Frischer Blick auf neue Kunst

Zehn Studierende und
Alumni der Hochschule für bildende Künste in Essen zeigen 23.
Februar bis 7. April 2019 Positionen im Künstlerhaus Dortmund unter
dem Titel „45257//44147“. Dass die Postleitzahlen als
Ausstellungstitel benutzt werden, zeigt, dass es kein Thema oder
Motto gab. Es sollte die Grenzen der Disziplin ausgelotet werden.
Die Leitung des Studienganges Fotografie und Medien hat Prof. Carsten
Gliese, der zusammen mit Peter Schmieder vom Künstlerhaus das
Konzept und die Organisation übernommen hat.

Ruben S. Bürgam
wurde durch die „Wisch-Bewegungen“, die Interaktion mit
Smartphones und Co., zu ihrer Arbeit „serial.interfaces“
inspiriert. Durch Positionierung und Ausrichtung der Bildträger aus
Glas und Orthopädieschaum, wird die Projektion vervielfältigt und
entwickelt sich dadurch zur multiperspektivischen Installation.

Bei den Arbeiten von
Annette Hiller stehen Struktur, Form,Licht und Raum im Vordergrund.
Sehr spannend sind ihre dreidimensionalen Bilder. Hierbei nimmt sie
das Bild als Material für einen weiteren Prozess und baut aus
Kartons einen weiteren Raum. Zusätzlich ist sie mit ihren
Reliefbildern im Künstlerhaus zu sehen.

Annette Hiller macht aus zweidimensionalen Fotos dreidimensionale Objekte.
Annette Hiller macht aus zweidimensionalen Fotos dreidimensionale Objekte.

Zum Thema „Fake
News“ hat sich Diana Hommel Gedanken gemacht,. „Das große
Durcheinander“ aus der Reihe „Fake News oder stille Post für
Fortgeschrittene“ zeigt eine Flut von Bildmanipulationen eines
Ortes im digitalen Zeitalter, Sie wirken wie Originale, die keine
Originale sind.

„Schönheit der
Physik“ – so könnte man die Installation „Inertia“ von Loïc
Hommel. Hier sind zwei Pendel in einer Konstruktion angebracht, die
sich in einem bestimmten Zeitintervall für einen kurzen Augenblick
um ihre eigene Zentralachse drehen. An beiden enden des Pendels ist
eine Lichtquelle angebracht, die einen Lichtpunkt über die
Oberfläche einer darunterliegenden phosphoreszierenden Fläche
wirft.

Dirk Krüger zeigt
im Keller des Künstlerhauses den Film „Verzaubert“, bei dem der
Protagonist Tom über sein Leben erzählt. Tom ist sehr eloquent und
der Betrachter muss entscheiden, in wie weit er Toms Erzählungen
vertrauen möchte.

So schön kann Physik sein. "Inerta" von Loïc Hommel.
So schön kann Physik sein. „Inerta“ von Loïc Hommel.

Kritik an der mediale Schönheitsideal übt Meike Poese. Sie fotografierte über 90 verschiedene Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet, um zu zeigen, wie unterschiedlich und einzigartig jeder Einzelner ist. Zu sehen sind etwa 50 Schwarz-Weiß-Bilder im Künstlerhaus.

Neben einer
skulpturalen Arbeit zeigt Gabi Rottes zwei Videoinstallationen, bei
der sie zwei Räume seziert und auseinander nimmt. „Ich entnehme
die Details und stelle sie neu zusammen“, so die Künstlerin. In
„MIES.movin .curtain“ und „Mies.misian motion“ lässt sie den
Betrachter duch Räume fliegen, deren Grundlagen der
Barcelona-Pavillion, das Farnsworth House oder die Neue
Nationalgalerie sind.

„Elemente stehen
immer in Beziehung“ – so lautete der Titel der Arbeit von Simon
Tretter übersetzt. Im „untitled – elements are always relatet“
geht es ihm um das Verhältnis von Kunst und Betrachter. In der
dreigeteilten Arbeit wird eine wartezimmerähnliche Situation
dargestellt. Fremdartig, aber doch irgendwie vertraut.

Xiamo Wang fragt
nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen zwei urbanen
Zentren wie Dortmund und ihrer Heimatstadt Chengdu, Für Wang ist die
nächtliche Stadtlandschaft attraktiver und mysteriöser als am Tag.
In zwei Fotobüchern präsentiert sie ihre Entdeckungen und
entwickelt so etwas wie einen Chat zwischen den beiden Städten.

Simon Badura zeigt
Räume, die ihn in seiner Kindheit geprägt haben und die er den
Betrachtern vorstellt. Somit haben die Besucher die Gelegenheit, an
seinen Erinnerungen teilzuhaben oder aber eigene Ideen zu entwickeln.

Die Öffnungszeiten
der Ausstellung im Künstlerhaus sind von Donnerstag – Sonntag von 16
– 19 Uhr.




Facettenreichtum großformatiger Malerei im Künstlerhaus Dortmund

Im Zeitraum vom 01.12.2018 bis 20. 01.2019 zeigt das Künstlerhaus Dortmund in seinen Räumlichkeiten unter dem Titel „Zur Größe bestimmt –Großformatige Malerei“ facettenreiche „Großmalereien“ (Farbe auf Malgrund) von elf Künstlern aus ganz Deutschland (von Nürnberg bis Berlin).

