Elektra im Strudel der Rache und Gewalt

Der gespenstisch,
blutrünstig und leidenschaftliche Stoff von „Elektra“ (Hugo von
Hofmannsthal, 1874 – 1929)) hat am Freitag, den 22.03.2019 um 20:00
Uhr unter der Regie von Jung-Regisseurs und Folkwang-Absolvent Remo
Philipp im Dortmunder Theater im Depot seine Premiere. Der
gespenstisch, blutrünstig und leidenschaftliche Stoff von „Elektra“
(Hugo von Hofmannsthal, 1874 – 1929)

Es ist schon die
zweite Kooperation mit der Folkwang-Universität der Künste.

Grundlage ist die
Adaption des antiken Stoffes von Sophokles um Elektra. Nach der
Ermordung ihrer Schwester Iphigenie im Krieg um Troja und der Tötung
ihres Vaters – dem mykenischen König Agamemnon- durch die Mutter
Klytämnestra und deren Geliebten Ägisth kreisen Elektras Gedanken
nur noch auf Rache. Verstoßen verharrt sie vor den Palastmauern und
möchte, nachdem ihr Bruder Orest als verschollen gilt, sogar die
kleine Schwester Chrysothemis für ihre Rache instrumentalisieren.
Bis eines Tages der tot geglaubte Bruder zurückkehrt und das
vollzieht, was Elektra sich ersehnt …

Die Akteure auf und hinter Bühne (v.l.n.r.) Rudolf Klein und Franziska Roth mit Regisseur Remo Philipp.
Die Akteure auf und hinter Bühne (v.l.n.r.) Rudolf Klein und Franziska Roth mit Regisseur Remo Philipp.

Dem Regisseur beschäftigt sich schon länger mit der Thematik Gewalt. Für ihn steht die Psychologie der Figuren und das Schauspiel im Zentrum der Inszenierung. Das Bühnenbild ist reduziert und Philipp arbeitet mit wenigen Requisiten, die er atmosphärisch unterschiedlich einsetzt. Weitere ästhetisches Mittel sind etwa die zielgerichtete Nutzung von Musik, Licht oder Nebel. So werden zum Beispiel nur zwei Kinderwagen und ein plüschiger Teddybär auf der Bühne stehen. Diese wird zu einer pinkfarbenen Klischeewelt samt der Kostüme für die beiden Schauspieler werden. Klytämnestra verdrängt ihre Taten erfolglos und Chrysothemis scheitert dabei, ein normales Leben zu führen und die Vergangenheit zu ignorieren. Das Elektra in ihrem Egoismus und Rachsucht gefangen ist, werden die pinkfarbene Seile, an denen sie hängt, symbolisch deutlich zeigen.

„Mit wenig viel
schaffen und ausdrücken, das zeichnet Remo Philipp aus“, erklärte
der Schauspieler Rudolf Klein.

Der hat die
schwierige Aufgabe, sich während der Aufführung in vier
verschiedene Personen zu verwandeln. Er wird sowohl Chrysothemis,
Klytämnestra, Ägisth und Orest darstellen. Wir dürfen gespannt
sein, in welcher Form die Inszenierung das dem Publikum vermittelt.

Die Elektra wird von
der Schauspielerin Franziska Roth verkörpert.

Kann man für die
Gefühle von Elektra nach den schlimmen Geschehnissen in gewisser
Weise Verständnis aufbringen, führen ihre radikale Rachegelüste
und ihr Hass zu einer nicht enden wollenden Katastrophe.

Die Aufführung will
dem Publikum viel Assoziationsräume bieten und eventuell über den
eigenen Egoismus und den Umgang mit negativen Gefühlen nachzudenken.

Aussagekräftig ist
das Bild auf einer schwarzen Karte zur Aufführung. Dort ist eine
französische Bulldogge (Hund Hamlet vom Regisseur) in einem
Kinderwagen zu sehen.

Das symbolisiert gut
das „Tier“, was in uns allen schlummert und führt hin auf eine
allgemeine Ebene der Inszenierung.

Neben der Premiere
gibt es zunächst auch am Samstag, den 23.03.2019 und am 11.05.2019
jeweils um 20:00 Uhr und am Sonntag, den 12.05.2019 um 18:00 Uhr
Gelegenheit, sich die Aufführung anzusehen.




