Eine Stadt für alle?!

Mit „Schrei mich an“ zeigte das Projekt „Inklu:city“ wie 17 Akteure (inklusive einem Hund) sich einen Weg durch die Stadt und durch ihr Leben bahnen. Im Theater im Depot präsentierten die Beteiligten am 06. Juni 2015 ihre Sehnsüchte, Ängste, Hoffnungen und Visionen.

Wie erleben blinde oder taube Menschen ihre Stadt? Wie geht man mit den Alten um, den Obdachlosen, den Ausländern? Werden Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen wertgeschätzt? Welche Sehnsüchte und Wünsche haben diese Menschen? Diese Fragen wurden bei dem Theaterprojekt „Schrei mich an“ angeschnitten.

Das Bühnenbild war recht einfach gehalten: Auf der Bühne waren lauter weiße Kartons zu einer Wand gestapelt. Auf dieser Fläche wurden dann kurze Videos gezeigt, die die Akteure kurz in ihren Lebensräumen vorstellten. Ab und an wurden einige dieser Kartons als Sitzmöbel oder Parcours-Hindernisse benutzt. Zwischen den Filmen spielten die Akteure in unterschiedlichen Szenen ihre Sicht der Dinge. Beeindruckend war eine gespielte Beerdigung, wo die Vorurteile, die Ignoranz oder die Ausgrenzung zu Grabe getragen wurde.

Das Stück war aber keine Abrechnung mit der „bösen Welt“, sondern bot nach dem Motto des Untertitels „Eine Hommage an die Lebensfreude“ auch Positives. Denn es zeigte Menschen, die zwar eine Beeinträchtigung haben, aber dennoch nicht am Leben verzweifeln. Sehr gut gelungen war die breite Streuung der Darsteller. Es waren nicht nur klassischerweise Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen vertreten, sondern auch Ausländer, Senioren, Obdachlose und Menschen, die als Kind missbraucht wurden. Auch sie werden mehr und mehr ausgegrenzt und müssen um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen.

Ein Stück, das durch die sehr engagierten Darsteller sehr berührte.




Theater, Theater…

Der Theatercampus machte ein Stück über vier Inszenierung am Schauspiel Essen. (Foto: ©Theatercampus Essen)
Der Theatercampus machte ein Stück über vier Inszenierung am Schauspiel Essen. (Foto: ©Theatercampus Essen)

Autorentheater, Absurdes Theater, Stückentwicklung, Postmodernes Theater und so weiter. Empörung und Entsetzen beim Publikum, wenn beim einem Klassiker plötzlich alle Schauspieler nackt auftreten. Theater und die verschiedenen Inszenierungen waren das Thema von „Scampis fischen“ des Theatercampus am Schauspiel Essen im Rahmen des Festivals Unruhr am 06. Juni 2015 im Studio des Schauspielhauses Dortmund.

Der Theatercampus ist ein besonderes Format für Studentinnen und Studenten am Schauspiel Essen, die nicht nur Theater machen, sondern auch Theater sehen. So haben sie sich vier Inszenierungen angesehen, sich Gedanken gemacht und auf der Bühne umgesetzt. So entstand mit „Scampis fischen“ ein Stück über Theater und ihre Formen, Positionen und Gegenpositionen.

Im Mittelpunkt stand die Frage: Welche Botschaft hat das Theater? Können wir mit dem Stoff, den Figuren mitfühlen oder langweilt uns das? Beim dem klassischen Stück „Die Leiden des jungen Werthers“ in der Regie von Karsten Dahlen ging es mehr um die Analyse des Stückes. Sind die Figuren nicht Projektionen des Autors? Welche Elemente kamen in dem Stück vor und welche waren einem wichtig. Kein Wunder, dass jeder etwas anderes erzählte, was einem wichtig war. Position und Gegenposition prallten aufeinander.

Bei der „Odyssee oder ‚Lustig ist das Zigeunerleben’“ (Regie Volker Lösch) ging es auch um die Begrifflichkeiten der „political correctness“. Denn Lösch hatte den antiken Stoff aktualisiert und Odysseus und seine Crew mit blonden Perücken ausgestattet, die auf den Inseln auf Sinti und Roma trafen. Etwas wilder ging es beim „Prozess“ von Kafka unter der Regie von Moritz Peters zu. Die Inszenierung war auch bei den Theatertagen 2014 in Dortmund zu sehen. Hier wurde der Rechtsanwalt als Hoffnungsträger wie ein Popstar abgefeiert.

