Frau Luna – Der Mond als Sehnsuchtsort

Die burlesk-fantastische Ausstattungsoperette Frau Luna von Paul Linke (1866-1946) und dem Libretto von Heinz Bolten-Baeckers hatte am 13.01.2018 unter der Regie von Erik Peters im Opernhaus Dortmund seine Premiere. Lincke gilt als der Initiator der Berliner Operette. Dabei kam es mehr auf das Wie als das Was an. Das kleinbürgerliche „Milljöh“ samt Slang wurde in der glitzernden fantastischen Welt ( z.b. der Mond) gegenübergestellt. Eingängige einfache Melodien wechselten sich ab mit Show-Elementen und Akrobatik.

Der erfahrene Regisseur von Operetten inszenierte „Frau Luna“ als ein glamouröse Revue-Operette. Tatjana Ivaschina hat dabei wieder einmal wunderbare Kostüme für das Ensemble auf die Bühne gebracht. Musikalisch begleitet wurde der Abend schwungvoll von der Dortmunder Philharmoniker unter der Regie von Philipp Armbruster.

Mit dem Ballon zu Frau Luna

Eine wichtige Rolle spielten neben den starken Sängern auch die Statisterie und der Opernchor des Theaters Dortmund (Leitung Manuel Pujol) bei den vielen Kometen, Mondgrazien und Planeten.

Frau Luna ist am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Es war eine Zeit der technisch rasanten Entwicklungen. Die Menschen sucht in einer schnelllebigen Welt Ablenkung und die Möglichkeit, den Alltagsproblemen und einer verbreiteten Endzeitstimmung zu entfliehen. Da boten die viele Varietees und Theater genug Gelegenheit.

Kammersänger Hannes Brock als Prinz Sternschnuppe umringt von Fans in Frau Luna. (Foto: © Oper Dortmund)
Kammersänger Hannes Brock als Prinz Sternschnuppe umringt von Fans in Frau Luna. (Foto: © Oper Dortmund)

Kurz zum Inhalt: Der abgebrannte Mechaniker Fritz Steppke (Bonko Karadjov) hat einen lenkbaren Luftballon erfunden, und will zusammen mit dem Schneider Lämmermeier (Morgan Moody) und dem Steuerbeamten Pannecke (Marvin Zobel) nicht nur der resoluten Wirtin Frau Pusebach (Johanna Schoppa) entfliehen, sondern auch eine abenteuerliche Reise zum „Mann im Mond“ unternehmen. Es fällt ihm zunächst nur schwer, seine bodenständige geliebte Marie (Julia Amos) zurück zu lassen. Es begint eine wundersame Reise voller Überraschungen. Frau Pusebach ist als „Anhängsel“ mitgekommen, der „Mann im Mond“ entpuppt sich als „Frau Luna“. Auch dort gibt es menschliche Probleme…

In den ersten beiden Akten ging es zu nächst eher bedächtig mit der Einführung in das kleinbürgerliche typische Berliner Milieu und der Fahrt zum Mond los. Schöne Melodien wie etwa „Schlösser, die im Monde liegen“ (Marie) wechselten mit witzigen Elemente. Amüsant vor allem die schwarz-weiß auf die Leinwand projizierte Fahrt zum Mond mit Frau Pusebach im Schlepptau einschließlich „Milchgetränk aus der Glasflasche“.

Grandiose Revue im dritten Akt

Der Höhepunkt des Abends war aber der dritte Akt nach der Pause. Was da an Glamour und Glitzer angeboten wurde, konnte sich sehen lassen. Das Ensemble konnte neben seinen starken Stimmen auch sein komödiantisches Talent voll zur Geltung bringen. Frau Pusebach war mit Johanna Schoppa als „resolute Berliner Schnauze“ ebenso wunderbar besetzt wie die anderen Rollen. Bonko Karadjov gefiel als der zwar kleine Fritz Steppke, aber mit dem Herz am rechten Fleck und starker stimme. Morgan Moody hat schon öfter sein komödiantisches Können bewiesen. Das Gleiche konnten auch Ileana Mateescu (Stella) und Julia Amos in ihrer Doppelrolle als Marie und Mondgroom zeigen. Marvin Zobel konnte als Steuerbeamter Pannecke und Dirk Weiler als witzig-charmanter Theophil (Hausmeister auf dem Mond) gefallen.

Eine Paraderolle gab es für Kammersänger Hannes Brock in seiner letzten Spielzeit. Als unglücklich in Frau Luna verliebter Prinz Sternschnuppe sang er eines der drei in das Programm aufgenommene „Es war einmal“ mit etwas wehmütiger Melancholie.

Es war ein imposantes Auftreten von allen Planeten und Kometen oder Mondgrazien. Nur Pluto durfte nicht beim Mondfest dabei sein.

Frau Luna hatte im dritten Akt ihren großen Auftritt, den Emily Newton mit sichtlichem Vergnügen zelebrierte. Sie hatte sich neben Spiel und Gesang noch einer anderen Herausforderung zu stellen. Zusammen mit den fantastischen „Luftballett“ (Sylvia Idelberger, Petra Tobies) führte sie an vier weißen Tüchern akrobatische Übungen durch.

Das fulminante Finale mit einem musikalischen Mix aus „Das macht die Berliner Luft“ „aus die Berliner Luft 1905) und „Schlösser die im Monde liegen“ beendete den unterhaltsamen Revue-Abend einer etwas entstaubten Operette.

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Eugen Onegin – Wenn die Erkenntnis für den Dandy zu spät kommt

Alexander Puschkin schrieb in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts mit Eugen Onegin ein russisches Nationalepos. Zeitlich spielt der romantische Versroman zwischen dem „alten Russland“ mit seinem Landleben und dem „modernen Russland“ in den Städten. Kein Wunder, dass mit Peter Tschaikowsky ein musikalischer Vertreter der russischen Romantik das Libretto zu einer Oper vertonte. Am 02. Dezember 2017 hatte „Eugen Onegin“ in der Inszenierung von Tina Lanik Premiere in der Dortmunder Oper.