Das Konzept und die Organisation stammt von Kurator Cornelius Grau. Nach einer allgemeinen Ausschreibung im Sommer hatten sich über 300 Künstler (verschiedene Altersstruktur) mit ihren Exponaten für die Ausstellung beworben. Letztendlich wurden elf davon ausgewählt.

Diese Gruppenausstellung lotet die Möglichkeiten und verschiedenen Facetten großformatiger Malerei aus.. Die KünstlerInnen bringen ihre ganz individuelle Sichtweise, ob mit Mischtechnik, Acryl –Aquarell – oder Öl, in ihre großflächigen Arbeiten ein.

Mit dabei sind:Stefan Brock, Friedhelm Falke, Julia Gutinka, Peter Nikolaus Heikenwälder, Thomas Hoffmann, Martina Justus, Franziska Klötzler, Jannine Koch, Ludwig Kupfer, Patricia Sandonis und Sebastian Troeger.

Manchmal stehen dabei strukturelle und formalistische Aspekte im Vordergrund, aber oft auch aktuelle Themen wie die Digitalisierung und Angstphobien im Angesicht der gegenwärtigen Bedrohungsszenarien durch Flüchtlinge, Krieg und Umweltzerstörung. Oft kontrastieren sie bewusst und irritieren so die Betrachter, mal farbenfroh, dann wieder düster und surrealistisch.

Die großen Bilder bieten nicht nur die Möglichkeit, immer neue Details zu entdecken, sie wecken unterschiedliche Emotionen und Assoziationen in den jeweils Betrachtenden.

Beeindruckend ist zum Beispiel das aus mehreren kleineren, zu einem riesigen, 300 x 900cm Fläche einnehmende Großbild zusammengesetzten Werk „Die grosse Angst“ (2016, Öl und Acryl auf Leinwand) von Sebastian Tröger aus Nürnberg. Augenscheinlich ist unter anderem der Rückgriff auf Picassos „Guernica“ oder Géricaults „Floß der Medusa“ und viele andere symbolische Ausdrucksformen der Kunst zu erkennen.Es bleibt dem Betrachter selbst überlassen, was er in der eher düsteren schwarz-weiß Malerei sieht,zumal es leider wieder eine traurige Renaissance der Angst in unserer Zeit gibt.

Stefan Brock setzte den Dortmunder Hafen künstlerisch um. Titel: "Am Petroleumhafen Dortmund"
Stefan Brock setzte den Dortmunder Hafen künstlerisch um: „Am Petroleumhafen Dortmund“  

Einen anderen gesellschaftspolitischen Zugang wählte Stefan Brock aus Dresden. Ein Besuch in Dortmund (am Hafen) inspirierte ihn zu seinem 200 x 160 cm großen Gemälde(Acryl und Vinylfarben) mit dem Titel „Helen, Piet und Kasimir“. Barocke Malerei verbindet er mit knallbunt-farbigen und Comicfiguren ähnelnden Personen.(Rechte?) Glatzköpfe sitzen lachend oder dösend am Ufer des Hafens.

Gegensätze treffen bei ihm aufeinander. Eiscreme-Werbungbegegnet bei ihm etwa sozialistischen Realismus, Napoleon Bonaparte wird zum Dosenbier trinkenden Dynamo Dresden-Fan. Politische Korrektheit ist nicht seine Sache. In seiner Gemäldeserie „Rosenkrieg“ verteilt er auch mal Tiefschläge an „Wutbürger“ und Neonazis.

Für Franziska Klötzler ist die Welt in Ordnung, wenn Ordnung herrscht. Zumindest in ihren Arbeiten. Hier konstruiert sie sich Normen und Konventionen, die sie in farbenfrohen Schablonen und Filtern umsetzt.

Thomas Hoffmann aus Remscheid bevorzugt bei seiner Arbeit „Blut weinen“ (2018; Öl auf Leinwand, 140 x 225 cm) die prägnante Linien und eine bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Es fallen die oberflächlich fröhliche Farben, Strukturen und eine gewisse Plakativität in seinem Bild auf. Der Stil ist von Popart, Surrealismus und Expressionismus beeinflusst. Erscheint der Bildinhalt zunächst vordergründig harmlos, verbirgt er doch eine alles andere als harmlose Aussage. Das gibt sich hier schon beim Titel wieder. Viele Assoziationsketten werden in Gang gesetzt.

Franziska Klötzler zeigt ihre Arbeit "Legit" von 2012, Mischtechnik auf Leinwand.
Franziska Klötzler zeigt ihre Arbeit „Legit“ von 2012, Mischtechnik auf Leinwand.

Das sind nur wenige Beispiele aus der facettenreiche Gruppenausstellung,die uns in entweder in das große Bild hineinziehen, vereinnahmen,oder einfach überwältigen können.

Die Eröffnung der der Ausstellung findet im Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1, 44147 Dortmund am Freitag, den 30.11.2018 um 20 Uhrstatt.

Parallel im Laboratorium: Grauomenta Spotlight # 4: Andreas Jonak .

Gezeigt werden Skulpturen des Künstlers aus Düsseldorf, die stets auf etwas Inneres und etwas ihnen zugrundeliegendes verweisen. Das umschließende Material folgt einem bestimmten Prinzip. Was es Verbirgt, zeichnet sich an der Oberfläche unscharf ab.

