Mach mit, wir pflanzen am Hafen einen Schmetterlingsgarten für ALLE!

Das Künstlerhaus Dortmund, sonst sich der Kunst und Kultur in Dortmund widmend, patroniert einen Schmetterlingsgarten in der Dortmunder Nordstadt – an der Landwehrstraße/Ecke Kesselstraße, rückwärtig zur Schule am Hafen. 650n² ehemals brachliegender, vermüllter und verwahrloster Fläche wird zu einem Paradies für Mensch und Fauna.

Am Samstag, dem 2. Oktober ab 17:00 laden das Künstlerhaus und die Initiatoren des 7000 Schmetterlinge Gartens, Barbara Koch und Susanne Lilienfeldt in den Graten an der Landwehrstraße ein. Die Mountain Swing Band sorgt am Samstag für die swingende Beschallung.

Das Gartenprojekt richtet sich an alle die daran Interesse haben einen naturnahen Lebensraum für sich und die Schmetterlinge und andere Insekten haben … denn unsere Früchte aus unseren Gärten und Feldern der Bauern brauchen die Insekten zur Bestäubung. Leider grassiert gerade unter den Insekten das Artsterben, nicht nur durch Bayer/Monsantos Round Up, Glyphosat, sondern auch durch die Umweltzerstörung durch uns Menschen. Wir versiegeln zusehends Flächen, schaffen schicke Steingärten ohne Blumen, englische Rasenödländer und andere für Insekten lebensfeindliche Umweltbedingungen.

Susanne Lilienfeldt vor dem geplanten Schmetterlingsgarte
Susanne Lilienfeldt vor dem geplanten Schmetterlingsgarten.

Wer hört denn noch Morgens Vögel im Baum vor dem Haus zwitschern?

Und wer will wie in einigen Gegenden Chinas schon üblich im Akkord Blüten bestäuben … eine Biene alleine bestäubt 20x so viel wie besten Bestäuber in China mit 12.000 Blüten …

Wir brauchen die Umwelt, die Natur um zu leben, zu atmen und zu essen … aber die Natur braucht nicht uns den Homo Sapiens.

In der Landwehrstraße in der Nordstadt, dem Stadtteil mit der größten Kulturvielfalt in Dortmund ist also diese für alle Bürger/Bewohner*innen, Schüler*innen, der Nachbarschaft und Stadt offene Projekt, das seit Oktober 2020 immer mehr Gestalt und Form annimmt. Denn gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen, unterstützt von Hauseigentümer*innen, schaffen die Künstlerinnen Koch und Lilienfeldt, und das Künstlerhaus, einen Ort der Vielfalt für Menschen und Natur, eine neue Kulturenvielfalt, und Begegnung.

Der Name des Projektes ist angelehnt an das 7000 Eichen Projekt von Josef Beuys, der einst 7000 Eichen pflanzte, lange vor der nun dringenden Notwenigkeit von mehr Bäumen zur Bekämpfung des CO₂ Ausstoßes und Temperatursenkung : 7000 Schmetterlinge. Beuys setzte damals auf die gesellschaftsverändernde Kraft, wie heute die Künstlerinnen Koch und Lilienfeldt, und das Künstlerhaus.

Der Schmetterlingsgarten, bewusst nicht ziseliert oder artifiziell angelegt, sondern rustikal und naturnah, soll eine soziale Plastik werden, in der sich alle wiederfinden können. Ein Bildungs- und Begegnungsort. Der, man kann sagen Waldgarten, wegen des alten Baumbestandes, ist nach den Prinzipien der Permakultur angelegt und benötigt daher wenig Wasser – auch ein Problem, welches wir in Zukunft häufiger erleben. Denn die Trockenheit der letzten drei Sommer ist dem Klimawandel geschuldet, auch wenn wir immer wieder auch Starkregenereignisse mit Hochwässern, wie im Ahrtal oder bei Erkelenz erleben und in unseren Nachbarländern erleben müssen.

Am Samstag ab 17:00 kann man sich persönlich mit dem Projekt 7000 Schmetterlinge in der Nordstadt in der Landwehrstraße/Ecke Kesselstraße vertraut machen.




