Wintermärchen im Depot

Das Junge Ensemble „Kulturbrigaden“ führt nach einem halben Jahr Vorbereitung ab dem 14.01.2017 unter der Regie von Rada Radojcic ihr neues Stück „Die Schneekönigin“ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen im Theater im Depot in Dortmund auf.

Die 9 bis 14-jährigen Nachwuchsschauspieler/innen des freien Kinder-und Jugendtheaters haben das Stück gemeinsam mit der Regisseurin erarbeitet und mitgestaltet.

Es geht um die Bedeutung von Freundschaft, Liebe und Vertrauen gerade in kaltherzigen Zeiten.

Die Freundschaft von Gerda und Kay wird auf eine harte Probe gestellt. Durch den Splitter eines Zauberspiegels wird Kay mitten ins Herz getroffen und gerät in die Gewalt der Schneekönigin.

Seine Seele wird darauf hin kalt und böse. Gelingt es Gerda, Kays Seele zu retten und was für gefährliche Situationen muss sie bestehen?

„Es geht darum, wie wichtig und wertvoll Freundschaft für uns ist und wie weit wir bereit sind für sie zu gehen.,“ so Radojcic. Wie immer kennzeichnet die Kulturbrigaden ein besondere Ästhetik. Es wird viel Wert auf auf auffallende Kostüme und Schminke zur Untermalung und Verstärkung der Handlungsaussage gelegt. Musik und Bewegung spielen in dieser rasanten und modernen Inszenierung ebenfalls eine große Rolle.

Die Premiere ist am Samstag, den 14.01. 2017 um 20:00 Uhr-

Weiter Termine und Informationen finden sie unter : Tel. 0231/982 120 oder info@theaterimdepot.de .




Aschenbrödel in der Tanke

Das Beste waren die Tauben? Nein, ganz bestimmt nicht. Das gesamte Stück „Aschenbrödel – Nuss mit Lustig“ von Stefan Keim nach dem tschechischen Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ machte gute Laune, sorgte für vorweihnachtliche Stimmung im Theater im Depot und hat definitiv das Zeug zu einem Klassiker. Ok, die Tauben waren schon echt Klasse. Ein Premierenbericht vom 18. November 2016.

Der Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ orientiert sich stark an das Märchen von „Aschenputtel“, so dass ich mir die Inhaltsangabe mal erspare. Keims „Nuss mit Lustig“ ist ein Stück im Stück, denn es spielt einerseits in einer Dortmunder Tankstelle am Heiligabend und andererseits nimmt es Bezug zum Film. In aller Kürze: Drei Menschen treffen sich in einer Tankstelle und stellen fest, dass sie eine Gemeinsamkeit haben, sie alle kennen den Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Sie beschließen also, die wichtigsten Szenen des Films nachzuspielen.

Cordula Hein als Angestellte der Tankstelle, Thorsten Strunk als besserwisserischer Familienvater und Sandra Wickenburg als tschechische Truckerin sorgen schon von Beginn an für gute Stimmung unter den Zuschauern. Denn das Besondere von Keims Inszenierung ist, dass alle Requisiten quasi aus dem Fundus der Tankstelle entnommen wurden. Zwei Scheibenwischer verwandeln sich in eine Armbrust und Autoreifen werden zu Pferden. Glücklicherweise hat Libuše, die tschechische Truckerin, einige Altkleider geladen, die prima zum Nachspielen geeignet sind. Auch Libušes Weihnachtsgeschenk an ihre Tochter, ein Erdmännchen aus Plüsch, wird als Akteur verpflichtet.

Das Schöne an dem Stück ist, dass der Humor durchaus unterschiedlicher Art ist. Lokalkolorit (Nä?/Woll?) und Kmamauk haben ebenso ihren Platz wie feinsinnige Bemerkungen. Dazu kommt die große Spielfreude der drei Akteure auf der Bühne, die sich auch auf das Publikum überträgt. Ein ganz besonderer Abend.

Ob es zum Klassiker reicht wie bei der „Weihnachtsgeschichte“ von Dickens? Das wird die Zukunft zeigen, aber Stefan Keim und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben schon einmal gut vorgelegt. Jetzt muss das Publikum entscheiden.




