Was bleibt von der Privatsphäre?

Björn Gabriel und Stefanie Dellmann laden zur "Great democracy show" ein.
Björn Gabriel und Stefanie Dellmann laden zur „Great democracy show“ ein.

Mit der neuen Produktion „The great democracy show“ widmet sich das Theaterprojekt „Sir Gabriel Dellmann“ dem Thema Überwachungsstaat. Wie ist unsere Privatsphäre gefährdet? Gibt es so etwas wie Intimität noch oder was bleibt von unserer Individualität übrig? Die Premiere im Theater im Depot ist am 31.10.2014 um 20 Uhr.

Nach „Kampf des Negers und der Hunde“ sowie „Dantons Dilemma“ ist „The great Democracy show“ ein Stück, das frei ohne eine literarische Vorlage auskommt. Die Vorlage liefert die reale Welt, beziehungsweise die großen Skandale um den Whistleblower Snowden oder der NSA-Abhörskandal.
Für Regisseur Björn Gabriel steht die Frage im Mittelpunkt: „Wie nah sind wir bereits an einem totalitären Staat“. Doch die Diskussion über die digitale Weltordnung soll nicht nur kulturpessimistische Züge tragen. „Es gibt durchaus andere Positionen“, so Gabriel. Es soll auch unterhaltsam werden.

Die Handlung: Vier Schauspieler sind auf der Suche nach einem roten Faden. Denn der Regisseur ist verschwunden. Und ohne Regisseur keine Art von Auftraggeber, kein Ziel. Aber brauchen wir überhaupt einen Auftragsgeber? Jemand, der uns sagt, wo es lang geht? Einen modernen Heilsbringer?

Auf der Bühne passiert neben Video, Licht und Stimmung einiges. „Wir haben verschiedene Räume“, so Stefanie Dellmann, die für Bühne und Kostüm zuständig ist. „Die Zuschauer haben die Möglichkeit durch diese Räume geführt zu werden, sie müssen aber nicht.“

Da Stück wird neben der Premiere am 31.10. auch am 01.11. um 20Uhr sowie am 02.11. um 18 Uhr gespielt. Weitere Termine: 22.11. um 20 Uhr und 23.11. um 18 Uhr.

Ars tremonia sprach mit Stefanie Dellmann und Björn Gabriel: [youtuber youtube=’http://www.youtube.com/watch?v=3yiTLcv8OqI&list=UUjQThJ-Gy5GQYG6ODAMM6BA‘]




Wenn Gott Platten sammelt

Soso, Gott liebt Country-Musik. Zumindest der Gott aus „Blasphemie eines Irren“ von Franz Werfel, dargeboten von Carsten Bülow unter der Regie von Stefan Schroeder im Foyer des Theaters im Depot am 03. Oktober 2014. Gottes Lieblingscountrymusik ist Deutschsprachig. Genauer gesagt Musik von Truck Stop. Cowboy-Romantik und Trucker-Idylle an Autobahnraststätten mit Namen wie „Illertal Ost“ oder „Pratteln“.

Schroeder und Bülow mischen Werfels Text mit seinem Duktus von 1914 mit Diskussionen über Musik und Plattensammlung. Im ersten Teil, der verhältnismäßig lang ist, versucht der Gastgeber seine Besucher davon zu überzeugen, dass er Gott sei. „Ich bitte Sie inständig“, kann Gott nur sagen, denn Wunder gehen leider nicht, denn schließlich sind die Naturgesetze eine Art Polizei. Schließlich versucht er die Besucher zu überzeugen mit dem Argument: „Das Bekenntnis zu meinen Fehlern als Beweis zu nehmen, dass ich Gott bin“.

Wie erwähnt liebt Gott Musik. Er nennt sich Musiker, aber ohne selbst Musik zu komponieren oder zu spielen, „Ich bin Musiker auf eigene Art“. Dennoch hat er eine vollständige Sammlung sämtlicher Musikinstrumente“. Einen anderen Sammelfimmel hat unser Gott für Schallplatten. Er sammle nur Originalplatten und die am besten in der Ausführung „mint“.