Struwwelpeter als Grusical

Wer kennt es nicht,
das Kinderbuch der „schwarzen Pädagogik“, den „Struwwelpeter“.
Die Personen in den einzelnen Stücken sind berühmt geworden. Der
Suppenkasper, Hans-guck-in-die-Luft oder der Zappel-Philip haben es
sogar als medizinische Diagnose geschafft. Das Buch aus dem Jahre
1844 hat mit Kuschelpädagogik nichts am Hut. Das Fehlverhalten der
Kinder wird sehr drastisch bestraft. Verstümmelung oder Tod sind
mögliche Konsequenzen. Dieses groteske Detail hat die englische Band
The Tiger Lilies bewogen, eine Art Musical aus dem Stoff zu machen.
„Shockheaded Peter“ heißt es und feiert rund um den Globus große
Erfolge. Die Kulturbrigaden unter der Leitung von Rada Radojcic
bringen es nun in Dortmund auf die freie Kunstbühne im Theater im
Depot. Nach der Vorpremiere zu Silvester hat das Stück seine
eigentliche Premiere am 22.02.19.

Wer die Stücke von Rada Radojcic und den Kulturbrigaden kennt, kann sich schon auf schöne Kostüme und Masken in „Shockheaded Peter“ freuen. Wenn schon das Original die Konsequenzen für die Kinder zeigt, versucht Radojcic noch einen drauf zu setzen. „Der Reiz liegt in der absoluten Übertreibung“, erklärt die Regisseurin, die aus dem Stoff ein Grusical geschaffen hat.

Die Katzen Minz und Maunz aus der Geschichte mit Paulinchen samt Conferencier. (Foto: © Wulf Erdmann)
Die Katzen Minz und Maunz aus der Geschichte mit Paulinchen samt Conferencier. (Foto: © Wulf Erdmann)

Es wird etwa 12 bis 13 Szenen geben, erklärte die Regisseurin, jede Szene hat ein komplett neues Outfit was natürlich hohe Anforderungen an Organisation und Kostüme mit sich bringt. Eingebettet ist das Stück in eine Rahmenhandlung, bei der Eltern ein schwierige Kind bekommen, das sie in den Keller sperren, weil sie nicht mehr weiter wissen.

Ein Conferencier
führt bei „Shockheaded Peter“ durch die Handlung, während eine
Sängerin (Rada Radojcic) die einzelnen Geschichten singend erzählt,
die Darsteller letztendlich setzen die Geschichte schauspielerisch
um.

Radojcic ist ein
großer Fan der Tiger Lilies, daher hat sie sich entschlossen die
Musik nicht einfach zu kopieren, was auch durch den unverwechselbaren
Falsettgesang von Martyn Jacques schwer möglich ist. Daher hat sie
zusammen mit ihrem musikalischen Leiter Dixon Ra einige Lieder
umgearbeitet, so dass die Melodien noch erkennbar sind, aber die
Lieder jetzt „mehr Punk, Funk und Pop statt Walzer“ sind.

Neben der Premiere
am 22.02.2019 um 20 Uhr, gibt es weitere Termine am 23.02., 12.04.
und 13.04. 2019 jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter
ticket@theaterimdepot.de




Schillers „Räuber“ im zeitgenössischen Gewand

Wie bringt man das
am Ende der literarischen Sturm-und Drang-Periode entstandene Drama
„Die Räuber“ von dem jungen deutschen Schriftsteller Friedrich
Schiller (1759 – 1805) mit seiner zeitlosen und aktuellen Brisanz
auf die Bühne bringen?

Dieser schwierigen
Aufgabe stellte sich das freie Theaterkollektiv Sir Gabriel Trafique
(SGT) mit Regisseur Björn Gabriel, vom Dortmunder Schauspiel gut
bekannt, und die für Ausstattung und Produktion verantwortliche Anna
Marienfeld in ihrem neuesten Projekt „Die Räuber.Live – Utopien
aus Deutschen Lenden“ im Dortmunder Theater im Depot. Der Titel
weist schon mit Ironie auf das vor allem durch die AfD vermittelte
„deutschtümelige“Sprach- und Menschenbild hin, so der Regisseur.

Die Premiere ist
dort am 12.01.2019 um 20:00 Uhr. Neben den Organisatoren Gabriel und
Marienfeld gehören immer wechselnde Schauspieler*innen und
Videokünstler*innen zur Gruppe.

