Eine künstlerische Annäherung mit Werken von Petra Ultsch

Genau 50 Bilder stellt die Dortmunder Künstlerin Petra Ultsch in den
Räumen der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund bis zum 31.
Januar 2020 aus. Unter dem Titel „Tendenzen“ zeigt Ultsch ihre
mit kräftigen Ölfarben gemalten Werke, von denen manche durch ihre
Abstraktion und Farbgebung an die Expressionisten wie Macke, Klimt
oder andere erinnern.

Doch bei Petra
Ultsch sind die Künstler nur die Inspiration, sie macht sich auf die
Suche nach ihrer eigenen Bildsprache und benutzt eine kräftige
Farbgebung. Komplementärfarben faszinieren sie, wobei bei einigen
Arbeiten auch düstere Farbkombinationen gewählt wurden.

Petra Ultsch vor zwei ihrer Arbeiten in der IHK zu Dortmund. Die beiden Bilder sind gute Beispiele für ihre Ausstellung "Tendenzen".
Petra Ultsch vor zwei ihrer Arbeiten in der IHK zu Dortmund. Die beiden Bilder sind gute Beispiele für ihre Ausstellung „Tendenzen“.

Durch die abstrakte
Malerei besitzen viele Bilder keinen Titel, dennoch lassen sich
florale oder körperliche Strukturen erkennen. So ist der Betrachter
gezwungen, sich mit den Bildern auf seine eigene Art
auseinanderzusetzen und die Arbeiten von Ultsch zu interpretieren.

Den Titel
„Tendenzen“ hat sie bewusst gewählt. Für die Künstlerin sind
Tendenzen eine Annäherung an etwas. So ergeht es auch dem Betrachter
ihrer Werke. Auch er muss sich ihrer Kunst annähern. Es lohnt sich
auf jeden Fall, die IHK zu besuchen (Öffnungszeiten von
Montag-Donnerstag von 8-17 Uhr und Freitag von 8 bis 15 Uhr) und sich
von den Bildern von Petra Ultsch inspirieren zu lassen.




Spannende Einblicke in die Kunstszene von Novi Sad

„Schere, Stein, Papier“ ist ein einfaches Spiel, um
Entscheidungen herbeizuführen. Bekannt ist es auch unter „Schnick,
Schnack, Schnuck“. In der BIG gallery stellen 12 Künstlerinnen und
Künstler aus Novi Sad vom 11.08. bis zum 30.08.2019 unter dem Titel
„Stein-Papier-Schere“ ihre Arbeiten aus. In ihren Positionen geht
es auch um die Frage von Macht, Gerechtigkeit, Entscheidungsfindung
und Glück. Die Kuratorin der Ausstellung war Maja Erdeljanin vom
Kultur Centrum in Novi Sad.

Das Schöne beim
„Schere, Stein, Papier“, ist ja, dass kein Element eine führende
Rolle einnimmt. Jedes wird von einem Element geschlagen und besiegt
eines. Keines ist besser als der andere. Diesen Aspekt der
Ausstellung greift Danijel Babić mit einem gleichnamigen Stück
konkret auf. Babić stellt eine problematische emotionale Beziehung
zwischen zwei Menschen dar, bei der jeder von ihnen versucht, über
den anderen zu dominieren. Durch reduzierte Figuren und Linien, fast
ohne Farbe, gibt er eine klare grafische Darstellung der persönlichen
Enttäuschung.

