Turandot – oder Liebe ist stärker als der Tod

Die Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini (1858-1924) – angelehnt an eine alte orientalische Märchenfabel – hatte als neue Inszenierung von Tomo Sagao in der Oper Dortmund am 30.11.2025 seine Premiere. Das Schlussduett und Finale der Oper wurde nach dem Tod von Puccini von Franco Alfano vervollständigt. (Libretto von Giuseppe Adami und Carlo Gozzi).

Turandot, chinesische Prinzessin, gibt aus Rache und Verbitterung allen Bewerbern um ihre Gunst drei Rätsel aufgibt. Wer sie lösen kann, darf sie heiraten – andernfalls wartet der Henker. So sind schon viele Prinzen ums Leben gebracht worden. Calàf, der Sohn des entthronten Tatarenkönig Timur stellt sich mutig und entschlossen den Prüfungen. Er löst die Rätsel, Turandot will sich ihm aber nicht ausliefern. Er bietet ihr darauf sein Leben an, wenn sie das Geheimnis um seinen Namen bis zum Morgengrauen lüftet. Die zerbrechlich-zarte Slavin Liù (Ihr Herr ist Timur), setzt ihre ganze Opferbereitschaft bist zur Selbsttötung für ihr heimliche große Liebe ein….

Musikalisch begleitet wurde die Aufführung mit viel Einfühlungsgabe von der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Jordan de Souza

Eine gewichtige Rolle als abwechselnd geifernd-voyeuristisches und dann wieder erschrocken- erstarrtes Volk spielte der Opernchor Theater Dortmund-Projekt-Extrachor, Leitung Fabio Mancini). Sie zeigten deutlich, wie leicht sich Menschen (wie auch heutzutage) aufwiegeln und beeinflussen lassen. Eine kleine Rolle übernahm auch die Statisterie und Kinderstatisterie.

Kostüme aus dem alten China, ein leicht düsteres Bühnenbild und geschickter Einsatz von Lichteffekten.

Bianca Mărgean, Alfred Kim, Statisterie Theater DortmundFoto (c) Björn Hickmann
Bianca Mărgean, Alfred Kim, Statisterie Theater Dortmund
Foto (c) Björn Hickmann

Die Oper ist geprägt von einerseits leidenschaftlichen italienischen Emotionen, und der ungeschönten Darstellung von Gewalt.

Eindringlich dargestellt nicht nur von Turandot, sondern vor allem auch durch das zynisch-groteske Verhalten zwischen Komik und Grausamkeit von Kanzler Ping (Daegyun Jeong), Marshall Pang (Min Lee) sowie Küchenmeister Pong (Sangho Kim).

Turandot, mit starker Stimme und Leidenschaft verkörpert von Bianca Märgean verkörpert, hat sich nicht nur in Form ihrer Kleidung einen seelischen Schutzpanzer angelegt. Traumatisiert durch den Missbrauch an ihrer Ahnin ist es sehr schwer, Männern in einer patriarchalisch geprägten Welt zu vertraue

Diesen Panzer durchdringen gelingt nur durch das Zeichen einer selbstlosen Liebe der Sklavin Liù zu Calàf bis in den Tod. Anna Sohn überzeugte ihr Dortmunder Publikum wieder durch ihren ausdruckstarken Gesang und empathischen Darstellung der Liù.

Altoum, der Kaiser von China und Vater von Turandot sowie Artyom Wasnetsov als Timur spielten glaubhaft ihre Rolle als Personen, die an den Umständen fast verzweifeln.

Ein Höhepunkt in der Oper ist zweifellos die wohl die durch Paverotti oder Paul Potts bekannte sehr emotionale Arie „Nessun dorma“ (Keiner schlafe). Nicht nur hier bewies Alfred Kim als Calàf seine Stimmgewalt.

Eine Oper zwischen italienischer Tradition, „chinesischer Exotik“ und dem Weg in eine musikalische Zukunft (beeinflusst von Richard Wagner).

Das Publikum dankte mit viel Applaus.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222




Dramatische Oper um Rache, Macht und Liebe

Die „Chinawochen“
im Opernhaus Dortmund gehen weiter. Nach der Operette „Im Lande des
Lächelns“ hatte am Samstag, den 09.02.2019 die dramatisch-lyrische
Oper „Turandot“ von Giacomo Puccini (1858 – 1924) unter der
Regie von Tomo Sugao seine umjubelte Premiere.Das Libretto der
letzten und unvollendeten Oper von Puccini stammte von Giuseppe Adami
und Renato Simoni. Musikalisch sensibel begleitet wurde die
Aufführung von der Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten
Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz.

Der Opernchor
Theater Dortmund unter der Leitung von Fabio Mancini sowie die
Statisterie und Kinderstatisterie Theater Dortmund sorgten für eine
berührende und atmosphärische starke „Volks-Begleitung“.

