Live Zeichentrickfilm im Schauspielhaus

Bettina Lieder, Andreas Beck, Frank Genser und Merle Wasmuth erstellen live einen Animations-Film. (©Birgit Hupfeld)
Bettina Lieder, Andreas Beck, Frank Genser und Merle Wasmuth erstellen live einen Animations-Film. (©Birgit Hupfeld)

Am Samstag, den 28. März zeigt das Schauspielhaus Dortmund „Die Möglichkeit einer Insel“, eine live-animierte Dystopie von Michel Houellebecq. Nach einem Live-Film bei „Das Fest“ wird nun ein Zeichentrickfilm live erstellt. Die Regie hat Nils Voges.

Im Buch von Michel Houellebecq ist der Protagonist Daniel25 auf der Suche nach dem Glück. In seiner Zeit, im 5. Jahrtausend, haben sich die Menschen zu sogenannten „Neo-Menschen“ weiterentwickelt. Sie sind Klone ihrer Vorgänger, aber zu dem Preis, dass sie weder Liebe noch Hass kennen. Daniel25 arbeitet sich durch die Aufzeichnungen seines Urahns Daniel. Ist dort das Geheimnis des Glücks zu finden?

Premiere im Schauspielhaus der besonderen Art: Zum ersten Mal werden zwei bildende Künstler eine tragende Rolle haben. Denn Julia Zejn und Julia Praschma haben die Folien gestaltet, auf der die Zeichentrickfiguren animiert werden. Dazu Regisseur Nils Voges: „Es gibt drei Tische auf denen etwas passiert, die Schauspieler entscheiden mittels eines Buzzers, ob ‚ihr‘ Tisch auf der großen Leinwand gezeigt wird.“ Es wird quasi live geschnitten. Dazu gibt es ein Soundtisch sowie zwei Kameraroboter.

Um eine grobe Vorstellung zu haben: Es ist ein klein wenig ähnlich wie ein Schattenspiel, nur dass die Figuren horizontal bewegt werden und es keine Silhouetten sind.

Das künstliche Klonen (das natürliche Klonen gibt es schon vermutlich seit Urzeiten, z.B. eineiige Zwillige) hat in der Science-Fiction-Literatur Tradition. Schon in Aldous Huxleys Roman „Schöne Neue Welt“ kommt das Thema vor. Die von Houellebecq im Roman beschriebene Sekte der „Elohimiten“ ist in ihren Glaubensvorstellungen angelehnt an die Sekte der Raëlianer. Die Raëlianer sind eine sogenannte neue Religionsgemeinschaft, die davon ausgeht, dass Außerirdische für die Schöpfungsgeschichte verantwortlich waren. Zudem glauben sie an eine Art Unsterblichkeit durch Klonen. Die Sekte ist in den Medien dadurch bekannt geworden, dass sie Jesus oder Adolf Hitler klonen wollten.

Neben der Premiere am 28. März 2015, gibt es weitere Termine am 04. und 16. April sowie am 10. und 20.Mai und am 05. und 19. Juni.




Gefühlvoll in den Frühling

Das dritte Kammerkonzert in der Spielzeit 14/15 bot im Orchesterzentrum Dortmund gleich zwei Klassiker der Kammermusik. Zu Beginn erklang Schuberts Streichquintett C-Dur und Brahms Streichquintett in F-Dur op.88, das sogenannte „Frühlingsquintett“. Gespielt wurden beide Werke vom Johannes-Quintett, bestehend aus drei Musikern der Dortmunder Philharmoniker und zwei befreundeten Mitmusikern.

Der Abend begann mit Schuberts Streichquintett. Bekennt sicherlich durch den langsamen zweiten Satz, der in einigen Filmen als Hintergrundmusik benutzt wurde. Das Johannes-Quintett schaffte es, die unendliche Traurigkeit, die das „Adagio“ verströmt, durch ihre Instrumente auszudrücken. Generell waren die Musiker bei den ruhigen Stellen sehr präsent, auch in den langsamen Stellen des dritten Satzes, hier hatte man manchmal das Gefühl, dass die Musik und die Zeit stillstand.

