Kunstgenossen im Saarlandstraßenviertel

Reste von Fußbodenbelag auf Holzdielen. Der Alptraum eines jeden Renovierers in einem Bild von Rosa Fehr von Ilten.
Reste von Fußbodenbelag auf Holzdielen. Der Alptraum eines jeden Renovierers in einem Bild von Rosa Fehr von Ilten.

Seit 2010 öffnen Künstlerinnen und Künstler aus dem Saarlandstraßenviertel und Umgebung regelmäßig ihre Ateliers, um ihre Kunst zu präsentieren. Noch bis zum Sonntag, den 14. Juni 2015, können Besucherinen und Besucher einen Blick die die Arbeit von Künstlern werfen. Zur Belohnung gibt es Wandermarken oder -stempel. Ars tremonia hat ein paar gesammelt.

Rosa Fehr von Ilten und Petra Eick zeigen ihre Kunst an einem besonderen Ort, dem Hinterhof des Raum- und Innenausstatters Torlop. Für die ausgestellte Kunst von Rosa Fehr durchaus passend, denn ihre kleine Ausstellung trägt den Titel „Von Stragula nach Balatum“. Beides waren Bodenbeläge, die aber durch das billigere PVC im Laufe der 70er Jahre verdrängt wurde. Fehrs ausgestellte Bilder zeigen ein klein wenig die Geschichte der Bodenbeläge, Reste von Klebebändern, die einen Teppichboden gehalten haben oder den verzweifelten Kampf gegen die Reste dieser alten Böden, die immer noch auf den Holzboden kleben bleiben. Zudem hat der Titel auch etwas exotisches, man könnte sich einen (Vampir)Film dazu ausdenken: Graf Stragula am Balatum.

Petra Eick hingegen ist vom Tanz fasziniert. Ihre Bilder zeigen Tänzerinnen, deren verzerrte Körper mit dem organischen Hintergrund eine Einheit bilden. Sie arbeitet zwar körperlich, aber nicht naturalistisch.

Claudia Terlunen, Sabine Held und Silvia Liebig zeigen keine Ausstellung, sondern „art in progress“. Sie arbeiten nämlich an einer neuen Ausstellung mit dem Titel „Auf nach Bilderbü“, die am 05. Juli 2015 im Torhaus Rombergpark eröffnet wird. Nach Bilderbü kommt man nur mit ganz besonderen Fahrzeugen, die die drei Künstlerinnen zunächst im Miniaturformat hauptsächlich aus Pappe formen, um sie dann in Groß zu fertigen.

Pia Bohr zeigt in ihrem Atelier ihre Skulpturen aus Holz. Ihre Werke sind haptisch und anfassbar und sind meist figurativ. Zu ihren Lieblingshölzern gehört Olivenholz, aber sie würde gerne einmal mit Rosenholz arbeiten.

Mehr Infos unter www.facebook.com/artgenossen.dortmund




Wie wirkt Sprache?

Der Dortmunder Sprechchor mit dem neuen Kindersprechchor in Aktion. (Foto: © Edi Szekey)
Der Dortmunder Sprechchor mit dem neuen Kindersprechchor in Aktion. (Foto: © Edi Szekey)

Die letzte Premiere des Schauspiels in der Spielzeit 14/15 ist eine ganz besondere: Zum ersten Mal wird neben dem Sprechchor ein Kindersprechchor auftreten. In „Kasper Hauser und die Sprachlosen von Devil County“ geht es nicht nur um die berühmt gewordene Person des Kasper Hauser, sondern auch die Frage wie wirkt Sprache auf uns und wie formt uns Sprache. Die Premiere ist am 13. Juni 2015 um 18 Uhr im Studio des Schauspielhauses.

Kasper Hauser (1812-1833) bliebt ein Rätsel. Betrüger oder verstoßener Erbprinz, die Meinungen gehen weit auseinander. Auch sein Tod ist ein Mysterium. Hat er sich die tödlichen Stichwunden selber zugefügt oder wurde er ermordet?

Doch das Stück versucht weniger die Rätsel zu entschlüsseln, sondern fragt sich zum einen, was Sprache mit uns macht und zum anderen, wie reagiert jemand, der in der Gesellschaft fremd ist. Wie zwängt man ihn in die Gesellschaft? Diese Fragen werden durch Texte von verschiedenen Autoren wie Peter Handke oder Fritz Zorn versucht zu beantworten.

