Lesung mit bekannten Stimmen

Als Kooperation mit dem Theater im Depot wurde von „Affen.Auf.Ruhr“ die Prima Vista Lesung der Lauscherlounge mit zwei bekannten Synchronsprechern am 26. März 2015 wieder mal nach Dortmund gebracht. Oliver Rohrbeck, etwa als Synchronstimme von Ben Stiller und Detlef Bierstedt, vielen Menschen als deutsche Stimme für George Clooney vertraut, lasen aus Texten und Büchern, ausgesucht vom vorwiegend jüngere Publikum im ausverkauften Haus.

Das Konzept der Prima Vista Lesung ist ja gerade, dass die beiden Sprecher ohne Vorbereitung alles lesen, was die Zuhörer ihnen anbieten. Ob es sich um Wunschzettel, Klatschpresse oder zeitlose Klassiker ist egal. Dabei bringen sie ihren speziellen Humor, Persönlichkeit ein und werfen sich gekonnt gegenseitig die Bälle zu. Interessant an einer solchen Lesung ist sicherlich, dass die Zuhörer, wenn sie die Augen schließen, tatsächlich ein wenig das Gefühl haben, Ben Stiller oder George Clooney lesen ihnen etwas vor.

Ein gewisses Risiko besteht jedoch darin, dass trotz aller Bemühungen der Sprecher bei der Auswahl der Texte manchmal das Niveau in Richtung Altherrenwitze geht. Begann der Abend noch hoch philosophisch mit einem Textauszug aus Milan Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, wurden auch die unergründlichen Tiefen der Literatur ausgelotet. Das müssen Publikum und vor allen die beiden Künstler vorne aushalten. Denn seien wir ehrlich, ein müder alter Witz, den sich schon die Ägypter beim Pyramidenbau erzählt haben, bleibt ein müder alter Witz, auch wenn ihn George Clooney erzählt. Und mancher Gag funktioniert vielleicht eher, wenn er als Sketch gespielt wird. Beispielsweise der langatmige „Witz“ mit der Politesse gegen Ende der Vorstellung. Hier wäre das Vorlesen des Telefonbuches von Wanne-Eickel lustiger gewesen. Glücklicherweise waren nicht alle Texte grottig. Höhepunkte waren „Der Fönig“ von Walter Moers und „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ von Werner Holzwarth.

Aber das ist eben das angesprochene Risiko bei so einem Abend. Natürlich war auch ein Text darunter, der mit seinen vielen Zungenbrechern eine Herausforderung darstellte. Oliver Rohrbeck hatte es getroffen und er musste den Text über den „Schneesee“ lesen, der in dem schönen Wort „Schneeseekleerehfeedrehzehwehvergehtee“ gipfelte. Den Text meisterte Rohrbeck souverän. Ebenso wechselten Rohrbeck und Bierstedt gekonnt ihre Sprache in die verschiedenen Dialekte wie Berlinerisch oder Schweizerdeutsch.

Insgesamt hatten an diesem Abend alle Beteiligten ihren Spaß, das Publikum und die beiden Synchronsprecher.




Kein Programm für Liegendkranke

Im Jahr 2014 war der Autor, Rolf Dennemann, in sechs verschiedenen Krankenhäusern zu Gast – als Patient und als Beobachter. Es zeigte sich das ganze Dilemma des „Systems Krankenhaus“. Er schildert zusammen mit seinem Gast Elisabeth Pleß ebenso tragische wie komische Momente und nennt dies Krankenhausreport. Die Premiere von „UNTERWEGS MIT MEINEM KÖRPER – DER KRANKENHAUSREPORT“ ist am 25. März 2015 im Theater im Depot. Ars tremonia sprach mit Rolf Dennemann.

Ars tremonia: „Unterwegs mit meinem Körper“ klingt ja ein wenig distanziert, als wenn der Körper getrennt vom Ich ist.