Und wo bleibt die Blasphemie? Die kam ein wenig im zweiten Teil auf. „Ich hasse die Gerechten und liebe die Sünder“, ruft Gott aus und trinkt dazu einen oder mehrere Pharisäer. Hui, dass ist aber vielleicht für Menschen aus dem Jahre 1914 verstörend, heute gehört dieser Satz vermutlich zu den Standartsätzen moderner Theologen.

Blasphemisch waren vielleicht die Aussagen, Gott habe Vorgänger, Gott existiere von Kreuzestod zu Kreuzestod und das er Vorgesetzte habe, die wiederum Vorgesetzte habe usw. usw.

Werfels Text, 1914 kurz vor Ausbruch der großen Weltkatastrophe geschrieben, wirkt 2014 in seiner Sprache etwas altertümlich. Die Kombination mit modernen Einsprengseln über Musik und Plattensammlung sorgen zwar für etwas Komik, sorgen aber für Brüche in der Sprache.

Letztlich sorgt allein Bülow durch sein Schauspiel dafür, dass das Stück nicht in Belanglosigkeit zerfällt. Er spielt den Gastgeber, also Gott, mit außerordentlicher Langmütigkeit, schafft es durch gezielte Pausen, dass der Fokus weiter auf ihn gerichtet bleibt und ging auch ab und an durch die Reihen und sprach das Publikum direkt an.

Zu erleben ist das Ein-Personen-Stück noch am 06. November 2014 um 20 Uhr.




Ein Gott ohne Talent zum Singen

An einem ungewöhnlichen Ort wird das Stück „Blasphemie eines Irren“ am 03. Oktober und 06. November (jeweils um 20 Uhr) aufgeführt, nämlich im Foyer des Theaters im Depot. Das Ein-Personen-Stück von Franz Werfel wird von Schauspieler Carsten Bülow unter der Regie von Stefan Schroeder aufgeführt.

In dem Stück geht es um einen Mann, der offensichtlich an einem besonderen Ort lebt und sich für Gott hält, beziehungsweise die Besucher von dieser Tatsache überzeugen will. In dieser Rolle sieht sich Gott mit den Resultaten seiner Schöpfung konfrontiert und er not amused. „Es ist dumm gelaufen, wie er es erschaffen hat“, beschreibt Bülow die Stimmung Gottes. Jetzt wäre normalerweise der Punkt, das Theodizee-Problem anzusprechen, nach dem Motto Gott ist allmächtig, warum ist die Welt nicht perfekt. Doch in Werfels Geschichte ist Gott nicht allmächtig, sondern langmütig. „Verlangen sie von mir keine Wunder“, sagte er Erzähler einmal.

Bei all dem Frust über seine missratene Schöpfung, findet Gott Trost in der Musik. Aber auch hier warten die Einschränkungen. Er kann sehr schlecht singen. „Ich bin so wenig begabt“, gibt sich Gott doch sehr bescheiden. Ob das stimmt? Jeweils 40 Besucher haben die Chance, das herauszufinden.

Die Idee mit Musik zu arbeiten fügt etwas Neues an den Text von Werfel, der aus dem Jahre 1914 stammt. Die Verantwortungslosigkeit des Fin-de-siècle steht im Mittelpunkt. Hat der Text 100 Jahre später etwas an seiner Aktualität eingebüßt?




Ein musikalisches Märchen

Rada Radojcic als Titelheldin Rada. (Foto: © Maja Sternberg)
Rada Radojcic als Titelheldin Radda. (Foto: © Maja Sternberg)

Im 19. Jahrhundert entdeckten Künstler die „Zigeuner“ als romantische Projektion für Freiheit und antibürgerliche Lebensweise. Viktor Hugo präsentierte die stolze Esmeralda in „Der Glöckner von Notre Dame“, George Bizet vertonte die Geschichte der „Carmen“ und in Russland schrieb Maxim Gorki seine erste Erzählung „Makar Tschudra“. Hier spielt die Suche der Zigeunerin Radda nach Liebe und Zweisamkeit die zentrale Rolle. Radda und Carmen haben viele Gemeinsamkeiten, auch Raddas Leben endet tragisch.

