Abwechslungsreicher Hörnerklang beim 2. Kammerkonzert

Die Kammerkonzerte der Dortmunder Philharmoniker sind immer eine gelungene Möglichkeit, die verschiedenen Instrumentengruppen kennenzulernen. Am 02. Dezember 2019 standen die Hörner im Mittelpunkt des 2. Kammerkonzertes dieser Spielzeit. Das Instrument von sich im Laufe der Zeit entwickelt: Vom Jagdhorn über das Naturhorn bis hin zum modernen Ventilhorn mit seinen Varianten wie der Wagner-Tuba. Die acht Musikerinnen und Musiker präsentierten eine große Bandbreite des Instrumentes.

Zu Beginn hörten wir die „Sonate pian e forte“ des venezianischen Komponisten Giovanni Gabrieli (1557-1612). Er stand zwischen Renaissance und Barock und galt als avantgardistisch. Der Komponist verknüpft die Tradition der Vokalpolyphonie und die venezianische Mehrchörigkeit zu einem bewegenden Klangbild, das die Hornisten in zwei Vierergruppen eindrucksvoll wiedergeben.

Im 2. Kammerkonzert präsentierte die Horngruppe einen sehr abwechslungsreichen Klang ihres Instrumentes. Image by <a href="https://pixabay.com/users/AlLes-2597842/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=2878648">Alexander Lesnitsky</a> from <a href="https://pixabay.com/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=2878648">Pixabay</a>
Im 2. Kammerkonzert präsentierte die Horngruppe einen sehr abwechslungsreichen Klang ihres Instrumentes. (Foto: © Alexander Lesnitsky from Pixabay)

Der Sprung danach führte zu Paul Hindemith (1895-1963). Gespielt wurden zwei Sätze aus der „Sonate für vier Hörner“. Zu Beginn erklang ein ruhiges Fugato, gefolgt von einem lebhaften Satz mit häufigen Taktwechseln. Anspruchsvoll, aber souverän gespielt von der Horngruppe.

Zurück in die Zeit Mozarts brachte der „Grand Sextuor op. 10“ von Louis-François Dauprat (1781-1868), der auch Professor für Horn am Conservatoire de Paris war. Daher erforschte Dauprat neue Ausdrucksregister und Klangfacetten des Instrumentes. Einiges war davon im „Großen Sextett“ zu hören. Von leisen melancholischen Klängen im „Adagio“ bis zu wilden Klängen im „Finale“ – alles war dabei.

Vor der Pause ging es nach Russland oder besser in die Sowjetunion. Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) schrieb mit dem „Walzer Nr.2“ ein Stück für die Ewigkeit. Den Walzer von Hörnern geblasen zu bekommen, war sicherlich eine neue Erfahrung für viele Besucher.

Nach der Pause kam die geballte Kraft der Romantik. Erst ein paar Tage vorher spielten die Hornisten zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen die Oper „Lohengrin“. Die „Lohengrin-Fantasie“ von Richard Wagner (1813-1883) brachte ein „Best-of“ der schönsten Melodien aus „Lohengrin“. Bei Wagner ist Anton Bruckner (1824-1896) nicht weit weg. Sein kurzes „Andante in Des-Dur“ gehört eigentlich zu einem von drei Chorälen. Sehr besinnlich war auch die Musik. Danach gab es wieder ein „Best of“, diesmal erklangen M+-elodien aus „Carmen“ von Georges Bizet (1828-1875).

Insgesamt war es ein schönes Konzert, das den Zuhörern die Horngruppe der Dortmunder Philharmoniker nahebrachte. An den Instrumenten wareN Monika Lorenzen, Shukuko Okamoto-Farges, Gregor Fas, Ferenc Pal, Arnd Schmitt, Florian Winkelmann, Yukako Golebiowski und Jan Golebiowski.




Sehnsucht – Zweifel – Angst: Lohengrin in der Oper Dortmund

Es war wohl klar, dass Ingo Kerkshofs Inszenierung von Wagners „Lohengrin“ nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen würde. Zusammen mit einem recht spartanischen, aber durchaus effektvollen Bühnenbild macht Kerkhof klar, hier gibt es keine Schwäne oder glänzende Ritter zu sehen. Hier wird eine Geschichte aus dem Blickwinkel von Elsa von Brabant erzählt, die zusammen mit ihrer Rivalin Ortrud um Macht in einer von Männer dominierten Gesellschaft kämpft. Ein Premierenbericht von ars tremonia.

