Amüsanter Ruhrgebietsroman als Theaterstück im Schauspiel Dortmund

Seine Uraufführung
im Schauspiel Dortmund hat am Samstag, den 16.02.2019 um 19:30 Uhr
„Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ nach dem
gleichnamigen Roman der in Essen geborenen Autorin Anna Basener.
Regie führt die vor allem als Kabarettistin bekannte Gerburg Jahnke
(Missfits, Ladies Night). Für„Omma“ wurde Anna Basener im
letzten Jahr mit dem Pulitzer Preis (nicht der Amerikanische) in der
neuen Sparte Roman für den amüsantesten deutschsprachigen Roman
ausgezeichnet. Auch Jahnke begeisterte das Buch sofort.

Im Mittelpunkt des
als Theaterstück gekürzten Stoffes stehen vor allem drei starke
Frauen. Zum einen ist da die Ruhrpottikone und ehemalige
Wirtschafterin in einem Essener Puff, genannt „Omma“ (Anke
Zillich), die nach dem mysteriösen plötzlichen Tod der ehemaligen
Hure und Vertrauten Mitzi (Friederike Tiefenbacher) fluchtartig alle
Zelte in Essen abbricht und bei ihrer entsetzten Tochter Bianca
(Caroline Hanke), einer bis jetzt noch erfolglosen Designerin von
Damenschlüpfern, im hippen Berlin-Kreuzberg auftaucht. Diese ist
nicht nur auf der Suche nach ihrer Bestimmung, sondern auch im
Dauerclinch mit ihrer Mitbewohnerin Louise (Luise Kinner).

Diese ist nämlich
über-korrekt. Als dann noch der junge Polizeikommissar Nils (Jens
Kipper) dort auftaucht und unangenehme Fragen stellt, ist das Chaos
groß. Bianca wundert sich, wie die vitale Mitzi so plötzlich
sterben konnte…

Die Omma (anke Zillich) ist über Theos (Mario Lopatta) Anblick entzückt, ihre Enkelin Bianca (Caroline Hanke) ist skeptischer. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Caroline Hanke
Anke Zillich
Mario Lopatta

Diese urig-komische
und musikalische Komödie mit zwei unerschrockenen Heldinnen, lässt
das schroffe Rotlichtmilieu im Pott gegen das so hippe Berlin der
Gegenwart antreten. Gleichzeitig zeigt es zudem zwei unterschiedliche
Sichtweisen auf das älteste Gewerbe der Welt.

Eine besondere
Herausforderung und Spaß für zwei der Schauspieler im Stück ist,
dass sie sowohl eine männlicher Rolle als auch eine Hure spielen.

Außerdem muss das
Ensemble sein musikalisches Können beweisen und singen. Die
Liedtexte stammen von der Autorin des Buches, so das sich Tommy Finke
(Musikalischer Leiter des Dortmunder Schauspiels) zu seiner Freude
voll auf die Musik konzentrieren konnte.

Diese hat er den
verschiedenen Figuren respektvoll und sensibel auf den Leib
geschnitten.

Je nachdem, so viel
wurde vorab verraten, wird Walzer, Gitarren- oder Akkordeon-Musik zu
hören sein. Allgemein auch Musik, die mit Klischees spielt und zum
Lachen anregt.

„Es geht in den
Liedern immer um Gefühle und innere Befindlichkeiten mit einem oft
lyrisch-poetischen Anklang “, so Jahnke.

Die Bühne wird zu
einer Drehbühne und die Schauspielerinnen und Schauspieler sprechen
das Publikum direkt an. Der Regisseurin ist wichtig, dass das
Publikum auch wirklich angesehen wird.

Zu erwarten ist wohl
eine unterhaltsam-freche, mal sexy oder sentimentale und „politisch
unkorrekte“ Inszenierung.

Die Premiere am
16.02.2019 und die folgenden bis Ende März sind schon alle
ausverkauft. Die Termine in den folgenden Monaten bieten aber noch
Gelegenheit, die Aufführungen dieses Stückes zu erleben.

Informationen zu den
genauen Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder
telefonisch: 0231/ 50 27 222.

Es lohnt sich auch
immer nachzufragen, ob eventuell noch Karten für einen eigentlich
schon als ausverkauft geltenden Termin frei geworden sind!




Tartuffe oder der Wolf im Schafspelz

Eigentlich erstaunlich, wie aktuell Molièrs „Tartuffe“ immer noch ist. Immer noch lassen sich Menschen von anderen leicht übers Ohr hauen, trotz allen Warnungen der Umstehenden. Eine der realen Figuren war beispielsweise Rasputin, der die Familie des letzten russischen Zaren lange unter Kontrolle hatte. Was Rasputin und Tartuffe gemeinsam haben: Sie versuchen mit der Religion die Leute zu beherrschen. Das Schauspielhaus Dortmund präsentierte am 01.12. 18 eine frische und freche Variante von „Tartuffe“ unter der Regie von Gordon Kämmerer.