Dennemann: Es war für mich noch nie ein Problem, über mich in der dritten Person zu sprechen. Dann gibt es die Weisheit, dass man nur über etwas mit einem gewissen Abstand schreiben soll. Liebesgedichte ihm Wahn der Liebe zu schreiben, das ist ganz schlecht. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen.

Ars tremonia: Sie haben im Laufe der Zeit verschiedene Krankenhäuser besucht. Waren Sie als Patient oder Besucher dort?

Dennemann: Man kann es ruhig sagen, der Hauptgrund war Rheuma,. Genauer gesagt, um Herauszufinden, was es für eine Art Rheuma ist. Da war ich in dieser Zeit innerhalb von einem halben Jahr aus unterschiedlichen Gründen in sechs verschiedenen Kliniken. Schon beim ersten Besuch habe ich gedacht, wie vertreibe ich hier meine Zeit? Ich vertreibe sie nicht, sondern verbringe sie damit, mir Notizen zu machen, von dem, was ich hier so sehe und erlebe. Später habe ich mir gedacht, daraus ein Programm zu machen.

Ars tremonia: Was ist ihnen am Betrieb der sechs Krankenhäuser aufgefallen? Gibt es irgendwelche Gemeinsamkeiten?

Dennemann: Ich weiß aus Schilderungen meines Vaters und meinem Krankenhausaufenthalt in den 70ern: Es hat sich nichts verändert. Die Technik ist auf einem höheren Stand, die Ärzte sind komplizierter, die Vorgänge umfangreicher, aber das Prinzip, dass man sich einer Anstalt annähern muss, um zu überleben, ist das Gleiche. Das heißt, die Essenszeiten sind für einen Südeuropäer eine Katastrophe, wenn der um 17 Uhr das letzte Essen kriegt, sitzt der um 20 Uhr auf der Bettkante und wartet auf den Stockfisch, aber es kommt nichts.

Organisatorische Abläufe sind ebenfalls gleich geblieben. Im ersten Viertel des Tages finden die Aktivitäten statt und der Rest ist Dasein. Und wenn man das Pech hat in einer Dreierkabine zu liegen, auch noch das unvorbereitete Miteinander mit Menschen die man nicht kennt und deren Leiden. Alles noch so wie vor Jahrzehnten.

Ars tremonia: Was erwartete den Zuschauer am Mittwoch? Wird auch eine Krankenhausatmosphäre verströmt?

Dennemann: Das wird ganz simpel. Zwei Leute auf der Bühne, die ihre Texte lesen. Mit Unterstützung modernster Technik, nämlich Video und Computer. Das ganze ist kein lockeres Kabarettprogramm, sondern ist sozusagen durch-komponiert. Deshalb machen das auch zwei Schauspieler und nicht zwei Schriftsteller. Es sind Reportagen aus verschiedenen Häusern unter Einstreuung von Wahnvorstellungen.

Ars tremonia: Es hat also einen roten Faden.

Dennemann: Der rote Faden ist quasi ein Abschnitt von mehreren Monaten und im Hintergrund steht eigentlich immer der Gedanke: Eigentlich bin ich ja im Urlaub. Man weist sich ein, hat ein Köfferchen dabei und steht an der Rezeption. Dann wartet man auf die Nennung des Zimmers, wo man für die Dauer des Aufenthalts untergebracht ist. Bis dahin ist alles Urlaub.

Dann kommt der Zimmerservice und der sieht ganz anders aus als erwartet.

Ars tremonia: Ist das Essen denn vergleichbar mit den „All inclusive“-Hotels?

Dennemann: Ich habe noch nie Urlaub „All inclusive“ gebucht. Von daher weiß ich nicht, wie das Essen in diesen Masseneinrichtungen ist. Das Essen in Krankenhäusern hat sich mit Ausnahmen auch nicht verändert. Das ist ein Hauptthema des ganzen Stückes, weil mich das beschäftigt. Was soll man machen in einem Krankenhaus, wenn man noch Herr seiner Sinne ist? Man wartet auf das Essen.