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Performances und Installationen in den Räumen des Künstlerhauses

Mit der Ausstellung „there is no point in being dramatic“ loten acht Künstler und Künstlergruppen vom 01.09.2018 bis zum 23,09.2018 im Dortmunder Künstlerhaus den Raum in Form von künstlerischer Begegnung von bildender und darstellender Kunst aus. Mit Installationen, Situationen und Performances schaffen sie eine bühnenhafte Konzentration, verändern Atmosphären, bestimmen und Entgrenzen die Dimensionen durch Aktion, Illusion und Simulation oder einfach durch Leere und Einrichtung. Bei dieser experimentellen interaktiven Kunstform werden die Besucherinnen und Besucher hineingezogen.

In ihrer Performance und Installation „das Mütterliche“ inszenieren Sujin Bae und Jonathan Lemke eine konstruierte Konfliktsituation. In einem begehbaren Installationsraum treten Figuren und Wesen auf, die das mit dem „Mütterlichen“ verbundene Verlustgefühl zum Ausdruck bringen.

Diese besondere, enge Beziehung zur Mutter ist mit Ängsten, Wünschen und dem Schicksal als Einzelmensch und der Selbstlosigkeit, die nicht zur Ruhe zu bringen ist, verbunden.

BBB ist ein technologisch sehr fortschrittliches interdisziplinäres Projekt, das an der Schnittstelle von Musik, Performance, Kunst, Design und zeitgenössischer Philosophie angesiedelt ist. In der aktuellen Arbeit „FullyAccessibleBody“ stellt die Künstlergruppe digitale Kopien von sich selbst her und lassen diese als Hologramme auf der Bühne performen. Die BesucherInnen werden in die Situation einer „Fanscene“ gebracht und können mit den Hologrammen wie mit einem „Popstar“ chatten. Auf das Geschehen nehmen sie durch ihren Herzschlag per Pulsmessung (am Handgelenk) aktiv Einfluss und werden so zum eigentlichen Motor der Show.

Die Corporation of people‘s situations (COPS) arbeiten mit Situationen, Performances und Lectures zum thematischen Cluster Besitz, Gemeinschaft und kollektivem Handlungsraum. Wie kann man den Stimmen von Menschen gerecht werden, die ihre unterschiedlichen Positionen vertreten und doch einen Lebensraum teilen? Wie werden gemeinschaftliche Handlungsräume und Möglichkeiten durch gesellschaftliche Vorgaben beeinflusst? Vom 13. bis 16.09.2018 ist die Performance durchlaufend während der gesamten Öffnungszeit zu erleben.

Heike Gallmeier zeigt Materialien, Objekte und Bilder ihres "Travelogue".
Heike Gallmeier zeigt Materialien, Objekte und Bilder ihres „Travelogue“.

Heike Gallmeier verarbeitet mit ihrer Arbeit „Travelogue (2017)“ gefundene Materialien zu skulpturalen Installationen.. in einem dauernden Prozess entstehen immer neue Arrangements. Materialien, Objekte und Bilder befinden sich in Bewegung. Ausgangspunkt war eine Reise von Berlin nach Northampton. In einem zum mobilen Wohnatelier umgebauten Transporter baute sie täglich neue Installationen aus gefundenen Materialien. Die Fotos von Fundorten und bearbeiteten Fundstücken wurden zu einem dichten Netz von Bezügen gruppiert.

Kalinka Gieseler simulierte mit der Verführungskraft des (fotografischen) Bildes im Großformat mit „Opening soon“ 2013 in Leipzig die scheinbare Eröffnung eines „Prada“-Ladens in dieser Stadt. Zu sehen im Künstlerhaus.

Deidra O‘Leary legt mit ihrer Installation „Mockingbird“ die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Objekt offen. Es werden Strukturen abgebildet, die Optionen, Entwicklungen und Transformationen zulassen.

Achim Lengerer lädt in Gesprächen und Workshops zu „Proben zu Peter Weiss/The Trotzki Rehearsals (Gasworks London 2013) ein. Es geht dabei um die politischen Wirkungs- und Funktionsweisen von Sprache und Text. Öffentliche Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

In seiner Videoinstallation Tannhäuser Gate“ zeigt Rustan Söderling in dem Kellergewölbe des Künstlerhauses einen nur scheinbar verlassenen Ort. Regentropfen auf der Linse beleben jedoch subtil die endlosen Wiederholungen der Kamerafahrten um Objekte. Er zeugt gleichermaßen von Anwesenheit und Abwesenheit des Menschen und seiner Objekte, als Raum zwischen Vergangenheit und Zukunft, Vision und Fiktion.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, den 31.08.2018 um 20:00 Uhr im Künstlerhaus statt. (Ab 22:00 Uhr Konzert Bomberjacke)




Eigensinn – autonome Arbeiten im Künstlerhaus

Das Künstlerhaus Dortmund zeigt vom 17. März 2018 bis 22. April unter dem Titel „Eigensinn – autonom und subversiv“ eine besondere Ausstellung. Organisierte das Künstlerhaus bisher in der Regel thematisch festgelegte Gruppenausstellungen, zeigen jetzt Künstlerinnen und Künstler unabhängig und frei entstandene Zeichnungen, Fotografie, Skulpturen, Installationen oder mediale Video-Arbeiten. Sie sind dabei autonom und die Besucher werden in die Situation „hineingeworfen“. Eigensinn bekommt einen „eigenen Sinn“. Die Künstler lassen den Betrachtern ohne einen Titel oder Themenvorgabe Freiheit für ihre persönlichen Assoziationen.