Nach der Pause spielten die Musiker das Frühlingsquintett von Brahms in einer leicht geänderten Fassung. Da das Johannes-Quintett mit zwei Cellisten spielt, musste ein Cello den Part der zweiten Viola übernehmen. Das klang sehr gut. Sehr spannend war der zweite Satz des Quintetts, denn der Komponist hatte ihn quasi in fünf Teile gespalten. Neben drei langsamen Passagen fügte der Brahms zwei schnellere Teile ein. Die fünf Musiker schafften es trotz der Komplexität der Musik, wie eine organische Einheit aufzutreten, bei der kein Instrument irgendwelche Sonderrollen innehatte.

Nach zwei Zugaben von Luigi Boccherini (das bekannte Menuett aus dem Quintett op. 11 Nr. 5 sowie das Fandango im Streichquintett op. 40 Nr. 2, G. 341) war der Kammermusikabend zu Ende.

Es gab langen und verdienten Applaus für Branca Weller (Violine), Maurice Maurer (Violine), Armin Behr (Viola), Hauke Hack (Violoncello) und Christiane Schröder (Violoncello) für ein gelungenes Konzert.




Moby Dick – mehr als ein Abenteuerroman

Das literarische Quartett? Hinter den Köpfen verbergen sich: Franziska Dittrich, Magdalena Roth, Uwe Schmieder und Johannes Hubert. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Das literarische Quartett? Hinter den Köpfen verbergen sich: Franziska Dittrich, Magdalena Roth, Uwe Schmieder und Johannes Hubert. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Herman Melvilles Roman „Moby Dick“ aus dem Jahre 1851 ist sicher einer der bekanntesten Romane der Weltliteratur. Die Jagd von Kapitän Ahab auf den weißen Wal „Moby Dick“ ist nicht nur eine Abenteuergeschichte oder gar ein Kinderbuch, an dem Buch lässt sich auch sehr gut darstellen, wie Gruppendynamik funktioniert und wohin solch eine Dynamik führen kann. Das zeigt Regisseurin Roscha A. Säidow mit ihrer Gruppe Retrofuturisten sowie zwei Schauspielern des Dortmunder Ensembles am 27. März um 20 Uhr im Studio des Schauspielhauses.

Eigentlich ist „Moby Dick“ schnell erzählt: Die Hauptfigur („Nennt mich Ismael“) heuert eher aus Langeweile auf dem Schiff von Kapitän Ahab an. Walfang ist das Ziel. Doch schnell merkt Ismael, dass es Ahab gar nicht um irgendwelche Wale geht, sondern nur um ein spezielles Exemplar, den weißen Wal Moby Dick. Durch Moby Dick hatte Ahab ein Bein verloren. Letztendlich geht die Jagd schief und Ismael überlebt als einzige Person den Untergang des Schiffes.

Das Theaterstück hat gleich zwei Besonderheiten. Zu den beiden Schauspielern werden sich auch Puppen gesellen, die hauptsächlich von drei Akteuren der Retrofuturisten, aber auch von Uwe Schmieder und Sebastian Graf gelenkt werden. Dazu gibt es auch Szenen mit Riesenköpfen.

Dann gibt es im Stück einen zweiten Teil. „Hier haben wir uns gefragt, wie funktioniert Gruppendynamik oder Rache“, erzählt Dramaturg Dirk Baumann. „Wie weit sind wir bereit, radikale Dinge zu tun?“ Wichtig dazu gehört ein Feindbild und ein Anführer. Im Roman ist der Anführer Ahab und das Feindbild Moby Dick. Moby Dick wird so stark erhöht, dass er zu einem Dämon wird. In anderen Zusammenhängen könnte Moby Dick durchaus als Symbol für den „Staat“, die „Ungläubigen“ oder die „Untermenschen“ stehen, den man mit allen Mitteln bekämpfen muss.