Das Frühstück und das Abendbrot ist unverändert geblieben. In einem Krankenhaus war jedes Stück Käsescheibchen einzeln eingepackt. Aus Hygienegründen. Und die Käsescheiben sind aus diesem Presskäse. Das ist wie im Hotel. Da hat sich nichts verändert. Beim Mittagsessen war ich hoch überrascht. Da gab es doch einige kulinarische Leckereien. Der Nachtisch hingegen war so wie früher.




Stürmisches mit ohne Shakespeare

Nach der preisgekrönten Produktion „Peng!“ präsentierte die Theaterwerkstatt Westfalenkolleg ihr neuestes Werk „Der Sturm“. Ars tremonia war in der zweiten Vorstellung im Theater im Depot dabei. Es tanzten und spielten: Elikem Anyigba, Emilie Bieche, Sinan Burma, Jennifer Henke, Laura Gebauer, Mathis Pollmann, Sandy Schmidt, Marjorie Willer und Muazzez Yilmaz

Vergessen Sie bitte alles, was Sie von Shakespeare über den „Sturm“ kennen oder zu kennen glauben. Halt, vielleicht doch nicht alles. Ariel existiert und aus Prospero wurde eine herrlich böse Prospera. Selbstverständlich gibt es auch Gestrandete. Die Hauptfiguren sind also erhalten geblieben, aber ansonsten wurde den beteiligten Studierenden viel Platz zum Entwickeln eigener Ideen gelassen, den sie auszunutzen wussten. Denn im Prinzip geht das Stück darum, wie reagiert eine Gruppe von Menschen, die ohne Mobiltelefone (das einzige wurde sehr schnell über die Klippe geworfen) und andere zivilisatorische Annehmlichkeiten auf die Basis des Daseins zurückgeworfen wird.

Dabei ist das Stück keine „Robinsonade“, der Zuschauer hat viel eher das Gefühl einer sehr frühen Folge von „Lost“ zuzuschauen. Gruppendynamiken entstehen, einzelne Personen leben ihren Frust oder ihre Depressionen aus, es gibt Ängste und Gefahren (ja, Prospera kann wie ihr Shakespearesches Vorbild Menschen in den Schlaf versetzen), aber auch gemeinsame Freude und Tanz (Choreografien von Birgit Götz). Nur das Ende des etwa einstündigen Stückes kommt ein wenig abrupt und wie ein Rausschmiss daher. Denn wenn Ariel (im Original Prospero) in seinem Monolog erklärt, „unsre Spiele sind nun zu Ende. Diese unsere Schauspieler, wie ich euch vorhin sagte, sind alle Geister“ ist kurz darauf Schluss.

Doch vorher war es ein buntes Treiben mit überaus witzigen Szenen und skurrilen Figuren wie den Pauschalurlauber, der auf der Suche nach einem Urlaubsort mit vielen weiblichen Kontaktmöglichkeiten war über die Deprimierte, die sich liebend gerne von der 600 Meter hohen Klippe stürzen würde bis hin zur Frustrierten, der die ganze Situation ankotzt: „Ich sitze hier seit Stunden, seit Tagen, seit Wochen und schau mir den Bockmist an, den ihr mir serviert“.

Eine weitere Besonderheit der Produktion ist die Rolle der Prospera. Die Schauspielerin sitzt im Rollstuhl und trägt Fächer sowie eine Perücke mit Federn. Sie spielt eine missgünstige Prospera, die Menschen durch den Sturm zu sich auf die Insel holt, um Gesellschaft zu haben, der aber schnell langweilig wird.

Das Bühnenbild war spartanisch, aber effektiv. Eine Erhebung, auf der „Klippe“ geschrieben stand, ein Aquarium mit etwas Sand und ein Berg mit Liegestühlen, auf dem zunächst Ariel mit Schlagstöcken den Sturm entstehen lässt. Danach werden die Liegestühle als Requisite benutzt, beispielsweise in einer späteren Szene, in der deutlich wird, dass Liegestühle mit der Dauer auch unbequem werden können.