Doch „Schere,
Stein, Papier“ sind natürlich auch Materialien und Werkzeuge.
Während Papier sofort Assoziationen mit Malerei oder Grafiken weckt,
wird es bei Stein schwieriger, denn es sind kein Skulpturen zu sehen.
Und die Steine, die zu sehen sind, führen den Betrachter in die
Irre, denn Danica Bićanić zeigt weiche Objekte, die an Steine
erinnern und eigentlich entweder Stapel von Plastiktüten mit Müll
oder Nylons sind, die zu einer Collage auf einer Papieroberfläche
verarbeitet wurden. Interaktive Skulpturen aus Weichgummi, genannt
„Shaping“, sind für das Publikum da, um sich nach Belieben
zu formen, so dass die willigen Besucher Künstler werden und
gemeinsam die Realität, d.h. die Skulptur, in Abhängigkeit von
ihren unterschiedlichen Wahrnehmungen, Beziehungen und Kommunikation
gestalten können.

"Stein-Papier-Schere" - Kunst aus Novi Sad in der BIG Gallery vom 11.08. bis 30.08.2019. (v.l.n.r.) Peter Kaetsch (Vorstand der BIG direkt gesund), Pia Bohr (Dortmunder Gruppe), Mileta Poštić (Künstler), Alexander Pohl (Dortmunder Gruppe), Maja Erdeljanin (Kuratorin und Künstlerin), Georg Vinokic (Künstler) und ein Techniker.
„Stein-Papier-Schere“ – Kunst aus Novi Sad in der BIG Gallery vom 11.08. bis 30.08.2019. (v.l.n.r.) Peter Kaetsch (Vorstand der BIG direkt gesund), Pia Bohr (Dortmunder Gruppe), Mileta Poštić (Künstler), Alexander Pohl (Dortmunder Gruppe), Maja Erdeljanin (Kuratorin und Künstlerin), Georg Vinokic (Künstler) und ein Techniker.

Doch die Steine
kommen auch vor, in Form von Lithographien. Denn Lithographie wird
auch als Steindruck bezeichnet. Jelena Sredanović zeigt dem
Betrachter eine Vision eines freien Vogelfluges. In ihren farbigen
Drucken stellt sie den blauen Himmel über den Wolken dar und erhebt
sich über die vorübergehenden Schwierigkeiten, die uns vergessen
lassen, dass die Sonne immer wieder über uns scheint. Das Gefühl
der Leichtigkeit in den fast fotorealistischen Bildern von weichen
Wolken wird durch das sehr feine Japanpapier, auf dem diese
großformatigen Stücke gedruckt werden, verstärkt.

Jetzt fehlt nur noch
die „Schere“. Die ko0mmt bei den Kollagen zum Tragen. Ein gutes
Beispiel sind die Arbeiten der Kuratorin Maja Erdeljanin. Sie
versteht Collage als Ausgangspunkt für eine Geschichte über die
Momente, die nicht unvergesslich sind, die wir am wenigsten schätzen,
die aber den Großteil unseres Lebens ausmachen. Ihre Arbeit ist eine
Collage aus Bustickets, Flyern, Quittungen für bezahlte Rechnungen.
„The Days of Awareness“ ist ihr persönlicher Kalender und
Tagebuch, den sie gelegentlich seit mehr als 10 Jahren wieder
besucht, um für jedes Datum im Kalender ein Stück zu widmen.

Die Arbeiten der
zwölf Künstlerinnen und Künstler hängen nicht nur an den Wänden.
Goran Despotovski behandelt die menschliche Figur und die Rollen, die
wir während unseres Lebens einnehmen, sich anpassen, uns von außen
und innen verändern lassen. Die Druck- und Videoarbeit „Electricity“
schneidet die menschliche Hautoberfläche auf Segmenten wie ein
Schneidermodell. Es zeigt auch „Muster“ in Form von Poren
und Körperhaaren sowie Schäden, Hautstellen und Narben, die bei
längerem Gebrauch auftreten.

Die Ausstellung
bietet einen guten Einblick in die Kunstszene der serbischen Stadt
Novi Sad. Dieser Blick lohnt sich, denn die Dortmunder Partnerstadt
wird 2010/21 europäische Kulturhauptstadt werden. Sehr erfreulich
ist, dass die Künstlerinnen und Künstler der „Dortmunder Gruppe“
die Kontakte nach Novi Sad kontinuierlich pflegt.