Ganz in Weiß: Tartuffe hat schon die gesamte Familie von Orgon unter seine Fittiche und hat sie wie damals die Bhagwans uniformiert, aber halt im unschulduigen Weiß. So stehen sie zusammen und proben tanzend ihren Aufstand: Mariane, die Tochter Orgons (Merle Wasmuth), Damis, sein Sohn (Christian Freund), Orgons Ehefrau Elmire (Bettina Lieder), Organs Bruder Cléante (Ekkehard Freye) und das Dienstmädchen Dorine (Marlena Keil).

Nur Orgons Mutter Pernelle (Uwe Schmieder) und natürlich Orgon (Uwe Rohbeck) selbst sind zu 1000 Prozent von Tartuffe (Björn Gabriel) überzeugt. Und so geht das Unglück seinen Gang, denn Orgon verspricht Tartuffe erst die Hand seiner Tochter und dann überschreibt er ihm auch noch sein Vermögen.

Während Orgon (Uwe Rohbeck oben auf dem Wohnwagen) zu lange an Tartuffe festhält, hat seine Familie (Kevin Wilke, Merle Wasmuth, Christian Freund, Marlena Keil) den bBtrüger längst durchschaut. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Während Orgon (Uwe Rohbeck oben auf dem Wohnwagen) zu lange an Tartuffe festhält, hat seine Familie (Kevin Wilke, Merle Wasmuth, Christian Freund, Marlena Keil) den bBtrüger längst durchschaut. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Es ist wohl die Angst vor dem Tod oder die Suche nach dem Sinn des Lebens, was Orgon leichtgläubig macht. Er erkennt nicht, dass die frommen Sprüche von Tartuffe nur dazu dienen, ihn zu benebeln, während er Tartuffes Taten ignoriert. Was nicht in sein neues Weltbild passt, wird ignoriert. Es wird es einem Heuchler leicht gemacht, macht und Besitz zu erlangen. Er muss sich nicht besonders anstrengen.

Dass Molièrs Theaterstück nicht in der Katastrophe endet, hat einem „deus exmachina“ zu verdanken, in der Realität sieht es aber anders aus.Ich mag mir nicht vorstellen, wie viele Existenzen ruiniert wurden durch Betrüger, die den Menschen ihr Geld aus der Tasche zogen oder sie in seelische Not brachten (und dann finanziell ruinierten).

Daher ist das Stück auch keine Komödie und so wird es glücklicherweise auch nicht dargeboten. Ja, es gab wirklich komische Szenen, als Elmire so tut, als ob die den Schmeicheleien von Tartuffe nachgibt. Meistens bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil man weiß, überall lauern Tartuffes, deren Motto „Jeden Tag steht ein Dummer auf“ ihnen ein üppiges Einkommen generiert.

Das Dortmunder Ensemble, mit seinen alten und neuen Mitgliedern, ist zu einer starken Einheit zusammengewachsen. Gemeinsam mit ihren drei Gästen aus Graz (Bérénice Brause, Frieder Langenberger und Mario Lopotta) sowie dem Dortmunder Sprechchor boten sie eine glanzvolle Leistung.

Besonders zu würdigen war die Abschlusschoreografie der von Tartuffe erlösen Familie, die zeigt, dass tänzerisch ein großes Potential im Ensemble ist.

Wie kommt man an Karten? Entweder unter www.theater.dooder telefonisch unter 0231 502722




Am Boden – Monolog um das Leben einer Kriegspilotin

Im Studio des Dortmunder Schauspiels findet am Freitag, den 30.11.2018 die Premiere von „Am Boden“ (George Brant) unter der Regie von Thorsten Bihegue statt.

Es ist der erste Soloabend von Alexandra Sinelnikova, seit der Spielzeit 2017/18 festes Mitglied im Ensemble am hiesigen Schauspielhaus. Ihr zur Seite steht der Musiker Manuel Loos live am Schlagzeug.

In Form eines inneren Monologes spielt Sinelnikova eine erfolgreiche und selbstsichere Air Force-Pilotin, die von sich in der „Ichform“ spricht. Nachdem sie ihren Traummann kennengelernt hat, wird sie schnell schwanger. Nach ihrem Schwangerschaftsurlaub wird sie zurück in ihre Heimat Nevada versetzt. Sie soll ab jetzt am Boden vor dem Bildschirm sitzen und Kampfdrohnen durch Afghanistan navigieren. Die Schießbefehle erfolgen anonym via Kopfhörer. Sie nimmt diese Bilder mit nach Hause, wo ihr zweites Leben als Mutter und Ehefrau wartet.

"Am Boden" ist ein Soloabend für Alexandra Sinelnikova. (Foto: © Birgit Hupfeld
„Am Boden“ ist ein Soloabend für Alexandra Sinelnikova. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Ihre berufliche Situation, die Überwachungssituation und die Einengungen durch ihre Kleinfamilie, so der Regisseur, hinterlassen bei der jungen Frau ihre Spuren. Der Krieg wird zum Berufsalltag, die Grenzen zwischen Freund und Feind, Heimat und Kriegsgebiet , Wahrheit und Illusion verschwimmen immer mehr. Die Situation wird allmählich immer surrealer und düsterer. Am Ende entsteht die Leere nach einem zerplatzten Traum.

Die Musik, zunächst noch an Soul und Hip-Hop angelehnt, wird dem sicherlich Rechnung tragen.

