Pinocchio – Abenteuer einer Holzpuppe

Pinocchio ist die ewig junge Geschichte einer sprechenden Holzpuppe, die sich nichts weniger wünscht, als ein Mensch zu werden und seinen Papa Geppetto stolz zu machen. Das Pinocchio bis dahin allerlei Abenteuer erlebt ist klar.



Das junge Ensemble der Kulturbrigaden, unter der Leitung von Rada Radojčić, präsentierten am 20. April 2024 eine fröhliche, bunte Version von „Pinocchio“ mit Livemusik, kleinen Gags und viel Humor nach der Bühnenversion von Jürgen Popig (Rechte beim Verlag für Kindertheater Weitendorf).

Die Geschichte von Pinocchio, der Holzfigur, ist fast jedem bekannt. Sein Wunsch ist, es ein „richtiger Junge“ zu werden, aber leider steht diesem Wunsch seine Naivität (oder Dummheit) im Weg. So geht er nicht in die Schule, sondern lieber in den Zirkus und zieht mit ihnen durch die Lande. Sein hart verdientes Gold lässt er sich tölpelhaft von den beiden Gaunern Kater und Fuchs abnehmen. Pinocchios Lernkurve ist aber immer noch sehr flach, denn er lässt sich überreden, ins „Land der 1000 Spiele“ zu ziehen. Dort kann er den ganzen Tag spielen und essen, wird aber immer dümmer. Glücklicherweise hat er eine gute Freundin, die „blaue Fee“, die ihn aus mancherlei Situationen rettet. Letztendlich fällt er in seinem Heimatdorf ins Meer und wird von einem Wal verschluckt. Doch Zufall: Auch sein Vater Geppetto ist dort. Mit einem Trick können beide sich befreien und an Land gelangen.

Das alles wurde von den Jugendlichen der Kulturbrigade in beeindruckender Weise präsentiert. Es passte alles zusammen: Die Kostüme von Anna Hörling, die Bühne von Sandra Marie Drozdowski, die Livemusik von Dixon Ra und die Schauspielkunst des jungen Ensembles der Kulturbrigaden. Da machte sich die Arbeit an dem Stück seit Januar bemerkbar. Daneben war noch Christiane Wilke als erfahrene Schauspielerin dabei. Sie spielte verschiedene Rollen, unter anderem Geppetto oder den Kater.

Insgesamt war das ein schöner Abend für die ganze Familie, eine gelungene Inszenierung von Rada Radojčić, die auch als spanischsprechender Fisch eine gute Figur machte und tolle junge Schauspieler, denen man den Spaß an dem Stück anmerkte.

Es gibt noch Vorstellungen am 26. Mai 2024, 30. Juni 2024, 22. September 2024 und am 10. November 2024 jeweils um 15 Uhr.

Mehr Informationen immer unter www.fletch-bizzel.de




Protokolle der Sprachlosigkeit Erinnerung an Mehmet Kubaşik

Es gibt Ereignisse, die einen sprachlos und wütend machen. Eines davon sind die NSU-Morde, die bis zu ihrer endgültigen Aufklärung unter dem scheußlichen Begriff „Dönermorde“ in den Medien waren. Grund dafür ist, dass die meisten Opfer migrantischen Hintergrund hatten. Von der Floskel „Wir ermitteln in alle Richtungen“ ist auch bei der Polizei schnell Mord im Drogenmilieu, Kämpfe innerhalb migrantischer Kreise usw. geworden, so dass die Opfer und auch ihre Angehörigen quasi verdächtigt wurden.



Auch in Dortmund gab es ein NSU-Opfer: Mehmet Kubaşik wurde am 04. April 2006 in seinem Kiosk in der Nordstadt ermordet. Erst mit dem Selbstmord von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt 2011 war klar, dass der Mord nichts mit innermigrantischen Banden oder Drogen zu tun hatte, sondern mit rechtsradikalem Terrorismus.

Jasmina Musić und Johanna Wieking vom HER.STORY KOLLEKTIV gaben in ihrer Performance „Protokolle der Sprachlosigkeit“ Raum zum Angedenken nicht nur an Mehmet Kubaşik, sondern auch den anderen zahllosen Opfern des Rechtsextremismus. Denn viel zu schnell sind die vielen Opfer rechtsradikaler Gewalt aus den Nachrichten und den Erinnerungen der Öffentlichkeit verschwunden.