Neuer Weihnachtsklassiker im Theater im Depot

Das Ensemble mit Regisseur. (v.l.n.r.) Thorsten Strunk, Stefan Keim, Sandra Wickenburg und Cordula Hein
Das Ensemble mit Regisseur. (v.l.n.r.) Thorsten Strunk, Stefan Keim, Sandra Wickenburg und Cordula Hein

So wie Charles Dickens Weihnachtsgeschichte zum Fest gehört, ist auch der tschechische Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oft ein fester Bestandteil zu Weihnachten. Ein guter Grund für das Theater im Depot neben „A Christmas Carol“ jetzt auch „Aschenbrödel“ ins Programm zu nehmen. Kulturjournalist und Kabarettist Stefan Keim hat aber eine besondere Version entwickelt. Bei ihm ist „Nuss mit Lustig“ und hat Premiere am Freitag, dem 18. November um 20 Uhr.

„Aschenbrödel – Nuss mit Lustig“ ist quasi ein Stück im Stück. Es spielt an einer Dortmunder Tankstelle. Eine, die 24 Stunden auf hat, auch an Heiligabend. So muss die Angestellte die Stellung halten. Zwei Gäste schneien herein: Ein besserwisserischer Familienvater, den seine Ehefrau raus geschmissen hat und eine tschechische Truckerin, die es leider nicht mehr nach Hause schaffen wird. Was die drei Personen zusammenschweißt ist, dass sie den Film „Aschenbrödel“ kennen, also spielen sie zwischen Kaffeeautomaten, Süßigkeiten und Autoreifen die Geschichte nach. Da werden die Autoreifen zu Pferden oder Scheibenwischer zu Armbrüsten. Selbstverständlich spielen die Schauspieler Cordula Hein, Thorsten Strunk und Sandra Wickenburg viele verschiedene Rollen und so wird jede(r) einmal Aschenbrödel sein.

Das Stück ist familientauglich wie Regisseur und Autor Stefan Keim verspricht. Kinder ab acht Jahren könne man problemlos mitnehmen. Inhaltlich gibt es keine Unterschiede zwischen den Nachmittags- und den Abendvorstellungen.

Passend zum Stück gibt es eine kleine Musikdramaturgie aus etwa 30 Stücken. Angefangen vom Italo-Western über Musikkomponisten Danny Elfman bis hin zur klassischen Aschenbrödel-Musik aus dem Film.

Eines war Keim besonders wichtig zu erwähnen: „Es ist keine Persiflage des Films“. Kenner des Films werden die gespielten Szenen mit Sicherheit wiedererkennen.

Neben der Premiere am 18. November 2016 um 20 Uhr gibt es weitere Termine:

Samstag, den 19. November um 20 Uhr,

Sonntag, den 27. Nove,ber um 16 Uhr,

Sonntag, den 04. Dezember um 16 Uhr und

Freitag, den 30. Dezember um 20 Uhr.




Mensch oder Uhrwerk?

Es gehört schon eine gewisse Portion Mut dazu, „A clockwork Orange“ als Jugendstück aufzuführen. Für Rada Radojcic und ihre Kulturbrigade hat es sich aber gelohnt. Die Premiere am 05. November 2016 im Theater im Depot war ein gelungenes Beispiel jugendgerechter Umsetzung eines schwierigen Stoffes.

Die Geschichte in Kürze: Alex und die Mitglieder seiner Bande, die Droogs, terrorisieren des Nachts aufgeputscht durch Drogen ihre Umgebung. Sie verprügeln, stehlen und vergewaltigen. Doch einmal geht Alex zu weit und tötet jemanden. Seine Mitstreiter, unzufrieden mit seinen Führungsmethoden, lassen ihn fallen und die Polizei schnappt ihn. Im Gefängnis bekommt er die Chance an einem Regierungsprogramm teilzunehmen. Er soll Übelkeit bekommen, wenn er Gewalt ausüben will. Dadurch sofort wieder aus dem Gefängnis entlassen, kommt er draußen nicht zurecht, denn er bekommt die Gewalt am eigenen Leib zu spüren. Alex bittet ausgerechnet bei dem Schriftsteller um Hilfe, dessen Frau seien Bande vergewaltigt hat. In Folge dessen hat sie sich umgebracht. Vor dem aufgebrachten Schriftsteller springt Alex aus dem Fenster und kommt ins Krankenhaus, wo seine Konditionierung aufgehört hat zu wirken.