Sehnsucht nach Nähe

Das Künstlerhaus am Sunderweg zeigt noch bis zum 25. Juli die Ausstellung “All Tomorrow’s Parties”. Sechs Fotografinnen und Fotografen zeigen ihre Arbeiten, die sich um zwischenmenschliche Beziehungen drehen. Dabei geht es von Partys über Beziehungen zu Puppen bis hin zu Demonstrationen in Hongkong. In Zeiten von Corona steht natürlich die grundsätzliche Frage von Nähe zur Diskussion.

Das Nachtleben von Berlin hat es Miron Zownir angetan. Seit den 80er Jahren fotografiert er für seine Reihe “Berlin Noir” die Protagonisten des Nachtlebens mit ihren Partys und ihrem Lebensstil. Die analogen Schwarz-Weiß-Fotos entwickeln eine enorme Faszination auf den Betrachter.

Auch während der Pandemie wird gefeiert. Natürlich heimlich und unerlaubt. Dennoch schaffte es Constantin Grolig einige Raves im Ruhrgebiet zu fotografieren, ohne die Menschen bloßzustellen. In seinen Fotos wird deutlich, wie vergessene Orte zu einem Platz des gemeinsamen Tanzes werden, immer in Angst vor Entdeckung durch die Behörden.

nche Menschen suchen sehr stark die emotionale Nähe zu Puppen. Julia Steinigeweg schafft Fotos, die beim Betrachter unterschiedliche Gefühle hervorrufen. (Foto: © Julia Steinigeweg)
Manche Menschen suchen sehr stark die emotionale Nähe zu Puppen. Julia Steinigeweg schafft Fotos, die beim Betrachter unterschiedliche Gefühle hervorrufen. (Foto: © Julia Steinigeweg)

Lois Hechenblaiker hatte Glück oder Pech, je nachdem. Er war in Ischgl als die Pandemie dort ausbrach und zum Symbol für Behördenversagen wurde, da Profit über die Gesundheit der Touristen gestellt wurde. Der ausgelebte Hedonismus wird beim Fotografen zu einer Anklage gegen den Umgang des Menschen mit der Natur.

Ein außergewöhnliches Thema hat Julia Steinigeweg für ihre Serie gefunden: Das Verhältnis von Menschen zu Puppen. Steinigeweg hat hier bewusst die sexuelle Komponente außen vor gelassen, um sich auf die tief empfundene Hinwendung zu konzentrieren. Da Puppen mittlerweile sehr menschenähnlich gefertigt werden können, verströmen manche Bilder eine etwas gruselige Atmosphäre.

Sabine Springer zeigt Bilder aus einem Club, in dem Paare ihre Sexualität gemeinsam feiern können. Dabei arbeit sie dank Infrarot sehr diskret. Springer geht es um ein Bild von Sexualität und Verlagen, aber auch um Kommunikation und Verständnis.

Politisch wird es bei Thaddé Comar. Seine Arbeiten “How was your dream?” von 2019 dokumentieren die Proteste in Hongkong. Sein Thema ist die Nichtverfolgbarkeit des Individuums und das Aufgehen des Protestes in einer nicht länger individuellen Identität.




Das Künstlerhaus zeigt “gute Aussichten”

Wenn der Lockdown vorbei ist und die Galerien, Museen und Theater endlich wieder geöffnet haben, dann ist es möglich, in die Ausstellung „gute Aussichten“ ins Dortmunder Künstlerhaus am Sunderweg 1 zu gehen. Dort zeigen acht  junge Fotografinnen und Fotografen ihre Arbeiten. Doch nicht nur klassische Fotografie ist zu sehen. Digitale Arbeiten und Film haben ebenfalls ihren Platz gefunden.

Aus 71 gültigen Einsendungen hat eine neunköpfige Jury sieben Positionen ausgewählt, die zum ersten Mal in Dortmund präsentiert werden. Das Künstlerhaus war schon 2006 Gastgeber sowie 2010 unter dem Titel “Damenwahl”.

Mit Tina Schmidt und Kerry Steen hat die politische Fotografie einen Platz im, Künstlerhaus gefunden. Die beiden Fotografen zeigen die Situation der Jahalin-Beduinen, die gefangen sind in der Westbank und nicht mehr ihr nomadisches Leben weiterführen können. Ihre großformatigen Porträts und Landschaftsbilder sind eindrucksvoll, zeigen sie den Kontrast zwischen einer modernen Großstadt und armseligen Hütten, die im Prinzip bereits vor 4000 Jahren dort stehen könnten.