Es sollen aber, so Bihegue, durchaus auch lustige Momente zu Anfang eingestreut werden, bis die Stimmung zum Ende hin kippt.

Es ist ein knallhart recherchierter Monolog zwischen Kriegsdrama und Psychothriller. Die speziellen Video-Arts dazu stammen von Mario Simon. Zum einen ein ungewohnter Einblick in das Leben und Fühlen dieser jungen Kriegspilotin, und gleichzeitig in die moderne technologisch-virtuelle Kriegsführung unserer Gegenwart.

Für die Premiere am 30.11.2018 um 20:00 Uhr im Studio (Schauspiel Dortmund) gibt es noch Restkarten.

Nähere Informationen über weitere Aufführungstermine finden Sie wie immer unter www.theaterdo.de oderTel.: 0231/ 50 27 222




Molières „Tartuffe“ – zeitloses Theaterstück im Dortmunder Schauspiel

Das Dortmunder Schauspielhaus zeigt mit der Premiere von „Tartuffe“ (Molière)unter der Regie von Gordon Kämmerer (schon als Regisseur von „Biedermann und Brandstifter /Fahrenheit 451 oder„Kasimir und Karoline“ in guter Erinnerung) am Samstag, den 01.12.2018 um 19:30 Uhr ein Stück von zeitloser Aktualität. Erstaunlich, dass es schon über 350 Jahre alt ist! Die erste Version vom 12. Mai 1664 wurde danach sogar verboten, da sie zu Religionskritisch war und den Klerus erzürnte.

Es ist die aberwitzige Geschichte einer gut situierten Familie mit drei Generationen unter einem Dach und mehreren Dienstboten. Familienoberhaupt ist Orgon, der trotz allem eine Leere empfindet. Er sucht einen Sinn im Leben und vor allem Antworten auf seine Fragen nach Gott. Da bietet sich der selbstverliebte und betrügerische Tartuffe an und nistet sich beider Familie ein. Er ist ein raffinierter Stratege und guter Schauspieler, der behauptet, dass Leben der Familie zu ordnen. Während sich Orgon immer mehr von Tartuffe einfangen und beeinflussen lässt, ahnt der Rest der Familie nach und nach, dass der scheinbar so fromme und weise Tartuffe ein Heuchler ist, dem es nur Macht und Profit geht. Doch ihre ersten Versuche, Orgon die Augen zu öffnen, scheitern. Denn Orgon möchte unbedingt an den Himmel, die klare Trennung zwischen Gut und Böse und natürlich an Tartuffe glauben. Diesen Mann, der Ordnung, Sicherheit und Frieden auf Erden verspricht. Das geht so weit, das er sogar seine Tochter Mariane mit ihm verheiraten will, obwohl diese schon verlobt ist, und ihn schließlich als Alleinerben einsetzt. Die Spirale geht immer mehr ins Absurde.

Die Sehnsucht nach Sicherheit, Ordnung, der Glaube an „etwas Höheres“ ist tief in uns Menschen verwurzelt. Darin besteht aber auch die allgegenwärtige Gefahr, den scheinbar einfachen „Lösungen“ und Versprechungen von Populisten zu erliegen.

Da hat sich Orgon eine Laus in den Pelz gesetzt. Wie wird man Tartuffe wieder los? (v.l.n.r.) Uwe Rohbeck, Kevin Wilke, Marlena Keil und Uwe Schmieder. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Da hat sich Orgon eine Laus in den Pelz gesetzt. Wie wird man Tartuffe wieder los? (v.l.n.r.) Uwe Rohbeck, Kevin Wilke, Marlena Keil und Uwe Schmieder. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit zwölf Schauspielern ist ein große Anzahl des hiesigen Ensemble beteiligt. Mit dabei sind auch die vier Schauspielstudenten aus Graz, die in dieser Spielzeit Ensemblemitglieder am Schauspiel Dortmund sind.

Die passende Musik dazu kommt wieder von Max Thommes, der auch schon beiden anderen Produktionen von Kämmerer die Kompositionen übernommen hatte. Tobias Hoeft wird für die Video Art verantwortlich sein.

Für die Premiere am Samstag , den 01.12.2018 um 19:30 Uhr gibt es noch (Rest-) Karten.

Informationen zu den weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222.




Unterschiedliche Perspektiven auf Europa im Dortmunder Schauspiel

In der Uraufführung
von „Ich, Europa“ am 13.10.2018 im Schauspielhaus Dortmund unter
der Regie von Marcus Lobbes warfen elf SchauspielerInnen des hiesigen
Ensembles mit Texten von elf Autorinnen und Autoren aus der
arabischsprachigen Welt, Nord-Afrika und dem (alt-osmanischen) Balkan
einen multiperspektivischen Blick von außen auf Europa. Eine
ambivalente Geschichte mit exportierter Kultur, Gewalt (Waffen) und
Nationalismus einerseits, und befruchtender Koexistenz zwischen
Orient und Okzident andererseits.

Ausgangspunkt war
ein Aufruf, der Figur „Europa“ aus der perspektivischen
Außensicht dieser Autoren einen Raum zu geben. Nur ein Text stammt
von dem Dramaturgen (Assistent) Matthias Seier.