Konzept und Organisation übernahmen Elly Valk-Verheijen und Willi Otremba. Beim Konzept der thematischen Gruppenausstellung wurde versucht, übergreifende Gemeinsamkeiten aufzudecken. Dieser inszenierte Dialog zwischen den einzelnen Arbeiten lädt zum Vergleichen der Einzelpositionen ein. Zusammenhänge sollen scheinbar verständlicher werden. Dabei wird aber die autonome Wirkung der einzelnen Werke relativiert. Mit diesen künstlerischen Arbeiten können sich die Betrachter „frei“ ohne Begrenzungen durch Vorgaben auseinandersetzten.

Zu den KünstlerInnen:

Bei Peter Dobroschkes (Berlin) Zweikanalinstallation „Études à deux“ sieht man die Hände des Künstlers beim Zeichnen. Es werden – mit der Linken und der rechten Hand synchron – alle Spielge aus dem eigenen Besitz porträtiert. Diese Ansicht wird auf zwei Kameras aufgeteilt. Ein Bildschirm präsentiert die Linke, einer die Rechte. Ein Spiegelstreifen ist senkrecht auf die Mitte des Blattes gestellt und verdeckt jeweils einen Großteil der benachbarten Hand sowie die gesamten benachbarte Papierfläche. Die Mitte schafft absolute Symmetrie. Dem Künstler kommt es, wie er sagt, auf den Schaffensprozess als solchen an.

Peter Dobroschke vor seiner Arbeit "Étude à Deux", 2013, Zweokanalinstallation, miniDV.
Peter Dobroschke vor seiner Arbeit „Étude à Deux“, 2013, Zweokanalinstallation, miniDV.

Erich Füllgrabe stellt in einer komplexen technischen Konstruktion von Messeinrichtungen in seiner Installation (2015) ein Modell zur Prüfung „letteraler Osmoseprozess“ dar. Es geht um die Transformierung von verbalen Sequenzen, zum Beispiel Buchstaben wie E, I, G, N, oder S, als akustisch hörbare Frequenz erfahrbar zu machen. Er verschränkt Kunstsprache und Wissenschaftssprache und schafft so die Möglichkeiten für einen anderen Zugriff auf Realität. Eine interessante Diskussionsgrundlage.

Paul Hempt (Düsseldorf/Wien) stellt Objekte wie etwa Wegweiser-und Orientierungshilfen in der Schifffahrt in neue Zusammenhänge. Leise Hinweise für mehr Achtsamkeit. Dem Betrachter lässt er den Freiraum für die eigene Interpretation.

Michael Johansson beschäftigt sich in ungewöhnlicher Weise mit Dingen, die wir kennen. Er verdichtet und verwandelt zum Beispiel Objekte wie Bücher oder Koffer in Quader, die er präzise stapelt. So schafft er er eine Verbindung zu einem neuen Ort und kreiert neue Bedeutungen. Dabei spielt für ihn auch die passende Farbwahl eine wichtige Rolle. Diese starre Ordnung separiert die Gegenstände von ihrem Gebrauch. Das Gewöhnliche trifft das Ungewöhnliche.

Charlotte Mumm (Amsterdam) erschafft aus verschiedene Materialien Skulpturen. Sie ertastet konsequent deren Zwischenräume, sozusagen das „innere“ Eigenleben jenseits der äußeren Erscheinung. Das auszuloten ist ihr wichtig. Lesbare Strukturen sind eng verwoben mit abstrakten Strukturen. Widersprüche werden von ihr nicht gegeneinander ausgespielt oder neutralisiert.

Julia Oschatz (Berlin ) hat für ihre Arbeit einen besonderen Platz im Künstlerhaus. Die „Totenkammer“ der ehemaligen Zeche ist Ort für „Mit Toten tauschen, Tinte auf Papier und Videostill, 2016“. Wie sie verriet, hat sie das Gemälde „Die Grablegung Christi“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio als Grundlage für ihre komplexe Arbeit genommen. Sie nimmt Einzelheiten aus dem Gemälde und transformiert sie einzeln in verschiedene künstlerische Ausdrucksformen wie Videos, Zeichnungen oder Malereien und stellt sie in den besonderen Raumzusammenhang. Im Zentrum ihrer Arbeit steht jeweils eine Figur mit eigentümlicher Maske aus diversen Materialien wie Pappe, Holz oder Schaumstoff, die den Kopf verdecken und zugleich auch erweitern.

Zu sehen ist auch eine Arbeit von Eva Chytilek (Wien). Sie hat eine raumgreifende Installation aus zwei Konstruktionen ähnlich einem Wascheständer. Darüber hängt eine Plastikplane, die mit aufgedruckten Fotografien bemalt sind. Die Blickperspektive wird jeweils verändernd auf die Objekte.

 

Die Eröffnung der Ausstellung findet im Künstlerhaus Dortmund am Freitag, den 16. März um 20:00 Uhr statt.

Öffnungszeiten: Do-So 16-19 Uhr

Weitere Informationen unter www.kh-do.de




Kunstakademie Düsseldorf zu Gast im Künstlerhaus

Das Dortmunder Künstlerhaus im Sunderweg 2 zeigt vom 21.10 bis 19.11.2017 die Ausstellung „Aus jedem Dorf ein Hund“ der Klasse Martin Gostner – Düsseldorfer Kunstakademie Düsseldorf. Der Titel nimmt Bezug auf einem bei einer bei Skatspielern bekanntem Redewendung. Man hat von jeder Farbe etwas auf der Hand. Damit kann man zumeist kein Spiel bestimmen, jedoch den vermeintlich „Starken“ das Spiel eventuell verderben und die Richtung des Spiels im entscheidenden Moment drehen und für Spannung sorgen.