Den Titel des Stückes des Theatercampus haben sie vom vierten Stück „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz in der Inszenierung von Robert Gerloff. In dem Stück geht es um das absurde Stück über Afghanistan und einem verzweifelten Fischer in Somalia, der wegen leerer Netze ein „Diplomstudium der Piraterie“ absolviert hatte. Aber es war kein Scampi zu sehen. Vielleicht ist beim absurden Theater auch die Analyse absurd.

Jedenfalls boten die neun Akteure auf der Bühne ein wahres Spektakel mit dem Höhepunkt eines Burlesque-Tanz am Ende. Schließlich gibt es ja ständig Nackte auf der Bühne. Es ging jedoch vorher das Licht aus. Kleine Gesangseinlagen mit dem Publikum vom „Roten Pferd“ und eine herrliche Diskussion mit einer Akteurin, die unbedingt im Publikum sitzen wollte: „Ich habe mir extra einen Platz reservieren lassen. Von da hat man die beste Sicht.“

Ein äußert witziges Stück über Theaterformen und ihre Bedeutung (wenn sie welche haben), aber wer die Inszenierungen in Essen nicht gesehen hat, dem werden vermutlich einige Insider-Gags durch die Lappen gegangen sein. Trotzdem eine tolle Leistung aller Beteiligten.




Emotionale Farben

Die Künstlerin Hadijah Nassanga neben ihrem Selbstportrait.
Die Künstlerin Hadijah Nassanga neben ihrem Selbstportrait.

Die Künstlerin Hadijah Nassanga zeigt vom 07. Bis zum 28. Juni 2015 in der Galerie Torhaus Rombergpark ihre Arbeiten unter dem Titel „Mother Love“. In ihren farbenfrohen Arbeiten beschäftigt sie sich mit afrikanischen Themen.

Schon vor etwa 1 1/2 Jahren berichtete Ars tremonia über eine Ausstellung von Nassanga in der Artothek. Ihre farbenfrohen Bilder aus dem afrikanischen Leben bleibt zwar ihr Hauptwerk, doch die Künstlerin hat sich weiter entwickelt und arbeitet mit verschiedenen Materialien wie Sand, Mischtechniken oder sie geht in eine abstrakte Richtung.

Was ebenfalls geblieben ist, ist die starke Bezugnahme auf Symbole. Segnungen, Flüche und Bürden sind ein häufiger Aspekt in ihren Bildern. Ebenso stark vertreten sind die Bilder mit Familienbezug.

Die Farben haben eine starke emotionale Bedeutung für Nassanga. So steht ein lila Kopftuch einer Mutter laut Nassanga „für eine Opferfarbe. Obwohl sie viel erträgt, gibt sie auch viel zurück.“ Besonders markant tritt die Farbsymbolik in ihrem Selbstportrait zu Tage. „Meine Seele ist blau“, erklärt die Künstlerin ihre Gesichtsfarbe auf dem Bild. Meine Augen habe ich grün gemalt, weil ich ein Mensch bin, der glaubt, dass irgendwo immer noch ein Licht ist.“

Nassanga hat sich in der vergangenen Zeit mit anderen Techniken in ihrer Malerei beschäftigt. So hat sie in ihrem Urlaub in Uganda die Kunst der Sandmalerei gelernt. In der Ausstellung sind einige eindrucksvolle Arbeiten zu sehen.