Diesmal spielen der
Bochumer Fernsehmacher Dominik Hertrich und die in Köln geborene
Schauspielerin Aischa-Lina Löbbert sowie die Schauspielerinnen Fiona
Metscher und Mirka Ritter. Die vier spielen zwei Paare, die
eigentlich als gebildet und aufgeklärt gelten. Beide begehen bei
Champagner und den in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts
beliebten Mettigel einen launigen Abend. Man wähnt sich sozial,
humanistisch und fremden Kulturen aufgeschlossen. Dann passiert etwas
Unerwartetes und die verschiedenen Lebensentwürfe geraten unter dem
Brennglas „identitärer“ Fragestellungen in nicht geahnte
Konkurrenz zueinander. Der Abgrund lauert zwischen den Worten und es
entbrennt ein erbitterter ideologischer Kampf um die „moralisch
gerechte Gesinnung“. Orientierung soll ihnen ein Kulturhistorischer
Abgleich bieten und die Vier gleiten immer tiefer ab in Schillers
„Räuber“ mit katastrophaler Folge..

Versteckt im "deutschen" Wald und hinter Maschendrahtzaun sinniert der Regisseur und einer der Köpfe von "Sir Gabriel Trafique" Björn Gabriel.
Versteckt im „deutschen“ Wald und hinter Maschendrahtzaun sinniert der Regisseur und einer der Köpfe von „Sir Gabriel Trafique“ Björn Gabriel.

Wie von SGT gewohnt,
werden zwar viele Monologe aus Schillers „Räuber“ genutzt, aber
mit Hilfe von Video-und Lichtinstallationen, Musik, Elementen der
virtual reality, der bildenden Kunst, der Performance, zwei
Livekameras sowie über 100 Presens ein zeitgenössisches
zugespitztes Gewandt dar gebracht. Für die Visuals und die
zeitgenössische Ästhetik ist Alexander Huegel verantwortlich.

Die Bühne ist unter
anderem mit typischen als kitschige „typisch deutsche“ Elemente
wie etwa den „Deutschen Michel“, den „German Grill“ oder
symbolhaft mit einer „Mauer“ als Theke und einen geheimnisvollen
und gruselig mit einem Totenkopf versehenen stilisierten „deutschen“
Wald ausgestattet.Es gibt also viele Assoziationsräume für das
Publikum.

Wie Gabriel betonte,
sind die „Räuber“ von Schiller wohl das deutscheste Stück
(Drama). Im Konflikt zwischen Vernunft und Gefühl wählen die Söhne
von Graf Maximilian Moor im Drama am Ende extreme und und zu
verabscheuende Mittel, um sich von den Fesseln der Elterngeneration
und den Schranken des sogenannten „Kastratenzeitalters“ zu
befreien. Karl als idealistische Befreier, Bruder Franz als Tyrann,
der sich zurückgesetzt fühlt und sich über alle Natur erhebt.

In unserer Zeit
brechen sich sich Unzufriedenheit, Verdrängtes oder nur in
heimeligen Kneipen und Bierstuben unter sich herausgelassene
Aggressionen sowie Ängste vor „Überfremdung“, sozialen Abstieg
etwa bei den Montagsdemonstration der PEGIDA lauthals und wie ein
Ventil bahn. Es geht diesen Menschen ja, wie sie betonen, der
„Gerechtigkeit“ Geltung zu schaffen. Da setzt so mancher auf
scheinbar einfache Lösungen für komplexe gesellschaftliche Probleme
und sucht den einen „Sündenbock“. Die Gefahr der politischen
Instrumentalisierung von rechtspopulistischen und faschistischen
Parteien ist groß.

Neben der Premiere
am 12.01.2019 gibt es im Dortmunder Theater im Depot auch noch weiter
Vorstellungen des Stückes am Sonntag, den 13.01.2019 um 18:00 Uhr,
sowie am 14.02.2019, am 28.03.2019 und am 29.03.2019 (jeweils um
20:00 Uhr).

Infos und Karten
unter www.depotdortmund.de




El ojo de Hamlet (Nirgendwo) – eindringliches Theater im Depot

Das Theater im Depot zeigte am Sonntag, den 25.11.2018 die zweite Premiere von Rolf Dennemanns artscenico zum Heimatbegriff, Heimatverlust sowie Flucht oder Verbannung unter dem Titel „El ojo de Hamlet – Nirgendwo“. Regisseurin des Stückes, Cynthia Scholz und der Schauspieler Chino Monagas als Auswanderer aus Venezuela, zeigten, was das bedeutet.

In ihrer Aufführung,zwischen analogem Schauspiel und moderner ironisch-deutlicher Videoprojektion, widmen sie sich teils in deutscher, teils in spanischer Sprache dem Thema Exil in Person des Prinzen Hamlet (Shakespeare) und in zusätzlicher Anlehnung an die „Hamletmaschine“ von Heiner Müller.