Im „Sturm“ gab es neben Tanz auch Musik, entweder über Lautsprecher oder aber gesungen wie „Ein Schiff wird kommen“ oder „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“.

Insgesamt war es ein kleines vergnügliches Stück über das Leben im Offline-Modus, das vom Publikum begeistert gefeiert wurde. Ähnlich wie „Peng!“ hatte es eine hohe Qualität und die Darsteller brachten sehr viel Spielfreude mit. Es gibt noch zwei Schulvorstellungen im Theater im Depot und zwar am 23.04.2015 um 12 Uhr und am 30.04.2015 um 12 Uhr (Eintritt: 5 € / 3 € für Schulklassen und Gruppen). Es bleibt sehr zu wünschen, dass es für dieses sehenswerte Stück noch weitere Termine gibt. Der Besuch ist einfach empfehlenswert.




Unheimliche Begegnung in der U-Bahn-Station

Die Geschichte in Markus Veiths Kammerspiel für zwei Personen „Die Erste Bahn“ hat schon etwas bizarr-surreales wie aus einem Sciencefiction Film. Ars tremonia war bei der Aufführung im Theater im Depot am 07. März 2015 dabei.

„Ach, und könnte ich doch
Nur ein einziges Mal
Die Uhren rückwärts drehen.“ (Kein Zurück, Wolfsheim)

Es gibt keinen Weg zurück in die Vergangenheit. Normalerweise. Außer im Kosmos des Sciencefiction. Dort kann der „Terminator“ oder Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ die Vergangenheit beeinflussen. Doch leider steht dem das sogenannte „Großvater-Paradoxon“ gegenüber. Wenn man hundert Jahre zurückreisen und dann seinen Großvater töten würde, um seine Existenz auszulöschen, bliebe die Frage, wie kann etwas, dass nie existiert hat, eine Zeitreise machen? Doch das ist die wissenschaftliche Wirklichkeit. Laut Heiner Müller soll ja Kunst (und dazu gehört auch das Theater) die Wirklichkeit unmöglich machen. Betrachten wir diese Geschichte also aus künstlerischer Sicht.

Kai , ein junger Mann sitzt etwa um das Jahr 2002 mit billigem Fusel frustriert auf einer rostigen U-Bahn Bank. Er hat die letzte Fahrt verpasst und muss nun ein paar Stunden an der vermüllten U.Bahn-Station überbrücken. Die erste Bahn fährt erst wieder um 5 Uhr morgens.

Zu ihm gesellt sich eine Frau mit Namen Helen im roten Lackmantel, die sich krampfhaft an ihrer großen Tasche festhält und sich seltsam verhält. Plötzlich zückt sie eine Waffe und erklärt, sie sei seine Tochter und komme aus der Zeit Ende der 30-iger Jahre dieses Jahrtausends und sei seine Tochter. Sie hat den Auftrag, ihn im Dienst der Zeitreisen-Forschung zu eliminieren. Wie das Publikum erfährt, will sie aber vor allem ihre verkorkste Existenz nicht nur beenden,, sondern durch seinen Tod komplett auslöschen. Kai reagiert zunächst mit ungläubiger Ironie. Helen verblüfft ihn jedoch mit genauen Kenntnissen seines nicht geraden Lebenslaufes.