Bei Kurator Martin Gostner und seiner Klasse verhält es sich ähnlich. Worauf es ihm bei der Berufung der Studierenden ankommt, erklärte beim Pressegespräch. Selbstbestimmtheit und Freiräume für die Absolventen und Offenheit für die unteren Klassen. Ebenso wichtig ist aber das kreatives gegenseitiges Fordern und „künstlerisches befruchten“. In den Klassen wird das Augenmerk bewusst auf formale und inhaltlich Heterogenität und interdisziplinäres und multimediales Arbeiten gelegt.

Die großen Räume im Künstlerhaus bieten den achtzehn KünstlerInnen viel Raum für einen breit angelegten plastischen Diskurs. Die Bandbreite reicht von Plastik, Skulptur, Installation, Kinetik, Video und Audio, Fotografie, Grafik und Malerei. Sie wenden diese verschiedenen Ausdrucksformen nach dem Ort an und bringen sich jeweils gegeneinander oder zueinander ins Spiel.

Detail der Arbeit "Zentrum" von Aylin Leclaire. Zu sehen im Künstlerhaus im Rahmen der Ausstellung "Aus jedem Dorf ein Hund".
Detail der Arbeit „Zentrum“ von Aylin Leclaire.

So entsteht beispielsweise bei Almut Rabenau eine Art gewebter Wandteppich aus Textilien bunte Stofffäden in Neonfarben als Vokale und Konsonanten als weißer Gardinenteppich. Dahinter steckt unter anderem ein verschlüsselter Text von Else Lasker Schüler. Daneben sind von Alesha Klein, die auch die Konzeption der Ausstellung mit entwickelt hat, drei verschlüsselte Briefe als Symbol für das „nicht Gesagte“ zu sehen. Marina Bochert nimmt mit ihren Arbeiten Bezug auf die Bergbau-Vergangenheit. Ein interessante Installation hat Aylin Leclaire mit ihrer Arbeit „Zentrum“ entwickelt. Ein ganzer Raum wird zu einer krakenartigen, surreal anmutenden Landschaft aus hellem Kunststoff mit eingebauten bunten Ketten mit LED-Lämpchen. Dieses Gebilde reagiert auf akustische Reize von außen mit Aufleuchten im unterschiedlichen Rhythmus der pochenden Musik. Es kann Symbolhaft für emotionale Interaktion gedeutet werden.

Poetisch zeigt sich der kurze Videofilm einer romantischen Waldlandschaft mit einer Reiterin auf einem Pferd von Di Yang.. Er arbeitet dabei mit Looping-Effekten.

Das ist nur ein kleiner Einblick in die Ausstellung. Es lohnt sich, viel Zeit mit zu bringen.

Die Eröffnung der Ausstellung ist am Freitag, den 20. Oktober um 20:00 Uhr im Künstlerhaus.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 16:00 bis 19:00 Uhr




Von Geräuschen und Klängen

[fruitful_alert type=“alert-success“]Verbindung zwischen Rauminstallation und Raumklang: Die Arbeit „3’2,2 m³ von Miriam Hamann. (Foto: © Künstlerhaus Dortmund)[/fruitful_alert]

Der Mensch nimmt einen großen Teil seiner Wahrnehmung über die Augen auf. Doch es gibt einen „blind spot“. So lautet der Name der aktuellen Austellung im Künstlerhaus. „Nicht alles in der Welt ist akustisch erfahrbar“, so die Kuratorin Denise Ritter. Die sechs Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Österreich und Deutschland arbeiten alle mit Klängen und Geräuschen. Sie nutzen den Raum oder geben dem Besucher die Möglichkeit mittels Kopfhörer in die Klangwelt einzutauchen. Die Ausstellung „blind spot“ wird am 01. September eröffnet und ist bis zum 08. Oktober zu sehen.

Im Keller des Künstlerhauses hat Anja Erdmann ihre Zelte ausgeschlagen. Sie benutzt Motoren als Klangerzeuger und LEDs als Beleuchtungselemente. So wird der Keller nicht nur zu einem Raum voller akustischer Reize, sondern bietet auch Möglichkeiten der visuellen Imagination. Das durchkomponierte Stück eröffnet dem besucher neue Möglichkeiten der Raumwahrnehmung.

Die Arbeit von Miriam Hamann scheinen auf den ersten Blick nur eine skulpturale Arbeit zu sein. Denn die Form der Objekte, hier Teile von Lüftungsschächten, werden dem Raum angepasst. Doch Hamann fügt über den Klang eine weitere Ebene hinzu. Mittels ferngesteuerter Ventilatoren öffnen sich die Lüftungsklappen und schließen sich wieder, so dass Klänge entstehen. Wie auch bei Erdmann hat die Künstlerin ein Stück durchkomponiert.

Wie klingen eigentlich Gehirnströme? Christoph Illing hat die Aufnahmen eines EEG akustisch umgesetzt und in eine Klanginstallation verwandelt. Jeder Lautsprecher ist eine Elektrode und die Klänge, die erzeugt werden, hören sich mitunter sehr gespenstisch an. Die Aufzeichnungen entstammen einem sprachwissenschaftlichen Eperiment.

Einen eigenen Raum im Raum schafft Martina Lussi. Ein Scheinwerfer projiziert einen weißen Kreis auf dem Boden. Der Besucher kann mittels eines Lautsprechers den Klängen und Anweisungen von Lussi Folge leisten und um den Kreis gehen. Durch die sphärische Musik im Hintergrund hat die Arbeit etwas meditatives an sich.