Der Jazzmusiker Bernhard Range hat extra für dieses Stück die Musik komponiert. Dazu werden Overhead-Projektoren Räume an die Wand werfen.

Die Premiere am 27. März ist bereits ausverkauft, die zweite so gut wie, aber für die dritte Vorstellung am 16. April und für die Termine im Mai gibt es noch Karten. Infos unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27 222.




Kein Programm für Liegendkranke

Im Jahr 2014 war der Autor, Rolf Dennemann, in sechs verschiedenen Krankenhäusern zu Gast – als Patient und als Beobachter. Es zeigte sich das ganze Dilemma des „Systems Krankenhaus“. Er schildert zusammen mit seinem Gast Elisabeth Pleß ebenso tragische wie komische Momente und nennt dies Krankenhausreport. Die Premiere von „UNTERWEGS MIT MEINEM KÖRPER – DER KRANKENHAUSREPORT“ ist am 25. März 2015 im Theater im Depot. Ars tremonia sprach mit Rolf Dennemann.

Ars tremonia: „Unterwegs mit meinem Körper“ klingt ja ein wenig distanziert, als wenn der Körper getrennt vom Ich ist.

Dennemann: Es war für mich noch nie ein Problem, über mich in der dritten Person zu sprechen. Dann gibt es die Weisheit, dass man nur über etwas mit einem gewissen Abstand schreiben soll. Liebesgedichte ihm Wahn der Liebe zu schreiben, das ist ganz schlecht. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen.

Ars tremonia: Sie haben im Laufe der Zeit verschiedene Krankenhäuser besucht. Waren Sie als Patient oder Besucher dort?

Dennemann: Man kann es ruhig sagen, der Hauptgrund war Rheuma,. Genauer gesagt, um Herauszufinden, was es für eine Art Rheuma ist. Da war ich in dieser Zeit innerhalb von einem halben Jahr aus unterschiedlichen Gründen in sechs verschiedenen Kliniken. Schon beim ersten Besuch habe ich gedacht, wie vertreibe ich hier meine Zeit? Ich vertreibe sie nicht, sondern verbringe sie damit, mir Notizen zu machen, von dem, was ich hier so sehe und erlebe. Später habe ich mir gedacht, daraus ein Programm zu machen.

Ars tremonia: Was ist ihnen am Betrieb der sechs Krankenhäuser aufgefallen? Gibt es irgendwelche Gemeinsamkeiten?

Dennemann: Ich weiß aus Schilderungen meines Vaters und meinem Krankenhausaufenthalt in den 70ern: Es hat sich nichts verändert. Die Technik ist auf einem höheren Stand, die Ärzte sind komplizierter, die Vorgänge umfangreicher, aber das Prinzip, dass man sich einer Anstalt annähern muss, um zu überleben, ist das Gleiche. Das heißt, die Essenszeiten sind für einen Südeuropäer eine Katastrophe, wenn der um 17 Uhr das letzte Essen kriegt, sitzt der um 20 Uhr auf der Bettkante und wartet auf den Stockfisch, aber es kommt nichts.

Organisatorische Abläufe sind ebenfalls gleich geblieben. Im ersten Viertel des Tages finden die Aktivitäten statt und der Rest ist Dasein. Und wenn man das Pech hat in einer Dreierkabine zu liegen, auch noch das unvorbereitete Miteinander mit Menschen die man nicht kennt und deren Leiden. Alles noch so wie vor Jahrzehnten.

Ars tremonia: Was erwartete den Zuschauer am Mittwoch? Wird auch eine Krankenhausatmosphäre verströmt?

Dennemann: Das wird ganz simpel. Zwei Leute auf der Bühne, die ihre Texte lesen. Mit Unterstützung modernster Technik, nämlich Video und Computer. Das ganze ist kein lockeres Kabarettprogramm, sondern ist sozusagen durch-komponiert. Deshalb machen das auch zwei Schauspieler und nicht zwei Schriftsteller. Es sind Reportagen aus verschiedenen Häusern unter Einstreuung von Wahnvorstellungen.