Musikalisch wird der kommende neue musikalische Leiter des Schauspielhauses Tommy Finke das Stück unter seine Fittiche nehmen. Er hat nicht nur einige Lieder komponiert, sondern wird mit Harmonium und Klavier eine Live-Begleitung spielen.

Der neue Kindersprechchor wird bei seiner Premiere mit schönen Kostümen ausgestattet. Alle Mitglieder des Kindersprechchor werden so aussehen wie Kinder im 19. Jahrhundert zu Zeiten Kasper Hausers.

Die Premiere ist schon ausverkauft, ebenso wie die Termine am 20. und 24. Juni 2015. Ab dem 16. Juni 2015 startet der Vorverkauf für die Termine in der kommenden Spielzeit.




Über Kunst ins Gespräch kommen

Sabine Schönefeld beim zeichnen von Portraits, die zwar sehr schemenhaft sind, aber dennoch einen Wiedererkennungseffekt haben.
Sabine Schönefeld beim Zeichnen von Portraits, die zwar sehr schemenhaft sind, aber dennoch einen Wiedererkennungseffekt haben.

Am Freitag, den 12. Juni 2015 lädt das Museum Ostwall mit der UZWEI_Kulturelle Bildung zur vierten Ausgabe der „Schnittstelle“ ein. Von 18 Uhr bis 24 Uhr dreht sich auf der zweiten und vierten Etage alles um das Thema „Luxus“. Die Aktion bietet jungen Kreativen aus Dortmund und Umgebung Raum die Schnittstelle zwischen Kunst, Design, Musik und Literatur.

Auch das ist Luxus: Die zweite Etage UZWEI im Dortmunder U lädt zur Entspannung ein: Die Besucherinnen und Besucher können in der Wellness-Lounge „Just be“ Klang- und Lichtinstallationen von „THE LATE GREAT WEDDING CAKE“ hin zu Klangmassagen und weiteren Angeboten der körperlichen und mentalen Fitness genießen. Hier gilt vor allem der Luxus der Entschleunigung. Das Bochumer Waffelwerk sorgt mit frischen süßen und herzhaften Waffeln für das leibliche Wohl wie die Crew der Tyde Studios aus dem Dortmunder Hafen auf dem Vorplatz des U.
Kulturschaffende aus Dortmund hinterfragen und definieren Luxus neu. Sie eröffnen im Museum Ostwall eine „Lichtschutzzone“ und fragen nach dem Luxus totaler Dunkelheit im Kontext von Lichtkunst. Unter dem Motto „Gib dir mehr Zeit für dich und Kunst“ wird den Besucherinnen und Besuchern zehn Minuten vor einem Kunstwerk ihrer Wahl geschenkt, um mit ihren über Kunst zu sprechen. Vor Andy Warhols Portraits von Marilyn Monroe zeichnet Sabine Schönefeld Portraits von Besuchern. Das ist der „Luxus des Handgezeichneten“ im Zeitalter der digitalen Selfies.
Platz für Literatur und Musik ist auch: Rainer Holl slamt im Museum, The Beat stellt an diesem Abend das musikalische Kompetenzteam und wird zur Schnittstelle zwischen zeitgenössischer, Indie-Musik zahlreicher Genres und dem Publikum. Neben den Turntables gibt sich Singer-Songwriter Ben Hermanski die Ehre. „Für Hier“ betonen den Luxus der Interdisziplinarität: Bildende Kunst, Fotografie, Grafikdesign und Literatur verankert das Projekt in Dortmund.
Der HMKV öffnet an diesem Abend ebenfalls seine Türen. Ein Besuch der Ausstellung „Das mechanische Corps“ ist im Eintrittspreis inbegriffen. Der Eintritt zur „Schnittstelle“ am Freitag, 12.06.2015, beträgt vier Euro.




Emotionale Farben

Die Künstlerin Hadijah Nassanga neben ihrem Selbstportrait.
Die Künstlerin Hadijah Nassanga neben ihrem Selbstportrait.

Die Künstlerin Hadijah Nassanga zeigt vom 07. Bis zum 28. Juni 2015 in der Galerie Torhaus Rombergpark ihre Arbeiten unter dem Titel „Mother Love“. In ihren farbenfrohen Arbeiten beschäftigt sie sich mit afrikanischen Themen.