Hamlet steht sozusagen stellvertretend für alle Migranten und Flüchtlinge, die unter Schuldgefühlen gegenüber den in ihrer Heimat bleibenden Menschen, einen schwierigen Anpassungsprozess an eine fremde Kultur schaffen müssen. Ein schmerzvoller Prozess. Es bleibt die Hilflosigkeit, seine Wurzeln und Liebsten daheim verlassen zu haben. Die mussten bleiben und konnten nichts dagegen tun.

Symbolisch sitzt „Hamlet“ in einem selbst gebastelten Rollstuhl mit Holzlehne und Rollen von einem Einkaufswagen. In der Hand hält er eine Spieluhr, die eine träumerische Melodie spielt,

Schon zu Beginn fällt sinngemäß der enttäuschte Satz eines frustrierten Menschen: „Das Leben und die Geschichte folgen immer den gleichen Mechanismus. Alles wiederholt sich.“

In verschiedenen Episoden verdeutlichen die eindrucksvollen Videoprojektion die Problem der Migranten. Die analoge Welt verschmilzt mit der Projektion. Wenn etwa die Schauspielerin Cynthia Scholz als Ophelia verzweifelt in dem virtuellen Fluss scheinbar versinkt, oder als virtuelle Ophelia Hamlet Vorwürfe macht, sie verlassen und verraten zu haben.

Die Themen Heimat, Flucht und Zurücklassen wurden von Chino Monagas und Cynthia Scholz in Rahmen von Hamlet präsentiert. (Foto:   © Guntram Walter)
Die Themen Heimat, Flucht und Zurücklassen wurden von Chino Monagas und Cynthia Scholz in Rahmen von Hamlet präsentiert. (Foto: © Guntram Walter)

Der Übergang von der deutschen zur spanischen Sprache geht oft fließend und zeugt von der Zerrissenheit zwischen den Kulturen. Bilder und Gesten, sowie der Ausdruck der Sprache sorgten für Verständnis.

Gerade der deutliche Gegensatz von analoger, fast poetischer Welt und interessanter eindringlicher Bildsprache in Verbindung mit den starken Videoprojektionen machen den Reiz der Aufführung aus.

Die Verzweiflung der Zuflucht suchenden Menschen vor Verfolgung, Krieg und bitterer Armut oder anderen Bedrohungen, wird für das Publikum lebendig vor Augen geführt. Auch die Enttäuschung von den nicht eingehaltenen Versprechungen des „Sozialismus“, etwa in Venezuela, ist unüberhörbar.

Trotz eines gewissen Defätismus hören die Menschen nicht auf, wie im Stück gesagt wird, von einer „besseren Welt zu träumen.




Zwei Theaterpremieren zu Heimat und Heimatverlust im Depot

Gleich an zwei Abenden, den 24. und 25. November 2018, kann das Publikum die Premieren der beiden neuen Produktionen von Rolf Dennemanns artscenico erleben. Diese setzen sich mit einem aktuellen und komplexen Themenbereich wie Heimat und Heimatverlust auseinander. AmSamstag steht um 20:00 Uhr „Zuflucht/ Time Lines“, am Sonntag um18:00 Uhr „El ojo de Hamlet – Nirgendwo“ auf dem Programm. Es werden, so Dennemann, keine Stücke im herkömmlichen Sinn sein, sondern eher Abende zum Kennenlernen.

Fangen wir mit dem Samstag, den 24.11.208 an: Zuflucht

Fünf Protagonisten aus vier verschiedenen Ländern, teils Flüchtlinge, teils Auswanderer, bringen ihre eigene und sehr individuelle„Lebensbestandteile“ in die Aufführung ein. Die Ausgangssituation beginnt in einem Café,wo sich die fünf Personen mehr oder weniger zufällig befinden. Sie sind auf Reisen, sind verabredet oder lesen. Man hört Schüsse, Glas zerbricht… Licht an. Die Zeit wird angehalten und die Protagonisten erzählen.

Dabei sind: Theaterpädagogin Anna Hauke (Polen), Tänzerin Photini Meletiadis (Griechenland), der anerkannte syrische Flüchtling Rezan Kanat (Schauspieler) sowie die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas (Venezuela).

Die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas vom El Bigote de Dali Teatro unterstützen artscenico bei den beiden Projekten.
Die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas vom El Bigote de Dali Teatro unterstützen artscenico bei den beiden Projekten.

Mit einem sehr individuellem Zugang und verschiedenen Betrachtungen über die Bedeutung und Rolle von Heimat, wird das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt. Begleitet wird die Bühnenpräsentation nicht nur mit atmosphärischer Musik, sondern auch durch durch Aussagen von„Facebook-Freunden“, die sich im Netz eine Art weitere Heimat geschaffen haben. Es wird auch eine kleine kulinarische Überraschung geboten.