Die Handlung der Oper in Kurzform: Der deutsche König Heinrich sucht in Brabant Hilfe für einen Feldzug gegen die Ungarn. Dabei muss er feststellen, dass der Herzog tot ist und es um die Nachfolge Streit gibt. Friedrich von Telramund, der sich um die beiden Waisen Elsa und Gottfried kümmern sollte, klagt Elsa an, ihren Bruder umgebracht zu haben. Der König lässt ein Gottesurteil anrufen und plötzlich erscheint, von einem Schwan gezogen, Lohengrin, der aber seinen Namen nicht verraten darf. Er besiegt Telramund, aber lässt ihm sein Leben. Elsa und Lohengrin heiraten und Lohengrin verlangt von Elsa das berühmte Versprechen „Nie darfst du mich befragen“. Ortrud, die Frau von Telramund, gelingt es aber, Zweifel in Elsa zu sähen. Und es kommt wie es kommen muss: Elsa fragt voller Angst Lohengrin nach Rang und Namen und er gibt vor dem König sein Geheimnis preis. Danach muss er wieder entschwinden, aber sagt, dass Gottfried der Schwan sei, der ihn gezogen hat und in einem Jahr wieder auftaucht.

Geschichten, Legenden und Mythen über Menschen, die sich (eine Zeitlang) in Tiere verwandeln gibt es in jeder Kultur. In Japan gibt es die Geschichte über einen Kranich, der sich in eine Frau verwandelt und die Geschichte mit Leda und dem Schwan (Zeus) ist sicher bekannt. Kerkhof verquickt in seiner Inszenierung durch Zitate, die auf der Bühne eingeblendet werden, den „Lohengrin“ Mythos mit dem Märchen von „Brüderchen und Schwesterchen“. Im letzteren verwandelt sich der Bruder in ein Reh.

Lohengrin (Daniel Behle) ist ziemlich ratlos, im Hintergrund Elsa (Christina Nilsson). Foto: © Thomas Jauk, Stage Picture
Lohengrin (Daniel Behle) ist ziemlich ratlos, im Hintergrund Elsa (Christina Nilsson). Foto: © Thomas Jauk, Stage Picture

Die große Schwester wird hier zum Mutterersatz und der Bruder zum Kind. Der Sehnsuchtstraum von Elsa nach ihrem Bruder manifestiert sich in der Gestalt von Lohengrin, hier als erwachsener Mann. Ortrud ist das schlechte Gewissen von Elsa, das sie vor dieser verbotenen Liaison warnt. Bevor es aber ernst wird, also die Hochzeitsnacht naht, stellt Elsa Lohengrin die verbotene Frage: Wer bist du wirklich. Lohengrin muss Farbe bekennen und verschwinden. Aus dem Traumbild Lohengrin kann wieder die reale Person Gottfried werden.

Andererseits präsentiert Wagner auch zwei Frauen in seiner Oper, die eine starke Rolle spielen, denn beide wollen an die Macht. So wie Elsa sich nicht zu Seite schieben lassen will, kämpft Ortrud um ihre Position. Dabei tritt sie ihren Mann Friedrich von Telramund durchaus mal in den Hintern, wenn er zu sehr zögert. Interessanterweise sind die Männerrollen in Kerkhofs Inszenierung durchaus nicht die starken Streiter, wie sie zu sein scheinen. Der König Heinrich ist im Streitfall wenig entscheidungsfreudig und lässt lieber ein Gottesurteil ausfechten, Friedrich von Telramund hat erst große Klappe, versteckt sich aber beim kleinsten Widerstand unter dem Rock seiner Frau und Lohengrin setzt mit einen Forderungen Elsa unter Druck statt ihr beizustehen.

Neben einer inhaltlichen Analyse steht natürlich die Musik im Vordergrund. Wagners Musik zu Lohengrin hat auch nach fast 170 Jahren nichts an seiner Kraft verloren. Das Hochzeitslied aus dem 3. Akt ist so populär geworden, dass es fast den Rest in den Schatten stellt. Doch wer sich darauf einlässt, wird feststellen, wie kraftvoll die Musik ist trotz der 3 ½ Stunden. Das ist auch ein Verdienst der Dortmunder Symphoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz.

Sehr schön war die Idee, den Chor im Zuschauerraum zu verteilen. Es machte den Eindruck, dass alle Anwesenden ein Teil der Inszenierung wurden. Auch die zusätzlichen Trompeten erklangen aus dem Saal.

Auf der Bühne (Bühnenbild Dirk Becker) wirkte alles etwas farblos. Die Akteure tragen Kleider, die aus Wagners Zeiten stammen, aber niemand trägt etwas farbiges. Das Zimmer von Elsa sieht ärmlich aus, die Einrichtung kann auch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Der Außenbereich wird durch einige Stoppeln kenntlich gemacht.

Neben dem Orchester sind natürlich die Sängerinnen und Sänger das wichtigste Element. Leider hat Kerkhof die Protagonisten sehr statisch arrangiert. Es gab kaum schauspielerische Aktionen, außer vielleicht zwischen Ortud und Elsa, ansonsten hätte man alles auch szenisch aufführen können.