Schon vor etwa 1 1/2 Jahren berichtete Ars tremonia über eine Ausstellung von Nassanga in der Artothek. Ihre farbenfrohen Bilder aus dem afrikanischen Leben bleibt zwar ihr Hauptwerk, doch die Künstlerin hat sich weiter entwickelt und arbeitet mit verschiedenen Materialien wie Sand, Mischtechniken oder sie geht in eine abstrakte Richtung.

Was ebenfalls geblieben ist, ist die starke Bezugnahme auf Symbole. Segnungen, Flüche und Bürden sind ein häufiger Aspekt in ihren Bildern. Ebenso stark vertreten sind die Bilder mit Familienbezug.

Die Farben haben eine starke emotionale Bedeutung für Nassanga. So steht ein lila Kopftuch einer Mutter laut Nassanga „für eine Opferfarbe. Obwohl sie viel erträgt, gibt sie auch viel zurück.“ Besonders markant tritt die Farbsymbolik in ihrem Selbstportrait zu Tage. „Meine Seele ist blau“, erklärt die Künstlerin ihre Gesichtsfarbe auf dem Bild. Meine Augen habe ich grün gemalt, weil ich ein Mensch bin, der glaubt, dass irgendwo immer noch ein Licht ist.“

Nassanga hat sich in der vergangenen Zeit mit anderen Techniken in ihrer Malerei beschäftigt. So hat sie in ihrem Urlaub in Uganda die Kunst der Sandmalerei gelernt. In der Ausstellung sind einige eindrucksvolle Arbeiten zu sehen.

Hat Nassanga früher ausschließlich gegenständlich gemalt, probiert sie nun andere Formen aus. „Ich gehe etwas in die abstrakte Richtung. daran habe ich lange gearbeitet. Es gab eine Zeit, da ging es mir nicht so gut. Durch die abstrakte Malerei konnte ich meine Gefühle besser ausdrücken.“

Öffnungszeiten Torhaus Rombergpark:

Dienstag-Samstag, 14:00-18:00 Uhr
Sonntag, 10:00-18:00 Uhr




Preisgekrönte Pressefotos im Depot

Foto v.li. Pressechef des World Press Photo Wettbewerbs Karl Lundelin, Wolfgang Bödeker aus der Kommmunikationsabteilung der DEW21 und Geschäftsführerin des Depots Claudia Schenk präsentieren das World Press Photo of the year des Dänen Mads Nissen/Scanpix/Panos Pictures. Sein Bild zeigt ein homosexuelles russisches Paar in einer intimen Situation in ihrem Zuhause in Moskau. (Foto: © Anja Cord)
Foto v.li. Pressechef des World Press Photo Wettbewerbs Karl Lundelin, Wolfgang Bödeker aus der Kommmunikationsabteilung der DEW21 und Geschäftsführerin des Depots Claudia Schenk präsentieren das World Press Photo of the year des Dänen Mads Nissen/Scanpix/Panos Pictures. Sein Bild zeigt ein homosexuelles russisches Paar in einer intimen Situation in ihrem Zuhause in Moskau. (Foto: © Anja Cord)

Zum vierten Mal macht die World Press Photo Ausstellung Station im Kulturort Depot. Vom 30. Mai bis zum 21. Juni können die preisgekrönten Fotos namhafter Fotografen in der großen Halle besichtigt werden. Auf 145 Fotos sind spektakuläre Aufnahmen der wichtigsten Ereignisse des letzten Jahres zu sehen.

Seit 58 Jahren zeichnet die World Press Photo Foundation in diesem internationalen Wettbewerb die besten Fotos und Serien in den Kategorien General News, Spot News, Contemporary Issues, Daily Life, Portraits, Nature, Sports und Long-Term Projects aus. 41 Fotografen aus 17 Ländern wurden dieses Jahr prämiert.

Hauptziel der World Press Photo Foundation ist die Förderung professioneller Pressefotografen. Ein weiteres Anliegen ist die Auseinandersetzung mit den Themen des letzten Jahres und deren fotografische Umsetzungen. Die Erfahrung zeigt, dass die Besucher, egal ob Laien oder Profis vor den ausgestellten Fotos ins Gespräch kommen. Über Inhalte der Bilder und Serien, Lebenssituationen, politische Verhältnisse, technisches Verständnis und vieles mehr. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die stärksten Bilder sich nicht nur mit den Top-Nachrichten der Schlagzeilen befassen, sondern viele Zwischentöne zeigen, den Betrachter zum genauen Hinsehen verführen.
So ist zum Beispiel die Arbeit des Belgiers Tomas van Houtryve/ VII für Harper’s Magazine verstörend. Er fotografierte in den USA Menschenansammlungen mit einer extra dafür angeschafften Drohne, alltägliche Situationen, analog zu in Meldungen aus dem Jemen und Pakistan beschriebenen Drohnenangriffen auf wehrlose Menschengruppen, bei Hochzeiten, Beerdigungen oder Sportveranstaltungen. Abgelenkt durch die Ästhetik der Fotos, erschließt sich die Analogie erst durch die Bildlegende.