Schon der Beginn war beeindruckend, als die Zuschauer in den Saal kamen, der Zuschauerbereich war mit Absperrband versperrt und beide Performerinnen aus dem Grundgesetz zitierten. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Doch dann wurde es emotional. Fast dokumentarisch berichteten die beiden Performerinnen über den Mord an Mehmet Kubaşik aus Sicht seiner Tochter. Das Schlimme war, durch die einseitigen Ermittlungen wurden die Angehörigen mit in den Dreck gezogen, was Spuren hinterließ. Passend dazu wurden die Angehörigen auch nicht durch die Polizei von der Aufklärung 2011 informiert, sondern bekamen das durch die Presse mit. Daneben wurden auch persönliche Geschichten und Erfahrungen von Frauen, die aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen sind, beleuchtet.

Damit die Opfer rechter Gewalt nicht vergessen wurden, bauten Musić und Wieking gegen Ende noch eine Art Gedenktafel mit den Namen der vielen Opfer auf. Vor der einige BesucherInnen Blumen hinterlegen konnten.

Insgesamt ein sehr emotionaler Abend zu einem ernsten, aber wichtigen Thema. Niemals dürfen die Opfer rechter Gewalt vergessen werden.




Kammerkonzert im besonderen Ambiente

Diese Spielzeit bietet für Kammermusikfreundinnen und -freunde etwas Besonderes: Die Konzerte finden an ungewöhnlichen Orten statt. So wurde beispielsweise die Kokerei Hansa, die Ausstellungshalle von Phoenix des Lumières oder die Akademie für Theater und Digitalität zum Ort von klassischer Musik. Am 18. April 2024 war der Pioneer Cube des Unternehmens Wilo der Schauplatz für das Kammerkonzert.



Auf dem Programm stand Mozart und Mendelssohn Bartholdy. Das Divertimento in D-Dur, KV 136, von Wolfgang Amadeus Mozart ist ein charmantes und lebhaftes Werk, das typisch für die eleganten und verspielten Divertimenti dieser Zeit ist. Komponiert im Jahr 1770, ist es eines von drei Divertimenti, die Mozart innerhalb einer Woche komponierte, während er in Salzburg weilte.

Die Anmut, Leichtigkeit und Eleganz des frühen Stückes wurde durch das Streichquartett wunderbar unterstrichen.

Mendelssohn Bartholdy reichte ein Streichquartett nicht, er verdoppelte es zu seinem Oktett in Es-Dur op. 20. Es ist ein bemerkenswertes Werk, das die Brillanz und Jugendlichkeit des Komponisten widerspiegelt. Mendelssohn schrieb dieses Oktett im Alter von nur 16 Jahren, und doch zeigt es bereits seine außergewöhnliche Begabung und seinen reifen musikalischen Stil.

Vor allem der 3. Satz, das Scherzo begeisterte die Zuhörer: Mendelssohn zeigt hier sein Talent für kontrastierende Rhythmen und überraschende harmonische Wendungen, die dem Stück einen frischen und dynamischen Charakter verleihen.

Kein Wunder, dass es als Zugabe wiederholt wurde.

Als MusikerInnen waren dabei: Nemanja Belej, Anna Straub, Vera Plum und Iris Plettner (Violine), Dahee kwon und Carlotta Guijarro Alonso (Viola) und Emmanuel Matz und Markus Beul (Cello).




Mamator – Guckt die Mama?

Die Sprache im Ruhrgebiet ist schon eine besondere Sprache. Nehmen wir mal den Titel des Stückes „Mamator“. Es kann „mach mal (mama) das Tor“ oder auch „Mama, Tor!“ bedeuten. Jedenfalls es geht über Fußball. Nein, nicht über einen bestimmten verein. Das letzte Stück des kürzlich verstorbenen Rolf Dennemann, dem Kopf von artscenico, basiert lose auf dem Roman „Nordkurve“ von Michael Klaus, der von Adolf Winkelmann verfilmt wurde.



Die Hauptfigur, G. (gespielt von Maximilian Strestik) genannt, lebt noch mit Mitte 40 bei seiner Mutter und verbringt fast die gesamte Zeit in einem Hinterhof. Seiner Mutter erzählt er, dass er arbeiten geht. G. ist großer Fußballfan und das letzte Spiel seines Lieblingsverein steht an, bei dem es um Abstieg oder Klassenerhalt geht. Er selbst kann nicht im Stadion sein, da er nach eigenen Angaben Stadionverbot hat.