Die Geschichte: Der Dichter Lenski bringt seinen neuen Nachbarn Onegin mit zum Gutshof seiner Verlobten Olga, die mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Tatjana dort lebt. Olga ist naiv und lustig, während Tatjana, ein Bücherwurm und introvertiert ist. Tatjana verliebt sich in Onegin, der ihre Liebe aber zurückweist.

Auf einem Fest flirtet Onegin mit Olga, was Lenski wiederum eifersüchtig macht. Nach einem heftigen Streit treffen sich Lenski und Onegin zum Duell und Onegin tötet Lenski.

Nach einigen Jahren unsteten Lebens trifft Onegin den Fürsten Gremin in St. Petersburg. Dessen Frau ist keine geringere als Tatjana. Plötzlich flammen Gefühle bei Onegin auf. Es ist zu spät. Tatjana will ihrem Ehemann treue bleiben, obwohl sie Onegin immer noch liebt. Verzweifelt bleibt Eugen Onegin zurück.

Opern in russischer Sprache haben es deutlich schwerer als beispielsweise italienische. Von daher gehört der Oper Dortmund ein großes Lob, sich mit Stoff in der Originalsprache zu beschäftigen. Denn so verbindet sich die russische Musik der Romantik mit dem Text zu einer Einheit.

Aus dem schüchternen Landei Tatjana (Emily Newton) ist an der Seite von Fürst Gremin (Luke Stoker) eine selbstbewusste Frau geworden. Sehr zum Leidwesen von Eugen Onegin (Simon Mechlinski). (Foto: © Björn Hickmann)
Aus dem schüchternen Landei Tatjana (Emily Newton) ist an der Seite von Fürst Gremin (Luke Stoker) eine selbstbewusste Frau geworden. Sehr zum Leidwesen von Eugen Onegin (Simon Mechlinski). (Foto: © Björn Hickmann)

Tina Lanik stellt uns die „alte Welt „ und die „neue Welt“ in zwei drehbaren Würfeln vor. Das Landgut irgendwo in der russischen Steppe mit fröhlichen und singenden Bauern (Fron kommt aber nicht von fröhlich!) steht dabei im Kontrast zu St. Petersburg mit einem Auto als Statussymbol und Menschen in grauen Anzügen und Kostümen.

Eugen Onegin steht irgendwo dazwischen, das Landleben ist unter seiner Würde, aber auch das Stadtleben mit seinen Bällen langweilt ihn zu Tode. Ganz der Romantik verhaftet, ist die Hauptfigur des Versromans ein Vertreter des „überflüssigen Menschen“, inspiriert von den Helden des englischen Schriftstellers Lord Byron. Simon Mechlinski singt und spielt den Onegin sehr gekonnt, ebenso wie Emeliy Newton ihre Figur Tatjana. War Tatjana zu Beginn ein verschüchterter Bücherwurm, erschien sie im dritten Akt als gereifte Frau. Onegin erkennt hingegen, dass sein bisheriges Leben ein Fehlschlag gewesen ist.

Die tragische Gestalt der Oper ist aber Lenski. Er geht schlafwandlerisch seinen Weg in den Tod, obwohl es immer noch genügend Auswege gab. Aber hier steht eine romantische Auslegung von „Ehre“ und „Kränkung“ im Weg, die keinerlei Alternativen zum tödlichen Duell gibt. All das kommt in Lenskis Arie zum Ausdruck, die Thomas Paul brilliant singt. Auf der Bühne wird der tragische Ausgang des Duells schon als bedrohliches Schattenspiel angekündigt.Ileana Mateescu zeigt in ihrer Rolle die lustige, aber naive Olga wieder ihre gewohnten sanglichen und schauspielerischen Qualitäten.

Die ganze Inszenierung war auch in den Nebenrollen gut besetzt: Almeerija Delic als Larina, Judith Christ als Amme und Luke Stoker als Fürst Gremin fügten sich nahtlos ins das gut aufgelegte Ensemble ein. Fritz Steinbacher zeigte als Triquet erneut seine humoristischen Qualitäten.

Auch die Chöre boten eine hervorragende Leistung. Lanik spielt bei dem Mädchenchor mit der Metapher des Erwachsenen werden, indem sie deren unschuldig weißen Hemden mit roter Farbe beschmieren lässt.

Kommen wir zu der Musik: Tschaikowsky hat die Oper mit herrlichen romantischen Melodien versehen. In jeder Note bei „Eugen Onegin“ spürt man die russische Seele und die Gefühle und Konflikte der Hauptfiguren werden beinahe greifbar. Einen großen Anteil haben daher die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz.

Großartige Musik und großartige Stimmen – Eugen Onegin ist einen Besuch auf jeden Fall wert. Es muss nicht immer italienisch sein…

Termine und Karten unter www.theaterdo.de.




Arabella oder die Suche nach dem „Richtigen“

Am Tag der Bundestagswahl, dem 24.09.2017, stand gleichzeitig die Premiere die lyrische Komödie „Arabella“ von Richard Strauss ( 1864-1949) auf dem Programm im Opernhaus Dortmund. Opernintendant und Regisseur der Inszenierung Jens-Daniel Herzog gab vor der Aufführung schon einmal die ersten Hochrechnung der Wahl bekannt.

Musikalisch sensibel begleitet wurde „Arabella“ von der Dortmunder Philharmoniker unter der routinierten Leitung von GMD Gabriel Feltz. Der Chor des Theaters Dortmund unter der Leitung von Manuel Pujol und die Statisterie des Theater unterstützte die Handlung tatkräftig und mit bunten Kostümen zum Karneval.

Die Bühne war spärlich mit einem Spielautomaten an der linken Seite und vielen Stühlen recht sparsam aber zur Situation des verarmten Grafen Waldner und seiner Familie entsprechend, ausgestaltet. Eine durchsichtige Leinwand ermöglichte dem Publikum zwischendurch Einblicke auf den so oft wie möglich am Spieltisch sitzenden Grafen. Im dritten Akt wurde das Bühnenbild gewechselt und die häusliche Treppe zu den Zimmern als Hintergrund benutzt.