Eine durch alle Zeiten wichtige Fragestellung ist die Glaubwürdigkeit der Pressebilder. Seit zwei Jahren, erklärt der Pressechef der Foundation Karl Lundlin, müssen die teilnehmenden Fotografen neben dem in der Presse veröffentlichten Foto auch die RAW-Datei (vergleichbar mit einem Negativ) des Bildes einreichen, um jede Manipulation am Foto auszuschließen bzw. die angewandten Bearbeitungen sichtbar zu machen. In 20 Fällen lehnte die Jury Fotos ab und schloss sie vom Wettbewerb aus, da die Eingriffe in das Originalmaterial als zu gravierend betrachtet wurden.

Claudia Schenk, Geschäftsführerin des Depots, erwartet wie in den letzten Jahren um die 5.000 Besucher in der hochkarätigen Wanderausstellung. Sie weist darauf hin, dass besonders Schulklassen willkommen sind. Im Rahmenprogramm der Ausstellung können sie u. a. mit Hilfe eines Fragebogens erarbeiten was die Pressefotografie ausmacht, wie eine Nachricht zur Nachricht wird oder wie ein Bild in die Nachrichten gelangt.

Als weiteren Tipp weist sie auf mehrere Sondertermine hin:

Am 30 Mai um 16h führen die Fotografen Peter Lutz und Jan Schmitz durch die Ausstellung. Beide haben ihr Studio im Depot.
Die Führung kostet 6 € / 4€

Täglich von Donnerstag, dem 11.6. bis 17. 6. 17h, zeigt das sweetSixteen Kino den Film „Das Salz der Erde“, eine beeindruckende Dokumentation des Fotografen Sebastiao Salgado.

Am 12.6. hält der Dortmunder Fotograf Pascal Amos Rest einen Vortrag über seine Arbeit. Er zeigt einige seiner Projekte und erläutert das journalistische Arbeiten für u.a. Magazine wie Stern und Focus. Der Eintritt ist frei.




Niederländische Meister für das MKK

Eines der sieben Gemälde ist von Frans de Hulst "Wasserlandschaft mit mächtuigem Stadttor zwischen Rundturm udn Windmühle am Wasser, Fischer mit Körben am Ufer", Öl/Holz, oval 30x41 cm
Eines der sieben Gemälde ist von Frans de Hulst „Wasserlandschaft mit mächtigem Stadttor zwischen Rundturm und Windmühle am Wasser, Fischer mit Körben am Ufer“, Öl/Holz, oval 30×41 cm

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte erhält sieben Werke alter niederländischer Künstler. Die Bilder hat der Dortmunder Publizist und Pressehistoriker Prof. Dr. Kurt Koszyk nach seinem Tod dem Museum vermacht.

Kurt Koszyk ist 1929 in Dortmund geboren und hat am Stadtgymnaisum sein Abitur gemacht. Nach seinem Studium in Münster und München arbeitete er bis 1957 als Journalist bei der Westfälischen Rundschau. Danach leitete er bis 1977 das Institut für Zeitungsforschung, um dann Gründungsprofessor des Modellstudienganges Journalistik an der Universität Dortmund. Nach seiner Emeritierung verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach München. Er starb am 01. Januar 2015.

Warum Koszyk ausgerechnet alte niederländische Meister wie Frans de Hulst oder Jacob Toorenvliet sammelte, bliebt im Dunkeln. Vielleicht bestand eine Geistesverwandtschaft mit dem 17. Jahrhundert, schließlich sammelte Koszyk aus beruflichem Interesse auch fliegende Blätter aus dieser Zeit.

Auf alle Fälle sind die sieben Gemälde eine Bereicherung für die Sammlung des MKK, sind sich Brigitte Buberl und Gisela Framke vom MKK sicher.