Die
SchauspielerInnen vom Dortmunder Ensemble haben vom Regisseur viele
Freiheiten bekommen und die originalen Texte gekürzt und sich mit
ihnen ganz individuell auseinander gesetzt.

Man hatte als
Publikum öfter das Gefühl, die Texte wären extra für die
jeweiligen Schauspielerinnen geschrieben worden. Alle drückten in
ihrer 7 bis 12 minütigen Darstellung eindrucksvoll ihre ganz
persönliche Vorstellung und Interpretation der jeweiligen
Textvorlage aus und ließen sie lebendig werden.

Die Bühne war mit
beweglichen Wänden, die gleichzeitig als Projektionsfläche für die
unterschiedlichsten Hintergründe passend zu den Texten diente,
meditativen Klangschalen und wenigen anderen Requisiten eher dezent
ausgestattet. Die Videoprojektionen von Mario Simon und die
klangliche Begleitung durch den musikalischen Leiter Tommy Finke
sorgten für den starken atmosphärischen Backround.

Am Anfang stand der
mythologische Hintergrund. Nach ihr war Europa eine phönizische
Königstochter, die von Gott Zeus in Form eines Stieres nach Kreta
entführt wurde Auf der Suche nach ihr gründete einer ihrer Brüder
(Kadmos) das sagenumwobene Theben als den Beginn Europas.

Der Stier wird als
großes Stoff-Exemplar bei der Darstellung der erstem Textvorlage von
Nermina Kukic (aus Montenegro/ lebt in Düsseldorf) unter dem Titel
„Europa Hipohondrija“ in schwerer Arbeit von Schauspielerin
Friederike Tiefenbacher auf die Bühne gebracht. Sie stellt wunderbar
Europa als etwas schlecht gealterte, etwas selbst mitleidige trunkene
Figur dar.

Im weiteren Verlauf
werden die verschiedenen Aspekte und Fragen der über 1400 Jahre
währenden Liebes und Leidensgeschichte zwischen Morgenland und
Abendland und Europa angesprochen.

Dabei werden unter
anderem die bis in die Gegenwart dauernden Waffenlieferungen an die
Türkei, mit denen die kurdische Bevölkerung mit Waffen (aus den
ehemaligen NVA-Beständen der Ex-DDR) ermordet wurden und vieles
mehr. Mal wütend laut oder auch fast poetisch eindringlich wurden
aber auch Wünsche und Hoffnungen zu Europa dargestellt.

Darunter fällt etwa
der eindrucksvolle Appell für mehr Empathie und Solidarität in
Okzident und Orient, die der Text von Yasmina Khadra aus Kénadsa
in Algerien (lebt in Aix-en-Provence).

Symbolhaft
bringt Alexandra Sinelnikova den Text als eine Art „Kleiner Prinz“
vor der roten Rose dar.

Ekkehard Freye als Euopa in dem Stück "Ich, Europa". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Ekkehard Freye als Euopa in dem Stück „Ich, Europa“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Ein
großes Kompliment an dieser Stelle
an die Kostümbildnerin
Pia Maria Mackert, die nicht nur hier wunderschöne und
phantasievolle Kostüme für die Aufführung entwickelt hat.

Der
Text „Die Friedensbraut“ von von Muzaffer Ötztürk (Banaz /
Izmir) gibt die wahre Geschichte der italienischen Aktionskünstlerin
Pippa Bacca wieder, die von Italien aus als Friedensbraut durch
Europa reiste und so für ein friedliche miteinander warb. Lebendig
wurde die Geschichte von Bettina Lieder auf die Bühne gebracht Mit
ihrer guten Stimme sang sie auch noch live einen Song.

Dem
anwesenden Autor scheint es auch gefallen zu haben.

Stark
angesprochen wurden auch aktuelle Krisen und Probleme wie etwa die
Not der Flüchtlinge, die nach Europa drängen.

Ekkehard
Freye mußte sich im verschlissenen Kleid bei der Umsetzung des
Textes
„Ich bin Europa“ von Iman Humaydan (Ain Aaoub / Paris) tapfer als
ängstliche Figur Europa den stürmischen Ansturm der vor Not und
Krieg flüchtenden entgegenstellen, und trotz allem ihren Idealen
folgen. Es wurde eine große Bandbreite an Fragen in einer
eindrucksvollen und nachdenklich machenden Aufführung aufgeworfen.
Was sind die eigentlichen Grenzen
von Europa? Wo fängt es
an und hört es eigentlich auf? Wie wollen wir es friedlicher
gestalten und welche Werte sollen es bestimmen? Welche
Verantwortung hat Europa?

Ab
der zweite Aufführung am 27.10.2018 um 19:30 Uhr werden die
arabischen Übertitel fertig gestellt sein!

Informationen
zu den weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de und Tel.:
0231/ 50 27 222.




Studio-Stück mit sozialer Sprengkraft und Aktualität

Am Freitag, den
12.10.2018 gibt es um 20:00 Uhr im Studio des Dortmunder Schauspiels
mit „Everything belongs to the Future“ von Laurie Penny (in einer
Fassung von Laura N. Junghanns und in der deutschen Übersetzung von
Anne-Kathrin Schulz) in mehrfacher Hinsicht eine Premiere.