Hat Nassanga früher ausschließlich gegenständlich gemalt, probiert sie nun andere Formen aus. „Ich gehe etwas in die abstrakte Richtung. daran habe ich lange gearbeitet. Es gab eine Zeit, da ging es mir nicht so gut. Durch die abstrakte Malerei konnte ich meine Gefühle besser ausdrücken.“

Öffnungszeiten Torhaus Rombergpark:

Dienstag-Samstag, 14:00-18:00 Uhr
Sonntag, 10:00-18:00 Uhr




Leidenschaft für Fado

Noëmit Waysfeld bot mit ihrer Band Blik eine Mischung von Fado und jiddischer Musik. (Foto: © Hanna Sander)
Noëmit Waysfeld bot mit ihrer Band Blik eine Mischung von Fado und jiddischer Musik. (Foto: © Hanna Sander)

Es gibt Verbindungen, die nicht zueinander passen. Feuer und Wasser beispielsweise. Dann gibt es Verbindungen, die nur auf den ersten Blick komisch aussehen, beim genauen Betrachten aber Sinn machen. Musikalisch nennt man so etwas „Crossover“, also „Überquerung“. Da das Festival Klangvokal dieses Jahr mit dem Motto „Zwischen den Welten“ musikalische Brücken bauen möchte, passte das Konzert der Französin Noëmi Waysfeld und ihrer Band Blik am 05. Juni 2015 im domicil ideal zum Programm. Denn Waysfeld verbindet jiddische Musik mit dem portugiesischem Fado.

Fado ist der Blues Portugals. In ihm wird die unglückliche Liebe, die Sehnsucht oder generell der Weltschmerz, der saudade, besungen. Dann sind wir nicht weit weg vom jüdischen Leben in den Ghettos Osteuropas, immer mit der Angst verbunden, Opfer des nächsten Pogroms zu werden. Darüber hinaus bringt Waysfeld auch noch die weibliche Perspektive ein. Sie singt von Frauen, die Angst um ihre Männer draußen auf See haben. Über verliebte Frauen, über verzweifelte Frauen. Das Konzert von Waysfeld ist auch eine Hommage an die „Königin des Fados“ Amàlia Rogrigues, deren Lieder sie singt, aber auf Jiddisch.

Waysfeld singt überwiegend Lieder aus ihrem neuen Album „Alfama“, „Maria Lisboa“, die Liebeserklärung an die portugiesische Hauptstadt singt sie auf portugiesisch und eine Zugabe auf russisch, aber ansonsten singt sie in der Sprache ihrer Vorfahren: Jiddisch. Jiddisch klingt für deutsche Ohren seltsam vertraut. Titel wie „Fargebn zol Got“ oder „Hintern Shpigl“ kann man schnell übersetzen. Leider haben die Nazis die lebendige jiddische Kultur in Europa in ihrem menschenverachtenden Wahn zum größten Teil vernichtet.

Waysfeld hat nicht nur eine „Leidenschaft für Fado“ wie sie es in ihrem Lied „Fargebn zol Got“ besingt, sondern sie und ihre Band schlagen auch andere Rhythmen an. Walzer, Tango und natürlich jiddische Musik sind zu hören. Dabei wird Waysfeld von ihrer Band Blik, drei hochkarätigen Musikern, begleitet, denen sie vor allem in zwei Instrumentalstücken die Möglichkeit gibt, ihr Können zu zeigen. Florent Labodinère (Gitarre, Oud), Antoine Rozenbaum am Bass und vor allem Thierry Bretonnet am Akkordeon ernteten häufig Sonderapplaus von den Zuhörern.

Ein gelungenes, aber leider etwas kurzes Konzert, denn Waysfeld sang nur etwas mehr als eine Stunde. Aber ihre Stimme passt zum Fado. Sentimental und melancholisch, wütend, aber auch ausgelassen.