So in etwa könnte die Hölle aussehen.Robin Hinsch fotografierte brennende Kohlegruben in Indien. (Foto: © Robin Hinsch)
So in etwa könnte die Hölle aussehen.Robin Hinsch fotografierte brennende Kohlegruben in Indien. (Foto: © Robin Hinsch)

Ein Spiel mit der „künstlichen Intelligenz“ (kurz KI) treibt Konstantin Weber. Hier ist es die KI, die eigene Bilder „erschafft“, wobei der Künstler hier als Art Lehrer dient, der die KI anleitet. Denn noch sind künstliche Intelligenzen weit davon entfernt aus eigenem schöpferischen Antrieb zu handeln.

Familienporträts besonderer Art zeigt Jana Ritchie. Sie fotografierte sich, ihre Mutter und ihre beiden Schwestern über zwei Jahre. Herausgekommen sind Bilder, die das traditionelle Familienbild infrage stellen und die Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter aufzeigen. Denn auf allen Bildern fehlt der Vater. 

Gleich nebenan im Raum ist der Vater von Leon Billerbeck sehr präsent. Sein Vater leidet an der neurologischen Krankheit Ataxie. Die Ursache dieser Krankheit kann unter anderem an einem kleinen Kopierfehler in den Genen liegen. In seinen Arbeiten versucht er, diesen Kopierfehler zu reproduzieren, in dem er Fotografien durch Scanner und Kopierer jagt und somit ein Endprodukt schafft, dass augenscheinlich nicht mit dem Anfangsbild zu tun hat, aber letztlich doch seinen Ursprung dort hat.

Die Grenzen der Fotografie überschreitet Conrad Veit, denn er präsentiert seinen Film „Blastogenese X“, der auch auf der Berlinale gezeigt wird. Der Schwarz-Weiß-Film erinnert an frühe Surrealisten wie Buñuel der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Veits Arbeit ist als Tierdokumentation angelegt, die die Diversität des Lebens feiert.

Im Keller des Künstlerhauses begegnen wir Mythen aus dem Regenwald von Sophie Allerdings unter dem Titel „Leuchtende Augen“. Während in der westlichen Welt die Natur als Objekt wahrgenommen wird, sehen die Ureinwohner des brasilianischen Regenwaldes die Natur als Subjekt. In ihren Bildern tauchen die mythologischen Figuren auf wie der Curupira, der seine Füße nach hinten gedreht hat.

Den Wahnsinn der fossilen Energieerzeugung zeigen die Bilder von Robin Hinsch unter dem Titel „Wahala“. Das Wort „Wahala“ stammt aus dem Nigerianischen und heißt soviel wie „Problem“. Und Probleme erzeugt die Ausbeutung von fossiler Energie eindrücklich. Ob Ölförderung in Nigeria, Tagebau in Deutschland oder – sehr erschreckend – brennende Kohle in Indien, der Abbau dieser Energien erzeugt immense Umweltzerstörung und Gewalt gegen Menschen, die dort leben (müssen).

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus bis Ende Mai zu sehen, bis sie nach Koblenz weiterreist. Sollte es mit der Wiedereröffnung noch dauern, könnte der Zeitraum verlängert werden.




In die Falle gegangen?! – Ausstellung „Trap“ im Künstlerhaus zeigt 17 Positionen

Vom 24. Oktober bis zum 29. November präsentiert das Künstlerhaus Dortmund eine besondere Ausstellung. Hier zeigen 17 KünstlerInnen des Kunstmentorats NRW ihre Arbeiten. Neben 13 Mentees waren auch vier Mentoren beteiligt, namentlich Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus, Brigitte Heidtmann und Klaus Schmitt.

Doch die Ausstellung „Trap“, die von den Mentees Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr, Anna Schütten und der Mentorin aus dem Künstlerhaus Annett Frontzek kuratiert wurde, hat noch ein weiteres Merkmal. Jeder der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler bekam jeweils eine fremde Position zugeordnet, mit der sie sich auseinandersetzen mussten. Die so entstandene zweite Ebene wird im Katalog zur Ausstellung deutlich.

In der Ausstellung selbst gibt es viele unterschiedliche Materialien und Herangehensweisen. Videos, Objekte, Malerei oder Fotografie – alles ist in den Räumen des Künstlerhauses vorhanden.