Die zweite Premiere„El ojo de Hamlet -Nirgendwo“ (Autor Jorge Cogollo) am Sonntag, den 25.11.2018 ist eine Koproduktion von artscenico und El Bigote de Dali Teatro entstanden. Es wurde erstmals vor einem kleinen Publikum in einem Kellerraum inszeniert., wie die beiden Schauspieler Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas beim Pressegespräch erklärten.

Grundlage bildet sowohl Shakespeares „Hamlet“ wie auch die „Hamletmaschine“ von dem deutschen Dramatiker Heiner Müller. Im Fokus steht Hamlet in seiner Exil-Situation. Wie verändert sich ein Mann in der Verbannung durch seinen Vater, einem mörderischen, brutalen und ineffizientem König? Eine Herausforderung für das Publikum und die Schauspieler. Der Text wird in einer bewussten Mischung von deutsch und spanisch vorgetragen. Das gibt ein kleines Gefühl dafür, wie schwierig die Verständigung in einer „fremden Sprache“ zunächst ist. Aber keine Angst: Körpersprache und eine Videoinstallation sorgen für ein besseres Verständnis und fügen sich zu einem Muster zusammen. Es soll jedoch auch gezeigt werden, wie die Menschen hier von Auswanderern leben und auch profitieren.

Infos und Tickets:E-Mail: info@theaterimdepot.de und 0231/ 982 2338.

Weitere Aufführungen sind für den März 2019 geplant.




Theaterstück „Der Weibsteufel“ ins Ruhrgebiet vor hundert Jahren verlegt

Die freie
Theatergruppe glassbooth wurde vor15 Jahren von Jens Dornheim und
Gordon Stephan ins Leben gerufen. Mit ihren besonderen Stücken haben
sie seitdem in unterschiedlichen Schauspieler-Besetzungen an
verschiedenen Spielorten im Ruhrgebiet und darüber hinaus das
Publikum überrascht. Eine intensive Kooperation gibt es mit dem
Theater im Depot in Dortmund.

Hier sei nur an das
erste selbst verfasst Stück der Gruppe „CONTAINER LOVE“, das
2014 und 2015 erfolgreich dort gespielt wurde erinnert.

Mit einem in
mehrerer Hinsicht bemerkenswerten Produktion kommt „glassbooth“
mit „Der Weibsteufel“, einem Drama von des österreichischen
Schriftstellers Karl Schönherr (1867 – 1943) und den drei
Schauspielern Alexandra Lowygina, Ulrich Penquitt und Carl
Bruchhäuser in das Theater im Depot.

Regie führt Jens
Dornheim, die Idee hatte Alexandra Lowygina, für den musikalischen
Hintergrund Musik ist Danny-Tristan Bombosch verantwortlich. In einer
dynamischen Teamarbeit wurde das Stück zusammen entwickelt. Dazu
gehörte auch Dorothee Ahrens (Kostüme) und Sabine Bachem (Bühne).

Das Team des theaters glassbooth für die Produktion "Der Weibsteufel": (v.l.n.r.) Danny-Tristan Bombosch (Musik), Sabine Bachem (Bühne) Ulrich Penquitt (Schauspieler), Alexandra Lowygina (Schauspielerin), Carl Bruchhäuser (Schauspieler) und jens Dornheim (Regie).
Das Team des theaters glassbooth für die Produktion „Der Weibsteufel“: (v.l.n.r.) Danny-Tristan Bombosch (Musik), Annika Loomann (Regieassistentin) Ulrich Penquitt (Schauspieler), Alexandra Lowygina (Schauspielerin), Carl Bruchhäuser (Schauspieler) und jens Dornheim (Regie).

Der ursprünglich in
Österreich spielende „Alpenkrimi“ (mit entsprechender Sprache)
wurde in das Ruhrgebiet kurz nach dem Ersten Weltkrieg zur Zeit des
Ruhrkampfes. In einer alten Baracke leben ein Schmuggler und seine
Frau, die er darauf ansetzt, einem Leutnant schöne Augen zu machen
und abzulenken. Dieser verdächtigt den Schmuggler, mit den „Roten“
zu sympathisieren und sie mit Waren und Waffen zu versorgen. Es
stellt sich für alle die Existenzfrage. Der Schmuggler träumt vom
Häuschen und finanzielle Absicherung, dem Leutnant geht es um seine
Karriere. Dazwischen steht die Frau. Die möchte eigentlich gerne ein
Kind. Es entspinnt sich sich eine höchst emotionales Drama und eine
amour fou im Ruhrgebiet und die Personen drohen sich in ihren eigenen
Intrigen zu verstricken….