Erleben kann das
Publikum nicht nur eine Uraufführung, sondern auch vier
Schauspiel-Studierende aus Graz (Österreich), die für ein Jahr Teil
des Dortmunder Ensembles sind. Zu sehen und hören sind die
Jung-Schauspieler Berenice Brause, Frieder Langenberger, Mario
Lopatta und Kevin Wilke.

Sie stellen sich im
Rahmen des neu am Schauspiel Dortmund beheimatete Schauspielstudio
unter der Regie von Laura N. Junghanns mit diesem Stück auf der
Basis der Novelle von der britischen Autorin und derzeit wichtigste
feministischen Bloggerin Laurie Penny vor. Bezeichnet für sie sind
vor allem ihre gesellschaftskritischen Werke voll Wut. Ihre 1.
Novelle (2011) „Everything Belongs to the Future“ ist ein
dystopisch-fiktionaler, in der Zukunft in Oxford (2098) spielender
Stoff.

Worum geht es?

In Oxford
(Großbritannien) des Jahres 2098 sorgt seit einiger Zeit eine
besondere Erfindung des Wissenschaftlers Dave für Furore. Es geht um
die blaue Super-Pille „The Fix“. Sie verspricht (da sehr teuer)
den Reichen sozusagen „ewige Jugend“. Das Medikament hält den
Alterungsprozess ab seiner täglicher Einnahme auf und verspricht den
super-reichen 1% der Bevölkerung, eine nicht enden wollende Party
und unbegrenzte Möglichkeiten. Die Übrigen vegetieren in immer
prekärer werdenden Verhältnissen vor sich hin – und altern
dagegen unaufhörlich weiter. Eine Gruppe, die gemeinsam in einer
heruntergekommenen Wohngemeinschaft lebt, plant die Revolte. Wem ist
aber in dieser Welt noch zu trauen?…

Die vier
Schauspieler repräsentieren verschiedene Charaktere. Der
Wissenschaftler, der Pharmazeut aus der reichen 1%-Welt und die
beiden andern aus der Welt der restlichen 99 %. Mögliche
Verlockungen und Seitenwechsel sind nicht ganz ausgeschlossen.

Dystopisches Theater in "Everything belongs to the future" von Laurie Penny. Mit NachwuchsschauspielerInnen aus Österreich. Zu sehen sind (v.l.n.r.) Mario Lopatta, Berenice Brause und Frieder Langenberger. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Dystopisches Theater in „Everything belongs to the future“ von Laurie Penny. Mit NachwuchsschauspielerInnen aus Österreich. Zu sehen sind (v.l.n.r.) Mario Lopatta, Berenice Brause und Frieder Langenberger. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Ohne schwarz-weiß
Zuweisungen steckt viel Zündstoff in dem Stück und und drängt zu
einer persönlichen Haltung. Obwohl fiktional in die Zukunft
projiziert, steckt einiges in dem Stoff, dass es uns auch in der
Gegenwart schon als vorstellbar erscheinen lässt, so Anne-Kathrin
Schulz.

Die Inszenierung
ist, wie die Regisseurin verriet, durchaus filmisch (entsprechend der
modernen Sehgewohnheiten wie etwa Netflix) angelegt.

Eine schwierige
Herausforderung war es, fünf verschiedenen Orte (darunter eine
Apotheke, Wohnung der Gemeinschaft, Universität Oxford ) und zwei
verschiedene Zeitebenen zu einem sinnvollen und für das Publikum
verständlichem Ganzen zusammen zu bringen. Die Zeitebenen wechseln
von der Gegenwart des Stückes (2098) in Rückblicken zu Ereignissen
in der Vergangenheit.

Atmosphärisch
begleitet wird die Aufführung von der Künstlerin Sonae mit
experimenteller elektronischer Musik der modernen Pop-Kultur.

Behandelt werden
Fragen nach dem Umgang mit dem Alter, der Kunst in diesem speziellen
Kontext sowie natürlich das Thema sozialer Gerechtigkeit.

Für die Premiere am
12.10.2018 um 20:00 Uhr im Studio des Dortmunder Schauspiels gibt es
noch Rest-Karten. Informationen zu weiteren Aufführungsterminen und
karten gibt es wie immer unter tel: 50 27 222 oder unter
www.theaterdo.de




Die Parallelwelt – Eine Simultanaufführung zwischen zwei Theatern

Intendant Kay Voges und sein Team eröffnen die Spielzeit 2018/2019 am Schauspiel Dortmund mit einem völlig neuen und spannenden Projekt in Koproduktion mit dem Berliner Ensemble.

Hier werden wieder einmal die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung dem Theater bietet ausgelotet.

Zusammen mit dem Dramaturgen Alexander Kerlin und der Schauspielerin Eva Verena Müller entwickelte er das Stück „Die Parallelwelt“ als Simultan-Uraufführung, die zeitgleich in Berlin (Berliner Ensemble) und hier im Haus in Dortmund stattfindet. Dazwischen liegen 420,62 km Luftlinie, die mit Hilfe einer extra reservierten „Daten-Autobahn“ über Glasfaserkabel verbunden sind und miteinander interagieren.