Zu sehen sind
Arbeiten von: Danijel Babić, Danica Bićanić, Maja Erdeljanin,
Goran Despotovski, Jelena Đurić, Goran Jureša, Nebojša Lazić,
Lazar Marković, Mileta Poštić, Monika Sigeti, Jelena Sredanović
und Georg Vinokić.

Die Vernissage ist
am Sonntag, dem 11.08. 2019 in der BIG gallery um 11 Uhr.




Werkschau zeigt Arbeiten von Jan Bormann im Torhaus

Noch bis zum 21. Juli 2019 zeigt die städtische Galerie Torhaus
Rombergpark die Ausstellung „Skulpturen Plastiken Montagen“ von
Jan Bormann. Bormann ist 1939 in Dortmund geboren, lebt aber im
benachbarten Castrop-Rauxel. Die Ausstellung präsentiert ein großes
Spektrum seines Schaffens.

Nicht alles hat
Platz gefunden im Ausstellungsraum, so scheint es. Im
Einzelstrangbereich sind verschiedene Holz- und Stahlskulpturen von
Bormann zu sehen. Eindrucksvoll Basieren die Formen auf
geormetrischen Mustern: Würfel, Kugel oder vor allem Stelen. Auch im
eigentlichen Ausstellungsraum in der ersten Etage hat man manchmal
den Eindruck, Votivfiguren von alten, vergessenen Völkern aus der
Südsee zu begegnen.

Schon im Eingangsbereich des Torhauses präsentiert Jan Bormann seine typischen Arbeiten.
Schon im Eingangsbereich des Torhauses präsentiert Jan Bormann seine typischen Arbeiten.

Der Ausstellungsraum
zeigt auch eine ganz besondere Facette von Jan Bormann: Kunst im
öffentlichen Raum. Seine Installationen und Skulpturen im
öffentlichen Raum. Da diese absolut den Rahmen des Torhauses
sprengen würden, sind sie auf Fotos präsent, die an den Wänden
hängen. Beeindruckend sind sie durch ihre Verschiedenheit allemal.

Neben lebendigem
Material wie Holz und dem Werkstoff Stahl hat sich Bormann in
jüngster Zeit einem besonderen Material gewidmet: Computerplatinen.
Auch wenn Platinen massenhaft industriell hergestellt werden, sind
sie doch von Menschen konzipiert worden. Platinen bestehen aus
Kunststoff und Metall und Bormann verbindet sie beispielsweise mit
dem Ur-Material Holz zu einem eigenen Kunstwerk. Ein Beispiel ist
aktuell auch in der Gemeinschaftsausstellung in der BIG gallery zu
sehen.

Alles in allem
zeigen die über 50 Werke eine große Bandbreite des künstlerischen
Schaffens von Jan Bormann.




Was ist Vernunft – eine Annäherung

Mit
der Jugendclubproduktion „Kein einziger Begriff – eine chaotische
Annäherung an die Vernunft“ präsentierte der Dortmunder
Jugendclub des Kinder– und Jugendtheaters ihre Sicht auf die
Vernunft. Das Stück entstand im Zusammenarbeit mit Spielerinnen und
Spielern aus Paris und wird zur diesjährigen europefiction in
Gelsenkirchen seine premiere feiern. Am 04. Juli 2019 fand eine
Werkschau im KJT statt.

„Sei
doch vernünftig“. Wer hat als kleines Kind diesen Ausspruch seiner
Eltern nicht gehört? Doch was ist vernünftig? Das versuchten die
elf Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleich zu Beginn herauszufinden.
Ist es vernünftig, bei Grün über die Ampel zu gehen? Ist
Klimaschutz vernünftig? Je länger geredet wurde, desto
durcheinander und verwirrender wurde es. Gibt es vielleicht nicht DIE
Vernunft, sondern verschiedene Varianten davon?