Immer dieser Druck

Der Jugendclub der Oper Dortmund präsentiert am 13. Juni 2015 um 17 Uhr in der Jungen Oper die Premiere von “Die Tortugas in AusDRUCK”. Die 13 Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren beschäftigen sich mit den Themen Stress und Optimierungswahn.
Jugendliche sind heutzutage im Stress. In der Schule sind sie gefordert, die Eltern wollen gute Noten. Selbst die Freizeit ist von morgens bis abends durchstrukturiert. Hinzu kommt der Optimierungswahn. Falsche Klamotten oder falsche Freunde, und schon ist man draußen. Die Tortugas, der Jugendclub der Oper Dortmund, zeigen einen Tag im Leben eines typischen Jugendlichen.
„Mit jedem Projekt der Tortugas haben,wir den Schwerpunkt anders gesetzt“, erklärte Regisseur Alexander Becker. „Dieses Mal werden die Jugendlichen sämtliche Rollen übernehmen, ohne die Hilfe von Solisten oder einem Chor.“
Dass bedeutet, singen werden,die Tortugas selbst. Es ist zwar wichtig, dass sich der Jugendclub der Oper auch mit klassischer Musik beschäftigt, aber in diesem Falle wird es eher eine Rock- und Popoper. Gesungen werden 13 deutschsprachige Titel beispielsweise „Lass uns gehen“ von Revolverheld oder „Leb deine Träume“ von Luxuslärm, erklärte der musikalsiche Leiter Stefan Scheidtweiler.
Unterstützt werden die Jugendlichen, die das Stück selbst geschrieben haben, von professionellem Bühnenbildern und Kostümschneidern. auch ein Choreograf vom Dortmunder Ballett ist mit von der Partie.
Zu einer Rockoper gehört natürlich auch eine Liveband. Die fünf Musiker kommen vom Gymnasium Iserlohn. Dadurch ist auch der Kontakt zu Janine Meyer, der Frontfrau von „Luxuslärm“ entstanden. Meyer hat in Iserlohn eine Gesangsschule, die Rock- und Popfabrik. „Meine Aufgabe ist es, noch die letzten 5 bis 10% aus den Kids herauszuholen“, so Meyer. Meyer ist ideal dafür, denn sie kann rocken. „Die Jugendlichen kannten Luxuslärm und waren dementsprechend aufgeregt“, ergänzte Becker.
Stress ist auch ein Thema für das Bühnenbild. Zehntausende Post-its kleben überall und machen deutlich, das ständig irgendwelche Aufgaben zu erledigen sind.
Neben der Premiere am 13. Juni 2015 gibt es weitere Termine am 17. Juni 2015 (11 Uhr), 21. Juni 2015 (11 Uhr), 23. Juni 2015 (11 Uhr) und am 25. Juni 2015 (18 Uhr).




Barocke Frömmigkeit

Selten gehörte Werke meisterhaft ausgeführt: Das Ensemble Correspondances. (Foto: © B. Kirschbaum)
Selten gehörte Werke meisterhaft ausgeführt: Das Ensemble Correspondances. (Foto: © B. Kirschbaum)

Die musikalische Reise beim Festival Klangvokal führte uns am 04. Juni 2015 in der Reinoldikriche in die Zeit des Früh- und Hochbarocks in Frankreich und Italien. Während weite Teile des damaligen Deutschen Reiches durch den 30-jährigen Krieg in Schutt und Asche gelegt wurden, blühte in Frankreich und Italien das musikalische Leben. Das „Ensemble Correspondances“ präsentierte Musik aus der Zeit des Sonnenkönigs Ludwigs des XIV. und ins Rom der Kardinäle.

Das französische „Ensemble Correspondances“ hat sich zur Aufgabe gemacht, eher unbekannte Komponisten aus der Barockzeit wieder an Licht der Öffentlichkeit zu holen. Die acht Sängerinnen und Sänger sowie die zehn Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Sébastian Daucé spielten Werke von Louis Constantin, Étienne Mouliné, Antoine de Boësset und François de Chancy, Stefano Landi und Luigi Rossi, die vermutlich nur Experten der Barockmusik ein Begriff sein dürften.

Der erste Teil war den „Franzosen“ gewidmet, dessen fromme Lieder aus Latein oder Französisch den Geist der Gegenreformation. In den Liedern wie „Conseille moy mon coeur“ von Boësset dringt eher der alttestamentarische „große Rachegott“ durch und die Sorge, dass die Seele auf alle Zeiten im Fegefeuer brät, als ein verzeihender Gott. Und so klang die Musik auch. Etwas pietistisch und reduziert.

Im zweiten Teil erklangen die „Italiener“. Es war sofort zu spüren, warum die italienische Barockmusik so einen Erfolg hatte und ihren Einfluss weit in den Norden ausdehnte. Sie war leichtfüßig und gab den Sängerinnen und Sängern Raum, Emotionen zu zeigen. Selbst wenn es in den Werken von Rossi über die Sterblichkeit des Menschen geht, klingt seine Musik eher wie ein kraftvolles Lied über die Liebe.