Radojcic und ihre Truppe zeigen diese Gewalt in einer sehr choreographierten Form. Hinzu kommt Musik als unterstützendes Element hinzu. Die Regisseurin setzt mehr auf Mimik und Symbolik als auf die realistische Gewaltdarstellen. Zwar ist das Stück erst ab 12 Jahren, aber Jugendliche (und ihre Eltern) brauchen keine Angst zu haben.

Wer Produktionen von den Kulturbrigaden bereits gesehen hat (beispielsweise Alice oder Carmen) erkennt die typische Handschrift von Radojcic wieder. Sehr ausgefeilte Kostüme sind ihr Markenzeichen. So tragen die Droogs Bomberjacken und DocMartins, die typische Melone und karottenorangene Perücken. Bei ihren Gewaltexzessen setzen sie noch eine Maske auf, wie sie der Killer in „Freitag, der 13“ trägt. Dagegen ist das Bühnenbild spärlich. Vier Klappstühle bilden die Milchbar, in der sich Alex und seine Kumpane treffen.

Gewalt ist männlich, oder nicht? Radojcic bürstet auch hier gegen den Strich, denn Alex ist in ihrer Inszenierung weiblich, wie auch zwei Mitglieder der Droogs. Im Zeitalter von Mobbing und Cybergewalt scheinen die Grenzen zwischen den Geschlechtern zu verschwimmen.

Positiv ist auch, dass die Inszenierung komische Elemente bereit hält. Als Alex aus dem Gefängnis zurück nach Hause kommen möchte, stellt sie fest, dass ihr Zimmer von einer Untermieterin belegt ist. Ihre Mutter vergiesst Krokodilstränen („Es tut mir so leid“), ist aber sichtlich erleichtert, als Alex weg ist.

Eine wichtige Rolle in der Inszenierung ist die Musik. Der Musiker Dixon Ra ist live auf der Bühne und unterstützt mitsaxophon und vor allem Schlagzeug die Emotionen der Beteiligten. Natürlich darf Ludwig van Beethoven und seine Neunte Sinfonie nicht fehlen, die per Einspieler zu hören ist.

Darf man einem Menschen mittels Medikation seine Entscheidungsfähigkeit berauben? Bei Burgess ging es noch um das Thema Gewalt und Jugendkriminalität. Doch die Frage ist und bleibt hochaktuell, beispielsweise bei Sexualstraftätern. Soll man einem Pädophilen seinen Trieb durch Medikamente austreiben? Bleibt derjenige noch ein Mensch oder entwickelt er sich zum reinen Uhrwerk (clockwork)? Andererseits: Was ist, wenn die Treibunterdrückung versagt? Diese ethischen Fragen stehen immer noch zur Diskussion und daher bleibt „A clockwork orange“ immer noch aktuell.




Die Sprachgewalt des Sportreporters

Mit „Sport“ verwandelt artscenico am 25.06.2016 um 20 Uhr das Theater im Depot in eine Sportreporterkabine. Elisabeth Pleß, Sandra Wickenburg und Matthias Hecht werden live die Kommentare von Sportreportern wiedergeben. Am Live-Mischpult wird Rolf Dennemann sitzen.

Sportkommentatoren haben manchmal ja etwas unfreiwillig komisches, denn sie müssen spontan auf ein plötzliches Ereignis reagieren,wenn beispielsweise ein Tor quasi aus dem Nichts fällt. Diese komplette Unberechenbarkeit hat Dennemann fasziniert und nach monatelanger Fernsehrecherche legt er nun mit seinen Mitstreitern ein Programm vor. „So einen Jux haben wir uns noch nie erlaubt“, erklärte er.

Die Reportagen stammen nicht nur vom Fußball, sondern auch von exotischeren Sportarten wie Sumoringen oder Pferdesport.

Neben der Premiere am 25.06.2016 wird das Stück noch am 17.09. 2016 aufgeführt.




Theatrale Rituale

Mit dem Stück „Die Messe“ führt artscenio, unter der Leitung von Rolf Dennemann, nach „Missing Link“ das Publikum weiter in Richtung archaisches Theater. In der Verbindung zwischen Tanz und Schauspiel finden sich die Zuschauer in einer surrealen Messe wieder, deren Rituale sich an religiösen Praktiken anlehnt, aber einer klaren Zuordnung verweigert. Die Premiere ist am 27. Mai 2016 um 20 Uhr im Theater im Depot.