Helen erzählt den erfreuten Kai, dass sein großer Wunsch, einen Bestseller mit dem Roman „Midas“ zunächst in Erfüllung gegangen ist. Dieses Buch voller Gewalt und Obszönität bleibt sein einziger internationaler Erfolg mit traurigen Folgen. Viele junge Menschen haben sich nach dem Lesen dieses Romans die beschrieben Gewaltexzesse als Vorbild genommen, erst danach kam es auf die „schwarze Liste“. Hier begibt sich Autor Markus Veith in eine ziemlich kontroverse Debatte über „fiktionale Gewalt“. Schon zu Beginn ist ein kleiner Ausschnitt aus „Helter Skelter“ von den Beatles zu hören und im Stück sagt Helen dazu, dass dieses Lied Charles Manson zu seinen Morden angestiftet hätte. Schön und gut, würde dies bedeuten, dass auch „Helter Skelter“ auf eine Schwarze Liste gehört? Was wäre dann mit den „heiligen Büchern“, auf die sich so viele Täter bei ihren Morden und anderen Untaten berufen?

Helen spielt eine ähnliche Rolle, die früher in den griechischen Tragödien dem Orakel vorbehalten war. Sie weiß über die Zukunft und informiert den unfreiwilligen Fragesteller. Ob Kai nun mit diesem Wissen, seine und damit Helens Zukunft beeinflusst, bleibt offen. Denn das bleibt die Frage: Ist meine Zukunft determiniert oder kann ich durch meinen freien Willen die Zukunft selber gestalten?

Das Spiel zwischen Sandra Wickenburg als Helen und Lars Lienen als Kai nimmt im Laufe des Abend deutlich an fahrt und Intensität zu. Lienen mimt den locker, oberflächlich coolen und abgeklärten Kai mit Spielwitz, bis zu Ende hin die Fassade bröckelt.

Wickenburg spielt den gebrochenen , sensiblen und am Anfang etwas unsicheren Typ der Helen mit all ihren kleinen Aggressions-Ausbrüchen eindringlich und glaubhaft.

Ein unterhaltsamer zugleich aber auch nachdenklicher Theaterabend.

Am Sonntag, den 29.03.2015 ist um 18 Uhr noch einmal Gelegenheit, sich dieses interessante Schauspiel anzusehen.

[fruitful_dbox]Das schreiben die anderen:

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Theatergruppe Sir Gabriel Dellmann gewinnt den Petra-Meurer Theaterpreis 2015

Die Gewinner des Petra-Meurer Theaterpreises 2015: "Sir Gabriel Dellmann). Nicht mit dabei ist Mitgründer Björn Gabriel.
Die Gewinner des Petra-Meurer Theaterpreises 2015: „Sir Gabriel Dellmann). Nicht auf den Foto ist Mitgründer Björn Gabriel.

Ein großer Erfolg für „Sir Gabriel Dellmann“. Der mit 1000 € dotierte Hauptpreis geht an das junge Dortmunder Theaterprojekt. Treibende Kräfte sind hauptsächlich die Bühnenbildnerin Stefanie Dellmann und den Schauspieler Björn Gabriel, der am Dortmunder Schauspielhaus tätig ist. Sir Gabriel Dellmann wurde für das Stück „The Great Democracy Show“ ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am Samstag, dem 28. Februar 2015 im Theater im Depot statt. Die Hauptunterstützer des Petra-Meurer Theaterpreises und der Petra-Meurer Theatertage ist die DEW21, die TU Dortmund und das Theater im Depot.

Insgesamt wurden beim Petra-Meurer Theaterpreis 2015 sechs Preise vergeben. Neben dem Hauptpreis gab es zwei Sonderpreise und drei Förderpreise. Die beiden Hauptpreise zu je 500 € gingen an die Gruppe „Toboso“ aus Essen für ihr Live-Hörspiel „Der kleine Wassermann“ und an „Glassbooth“ für „Container Love“.

Das Ensemble „bzw.beziehungsweise“ bestehend aus den Theaterwissenschaftsstudenten Susanne Goldmann und Mattias Engling erhielt für ihr Jugendstück „Ausgang Freiheit“ den mit 300 € dotierten Förderpreis. Ebenfalls zu den Förderpreis-Gewinnern gehörte die Theaterwerkstatt Westfalenkolleg aus Dortmund unter der Leitung von Mechtild Janßen und Klaus Pfeiffer für das dadaistische Stück „Peng!“. Der dritte Förderpreisträger hatte noch keinen Namen, die Gruppe um Schauspielerin Paula Gendrisch wurde für ihr Werk „Mikropolis“ ausgezeichnet, in dem digitale Medien, Musik und Tanz integriert wurden.