Natürlich spielt das „Ensemble Correspondances“ Instrumente, die in der Barockzeit üblich waren. So konnten die Zuhörer neben den beiden Gamben auch zwei Theorben bewundern. Daucé führte seine Musiker souverän durch das Programm. Die Sängerinnen und Sänger standen ihren Musikerkollegen in nichts nach. Bei der klaren Stimmführung war jede Stimme sehr gut heraushörbar, aber dennoch gelang es den Künstlern einen guten Zusammenklang herzustellen. Wenn man jemand herausheben wollte, wäre es Lucile Richardot (Alt), die die Allegorie der Stadt Rom aus dem „Prologo d’il Sant Slessio“ von Stefano Landi in wirklich beeindruckender Weise sang. Auch die beiden Bassisten Etinne Bazola und Renaud Bres konnten gefallen.

Musiker und Sänger konnten vor allem bei dem „italienischen Teil“ glänzen, mit dem Höhepunkt „La Cecità del misero mortale“ von Rossi, bei dem die Sänger nicht nur chorisch, sondern auch solistisch ihr Können zeigen konnten.

Insgesamt ein gelungener Streifzug zu den noch eher unbekannten Schätzen der Barockmusik.




Abchillen am Dortmunder U

Sommer, Sonnenschein und das Dortmunder U. Es freuen sich auf viele Gäste (v.l.n.r.) Marc Röbbecke (Heimatdesign), Jasmin Vogel (Dortmunder U), Holger Weber (Pro Jazz e.V.) und Julian Gauda (tonbande).
Sommer, Sonnenschein und das Dortmunder U. Es freuen sich auf viele Gäste (v.l.n.r.) Marc Röbbecke (Heimatdesign), Jasmin Vogel (Dortmunder U), Holger Weber (Pro Jazz e.V.) und Julian Gauda (tonbande).

Vom Juni bis August wird der Vorplatz des Dortmunder U donnerstags und sonntags wieder zum Treffpunkt für Menschen, die sich entspannen wollen, aber gleichzeitig ein kulturelles Programm mit Musik und weiteren Veranstaltungen genießen wollen. Von Jazzmusik, Tischtennis über Stühle bauen bis hin zum Vinylstammtisch zeigt sich die Dortmunder Szene sehr facettenreich.

„Wir haben aus dem vergangenem Jahr gelernt und die Formate angepasst“, so Jasmin Vogel vom Dortmunder U. Das Programm ist breiter aufgestellt, aber es bleibt dennoch eine Plattform für die Dortmunder Szene. Unterstützung bekamen die Organisatoren durch neue Partner wie dem Verein Pro Jazz e.V. Erwartet werden wie im vergangenen Jahr rund 4.000 Besucher.

Das Programm donnerstags:

Die Macher des Rekorders aus der Nordstadt bringen alles rund um Spiel, Spaß und Musik zum U. Zwischen Vinylstammtisch, bei dem Schallplatten aufgelegt werden können, Tischtennis-Rundlauf und Schallplattenauktion mit Bobby & Pille ist für jeden was dabei.
Jeden 3. Donnerstag gestaltet die Feine Gesellschaft das Programm – mit dabei sind unter anderem die Bands Frere, Yellow Straps, Domingo, The Grabowskis sowie das Stuntcat DJ-Team. Auch die Poesie kommt nicht zu kurz: Die DEW21 lädt jeden 2. Donnerstag im Monat zur DEW Poetry. Aus der Nachbarschaft präsentieren Stefan Bauer & das Rockaway Beat ihre Reihe Rockaway Replugged – Live-Musik und Worte, präsentiert von Stefan Bauer, Singer/Songwriter aus Schwerte, mit Gästen, unter anderem Tommy Finke, Fabian ohne das Stromorchester sowie Jonas Künne.

Das Programm sonntags:

Der Pro Jazz e.V. bringt jeden zweiten Sonntag Jazz in all seinen Facetten – orientalisch, afrikanisch, modern, balkan pop – vor das U. Mit dabei: Pilspicker Jazzband, Matthias Nadolny Trio, Jens Pollheide African Experience, Kapelsky, Pro Jazz Allstars.