Das Theater im Depot zeigt „Makar Tschudra. A Gypsy tale“ als musikalisches Märchen. Premiere ist am 12. September 2014 um 20 Uhr.

In der Parabel von Gorki erzählt ein alter Zigeuner, Makar Tschudra“ einem Schüler die Geschichte von Radda, die Liebe sucht. Doch die Liebe scheitert am Leben und das Leben scheitert an der Liebe. Ähnlich wie bei „Carmen“ zeigt die Geschichte Radda als quasi moderne Frau, die ihr (Liebes-)Schicksal selbst in die Hand nehmen möchte. Doch wie bei ihrer spanischen „Schwester“ endet es tragisch.

Das Stück wird eine Mischung zwischen Konzert, Tanz und Theater oder wie es Regisseur Jens Wachholz sagt: „Es ist ein großes musikalisches Theater“. Dabei war Wacholz wichtig, die Poesie des Stückes einzufangen. Auf eine vorgefertigte Dramaturgie wird verzichtet. „Wir wollen dem Zuschauer viele Freiheiten geben, über Bilder Zugang zu dem Stück zu bekommen“; so der Regisseur.

Drei Darsteller und ein Musiker bevölkern die Bühne. „Die Lieder, die wir singen und spielen sind traditionelle Roma-Lieder, die teilweise aus dem Film „Ein Zigeunerlager zieht in den Himmel“ aus dem Jahre 1976 stammen und teilweise haben wir die Lieder selbst recherchiert“, so Schauspielerin und Sängerin Rada Radojcic.

Mit dabei ist Dragan Mitrovic, der Akkordeon-Spieler hat langjährige Banderfahrung unter anderem mit „KAL“ oder aktuell den „Gipsy Pearls“. Hinzu kommen noch Miroslav Vukovic als Tänzer und Regisseur Jens Wachholz.

Das Stück wird am 12. und 13. September 2014 jeweils um 20 Uhr gespielt, dann am 20. September 2014 (ebenfalls 20 Uhr) im Rahmen des „Djelem Djelem“ Festivals und im Oktober am 18. (um 20 Uhr) und 19. Oktober (um 18 Uhr). Für alle Vorstellungen gibt es noch Karten.




Wenn die Wirklichkeit im Drehbuch steht

Spät, aber sie kommt: Die Rezension von „Container Love“, dem dem neuen Stück vom Theater glassbooth. Ars tremonia besuchte die zweite Vorstellung am 30. August im Theater im Depot und erlebte eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Big Brother“.

 

Was fasziniert Menschen, die sich „Big Brother“ im Fernsehen anschauen? Die nackte Haut, die unterschiedlichen Typen, die von vor hinein Konflikte provozieren (sollen)? Regisseur Jens Dornheim ging auf die Spurensuche und mit „Container Love“ präsentierte er mit seinem Ensemble das Ergebnis.

 

Gleich zu Beginn spielte das Stück mit der Frage nach Spiel und Wirklichkeit? Es wurden nämlich zwei Kandidaten aus dem Publikum gewählt. Wie immer in solchen Fällen, kann man dann eine Stecknadel fallen hören und Blicke sagen „Bloß nicht mich“. Endlich werden zwei Kandidaten gefunden. Spätestens nach der gemeinsamen Choreografie des „Jingles“ fällt jedem im Publikum auf, die beiden gehören auch zum Ensemble.