Der Graf aus der Provinz und das IT-Girl aus der Hauptstadt: Sangmin Lee (Mandryka), Eleonore Marguerre (Arabella) ©Thomas Jauk, Stage Picture.
Der Graf aus der Provinz und das IT-Girl aus der Hauptstadt: Sangmin Lee (Mandryka), Eleonore Marguerre (Arabella)
©Thomas Jauk, Stage Picture.

Zur Situation:

In Wien versucht der Graf Waldner, die finanziellen Probleme wegen seiner Spielsucht in den Griff zu bekommen. Seine hysterische Frau Adelaide ist keine Hilfe, Die schöne Tochter Arabella kann sich nicht wirklich zwischen ihren vielen Verehrern, darunter der Waschlappen Matteo (der ständig mit Selbstmord droht, wenn sie ihn nicht erhört), entscheiden. Die jüngere Tochter Zdenka wird als „Bub“ gehalten, da für die Familie eine zweite Tochter zu teuer kommt. Diese ist zudem noch unglücklich in Matteo verliebt. Die Zeit drängt, und nach dem Ball am Faschingsdienstag muss eine Entscheidung her. Der Graf schickt verzweifelt dem alten Regiments-Kameraden Mandryka ein Foto seiner schönen Tochter. Der reiche Großgrundbesitzer aus Slawonien wäre eine gut Partie. Statt dessen kommt ein Neffe des inzwischen Verstorbenen, der sich in das Foto aus dem Nachlass verliebt hat, nach Wien. Als Grundbesitzer, Naturbursche und Herr der Wälder ist er so ganz anders als die üblichen Verehrer. Für Arabella scheint Madrynka der „Richtige“ zu sein. Bevor sie mit ihm nach Slawonien fährt, will sie vor dem Abschied noch einmal feiern und tanzen. Aus Angst um Matteo, behauptet Zdenka, Arabella erwarte diesen in ihrem Schlafzimmer. Dazu gibt sie ihm auch einen Schüssel. Mandryka bekommt das mit und will Arabella wütend zur Rede stellen. Die Situation ist chaotisch und droht zu eskalieren. In einem Akt der späten Befreiung outet sich Zdenka und klärt die Situation auf…

Der Spielsüchtigen Graf Waldner war gut mit Morgan Moody besetzt worden. Der verfügt nicht nur über eine gute Stimme, sondern besitzt auch schauspielerisches und komödiantisches Talent. Almerija Delic überzeugte in ihrer Rolle als hysterische Ehefrau.

Im Mittelpunkt standen mit ihrer ausdrucksstarker Präsenz und ihren starken Stimmen Eleonore Marguerre als Arabella und der urig direkte Sangmin Lee als Mandryka. Situationskomik gab es mit den vier „Verehrer“ Alexander Sprague als arroganter Graf Elemer, Marvin Zobel als Domink, Lue Stoker als Lamoral oder jammernde Thomas Paul als Matteo.

Besonders feinfühlig zeigte sich Ashley Thouret in der schwierigen Rolle der Zdenka. Julia Amos als Kartenlegerin und Jeannette Wernecke als Fiakermilli füllten ihre Nebenrollen gut aus.

Das hohe musikalische Niveau konnte aber nicht ganz über ein paar Längen und das eher schwache Libretto (Hugo von Hofmannsthal) hinweg täuschen. Denn selbst zu Zeiten von Richard Strauss zog es IT-Girls aus der Großstadt wie Arabella kaum in die Nähe von Unbekannten aus der Provinz. Wie lange sie wohl dort glücklich bliebe?

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Kurzfilmfestival im großen Rahmen

[fruitful_alert type=“alert-success“]Neuer Spielort – neue Formate: das XXS Kurzfilmfestival präsentiert sich im Dortmunder Opernhaus. (v.l.n.r. Thomas Steffen (DSW21), Annabell Cuvellier (XXS-Veranstaltungsteam), Melissa Tielesch und Tamara Best (Bildrausch e.V.), Ralf Dreisewerd (Kuratorium), Inez Koestel (WAM), Tobias Ehinger (Ballettmanager) und Daniel Poznanski (Kuratorium).[/fruitful_alert]

In Kooperation laden Theater Dortmund, die Medienakademie WAM und Sponsor DSW21 erstmals zum 17. XXS-Dortmunder Kurzfilmfestival am 7. Oktober 2017 in das hiesige Opernhaus ein. Das Festival wird als praktisches Studienprojekt im ersten und zweiten Semester der Studierenden im Fachbereich Kultur- und Eventmanagement an der WAM die Medienakademie in der Bornstraße organisiert.
Neben dem neuen Rahmen wird das Festival auch um ein zweites Format erweitert. Der Wettbewerb um die begehrten XXS-Kurzfilme wurde in diesem Jahr um neun Unternehmensfilme sowie vier Studentenfilmen, die ab 15:00 Uhr am Nachmittag gezeigt werden, bereichert. Die von einer Jury ausgewählten Filme werden moderiert und in einer lockeren Atmosphäre diskutiert und gemeinsam angesehen. Die gezeigten Kurzfilme haben jeweils eine Länge von 5 bis 20 Minuten.

Zwischen 18:00 und 10:00 Uhr gibt es eine Pause.