Was erwartet den Besucher? Das Stück inszeniert eine Messe, in der vielleicht manches bekannt vorkommt, aber theatral aufbereitet und liturgisch verfremdet wird. „Es ist kein Gottesdienst“; stellt Dennemann aber sofort klar. „Das Publikum soll nicht aktiv machen.“ Dennoch werden eifrige Kirchengänger sicher das eine oder andere Deja-vu-Erlebnis haben, denn das lautmalerische Sprechen, das besondere Licht und die spezielle Musik sind auch Elemente, die in Gottesdiensten oder anderen rituellen Handlungen vorkommen.

Eine wesentliche Funktion haben die Schauspielerin Elisabeth Pleß, die schon in verschiedenen Produktionen von artscenico mit dabei war. Für die Tänzerin Lim Huynijn ist es die artscenico-Premiere. Dazu kommt Gesang aus dem Publikumsraum von Patricia Bailey mit Chor und selbst Kampfsportelemente dürfen nicht fehlen.

In Gottesdiensten herrscht meistens ein heiliger Ernst vor, den möchte Dennemann aber vertreiben. „Das Stück ist nicht frei von Humor, das geht bei mir auch gar nicht anders.“




Entblößte Raubtierkapitalisten

Noch freuen sich Öllers (Dornheim) und Niederländer (Meinel) über die vermeintliche Chance, März (Schlösser) ist da skeptischer. (Foto: © Uwe Faltermeier)
Noch freuen sich Öllers (Dornheim) und Niederländer (Meinel) über die vermeintliche Chance, März (Schlösser) ist da skeptischer. (Foto: © Uwe Faltermeier)

Es ist schwer erträglich, was Frank Öllers (Jens Dornheim) und Kai Niederländer (Dietmar Meinel) die meiste Zeit von sich geben. Die beiden Unternehmensberater der „Company“ behandeln ihre Geschäftspartner herablassend und arrogant. Selbst wenn die beiden sich in deren Heimatländern befinden. Da wird einem Inder die Vorzüge seines Erzfeindes Pakistan angepriesen, garniert mit Buddhas Weisheiten. Interkulturelle Kompetenzen? Da haben Öllers und Niederländer bei der Schulung gefehlt. „Zeit der Kannibalen“, die Inszenierung des freien Theaters glassbooth unter der Regie von Julie Stearns, präsentiert eine gelungene Theaterversion des gleichnamigen Films von Johannes Naber. Ein Bericht von der Premiere am 07.05.16.

Zur Geschichte: Öllers und Niederländer sind zwei Unternehmensberater, die um die Welt reisen und Geschäfte machen. Ihren einheimischen Gesprächspartnern begegnen sie mit Herablassung und einer gewissen Herrenmenschenattitüde. Kompliziert wird es, als Bianca März (Alexandra Schlösser) zu ihnen stößt. Die junge Unternehmensberaterin hat aber ein Geheimnis.

Das Theaterstück entwickelt schon zu Beginn eine sehr hohe Intensität und wird mit live gespielten Trommeln wunderbar ergänzt. „Zeit der Kannibalen“ zeigt auf entlarvende Weise, was die Kombination Gier und Überheblichkeit aus Menschen machen kann. Die Arroganz der beiden Hauptfiguren ist förmlich greifbar und man bewundert die stoische Ruhe, mit der der indische Geschäftspartner (Sascha Zinflou) auf die herablassenden und provokativen Sätze der beiden Unternehmensberater reagiert, selbst als ständig das Handy von Öllers klingelt. Auch wenn dieser Teil überwiegend auf Englisch gesprochen ist, beinahe jedem wird klar, dass die beiden nicht nur in jedes Fettnäpfchen treten, sondern sogar noch welche suchen.

Das Bühnenbild wechselt zwischen Hotel- und Konferenzzimmer. Die kleinen Umbauten wurden von den Nebendarstellern Elikem Anyigba (Hotelpage) und Saghar Seyedloo (Zimmermädchen) auf kurzweilige Art vorgenommen. Da alle drei in den gleich aussehenden weltweiten Hotelketten absteigen, sehen die Zimmer auch gleich aus. Keinerlei Individualität, keinerlei Beeinflussung durch kulturelle Eigenarten. Für den Neurotiker Niederländer sicher ein Vorteil, so weiß er beispielsweise immer, wo der Lichtschalter ist.