Das Stück spielt in einem „Theatercontainer“, der mit sechs unterschiedlichen Schauspielern gefüllt ist. So ist Marlon (Marlon Bösherz) ein Abgänger von der Ernst-Busch-Schauspielschule, voller Hoffnung hier ein gelungenes Debut zu feiern. Alex (Alexandra Schlösser) spielt die „Übermutter“, die alle liebhat, besonders gelungen spielt Dietmar Meinel seinen Charakter „Dietmar“ als einen schrägen Charakter, der deutliche Züge von Klaus Kinski trägt. Auch sehr gut kommt Dominik Hertrich als selbstgefälliger Schlagersänger „Der Böhmer“ rüber. Weitere Container-Insassen waren: Nora Bauckhorn als junge „Nora“, die auf ihren Durchbruch wartet, Tanja Brügger, die als „Tanja“ im Container mit Qualität überzeugen möchte sowie Timo Knop und Anabel Starosta als „zufällig“ gecastete Teilnehmer.

 

Die Aufgaben werden wie im Fernsehen von einer Stimme aus dem Off gestellt und haben mit Theater zu tun: Die Kandidaten sollen beispielsweise ein Stück über „Mord und Liebe“ zum besten geben. Dabei werden Themen wie Kindesmord oder Kindesmissbrauch szenisch dargestellt. Bei der letzten Aufgabe „Theater und Kunst“ werden noch einmal alle Register gezogen: Hier wird eine Szene dargestellt, wie sich der „normale“ Mensch auf der Straße das moderne Theater vorstellt. Menschen in merkwürdigen Klamotten rezitieren merkwürdige Texte und machen merkwürdige Dinge (z.B. wickeln sich in Frischhaltefolie ein) und ein kunstsinniger Regisseur bekommt ein Nervenzusammenbruch, weil ein Schauspieler an der falschen Stelle schreit.

 

Jens Dornheim hat sein Ensemble gut im Griff, alle spielen wunderbar ihre „gescripteten“ Rollen wie im Fernsehen, wunderbar war auch ihre kleine getanzte Choreografie. Doch was bleibt am Ende? Ist es so wie im Fernseh-Leben, dass man den Sieger der vierten Staffel von DSDS nach einem Tag sowieso wieder vergessen hat? Dornheim stellt die Unterhaltung in den Mittelpunkt, es gibt keinen erhobenen Zeigefinger, doch werden die Zuschauer danach die Formate wie „Big Brother“ mit anderen Augen sehen?

 

Nichtsdestotrotz ein Stück, das mit viel Lust am Spielen gemacht wurde und zu dem man Dornheim und Ensemble nur gratulieren kann.

 

Wer es verpasst hat, kann es in Dortmund im Theater im Depot am 25. September um 20 Uhr noch einmal erleben.




Schauspieler im Big-Brother-Container

Der erste "Theatercontainer" feiert seine Premiere in Dortmund im Theater im Depot. (Foto: © Theater im Depot)
Der erste „Theatercontainer“ feiert seine Premiere in Dortmund im Theater im Depot. (Foto: © Theater im Depot)

Die neunte Produktion von Theater glassbooth ist gleichzeitig das erste selbstverfasste Stück: „Container Love“. Container Love hat nichts mit dem gleichnamigen Song von Phillip Boa zu tun, sondern es geht um das Fernsehformat „Big Brother“, die mit dem aktuellen „Promi Big Brother“ einen erneuten Höhenflug in den Medien geschafft hat. Bei „Container Love“ sind es Schauspieler, die unter ständiger Beobachtung sind und Aufgaben lösen müssen. Am 29. September im Theater im Depot.

 

Acht Insassen im ersten „Theatercontainer“ der Welt. Darunter Figuren wie Tanja, die talentiert, aber erfolglos ist. Oder aber Marlon, der frisch von der Schauspielschule kommt und mit seiner Teilnahme Fuß fassen möchte. Aber es kann nur einen Sieger geben und natürlich müssen wie beim „richtigen“ Big Brother Aufgaben gelöst werden. Zu den Aufgaben verriet Regisseur Jens Dornheim: „Die Aufgaben, die die Schauspieler zu erfüllen haben, bilden die Genres ab. So fordert der unsichtbare Spielleiter mal ‚Schöpfe aus dem Vollen, bis die Leere dich erfüllt‘ oder handfester in einer Szene Liebe mit Mord zu verknüpfen.“

 

Sind die Zuschauer eigentlich Voyeure oder Entscheider, fragt das Stück, denn obwohl es Nominierungen und Votings gibt, bleibt unklar, was ist Wirklichkeit und was ist „scripted reality“, das heißt, steht der Ausgang vorher fest oder sind die angeblich spontanen Konflikte schon im Drehbuch enthalten?