Man merkte sofort, dass Morgan Moody besondere Freude an seiner Rolle als Heerrufer des Königs hatte. Souverän sangen Shavleg Armasi (Heinrich der Vogler) und Joachim Goltz (Friedrich von Telramund) ihren Part. Daniel Behle, erschien nicht als glänzender Ritter wie erwähnt, seine Stimme war an diesem Abend aber über jeden Zweifel erhaben.

Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn die Oper „Elsa und Ortrud“ geheißen hätte, denn Christina Nilsson (Elsa) und Stéphanie Müther (Ortrud) gaben den beiden starken Frauen ein ebenso starkes gesangliches Profil.

Ein Abend, der wegen der gewagten Inszenierung sicher nicht jedem gefiel, aber durch Musik und Stimmen zu einem gelungenen Abend beitrug.

Weitere Infos unter www.theaterdo.de




Der Widersacher – eine theatraler Blick hinter menschliche Fassaden

Im Studio des Dortmunder Schauspiels hat am Sonntag, den 01.12.2019 um 18:00 Uhr „Der Widersacher“ von Emmanuel Carrère Premiere. Der Roman entstand nach einer ungeheuren wahren Begebenheit in Frankreich 1993. Die Regie führt Ed. Hauswirth, ars tremonia sprach im Vorfeld mit Dramaturg Matthias Seier.

Es ist die fast nicht zu glaubende Crime-Geschichte vom freundlichen, kompetenten Hochstapler Jean-Claude Romand. Um erfolgreich und gut dar zu stehen, behauptete er, eine hohe Position bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu bekleiden. Es fing harmlos mit einer Notlüge an. Als Student wollte er sein „Versagen“ nicht eingestehen, und behauptete, er habe eine Medizinklausur bestanden.

Seine Position bei der WHO, wichtige Geschäftsreisen mit berühmten Kollegen, alles erfunden. In Wahrheit verbrachte er seine Zeit auf Raststätten oder teuren Hotels in Genf. Das Geld für dieses Doppelleben erlog er sich mit angeblich perfekten Finanzkonditionen in der Schweiz aus seinem engsten Familienkreis. Alles nur Fassade.

Das mühsam mit Charisma aufgebaute Netz aus Lügen, zieht sich immer mehr zusammen und es kommt zur Eskalation. Romand ermordet seine Ehefrau, die beiden Kinder, seine Eltern und den Hund. Anschließend setzte er sein Haus in Brand.

Schriftsteller Carrère hatte den Aufsehen erregenden Fall für seinen persönlich vor Ort nachrecherchiert und sich auf Spurensuche begeben. Er besuchte auch den Täter im Gefängnis. Jetzt fängt das eigentlich Spannende an dieser Geschichte erst an.

Marlena Keil und Uwe Rohbeck sind im Stück "Der Widersacher" dabei. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Marlena Keil und Uwe Rohbeck sind im Stück „Der Widersacher“ dabei. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Stück versucht aus multiperspektivischer Sicht im übrig gebliebenem „Brandhaus“ den Fall zu rekonstruieren.Viele Fragen stellen sich: Wie konnte die Hochstapelei so lange unbemerkt bleiben? Wie zerbrechlich sind soziale Masken? Was ist mit dem Widersacher, der in uns steckt?

Wie Dramaturg Matthias Seier beim Gespräch mit ars tremonia verriet, faszinierte ihn vor allen die Diskrepanz zwischen der Banalität des Vorgangs auf der einen, und der Brutalität des Verbrechens auf der anderen Seite. Nach und nach verselbständigt sich die Lüge immer mehr, und es benötigt ungeheure Anstrengungen, Selbstzweifel und Angst vor „Enttarnung“ zu ertragen. Die Story ist in unserer öffentlichen-digitalen Zeit höchst aktuell. Jeder will sich ohne Makel und stark präsentieren.

Neben den vier Schauspieler*innen (Björn Gabriel, Caroline Hanke, Marlena Keil und Uwe Robeck) spielen noch Alina Bohnen, Berna Celebi und Max Ranft vom Schauspielstudio Graz auf der Bühne.

Für die Premiere am Sonntag gibt es noch Restkarten. Weitere Aufführungstermine sind am 6.,13. Dezember (jeweils 20:00 Uhr) und am 29. Dezember (18:00 Uhr)

Weitere Infos erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de und 0231/50-27222.




Die Dämonen – Wenn die Gesellschaft auseinanderbricht

Am 29. November 2019 feiert das Stück „Die Dämonen“ von Fjodor M. Dostojewski unter der Regie von Sascha Hawemann Premiere im Dortmunder Schauspielhaus. Dostojewskis Roman dreht sich um die Umbruchszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Russland. Neue Ideen dringen ins Land, die Generationen sind gespalten. Am Alten festhalten oder sich kopfüber ins Neue stürzen? Dieser Kampf fordert Opfer.

