rand, die Streicher mitten im Graben.
Auch Lohengrin lag zunächst auf einem Liegestuhl im Graben. Ein
Symbol für seine eingeschlossene „geheimnisvolle Welt“.

Der Schwan, der im
Lohengrin eine wichtige mythische Rolle spielt, taucht symbolhaft an
der Seite einer Holzbank, und am Schluss als künstlicher
Schwanenkopf in der Hand des Friedrich auf. Der Brautschleier wurde
dramaturgisch geschickt vielfältig als Symbol genutzt.

Die Adaption folgt sowohl musikalisch wie textlich dem Original in drei Akten und bietet so einen Einstieg in das monumentale Werk von Wagner mit einer heutigen Perspektive. Das durchkomponierte Musikdrama bietet so einiges an Facetten. Das Vorspiel am Anfang vermittelt mit seinen leisen sphärischen Streicherklängen die Aura des Grals. Später wechselt die musikalische Stimmung je nach Handlung von dramatisch bis romantisch.

Die Motive „Nie
sollst du mich befragen…“ und „Treulich gefreit…“ (Symbol
für die Hochzeitsträume) ziehen sich ähnlich einem roter Faden
durch die Musik.

Da der gesungene
deutsche Text nicht übertitelt wurde, konnte man diesen trotz klarem
Gesang nicht genau verfolgen.

Es ist durchaus
ratsam, sich vorher doch genauer mit dem Original-Lohengrin und allen
Hintergründen zu befassen.Vielleicht sollte es eine Anregung gerade
für die Jugendlichen sein, sich damit auseinander zu setzen. Das
Publikum war jedenfalls von der Leistung der Akteure angetan.

Informationen zu
weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel.:
0231/ 50 27 222.