 

Dornheim arbeitet nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. „Es geht uns auch um Unterhaltung“, betont er. „wir wollen kein zu verkopftes Theater machen.“ So können sich die Zuschauer auf skurrile Typen wie „Den Böhmer“ freuen, der Schlagersänger, Entertainer und Allroundkünstler ist, auf „Alex“, die Übermutter oder „Dietmar“, der leicht schräg ist und definitiv kein Menschenversteher ist.

 

Die Premiere ist am 29. August um 20 Uhr, weitere Vorstellungen sind am 30. August um 20 Uhr und 25. September um 20 Uhr. Für alle Vorstellungen sind noch Karten erhältlich.

 

Theather im Depot

Immermannstraße 29

44147 Dortmund




All you need is love

So heißt ein bekannter Song der Beatles. Mit ihrem neuen Projekt „Kein Stück über Liebe“ setzen sich 16 Ensemble-Mitglieder der junge Tanztheaterwerkstatt des Theaters im Depot unter der Regie von Cordula Hein und Katja Ahlers mit den Themen Liebe, Sex und Beziehungen auseinander. Wie verhält es sich damit bei ihrer Generation? Mit ihrem Stück gehen sie der Frage nach, ob es noch lohnt, sich auch heutzutage damit zu befassen. Dafür benutzten sie mit musikalischen, spielerisch-sprachlichen und tänzerischen Ausdrucksformen. Bei diesem Projekt machten 13 junge Frauen und drei junge Männer mit. Das besonders Interessante dabei, ein junge Akteurin der Aufführung im elektrischen Rollstuhl wird wie selbstverständlich mit in das Projekt einbezogen.

Zu Beginn sieht das Publikum das junge Ensemble in Dessous. Es ist noch nicht klar, wo die Reise hingeht und und was wirklich bei dem Thema für die jungen Menschen von Bedeutung ist. Das Stück zeigt gut die Verunsicherung einer Generation, die in einer sexualisierten, fast tabulosen Welt zurecht finden muss. Da ging es um Fragen wie: Wie spreche ich eine mir sympathische Person richtig an? Bin ich hübsch genug? Schreibt man noch Liebesbriefe? Ist Liebe nur eine romantische Illusion? Auch das Thema Eifersucht und unterschiedliche Bedürfnisse wurde gestreift. Musikalisch wurden bekannte „Kino-Liebespaare“ etwa aus „Dirty Dancing“, „Titanic“ oder „Romeo und Julia“ beleuchtet. Ein moderner „Rap“ zum Thema durfte für die Jugend natürlich auch nicht fehlen.

Neben guten gesanglichen Talent überzeugten die Akteur/innen vor allem bei den starken und sensiblen Tanzchoreografien von Choreografin Birgit Götz. Humor und Selbstironie kamen bei der Vorstellung nicht zu kurz. Ein gelungener Einfall war zum Beispiel der Perspektivenwechsel, wo die jungen Frauen mit aufgeklebten Bart und mit Schlips in die Rolle der Männer schlüpften. Diese wiederum kamen zum großen Vergnügen des Publikums mit je einem einem hochhackigen Damenschuh bekleidet auf die Bühne als „Frau“. Lustig auch die „vergeblichen Versuche“, den Kamasutra-Anweisungen folge zu leisten.

Natürlich wurden nicht nur die positiven Seite der Liebe und des Zusammenseins herausgestellt. Mit der Einleitung „Ich kann es nicht leiden, dass“ wurden die Verhaltensweisen des Partners kritisiert. Kleinere Risse entstehen in der Beziehung. Sind sie noch zu kitten?