Das Ensemble für das diesjährige Festival europefiction bei "Kein einziger Begriff". (Foto: © Birigt Hupfeld)
Das Ensemble für das diesjährige Festival europefiction bei „Kein einziger Begriff“. (Foto: © Birigt Hupfeld)

Wenn
über Vernunft diskutiert wird, dann dürfen die Aufklärer natürlich
nicht fehlen. Zwei teilnehmer spielten den Beginn von „Die
zärtlichen Schwestern“ von Christian Fürchtegott Gellert. Auch
Gellert zählt zu den Aufklärern und in dieser Komödie werden
Bürgerliche nicht als Zielscheibe von Spott benutzt, sondern es
zeigt sich, dass sie auch zu moralischem Handeln fähig sind.

Daneben
gab es Tanz, Perfomances und Musik. Interessant war auch die
Video-Einspielung aus Paris, bei der Erklärung eines
Resistance-Kämpfers aus dem Zweiten Weltkrieg vorgelsen wurde. Bei
der Premiere im Sommer auf dem europefiction-Festival werden die
französischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dabei sein.




Werkschau der Dortmunder Gruppe

Vom 07.
Juli bis 04. August 2019 zeigt die Künstlervereinigung DORTMUNDER
GRUPPE eine Gemeinschaftsausstellung von 16 der 25 Künstler in der
BIG gallery. Zu sehen sind Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur.
Die Mitglieder der Gruppe zeigen einen repräsentativen Querschnitt
ihres derzeitigen Schaffens.

Die
Kohlestaub-Landschaften von Marlies Blauth sind Schwarz-Weiß
gehalten. Ihre abstrakten Werke wirken irgendwie düster oder wie aus
einem alten Zeichentrickfilm entsprungen.

Die
Bildhauerin Pia Pohr präsentiert diesmal keine Skulpturen, sondern
Holzschnitte, die mit alten Stempeln verziert sind. Dadurch bekommen
ihre „Schwarzen Madonnen“ eine Art Heiligenschein.

Jan
Bormanns „Digilogos“ verbindet das uralte Material Holz mit
Platinen. So wird der Zwiespalt oder die Symbiose zwischen
organischem und anorganischem Material deutlich.

Hexen
haben es Mariana González Alberti angetan. Im Vorraum steht ihre
Skulptur „Triumph der Hexe“, im Saal hängen zwei Bilder von ihr.

Das
großformatige Werk von Michael Odenwaeller „Frauenstolz
Pentimento“ zeigt erotisch aufgeladene Bananen, Wolfgang Schmidt
präsentiert weitere Varianten seiner Figuren. Die Arbeiten stammen
zwischen 2012 und 2015.

Aktuelle
Positionen zeigen Sabine Held („Mischwald“) und Claudia Terlunen,
die mit drei Bildern vertreten ist.

Wie
schon bei den „ARTgenossen“ und in der Galerie „Kunstraum“
stellt Roul Schneider zwei seiner „Erdbilder“ aus. Die beiden
Werke tragen den Titel „Hommage an die Erde“ und bestehen aus
unterschiedlichen Materialien wie Erde aus dem Wurzelballen einer
alten umgestürzten Buche in Mecklenburg-Vorpommern.

Alexander
Pohl präsentiert zwei seiner großformatigen Bilder, die sich durch
zurückgenommene Farbigkeit auszeichnen. Dabei gibt es einen
Überraschungseffekt, denn der Betrachter kann auf die erste Schicht
schauen wie durch eine Öffnung.

Insgesamt
sind werke folgender Künstlerinnen und Künstler zu sehen: Mariana
González Alberti, Pia Bohr, Jan Bormann, Marlies Blauth, Sabine
Held, Gudrun Kattke, Silvia Liebig, Michael Odenwaeller, Brian John
Parker, Monika Pfeifer, Alexander Pohl, Christian Psyk, Erika A.
Schäfer, Wolfgang Schmidt, Roul Schneider und Claudia Terlunen. 