Der Wandel der Emscher in Fotografien

Verlassene Industriestandorte werden zu städtischen Highlights, früherer Unorte werden neu entdeckt, die Stadtlandschaft der Emscherregion wandelt und verändert sich. Diesen Transformationsprozess einer ganzen Region begleitet das „BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft“ der Emschergenossenschaft. Seit ihrer Gründung vor 100 Jahren dokumentiert die Emschergenossenschaft Umbau und Wandel in einem fotografischen Archiv, das heute über 200.000 Aufnahmen beinhaltet. Im letzten Jahr konnten die Dortmunder einen Teil dieser Sammlung in der Ausstellung „Das Flussarchiv“ im MKK bestaunen.

In der diesjährigen Ausstellung der Bridges-Sammlung sind im Dortmunder Kunstverein sieben Arbeiten zu sehen. Die Bilder der diesjährigen Preisträger Ekkehard Bussenius mit der Arbeit „Handlungsräume“ und Fatih Kurceren mit „My German Diary“. Eine Konzeptarbeit von Axel Braun und vier Auftragsarbeiten, die sich mit typischen Aspekten des Lebens in der Region auseinandersetzen.Von außen durch die gläsernen Wände sind Bilder der Preisträger der letzten zehn Jahre des Bridgesprojekts zu sehen.
Die Arbeit von Ekkehard Bussenius beschäftigt sich mit der Darstellung von Gebäuden und Orten an der Peripherie des Phönixsees. Die menschenleeren Bilder muten leicht artifiziell an, sie sind in der Dämmerung zur blauen Stunde mit Langzeitbelichtung entstanden, Landschaften und Gebäude verändern ihre Oberflächen und Strukturen. Die Wahrnehmung des Alltäglichen ändert sich.

In „My German Diary“ zeigt Fatih Kurceren Menschen, die als Migranten in eine Region gekommen sind, die seit 150 Jahren von Zuwanderung und Wandel durch die Industrialisierung und deren Ende geprägt ist. Er zeigt junge Menschen am Rhein-Herne-Kanal, einen Mann, der Werbeplakate klebt oder Menschen die sich in den Armen liegen. „Es sind die Menschen selbst, die in beiläufigen Inszenierungen und Beobachtungen als diejenigen betrachtet werden, die ihr Selbst und ihre Umgebung von Moment zu Moment neu erschaffen“.

Eine Konzeptarbeit von Axel Braun entstand zum Bridges-Aufruf „sustain and ability“. Ein großformatiges Foto zeigt eines der wenigen originalen Teilstücke der Emscher. Es befindet sich zu einem Parkteich reduziert im Kaisergarten hinter dem Schloß Oberhausen. Ein Buch als Leporello angelegt zeigt zahlreiche alte Schwarzweiß-Fotos des Emscherverlaufs. In einem Video dokumentiert der Fotograf den Fortgang der Emscherrenaturierung.

Ausgewählte Studenten der FH Dortmund und der Essener Folkwangschule zeigen ihre Arbeiten im Stil der Autorenfotografie. Zum Beispiel verschiedene Bergehalden im Winter, das Centro Oberhausen in einer kontrastarmen Schwarzweißfotografie oder Details aus Kleingartenanlagen die chaotisch oder abgezirkelt kontrolliert wirken.

Die Ausstellung läuft vom 30. Mai bis zum 12. Juli.




Der Lochbuddler

Paul Wallfisch (an der Schüppe) half seinem Freund Robert Leaver ein wenig beim graben. (Foto: © Anja Cord)
Paul Wallfisch (an der Schüppe) half seinem Freund Robert Leaver ein wenig beim graben. (Foto: © Anja Cord)

Am Freitag, dem 22. Mai 2015 stand Robert Leaver noch als Musiker auf der Bühne im Rahmen der Musikreihe „small beast“ (wir berichteten), einen Tag später, am Samstag, war er als Performancekünstler in Dortmund unterwegs. Genauer gesagt in der Galerie 143 an der Rheinischen Straße bzw. im Union Gewerbehof.

Nachdem Robert Leaver seine Performance „I crawl home“ beendet hatte, bei dem er auf Händen und Knien durch Manhattan gekrochen ist, hat er ein neues Projekt: Hole Earth. Hier buddelt er ein Loch und legt sich für einige Minuten hinein. So auch am Samstag im Union Gewerbehof.