Dostojewski schrieb das Stück 1873, in dieser Zeit spielt auch der Roman. Der Ort ist eine Kleinstadt in der Nähe von Sankt Petersburg. Die Hauptfiguren stehen für eine eine bestimmte Weltanschauung und agieren dementsprechend. Der alternde Stepan hängt den Ideen seiner Jugend nach, während seine Mäzenin Warwara zwischen dem Alten und dem Neuen hin und hergerissen ist. Piotr, Stepans Sohn, hingegen ist ein Revolutionär, der versucht als Strippenzieher zu agieren. Als Hauptopfer seiner Intrigen hat er Nikolaj, den Sohn von Warwara, erkoren. „Nikolaj wird von Piotr in eine Führungsrolle gedrängt“, so Dirk Baumann, der Dramaturg des Theaterstückes. „aber auch die anderen versuchen ihn zu instrumentalisieren.“ Eine weitere gewichtige Rolle spielt Ivan Pawlowich Shatow. Er ist der Sohn des verstorbenen Dieners von Warwara. Zum Zeitpunkt der Ereignisse im Roman hat Shatow seine sozialistischen Ideale völlig zurückgewiesen und ist ein leidenschaftlicher Verteidiger des christlichen Erbes Russlands geworden. Er wird von der Gruppe „Die Unsrigen“ ermordet.

Manche Schauspieler schlüpfen in verschiedene Rollen wie Christian Freund oder Annou Reiners. Alexandra Sinelnikova spielt die Lisaweta und Jakob Benkhofer gibt den Iwan. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Manche Schauspieler schlüpfen in verschiedene Rollen wie Christian Freund oder Annou Reiners. Alexandra Sinelnikova spielt die Lisaweta und Jakob Benkhofer gibt den Iwan. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Doch neben den politischen Irrungen und Wirrungen haben die meisten Charaktere auch noch private Geheimnisse, die im Laufe des Stückes herauskommen. Dabei spielen natürlich auch die komplizierten Liebesbeziehungen zu Frauen eine wesentliche Rolle.

Wie kann ein Buch von beinahe 1000 Seiten auf die Bühne gebracht werden? „Wir konzentrieren uns auf die Hauptfiguren“, erklärte Baumann beim Gespräch. Der Fokus liegt auf den menschlichen Abgründen.“ Und davon gibt es viele: Morde und Selbstmorde dezimieren die Protagonisten, ausgerechnet Piotr bleibt übrig.

Dostojewskis Monumentalwerk kann man nicht in 90 Minuten abhandeln. Dirk Baumann geht davon aus, dass „Die Dämonen“ inklusive Pause 4 ½ Stunden dauern wird. Es ist ein klassisches Stück für Schauspieler, so Baumann. Es gibt keine Videos oder ähnliches, dafür aber Live-Musik von Alexander Xell Dafov, der bereits in „Der Kirschgarten“ für die Musik gesorgt hat. Zu dem bekannten Ensemble gesellt sich ein Gast namens Jakob Benkhofer, der lange Jahre Mitglied des Schauspielhauses Hannover war.

Mehr Infos und Termine unter: www.theaterdo.de




Die Vielschichtigkeit der Farbe „WEIß“

Sechzehn Künstlerinnen und Künstler, die sich in der Produzenten-Galerie 42 „Kunst im Kreuzviertel“ (Arneckestraße 42 , Dortmund) zusammengeschlossenen haben, zeigen zum Thema „annähernd weiß“ ihre Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie und Skulptur. Die Ausstellung ist vom 24.11.2019 bis zum 12.01.2020 zu besuchen und zu erkunden.

Der Dortmunder
Fotokünstler Klaus Pfeiffer eröffnete die Ausstellung am Sonntag
mit einer kleinen Einführung in die Kunst der Moderne zu Beginn da
20. Jahrhunderts am Beispiel von Kasimir Malewitsch, Wassili
Kandinski oder Piet Mondrian.

Diese Avantgardisten
zu Beginn des 20. Jahrhundert lebten in einer Zeit des Umbruchs und
des technischen Fortschritts (z.B. Einsteins Relativitätstheorie,
Quantenphysik und mehr). War Weiß für Malewitsch politische Utopie,
für Kandinsky die Farbe der Schöpfung, war sie für Mondrian ein
Gegenentwurf zur Wirklichkeit, damit eine Nichtfarbe.

Der Gebrauch von
„Weiß“ als Ausdruck einer „höheren Dimension“

Weiß ist aber viel
mehr: Weiß ist selbst farbig! Den Künstler*innen geht es um das
Zusammenspiel von Farbe als Sinnesreiz und Farbe als Materie, so
Pfeiffer. Viel Symbolik wird mit„Weiß“ als Farbe verbunden. Mal
steht sie für Reinheit, Friedensangebot als gehisste Flagge, oder
zum Beispiel im Buddhismus als Zeichen von Trauer. Die Wurzeln des
Wortes liegen im indogermanischen und bedeutet „leuchtet, glänzen,
hell“. Im Englischen „leuchten“, Licht, Enlightment, Aufklärung
(Wissen statt Glauben).