Die Ekamina-Reihe, beheimatet im Sissikingkong, präsentiert jeden 1. Sonntag im Monat einen kleinen Leckerbissen – von Violine und Acoustic Soul bis zur Wirtschaftswunder Wunderkiste mit dem Timmy Twister DJ-Set (bekannt von der legendären La Boum Party).

Auch Bastler kommen auf ihre Kosten: Mit U-Comfort wird die Upcycling-Werkstatt am U eröffnet. Aus alten Stühlen werden neue Stuhlkreationen nach eigenen Ideen zusammengebaut, gestaltet und dem Vorplatz als Sitzmöglichkeit übergeben. Wer mitbaut erhält Comfort-Sitzrecht, verewigt auf dem Stuhl und mit einem Original U-Comfort-Zertifikat belegt. „Wir brauchen noch alte Stühle“, ruft Vogel alle Besitzer von nicht mehr benötigten Sitzmöbeln auf.

Am 15. und 16. August erwartet die Besucher über zwei Wochenendtage das Straßenstaub Folk-Festival. Auftreten werden dort die Murat Kayı Band, Maik Goth Band, Die Feuersteins, The Neckbellies und Die Romanowskis. Auch der Dortmund Calling Wettbewerb wird Teil des Sommer am U Programms.

Die genauen Uhrzeiten: jeweils donnerstags ab 18 Uhr, sonntags ab 15 Uhr.
Infos unter: www.sommer-am-u.de




Vorverkauf zur 15. Dortmunder DEW21-Museumsnacht beginnt

Ab jetzt können Tickets für die 15. DEW21-Museumsnacht 2015 gekauft werden. Auf viele Besucher hoffen (v.l.n.r.) Dr. Dr. Elke Möllmann, neue Chefin der Dortmunder Museen und Leiterin des Museums für Naturkunde, Dr. Martina Sprotte, Leiterin der Unternehmenskommunikation von DEW21 und Kerstin Keller-Düsberg von der Agentur konzeptschmiede-do. (Foto: © Stadt Dortmund)
Ab jetzt können Tickets für die 15. DEW21-Museumsnacht 2015 gekauft werden. Auf viele Besucher hoffen (v.l.n.r.) Dr. Dr. Elke Möllmann, neue Chefin der Dortmunder Museen und Leiterin des Museums für Naturkunde, Kerstin Keller-Düsberg von der Agentur konzeptschmiede-do und Dr. Martina Sprotte, Leiterin der Unternehmenskommunikation von DEW21. (Foto: © Stadt Dortmund)

Unter dem Motto „Dortmund leuchtet!“ findet am 19. September 2015 die 15. Dortmunder DEW21-Museumsnacht statt. Das Programm von Dortmunds beliebtester Kulturveranstaltung ist so vielfältig wie zuvor: Rund 600 Einzelveranstaltungen aus dem gesamten kulturellen Spektrum werden an 55 Veranstaltungsorten in Dortmund geboten.
Museen, Kulturinstitutionen, Kirchen, Galerien und Ateliers bieten ein Programm, das seinesgleichen sucht: Konzerte, Shows, Licht-Aktionen, Comedy, Theater, Lesungen, Führungen und Mitmach-Aktionen. Tolle Geschenke werden die Besucher in Feierlaune versetzen.
Damit die Nacht der Nächte stattfinden kann, braucht sie verlässliche Sponsoren und Förderer, die an sie glauben wie die DEW21:
„Wir freuen uns sehr, dass DEW21 dieses Großereignis seit der ersten Museumsnacht im Jahr 2001 als Hauptsponsor begleitet,“ so Dr. Martina Sprotte, Leiterin der Unternehmenskommunikation von DEW21. „Damit sind die wichtigsten Rahmenbedingungen da, um das erfolgreiche Familienevent fortzuführen. In diesem Jahr feiern wir ein kleines Jubiläum: Es ist die mittlerweile 15. DEW21-Museumsnacht!“
Das Naturkundemuseum wird derzeit umfangreich saniert, so dass es diesmal leider nicht dabei sein kann. Dafür ist die Museumslandschaft bald um ein weiteres Haus reicher. Wir sind alle sehr auf das Deutsche Fußballmuseum gespannt, auf dessen Vorplatz in der Museumsnacht ebenfalls Programm geboten wird.“, so Dr. Dr. Elke Möllmann, neue Chefin der Dortmunder Museen und Leiterin des Museums für Naturkunde.