Die Musik in „Mikropolis“ kommt von der Band „Freedes“ aus Bochum, die auch das musikalische Rahmenprogramm der Preisverleihung gestaltete. Durch die Veranstaltung führte Rainer Holl von der TU Dortmund.

Über drei der ausgezeichneten Theaterstücke hatte Ars tremonia schon berichtet. Mit Björn Gabriel und Sabine Dellmann haben wir im Vorfeld der „Great Democracy ein Interview geführt. Auf Youtube ist es zu sehen.

Der Premierenbericht zu „Peng!“ der Theaterwerkstatt Westfalenkolleg: https://ars-tremonia.de/mit-fado-in-den-untergang/

Die Rezension zu „Container Love“ von „Glassbooth“: https://ars-tremonia.de/wenn-die-wirklichkeit-im-drehbuch-steht/

 




Besuch aus der Zukunft

Lars Lienen (Kai) trifft seine Tochter Helen (Sandra Wickenburg) in der U-Bahn-Station. (Foto: © Theater im Depot)
Lars Lienen (Kai) trifft seine Tochter Helen (Sandra Wickenburg) in der U-Bahn-Station. (Foto: © Theater im Depot)

Skurrile Geschichte: Da verpasst Kai die letzte Bahn, muss also stundenlang in einer U-Bahn-Station ausharren, als er plötzlich Besuch bekommt. Es ist seine Tochter Helen. Aus der Zukunft. Mit dem Ziel, ihn zu töten und damit ihre Existenz auszulöschen. Doch aus einem geplanten Mord wird eine höchst ungewöhnliche Vater-Tochter-Geschichte, die im Stück „Die erste Bahn“ von Markus Veith erzählt wird. Es spielen Sandra Wickenburg und Lars Lienen. Premiere ist am 20. Februar 2015 im Theater im Depot.

Zeitreisen sind ein beliebtes Sujet in der Sciencefiction-Literatur und auch im Film wie beispielsweise beim „Terminator“ und bei „Zurück in die Zukunft“. Lassen wir das Zeitparadoxon auch „Großvaterparadoxon“ genannt mal außen vor, geht es bei „Die erste Bahn“ eher darum, dass jemand der Spiegel vorgehalten wird. Nach dem Motto: Schau mal, so wirst du in der Zukunft sein. Und das scheint nicht gerade das positivste Erscheinungsbild zu sein.

Wie geht die Geschichte weiter? In der ersten Bahn soll Kai die künftige Mutter von Helen kennenlernen. Aber im Verlauf des Stückes kommt Helen der Verdacht, dass sie vielleicht schon gezeugt wurde und daher zu spät kommt.

Neben der Premiere am 20. Februar um 20 Uhr wird das Stück noch am 07. März (20 Uhr) und am 29. März (18 Uhr) gezeigt.




Getanzte Reminiszenz am Oskar Schlemmer

Das Theater der Klänge präsentierte am 07. und 08. Februar 2015 im Theater im Depot eine Neuinterpretation des „triadischen Balletts“ von Oskar Schlemmer unter dem Titel „Trias“. Angelehnt an die 20er Jahre und der Bauhaus-Schule gelangen den Künstlern eine ästhetische Rückkehr in die Zeit der Weimarer Republik, wobei sie das Ballett leicht modernisierten, aber ohne die Wurzeln zu zerstören.