Eine Vorab-Jury hatte die schwere Aufgabe, aus den 400 eingereichten Filmen 15 nationale und internationale Kurzfilme für die festliche XXS-Filmgala ab 19:00 Uhr im großen Opernhaus auszuwählen. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf spanische, französische, belgische und deutsche Kurzfilme verschiedenster Genres. Aber werden aber auch Produktionen aus Tschechien, Irak, Brasilien oder Kolumbien.
Das Spektrum reicht vom skurrilen Horrorfilm, Liebesdrama bis hin zum humorvoll-ironischen Film mit aktuellen politischen Bezügen. Gezeigt wird die ganze Bandbreite und Vielfalt in dieser Sparte.
Tobias Ehinger (Ballettmanager und designierte Geschäftsführer Direktor Theater Dortmund) zeigte sich als Jury-Mitglied begeistert über die innovativen und kreativen Einreichungen. Wie er beim Pressegespräch verriet, hofft er auch auf eine Weiterführung dieses neuen Festivalformats im Dortmunder Opernhaus.
Der krönende Abschluss ist natürlich die Preisverleihung für die von einer kompetenten Jury ausgelobten drei besten Kurzfilme.
Der erste Preis ist mit 750,- Euro, der zweite Preis mit 500,- Euro und der dritte Preis mit 250,- Euro dotiert.
Zudem wird auch noch der Publikumspreis verliehen. Jeder Zuschauer kann mit seiner Stimmkarte darüber mit entscheiden.
Auch die besten Corporate- und Studentenfilme werden mit einer Trophäe belohnt.
Am Nachmittag kann das Publikum die Kurzfilme kostenlos auf sich wirken lassen.
Für die XXS-Filmgala ab 19:00 Uhr ist ein Eintrittsbetrag von 5,- Euro, (ermäßigt 4,. Euro) vorgesehen.
Karten sind an der Theaterkasse, allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Onlineshop des Theater Dortmund erhältlich.




Effektvolles Rockoper-Projekt

[fruitful_alert type=“alert-success“]Napoleons (Jan Wosnitza) Kaisergehabe entsetzt Beethoven (Marvin Zobel). (Foto: © Jan Wosnitza)[/fruitful_alert]

Als ein Projekt der Jungen Oper Dortmund mit dem Märkischen Gymnasium Iserlohn (MGI) unter der Regie von Alexander Becker und der musikalischen Leitung Stefan Scheidtweiler hatte „Beethovens Last Night“ im hiesigen Opernhaus am 11.07.2017 seine Premiere. Die Musik hierfür stammt von Paul O‘Neil, John Oliva und Chris Caffery, der Text von O‘Neil. Durch rockig neu arrangierte Motive aus bekannten Motiven aus Beethovens (1770-1827) werden starke Emotionen des bewegten Lebens von Ludwig van Beethoven für das Publikum auf die Bühne transportiert.

Auf der Bühne und an den Instrumenten standen Schülerinnen und Schüler des Märkischen Gymnasiums Iserlohn sowie Mitglieder des Opernclubs Tortugas.

Sie wurden bei dem Projekt in Ausstattung, Regie und Musik von Profis des Opernhauses unterstützt.

Zusammen entwickelten sie eine geheimnisvoll-düster und spannende Musikgeschichte um die fiktive „letzte Nacht“ Beethovens. Das Publikum wurde nicht nur von „Personal in Regenmänteln und Schirmen“ empfangen, sondern mussten sich bei Blitz und Donner im Hintergrund auf der Leinwand ihre Plätze im Halbdunkel suchen. Was sie dann erwartete, waren nicht nur einige pfiffige „Special effects“ als Videoprojektion auf der Leinwand, sondern auch wunderbare Rockballaden. Hinzu kamen Auszüge bekannter Werken wie beispielsweise die „Ode an die Freude“ aus seiner 9. Sinfonie, die Mondscheinsonate. Das Stück präsentierte gute Stimmen und wunderschöne Kostüme.

Kurz zur Geschichte: Ludwig van Beethoven sitzt in einer düsteren Märznacht (1827)an seiner gerade fertig gestellten 10. Sinfonie, und die Geister der Vergangenheit suchen ihn heim. Mit dabei ist jedoch auch die gute Fee Fate. Da steigt um Mitternacht der Mephistopheles aus dem Klavierkasten und bietet ihm heimtückisch an, seine Seele zu behalten, wenn er ihm seine letzte gewaltige Sinfonie überlassen würde. Beethoven bittet um eine Stunde Bedenkzeit, um diese noch verbessern zu können. Die gute Fee bietet ihm zum Glück vor dieser großen Entscheidung ihre Hilfe an…

Wie es sich für eine richtige Rockoper gehört, ist sie in englischer Sprache gehalten, aber vier der beteiligten Akteure befanden sich unter dem Publikum und erklärten zwischendurch auf amüsante Weise einiges zu Beethoven und der Geschichte.

In der Hauptrolle des „alten Beethoven“ glänzte Profi-Sänger Marvin Zobel, auch schon als Ensemblemitglied der Dortmunder Oper 2015/2016 in der Produktion „Piraten fluchen nicht“ in guter Erinnerung. Die Produktion war nicht nur unterhaltsam, sondern gab auch sensible Rückblicke auf das Leben des Komponisten. Dabei wurden zum Beispiel die Gewaltausbrüche des Vaters gegen den kleinen Ludwig, aber auch lustige Momente wie seine Begegnung mit Wolfgang Amadeus Mozart vor Augen geführt. Auch die Frauen, die den Komponisten wesentlich beeinflusst haben, die „unbekannten Geliebten“ wurden thematisiert.

Mit Standing-Ovations feierte das Publikum diese beachtliche Leistung der beteiligten Akteure in allen Altersklassen.




Die Tragik des Otello

[fruitful_alert type=“alert-success“]Langsam geht die Saat des Zweifels auf. Lance Ryan (Otello), Sangmin Lee (Jago). Foto: ©Thomas Jauk, Stage Picture[/fruitful_alert]

Giuseppe Verdis (1813 -1901) „Otello“ nach dem Melodrama von William Shakespeare, in einer modernen Inszenierung vom scheidenden Opernintendant Jens-Daniel Herzog, hatte am 26.03.2017 im Dortmunder Opernhaus Dortmund seine Premiere. Für die musikalische Begleitung war die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung des GMD Gabriel Feltz verantwortlich. Den unterschiedlichen Emotionen auf der Bühne einen entsprechenden musikalischen Hintergrund zu geben, gelang ihnen sensibel und kraftvoll.