Die
Ausstellungseröffnung ist am Sonntag (07.07.19) um 11 Uhr in der BIG
gallery.




Performative Annäherung an die Vernunft

Ist Klimaschutz vernünftig? Ist es vernünftig, bei grün über die
Ampel zu gehen? Was heißt eigentlich Vernunft? „Kein einziger
Begriff“ ist eine Annäherung an unsere Vernunft, die gemeinsam von
Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland und Frankreich
erarbeitet wurden. Bei der Werkschau am 04. Juli 2019 im KJT um 20
Uhr werden die Partner vom Pariser Théâtre La
Transplanisphére per Video eingespielt.

Der Begriff der
Vernunft ist stark verbunden mit der Aufklärung. Daher ist es kein
Wunder, dass sich Texte von Aufklärern wie Kant oder Rousseau in der
Werkschau wiederfinden. Doch ebenso schauen die Spielerinnen und
Spieler auf das Thema und machten sich in der Vorbereitung eigene
Gedanken zum Vernunftbegriff. So stellten sie fest, dass Vernunft
mehr ein Überbegriff ist, der viele Bedeutungen haben kann.

Das Ensemble des Jugendklubs bei der Probe. (Foto: © Edi Szekely)
Das Ensemble des Jugendklubs bei der Probe. (Foto: © Edi Szekely)

Nun präsentieren
die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 23 Jahren
eine Werkschau und keine Premiere, denn das Stück wird im Rahmen der
europefiction 2019 erarbeitet und wird seine Premiere im Sommercamp
Mitte Juli haben. Dann werden auch die französischen Teilnehmerinnen
und Teilnehmer dabei sein.

Das
Stück wird ungefähr 60 bis 70 Minuten dauern und neben
Videoeinspielern auch Musik beinhalten. So gibt es eine Musikecke, wo
Livemusik gespielt wird und es kommt Musik vom Band. Die
Regie führt Miriam Michel.




Spanisches Flair bei der Operngala oder ein Abend mit Andrea Shin

Die erste Spielzeit von Heribert Germeshausen als Opernintendant neigt sich dem Ende entgegen und wie könnte man es besser feiern als mit einer Operngala? Am 30. Juni 2019 entführte uns die Oper Dortmund unter dem Titel Granada@Dortmund nach Spanien. Die Dortmunder Philharmoniker, Irina Simmes, Anna Sohn, Hyona Kim und Mandla Mndebele sowie der Gasttenor Andrea Shin (sang den „Calaf“ in Turandot) präsentierten einen bunten Strauß bekannter Opernmelodien.

Das Programm hatte
zwei Schwerpunkte. Vor der Pause drehte sich fast alles um Georges
Bizet und danach um Guiseppe Verdi. Ein Franzose und ein Italiener,
die uns zumindest in ihren Opern Spanien näherbrachten. Ein wenig
Schade ist es schon, dass es kein spanischer Komponist auf die Liste
geschafft hat. Schließlich hatten die Spanier mit ihrer „Zarzuela“
eine eigene Opernkultur. Auch das titel gebende, bekannte Stück
„Granada“ von Agustín Lara stammt nicht von einem Spanier, denn
Lara stammte aus Mexiko.

Den Beginn machte –
natürlich – Carmen. Die glückliche Verbindung eines französischen
Komponisten mit der ewig jungen Geschichte um eine Dreiecksbeziehung
einer Frau zu zwei Männern. Die tragisch endet. Mandla Mndebele
überzeugte bei „Votre toast“ als Stierkämpfer mit solch einer
imposanten Wucht, das jeder Stier vor Angst gleich im Stall bleiben
würde. Sehr emotional sang Andrea Shin wie Blumenarie. Hier geht es
um Liebe auf den ersten Blick, aber man ahnt schon, das geht nicht
gut aus.