Weiß ist außerdem
ziemlich fragil. Den Farbeindruck „Weiß“ entsteht nur, wenn wenn
ein Material das Licht so reflektiert, das alle drei Zapfen in der
Netzhaut unserer Augen in gleicher Weise und ausreichender Intensität
gereizt werden. Sinkt die Strahlungsintensität, entsteht der
Eindruck Grau.

annähernd weiß: Marika Bergmann neben ihrem Bild "Weiße Treppe" in der Produzenten-Galerie 42.
annähernd weiß: Marika Bergmann neben ihrem Bild „Weiße Treppe“ in der Produzenten-Galerie 42.

Je nachdem wie die
Oberfläche, zum Beispiel bei dem unschuldigen, stilisierten „reinen
weißen Brautkleid“ (Heute heirate ich mich selbst) von Ulla
Kallert, entstehen je nach Konzentration, auch andere Farbeindrücke
im Auge des Betrachters. An die fließenden Grenzen zum Grau führen
uns auch die Fotoarbeiten (Blind Dance, More Real) von Klaus
Pfeiffer. Es ist spannend, sie zu erkunden.

annähernd weiß: Klaus Pfeiffer und seine Fotoarbeiten.
annähernd weiß: Klaus Pfeiffer und seine Fotoarbeiten.

Geheimnisvoll und
etwas surreal sind die Bilder von Marika Bergmann (weiße Treppe),
Wendy Wendrikat (ohne Titel) oder die Skulptur (Frau mit Dutt) von
Pia Bohr. Das ist nur eine kleine Auswahl der Vielfältigen Arbeiten.

Pia Bohr präsentiert Ihre Arbeit „Frau mit Dutt“

Es stellen sich den Besuchern (wie auch mir) sicher einige Fragen, die zur Diskussionen anregen. Wie sieht es zum Beispiel heute aus? Der Pessimismus nimmt zu, und der Fortschrittsglaube angesichts des kontinuierlich abnehmenden „Weiß“ etwa der Schneefelder und die Folgen des Klimawandels im allgemeinen ab. Löst sich am Ende alles in „Weiß“ auf oder stellen wir Fragen zu einem positiven Fortschrittsbegriff?

Wendy Wendrikat zeigt auf ihrem Bild eine weiße (geisterhafte?) Frau.

Alle ausgestellten
Werke sind natürlich auch käuflich zu erwerben. (Eine Preisliste
liegt aus).




Gemeinsam Beethovens Neunte erarbeiten

Seit dieser Saison startet das neue Projekt des Konzerthauses
Dortmund: Die BE:Community. In Workshops und bei Veranstaltungen soll
gemeinsam musiziert werden. Der Kickoff war am 23. November 2019 im
Studio B der Stadt- und Landesbibliothek mit dem Berliner
Stegreif.orchester.

Mit diesem Projekt
wird Beethovens 9. Sinfonie mit ihrer Botschaft für Frieden und
Brüderlichkeit in neuem Zusammenhang auf die Konzerthaus-Bühne
gebracht: Das Berliner Stegreif.orchester erarbeitet in den nächsten
sechs Monaten gemeinsam mit Dortmunder Bürgerinnen und Bürgern eine
eigene Komposition, die Beethovens Vision in Beziehung zu anderen,
auch in unserer Stadt gepflegten Musiktraditionen und -sprachen
setzt. Das junge Ensemble ist bekannt dafür, dass es stets ohne
Dirigenten auftritt, sich frei im Konzertsaal bewegt, auswendig
spielt und genreübergreifend improvisiert. So wird auch die
gemeinsame Aufführung mit allen Projektteilnehmern am 14. Mai 2020
im Konzerthaus Dortmund ein spannendes Konzertexperiment, das
Beethovens berühmte Neunte zu neuem Leben erweckt.

Der Leiter des Community Music Bereichs,Matthew Robinson (1.v.l.), Community Composer Pete Moser (4.v.l.) und das stegreif.orchester beim Kickoff.
Der Leiter des Community Music Bereichs,Matthew Robinson (1.v.l.), Community Composer Pete Moser (4.v.l.) und das stegreif.orchester beim Kickoff.

Teil des
BE:Community-Orchesters kann jeder werden, der ein Instrument spielt
oder bereits Erfahrungen als Sänger gesammelt hat. Ars tremonia war
beim Kickoff dabei. Hier wurden den Besuchern nicht nur spielerisch
verschiedene Rhythmen aus Beethovens Neunten beigebracht, sondern es
wurde auch gemeinsam gesungen und Singspiele veranstaltet. Den
Teilnehmern hat es sichtlich Spaß gemacht und so bleibt zu hoffen,
dass die Freude beim Mitmachen weiterhin groß bleibt.