Eine wichtige Rolle spielte wieder einmal der Chor-und Extrachor des Dortmunder Theaters unter der Leitung von Manuel Pujol und die Statisterie des Theaters.

Nach am Anfang auf einer Leinwand durch eine Videoprojektion im Hintergrund einen Blick wie quasi aus einem U-Boot auf gefahrvolle Kämpfe und tosenden Meereswellen zur dramatischen Musik werfen konnten, empfängt das Volk (Chor) kurz danach enthusiastisch ihren siegreichen Helden Admiral Otello auf dem von Venedig besetzten Zypern. Er hatte die Türken besiegt und die venezianische Flotte heil durch das schweres Unwetter geführt.

Selbsthaß und Selbstzweifel

Das Otello (Lance Ryan) ein starker und wenn nötig grausamer Admiral ist, wird auf der Bühne durch seinen blutige Trophäe, ein Wolfskopf, deutlich symbolisiert. Vielleicht ein kleiner Seitenhieb auf die „grauen Wölfe“ eine sehr nationalistische Gruppierung in der Türkei. Stark ist Otello aber nur als Soldat. Auf seine schöne Frau Desdemona (Emily Newton) ist er rasend Eifersüchtig. Er ist gefangen in Selbstzweifeln, Selbstmitleid und und einem Hang zur Selbstzerstörung. Er kann und will sich überhaupt nicht vorstellen, dass eine so schöne Frau wie Desdemona „einem Mann wie ihm“ treu ist. Herzog wählt dabei nicht wie im Original das Motiv des „andersfarbigen“ Menschen, sondern stellt der jungen Desdemona einen älteren Otello an die Seite.

Wie die zweite Seite einer Medaille ist da der ihn hassende Fähnrich Jago (Sangmin Lee). Er würde selbst gerne mindestens Hauptmann werden und versucht unerbittlich, Otello zu schaden. Das tragische an der Situation ist, dass beide sich gegenseitig brauchen. Otello möchte unbedingt den Beweis für die von ihm eigentlich schon als feststehend angenommene Untreue seiner Frau. Jago seinerseits will ihn vernichten und bietet dem Feldherrn und Gouverneur von Venedig durch Intrigen den vermeintlichen Beweis für das Fremdgehen von Desdemona. Alle weiteren Personen der Handlung sind nur Statisten in diesem Intrigenspiel. So zum Beispiel der bedauernswerte Hauptmann Cassio (Marc Horus), der als vermeintlicher Geliebter instrumentalisiert wird. Jago schreckt nicht einmal davor zurück, seine eigene Frau Emilia (Almrija Delic) für seine Zwecke einzuspannen.

Die Idee, den Bühnenraum in vier Zimmer einzuteilen, ermöglichte,es dem Publikum, parallel die Reaktion der verschieden Beteiligten zu erleben. Ein guter Schachzug.

If you want blood…

Das Melodrama geht zwangsläufig auf sein tragisches Ende zu. Otello ersticht Desdemona (zum Glück nicht im Bett). Als er von Emilia erfährt, dass Desdemonas Beteuerungen ihrer Unschuld stimmen, richtet er sich selber. Es fließt an diesem Abend viel Theaterblut und das Sterben dauert, wie es sich bei einer Oper gehört, ziemlich lange.

Bei Otello wird das fragwürdige Frauenbild der Zeit Shakespeares deutlich. Desdemona beteuert zwar ihre Unschuld, ergibt sich dann aber doch recht unterwürfig ihrem Schicksal. Warum klärt Emilia nicht früher die Intrige ihres Ehemannes auf? Ist die Frau etwa dem Manne zum Gehorsam verpflichtet?

Bei der Klasse der SängerInnen fällt es schwer, speziell jemanden heraus zu heben.

Sangmin Lee spielte die Rolle des grausamen und wirklich Bösen hinterlistigen Jago jedoch wirklich besonders glaubwürdig. Auch Emily Newton singt eine betörende Desdemona als Quell aller Unschuld, die völlig ratlos in die Mühlen von Jagos Intrigen gerät. Das wird im Stück schön von Herzog auf den Punkt gebracht mit einem Bild von Desdemona mit einem Heiligenschein.

Letztlich sind Desdemona und Otello beide blind. Sie vor Liebe und Unschuld, er vor Eifersucht und Selbstzweifeln. Jago braucht die meiste Zeit gar nichts zu tun, außer ein paar Nadelstiche zu setzen.

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Der Frosch als Erklärbär

[fruitful_alert type=“alert-success“]Fritz Eckenga (im Vordergrund) führte in seiner gewohnten Art durch die Operette. (Foto: © Oper Dortmund)[/fruitful_alert]

Für viele (jüngere) Menschen gelten Operetten als altbacken und angestaubt. Dass es auch anders sein kann, zeigte die Premiere der halb konzertanten Operettenaufführung der „Fledermaus“ von Johann Strauss (Sohn) in der Oper Dortmund am 05.03.2017. Die szenische Einrichtung kamen von Jens-Daniel Herzog und Alexander Becker.

Die Idee, Operette mit Kabarett zu verbinden war ein guter Schachzug. In der Geschichte wird betrogen und getrickst, gesoffen und gefeiert. Sie eignet sich also für die Kombination eines bekannten Ruhrgebiets-Kabarettisten wie Fritz Eckenga mit seinem lakonisch-trockenen Humor, der als lockerer Erzähler und Erklärer Frosch durch das Programm führt, mit den wunderbaren SängerInnen des Dortmunder Ensembles. Auf der Bühne im Hintergrund spielte die Dortmunder Philharmoniker unter der schwungvollen Leitung des stellvertretenden GMD Motonori Kobayashi. Sie mussten sich nicht nur auf die Musik Johann Strauss (Sohn) konzentrieren, sondern wurden von Eckenga als Hausmeister Frosch schon zu Anfang „angemacht“. Wie man es von Eckenga gewohnt ist, wurde das Publikum, einzelne Personen aus dem Publikum oder die SängerInnen die Performance humorvoll-ironisch einbezogen. Das trug zur Auflockerung der Atmosphäre bei. Er scheute sich auch nicht, im Laufe des Abends hintergründige politische Spitzen mit aktuellem Bezug auszusenden.