Das Ensemble bei den Proben für die "Parallelwelt". (Foto: Birgit Hupfeld)
Das Ensemble bei den Proben für die „Parallelwelt“. (Foto: Birgit Hupfeld)

Schon bei der Pressekonferenz am 12.009.2018 bekamen die eingeladenen Journalisten schon einen kleinen Eindruck von den technischen Herausforderungen und Möglichkeiten des ambitionierten Projekts. Bei Live-Schaltung über Glasfaserkabel begrüßte Voges sie aus dem Berliner Ensemble von der zweigeteilten Leinwand. Im oberen Bereich konnten alle Anwesenden im Schauspiel Dortmund sehen, der untere Teil zeigten die im Gegenzug die entsprechende Gruppe von Interessierten im Berliner Ensemble. Dort sind die Gegebenheiten zum Beispiel mit ähnlichen roten Klappsesseln und Größe mit denen in Dortmund vergleichbar. Dann gab es auch eine virtuellen Rundgang in die angrenzenden Bereiche. Ein aufwendiges Organisation-Management war es, möglichst exakt gleiche Bühnenbilder oder Kostüme für die SchauspielerInnen zu erstellen.

Die beiden Ensembles hatten sich für einige Wochen zum genauen Kennenlernen und Besprechungen in Berlin getroffen. Die letzte zweieinhalb Wochen haben sie dann wieder an ihren Heimatorten gearbeitet. Der Kontakt musste virtuell gehalten werden und viel Kommunikation war unabdingbar. Regisseur Kay Voges musste mit der Bahn mehrmals in der Woche von Dortmund nach Berlin hin und her fahren. Wie er zugab, ging ihm wohl die Orientierung in letzter Zeit dadurch etwas verloren.

Das Stück geht von folgender spannenden Frage aus: Was wäre, wenn die uns bekannte Welt irgendwo im Universum ein zweites Mal identisch existierte? Die moderne Quantenphysik revolutioniert die wissenschaftlichen Erkenntnisse nach Newton. Der ging davon aus : „Real existent ist, was messbar ist“. Die Quantenphysik geht davon aus, das Teilchen oder Objekte sich an mehreren Stellen zugleich befinden können. Für den gesunden Menschenverstand zunächst schwer zu begreifen.

„Die Parallelwelt“ erzählt die Geschichte eines Lebens (der Person „Fred“), das sich selbst begegnet in existenziell und emotional wesentlichen sieben Lebensabschnitten. Zeitgleich wird sie in beiden Theatern erzählt.

Die Erzählung beginnt im Berliner Ensemble mit der Geburt, Kindheit, erste Liebe , Hochzeit, Trennung , Alter bis hin zum Tod.Im Schauspiel Dortmund beginnt die Erzählung entgegengesetzt mit dem Tod bis hin zur Geburt. Jeder der sieben SchauspielerInnen aus Dortmund hat eine „Zwillings-Schauspielerin und Schauspieler“ im Berliner Ensemble.Nicht umsonst heißt der Untertitel: „Eine Simultanaufführung über die Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit“. Interessanterweise kreuzen sich die beiden Erzählweisen bei der Hochzeit von Fred. Das sorgt nicht nur für Verwirrung, sondern eben auch für die Erweiterung der Wahrnehmungsräume und Entgrenzung. Raum und Zeit sind relative Größen.

Der Theaterabend ist auch ein philosophischen Diskurs über unsere „Einzigartigkeit“.

Eva Verena Müller, die sich wohl auch gut in Quantenphysik auskennt, hat nicht einen wichtigen Beitrag für die Stückentwicklung geleistet, sondern hat auch noch eine wichtige Funktion mit ihrem Auftritt als „blinder Engel“ Semiel, der böse und satanisch ist und laut der Schriften aus der Zeit um Christ Geburt zusammen mit Satan gegen Gott revoltierte und den Menschen schaden will.

Für die Musik zeigt wieder einmal Musiker, Sänger und Komponist T.D. Finck von Finckenstein verantwortlich.

Die Premiere findet am 15.09.2018 um 19:30 Uhr im Dortmunder Schauspielhaus am Hiltropwall (12,- bis 33,- Euro) statt.

Informationen zu weiteren Terminen und Karten erhalten Sie unter: www.theaterdo.de oder unter 0231/ 50 27 222




Zerline – eine Geschichte um Liebe und Lebenslügen

Mit „Zerline“ nach dem Roman „Die Schuldlosen“ von Hermann Broch bringt das Schauspiel Dortmund in seinem Studio am Donnerstag, den 19.04.2018 um 20:00 Uhr ein altes Traditionsstück unter der Regie des jungen Regisseurs Matthias Rippert auf die Bühne.

Die beliebte Schauspielerin Uta Herrmann spielte im reiferen Alter vor über zwanzig Jahren lange die „Magd Zerline“ im Schauspielhaus unserer Stadt. Nun wird die Rückschau der Magd (Stubenmädchen) Zerline auf ihr Leben im Dienst einer Baronin von der jungen Schauspielerin Marlena Keil des aktuellem Ensembles erzählt. Während des Erzählens und der Erinnerungen wird Zerline somit wieder jung.