Dabei gelingt es Stearns, die beiden Figuren zwar ein wenig zu überzeichnen, aber nicht bloßzustellen. März hingegen ist die junge Idealistin, die Öllers und Niederländer vielleicht früher auch waren. Doch die Jagd nach den Dollar-Zeichen hat die beiden abgestumpft. So sind sie blind für die Fallstricke, die ein neues Angebot für sie bereithält.

„Zeit der Kannibalen“ ist ein aktuelles und ein politisches Stück. Es zeigt (ohne schwarz-weiß Denken) nicht nur die Fratze des Kapitalismus, sondern auch was mit den Menschen passiert, die für ihn quasi an vorderster Front kämpfen. Verroht und neurotisch entscheiden sie über das Schicksal von 10.000 Menschen, um nach einigen Tagen zur nächsten Schlacht zu fliegen. Bevor sie als „nützliche Idioten“ selber geopfert werden.

Ein großes Lob an alle Beteiligten für einen sehr emotionalen Abend.

Mehr Informationen unter www.glassbooth.de




Am Abgrund des Kapitalismus

Aus Kapitalismus und Rassismus machte Johannes Naber 2014 den bitterbösen Film „Zeit der Kannibalen“. Das Kammerspiel war wie geschaffen für ein Theaterstück und so schrieb Naber selbst das Drehbuch um. Die freie Theatergruppe „glassbooth“, bekannt durch ihre schwarzhumorigen Produktionen, setzt dieses Stück nun am 07. und 08. Mai im Theater im Depot in Szene.

Die Handlung: Die beiden Unternehmensberater Öllers und Niederländer reisen im Auftrag der „Company“ in Schwellenländer, um dort Firmen abzuwickeln oder Millionen zu investieren. Die einheimischen Geschäftspartner und die Hotelangestellten werden von oben herab behandelt. Als plötzlich eine neue Kollegin ins Spiel kommt, kommt Misstrauen auf. Wer spioniert hinter wem? Wem kann man trauen? Und plötzlich fallen Schüsse…

Das Stück ist ideal für ein Theater, weil es eigentlich nur in Hotelzimmern oder Konferenzräumen spielt und die sehen in internationalen Hotelketten nahezu gleich aus. Dass die Hauptfiguren ihr Hotelzimmer kaum verlassen, ist ein Symbol. „Sie haben Angst vor dem Andersartigen“, erklärt Sternes. So kann die amerikanische Regisseurin Julie Sternes langsam das Damoklesschwert über die drei Hauptakteure baumeln lassen. Denn durch ihr arrogantes Verhalten „erschaffen sie eine Zeitbombe“, so Sternes. „Das Stück ist Kritik am Kapitalismus, darüber, was wirklich bei der Globalisierung passiert“.

Die drei Hauptrollen spielen Jens Dornheim, Dietmar Meinel und Alexandra Schlösser, doch die Nebenfiguren sind sehr international und stammen aus dem Iran und Togo. Hinzu kommt die Regisseurin Julie Stearns (USA). Daneben gibt es Livemusik, die mit fremdartigen Tönen das Spiel unterstützt.

Für Jens Dornheim, der eigentlich seit 2013 nur noch Regie geführt hat, ist es eine kleine Umstellung, wieder auf der Bühne zu stehen: „Es ist ungewohnt, wieder mehr Text zu lernen“. Die Schauspieler stammen nicht nur von glassbooth, sondern auch von „Only connect!“, der Gruppe von Regisseurin Stearns.

Nach den beiden Dortmunder Auftritten wird die neue Produktion „Zeit der Kannibalen“ auch in anderen Städte wie Bochum oder Düsseldorf aufgeführt werden.




Bestellt und nicht abgeholt

Das Ensemble von "Fertig.Los" bei der Probenarbeit. (Foto: © TheaterWerkstatt Westfalenkolleg)
Das Ensemble von „Fertig.Los“ bei der Probenarbeit. (Foto: © TheaterWerkstatt Westfalenkolleg)

Mit der Produktion „Fertig.Los“ präsentiert die Theaterwerkstatt Westfalenkolleg Dortmund ihre neue Produktion. Es geht in dem Stück um das Starten, das Anfangen. Doch natürlich spielt auch die Flüchtlingskrise eine Rolle. Ein Bericht von der zweiten Aufführung im Theater im Depot am 23.04.2016

 

Der Anfang erinnert ein wenig an Samuel Becketts „Warten auf Godot“. Acht Menschen haben sich am verabredeten Ort getroffen. Doch sind sie sich da ganz sicher? Nun müssen sie warten wie bestellt, aber nicht abgeholt. Schon hier wird der Flüchtlingsbezug deutlich, denn auch Flüchtlinge werden von Ort zu Ort geschickt und müssen auf irgendetwas warten.