Zu Beginn der Aufführung schleppte er als Hausmeister einige Requisiten in den vorderen Bereich der Bühne, darunter auch einen alten staubigen Sessel. Dieser wurde sinnbildlich vor den Augen des Publikums entstaubt.

Kammersänger Hannes Brock hatte in der Person des amourösen Abenteuern und guten Feiern nicht abgeneigten Gabriel von Eisenstein wieder mal eine Paraderolle gefunden. Emily Newton als seine Frau Rosalinde, ebenfalls untreu, stand ihm stimmlich und mit ihrem komödiantischen Talent in nichts nach. Diese Qualitäten waren auch bei den anderen Beteiligten, dem Gefängnisdirektor Frank (Luke Stoker), Alfred ( Joshua Whitener), dem rachsüchtigen Notar Dr. Falke (Gerado Graciacano), dem Kammermädchen Adele (Ashley Thouret) mit ihren Künstlerträumen und die sie begleitende Schwester Ida (Enny Kim) gefordert. Ileana Mateescu konnte wieder einmal in einer „Hosenrolle“ als Prinz Orlofsky überzeugen.

Bekannten Ohrwürmer wie etwa „Mein Herr Marquis“, das bezeichnende „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“ oder die beliebte Ode an den Champagner „Im Feuerstrom der Reben“ und die festlichen Kostüme sorgten für den Glamour-Faktor der Operette, geerdet durch das Kabarett.

Wenn die Welt schon Richtung Abgrund taumelt, dann bitte nicht nüchtern. Der Alkohol spielte also auch eine große Rolle an diesem Abend. Nicht nur im Hintergrund auf der Leinwand perlte der Champagner, sondern auf der linken Seite der Bühne wartete eine Kiste Bier darauf, dass der Inhalt getrunken wird.

Der entstaubte Operettenspaß wurde mit viel Beifall vom Publikum belohnt.

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Disney im Zauberflötenland

Tamara Weimerich (Papagena) und Morgan Moody (Papageno). (Foto: © Theater Dortmund)
Tamara Weimerich (Papagena) und Morgan Moody (Papageno). (Foto: © Theater Dortmund)

Die Interpretationen zu Mozarts „Zauberflöte“ sind Legion. Mal steht Sarastro für die Aufklärung, mal für die Fürstenmacht, mal für die Vernunft oder auch für eine zweifelhafte Persönlichkeit. Für Regisseur Stefan Huber ist Sarastro Walt Disney und er lässt Karl-Heinz Lehner im goldfarbenen Anzug Disneys Wunderwelten erkunden. Von den drei kleinen Schweinchen (die drei Knaben) über Papageno, der ein wenig Donald Duck ähnelte, bis hin zu Monostatos mit seinen Mickey-Maus-Ohren. Passend dazu kam Tamino in einem Pfadfinder-Outfit, als wäre er Mitglied im Fähnlein Fieselschweif. Ein Premierenbericht vom 26. November 2016.

Die Handlung in aller Kürze: Tamino soll im Auftrag der Königin der Nacht ihre Tochter Pamina aus den Händen von Sarastro befreien. Jedoch wird unser Held durch die Güte von Sarastro überzeugt und lässt sich in die Mysterien einweihen und bekommt am Ende seine geliebte Pamina. Auch Taminos Begleiter Pagageno findet am Ende seine Papagena.

So weit, so gut, der Text von Emanuel Schikaneder vereint drei Elemente: Freimaurertum, die französischer Revolution und die altägyptische Exotik, die damals in Wien Mode war. O Isis und Osiris. Heute würde man ergänzen, dass der Text nicht ganz politisch korrekt ist. Vor allem Sarastros patricharchalische Welt duldet keine Frauen: „Ein Weib tut wenig, plaudert viel“. Seinem schwarzen Diener Monostatos geht es ähnlich. Nichts ist mehr von „Menschenliebe“ zu spüren, wenn ihn Sarastro mit 77 Sohlenhieben bestraft, nur weil er seine Pflicht erfüllt hat und Pamina zurückbringt.

Unbeeindruckt von allen Interpretationen bleibt Mozarts Musik und der wahrscheinlich ungewöhnlichste Beginn einer Oper: Der heldenhafte Tenor flieht vor einem Untier und muss von drei Frauen gerettet werden. Mozarts Musik wurde meisterhaft dargeboten von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Gabriel Feltz.

Auch die Sänger machten einen guten Job: Joshua Whitener bot als Tamino ebenso eine Klasse Vorstellung wie Lehner (Sarastro), Marie-Pierre Roy (Königin der Nacht), Morgan Moody (Pagageno) oder Hannes Brock (Monostatos). Wobei Moody seine schauspielerischen Fähigkeiten immer wieder aufblitzen ließ. Auch die Nebenrollen waren sehr stark besetzt, für die drei Kaben (Jushua Krahnefeld, Vincent Schwierts und Nick Esser) gab es verdientermaßen großen Applaus. Chor und Statisterie ergänzten auf positive Weise das Gesamtbild.

Vielleicht ist die Kostümierung für den einen oder anderen zu schrill, doch dem Dortmunder Publikum hat es zumeist gefallen. Auch das Bühnenbild mit den europäisch-westlichen Wahrzeichen (u.a. Brandenburger Tor, Schiefer Turm von Pisa, Freiheitsstatue) passte zur Inszenierung.

„Die Zauberflöte“ ist in der Dortmunder Inszenierung von Huber ein schönes buntes Stück geworden zusammen mit der unsterblichen Musik von Mozart.