Es trifft sich gut, dass gerade diese Erzählung auch Teil der Diplomarbeit (Abschlussarbeit) von Marlena Keil am Max-Reinhardt-Seminar 2014 in Wien war. Keil ist seit drei Jahren festes Ensemble-Mitglied im Schauspiel Dortmund und spielte unter anderem die Tochter Jean in Tracy Letts‘ „Eine Familie“ (Regie Sascha Hawemann). Zuletzt war sie als Hauptfigur Orlando in der Regie von Laura N. Junghans im Studio und auf der großen Schauspielhausbühne in Claudia Bauers „Schöpfung“ zu sehen. Nun ihr erstes Solo-Stück.

Zerline (Marlena Keil) berichtet aus ihrem Leben. (Foto: Christian Mair)
Zerline (Marlena Keil) berichtet aus ihrem Leben. (Foto: Christian Mair)

Die Inszenierung beginnt mit dem Prolog des ominösen Herrn A. an einem heißen Sommernachmittag. Die Magd Zerline hält Rückschau auf ihr Leben bei der Baronin und deren Tochter. Es ist eine Lebensbeichte voller Sehnsucht, Begehren und Schmerz, gepaart mit Neid, Stolz und Heimtücke. Zerline ist tief in das Leben der Herrschaft verstrickt. Zuletzt gipfelt der Nachmittag im Anzetteln eines Mordprozesses.

Nach Hannah Arendt ist es eine der größten Liebesgeschichten. Die Erzählungen umfassten den Zeitraum zwischen 1913 und 1933. Zwischen den Kriegen fand ähnlich wie heute eine Vereinsamung, Individualisierung und Entpolitisierung der verunsicherten Menschen statt.

Wie von einem „Schicksal“ getrieben, passieren die Geschehnisse den Menschen, die schwach in ihren Entscheidungsfindungen sind.

Das Stück wird, so Keil, von Brochs schönen und verqueren Sprache und von gezielt eingesetzter Musik getragen.

Neben der Premiere sind am 03.05.2018 und am 30.05.2018 jeweils um 20:00 Uhr weitere Aufführungen des Stücks vorgesehen.

Informationen und Karten unter: 0231/ 50 27 222 oder www.theaterdo.de




Memory Alpha – das trügerische menschliche Gedächtnis

Ein neues Studio-Stück im Dortmunder Schauspiel hat am Freitag, den 06.04.2018 um 20:00 Uhr seine Uraufführung. „Memory Alpha oder die Zeit der Augenzeugen“ von Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz ist in einer kollektiven Arbeit mit dem Regisseur Ed. Hauswirth und den beteiligten Schauspielern entstanden. Hauswirth ist Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter des zeitgenössischen Volkstheaters im Bahnhof (Graz). Am Schauspiel Dortmund wurde er noch im Megastore 2016 mit der hoch gelobten Stückentwicklung „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ bekannt.

„Ich bevorzuge die kollektive Arbeitsweise und sehe die Schauspieler als Mitgestalter eines Projekts,“ so der Regisseur. Die aktuelle Aufführung befasst sich mit dem menschliche Gedächtnis und unseren Erinnerungen. Diese sind keine feste Größe, sondern verändern sich mit der Zeit und sind beeinflussbar. Was bedeutet die Fehleranfälligkeit der menschlichen Erinnerung für unser Gefühl von Identität. Was ist, wenn diese mit den ungeahnten Möglichkeiten von elektronischen Gedächtnissen aufeinander treffen?

Kein Scherz, bereit 2020 will die chinesische Regierung ein landesweites Scoring-System, eine Art Super-SCHUFA, in Betrieb nehmen, das das Verhalten jedes Bürgers in allen Bereichen elektronisch erfasst. Diese Daten sollen analysiert und bewertet werden.

Jede Person in China soll soll dann mit einem Punktestand durchs Leben gehen, der seiner momentanen Reputation entspricht. Der Mensch kann je nach Verhalten Punkte gewinnen oder verlieren. Seine Lebenschancen hängen davon ab.

Auf Grundlage des Buches „Das trügerische Gedächtnis“ der deutsch-kanadischen Rechtspsychologin Julia Shaw ist das Stück entwickelt worden. Sie befasste sich experimentell insbesondere mit Erinnerungen und deren Manipulationen.

Memory Alpha - Wenn das Gedächtnis manipuliert werden kann. (V.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher, Uwe Schmieder, Caroline Hanke und Christian Freund. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Memory Alpha – Wenn das Gedächtnis manipuliert werden kann. (v.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher,Uwe Schmieder, Caroline Hanke und Christian Freund. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Zum Stück: Der Leiter des „Instituts für Digitalität und Gedächtnis“ Dr. Gerd Stein (Uwe Schmieder), wird auf einer Brüsseler Straße von einem Auto zerquetscht. Kurz zuvor hatte er im Europaparlament öffentlich vor der chinesischen Super-SCHUFA gewarnt. Stein begibt sich auf Spurensuche rückwärts nach dem Täter. Knapp zwei Monate vorher experimentierte seine Frau, die Gedächtnisforscherin Johanna Kleinert (Friederike Tiefenbacher), mit der natürlichen Fehleranfälligkeit des menschlichen Gehirns. Im Rahmen einer Studie hackt Kleinert das Gedächtnis des Probanden Sebastian Grünfeld (Christian Freund). Dieser erinnerte sich danach an ein Erlebnis, was es nie gegeben hatte. Dann ist da noch Steins Schwester Charlotte ( Caroline Hanke). Sie ist eine von nur 57 weltweit bekannten Menschen, die schwer vergessen können…

Das Publikum wird, so Anne-Kathrin Schulz, in ein Gedanken und Gedächtniskosmos mitgenommen. Das Studio wir von allen Seiten und von der Decke mit wechselnden assoziativen Erinnerungs-Fotografien versehen. Sie umfassen sowohl das persönliche als „kollektive“ Gedächtnis. Lucas Pleß sorgt für das passende Engineering (Geräusch-Hintergrund).