G. ist nicht nur Fußballfan, sondern auch erzählt auch gerne. So erklärt er die große und kleine Welt und kommt von Hölzken auf Stöcksken. Eine Art Kneipenphilosoph, die im Ruhrgebiet verbreitet ist und spätestens nach dem dritten Bier ihre Sicht der Dinge zum Besten geben.

Der Infoflyer zum Stück "Mamator" von artscenico.
Der Infoflyer zum Stück „Mamator“ von artscenico.

Auch wenn das Stück im Hinterhof der Missundestraße 10 tief in der Dortmunder Nordstadt spielt: In „Mamator“ geht es um keinen speziellen Fußballverein. Eher um das Lebensgefühl von Menschen, die einen Großteil ihres Lebens ihrem Fußballverein widmen. Denn Liebe kennt keine Liga.  

Mamator ist ein Theatersolostück für einen lebendigen Ort – also nicht notwendigerweise ein Theater. Mamator ist eine Hinterhofballade; Garagenblues. Und nicht zuletzt ist Mamator auch eine Hommage an einen Fan und seinen Fußball.

Natürlich könnte man denken, dass „Mamator“ ein kultureller Beitrag zur EM 2006 in Dortmund sei, aber das Stück war vorher schon geplant, leider kam der Tod Dennemanns dazwischen. Damit ist „Mamator“ nicht nur eine Erinnerung an Rolf Dennemann, sondern auch der Neubeginn von artscenico.

Uraufführung am 26.04.24

Aufführungen: 27.04. / 03. & 04.05.24 / Beginn 19:00 Uhr

Hinterhof Missundestraße 10, Dortmund

Eintrittspreise 17/10€

Tickets online unter ticketree oder Reservierung unter orga@artscenico.de.




Schwere Leichtigkeit

Sebastian Wien zeigt aktuelle Werke in der Städtischen Galerie Torhaus Rombergpark

Die Ausstellung im Torhaus Rombergpark bietet einen Querschnitt durch Wiens aktuelle Werke und umfasst etwa 15 Skulpturen und Objekte aus Stahl. Sebastian Wien, Jahrgang 1962, hat Stahl als Hauptwerkstoff für seine Arbeiten gewählt. Seit mehr als 30 Jahren entstehen in seinem Atelier in Dortmund Skulpturen von schlichter Anmut und großer räumlicher Wirkung. Zudem verwendet Wien chemische Prozesse, um den Oberflächen seiner Werke eine lebendige Wärme zu verleihen. Die meisten Skulpturen leiten sich formal von der Kugelform ab, die Wien zerteilt, um verschiedene Elemente zu schaffen, aus denen artverwandte Arbeiten entstehen.

Eröffnung und Laufzeit der Ausstellung

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 5. Mai, und ist dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.




Pinocchio – Lügen haben lange Nasen

Die Kinderbuchfigur Pinocchio von Carlo Collodi ist sicherlich jedem bekannt. Die Holzpuppe, die sprechen kann und nicht sehnlicher wünscht, als ein echter Junge aus Fleisch und Blut zu werden.



Doch auf dem Weg tappt der naive Pinocchio in jedes Fettnäpfchen und muss diverse Lernprozesse durchlaufen, bis er seinen Wunsch erfüllt bekommt. Zudem lernt er, dass Faulheit, Lügen und Ungehorsam nicht ungestraft bleiben. Anders als in der „schwarzen Pädagogik“ wie beispielsweise dem „Struwwelpeter“ begegnen die Autoritätspersonen Pinocchio aber verständnisvoll und nachsichtig. Eigentlich hat Pinocchio ja eine gute Intention und stürzt sich begeisterungsfähig in alle Abenteuer. Das ist auch, was die jungen AkteurInnen der Kulturbrigaden an dem Stoff fasziniert.  

Die Abenteuer von Pinocchio erleben? Dann ins Fletch Bizzel. (Foto: (c) Kulturbrigaden)
Die Abenteuer von Pinocchio erleben? Dann ins Fletch Bizzel. (Foto: (c) Kulturbrigaden)

Die Kulturbrigaden unter der Regie von Rada Radojčić verlegen die Handlung in eine fantastische Zirkuswelt. Die Musik wird live von Dixon Ra gespielt, der aber nicht auf der Bühne erscheint. Die Kostüme stammen von Anna Hörling.