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Emotionale Achterbahn in der neutralen Zone

Rinaldo (Ileana Mateescu) zwischen Almirena (Tamara Weimerich links) und Armida (Eleonore Marguerre rechts). Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture
Rinaldo (Ileana Mateescu) zwischen Almirena (Tamara Weimerich links) und Armida (Eleonore Marguerre rechts). Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Mit der Übernahme seiner erfolgreichen Produktion in der Oper Zürich in Kooperation mit dem Theater Bonn von Georg Friedrich Händels „Rinaldo“ brachte Opernintendant Jens-Daniel Herzog und das Dortmunder Ensemble am 09.01.2016 (Premiere) eine weitere Barockoper auf die heimische Bühne. Ein wenig Lokalkolorit spielte mit, denn „Rinaldo“ besitzt auch Bezüge zu Ritter Rinaldo (Reinoldus) von Montauban, dem Schutzpatron unserer Stadt, aus den Heldensagen von Kaiser Karl den Großen kommen.

Herzog transferierte das Geschehen der Geschichte, basierend auf der Legende über die Schlacht um Jerusalem (1099) in moderne Transit-Räume, einem Flughafen und einer Hotellobby. In dieser neutralen Zone treffen sich die beiden Parteien: Die christliche Fraktion um Goffredo und seinem Bruder Eustazio und die islamischen Fraktion um Argante und der Zauberin Armida. Um den Sieg zu erringen, benötigt Goffredo unbedingt die Hilfe von Rinaldo. Der leidet aber an einem „Burn-out“ und will eigentlich nur mit Goffredos Tochter Almirena ein ruhiges Leben führen. Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die Gegenseite entdeckt den schwachen Punkt bei Rinaldo und entführt Almirena und Armida bekommt auch Rinaldo in ihre Fänge. Selber eher an ihrem persönlichen Glück interessiert, verliebt sich Armida aber in den schönen Rinaldo und kann ihn nicht töten. Argante wiederum ist emotional zu der sanften Almirena hingezogen. Das bleibt vor der rach-und eifersüchtigen Armida nicht verborgen. Nachdem Almirena und Rinaldo von Goffredo und Eustazio mit Hilf eines Magiers befreien können, raufen sich auch Argante und Almirena wieder für den Kampf um Jerusalem zusammen. Nachdem die christlichen Kreuzritter die entscheidende Schlacht gewinnen, arrangieren sich alle Parteien notgedrungen.

„Eine Hauptfigur hasst zu Beginn eine andere und stellt erst später fest, dass sie ihn liebt.“ Allein darüber haben spätere Komponisten ganze Opern verfasst. In der Zeit von Händel ging das alles noch schnell. Keine Psychologisierungen, kein langsamer Gefühlswandel über vier Arien, von „Ich werde dich töten“ zu „Ach, ist der hübsch. Ich bin verliebt“ dauert es bei Armida nur wenige Sekunden. Ebenso schnell wird der „Beziehungsstreit“ zwischen Argante und Armida beendet.

Dabei half Herzog auch die geniale Bühne von Christian Schmidt. Die geschickt ausgewählte drehbare Bühnenvorrichtung mit ihren verschiedenen Ebene bot eine geniale Spielwiese für spezielle Effekte und die Möglichkeit, verschieden emotionale Zustände wie Wut, Eifersucht, Liebe und Traurigkeit aber auch humorvolle Ironie auf die Bühne zu zaubern. Rinaldos (Ileana Mateescu) Verzweiflung wird zum Beispiel noch deutlicher, dass sich die Personen um ihn herum in Zeitlupe bewegen. Ein im Schockzustand bekanntes Phänomen. Der Höhepunkt war die Arie von Rinaldo „Venti, turbini, prestate“ kurz vor Ende des ersten Aktes, als Rinaldo die Kraft des Windes beschwor und sich alle dem Sturm beugen mussten. Vom Winde verweht auf die komischste Art.

Die Barockoper stellt besondere Anforderungen an die Stimmlagen der Sänger/innen. So sind bei „Ronaldo“ auch die Männerrollen zumeist von Frauen oder besetzt. Sozusagen Frauen-Power.
Als Rinaldo bewies die in „Hosenrollen“ (zum Beispiel „Rosenkavalier“) erfahrene Ileana Mateescu wieder einmal mehr ihr gesangliches und darstellerisches Können. Das gleich gilt für Eleonore Marguerre als Armida in all ihren Facetten. Mal erotisch-frivol, mal wütend eifersüchtig voller Rache. Tamara Weimerich als liebreizende Almirena begeisterte vor allem bei der schönsten und bekanntesten Arie der Oper „Lascia ch’io pianga“. Gelungen war auch ihr erster Auftritt als Art weiblicher James Bond. Als Gast aus Bonn gefiel Kathrin Leidig als Goffredo. Obwohl er am Anfang mit der Lautstärke zu kämpfen hatte, machte Jakob Huppmann als Eustazio die besondere Faszinazion einer Kauntertenor-Stimme deutlich, zudem hatte er es beim Publikum nicht leicht, nachdem er in der ersten Szene die Zukunft aus einer frischen Katzenleber lesen musste. Tierfreunde brauchen jedoch keine Panik zu bekommen, es wurde alles nur gespielt. Ist schließlich auch eine Oper. Mit viel Humor und Stimmgewalt füllte Gerardo Garciacano seine Rolle als Argante.

Das Tanzensemble bereicherte die Inszenierung mit schönen Choreografien, denn sie waren weit mehr als nur Statisten. Ihre Tanzeinlagen passten wunderbar zur Inszenierung, mit Aktenkoffer und Business-Anzug, als Unterhändler, die mehr mit den Akten als mit dem Schwert kämpften.

Die Inszenierung war bis in die Nebenrollen gut besetzt. Sei es die verführerischen Sirenen (im Stewardessen-Look) oder der Magier (Maria Hiefinger) als Reinigungskraft.

Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi waren passend in Barockorchester-Stärke zu hören. Dafür waren sie etwas erhöht, so dass sie für das Publikum als sichtbarer Teil der Inszenierung zu erkennen waren. Das musikalische Fazit: Sie können auch Barockmusik.