 

Diese Thematik taucht später nochmals auf, an einer Art Lagerfeuer, bei der das Feuer erloschen ist. Die zwei Spieler sind mittendrin zwischen Hoffnung und Verzweifeln. „Es sind ja nur vier Länder“, heißt es. Doch auch wenn man angekommen ist, scheint es nicht das Paradies zu sein. Der erzählte Alltag in einer Flüchtlingsunterkunft beschreibt ernüchternde Szenen.

 

Doch „Fertig.Los“ ist kein reines Flüchtlingsstück, auch wenn mit Suno Okoruwa und Sumit Sondhi zwei Menschen dabei sind, die sich in sogenannten Willkommensklassen befinden. Denn eigentlich geht es um das Anfangen, das Starten. Das gilt für einheimische Jugendliche ebenso wie für neu hinzugekommene. Hoffnungen und Ängste stehen im Mittelpunkt der tänzerischen Szenen, für die Choreografin Birgit Götz verantwortlich war. Bänder und Weinkisten bildeten die Requisiten für manche Tanzstücke. Um Versagens-Ängste ging es bei der längeren Textpassage aus dem Theaterstück „Wohnen. Unter Glas“ von Ewald Palmetshofer. Der Textausschnitt beschreibt die Ängste von Mitdreißigern, ob sie ihren Zenit bereits überschritten haben oder ob er unbemerkt an ihnen vorbeigerauscht ist.

 

Musik ergänzte das Stück. Meist mit Gitarrenbegleitung wurde unter anderem „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader, „Hänschen klein“ oder „Kein schöner Land“ gesungen.

 

„Fertig.Los“ beschreibt auf anrührende, aber auch komische Art die Hoffnungen und Träume junger Menschen und integriert auf gelungene Weise die Lebensentwürfe von Menschen, die zwangsweise aus ihrer Heimat geflohen sind.

 

Mit dabei waren: Florian Barz, Sinan Burma, Katharina Eixler, Laura Gebauer, Kristin Langer, Mathis Pollmann, Suno Okuruwa und Sumit Sondhi. Regier führten Mechtild Janssen und Johannes Janßen.




Freiheit im Netz?!

Plakat zu Poser(sic!) (Foto: © Sir Gabriel Dellmann)
Plakat zu Poser(sic!) (Foto: © Sir Gabriel Dellmann)

Wie gehen wir damit um, wenn wir überall im Netz unsere Spuren hinterlassen? Werden wir vorsichtiger? Haben wir bereits eine Schere im Netz? In der Vorpremiere von „Poser(sic!) – Gebt Gedankenfreiheit“, einer multimedialen Performance von Sir Gabriel Dellmann, stellt sich die Hauptfigur John le Posa genau diese Fragen. Die Vorpremiere findet statt am 16. April 2016 um 20 Uhr im Theater im Depot.

Das Stück handelt von John le Posa. Er ist ein Nachfahre des berühmten Marquis de Posa, der Figur aus „Don Carlos“ von Schiller. Im Gedenken an die ständige Überwachung des Netzes fragt sich de Posa wie sieht es aus mit der „Gedankenfreiheit“? Ändert man sein Konsumverhalten oder tut man das Gegenteil und gibt extra alles preis?

Vier Schauspieler (Martin Hohner, Fiona Metscher, Aischa-Lina Löbbert und Matthias Hecht) versuchen mit Mitteln der Popkultur und Video-Art diese Fragen zu beantworten und wie man es bei Sir Gabriel Dellmann gewohnt ist, mit Humor und ohne die moralische Keule herauszuholen.

Das Stück wurde geschrieben von Björn Gabriel, der auch Regie führt. Anna Marienfeld ist für die Produktionsleitung zuständig und Steffi Dellmann für die Ausstattung.

Die „echte“ Premiere findet im Rahmen des Festivals Favoriten16 am 28. und 29. September statt.