Ars tremonia: Es hat also einen roten Faden.

Dennemann: Der rote Faden ist quasi ein Abschnitt von mehreren Monaten und im Hintergrund steht eigentlich immer der Gedanke: Eigentlich bin ich ja im Urlaub. Man weist sich ein, hat ein Köfferchen dabei und steht an der Rezeption. Dann wartet man auf die Nennung des Zimmers, wo man für die Dauer des Aufenthalts untergebracht ist. Bis dahin ist alles Urlaub.

Dann kommt der Zimmerservice und der sieht ganz anders aus als erwartet.

Ars tremonia: Ist das Essen denn vergleichbar mit den „All inclusive“-Hotels?

Dennemann: Ich habe noch nie Urlaub „All inclusive“ gebucht. Von daher weiß ich nicht, wie das Essen in diesen Masseneinrichtungen ist. Das Essen in Krankenhäusern hat sich mit Ausnahmen auch nicht verändert. Das ist ein Hauptthema des ganzen Stückes, weil mich das beschäftigt. Was soll man machen in einem Krankenhaus, wenn man noch Herr seiner Sinne ist? Man wartet auf das Essen.

Das Frühstück und das Abendbrot ist unverändert geblieben. In einem Krankenhaus war jedes Stück Käsescheibchen einzeln eingepackt. Aus Hygienegründen. Und die Käsescheiben sind aus diesem Presskäse. Das ist wie im Hotel. Da hat sich nichts verändert. Beim Mittagsessen war ich hoch überrascht. Da gab es doch einige kulinarische Leckereien. Der Nachtisch hingegen war so wie früher.




Museum Ostwall wünscht „Angenehmen Aufenthalt“

Pol Bury, Plans mobile, 1953, Hartfaserplaten auf Metallachse.
Pol Bury, Plans mobile, 1953, Hartfaserplaten auf Metallachse.

Das Museum Ostwall durchforstete seine Depots und förderte eine Anzahl von Kunstwerken hervor, die eine lange Zeit nicht zu sehen waren. Die Arbeiten stammen aus den 50er bis 70er Jahren und bieten einen frischen Blick auf die moderne Kunst der damaligen Zeit. Die Ausstellung ist bis zum 30. August 2015 in der 4. und 5. Etage zu sehen.

Die Ausstellung ist nach Räumen gegliedert und bietet dort verschiedene Schwerpunkte. So ist ein Raum dem Thema „Licht und Bewegung“ gewidmet. Hier sind Werke der „Gruppe Zero“ ausgestellt, in der Einflüsse des Zen-Buddhismus sichtbar sind. Wichtige Elemente sind Farb- (Weiß) und Formgebung (Kreis). Zu sehen sind unter anderem der „Lichtgeist“ von Otto Pienes oder Raimund Girkes „Weiß-Raum“. Feurig hingegen ist Bernard Aubertins „Tableau Feu“, das gespickt ist mit Streichhölzern.

Bunter wird es im Raum „Form und Farbe“. Erstmals im Dortmunder U ist eine Arbeit von Alfonso Hüppi zu sehen, die eine Wechselwirkung zwischen Zwei- und Dreidimensionalität erzeugt. Sehr farbenfroh und im typischen Stil der 70er Jahre sind die Siebdrucke von Roland Altmann und Viktor Vaserely.

Portraits spielen in der Kunst eine wichtige Rolle. Andy Warhol und Ketty La Rocca haben sich Marilyn Monroe ausgesucht, während sich HA Schult und Milan Knizal selbst in den Mittelpunkt stellen. Entmenschlicht ist der „Egozentriker“ von Konrad Klapheck und sehr gemütlich wirkt die Skulptur „Freundin Inge am Wannsee“ von Renate Goebels.