Es war ein begeisternder Barockopern-Abend. Wo so viel auf verschiedenen Ebenen passiert, ist es schwer, all die vielen Details mit zu bekommen. Da hilft nur, noch mal ansehen und anhören. Denn die Inszenierung kennt keine Langeweile, ist ist mit viel Augenzwinkern gemacht worden, ohne die Sängerinnen und Sänger in irgendeiner Form bloß zustellen. Die Beziehung zwischen Christen und Muslimen steht nicht im Mittelpunkt, sie ist noch nicht einmal ein Randthema. Es geht in dieser Inszenierung nicht um Religion, sondern um die Wirren und Fallen der Liebe.




Berührendes Melodrama in der Oper

Keine Chance für die Zukunft haben Violetta  (Eleonore Marguerre) und Alfredo (Ovidiu Purcel). Foto: © Thomas Jauk.
Keine Chance für die Zukunft haben Violetta (Eleonore Marguerre) und Alfredo (Ovidiu Purcel). Foto: © Thomas Jauk.

Am 28. November 2015 war Premiere von Giuseppe Verdis berühmten „La Traviata“ (Die vom Weg Abgekommene) nach der „Kameliendame“ „Alexandre Dumas fils) in der Oper Dortmund.

Die junge Regisseurin Tina Lanik legte den Schwerpunkt ihrer Inszenierung auf die Darstellung der Pariser Edelprostituierten Violetta Valéry als Einsame, oberflächlich lebende aber sensiblen Frau mit weichem Herz, die alles was sie macht, radikal bis zum Ende durchzieht. Die tödliche Krankheit Tuberkulose liegt dabei immer wie ein Schatten über ihr Leben.

Violetta lässt sich von den Liebesbekundungen Alfredo Germont, seinem hartnäckigen Werben berühren und wagt eine radikale Änderung ihres bisherigen Lebenswandels. Sie zieht mit Alfredo in ein Landhaus und erlebt ein kurzes Glück als dessen treue Lebensgefährtin. Diese scheinbare Idylle wird jedoch abrupt durch Alfredos Vater, dem Geschäftsmann Giorgio Germont, gestört. Der herrische Patriarch der aufkommenden Bourgeoisie verlangt von ihr, sich von seinem Sohn zu trennen, um die „Ehre“ seiner Familie wieder herzustellen. Überrascht erkennt Giorgio, dass Violetta so gar nicht in die Schablone der „ausgebufften Betrügerin und raffgierigen Prostituierten“ entspricht, sondern eine liebende Frau ist, die für den gemeinsamen Lebensunterhalt selber aufkommt. Trotz seiner Zuneigung für Violetta, setzt Alfredos Vater gnadenlos seine Interessen durch. Nun beginnt die nächste Wandlung der Violetta, zu einer Verzichtenden. Nach anfänglichen Zögern willigt sie ein, sich radikal von Alfredo zu trennen, wenn sein Vater ihm nur nach ihrem Tod von ihrem großen Opfer aus Liebe erzählt. Sie macht Alfredo vor, einen anderen zu lieben. Der ist voll rasender Eifersucht und wie ein trotziges Kind wirft ihr das beim Spiel gewonnen Geld vor die Füße verschwindet später ins Ausland. Kurz vor ihrem Tod erfährt er die ganze Wahrheit über Violettas Verzicht, kommt zu ihr und möchte krampfhaft an eine gemeinsame Zukunft glauben. Es ist aber zu spät. Wie sein herbeigeeilter Vater, die treue Freundin und Haushälterin Annina und der Doktor können sie nur zusehen, wie sie stirbt.

Eleonore Marguerre, bekannt aus verschiedenen Produktionen (wie beispielsweise Don Giovanni), überzeugte nicht nur bei der Bewältigung der hohen gesanglichen Herausforderung, sondern auch durch ihre intensive und sensiblen Darstellung der Violetta Valéry in ihrer Verzweiflung, Sehnsüchten, Radikalität und Einsamkeit. Drastisch zum Beispiel, als sie ihre blonde Perücke und Kleidung als Zeichen für das Ende ihres Leben als Edelprostituierte ablegt. Als Vertretung für den erkrankten Tenor Lucian Krasznec sprang Ovidiu Purcel von der Rheinoper als Alfredo Germont. Mit weichem Timbre und viel Emotionen stellte er www.theaterdo.desowohl den verliebten als auch eifersüchtig-beleidigten Alfredo dar. Mit großer Bariton-Stimme und Präsenz auf der Bühne begeisterte Sangmin Lee als Giorgio Germont.

Ein großes Kompliment dem Opernchor des Theaters Dortmund unter der Leitung von Manel Pujol. Die Damen und Herren hatten ihren großen Auftritt im zweiten Akt als „Zigeunerinnen“ und „Matadore“. Zusammen mit Natascha Valentin als Flora Bervoix und Morgan Moody als Marquis d’Obigny sorgten sie für ordentlich Feierstimmung. Die weiteren Nebenrollen in „La Traviata“ fügten sich mit ihren Leistungen in das gelungene Gesamtbild ein.

Die Kostüme waren zeitgenössisch, raffiniert und bei der Farbauswahl mit Bedacht ausgewählt.

Die Bühnenausstattung war mit wenigen, stimmungsvollen Elementen wie zum Beispiel ein loderndes Feuer dezent ausgewählt.

Die Dortmunder Philharmoniker begleiteten das Geschehen musikalisch unter der Leitung von Motonori Kobayashi mit Sicherheit und Gespür für die jeweilige Stimmungslage. Die Inszenierung zeigte nicht nur das Schablonendenken der sogenannten „besseren Gesellschaft“, die Violetta keine Chance gibt, auf, sondern entlarvt auch deren gnadenlose Heuchelei und verbreiteten Voyeurismus. Ein leider immer (noch) aktuelles Thema.

Ein gelungener und begeistert gefeierte Abend für alle Opernfans.

Infos und Termine unter www.theaterdo.de