Geben Ende wurden die vor der Aufführung vom Publikum ausgefüllten Statements zum Thema „Liebe ist….“ vorgelesenen. Das sich die Menschen zu jeder Zeit nach Nähe sehen und das es kein Leben ohne Liebe gibt, wird zum Schluss noch einmal von allen gemeinsam besungen. Eine starke Leistung des gesamten Ensembles.




Theaterwerkstatt präsentiert zwei Produktionen

Tja, was tun, wenn die Gäste ausbleiben? (Foto: © Barbara Müller)
Tja, was tun, wenn die Gäste ausbleiben? (Foto: © Barbara Müller)

Mit „Draußen nur Kännchen „ und „Identität: Pina“ zeigt die Theaterwerkstatt gegen Ende der Spielzeit zwei Premieren im Theater im Depot. Während „Draußen nur Kännchen“ ein bittersüßer Abend sein wird, geht es bei „Identität: Pina“ um das Thema der Identitätsbildung. Am 30. Mai um 20 Uhr hat „Draußen nur Kännchen“ Premiere, „Identität: Pina“ am 13. Juni um 20 Uhr.

 

Es gibt sie noch, die traditionellen Cafés, dessen Inneneinrichtung sich seit Jahrzehnten nicht verändert hat und die Kellnerinnen noch mit traditioneller weißer Schürze herumlaufen. Doch die Gäste bleiben aus, und so müssen sich die vier Damen die Zeit totschlagen. Dabei treten der Frust und die Hoffnungen zu Tage. Für manche ist der Job eine Endstation, eine andere träumt von einer Bühnenkarriere, eine weitere sieht die Gäste als Familienersatz. „Draußen nur Kännchen“ hat keine Vorlage, das Ensemble hat die Texte selbst geschrieben.dazu wird es Gesangs- und Tanzeinlagen geben.

 

Wer ist Pina? Das junge Ensemble (alle zwischen 17 und 23 Jahre) stellt die Frage der Identität in den Mittelpunkt. Das Besondere dabei, Pina tritt nicht auf, andere Personen reden über sie. Das Stück arbeitet auf zwei Ebenen, es gibt ein Theaterstück im Theater, ähnlich wie bei „Der nackte Wahnsinn“. Im Mittelpunkt steht die Frage, die vor allem für junge Menschen wichtig ist: Wie werde ich wahrgenommen? Eine reale Pina taucht nicht auf, sie wird in den Köpfen des Besuchers gebildet. Vermutlich wird jeder ein anderes Bild von Pina im Kopf haben. Auch hier hat das junge Ensemble das Stück selbst erarbeitet.

 

In beiden Stücken führt Barbara Müller Regie. Was auffällt ist, dass beide Stücke ausnahmslos von Frauen gespielt werden. Werden die Männer ausgegrenzt? Nein, bei der Theaterwerkstatt machen wesentlich mehr Frauen als Männer mit, erklärte Müller.

 

Termine für „Draußen nur Kännchen“: 30. Mai 2014 um 20 Uhr sowie 31. Mai 2014 um 20 Uhr.

 

Termine für „Identität: Pina“: 13. Juni um 20 Uhr sowie 14. Juni um 20 Uhr. Zusätzlich noch am 26. Juni um 20 Uhr, dann aber im Kinder- und Jugendtheater im Rahmen des 9. Dortmunder Schul- und Jugendtheaterfestivals.

Wie ist Pina? Alle können von einer anderen Facette ihrer Persönlichkeit berichten. (Foto: © Barbara Müller)
Wie ist Pina? Alle können von einer anderen Facette ihrer Persönlichkeit berichten. (Foto: © Barbara Müller)




Wieso mag Edda nicht?

Tja, Panik ist bei den Eltern von Edda ausgebrochen: Sie mag einfach das ihr vorgesetzte Essen nicht. Da geraten unsere fröhlichen Helikopter-Eltern ganz schnell ins Schwitzen. Nach der Premiere von „Edda mag nicht“ am 17. Mai im Theater im Depot ist klar: Das Stück nicht nur für Kinder ab 5 Jahren, sondern auch für Erwachsene. Oder mögen Sie wirklich jedes Lebensmittel?