Evgenija Wassilew hat den Fahrtwind beim Autofahren in dünnen Glasröhren aufgenommen. Dabei wurden Geschwindigkeiten von 220 km/h erreicht., der Windgeschwindigkeit eines Orkans. Die Töne, die entstanden sind, reichen von Pfeifen, Windschlag bis hin zum Übersteuern des Mikrophons, denn die Geräte sind an ihre technischen Grenzen gestoßen. Die Glasröhren dienen nicht nur der visuellen Gestaltung des Raumes, sondern zeigen auch die Fragilität der Aufnahmesituation.

Analog, Digital und wieder zurück. Achim Zepezauer, Dortmunder Künstler, schafft mit seiner „Cardtalk Cutting Lathe“ Maschine einen Spagat zwischen Analog und Digital. Sprache wird aufgenommen und auf eine ausgediente CD geschnitten. Das besondere dabei, dadurch kann man die CD auf einem normalen Plattenspieler abspielen. Den gibt es auch noch dazu. Aus Karton. Daher ist es möglich, mittels Bleistift die entstandene CD-Schallplatte auf dem Karton-Plattenspieler zu hören.

Besondere Veranstaltungen zur Ausstellung:

02.09. 2017 16-18 Uhr Workshop mit Klangkünstler Marcus Bauter für Jugendliche und Erwachsene

02.09. 2017 18:30 bis 19:30 Kuratorinnenführung

02.09. 2017 20 Uhr Installative Performance und experimentelle Musik

16.09., 23.09. und 24.09. 2017 robot sounds – Film- und Klangworkshop für Kinde rund Jugendliche von 10 bis 14 Jahre

Künstlerhaus Dortmund
Sunderweg 1
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 16 bis 19 Uhr




Spiel mit der Uneindeutigkeit

Im Künstlerhaus Dortmund ist vom 4. März bis 9. April 2017 die Ausstellung „Ohne Netz und doppelten Boden“ (Über die Uneindeutigkeit von Bildern) zu sehen. Es wurden Werke und korrespondierende Werkgruppen von verschiedenen KünstlerInnen zusammengeführt. Kuratorin der Ausstellung ist Elly Valk-Verheijen.

Auf unterschiedliche Weise setzen sich die vier Künstler Sebastian Bartel, Christof John, Katharina Maderthaner und Christoph Westermeier mit dem Verhältnis von Bild und vermittelter scheinbarer Wirklichkeit auseinander. Bilder entstehen immer im Stil der Zeit sowie der jeweiligen Präsentation und lassen Spielraum für Interpretationen. Ein Mittel der Künstler ist die Überspiegelung von realen Strukturen und Täuschungen. So wird zum Beispiel bei Christoph Westermeiers „Ringberger Marmor“ „vorgetäuscht“, dass eine im 18. Jahrhundert als chic geltende Ottomane, ein kombiniertes Sitz-und Liegegelegenheit, ein orientalisches Möbelstück sei.

Bezogen ist die Arbeit aber nur mit fotografischen Abbildungen gemalten Marmors. Auf den Komfort einer bequemen Sitzgelegenheit wird dabei verzichtet. Seine Fotografien zeigen zum Beispiel Spiegelungen kleinen Stadtausschnitten durch Autofenster und als formale Verlängerung den nackten Torso eines Tänzers mit seinem Astralkörper.

Bartels und die gebrochenen Strukturen

Sebastian Bartels ist nach eigener Aussage begeistert von gebrochenen Strukturen wie wir sie etwa von Bildern ferner Planeten kennen. Seine Bilder in der Installation „Observations are restricted to the Surface“ zeigen neben unterschiedlichen geologischen Erscheinungsformen der Erdoberfläche zudem die Spur menschlicher Eingriffe auf seine Umwelt. Die Perspektive aus Vorder-, Mittel und Hintergrund wird durch die Abbildung von Oberflächenstrukturen aufgebrochen. Die Perspektive von oben ermöglicht eine Wahrnehmung der Strukturen in einer abstrakten Form. Es gibt dem Betrachter die Gelegenheit, die Oberfläche zu durchdringen. Die individuelle Fantasie und persönliche Auseinandersetzung mit dem Werk wird angeregt. Zu der Installation gehören auch zylindrische, unebene und mit gebrochene Strukturen überzogene Kunstwerken auf dem Boden.

Christof John bekommt den Startimpuls für seine Kunst aus seinen alltäglichen Beobachtungen. Zwischen geometrischen Strukturen und informellen Abstraktionen im Hintergrund z.B. In Regenbogenfarben lotet er sensibel nonverbale Gedanken- und Stimmungsräume aus.

Maderthaner spielt mit visuellem Zierrat

Die Künstlerin Katharina Maderthaner konnte bei dem Pressrundgang nicht anwesend sein. In ihren Werken, zum Beispiel „ZickZack, 2910“ Acryl auf Holz arbeitet sie mit dem Mittel der Sublimierung. Formen, Texturen, Mustern und Oberflächen aus der Umwelt werden erst reduziert, verdichtet und eingekocht bis zum Mark. Maderthaner war bereits vor zwei Jahren im Künstlerhaus bei der Ausstellung „Artist Sweethearts“ mit Arbeiten zu sehen.

Die Vernissage ist am Freitag, den 3. März 2017 um 20 Uhr im Künstlerhaus, Sunderweg 1 in 44147 Dortmund.

