Tiere an die Macht: Gelungene Uraufführung von „Miau!“ im KJT Dortmund

Mit dem Auftragswerk „Miau!“ der renommierten Dramatikerin Anne Lepper (ab 8 Jahren) feierte das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) am 18. September 2026 eine fulminante Uraufführung. Ensemble-Mitglied Sar Adina Scheer gab dabei ein rundum überzeugendes Regiedebüt.



Frei nach Erich Kästners Klassiker „Konferenz der Tiere“ verwandelt sich die KJT-Bühne in den Tagungsort der „Vereinigten Tier- und Pflanzenkonferenz“ (VTUPFK) – und das junge Publikum wird kurzerhand zu stimmberechtigten Seepferdchen-Delegierten ernannt. Die Szenerie besticht durch fantasievolle Grün- und Rosatöne, ergänzt durch einen runden, multifunktionalen Bildschirm, über den sich bedrohte Tierarten aus aller Welt mit ihren Nöten live zuschalten.

Der Ernst der Lage ist greifbar: Angesichts von Umweltzerstörung, Klimakrise und Ausbeutung natürlicher Ressourcen scheint der Fall für die Delegierten unter Leitung des geschäftigen Hamsters (Fabi ten Thije) klar: Die Erde muss vor dem Menschen gerettet werden. Gemeinsam mit der pessimistischen Giraffe (Bianca Lammert), dem Löwen (Rainer Kleinespel) und einer sprechenden Pflanze beschließen die Tiere drastische Maßnahmen. Doch kurz vor dem Beschluss kriecht eine bedächtige Schnecke (Sonja Glade) ins Geschehen – im Schlepptau ein „Kindchen“ (Andreas Ksienzyk), für das sie ein Gnadengesuch einreicht: Der Junge soll stellvertretend beweisen, dass die Menschheit lernfähig ist. Scheitert er, setzt sich eine unerbittliche Maschinerie in Gang.

Miau!: v.l.n.r.: Sonia Glade, Fabi ten Thije, Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk
Foto: © Birgit Hupfeld
Miau!: v.l.n.r.: Sonia Glade, Fabi ten Thije, Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk
Foto: © Birgit Hupfeld

Bühne, Maske und Kostüme begeistern mit enormem Detailreichtum und treffsicherem Witz. Das spielfreudige Ensemble geht mit viel Humor in seinen Rollen auf, wobei Bianca Lammert als Giraffe auch gesanglich starke Akzente setzt. Besonders charmant gelingt die wiederholte Einbindung des Publikums: Dass die Kinder im Saal ganz konkret als Helfende gebraucht werden, demonstriert spielerisch den Wert von Gemeinschaft und Zusammenhalt.

So verhandelt „Miau!“ auf kindgerechte, aber niemals naive Weise existenzielle Fragen: Es geht um Verantwortung und Widerstand, vor allem aber um die Selbstbestimmung junger Generationen auf einem krisengeschüttelten Planeten.

Weitere Termine und Karten unter www.theaterdo.de oder telefonisch unter 0231 / 50 27 222.