Mit der Community
Music möchte der Intendant des Konzerthauses, Dr. Raphael von
Hoensbroech, Barrieren abbauen. Denn er hat erkannt, dass „die
Menschen aus der Brückstraße nicht ins Konzerthaus gehen und die
anderen gehen nicht in die Brückstraße“. „Musik überwindet
Grenzen“, so die Hoffnung des Intendanten.

Die weiteren Termine
der BE:Community sind:

14.12.2019 12-18 Uhr

15.12.2019 10-14 Uhr
jeweils im Orchesterzentrum NRW

28.03.2020 10-18 Uhr

29.03.2020 10-14 Uhr
im Konzerthaus Dortmund

12.05.2020 17-20 Uhr

13.05.2020 17-20 Uhr
Proben im Konzerthaus Dortmund

14.05.2020 13-19 Uhr
Proben im Konzerthaus Dortmund

14.05.2020 20 Uhr
BE:Community Konzert im Konzerthaus Dortmund

Zusätzliche
wöchentliche Workshops im Konzerthaus Dortmund finden ab dem 30.11.
2019 jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr statt.

Weitere Infos unter
www.konzerthaus-dortmund.de/communitymusic




Köpfe – realistisch, surreal oder abstrakt

Andrzej Irzykowski zeigt vom 17.11. bis zum 08.12 2019 in der Galerie
Torhaus Rombergpark unter dem Titel „Köpfe“ Zeichnungen und
bildhauerische Arbeiten.

„Der Kopf ist die
Zentrale“, erklärt Andrzej Irzykowski sein Interesse am Haupt des
Menschen. In der Ausstellung präsentiert er Köpfe in verschiedenen
Stilen und Materialien.

Auf der hinteren
Seite des Torhauses zeigt Irzykowski drei klassisch gestaltete
Portraits. Mit dabei sind die Köpfe von Chopin und Beethoven, zwei
der Lieblingskomponisten des Künstlers. Geplant sind noch weitere
Komponistenbüsten wie die von Mozart oder Bach.

Sehr spannend sind
die Arbeiten, die eher in die surreale oder abstrakte Richtung gehen.
Der „Träumer“ scheint zu zerfließen, er ist ein Hauch von Kopf,
obwohl er aus Bronze ist. Der „Dickkopf“ hingegen besteht aus
Eichenholz, das schon mehrere hundert Jahre alt ist und von einer
Mühle stammt. Der „Dickkopf“ ist auf den ersten Blick ein grober
Klotz, er hat aber durch eine Art Krone etwas majestätisches an
sich.

Aus Eisenguss sind
die „Totems“. Sie erinnern mit ihrem Aussehen an an afrikanische
Masken. Der „Ritter“ wiederum ist aus fertigen Metallteilen
entstanden, die in einer Schlosserei anfallen.

Andrzej Irzykowski neben seinem "Ritter", der aus Materialien einer Schlosserei besteht.
Andrzej Irzykowski neben seinem „Ritter“, der aus Materialien einer Schlosserei besteht.

Ein weiteres
interessantes Objekt ist der „Buch Kopf“ aus aus Bronze, auf dem
sich einiges an Patina angesammelt hat. Für Andrzej Irzykowski ist
ein Buch „das Gedächtnis der Menschheit“. Zwei eckige
„Querköpfe“ aus Bronze zeigen sehr abstrahierte Gesichter.

Zusammenfassend kann
man sagen, die große Formenvielfalt macht den Reiz dieser
Ausstellung aus. Bei manchen Objekten findet der Betrachter schnell
das Gesicht zum Kopf, bei anderen muss man länger suchen oder wie
beim „Dickkopf“ seine Fantasie spielen lassen.

Daneben hängen acht
Chinatuschezeichnungen auf Bristol-Papier. „Zeichnen ist Therapie
von der Bildhauerei“, bekennt Andrzej Irzykowski, „da kann ich
mich austoben.“

Auf alle Fälle
freut sich der Künstler auf den Dialog mit dem Publikum.

Die Vernissage ist am 17.11.2019 um 11 Uhr. Das Torhaus hat dienstags und samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.




Zwerg Nase als Weihnachtsmärchen im Schauspielhaus Dortmund

Es schon eine gute Tradition, dass Andreas Gruhn (Direktor des Kinder
und Jugendtheaters Dortmund) mit seinem gesamten KJT-Ensemble im
Schauspiel Dortmund ein Weihnachtsmärchen für die ganze Familie
inszeniert. In diesem Jahr steht das Märchen „Zwerg Nase“ von
Wilhelm Hauff (1802 – 1827) auf dem Programm.