Wie Bombosch
erklärte, werden die Spannungen mit basslastiger Synthesizer-Musik
unterlegt und verdeutlicht.

Das Bühnenbild
entspricht einer Baracke und wird, passend zu der Zeit, einige
Accessoires des Expressionismus (Stichwort: das Cabinet des Dr.
Caligari) aufweisen.

Die Kostüme sind,
soviel sei verraten, an die Zeit vor hundert Jahren angelehnt. Die
Sprache ist bewusst hochdeutsch mit einem leichten rauen
„Ruhrgebiets-Unterton“und kein klischeehafter Ruhrgebiets-Slang.
Es handelt sich ja nicht um eine Komödie oder Kabarett-Programm.

Interessant wird
wohl sein, wie die emanzipatorische Entwicklung der Frau auf die
Bühne gebracht wird.

Die Aufführung
dauert ungefähr 110 Minuten und die Premiere findet am Freitag, den
26.10.2018 um 20:00 Uhr im Theater im Depot Dortmund (Immermannstraße
29).

Kartenreservierungen:

Theater im Depot: 0231/ 98 22 336 (AB) oder ticket@theaterimdepot.de
oder an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Weitere Termine
für „Der Weibsteufel“ 2018:

Samstag, 27. Oktober
20:00 Uhr, Theater im Depot

Freitag, 02.
November 19:00 Uhr, Magazin Gladbeck

Sonntag, 04.
November 18:00 Uhr, Magazin Gladbeck

Donnerstag, 08.
November 20.00 Uhr, Theater im Depot Dortmund

Freitag, 09.
November 20:00 Uhr, Theater im Depot Dortmund

Samstag, 17.November
20:00 Uhr, Katakomben Theater Essen

Samstag, 24.
November 19:30 Uhr, Rottstr 5 Theater! Bochum




Wenn Wünsche wahr werden…

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Manchmal ist es gar
nicht so gut, wenn Wünsche in Erfüllung gehen. Das muss das Mädchen
Coraline in dem gleichnamigen Theaterstück von und mit den
Kulturbrigaden feststellen. Regisseurin Rada Radojcic präsentierte
eine temporeiche Märchenreise in eine vermeintlich schönere Welt.
Ein Premierenbericht vom 13. Oktober aus dem Theater im Depot.

Die Basis für das
Theaterstück „Coraline – Sei vorsichtig, was du dir wünscht“
ist der Animationsfilm „Coraline“ von Henry Selick aus dem Jahre
2009. „Die Kinder kamen mit der Idee“, erzählte die Regisseurin
nach der Premiere. „Zuerst wollten wir ‚Das doppelte Lottchen‘
spielen“. Es war eine gute Entscheidung, denn die Heldin Coraline
ist nicht süß und klug wie vielleicht in manchen anderen
Kinderbüchern, sondern hat ihre Ecken und Kanten, was sie viel
menschlicher macht.

Radojcic hatte auch
die glänzende Idee, aus der Heldin eine gespaltene Persönlichkeit
zu machen. Vielleicht inspiriert aus „Alles steht Kopf“ von
2015, gibt es eine mutige, ängstliche oder zynische Version von
Coraline, die sich ab und an im Stück in die blauen Haare bekommen.

Das Stück selbst
handelt von Coraline, das mit ihren Eltern auf Land zieht und dann
von ihren Eltern vernachlässigt wird, die ununterbrochen arbeiten.
Coraline wünscht sich ein schöneres Leben und gelangt durch eine
Geheimtür in eine Parallelwelt mit anderen Eltern. Vor allem die
Mutter verwöhnt sie sehr. Doch haben alle Bewohner statt Augen
Knöpfe. Die „andere Mutter“ will sie mit Gewalt bei sich
behalten und entführt sogar ihre richtigen Eltern.

Es ist nicht alles Gold was glänzt - das muss auch Coraline erkennen. (Foto: © Rada Radojcic)
Es ist nicht alles Gold was glänzt – das muss auch Coraline erkennen. (Foto: © Rada Radojcic)

Es ist durchaus ein
schwieriger Stoff, den die siebzehn Beteiligten auf der Bühne
bravourös meistern. Radojcic zaubert wieder fantasievolle Kostüme,
vor allem für die Nachbarinnen Miss Spink und Miss Forcibel. Um die
beiden Welten darstellen zu können, hat die Regisseurin auch mit
einem Bühnenbild gearbeitet.