Die Arbeit war nicht leicht für Leaver, er musste richtig ackern, um in den harten Boden ein Loch zu graben. Bis auf ein paar rote Backsteine wurde nichts von Bedeutung gefunden. Leaver machte seine Arbeit ernsthaft, die Aktion war nicht in irgendeiner Art ironisch gemeint. Für die etwa 20 bis 30 Zuschauer der Performance hatte es etwas Meditatives.

Zufall oder nicht? Als Leaver gegen 17 Uhr in das Loch stieg, läuteten von der benachbarten Kirche die Glocken. Dort lag er dann fünf bis zehn Minuten in einer embryonalen Haltung und kroch danach wieder langsam heraus. Danach wurde das Loch wieder zugeschüttet.

Es hatte etwas von Geburt und Beerdigung. Es gab Kulturen, die ihre Toten in embryonaler Haltung bestatteten. Eine Art Rückkehr in den Mutterleib.

Die Performance hatte etwas von der Kunst des Fluxus, die ihren Höhepunkt in den 60er Jahren hatte.




Dans macabre in der Artothek

Jan van Nahuijs behandelt in seinen Arbeiten in der Artothek oft einen Totentanz.
Jan van Nahuijs behandelt in seinen Arbeiten in der Artothek oft einen Totentanz.

In seinen Holzschnitten und bildhauerischen Arbeiten beschäftigt sich der Schwerter Künstler Jan van Nahuijs mit den Themen „Tanz – Liebe – Tod“. Die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund zeigt seine Werke vom 22. Mai bis zum 03. Juli.

Die Kombination von Tanz und Tod ist in der bildenden Kunst ein beliebtes Thema. Der sogenannte „Dans macabre“ wurde seit dem 14. Jahrhundert immer wieder von Künstlern aufgegriffen. „Ich sehe den Tod nicht als Bedrohung“, erklärt van Nahuijs zu Beginn des Gespräches. „Ich habe ein sehr positives Verhältnis zum Tod. Er ist die einzige Gerechtigkeit.“ So wirken seine Arbeiten keinesfalls düster und depressiv, sondern der Totentanz kommt dem Betrachter in bunten Farben entgegen. Fast könnte man die Drucke für eine bunte Variante von Piratenflaggen halten. Der Tod gehört halt dazu. Er ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens.

Zwei Holzschnitte in Blau scheinen auf den ersten Blick nicht mit der Thematik zu tun haben. Inspiriert hat sich van Nahuijs dabei von einem Gedicht der Schwerter Lyrikerin Annette Hövelmann über den Selbstmord einer argentinischen Lyrikerin, die zur „blauen Stunde“ ins Wasser ging.

Auch in seinen vier ausgestellten Skulpturen/Plastiken bleibt er seiner Thematik treu. Dabei lässt van Nahuijs in seinen Arbeiten dem Betrachter noch genügend Raum, um eigene Gedanken zu entwickeln.

Van Nahuijs sieht sich als einen Künstler, der thematisch und politisch arbeitet. „Schöne Kunst mache ich eigentlich nie“, sagt er. Daher ist es kaum verwunderlich dass van Nahuijs den österreichischen Bildhauer Alfred Hrdlicka als Vorbild nimmt, der ebenfalls ein sehr politischer Künstler war.

Van Nahuijs, der im niederländischen Winterswijk geboren wurde, ist Autodidakt. Neben der bildenden Kunst ist er vom Ballett fasziniert. Kein Wunder, dass der Tanz in seinen Arbeiten daher eine große Rolle spielt.

Öffnungszeiten der Artothek: Dienstag und Freitag von 10 bis 19 Uhr.




Ganz anders an Kunst herangehen

Barbara Wolf (HMKV), Jasmin Vogel (Marketingf Dortmunder U) und Regina Selter (Museum Ostwall) freuen sich auf viele Besucher beim Internationalen Museumstag.
Barbara Wolf (HMKV), Jasmin Vogel (Marketingf Dortmunder U) und Regina Selter (Museum Ostwall) freuen sich auf viele Besucher beim Internationalen Museumstag.

In einem Museum muss man ganz leise sein und sich höchstens flüsternd unterhalten, oder? Beim 38. Internationalen Museumstag am 17. Mai 2015 dreht sich im Dortmunder U alles um die MuseumsSounds. Die Besucher können sich an diesem Tag an einem Spiel beteiligen, um herauszufinden, wie ein Museum klingt.