Gleich zu Beginn wird der Besucher von der Arbeit „Feine Backware“ von Thomas Kuhn empfangen. Doch Vorsicht, in den Backformen steckt Schwefel und kein Kuchenteig. Schwefel hat eine mystische Komponente, sein Material sieht in der Arbeit verlockend aus, ist aber nicht genießbar, sondern nur als Kunstobjekt. Zudem präsentiert Anna Schütten „on screens II“, bei der sie Sound und projizierte Farben zu einem Kunstwerk verschmilzt.

Im Hintergrund sind die Arbeiten von Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus und Klaus Schmitt zu sehen. Im Vordergrund die Mentees und Kuratorinnen (v.l.n.r.) Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr und Anna Schütten.
Im Hintergrund sind die Arbeiten von Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus und Klaus Schmitt zu sehen. Im Vordergrund die Mentees und Kuratorinnen (v.l.n.r.) Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr und Anna Schütten.

Im großen Raum haben sich Brigitta Heidtmann, Gerd Brockelmann und Klaus Schmitt gleich drei Mentoren versammelt. Schmitt zeigt mit „O-T. 9.15“ ein großformatiges Objekt aus PVC und Holz und erschafft dabei eine Beziehung zwischen Raum, Objekt und dem Betrachter. Brigitta Heidtmann arbeitet stark konzeptionell. Sie greift in ihrer Arbeit – ähnlich wie Schmitt – die Beziehung zwischen Raum und Objekt auf. Brockelmann hingegen arbeitet mit Papier auf einem kleineren Format. Die Arbeiten enthalten fast immer einfache geometrische Mittel wie Linien, Gitter und Kreise und sind farblich reduziert. In dem Raum hat auch noch Lisa Klinger Platz gefunden. Ihre Arbeit „Infidelity“ (Untreue) ist vor Ort im Künstlerhaus entstanden. Ihre zweidimensionalen Grafiken entwickeln beim Betrachter eine Dreidimensionalität und stellen wie Schmitt und Heidtmann eine Beziehung zum Raum her.

Im Raum nebenan zeigt Roya Noorinezhad ihre Fotoarbeiten aus der Serie „Transformation“. Dadurch, dass sie das Fotopapier unterschiedlich biegt, entsteht ein anderer Eindruck des fotografierten Objektes. Gegenüber zeigt Ale Bachlechner ihre Videoarbeit, in denen sie politische, und gesellschaftliche Themenkomplexe bearbeitet.

Hinter dem Korridor begrüßt uns die Arbeit von Nadjana Mohr. Vereinnahmung von Flächen und Räumen durch den Betrachter ist das Thema ihres malerischen Werks in der Ausstellung. Bei der Videoarbeit „Re Source“ von Melanie Windl stehen biologische Prozesse im Mittelpunkt. Sie greift das Missverhältnis zwischen Mensch und Ozean auf, bei der der Mensch die wichtige Ressource Wasser kapitalisiert. Für die Arbeit von Maurits Boetther „The Presense of Absense“ braucht man ein wenig Geduld, denn der Künstler befasst sich mit dem Thema Zeit als Medium.

Im Keller gibt es weitere Arbeiten. Jennifer Lubahn zeigt uns in „Do o.T.“ quasi die Entstehung und das Ende eines Lichtspaltes, der in einen dunklen Raum dringt. Es entstehen während des Videos viele kleine Spannungsmomente, die den Betrachter zum Weiterschauen verleitet.

In der ehemaligen Waschkaue wird die Videoarbeit „BODY IN SPACE“ gezeigt. Die Künstlerin verarbeitet die alltägliche Realität. Dabei verwendet sie unter anderem Google Maps, um Wege aufzuzeigen, die sie zurückgelegt hat, die für sie eine gewisse Bedeutung haben. Ihr geht es dabei um soziale, politische und ökologische Ebenen aufzudecken.

Alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler: Ale Bachlechner, Maurits Boettger, Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhus, Stefani Glauber, Brigitta Heidtmann, Alwina Heinz, Lisa Klinger, Thomas Kuhn, Jennifer Lubahn, Tonka Malekovic, Nadjana Mohr, Roya Noorinezhad, Stefanie Pluta, Klaus Schmitt, Anna Schütten und Melanie Windl

Mehr Infos unter www.kuenstlerhaus-dortmund.de




Jenseits der Oberfläche

In der Ausstellung „Schichten-Stränge-Stofflichkeiten“ zeigt das Künstlerhaus Dortmund vom 13. Dezember 2019 bis zum 2. Februar 2020 Positionen von Mirjam Elburn, Esther Hagenmaier und Simona Koch. Alle drei Künstlerinnen haben sich auf unterschiedlichster Weise mit der Zeitlichkeit und dem Material auseinandergesetzt. Durch die Entscheidung der Kuratorin Denise Ritter nur drei Künstlerinnen auszuwählen, hat jede von ihnen mehr Raum zur Verfügung. Das tut der Ausstellung gut.