Die Premiere am 06.04.2018 ist schon ausverkauft.

Für die nächste Vorstellung am 13.04.2018 um 20:00 Uhr gibt es noch Restkarten.

Weitere Informationen und Termine unter www.theaterdo.de




Die NSU-Monologe – der Kampf der Hinterbliebenen

Der Prozess um die NSU-Morde in München geht so langsam seinen unbefriedigenden Ende entgegen. Höchstwahrscheinlich ohne Antworten auf die dringenden Fragen der betroffenen Angehörigen und der Zivilgesellschaft. Ohne wirkliche Aufklärung.

Am Dienstag, den 10.04.2018 um 19:30 Uhr gastiert das dokumentarische Theater der „Bühne für Menschenrechte“ mit „Die NSU-Monologe – Der Kampf der Hinterbliebenen um die Wahrheit“ im Schauspiel Dortmund. (Buch und Regie: Michael Ruf). Die Texte werden auf deutsch gesprochen und zusätzlich einen türkischen Übertitel haben. Die Monologe erzählen vom jahrelangen Kampf dreier Familien der Opfer des NSU – von Elif Kubaşik. Adile Şimşek und Ismail Yozgat. Sie zeugen von ihrem enormen Mut und Willensstärke.

Bekannt dürfte Elisabeth Pleß einigen im Publikum von ihren eindrucksvollen Performance-Aufführungen im Theater im Depot sein. Neben ihr sind Günfer Cölgecen, Aydin Isik, Doga Güra und Burcin Keskin dabei. Musikalisch begleitet wird die Vorstellung von Michael Edwards und Daniel Brandl.

Diese intimen Einblicke in den verzweifelten Kampf der Angehörigen sind in Zeiten des Erstarkens von Rechtsextremismus von einer besonderen Aktualität.

Die Morde wurden im Zeitraum von 2000 bis 2006 vor allem an Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund begangen. Der Dortmunder Kiosk-Besitzer Mehmet Kubaşik wurde am 04.04.2006 getötet.

Gerade die jüngere Generation hat die traurigen Ereignisse von damals, so der Chefdramaturg des Dortmunder Schauspiels Michael Eickhoff, „nicht auf dem (politischen) Schirm“.

Deshalb wird es neben der Schauspiel-Vorstellung am 10.04.2018 am gleichen Tag eine geschlossene Vorstellung um 11:00 Uhr im Immanuel-Kant-Gymnasium und am 11.04.2018 um 11:00 Uhr) in der DASA geben.

Wie Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak erklärte, werden dann auch Schüler anderer Schulen, die interessiert oder schon beteiligt am Netzwerk „Schule gegen Rassismus“ sind, mit dabei sein.

Der EINTRITT für die Vorstellung im Schauspielhaus ist FREI!

Unterstützer und Kooperationspartner:

Neben dem Dortmunder Schauspiel sind viele Kooperationspartner mit von der Partie.

Die Aufführenden der NSU-Monologe. (Foto: © Uli Malende)
Die Aufführenden der NSU-Monologe. (Foto: © Uli Malende)

Gefördert wird unterstützt werden die „NSU-Monologe“ vom Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ – Schule mit Courage“, dem Kulturbüro Dortmund, der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, dem Multikulturellem Forum e.V. Dortmund, Dortmunder für ihr Schauspiel e.V., VMDO e.V. (Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine Do e.V.), der Alevitischen Gemeinde Dortmund e.V., dem Dietrich-Keuning-Haus, dem Planerladen, der Föderation Demokratischer Arbeitervereine -DIDF und der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Ekincan Genc (DIDF) erklärte, dass der DIDF auch nach dem Prozess-Ende „wieder dem Vergessen“ weiter an der Aufklärung der NSU-Morde und der Problematik des Rechtsextremismus dran bleiben werde. Es gehe darum, wie unsere Zivilgesellschaft mit den Morden, zunehmenden Antisemitismus und Extremismus umgeht.

Die Vorstellung wir etwa um die eine Stunde und 20 Minuten dauern. Danach ist eine Podiumsdiskussion, gefördert im Programm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, realisiert durch den VMDO e.V. vorgesehen.

An der Diskussion werden die Berliner Anwältin Antonia von der Behrens, die die Dortmunder Familie Kubaşik in der Nebenklage im Münchner NSU-Prozess vertritt, teilnehmen.

Weitere Informationen zu weiteren fragen oder Anmeldungen erhalten Sie unter junges-theater@theaterdo.de