Es ist schon
schwierig, nach so vielen Jahren immer noch ein neues Märchen für
die Aufführungen im Schauspielhaus auszusuchen. An Hauffs Märchen
interessiert Gruhn vor allem das brandaktuelle Thema der Ausgrenzung
von „andersartigen“ Menschen sowie die starken Figuren.

Beim Gespräch mit
Ars tremonia erklärte der Leiter des KJT, dass die damalige
orientalische Gesellschaft (zur Zeit der Märchen von Wilhelm Hauff)
eine offene, sinnliche Gesellschaft und reich an Farben und Formen
war. Verschiedenste Religionen und Weltanschauungen lebten relativ
friedlich zusammen. Außerdem ist Hauff von der revolutionären
Aufbruch Stimmung im Vormärz 1848 in Deutschland beeinflusst, wo die
Menschen in einem in viele Herzogtümer zersplitterten Gebiet lebten
und vom König oder den Fürsten abhängig waren.

Das diesjährige
Weihnachtsmärchen ist als Geschichte in der Geschichte konzipiert.
Zunächst wird das Publikum in den fernen exotischen Orient in mitten
einer Karawane (in Oase) entführt. Dort erzählt ein Schauspieler
aus dem Jugendclub die Erzählung stimmungsvoll als Zeichen dafür,
dass Fantasie Grenzen überwinden kann.

Probenfoto aus der Produktion "Zwerg Nase", dem Weihnachtsmärchen vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund. (Foto: © Edy Szekely)
Probenfoto aus der Produktion „Zwerg Nase“, dem Weihnachtsmärchen vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund. (Foto: © Edy Szekely)

Die Geschichte
handelt von Jakob, einem freundlichen Jungen von schöner Gestalt,
der seinen Eltern von klein auf auf dem Markt am Gemüsestand hilft.
Eines Tages ärgert er sich über eine griesgrämige, bucklige alte
Frau mit langer spitzer Nase, die sich über die angeblich schlechte
Ware am Stand beschwert. Im Gegenzug lästert Jacob über ihre
hässlicher Erscheinung. Zur Strafe verwandelt die sich als
Kräuterhexe entpuppende Frau ihn in eine Zwerg mit großer Nase. Sie
hält ihn gefangen, damit er ihr in der Küche dient. Was dann
geschah ist ein Abenteuer, dass er mit Hilfe eines Eichhörnchens und
Mimi, die kluge als Gans verwandelte Tochter eines Zauberers, erlebt
und das ihn an den Hof des Herzogs von Frankistan bringt. Dort kommt
es aber bei einem Staatsbesuch zu Verwicklungen.

Für die
atmosphärische Musik sorgt Michael Kessler, und für die flexible
Ausstattung (vom Dorf zum Wald, von der Küche zum Schloss) und die
Kostüme zeichnet Oliver Kostecka verantwortlich. Neben dem gesamten
KJT-Ensemble sind auch Statisten sowie Sadoun Alsinou und Anas
Alfakhouri aus dem Jugendclub-Ensemble mit von der Partie.Es wird
sicherlich auch wieder ein opulentes Vergnügen für die Augen
werden.

Die Premiere des
Weihnachtsmärchen „Zwerg Nase“ findet am Donnerstag, den
14.11.2019 um 19:00 Uhr im Schauspiel Dortmund statt,. Dafür gibt es
noch Rest-Karten.

Informationen über
die vielen anderen Aufführungstermine erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel.:
0231/50-27222.

Ab 01. Dezember bis
Mitte Januar ist „Zwerg Nase“ dann fast 50 mal auf der Bühne im
Schauspielhaus zu sehen.

Übrigens: Für die
Nachmittagstermine und um die Weihnachtsfeiertage gibt es noch gute
Chancen auf Karten, um die Aufführung zu erleben!




Der Maueröffner

Eines vorweg: Das Solostück „Helden wir wir“, das pünktlich zur
30-Jahrfeier der Maueröffnung am 09. November 2019 Premiere hatte,
lebte vor allem von der Darstellung von Andreas Beck. Ebenso präsent
wie bei seinen anderen Solostücken „Die Agonie und Ekstase des
Steve Jobs“ und „Die schwarze Flotte“ zeigte Beck den
Größenwahn und die Minderwertigkeitskomplexe seines Helden Klaus
Uhltzsch.

Das Bühnenstück
von Peter Dehler nach dem Roman von Thomas Brussig stellte mit Klaus
Uhltzsch eine klassische Ostbiografie vor. Der Staat griff mehr oder
weniger lenkend in die Geschicke seiner Untertanen ein, die
versuchten mit dem Leben zurecht zu kommen oder große Pläne zu
schmieden. Uhltzsch träumte schon als Kind, dass er zu ganz Großem
fähig sein. Für Uhltzsch war es ein Ziel, bei der Stasi als Agent
Karriere zu machen. So wie James Bond oder besser wie in der
DDR-Agentenserie „Das unsichtbare Visier“. Leider sind die
Aufgaben bei der Stasi nicht wirklich spannend, aber durch seine
Tätigkeit wird er zur großen Demo auf den Alexanderplatz geschickt.
Dort kommt es zu einem Unfall, bei der er einen riesigen Blutstau in
seinem Penis bekommt, das zu einem Riesenorgan wird. Damit öffnet er
dann am 09. November 1989 die Mauer.