Nicht in Spanien,
sondern in Rom spielt Donizettis „Don Pasquale“. Anna Sohn sang
die Arie der opera buffa „Quel guardo il cavaliere“ mit kokettem
Habitus. Frech und frivol wurde es bei Lehárs „Meine Lippen, sie
küssen so heiß“, gesungen von Irina Simmes. Kaum wegzudenken aus
einer Operngala ist das „Blumenduett“ aus der Oper Lakmé von Léo
Delibes. Hier sangen Anna Sohn und Hyona Kim gemeinsam.

Für den Endspurt vor der Pause waren zwei Franzosen zuständig: Bizet und Camille Saint-Säens. Kim sang die Arie „Mon cœur s‘ouvre à ta voix“ dramatisch betont. Wer das diesjährige Festival Klangvokal begleitet hat, konnte sich auf das Duett „Au fond du temple saint“ aus „Les pécheurs de perles“ (Die Perlenfischer) freuen, denn die Oper von Bizet wurde im Konzerthaus konzertant aufgeführt. Mit Andrea Shin und Mandla Mndebele sangen zwei Könner dieses Duett.

Andrea Shin (im Vordergrund) als Calaf in der Oper "Turandot". (Foto: © Björn Hickmann)
Andrea Shin (im Vordergrund) als Calaf in der Oper „Turandot“. (Foto: © Björn Hickmann)

Nach der Pause wurde
es Zeit für Verdi. Nach der Ouvertüre aus „Les vépres
siciliennes“ sang Shin den absoluten Klassiker „La donna è
mobile“ aus Rigoletto, gefolgt vom Quartett „Bella figlia
dell’amore“ mit Unterstützung von Mndebele, Sohn und Kim. Mit „È
strano…Sempere libera“ aus „La traviata“, gesungen von Shin
und Simmes“ ging es zum titel gebenden Stück „Granada“ des
mexikanischen Komponisten Agustín Lara.

Die Zugabe begann
mit dem Gassenhauer „O sole mio“, der aus keiner Oper stammt,
sondern 1898 von Eduardo Di Capua komponiert wurde. Shin sang sogar
in der zweiten Strophe den deutschen Text. Den Abschluss machten alle
Sängerinnen und Sänger gemeinsam mit dem Brindisi „Libiamo
ne’ lieti caliciaus „La Traviata“.

So ging die
Operngala „Granada“ zu Ende. Die Dortmunder Philharmoniker und
Sängerinnen und Sänger machten einen tollen Job. Die Philharmoniker
spielten diesen Abend sogar unter fünf Dirigenten: Satomi Nishi,
Motonori Kobayashi,Philipp Armbruster, Christoph Müller und
Sebastian Engel, der sein Debut gab.




Dokumentarfotografie stellt Menschen in den Mittelpunkt

Mit der Ausstellung „encounters“ präsentieren vier
Dokumentarfotografen des DOCKS Collective vom 22. Juni bis 14. Juli
2019 im Künstlerhaus Dortmund ihre Arbeiten. Behandeln ihre Werke
unterschiedliche Themen, so ist doch immer der Mensch im Mittelpunkt.
Ob Klimawandel, Naturkatastrophe oder dörfliche Sitten und
Gebräuche: Überall prägt der Mensch durch sein Tun und Handeln
seine Umgebung. Zum Guten, aber auch zum Schlechten. Die Ausstellung
zeigt eindrucksvolle Bilder von aktuellen Langzeitprojekten.