Seit heute machen Plakate in Dortmund und der Region auf die DEW21-Museumsnacht aufmerksam, denn ab dem 5. Juni 2015 sind die Tickets erhältlich.
Wer unter 18 Jahren ist, zahlt nur drei Euro!
Kinder unter sechs Jahren zahlen gar nichts!
KombiTickets kosten 14,50 Euro für Erwachsene bzw. ermäßigt* elf Euro.
An folgenden Stellen sind die Tickets ohne Vorverkaufsgebühren erhältlich:
• bei den Veranstaltungsorten der DEW21-Museumsnacht
• DEW21 Servicecenter (Günter-Samtlebe-Platz 1)
• DSW21-KundenCenter Petrikirche (Kampstraße 46)
• Service-Center der Ruhr Nachrichten (Silberstraße 21)
• Besucherzentrum Dortmund (Max-von-der-Grün-Platz 5–6)
• Mayersche Buchhandlungen (Westenhellweg 37–41 und Harkortstraße 61)
Tickets können zudem telefonisch unter (0231) 1 89 99-444 (Mo–Sa, 10 bis 18 Uhr; es fallen die regulären Festnetzgebühren an) oder online bei DORTMUNDticket bestellt werden (bei telefonischer oder Online-Bestellung fällt pro Versand eine Pauschale von 4,50 Euro an).
Bundesweit sind die Tickets bei allen (CTS-)Vorverkaufsstellen wie z. B. den WR/WAZ-Vorverkaufsstellen erhältlich. Hier werden zusätzlich VVK-Gebühren erhoben.

Fahrt und Eintritt
Mit dem KombiTicket der 15. Dortmunder DEW21-Museumsnacht kann man alle Veranstaltungen besuchen und die Sonderbuslinien sowie Bus und Bahn im gesamten Nahverkehrsbereich des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) nutzen, um zu den Veranstaltungsorten zu fahren. Und das am 19.09. den ganzen Tag lang und bis 7 Uhr des Folgetages.

* Anspruch auf ein ermäßigtes Ticket haben:
Schüler/-innen (ab 18 Jahren), Studierende, Auszubildende, Absolvierende des freiwilligen Wehrdienstes, BFD, FSJ und FÖJ, Inhaber des „Dortmund-Passes” sowie Ticketabonnenten von DSW21




Wagners Superheld im Konzerthaus

Krönender Abschluss der Spielzeit. Die Dortmunder Philharmoniker sowie die Solisten Petra Lang (Brünnhilde) und Andreas Schager (Siegfried). (Foto: © Anneliese Schürer)
Krönender Abschluss der Spielzeit. Die Dortmunder Philharmoniker sowie die Solisten Petra Lang (Brünnhilde) und Andreas Schager (Siegfried). (Foto: © Anneliese Schürer)

Das 10. Philharmonische Konzert am 02. und 03. Juni 2015 im Konzerthaus präsentierte wohl den Helden der klassischen Musik: Siegfried. Schlau wie Frodo (auch bei dem geht es um einen Ring) und ähnlich unverwundbar wie Achill. Mit dem Siegfried-Idyll und dem dritten Akt aus der Oper „Siegfried“ näherten sich Gabriel Feltz und seine Dortmunder Philharmoniker dem Helden, dessen Taten Richard Wagner in Musik packte.

Zunächst stand das Siegfried-Idyll auf dem Programm. Richard Wagner komponierte es als Geburtstags-Gruß für seine Frau Cosima und nahm schon einige Elemente der späteren Oper „Siegfried“ vorweg. Die Besetzung ist für Wagnerianische Verhältnisse spärlich, denn ursprünglich wurde es für ein Kammerorchester geschrieben.