Der Bühnenstoff wurde von Jürgen Poppig bearbeitet und die Aufführungsrechte liegen beim Verlag für Kindertheater Weitendorf.

Ab 6 Jahren

VERANSTALTUNGSORT: Theater Fletch Bizzel, Humboldtstr. 45, 44137 Dortmund

PREIS/E: 14/10 €

TERMINE:

Sa. 20. April 20.00 Uhr PREMIERE

So. 21. April 15.00 Uhr

So. 26. Mai 15.00 Uhr

So. 30. Juni 15.00 Uhr

So. 22.September 15.00 Uhr

So. 10 November 15.00 Uhr

www.fletch-bizzel.de




Oper im Kammermusikformat

Eine Oper braucht kein riesiges Orchester, ein großes Ensemble oder aufwändige Kostüme. Manchmal reichen auch vier Musiker, eine Sopranistin und eine spannende Geschichte. Christine Gansch, die junge Wilde, zeigte im Konzerthaus am 10. April 2024 mit ihren Mitmusikerinnen eine schöne, fiktive Geschichte über Händel und mit Musik des Komponisten aus Sachsen.



Was wäre, wenn…ja wenn Georg Friedrich Händel ein Spion für den Kurfürsten Georg von Hannover gewesen wäre. Ein wenig bei Königin Anne spionieren, um herauszufinden, ob alles glatt geht mit der Thronbesteigung für Georg, wenn Anne stirbt.

Die Geschichte „Händel, der Spion“ stammt von Chad Kelly und Leo Duarte, das Libretto von Jennifer Lee. Mit Rezitativen und Arien aus den verschiedenen Opern von Händel wird die Handlung erzählt. Dabei darf natürlich auch „Lascia ch’io pianga“ aus „Rinaldo“ nicht fehlen. Hinzu kommt noch Musik von Henry Purcell.

Es ist wirklich bemerkenswert, was Christina Gansch auf die Bühne des Konzerthauses zaubert.  Zusammen mit dem Klingzeug Barockensemble, bestehend aus Robert de Bree (Oboe), Claudia Delgado-Norz (Violine), Anna Müller (Cello) und Chad Kelly (Cembalo) und einigen wenigen Requisiten wird eine Oper im Kammermusikformat aufgeführt.

Ein gelungener Abend mit einer tollen Sängerin und sehr guten Musikern, die auch aktiv im Stück involviert waren.




Raum als Ort – Was macht Kunst mit einem Raum?

Die Auswirkungen von Kunst auf einen Raum sind vielfältig und tiefgreifend. Kunst hat die einzigartige Fähigkeit, Räume zu transformieren, zu beleben und eine Atmosphäre zu schaffen, die Emotionen, Gedanken und Perspektiven beeinflusst.



Zunächst einmal kann Kunst einen Raum visuell verändern. Durch die Wahl von Farben, Formen, Texturen und Proportionen kann Kunst die Wahrnehmung des Raumes selbst verändern. Darüber hinaus kann Kunst auch eine emotionale Wirkung auf einen Raum haben. Die Stimmung eines Raumes kann durch die Art der Kunst, die darin präsentiert wird, stark beeinflusst werden. Des Weiteren kann Kunst einen Raum zum Leben erwecken und ihn zu einem Ort der Interaktion und des Austauschs machen.

Diese Beziehung zwischen Kunst und Raum thematisiert die Ausstellung „Raum als Ort, die bis zum 19. Mai 2024 im Künstlerhaus Dortmund läuft. Kuratiert wurde sie von Willi Otremba und Elly Valk-Verheijen.

Auf eine durchaus witzige Art und Weise bespielt Jonas Hohnke den großen Raum im Künstlerhaus. Denn er teilt anscheinend den Raum durch Vorhänge, aber auch wieder nicht, denn auf den Vorhängen ist der abgedeckte Teil als Foto zu sehen. Ist der Raum jetzt durch den Vorhang getrennt oder durch die Kunst immer noch „ganz“?

Im sogenannten „Totenraum“ im Keller präsentiert Suse Itzel ihre bewegenden Fliesen. Die Videoinstallation fasziniert die BesucherInnen schnell.  Eine geflieste Fläche gerät in Bewegung. Einzelne Fliesen wackeln. Die ganze Fläche schlingert, schwingt und pendelt, bis sie bricht. Das Muster gerät in Unordnung.