Zwei Räume sind bestimmten Künstlern gewidmet. Im ersten Raum lernen die Besucherinnen und Besucher die Intermedialität von Dick Higgens kennen, der aus Text, Bildern und Improvisation hochkomplexe Performances schuf. Seine Handlungsanweisungen sehen aus wie geometrische Muster, sollten aber den Schauspielern Hinweise geben, wie sie sich zu bewegen haben.

Zum 20. Todestag bekommt Fluxuskünstler Al Hansen ebenfalls einen eigenen Raum. Vor allem seiner Obsession mit der Figur der „Venus“ nimmt den größten Teil des Raumes ein. Hansen arbeitete viel mit dem Material der Wegwerfgesellschaft. Daher sind seine Arbeiten oft aus Streichhölzern, Pralinenpapier und ähnlichem.

Das Grafikkabinett zeigt „Menschenbilder“ mit Werken sowjetischer Künstler aus dem 1960er Jahren. Die ausgestellten Künstler wie beispielsweise Ilja Kabakow oder Anatol Brusilowskij gehörten zu den sogenannten „Non-Konformisten“, die sich mit dem Ideal des sozialistischen Realismus nicht anfreunden wollten. In ihren Arbeiten ist ein Mix aus Dadaismus, Expressionismus oder Surrealismus zu entdecken.

Offene Angebote für Kinder und Jugendliche

Ergänzend zum Kunst-Set für Kinder erscheint als weiteres offenes und kostenfreies Angebot ein Fluxus-Kartenset für Jugendliche. Handlungsanweisungen auf Fluxus-Werkkarten und -Jokern laden interessierte Jugendliche ein, die Kunstrichtung Fluxus durch eigenes Handeln kennenzulernen.

Ermöglicht wird das Fluxus-Kartenset durch die großzügige Unterstützung der Freunde des Museums Ostwall, der DEW21 und der Sparkasse Dortmund.




Schulalltag im Ersten Weltkrieg

Eine Seite aus dem Gedenkbuch des Westfälischen Lehrervereins
Eine Seite aus dem Gedenkbuch des Westfälischen Lehrervereins.

Wie bekamen Schulkinder den Ersten Weltkrieg 1914-1918 mit? Natürlich direkt, wenn der Vater oder der ältere Bruder im Feld waren oder wenn die Nachricht kam, dass ein Lehrer gefallen war. Doch auch indirekt spielten die Ereignisse und Folgen des Krieges in den Schulalltag. Das Westfälische Schulmuseum in Marten zeigt in der Ausstellung ab dem 22. März „…und stricken für’s liebe Vaterland“ Dokumente aus dem Schul- und Alltagsleben in dieser Zeit.

Haben Sie schon einmal den Begriff „Siegfrei“ gehört? Damals bekamen die Kinder schulfrei nach der Siegesfeier einer gewonnenen wichtigen Schlacht. Natürlich musste das in Preußen genau geplant werden und daher bekamen die einzelnen Schulen von der Königlichen Regierung in Arnsberg Rundschreiben zugeschickt, die sie dann an die entsprechenden Lehrer weitergaben. Die Dokumente sind nicht sehr spektakulär von ihrem Aussehen, doch sie erzählen sehr viel vom Alltagsleben an der Heimatfront.
Die Siegfeiern und das Siegfrei gab es vermehrt zu Beginn des Krieges, danach spielten die Alltagsnöte eine immer stärkere Rolle. So wurden Brotmarken in der Schule von den Lehrern verteilt, wegen Ledermangel sollten Holzschuhe mittels Sportwettbewerben populärer gemacht werden und das Fehlen von männlichen Lehrer sorgte dafür, dass in den Schulen gefragt wurde, ob denn „Zucht und Ordnung“ leide.
Später, als es in Deutschland an allen Ecken und Enden Versorgungsengpässe gab, wurden die Schülerinnen und Schüler zum Sammeln von allen möglichen Dingen aufgefordert: Angefangen von Obstkernen zur Margarineherstellung über Eicheln und Roßkastanien bis hin zu Altmetall und Knochen. Daneben wurde gewarnt, dass das Stehlen von fremden Gras (für die Fütterung der eigenen Kaninchen und Ziegen) bestraft wurde.
Auch wurden den Kindern eingeimpft, dass die Mütter in den Briefen an ihre Männer und Söhne nicht ständig jammern sollten, denn die Briefe könnten abgefangen und als feindliches Flugblatt benutzt werden.