Die Zahl Drei spielt eine große Rolle im Ballett von Oskar Schlemmer (1888-1943). Für den Maler, Bildhauer und Bühnenbilder symbolisierte die „Drei“ die Überwindung der egoistischen „Eins“ und der dualistischen „Zwei“ zur kollektiven „Drei“. Daher gibt es drei Farben (Rot, Gelb, Blau) drei Formen (Kegel, Zylinder, Kugel) oder auch die Einheit von Tanz, Musik und Kostüm. Darüber hinaus hat das triadische Ballett drei Akte (Gelb, Rosa und Schwarz).

Die Kostüme, die Caterina Di Fiore für Trias entworfen hat, sind den Originalkostümen sehr ähnlich. Beeindruckend waren vor allem die Scheibentänzer, die wie Wachsoldaten bei einem Wachwechsel agierten. Der Flair der 20er Jahre war bei den Kostümen deutlich zu spüren.

Neu war auch die Musik. Entwickelt hat sie Thomas Wansing. Auch hier tauchten Elemente der 20er Jahre auf, die an Swing und andere Jazzmusik aus dieser Zeit erinnerten, aber es gab auch moderne Klänge zu hören. Wansing spielte seine Musik live am Klavier begleitet von Beate Wolff am Cello und Oliver Eltinger am Schlagzeug.

Kai Bettermann war nicht nur Tänzer, sondern er gab auch den launigen Conferencier zu Beginn, der das Publikum mit ein paar Anekdoten aus der Geschichte des Balletts unterhielt. Daneben war er auch eine Art „Pausen-Clown“, der zwischen den Akten auftrat.

Die Haupttänzer waren Phaedra Pisimisi, Darwin Diaz und Elisa Marschall. Sie tanzten nach der Choreografie von Jacqueline Fischer, die sich Schlemmers Erbe mit behutsamer Hand genähert hat.

Kein Wunder, dass beide Abende schnell ausverkauft haben. Zu Recht: Die Zuschauer waren restlos begeistert von der Vorführung. Es ist ein Unglück, dass dieser Weg der klassischen Moderne im Ballett wie so vieles künstlerisch Aufregendes 1933 zwangsweise beendet wurde.




Da schlägt’s Zwölf

Es gibt 12 Geschworene, 12 Apostel, der Tag hat zwei mal 12 Stunden, das Jahr 12 Monate und im Dutzend ist alles billiger. Im „Theater im Depot“ beschäftigten sich unter der choreographischen Leitung von Birgit Götz sechzehn Tänzerinnen und ein Tänzer in dem Stück „Ein Dutzend Ich“ (Tanztheater).mit dieser besonderen Zahl.

Doch auch ein Mensch kann dutzende verschiedene Rollen spielen: Zum Beispiel als Mutter, Schwester, Kind, Arbeitskollege oder Nachbar.

Mit kleinen Statements, schönen Choreografien und fein abgestimmter musikalischer Untermalung setzte sich die Gruppe humorvoll nachdenklich mit der Thematik auseinander.

Hilfreich und anschaulich war dabei, dass für jeden der Tänzer/innen ein “Würfel“ mit Zahl, Buchstaben und seinem jeweiligen Konterfei sowie verschiedene Utensilien in die Choreografie eingearbeitet wurde. Sie konnten spielerisch mit den „Würfeln“ ihre Identität zeigen und „auswechseln“. Optisch sehr lustig wurde es , als die Tänzer/innen vor den Augen des Publikums sich irgendwie zwölf Strümpfe, zwölf Kleider u.s.w. über zu ziehen.

Eindrucksvoll verwoben und verschwammen später die die Gesichter der verschiedenen Personen mittels einer Videoprojektion an der Wand. Jeder wurde visuell ein Teil der Anderen in der Gruppe und blieb doch zugleich ein Individuum.




…und ’ne Buddel voll Rum

Nur 44 Jahre alt wurde der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson. Er schuf eine Vielzahl von Romanen und Erzählungen, von denen wohl neben „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ „Die Schatzinsel“ die bekannteste ist. Am 01.02.2015 las der Schauspieler André Wülfing im Theater im Depot die spannende und mehrfach verfilmte Abenteuergeschichte. Auch Ars tremonia schiffte sich auf die „Hispaniola“ ein.