Von 13 bis 16 Uhr können die Besucher des Dortmunder U durch das Gebäude laufen und Dinge einsammeln, die den Klang des Museums entsprechen. Denn es geht um die Frage, wie können Geräusche Geschichten erzählen? Vorgemacht hat es Florian Hüttner, der für seine „Reviere rund ums U“ auf der 4. Etage neben Gemälde auch Sounds gesammelt hat.

Organisiert wird das Spiel von den „Herbergsmüttern“ und unter dem Hashtag #MuseumSound werden die Ergebnisse auch auf Twitter und anderen Kanälen sichtbar.

Wer die gesamte Tour nicht mitmachen will, kann sich auf den einzelnen Etagen vergnügen: Auf der UZWEI entsteht im Rahmen der Ausstellung „buchlabor – Dialoge über Bücher“ eine Buchwerkstatt. Mit verschiedenen Farben und Materialien, von gepressten Pflanzen über Altpapier, mit Tinte und Buntstiften, können sich die Teilnehmer jeden Alters ihr ganz persönliches Notizbuch gestalten.

Der HMKV auf der dritten Etage plant eine Filmaktion. Wie ist es, mit einer Rakete auf den Mond zu reisen, mit einem Heißluftballon die Welt zu umrunden oder mit einem U-Boot abzutauchen? Zwischen 12.00 und 17.00 Uhr können die Clips in der Stop-Motion-Filmwerkstatt produziert werden.

Zum Internationalen Museumstag bietet das Museum Ostwall spezielle kostenlose Führungen und Workshops an:
– 11.30 Uhr – 15.30 Uhr: Workshop für Familien
Interaktives Bildarchiv – ein Museum der Zukunft

– 11.30 Uhr + 12.30 Uhr: Führung für Familien
Der Biene hinterher

– 15 Uhr + 16 Uhr: Kurzführungen zur Sammlung

Doch nicht nur im Dortmunder U finden spezielle Veranstaltungen zum Museumstag statt:

Im Kindermuseum Adlerturm steht an diesem Tag einmal mehr das Mittelalter und die Dortmunder Stadtgeschichte im Mittelpunkt.

„Was trug die reiche/ arme Frau? Was trug ein Ritter oder Edelmann? Welche Unterschiede gibt es zur heutigen Kleidung und warum?“ Das sind nur einige Fragen, die Kinder anhand bekannter Persönlichkeiten der Dortmunder Stadtgeschichte in der Zeit von 13 bis 15 Uhr vorstellen.

Von 15 bis 16 Uhr wird die beliebte Kinderführung angeboten. Kinder gehen gemeinsam mit Kindern ab sechs Jahren auf Tour und stellen die Schätze des Adlerturms vor und erzählen spannende Geschichten vom Leben im mittelalterlichen Dortmund und über die Ausbildung zum Ritter.

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte bietet kostenlose Führungen an:

Von 14 bis 15.15 Uhr begleiten die Besucher Frieda Vorlaut und Franziska vom Fach auf den Spuren der „Sprichwörter“.

Wer kennt sie nicht, die Sprichwörter: „Vom Zahn, den man zulegt, und dem Faden, den man verliert, vom Fettnäpfchen, in das man tritt, von der Haube, unter die man (besser: frau) kommt?“ Redensarten und Sprichwörter haben oft eine kuriose Herkunft. Bei dieser interessanten Führung wird so manches Geheimnis gelüftet.

Mit Taschenlampen gerüstet geht es um 14 Uhr für Familien zurück in die Steinzeit. Wie haben die Menschen in dieser Zeit gelebt, welche Tiere wurden gejagt und was haben sie gegessen? Gemeinsam geht es auf Spurensuche. Zum Abschluss kann jede/r eine Mammut-Schneekugel zur Erinnerung basteln. Es wird darum gebeten, eine Taschenlampe mitzubringen

Von 15 bis 16.30 Uhr führt sie Dagmar Winkler durch die aktuelle Wechselausstellung: Going West. Der Blick des Comic Richtung Westen.

Die Führung geht der Frage nach, wie der Comic vom Wilden Westen beeinflusst wurde. Weit mehr als 100 Originalzeichnungen, viele Erstausgaben und Filme sind zu sehen, natürlich auch die Klassiker wie »Lucky Luke« von Morris, »Tim in Amerika« von Hergé oder »Leutnant Blueberry« von Jean Giraud.