Neben diesen Dokumenten ist ein imposantes Buch des Westfälischen Lehrervereins. Über 620 gefallene Lehrer hatte der Verein zu beklagen und ehrte die Toten 1923 mit einem opulenten Gedenkbuch, in dem an jedem Lehrer mit Foto und kurzem Text gedacht wurde.

Der Titel der Ausstellung stammt übrigens von einem Foto einer strickenden Mädchenklasse, das sogenannte Liebesgaben an die Soldaten schickte. Auch dieses Foto ist in der Ausstellung zu sehen.

Nach den Osterferien kann ein erstes Schulklassenprogramm zur Ausstellung gebucht werden, zu einem Preis von 54 Euro bei einer 90-minütigen Dauer oder für 72 Euro bei einer 120-minütigen Dauer.
Die ersten Sonntagsführungen finden am 29.3., 12.4., 10.5., und 14.6.2015 um 14.30 Uhr statt.
Die Teilnahme kostet drei Euro pro Person zuzüglich zum Museumseintritt.
Das Westfälische Schulmuseum, An der Wasserburg 1, in Dortmund Marten ist immer dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet und der Eintritt beträgt 2,50 Euro (ermäßigt 1,25 Euro) pro Person. Besucher unter 18 Jahren haben freien Eintritt, und auch an jedem 1. Mittwoch im Monat ist der Eintritt für alle Besucher frei.
Gruppen ab zehn Personen zahlen zwei Euro (ermäßigt einen Euro) pro Person.

Informationen und Anmeldungen zu Programmen und Veranstaltungen gibt es unter der Telefonnummer (0231) 613095.




Stürmisches mit ohne Shakespeare

Nach der preisgekrönten Produktion „Peng!“ präsentierte die Theaterwerkstatt Westfalenkolleg ihr neuestes Werk „Der Sturm“. Ars tremonia war in der zweiten Vorstellung im Theater im Depot dabei. Es tanzten und spielten: Elikem Anyigba, Emilie Bieche, Sinan Burma, Jennifer Henke, Laura Gebauer, Mathis Pollmann, Sandy Schmidt, Marjorie Willer und Muazzez Yilmaz

Vergessen Sie bitte alles, was Sie von Shakespeare über den „Sturm“ kennen oder zu kennen glauben. Halt, vielleicht doch nicht alles. Ariel existiert und aus Prospero wurde eine herrlich böse Prospera. Selbstverständlich gibt es auch Gestrandete. Die Hauptfiguren sind also erhalten geblieben, aber ansonsten wurde den beteiligten Studierenden viel Platz zum Entwickeln eigener Ideen gelassen, den sie auszunutzen wussten. Denn im Prinzip geht das Stück darum, wie reagiert eine Gruppe von Menschen, die ohne Mobiltelefone (das einzige wurde sehr schnell über die Klippe geworfen) und andere zivilisatorische Annehmlichkeiten auf die Basis des Daseins zurückgeworfen wird.

Dabei ist das Stück keine „Robinsonade“, der Zuschauer hat viel eher das Gefühl einer sehr frühen Folge von „Lost“ zuzuschauen. Gruppendynamiken entstehen, einzelne Personen leben ihren Frust oder ihre Depressionen aus, es gibt Ängste und Gefahren (ja, Prospera kann wie ihr Shakespearesches Vorbild Menschen in den Schlaf versetzen), aber auch gemeinsame Freude und Tanz (Choreografien von Birgit Götz). Nur das Ende des etwa einstündigen Stückes kommt ein wenig abrupt und wie ein Rausschmiss daher. Denn wenn Ariel (im Original Prospero) in seinem Monolog erklärt, „unsre Spiele sind nun zu Ende. Diese unsere Schauspieler, wie ich euch vorhin sagte, sind alle Geister“ ist kurz darauf Schluss.