Arne Piepke
fotografierte Schützenvereine und die dazugehörigen Schützenfeste
seiner Heimat im Sauerland. Er hat seinen Bildern den übergreifenden
Titel „Für Glaube, Sitte, Heimat“ gegeben, ein Motto, das noch
auf manchen Vereinsflaggen zu sehen ist. Warum haben die
Schützenvereine in den Dörfern noch eine Bedeutung, wollte Piepke
hinterfragen. Sie sind vor allem identitätsstiftend. Für
Jugendliche ist es oft der einzige Weg, sich in die Dorfgemeinschaft
zu integrieren. Es besteht schon ein gewisser Gruppenzwang. Piepke,
der die Schützenvereine drei Jahre lang begleitet hatte, erkannte
deutliche Unterschiede: Es gebe konservative Vereine und weniger
konservative, bei denen die Gemeinschaft wichtiger sei als das
Beharren auf Werte. Seine Bilder geben einen Einblick in eine Welt,
die oft nach bestimmten choreografischen Regeln arbeitet.

Mit „Incendio“
behandelt Fabian Ritter das Thema des verheerenden Waldbrandes in
Portugal 2018. Dabei vermeidet er Sensationsbilder und fragt sich
eher, wie geht es den Menschen jetzt. Seine Bilder sind an zwei
Wänden aufgehängt und zeigen Fotografien kurz nach dem Brand und
welche, die sechs Monate später aufgenommen wurden. Während die
Natur sich ganz langsam erholt, schwanken die Menschen zwischen
Resignation und Wiederaufbau. Die Landschaftsfotografien von Ritter
erinnern wegen der Farbe und dem Licht manchmal an Landschaftsmalerei
aus der Renaissance, aber ohne zu romantisieren.

Nicht nur in Dortmund gibt es „Horrorhäuser“, auch in Göttingen. Das „Iduna-Zentrum“ ist ein Relikt aus den 70er Jahren, als man vorhatte, ein luxuriöses Hochhaus zu errichten mit allen Besonderheiten wie Sicherheitsdienst, Pförtner oder Sauna. Doch die finanziell Bessergestellten nahmen das Projekt nicht an und so verwandelte sich das Vorzeigeobjekt zum sozialen Brennpunkt. Seit zweieinhalb Jahren begleitet Ingmar Björn Nolting, der mehrere Monate selbst dort lebte, mit seiner Reihe „Hinter Fassaden“ die Bewohner der Appartements im Kampf ums Überleben. Suchtkranke, SozialhilfeempfängerInnen, Geflüchtete und Menschen in Altersarmut prägen die Nachbarschaft. Noltings Bilder geben eindrucksvoll Zeugnis vom Kampf um ein klein wenig Würde in ihrer privaten Lebenswelt ohne voyeuristisch zu sein. Nolting ergänzt seine Bilder mit selbstverfassten Gedanken der Bewohner des Hochhauses zu ihrer Situation.

Ein See wird zur
Wüste. Die ökologische Katastrophe rund um den Urmia-See im
Nordwesten Irans ist in der Öffentlichkeit weitgehend ungekannt. War
der See vor einiger Zeit noch zehnmal größer als der Bodensee,
mittlerweile ist er auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe
geschrumpft. Das führt zu vielen Problemen: Zunächst stieg der
Salzgehalt sehr stark an und ist mittlerweile mit dem Toten Meer zu
vergleichen. Darüber hinaus gibt es regelrechte Salzstürme, die die
Felder schädigen. Die Konsequenz: Bald könnten über 5 Millionen
Menschen aus der unwirtlicher werdenden Gegend fliehen. Maximilian
Mann Fotoreihe „Lake Urmia“ beschäftigt sich mit den sich
verändernden Lebensgrundlagen der Menschen und möchte damit auf das
Schicksal des Sees und der ihn umgebenden Bevölkerung aufmerksam
machen.

Mehr Informationen
zum DOCKS Collective unter https://dockscollective.com

Künstlerhaus Dortmund Sunderweg 1 | 44147 Dortmund
Öffnungszeiten Ausstellung Do – So 16 – 19 h




Klangvokal 2019 – Tiefbewegende Chormusik

Einen großen Bogen von zeitgenössischer Chormusik bis hin zur Musik
der russischen Romantik präsentierte der Chor des Lettischen
Rundfunks unter der Leitung von Sigvards Kļava
zum Abschluss des Klangvokal Festivals am 16. Juni 2019 in der
Reinoldikirche.