Wer beim Siegfried-Idyll dramatische Musik, ähnlich wie beim Walküren-Ritt, erwartet, liegt völlig falsch. Das Stück ist zärtlich, warm und wie sein Name schon sagt, es weckt Gedanken an eine imaginäre idyllische Landschaft. Das Stück passt sehr gut zu Feltz und seinem Orchester, da der Dirigent ein Meister der Zwischentöne ist, der Pausen zwischen den Noten, die für die Musik ebenso wichtig sind wie die gespielten Noten selbst.

Der zweite Teil des Abends gehörte dem dritten Akt von „Siegfried“. Dem Ort geschuldet, wurde es natürlich konzertant aufgeführt. Das heißt, Sänger vorne und die Musiker, die in „wagnerianischer Stärke“ angetreten waren, im Hintergrund. Ich vermute mal, dass es daran lag, dass die Solisten, vor allem Olafur Sigurdarson (Wotan) bei lauten Stellen etwas schwer zu verstehen sind. Denn in einer „normalen“ Aufführung sind die Musiker ja in einem Orchestergraben.

Ansonsten gab es überhaupt nichts zu meckern. Denn alle Solisten machten einen hervorragenden Eindruck, sei es der erwähnte Sigurdarson, Ewa Wolak (Erda), Petra Lang (Brünnhilde) oder Andreas Schager (Tenor). Schager sah man seine Spielfreude sofort an, er hätte wohl gerne etwas szenischer gespielt, zumindest was im Rahmen einer konzertanten Aufführung möglich ist.

Insgesamt war das 10. Philharmonische Konzert ein fulminanter Abschluss einer überaus gelungenen Spielzeit. Die Zuhörer dankten den Beteiligten verdientermaßen mit lang anhaltendem Applaus.




Wer weiterliest, wird erschossen

Am 30. Mai 1933 verbrannten Nationalsozialisten auf dem Dortmunder Hansaplatz die Bücher zahlreicher Schriftsteller. Auf Initiative der Bundestagsabgeordneten Marco Bülow (SPD) und Markus Kurth (Bündnis 90/Die Grünen) lasen Uwe Rohbeck und Andreas Beck, Mitglieder des Dortmunder Schauspiel-Ensembles, Texte der einst verbotenen Autoren, begleitet von den anderen Abgeordneten des Bundestags aus Dortmund:

Bersonders erfreulich: Es waren Vertreter unterschiedlicher Parteien anwesend. Neben Bülow und Kurth nahmen Torsten Sommer (Piraten/MdL), Ulla Jelpke (Die Linke/MdB) und Steffen Kanitz (CDU/MdB) teil. Thorsten Hoffmann (CDU/MdB) war verhindert, ließ aber eine Botschaft verlesen.

„Die Bücherverbrennung der Nazis symbolisiert Unmenschlichkeit und die Angst vor Freiheit und dem freien Wort. Auch heute sähen Rechtsextremisten wieder Hass gegen engagierte Journalisten und Politiker – dagegen möchte ich ein Zeichen setzen“, so MdB Marco Bülow (SPD), der sich den Worten von Markus Kurth (MdB von Bündnis 90/Die Grünen) anschließt: „Rassismus und menschenfeindliche politische Dummheit scheinen nie auszusterben. Daher gilt es, sich für all jene zu engagieren, die mit Geist und Scharfsinn, mit der Macht des Worts der Dummheit entgegentreten.“

Gelesen wurden „Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt“ von Stefan Zweig. Von Rosa Luxemburg wurden einige Briefe vorgelesen, die sie im Gefängnis schrieb. Überraschenderweise gehörten auch ausländische Schriftsteller zu den Autoren, deren Bücher verbrannt wurden. So auch Jack London, der eigentlich eher als Schreiber von Abenteuerromanen bekannt ist. Aber „Die eiserne Ferse“ kam 1933 auf den Scheiterhaufen. Auch Kinderbücher waren den Nazis suspekt. „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner wurde ebenfalls verbrannt.

Keine Gnade bei den Nazis fand eine Abrechnung mit dem Ersten Weltkrieg: „Im Westen nichts neues“ von Erich Maria Remarque. Dass man sich über blinde Obrigkeitshörigkeit nicht lustig machen durfte, wurde Heinrich Manns „Der Untertan“ zum Verhängnis.