Doch vorher war es ein buntes Treiben mit überaus witzigen Szenen und skurrilen Figuren wie den Pauschalurlauber, der auf der Suche nach einem Urlaubsort mit vielen weiblichen Kontaktmöglichkeiten war über die Deprimierte, die sich liebend gerne von der 600 Meter hohen Klippe stürzen würde bis hin zur Frustrierten, der die ganze Situation ankotzt: „Ich sitze hier seit Stunden, seit Tagen, seit Wochen und schau mir den Bockmist an, den ihr mir serviert“.

Eine weitere Besonderheit der Produktion ist die Rolle der Prospera. Die Schauspielerin sitzt im Rollstuhl und trägt Fächer sowie eine Perücke mit Federn. Sie spielt eine missgünstige Prospera, die Menschen durch den Sturm zu sich auf die Insel holt, um Gesellschaft zu haben, der aber schnell langweilig wird.

Das Bühnenbild war spartanisch, aber effektiv. Eine Erhebung, auf der „Klippe“ geschrieben stand, ein Aquarium mit etwas Sand und ein Berg mit Liegestühlen, auf dem zunächst Ariel mit Schlagstöcken den Sturm entstehen lässt. Danach werden die Liegestühle als Requisite benutzt, beispielsweise in einer späteren Szene, in der deutlich wird, dass Liegestühle mit der Dauer auch unbequem werden können.

Im „Sturm“ gab es neben Tanz auch Musik, entweder über Lautsprecher oder aber gesungen wie „Ein Schiff wird kommen“ oder „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“.

Insgesamt war es ein kleines vergnügliches Stück über das Leben im Offline-Modus, das vom Publikum begeistert gefeiert wurde. Ähnlich wie „Peng!“ hatte es eine hohe Qualität und die Darsteller brachten sehr viel Spielfreude mit. Es gibt noch zwei Schulvorstellungen im Theater im Depot und zwar am 23.04.2015 um 12 Uhr und am 30.04.2015 um 12 Uhr (Eintritt: 5 € / 3 € für Schulklassen und Gruppen). Es bleibt sehr zu wünschen, dass es für dieses sehenswerte Stück noch weitere Termine gibt. Der Besuch ist einfach empfehlenswert.




Der frühe Vogel lockt ins Unionviertel

Nein, Sie müssen nicht etwa um 8 Uhr aufstehen, dennoch gibt es Vieles zu entdecken beim ersten Rundgang durch das Unionsviertel in diesem Jahr am 21. März: Ausstellungen, Versteigerungen, Schmuck und Orakel finden sich an überraschenden, meist unerwarteten Orten, deren Türen ab 14 Uhr neue Perspektive eröffnen.
Es gibt zwei Varianten, sich in dieses kleine Abenteuer zu begeben: zum einen individuell mit dem Plan des Flyers in der Hand und einem offenen Blick durch die Straßen des Viertels streifend, mal hier mal dort einkehrend mit einer Pause im Straßen- oder Hofcafe, oder unter ortskundiger Leitung; so kann man sich dem geführten Rundgang von Martini und Helga Beckmann anschließen. Manche Geschichten und überraschende Begegnungen liegen hier bekanntlich auch zwischen den einzelnen Spielorten, in den Erzählungen über das Unionviertel und seinen stetigen Wandel. (Treffpunkt der Führung: 14 Uhr am Haupteingang des Dortmunder U).

Einige Beispiele aus dem Programm: „Emerging artists“ in der zweiten Etage im Dortmunder U zeigen junge Künstler (wir berichteten), im Dortmunder Kunstverein (neben dem Dortmunder U) lässt sich gut entspannen. „Snoezelen“ heißt der Begriff (wir berichteten). Im Strassencafé an der Rheinischen Straße gibt es nicht nur Kaffee, sondern auch eine „Piepschau“, Vögel und Vogelähnliche in unterschiedlichen Farben und Formen. Gorkis Welt der Wunder (Kurze Straße 30) präsentiert ein polnisches Orakel.