Die Musikauswahl
passte ebenfalls zu dem Stück. Beim nächtlichen Auftritt der Mäuse
durfte natürlich Musik aus der „Nussknacker-Suite“ nicht fehlen.
Ein großer Spaß war die (Playback)-Arie der Königin der Nacht, die
die „anderen Nachbarinnen“ in der Parallelwelt zum Besten gaben.

Auch wenn es gegen
Ende des Stückes durchaus etwas gruselig wurde, das Stück ist ideal
für Kinder ab 8 Jahren. Eine beeindruckende Leistung aller Akteure
der Kulturbrigaden.

Das Stück ist eine
Veranstaltung der LAG Arbeit, Bildung, Kultur des Landes NRW e.V. Es
gibt noch am 02. November um 20 Uhr sowie am 06. November um 18 Uhr
die Möglichkeit im Theater im Depot sich „Coraline“ anzuschauen.
Es lohnt sich auf jeden Fall.




Theater im Depot zeigt „Coraline – Sei vorsichtig was du dir wünscht“

Es ist wieder soweit. Im Dortmunder Theater im Depot (Immermannstraße 29) stellt das Junge Ensemble Kulturbrigaden unter der professionellen Anleitung und Regie von Rada Radojcica als neue Premiere ihr Stück „Coraline – Sei vorsichtig, was du dir wünscht“ (nach dem bekannten Animationsfilm von Henry Selick) vor.

Die Aufführungen
der Kulturbrigaden zeichnen sich vor allem durch ihre phantasievollen
Kostüme und Masken und einer besonderen Dynamik aus Spiel, Akrobatik
und atmosphärischer Musik aus.

Zum Stück:

Die kleine Coraline
entdeckt hinter einer Geheimtür in dem neuen Haus ihrer Familie eine
besondere, spektakuläre und etwas gruselige Parallelwelt. In dieser
fiktiven Welt wartet eine schönere Version ihres eigenen Lebens auf
sie. Alles ist hier größer, witziger und leckerer. Problematisch
wird es, als ihre Parallelwelt-Mutter versucht, sie gewaltsam für
immer in ihrem fiktiven Zuhause zu halten. Mutig muss Coraline darum
kämpfen, sich und ihre wahren Eltern zu retten. Gut, das ihr dabei
die Nachbarn und sogar eine sprechende schwarze Katze helfen…

Es ist nicht alles Gold was glänzt - das muss auch Coraline erkennen. (Foto: © Rada Radojcic)
Es ist nicht alles Gold was glänzt – das muss auch Coraline erkennen. (Foto: © Rada Radojcic)

Eine spannende
Geschichte zwischen der heimeliger Normalität im realen leben und
den Nscheinbaren Verlockungen in einer Parallelwelt für große und
kleine Leute ab 8 Jahren.

Premiere des
Stücks ist am Samstag, den 13.10.2018 um 18:00 Uhr im Theater im
Depot.

Eintritt
Premiere
: VVK 15 € / 8 € erm.

Abendkasse: 17 € /
10 € erm.

Weitere
Informationen und Aufführungstermine erhalten Sie unter Tel: 0231/
98 21 20

oder
www.depotdortmund.de

Vorverkauf für die
Karten gibt es auch an den in der Stadt bekannten Ticket-Shops.




Was macht das Internet mit Menschen?

Mit dem Stück
„Stille in feindseligen Intervallen“ analysiert die
Theaterkollektiv „artscenico“ die Welt des Internets.
Vereinsamung, Fake News, Verschwörungstheorien, Aggressivität sind
die Folgen und das Volk ist mittendrin. Mastermind Rolf Dennemann
präsentierte mit drei Schauspielern ein sehr poetisches Stück. Ein
Premierenbericht vom 28.09.18 im Theater im Depot.

Das Volk ist nackt.
Mit nackten Oberkörper und Krone auf dem Kopf spielt Jürgen Dilling
das „Volk“ als Reminiszenz zu des „Kaisers neue Kleider“. Das
Internet als Symbol für die neuen Kleider? Statt Demokratie,
Mitbestimmung oder Wissen, scheint das Internet Fake News und
Verschwörungstheorien zu produzieren. Wer am lautesten schreit,
scheint recht zu haben.

Sehr poetisch begann
der erste Teil des Stückes. Hier wurden Menschen porträtiert, die
vereinsamt sind, die nichts anderes haben als das Internet. Was macht
das mit den Menschen? Wer einfache Antworten erwartet, wird sicher
enttäuscht sein. Selber Denken und Reflektieren ist angesagt, auch
wenn manche Szenen einen humorvollen Charakter haben.