Weitere Informationen erhalten sie unter www.kh-do.de




Die Dinge an sich

Die beiden Kuratorinnen Gaby Peters (links) und Nina Nowak mit dem Playboy in Blindenschrift von Caroline Douglas.
Die beiden Kuratorinnen Gaby Peters (links) und Nina Nowak mit dem Playboy in Blindenschrift von Caroline Douglas.

Die Ausstellung „Thingness – Über die Dinge“ im Künstlerhaus Dortmund zeigt eine Auswahl internationaler Künstlerinnen und Künstler, die der Frage nachgehen, wie Dinge und unbelegte Objekte unser Leben beeinflussen. Die Ausstellung läuft vom 07. Oktober bis zum 13. November 2016.

Kaifeng Chun aus Singapur erhebt die alltäglichen Dinge in eine Art höheren Status. Sein Objekt „Not much to see“ besteht aus zwei Flip-Flops, die durch LEDs einen heiligenscheinartigen Rahmen bekommen. Dadurch wirken sie beinahe wie eine Ikone.

Dinge können auch eine gewisse Erwartungshaltung besitzen. So präsentiert Caroline Douglas aus Großbritannien einen Playboy in Blindenschrift. Auf einem Video wird rund 5 Minuten daraus vorgelesen. Somit ergibt sich ein Dialog von Objekt und gesprochenen Wort. Die Arbeit reflektiert natürlich auch die Geschlechterbeziehungen. Wobei in der Playboy-Aufgabe in Blindenschrift keine ertastbaren Bilder vorhanden sind.

Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst hat Marcel Große im Visier. In seiner Arbeit „Kreisbeschleuniger“ wird elektrische Spannung von Lichtbögen in Fotografien übersetzt. Das eingesetzte Material ist entscheidend für den verlauf des glühenden Teilchens. Elektromagnetismus goes art.

Ein Ding kann auch einen Menschen beeinflussen. Die Dänin Lea Gulditte Hestelund transformierte sich innerhalb eines Jahres mit Hilfe eines Personal Trainers in die Statur eines griechischen Diskuswerfers. Spannende Reflexion über Körperkult in unserer fitnessorientierten Gesellschaft.

Dinge werden zu Musikautomaten bei Ragnhild May (USA/DK). Sie bastelt mit Motoren und Flöten eine mechanische Orgel, die sie mit eigener komponierter Musik bespielen lässt.

Die Gesetze der Fliehkraft durchbricht scheinbar Till Nowak in seinen Computerzeichnungen und seinem Video „The Experience of Fliehkraft“. Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als seien die Bilder des Videos auf einem ganz normalen Rummelplatz aufgenommen worden, doch zeigt sich, dass irgendwas nicht stimmen kann. Die Fliehkräfte wären viel zu stark für einen Menschen oder manche Fahrgeschäfte gar nicht zu erreichen. Ein kritischer Blick auf das „schneller, höher, weiter“ in den Vergnügungsparks.

Christiane Overvad Hansen (DK) zeigt auf drei Screen drei Filme über merkwürdige Maschinen, die sich in ihrer Wohnung befinden. Sind die mechanisierten Objekte Erweiterungen des Körpers oder wird der Körper selbst zum Instrument?

Der Däne Emil Toldbod ging auf Tauchgang. Seine vier Objekte in der Ausstellung sind allesamt aus diesem Tauchanzug. Toldbod ging auf die (vergebliche) Suche nach einer seltenen Schneckenart. Hier geht es um Dinge, die den Körper erweitern und schützen, eben den Tauchanzug.

Nisrek Varhonka ist ebenfalls wie Marcel Große auf wissenschaftlichen Pfaden unterwegs. In ihrer Denkmütze und ihrem genähten schwarzen Loch hüpft sie im Rahmen der Fernsehinstallation „das schwarze Loch“ durch die Ausstellungsräume.

Eine ausstellungsbegleitende Publikation ist dank der Kunststiftung NRW auch entstanden. Neben Portraits der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler haben vier Theoretikerinnen und Theoretiker unterschiedliche Perspektiven zum Thema Dinge aus Philosophie und Kunstgeschichte beigesteuert.

Öffnungszeiten des Künstlerhauses sind: Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr.




Schnittkanten und Leerstellen

"Die Treppe" ist eine Arbeit von Katja Pfeiffer.
„Die Treppe“ ist eine Arbeit von Katja Pfeiffer.

Nein, das Dortmunder Künstlerhaus verwandelt sich nicht in einen Friseurladen. Die Ausstellung „cut & go“ präsentiert nicht die schönsten Künstlerfrisuren, sondern es geht um den Prozess des Trennens und Zerschneidens. Was bleibt übrig? Wie sieht es an den Schnittkanten aus? Sieben Künstlerinnen und Künstler haben sich darüber Gedanken gemacht. Zu sehen ist diese Ausstellung bis zum 15. September 2016.

Petra Johanna Barfs kommt aus Emden und beschäftigt sich mit maritimen Themen. In ihren Arbeiten teilt sie ein Bild, das sie aus Bildbänden entnimmt und reißt es entzwei. Während der obere Teil das Originalbild ist, besteht der zweite Teil aus der umgedrehten Fotokopie des ersten Bildes.

Wie sieht unser Bild der Natur aus, fragt sich Regula Dettwiler. In der Serie „Herbarium No. 1 – Drawn from Matisse“ werden die einzelnen herbarisierten Blätter so bearbeitet, als wenn sie aus den Arbeiten von Matisse stammen.