Die Galerie 143 an der Rheinischen Straße 143 präsentiert Sven Piaydas Ausstellung „New pictures from outer rim“ (wir berichteten). Die Urbanisten veranstalten einen „Tanz auf den Ruinen“ und eröffnen ihre neuen Büroräume an der Rheinischen Straße 137. Die Urbanisten versuchen alten Sachen ein neues hochwertigeres Leben einzuhauchen.

Mehr Infos und den Programmflyer gibt es hier.




Diskussion mit Flüchtlingen

Mit der Blackbox-Reihe unternimmt das Schauspiel Dortmund in Kooperation mit bodo e.V. und European Homecare den Versuch, dem unüberschaubaren Komplex der Zuwanderung nach Deutschland Bilder, Geschichten und Haltungen abzuringen – auf der Suche nach diskursiven Waffen gegen jede Form der Radikalisierung. Schon in der ersten Folge, Blackbox Abschiebung, wurde über zwei Stunden kontrovers diskutiert zwischen Fachleuten, Asylbewerbern aus Syrien und Dortmunder Bürgern. Der zweite Teil Blackbox Flucht stellt diesmal ganz die Geschichten von Geflüchteten in den Fokus: Auf welcher Route gelangt man von Syrien nach Lütgendortmund? Wieso ausgerechnet hierher? Wie überwindet man unüberwindbare Hindernisse? Und – was erwartet einen, wenn man es endlich geschafft hat? U.a . mit Bastian Pütter und Said Arab.

26. März 2015, 19.30 Uhr in der Jungen Oper. Der Eintritt ist frei.




Furiose Heldenmusik

Mit Rolf Liebermann, Carl Maria von Weber und Ludwig van Beethoven präsentierte das 7. Philharmonische Konzert am 17. und 18. März 2015 drei Komponisten mit unterschiedlichen Musik für „Heldenfeiern“. Am Dirigentenpult stand Marcus Bosch und die Solistin war Sharon Kam an der Klarinette.

Begonnen wurde der Abend mit einem Wirbelwind aus Musik. Rolf Liebermanns „Furioso“, 1947 uraufgeführt, trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Gleich zu Beginn drücken die Pauken mit ihrer Rhythmik den Zuhörer in den Sessel, um uns im zweiten Teil in einer sehr ruhigen und fliessenden Passage wieder zum Atem holen kommen zu lassen. Danach ging es wild weiter, als das Orchester mit einer jazzartigen Kontrapunktik die Themen der ersten beiden Teile wiederholt. Zumindest das kurze Stück (unter zehn Minuten) sollte als Appetizer dienen, um den Schweizer Musiker, Opernintendanten und Komponisten wiederzuentdecken.

Einen kleinen Ausflug zu den Anfängen der romantischen Musik bescherte den Zuhörern das Klarinettenkonzert Nr. 1 in f-Moll von Carl Maria von Weber. Auch wenn vor allem im zweiten Satz noch Anklänge an Mozart herauszuhören sind. Das Konzert gehört zu den Lieblingsstücken der Klarinettisten und Sharon Kam hatte auch sichtlich Spaß an dem Konzert.

Nach der Pause stand ein Schwergewicht unter den Klassikern auf dem Programm. Die 3. Sinfonie von Ludwig van Beethoven in Es-Dur, auch Eroica genannt. Bosch führte die Philharmoniker souverän durch die Musik, die Beethoven eigentlich Napoleon widmen wollte, doch als er sich zum Kaiser krönte, war der Komponist „not amused“. Besonders beeindruckend war der langsame zweite Satz, der „Trauermarsch“. Schicksalsschläge und Freude hat Beethoven hier musikalisch eingearbeitet.

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