Matthias Damberg und Birgit Götz spielten und tanzten nicht nur die Eltern, sondern traten auch als verschiedene Lebensmittel wie beispielsweise Möhren auf. Edda selbst war nur als großer Stoff-Schmollmund zu sehen. Die Schauspieler gaben ihm Ausdruckskraft, indem sie die Mundwinkel zum Beispiel bei Missfallen von Edda nach unten gezogen.
Es ist schon bemerkenswert, dass in diesen Zeiten bio, laktose- oder glutenfreien Lebensmittel auch noch Dinge wie Süßigkeiten oder Konserven ihren Platz haben. Es war absolut kein pädagogischer oder ökologischer Zeigefinder zu sehen. Dagegen punktete das Stück mit herrlicher Komik. Beispielsweise als man Edda chinesisches Essen schmackhaft machen wollte, mit schönen Essstäbchen und „Ni Hao“ parlierenden Eltern. Wer hier als Kind vor dieser Fröhlichkeit nicht flüchtet…
Dass auch Erwachsene manches Essen nicht möglichen, zeigte der Kochversuch mit Topinambur. Lustlos stocherte der Vater im essen, klar das auch Edda damit nicht überzeugt werden konnte.

Auch die Lebensmittel beklagten sich über ihr Los. Damberg und Götz als frustrierte Möhren waren ein absolutes Highlight. Auch als Kartoffel, Konserve oder Süßigkeit zeigten die beiden ihre Wandlungsfähigkeit.

Letztendlich half nur eines: Mal Edda fragen, was sie eigentlich gerne essen würde. Und wenn es nur ein ordinäres Butterbrot ist. Auch selber (mit)-kochen macht Freude!

Damberg und Götz feuerten unter der Regie von Cordula Hein ein fulminantes Feuerwerk an Gags ab, die nicht nur Kinder begeisterten, sondern auch Erwachsene, die sich bestimmt an ihre eigene Kindheit erinnern konnten.




Nein, das esse ich nicht!

Als Eltern am Tisch: Matthias Damberg und Birgit Götz.
Als Eltern am Tisch: Matthias Damberg und Birgit Götz.

Welche Eltern haben diesen Satz von ihren Kindern schon gehört? Ich nehme mal an, die meisten von ihnen. Was gestern noch mit Appetit gegessen wurde, wird heute verschmäht. Warum, wieso, weshalb? Das Tanztheaterstück „Edda mag nicht“, das am 17.Mai um 15.00 Uhr im Theater im Depot Premiere hat, will keine Antworten geben, aber Lust auf Lebensmittel machen.

„Es ist kein pädagogisches Lehrstück“, betonte Regisseurin Cordula Hein. „Wir wollen Kinder auf bestimmte Lebensmittel neugierig machen“, ergänzte Choreographin Birgit Götz. Denn Edda, die Titelheldin, ist extrem wählerisch geworden. die Möhren sind ihr zu orange und die Erbsen zu rund. Ständig nörgelt sie über das Essen und niemand kann es ihr Recht machen.

Das Stück wird aus zwei Perspektiven erzählt: Zum einen aus der Sicht der Eltern, die Angst um ihre Tochter haben und ständig neue und exotischere Lebensmittel ausprobieren. Zum anderen aus der Sicht der Lebensmittel, die frustriert im Kühlschrank vor sich hin warten,weil Edda sie nicht mehr essen mag.

In „Edda mag nicht“ geht es nicht vordergründig um den Gegensatz zwischen „gesunden“ und „ungesunden“ Lebensmittel und auch nicht darum, dass man alles mögen muss. Denn Hand auf Herz: Auch für Erwachsene gibt es Lebensmittel, die sie nicht mögen und die daher nicht auf den Tisch kommen.

Daher ist „Edda mag nicht“ kein reines Kinderstück, sondern ebenso geeignet für die Eltern. Das Stück ist für Kinder ab fünf Jahre.

Wer die Premiere leider verpasst: Es ist geplant, das Stück im September wieder aufzunehmen.