Dem chinesischen
Hintergrund der Oper wurde mit einem relativ statischen Bühnenbild
mit rot-schwarzer intensiver Farbe an den Wänden und der Decke oder
dreigeteilten Kammern mit chinesischen Lampen Rechnung getragen. Für
spezielle Effekte und Auftritte ließ sich hinten eine Luke öffnen.
Die Kostüme waren fantasievoll und passend für eine Fabel
kontrastreich ausgestattet. Glanzvoll bei den Herrschaften am
Kaiserpalast und ärmlich für das Volk. Eine besondere Bedeutung bei
der Inszenierung zur Unterstreichung der verschiedenen Gemütszustände
hatte die Beleuchtung. Ein großes Kompliment an Ralph Jürgens, der
für das Licht verantwortlich war.

Die Geschichte der
von Rachegelüsten zerfressenen und in sich zurückgezogenen
Prinzessin Turandot und deren Öffnung für die Liebe am Ende,
eindrucksvoll gespielt und gesungen von Stéphanie
Müther, wird kontrastiert durch den starken Charakter
der Sklavin Liù
. Durch ihre wahrhaftige
Liebe für den Werber um
Turandot, den
tatarischen Prinz Calef, ist
sie diejenige, die eigentlich die Veränderung bei der chinesischen
Prinzessin bewirkt und ihren „Drachenpanzer“ langsam durchdringt.
Mit spielerischer Leidenschaft und Stimmgewalt begeisterten
Sae-Kyung Rim (Liù)
und Andrea Shin als Calaf
in diesen Rollen das Publikum. Überzeugen konnte auch die hier gut
bekannte Karl-Heinz Lehner als Timur
(entthronter
König der Tataren) und Kammersänger Hannes Brock als Altoum (Kaiser
von China). Das auf
Machterhalt und Rache ausgerichtete autoritäre System wird in seiner
Brutalität dargestellt. Die Männer
kommen in der Oper
eher schlecht weg. Der Prinz Calaf ist kein Held , der nur um seine
Liebe kämpft, sondern zuerst jemand, der sich etwas beweisen muss.
Er will vor allem Kaiser und als Herrscher von China Macht und ein
Reich zurück gewinnen. Dazu opfert er auch seine eigentliche Liebe
zu Liù.

Im kalten blauen Mondlicht fühlt sich Turandot (rechts) am wohlsten. Sie zörgert nicht einmal, Liù (links) und Timur (unten) zu foltern, um an den Namen ihres Herausforderers zu kommen. (Foto: © Theater Dortmund)
Im kalten blauen Mondlicht fühlt sich Turandot (rechts) am wohlsten. Sie zörgert nicht einmal, Liù (links) und Timur (unten) zu foltern, um an den Namen ihres Herausforderers zu kommen. (Foto: © Theater Dortmund)

Die
Männer, in der Geschichte wirken bis
auf Calaf, eher hilflos
und auf den Erhalt des Systems gerichtet. Calaf
ist dagegen gerissen, und schlägt die Prinzessin am Ende mit ihren
eigenen Waffen, indem er ihr selbst ein Rätsel stellt.

Eine
besondere Rolle als
zynische Komiker spielen
die aus der Commedia
dell‘ Arte entnommenen Figuren dreier
Minister Ping (Morgan Moody), Pong (Sunnyboy Dladla) und Peng (Fritz
Steinbrecher). Die drei
füllten diese Aufgabe mit viel Sinn für Humor und Stimme gut aus.
Sie wollen eigentlich kein Blutvergießen und wünschen sich die
„alten Zeiten“ zurück. Sie sind aber ein Teil des Systems und
denken nur an ihr Vergnügen. Hier
kommen Komik, Groteske und Grausamkeit zusammen.

Beeindruckend
inszeniert Regisseur Sugao das Volk. Wie eine geifernde Zombiehorde
weidet sie sich am Tod des persischen Prinzen zu beginn und freut
sich schon auf das nächste Opfer. Doch das Volk ist eine
beeinflussbare Masse, die mal „köpft ihn“ruft, dann wieder
Mitleid für einen an den Rätseln der Prinzessin gescheiterten
„schönen Prinzen“ hat.

Die
Beeinflussung der Menschen durch die sozialen Medien ist heute
ungleich größer und unberechenbarer. Das konnte Puccini sich damals
natürlich in seinen kühnsten
Träumen nicht vorstellen. Die
Härte und Extreme und Mechanismen an „Turandot“ sind uns leider
auch heute immer noch zu vertraut.

Musikalisch
bietet die Oper eine Vielfalt unterschiedlichen Stilen. Melodien aus
der aus einer
chinesischen Spieldose und dem Buch „Chinese Music“ (Shangai,
1884), emotionale italienische Arien wie die die
berührende „Nessun dorma“,
oder etwa von Richard
Strauss, Claude Debussy sowie Igor Strawinsky musikalisch
beeinflusste Passagen. Außerdem setzte Puccini ein nur aus fünf
Tönen bestehendes exotisch anmutendes System ein.

Eine
Inszenierung mit starken Stimmen, Bildern und Gegensatzpaaren.

Informationen
zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de