Die Installation von Anne Kückelhaus wirkt vielleicht auf den ersten Blick etwas morbide, denn ihr Mobile besteht aus Hundeköpfen aus Keramik. Das Ziel der Künstlerin war es, mit Schatten zu arbeiten. Zudem können die BesucherInnen mit den Hunden quasi in Kontakt treten.

Mit Licht arbeitet Yoana Tuzharova. Ihre Lichtinstallation verwandelt den Raum in eine kontrastreiche farbliche Welt, in der alle Elemente ihren Platz haben. Die Besucherinnen müssen sich im Raum bewegen, um die Feinheiten der Installation zu erfahren.

 Nicola Schudy arbeitet mit dem Schwerpunkt Installation, Objekt und Zeichnung. Ihre zumeist ortsbezogenen Installationen beziehen sich auf das atmosphärische Raumerleben genauso wie auf historische, funktionelle und architektonische Besonderheiten der jeweiligen Umgebung und weben so ein erzählerisches Geflecht zu der jeweiligen Situation.

Thilo Schölpen ist als Klangforscher und Musiker vor allem in der experimentellen Musik und Improvisation zu Hause. Er performt in unterschiedlichen Ensembles und als Solist, wobei sein Schwerpunkt in der Elektroakustik, Akusmatik und der Erfindung von Klangmöglichkeiten liegt.

Für die Räumlichkeiten des Dortmunder Künstlerhauses entwickelte Vier-Kanal-Klanginstallation, die bei der Eröffnung in einem Klangkonzert live bespielt wird.

Hanna Schneider hat in ihrer Arbeit eine simple, aber effektive Möglichkeit gefunden, den Raum und die Kunst zu verbinden. Denn jeder, der durch den Flur geht, verändert durch seine Bewegung die Statik des Kunstwerks.

Beim flüchtigen Blick könnte man meinen, dass sich Nico Pachali mit Layoutfragen beschäftigt, doch weit gefehlt. Ihn interessiert Raum als temporäre Situation und dynamische, horizontale und mobile Einheit ohne vertikale Grenzen. Seine Arbeiten sind variabel und unterliegen einem permanenten Prozess des Überdenkens, Befragens, Ordnens, Neuordnens und Re-Arrangierens.

Charlotte Perrin zeigt ihre Kunst in Raumen, die sich dem rechten Winkel zu widersetzen scheinen. Daher benutzte sie eine Schlagschnur, um die Unperfektheit dieser Räume sichtbar zu machen. Denn Charlotte Perrins Arbeiten setzen sich mit dem Verhältnis von Materialität zu Form auseinander und beziehen sich oft auf räumlichen Kontext.




Geschichten und Objekte zur Fußballkultur gesucht

Der Dortmunder Kulturverein sucht fußballbezogene Erinnerungen von Privatpersonen, um sie in Schaukästen auszustellen. Als Kulturprogramm während der Europameisterschaft entsteht auf der Achse zwischen Hauptbahnhof und Stadion ein Ausstellungsparcours unter dem Titel „Denk ich an Dich, Europa“ (08. Juni bis 14. Juli 2024) durch zahlreiche Kneipen. Der Parcours stellt ungewöhnliche Objekte und ihre Geschichten über die Kultur rund um den Fußball in den Mittelpunkt und soll Anlass für Begegnungen ganz unterschiedlicher Menschen bieten.



Hierfür sucht der Dortmunder Kulturverein Ihre persönlichen Erinnerungsstücke zu internationalen Fußballbegegnungen: Fotografien, Dokumente, Texte, Kleidungsstücke oder selbstgestaltete Fanartikel – alle persönlichen Geschichten und Objekte, die Fußballkultur prägen, sind gefragt und könnten somit Teil der Schaukästen werden.

Ausgestellt werden die Objekte in eigens dafür vom hiesigen Designbüro NOSTUDIO entworfenen Vitrinensystem und an jenen Orten, an denen während der Spiele alle zusammenkommen: in Dortmunder Kneipen mit Ruhrgebietsflair.

Bewerbungen sind ab sofort und bis zum 22. April 2024 möglich. Am Das Formular sowie weitere Informationen finden Sie hier: euro24xdokv.de




Gemusical – ein Musical über Gemüse

Wie wurde eigentlich der „Sauerkraut“ zur „Kartoffel“? Mit dem Begriff „Kartoffel“ wird manchmal ein Deutscher oder eine Deutsche scherzhaft bezeichnet. Jetzt gilt das Nachtschattengewächs als Symbol für den typischen Deutschen. Doch woher kommt die Kartoffel eigentlich? Und die Tomate? Und die Avocado, die als Superfood aus europäischen Küchen kaum wegzudenken ist? Die Antwort: Aus Mittel- und Südamerika.