Schon 2017 gab der Chor ein großes Konzert mit Rachmaninows „Abend- und Morgenlob“, 2019 präsentierte er wieder russische geistliche Musik kombiniert mit Stücken von Arvo Pärt, Ēriks Ešenwalds, Gustav Mahler und Peter Tschaikowsky.

Den Beginn machte
Ešenwalds‘
Arbeit „A drop in the ocean“ von 2006. Moderne Chormusik vom
feinsten. Man spürte beinahe den Wind rauschen und die sanfte
spirituelle Arbeit des Komponisten wurde durch den Chor wunderbar
umgesetzt.

Danach
war es Zeit für die minimalistischen Klänge des Arvo Pärt. Seine
“Sieben Magnifikat-Antiphonen“ wecken Erinnerungen an die
gregorianische oder mittelalterliche Musik, werden aber durch die
minimalistischen Strukturen zu einem gesanglichen Gesamtkunstwerk
verwoben.

Präsentierte geistliche Musik der Sonderklasse: Der Chor des Lettischen Rundfunks. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Präsentierte geistliche Musik der Sonderklasse: Der Chor des Lettischen Rundfunks. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Zum
Adagietto der 5. Sinfonie von Gustav Mahler gibt es auch Fassungen
für Chor. Dieser Satz
ist berühmt geworden durch den Film „Tod in Venedig“. Der
Chor des Lettischen Rundfunks sang ein Arrangement von Gérard
Pession mit dem Titel
„Kein deutscher
Himmel“.

Nach
der Pause wurde es Zeit für den liturgischen Teil. Schließlich
waren wir ja in einer Kirche, wenn auch nicht in einer
russisch-orthodoxen. Doch das Gefühl stellte sich bereits bei den
ersten gesungenen Worten der „Liturgie des Heiligen Chrysostomos“
von Peter Tschaikowsky ein. Tschaikowsky setzt hier ganz auf den
Klang der orthodoxen Liturgie. Wie schon vor zwei Jahren überzeugt
der Chor bei diesem Stück vollkommen.




Klangvokal 2019 – A capella zum mitmachen

Einen Glückgriff machte das Festival Klangvokal mit der Kölner
Formation „Room One“. Das Konzert am 16. Juni 2019 im domicil in
Zusammenarbeit mit SOUNDZZ war ein gelungenes Erlebnis für Jung und
Alt.

Mit zwei neuen
Leuten, viel Musik und noch mehr Spaß machte die A capella Band
„Room One“ das ehrwürdige domicil zu einem Mitmachclub. Sie
schafften es, alle Menschen zum Tanzen und Mitsingen zu animieren,
selbst wenn der Text in der südafrikanischen Sprache Zulu ist.

Pop und Soul waren
in dem einstündigen Konzert zu hören, dazu Jazz-Standards. Alles
oft mit einer witzigen Choreografie verbunden. Doch es wurde nicht
nur gesungen, es gab auch Beatboxing, so dass der Schlagzeugsound
nicht fehlen musste. Natürlich musste ein Lied dabei sein, bei dem
sich die Sängerinnen und Sänger verkleideten, schließlich kamen
sie ja aus Köln.

Room One zeigte auch Mut zu Verkleidungen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Eine witzige Aktion
war es, dass alle sechs Mitglieder für einen Song von Kindern je
nach Berührung „ein- und ausgeschaltet“ werden konnten. Zwei
Kinder konnten es live ausprobieren und man spürte, dass es allen
Beteiligten großen Spaß machte.

Nach zwei Zugaben
war dann Schluss. Der große Applaus war nicht nur ein Verdienst der
Künstlerinnen und Künstler, sondern belohnte auch deren offene Art.