Die Bühne ist wie
fast immer bei artscenico-Programmen reduziert. Zwei
„Erinnerungshaufen“ liegen herum, es gibt Stühle und andere
Sitzgelegenheiten. Aus den Erinnerungshaufen nehmen sich Elisabeth
Pleß und Matthias Hecht verschiedene Kleidungstücke und tauchen
damit in die verschiedenen Personen ein. Rolf Dennemann gibt per
Einspieler kurze und präzise Regieanweisungen. Die Musik stammt aus
der klassischen und elektronischen Bereich.

Katzencontent geht im Internet immer. Szene aus "Stille in feinseligen Intervallen" von artscenico. Zu sehen sind Elisabeth Pleß und Matthias Hecht. (Foto: © Guntram Walter)
Katzencontent geht im Internet immer. Szene aus „Stille in feinseligen Intervallen“ von artscenico. Zu sehen sind Elisabeth Pleß und Matthias Hecht. (Foto: © Guntram Walter)

„Stille in
feindseligen Intervallen“ ist – wie erwähnt – kein Stück
darüber, wie man Fake News erkennt und auch Trump wurde nicht
erwähnt. Dennoch zeigt es deutlich, wie sehr das Internet unser
Zusammenleben beeinflusst. Aggressivität, Wahnsinn, Vereinzelung und
Verschwörungstheorien, die wie Pilze aus dem Boden wuchern,
vergiften langsam aber sich unser Zusammenleben.

Wer „Stille in
feindseligen Intervallen“ erleben möchte, hat 20. Oktober um 20
Uhr im Theater im Depot die Gelegenheit dazu.




Mistero Buffo – humanistische Groteske und episches Theater

Das Theater im Depot zeigt am 17.02.2018 in einer Premiere Mistero Buffo – eine humanistische Groteske nach Dario Fo (1926-2016) unter der Regie von Alexander Olbrich. Es ist die zweite Arbeit des jungen Regisseurs nach seinem Abschluss des Studiums an der Folkwang Universität der Künste (Regie).

Mistero Buffo bedeutet groteske Darbietung. Der Stücktext von Dario Fo (1969) ist eine Sammlung von biblisch inspirierten Geschichten, in darauf ausgelegt sind, dass Mitgefühl mit den Abgehängten zu wecken und die Mächtigen der Lächerlichkeit preis zu geben. Dazu muss man wissen, dass in den 70er Jahren des 20igsten Jahrhunderts das epische Theater (in Deutschland durch Berthold Brecht bekannt) auch in Italien Konjunktur hatte. Ziel war die Darstellung großer gesellschaftlicher Konflikte wie Krieg oder soziale Ungerechtigkeiten Revolution oder ähnliches. Mittels eines Erzählers wurde das auf der Bühne dargestellte kommentierend begleitet.

Dario Fo war in den 70er Jahren mit seinem szenischen Monolog Misterio Buffo gleichzeitig gefeiert und als enfant terrible von reaktionärer Seite abgelehnt. Mit einfachen Mitteln des politischen Volkstheaters und der Verfremdung sagte er mit nur einem Schauspieler auf der Bühne den Machthabern verschiedenster Art den Kampf an.

Der Schauspieler in dem Einpersonenstück in der Inszenierung von Olbrich ist der junge Schweizer Severin Mauchle. Der Regisseur greift vier biblisch inspirierte Episoden aus Mistero Buffo auf und aktualisiert sie durch aktuelle Bezüge. Dabei spielt die parodistische Kommentierung des Dargestellten durch einen als „Spielmann“ bezeichneten Person eine wichtige Rolle. Es beginnt mit der Erwartung der Auferstehung des Lazarus.

Regisseur Alexander Olbrich bringt das epische Theater mit Mistero Buffo nach Dortmund.
Regisseur Alexander Olbrich bringt das epische Theater mit Mistero Buffo nach Dortmund.

Musikalisch begleitet wird der Abend auf der Bühne musikalisch von der Maria Trautmann Band (Maria Trautmann Jazz-Posaune und Tom Hellenthal am Schlagzeug).

Da es insbesondere um episches Theater und einem selbstkritischen Umgang mit dem eigenen theatralen Anspruchsdenken geht, tritt der Regisseur, wie verraten wurde, als Teil der Inszenierung zu Beginn mit einem Epilog und dann noch einmal am Ende auf.

Die Aufführung dauert zirka anderthalb Stunden.

Karten für die Premiere am 17.02.2018 um 20:00 Uhr, am 18.02.2018 um 18:00 Uhr oder am 10.03.2018 um 20:00 Uhr sowie den 11.03.2018 um 18:00 Uhr unter Telefon: 0231/9822336 (AB) oder ticket@theaterimdepot.de