Andreas Beck als Klaus Uhltzsch, dem unbekannten Maueröffner in "Helden wie wir". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Andreas Beck als Klaus Uhltzsch, dem unbekannten Maueröffner in „Helden wie wir“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Wie am „Werkzeug“
der Maueröffnung ersichtlich wird, das Stück enthält viele
sexuelle Anspielungen. Vielleicht war der Osten da ein wenig freier,
wobei der Westen spätestens in den 70ern aufgeholt hat – Stichwort
„Klimbim“. Die Hauptfigur leidet sein ganzes Leben an seinem
kleinen Penis. Dass er ausgerechnet durch den ersten Sexualkontakt
gleich Tripper bekommt, passt wie die Faust aufs Auge. Und darüber
hinaus ist es sehr peinlich, denn seine Mutter ist Hygiene-Fachfrau.

Andreas Beck spielt die Hauptfigur mit Witz und Komik. Denn auch hier zeigt sich die Stärke des Stückes: Ost und West können gemeinsam lachen. Beck braucht keine Requisiten oder ein aufwändiges Bühnenbild, aus einem Schrank wird ein DDR-Wachhäuschen, das zu einem Tisch wird und umgekehrt. Die Präsenz, die Beck ausstrahlt, zieht die Zuschauer in seinen Bann und nimmt alle mit ins Stück. 80 Minuten können lang sein, oder aber wie bei „Helden wir wir“ mit Beck äußerst kurzweilig. Alles passte an diesem historischen Abend perfekt, zumal Beck den echten Mauerfall auf einer Bühne in Eisleben erlebte.

Musik gab es auch:
Natürlich durfte die Hymne „Über sieben Brücken musst du gehen“
von Karat nicht fehlen, ebenso wenig wie „Der kleine Trompeter“
in der Version von Vera Ölschlägel.

„Helden wir wir“:
Ein gelungenes Stück mit einem gut aufgelegten Schauspieler, der die
Höhen und Tiefen seiner Figur glaubhaft machen konnte. Am 07.
Dezember (20 Uhr) und am 25. Dezember (18 Uhr) gibt es weitere
Gelegenheit der Maueröffnung beizuwohnen. Es lohnt sich.

Mehr Infos unter
www.theaterdo.de




Artensterben als künstlerisches Thema

Die gemeinsame Ausstellung „ARTensterben“ der vier Dortmunder Künstlerverbände thematisiert in der BIG gallery die Folgen des Klimawandel und der Umweltzerstörung. 

Bis zum 12. Januar 2020 zeigt die BIG Gallery am Dortmund U die Ausstellung “ARTensterben”. Mit dabei sind Künstlerinnen und Künstler vom Bundesverband Bildender Künstler Ruhrgebiet (BBK), der Bundesverband Bildender Künstler Westfalen, die Künstlervereinigung Dortmunder Gruppe, und der Westfälische Künstlerbund Dortmund. 

Schon der Titel “ARTensterben” gibt die Richtung vor: Hier positionieren sich Künstlerinnen und Künstler auf unterschiedliche Weise mit den möglichen Folgen des Klimawandel. Dazu zählt beispielsweise das Bienensterben. Susanne Behringer betrauert in ihrem Kreuz aus Bienenwaben unter dem Titel “behüten” das Schicksal der Bienen. Jan Homeyer setzt sich in seinem Gemälde “Der Fund” mit einem eher ungeliebten Insekt auseinander: Am Boden liegt eine riesige Hornisse. Die drei Arbeiten “Silent Death” von Suria Kassimi zeigt ein totes Fluginsekt. 

Zur Ausstellung "ARTensterben" in der BIG gallery ist ein Katalog erschienen.
Zur Ausstellung „ARTensterben“ in der BIG gallery ist ein Katalog erschienen.

Doch auch die generelle Zerstörung ist ein Thema, das Künstler umtreibt. Beeindruckend sind die Bilder von Rita-Maria Schwalgin, die in ihren Fotografien “Faszination der Zerstörung” die unglaubliche Wucht von Braunkohlebagger zeigt. Marc Bührens manueller 3-D Druck “In Flammen” thematisiert auf filigraner wie erschreckender Weise Waldbrände rund um den Globus. 

Die Ausstellung macht Nachdenklich, die unterschiedlichen Position sind gut ausgewählt und zeigen eine deutliche Haltung der Künstlerinnen und Künstler. Denn wichtiger als die Frage, ob Kunst politisch sein darf oder nicht, ist es, Position zu beziehen.