Wer eine klassische Lesung erwartet hatte, bei der jemand aus einem Buch vorliest und die Zuhörer sitzen im Zuschauerraum und lauschen gespannt, der hatte sich getäuscht. Wülfing bat vor allem die Kinder (die Lesung war für Personen ab 8 Jahre) auf die Bühne. Neben acht Stühlen gab es auch die Möglichkeit auf Sitzkissen direkt vor dem Schauspieler zu sitzen. Wülfing brauchte natürlich kein Buch. Dafür benutzte er vielerlei Requisiten. Er stellte Personen aus Seilstücken dar oder er bastelte aus drei Streichhölzern und der Verpackung den Dreimaster „Hispaniola“. Wülfing hatte zunächst ein Tuch um den Kopf gewickelt, später trug er noch eine Uniformjacke.

Das Licht wurde ebenfalls effektvoll eingesetzt, um Tag und Nacht zu unterscheiden.

Wülfing schaffte es mit Leichtigkeit, dass nicht nur die Kinder an seinen Lippen hingen und der Geschichte um Jim Hawkins, Long John Silver und dem legendären Piratenschatzes folgten.




Von Glückspilzen und Hans im Glück

Die Suche nach dem Glück – nicht nur Herr Rossi aus der bekannten italienischen Zeichentrickserie ist ihm auf der Spur, auch 17 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren vom Jugendtanztheaer im Depot Dortmund, wollen das Glück beim Schopfe fassen. Am 17. Januar 2015 war im Theater im Depot Premiere des Stückes „Glücks_Bringer“.

Das Streben nach Glück ist anscheinend allen Generationen eigen. 2013 präsentierte das Seniorentanztheater im Schauspielhaus die Produktion „glücklich?!“ und stellte die Frage in den Raum, was Glück sei, ob man es erreicht habe und wie man mit Enttäuschungen und Hoffnungen umgegangen ist. Nun sind Jugendliche an der Reihe. Beiden Produktionen gemeinsam ist die Kombination von Spielszenen und Tanzeinlagen. Manchmal zu zweit, aber vielfach gemeinsam gingen alle Tänzerinnen und Tänzer (besser gesagt einer) auf die Suche nach dem Glück.

Das Glück beim Schopfe packen. Wissen Sie, woher das Sprichwort kommt? Von Kairos, dem Gott der günstigen Gelegenheit. Vorne hat er einen riesigen Schopf, den man packen sollte, denn hinten ist er kahl. Wer den richtigen Zeitpunkt verpasst, der hat Gech gehabt.

Wobei Glück und Pech auch unterschiedliche Bedeutungen haben können. In einer Mathearbeit eine 1- zu bekommen, kann für den einen Pech bedeuten, während für den anderen eine 4+ schon ein Glücksgefühl auslöst.

Es kommt letztendlich auf die Perspektive an. Ob es Pech ist, wenn man den Bus verpasst und mit dem nächsten fahren muss mit der Folge, dass man zu spät kommt, aber vielleicht sein Traummann/seine Traumfrau trifft?

Sehr viel Mühe und Liebe haben die Jugendlichen in die Umsetzung des Grimmschen Schwanks „Hans im Glück“ gesetzt. Hans tauscht seinen Lohn gegen immer wertlosere Sachen ein, bis er gar nichts mehr hat. Vielleicht hat ja Ludwig Marcuse Recht, wenn er sagt: „Vieles kann einen glücklich machen; aber kein Gut macht einen glücklich in jeder Beziehung.“

Neben den Darstellerinnen und dem Darsteller haben auch Birgit Götz für die Choreografie und Katja Ahlers für die Regie Lob verdient.

Wer das Stück gerne sehen möchte, kann dies am 01. Februar um 15 Uhr im Big Tipi am Fredenbaum tun.