Nach „Boyband“ geht es jetzt um Gemüse. Das Performancekollektiv notsopretty präsentierte in ihrem Musical „Gemusical“ am 22. und 23. März 2024 im Theater im Depot die Reise der Kartoffel (gespielt von Anna Júlia Amaral) zu sich selbst. Mit Hilfe ihres Freundes Tom  (Marco Gonzales) und einem Mitarbeiter des Mycelium Network Centers (Emmanuel Edoror) konfrontiert sich Kartoffel mit ihren Erinnerungen und einer Geschichte, die viel komplexer ist, als sie dachte. Wie ist die Kartoffel zu einem Symbol für Deutschland geworden, obwohl sie in Südamerika ihren Ursprung hat?


Auch Brokkoli spielt mit als gemüsegewordene Bürokratie: (vorne Anna Júlia Amaral, dahinter v.l.n.r. Nina Weber,Emmanuel Edoror und Marco Gonzales) Foto © Sarah Rauch
Auch Brokkoli spielt mit als gemüsegewordene Bürokratie: (vorne Anna Júlia Amaral, dahinter v.l.n.r. Nina Weber,Emmanuel Edoror und Marco Gonzales) Foto © Sarah Rauch

Die Antwort lautet Friedrich der Große, der auch in dem Stück einen Auftritt hat. Friedrich (im Stück Freddy genannt) erkannte das Potenzial der Kartoffel als preiswerte Nahrungsquelle für die wachsende Bevölkerung und setzte Maßnahmen zur Förderung des Kartoffelanbaus durch. Er ließ Kartoffelfelder anlegen und verordnete die Kartoffel als Grundnahrungsmittel für seine Armee und die Bevölkerung. Dadurch wurde die Kartoffel in weiten Teilen Europas als wichtiges Nahrungsmittel anerkannt und gewann an Popularität.

Doch die Geschichte der Nahrungsmittel hat auch seine Schattenseiten (passend zu Nachtschattengewächsen). Die Spanier und andere Kolonialmächte waren nicht auf friedlichen Austausch mit den indigenen Völkern aus. Die europäische Entdeckung und Kolonialisierung Amerikas ermöglichten nicht nur die Einführung neuer Pflanzen und Nahrungsmittel nach Europa, sondern waren auch eng mit Ausbeutung, Versklavung und Unterdrückung indigener Völker verbunden. Die Kartoffel war Teil dieses komplexen Netzwerks des Austauschs zwischen den Kontinenten und trug sowohl zur Ernährungssicherheit als auch zu sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen bei.

Wir, und damit meine ich nicht nur die Deutschen, haben der Kartoffel viel zu verdanken. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Hungersnöten und der Ernährungssicherheit in Europa. Insbesondere während des 19. Jahrhunderts, als Europa von zahlreichen Missernten und Hungersnöten geplagt wurde, diente die Kartoffel vielerorts als zuverlässige Nahrungsquelle, da sie robust genug war, um widrige klimatische Bedingungen zu überstehen.

Aber mit Tomate und Kartoffel ist es nicht getan. Angebliches Superfood wie Chia oder Avocados (als Food-Influencerin Nina Weber) sind immer noch beliebt. Besonders Avocados haben eine schlechte Ökobilanz, weil sie einen enormen Wasserverbrauch haben und weil Wälder für Anbaugebiete gerodet werden. Der Avocadokonsum steig von 2016 bis 2019 auf ein Drittel. Anders als bei der Kartoffel ist unser Hunger auf die Avocado ein ernstes Problem für die Umwelt.

Ist die Kartoffel jetzt kulturelle Aneignung? Nein, eher eine gelungene Integration, ähnlich wie die Hugenotten fast 100 Jahre vorher in Preußen. Sie bereicherte den Speiseplan vieler Länder.

Das Kollektiv notsopretty verpackte ihre Kritik an koloniale Geschichte und Gegenwart geschickt in mitreißenden Songs und Choreografien. Absurdes, Lustiges und Trauriges war ebenso zu sehen, wie gut gemachte Kostüme. Alles in allem waren es zwei Stunden, die wie im Flug vorübergingen. Ein großes Lob an das gesamte Team von notsopretty.