Facetten der Nordstadt

Eine gemalte Hommage an die Nordstadt mit ihren faszinierenden Häusern von Günter Rückert.
Eine gemalte Hommage an die Nordstadt mit ihren faszinierenden Häusern von Günter Rückert.

Bis zum 01. Mai 2016 zeigt das Torhaus Rombergpark Malerei und Zeichnung von Günter Rückert mit dem Schwerpunkt „Nordstadt“. Das größte zusammenhängende Altbaugebiet des Ruhrgebiets mit ihren Häusern aus der Gründerzeit ist für Künstler eine Fundgrube an Motiven.

Die Nordstadt lässt einen nicht kalt. Für den einen ist sie ein angehendes Szeneviertel mit einer Vielzahl an Kultur, für die anderen der Ort von Drogen, Armut und Arbeiterstrich. Hier findet das Leben draußen statt und wunderschöne Fassaden stehen neben heruntergekommen Problemhäuser.

Die 21 Bilder, die Rückert im Torhaus zeigt, präsentieren eher den landschaftlichen Aspekt des Stadtteils. Häuserkomplexe und Hinterhöfe teilweise aus der ungewohnten Vogelperspektive. Dabei geht es Rückert nicht um die naturalistische Sicht der Dinge. Oft wirken die Bilder unfertig, weil der Künstler sich auf einen Häuserkomplex konzentriert und den Rest weggelassen hat, obwohl im „wahren Leben“ daneben noch andere Häuser existieren. Wer sich in der Nordstadt auskennt, wird auf Anhieb einige Orte wiedererkennen wie beim Bild „Ararat Grill“ am Anfang der Münsterstraße, in der der gleichnamige Imbiss und die Kneipe „Bei Ernie“ ihre Heimat haben.

Für die Ausstellung hat sich Rückert ganz auf die Acrylmalerei konzentriert, obwohl sonst Aquarell und Zeichnung im Vordergrund stehen. Rückert beschäftigt sich nicht nur malerisch mit der Nordstadt, er ist auch bekannt als Autor und Regisseur für den „Geierabend“ dem alternativen Ruhrpottkarneval. Die Typen, die in der Show vorkommen, sind Nordstadt-Typen, die aus ihrer Sicht ihre Geschichten vorkommen.

Passend zur Ausstellung ist das kleine Bändchen „Nordwärts“ mit Bilder und Szenen von Rückert herausgekommen.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus sind dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr und sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr.




Wo bitte geht’s hier zum Ghetto?

Marcel Feige alias MArtin Krist auf der Suche nach den dunklen Ecken Dortmunds.
Marcel Feige alias Martin Krist auf der Suche nach den dunklen Ecken Dortmunds.

Die Nordstadt, Mittwoch Nachmittag um 14:30 Uhr. Fast ein Stadtteil wie jeder andere. Nichts zu sehen von den Schreckensmeldungen, die ab und an über die Nordstadt verbreitet werden. Selbst die Frauen in der Linienstraße schauen traurig und gelangweilt. Wir sind zusammen mit Autor Marcel Feige, besser bekannt als Martin Krist, auf Recherchetour in der Nordstadt. Feige soll eine Kurzgeschichte für die kommende Anthologie „Mord am Hellweg“ schreiben und sucht Inspiration in dem verrufenen Viertel.

 

Nachts sind alle Katzen grau, doch tagsüber stellt sich alles irgendwie ganz anders da. Die Linienstraße kaum frequentiert, die Münsterstraße entpuppt sich als normale Einkaufsstraße und der Nordmarkt liegt still und starr. Nichts zu sehen oder zu hören von Problemen mit Sinti und Roma, Drogenhandel, oder gar von „Sexy.Hölle.Hellweg“ wie die siebte Anthologie von „Mord am Hellweg“ heißen wird. Das größte Problem ist, um drei Uhr nachmittags in der Nordstadt ein Café zu finden, um einen Kaffee zu trinken. „Es ist ein Problemviertel wie es jede Stadt hat“, konstatiert Feige und trifft wohl damit den Nagel auf den Kopf. Die Nordstadt ist weder die Bronx in New York, noch ein von Gentrifizierung bedrohtes Viertel. Ein Problembezirk mit vielen Risiken, aber sicher auch einigen Chancen, vor allem für Künstler, die sich immer öfter in der Nordstadt niederlassen.

 

Dem Wahl-Berliner (Feige stammt ursprünglich aus Kevelaer) fällt natürlich etwas anderes auf: Die ganze Stadt lebt den örtlichen Fußballverein Borussia Dortmund. Es ist unmöglich und vermutlich auch zwecklos, den Schwarz-Gelben zu entkommen. Trotz Besuch des Dortmunder U, dem neuen Kulturleuchtturm, ist der Fußball, der die Stadt prägt. Um die ganze Bandbreite der Stadt kennenzulernen, war Feige auch im Kreuzviertel, das man mit viel gutem Willen als „Latte Macchiato-Viertel“ bezeichnen könnte.

 

Aber Marcel Feige hat noch einige Wochen Zeit, um als Martin Krist einen 12-seitigen Krimi zu schreiben. Ende März bis Mitte April ist Abgabetermin. Es muss auf jeden Fall ein Mord in die Kurzgeschichte integriert werden. Das eigentliche Festival „Mord am Hellweg“ findet dann vom 20. September bis 15. November 2014 statt.

 

Infos über das Festival „Mord am Hellweg“ im Internet: http://www.mordamhellweg.de/

Infos über Marcel Feige alias Martin Krist http://martin-krist.de/