Substraktiv arbeitet Andrea Pesendorfer, denn sie fügt nichts hinzu, sondern nimmt weg. Statt eine Leinwand zu bemalen, entfernt sie die Fäden. Somit bekommt die Arbeit durch die Schwerkraft und leichte Luftbewegungen einen zarten, fragilen Charakter. Zudem verwandeln sie sich aus ihrem zweidimensionalen Zustand in eine skulpturale Wesenheit.

Katja Pfeiffer ist fasziniert von modernen Ruinen. Dabei hat sie aber nicht den oft morbiden Charme der Innenräume im Sinn, sondern die Provisorien, mit denen die Außenbereiche vor dem Zusammenstoß gesichert werden. Wie Zahnspangen sehen diese Befestigungen manchmal aus, die die Aufgabe haben, die Mauern nicht einstürzen zu lassen. Dieses Fragmentarische wird in der Installation „Treppe“ besonders schön zum Ausdruck gebracht.

Moderne Schnittmuster scheint Hansjörg Schneider zu produzieren, doch auf den zweiten Blick drehen sich die Motive seiner Werkreihe „Global Ground“ um Ausschnitte urbaner Infrastruktur in globalen Metropolen. Der Gegensatz zwischen glatten und grob faserigen Flächen erzeugt ein Relief. Eingearbeitete Pigmente verstärken den Eindruck von Wasser, Land oder Erde.

Holger Stark nutzt den vorhandenen Raum im Künstlerhaus. Seine Arbeit „2/3 Zoll“ referenziert an die unterschiedlichen Deckenhöhen in der ehemaligen Waschkaue.

Noch weiter geht Ella Ziegler. Sie hat kein Atelier, sondern begreift den offenen Raum als ihren künstlerischen Arbeitsplatz. Sie schafft dennoch ein bemerkenswertes narratives Potential. Dies ist zum Beispiel in ihrer Arbeit „Reisertausch“gut zu sehen. Dabei geht es um den Austausch von Reisern – Zweigen, die zur Baumveredlung benutzt werden – zwischen Tschechien und Deutschland.




Spieglein, Spieglein …

Heike Kabisch", "If you go Bold, I go Bolder", 2014
Heike Kabisch“, „If you go Bold, I go Bolder“, 2014

Nein, die Ausstellung „Mirrors“, die seit dem 09. April 2016 im Künstlerhaus zu sehen ist, beschäftigt sich nicht mit Märchen. Die elf Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Facetten, die Spiegel und Reflexionen mit sich bringen. Die Ausstellung ist bis zum 08. Mai 2016 zu sehen und wurde von Adriane Wachholz kuratiert.

Zu Reflexionen gehört Licht. Das Licht ist ein wesentlicher Bestandteil der Skulptur „-scape“ von Dorothea Nold. Ihre Turmmodule aus Spanholzplatten besitzen winzige Schilze durch die das Licht einfällt. So verändert das Licht je nach Stand der Sonne die Skulptur. Zusätzlich wirkt das spröde, matte Material roh im Gegensatz zu den speigelnden Hochglanzflächen.

Kitsch as Kitsch can – so könnte man die Arbeiten „Detox“ von Katja Tönnissen beschreiben. Ihre Lampen scheinen ihre Struktur zu verändern und wirken organisch wie eine sich öffnende Auster, die statt einer Perle eine Glühbirne besitzt. Mit starken Rottönen und Echtgold wirken die Lampen „overkitsched“.

Heike Kabisch zeigt mit „If you go Bold, I go Bolder“ ein Objekt, das auf den ersten Blick anmutig aussieht. Zwei kleine Figuren schauen sich vor einem blauen Kreis an. Ist es eine Art Sonnenuntergang oder droht eine Katastrophe? Diese Ungewissheit macht den Reit dieses Objektes aus.

Ein zerbrechliches Gleichgewicht ist die Arbeit „Tagundnachtgleiche“ von Gereon Krebber. An einer Aluminumstange hängt ein ovaler Spiegel und als Gegengewicht fungieren Gehwegplatten und ein Bronzeguss. Durch einen Anstoß kommt alles in Bewegung. Alles dreht sich um um die eigene Achse und auf eigenen Bahnen, aber ist auch gleichzeitig in Abhängigkeit mit den anderen Objekten.

Die Arbeiten von Thomas Musehold sind Fundstücke, er einerseits als Anschauungsmaterial andererseits an Anschauungsmaterial nutzt. Die Objekte werden durch Zeichnungen, Abformung oder chemische Prozesse bearbeitet. Daraus entstehen Objekte, die an Wohnungseinrichtungen aus den 50er Jahre erinnern oder tatsächlich der Natur entstammen können wie beispielsweise an Tannenzapfen.

Ein Spiegel, der mit Stoff bezogen wurde, steht im Mittelpunkt von Timo Kubes „United White Cloth“. Denn dadurch reflektiert der Spiegel nur sehr schwach den Raum, trotzdem bleibt eine Ahnung der Räumlichkeit erhalten. Somit bildet das Gewebe eine Art Schnittstelle zwischen dem bildlich Vorstellbaren und dem Tatsächlichen.

Folgende Künstlerinnen und Künstler sind zu sehen: Sophie Erlund, Philipp Fürhofer, Anton Ginzburg, Heike Kabisch, Gereon Krebber, Timo Kube, Claudia Mann, Thomas Musehold, Dorothea Nold, Linda Sanchez und Katja Tönnissen.

Öffnungszeiten des Künstlerhauses Dortmund: Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr.