Wiener Melange im Pott – Jordan de Souza bittet zum Walzer

Es muss nicht immer der Goldene Saal in Wien sein: Zum Jahresauftakt 2026 verwandelten die Dortmunder Philharmoniker das Konzerthaus in einen Ballsaal. GMD Jordan de Souza bewies bei seinem Neujahrs-Debüt, dass er nicht nur den Taktstock, sondern auch das Publikum fest im Griff hat – mit Verve, Charme und einem klaren Verzicht auf militärischen Marsch-Pomp.

Wer am Neujahrstag ins Konzerthaus kam, erwartete Tradition, bekam aber glücklicherweise keine Routine. Jordan de Souza, der neue Generalmusikdirektor, nutzte sein erstes Heimspiel zum Jahreswechsel, um das Motto „Wiener Gäste“ wörtlich zu nehmen: Er lud das Publikum ein, die österreichische Hauptstadt nicht als Museum, sondern als lebendigen, pulsierenden Ort zu erleben.

Vom Puszta-Feuer zur geigerischen Intimität

Dass der Weg nach Wien historisch oft über Ungarn führte, machte der Auftakt deutlich. Bei den Ungarischen Tänzen von Brahms verzichtete de Souza auf plumpe Effekthascherei und setzte stattdessen auf rhythmische Schärfe. Das Orchester folgte seinem Chef mit hörbarer Spielfreude, wechselte ansatzlos von melancholischer Schwere in jenes feurige Tempo, das den Puls für den Abend vorgab.

Arabella Steinbacher spielte Max Bruchs Violinkonzert. (Foto: Co Merz)
Arabella Steinbacher spielte Max Bruchs Violinkonzert. (Foto: Co Merz)

Den emotionalen Ankerpunkt setzte jedoch Arabella Steinbacher. Wer bei Max Bruchs erstem Violinkonzert nur virtuose Fingerübungen erwartet, wurde eines Besseren belehrt. Steinbacher, längst eine feste Größe auf den Weltbühnen, suchte in dem oft gespielten Gassenhauer nicht den großen Effekt, sondern das intime Gespräch. Ihr Ton – mal sehnend, mal energisch zupackend – verschmolz mit dem Orchester, statt bloß darüber zu schweben. Dass sie für den tosenden Applaus eine Zugabe von Fritz Kreisler aus dem Ärmel schüttelte, war nur folgerichtig: technische Brillanz mit einem augenzwinkernden Lächeln.

Walzer ohne Staubschicht

Nach der Pause dann das, wofür man am 1. Januar ins Konzert geht: Der Dreivierteltakt. Doch Jordan de Souza lief nicht Gefahr, in Kitsch abzudriften. Strauss’ Rosen aus dem Süden blühten üppig, aber diszipliniert, und die Pizzicato-Polka geriet zum humoristischen Kabinettstückchen, bei dem die Streicher ihre Instrumente fast als Schlagwerk behandelten. Als schließlich die Schöne blaue Donau durch den Saal floss, war der „Wiener Schmelz“ auch in Westfalen angekommen.




Im ¾ Takt ins Jahr 2019

Gleich
mit zwei Konzerten „Alles Walzer“ an einem Tag schickten
die Dortmunder Philharmoniker unter der schwungvollen Leitung von
Generalmusikdirektor Gabriel Feltz ihr Publikum im ¾
Takt in das neue Jahr 2019. Feltz gelang es wieder einmal, ein
facettenreiches Programm auf die Beine zu stellen, und die hiesigen
Philharmoniker zeigten
sich wie gewohnt in ausgezeichneter Form.

Zur
Seite standen für eine
gelungene Vorstellung außerdem noch die Pianistin Tatiana
Prushinskaya und die usbekische
Sopranistin Hulkar
Sabirova.

Geboten
wurden Walzerklänge in ihrer Vielfältigkeit aus unterschiedlichen
Epochen und Ländern.

Bei
dem Thema Walzer kommt man natürlich nicht an Wien und Johann Strauß
(Sohn) vorbei

So
begann das Konzert passend mit dem Kaiserwalzer op. 437 des
österreichisch-deutschen Kapellmeister und Komponisten.

Wie gewohnt führte Gabriel Feltz mit seinen Dortmunder Philharmonikern beschwingt und walzerselig durch das Programm. (Foto: Anneliese Schürer)
Wie gewohnt führte Gabriel Feltz mit seinen Dortmunder Philharmonikern beschwingt und walzerselig durch das Programm. (Foto: Anneliese Schürer)

Mit
dem traurig-schönem Arie „Lascia ch‘io pianga aus „Rinaldo“
(1720)
von Georg Friedrich
Händel ging es in ein anderes Jahrhundert und es wurde
gleich deutlich, dass der ¾
Takt und Walzer nicht seinen Ursprung, wie man denken könnte, in
Wien hat. Hulkar Sabirova
sang die Arie mit viel Gefühl und Stimm-Volumen.

In
verschiedenen Tempi und Variationen fand dieser besondere Takt auch
bei dem „Valses nobles D 969“ von Franz Schubert, arrangiert für
Klavier zu vier Händen von Georg Kremser. Tatiana Prushinskaya und
Gabriel Feltz trugen gemeinsam am Klavier dieses meisterhafte Werk
von Schubert vor.

Von
der Liebe zu einer Frau inspiriert wurde der französische Komponist
Louis Hector Berlioz (1803 – 1869) bei
seinem „Un Bal“ (2. Satz der „Symphonie fantastique“ op. 14).

Beim
romantischen Liebeslied „je veux vivre“ aus „Romeo et
Juliette“ von dem französischen Komponisten Charles Gounod konnte
die Sopranistin Sabirova erneut ihre weiche und volle Stimme zur
Geltung bringen.

Gabriel
Feltz führte ab und zu mit witzig-humorvollen und bissigen
Überleitungen durch das Programm.
Es folgten mit dem Walzer
aus „Dornröschen“ von Peter Tschaikowsky (1848 – 1893) und dem
Walzer Nr.2 aus der „Suite für Varieté-Orchester“
von Dimitri Schostakowitsch (1906 – 1975) zwei russische Vertreter
mit ihrem ihren romantischen und bei Schostakowitsch in
trüben politischen Zeiten auch
melancholischen Walzer-Werken.Stimmungsvoll
wurde das Programm mit dem Frühlingsstimmen op. 410 von Johann
Strauß (Sohn) dem Ende entgegen geführt.

Sabirova
und Feltz ließen es sich nicht nehmen, dabei gekonnt einen
Walzertanz auf die Bühne zu bringen und danach auch zwei Gäste aus
dem Publikum zum Tanz zu bitten.

Einer
der wohl bekanntesten Walzer von Strauß Junior, der bekannte
„Donauwalzer“, sowie ein Czaras von Hulkar Sabirova dargebracht,
durften als Zugabe nicht fehlen.

Traditionell
wurde mit dem Radetzky-Marsch von Johann Strauss (Vater) das Programm
endgültig beendet und auf das neue Jahr angestoßen.