Sehr interessant sind die Arbeiten von Mirjam Elburn. Sie arbeitet mit unterschiedlichen Materialien wie beispielsweise Wurstpellen, die sie zu einer Art Kokon zusammennäht. Auch mit Polaroids beschäftigt sich die Künstlerin. Ihr Interesse gilt dabei den verschiedenen Schichten und Chemikalien in dem Polaroid-Film. Ein ganz besonderes Interesse hat Mirjam Elburn an menschlichen Haaren, die in verschiedenen Objekten wiederkehren. Ganz besonders in den „Biestern“, bei denen die Haare aus einer Seifenkiste zu wuchern beginnen, ähnlich wie pelziger Schimmel. Die Haare werden von ihr in mühevoller Kleinarbeit gefilzt. Aber genau diese Zeitlichkeit ist ihr in ihren künstlerischen Arbeiten wichtig.

Die Künstlerinnen lassen sich bewusst Zeit mit dem Material. (v.l.n.r.) Simona Koch, Kuratorin Denise Ritter und Mirjam Elburn.
Die Künstlerinnen lassen sich bewusst Zeit mit dem Material. (v.l.n.r.) Simona Koch, Kuratorin Denise Ritter und Mirjam Elburn.

Die Arbeiten von Esther Hagenmaier sind am besten unter dem Begriff „Fragmentierung von Architektur“ zusammenzufassen. Hierbei reduziert die Künstlerin die durch die Wahl des Bildausschnittes die fotografierte Architektur. Anschließend schneidet sie die Außenkanten radikal weg. So entwickelt Esther Hagenmaier ihre Photographie weiter zum Objekt, das durchaus dreidimensionale Anklänge zeigt. Manche Werke wirken durch den Kontrast auch wie in einem Puzzlespiel oder wie in einem Tetris-Spiel.

Kunst und Wissenschaft verbindet Simona Koch. Sie ist sozusagen für die Stränge zuständig und hat ein „universellen Stammbaum“ aufgestellt. Dieses imposante Kunstwerk besteht unter anderem aus 8000 Meter Sisal-Seilen. In einem Nebenraum befindet sich eine Art wissenschaftlicher Tisch mit verschiedenen gesammelten Objekten aus der Natur, aber auch Auszeichnungen der Künstlerin. Ebenso beeindruckend ist der Stop-Motion-Film „Organismus 8 Wachstum #3“, bei der Simona Koch 2000 Zeichnungen auf einem Blatt Papier aufgenommen hat. Hier ist wieder die zeitliche Komponente zu finden, die auch Mirjam Elburn in ihren Arbeiten benutzt. Statt auf Automation zu setzen, wird bewusst die Arbeit mit dem Material bevorzugt, auch wenn es länger dauert.

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Mirjam Elburn, Biester, 2009, 24 Seifenkisten, menschliches Haar gefilzt

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Esther Hagenmaier, „form_03, 2018“ und „rhythm_04, 2018“

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Simona Koch zeigt u.a. einen „Experimentiertisch“ mit verschiedenen Objekten.

Passend dazu gibt im Künstlerhaus Dortmund eine Materialwerkstatt für Kinder und Jugendliche von 10 bis 14 Jahre am 21. und 22. Dezember von 11 bis 18 Uhr. Die Künstlerin Mirjam Elburn leitet diese Werkstatt. Anmeldungen bis zum 17. Dezember unter m.elburn@gmx.de

Mehr Infos finden Sie unter www.kh-do.de




Scheinbare Sicherheit

Das Künstlerhaus Dortmund präsentiert mit “Human Impact” fotografische Arbeiten zum Thema “Sicherheit und Gesellschaft”

Vom 25. Oktober bis zum 01. Dezember 2019 zeigt das Künstlerhaus Dortmund die Ausstellung “Human Impact – Sicherheit und Gesellschaft” im Rahmen des f2 Fotofestivals in Dortmund. Fünf internationale Positionen zum Thema Sicherheit werfen einen frischen und überraschenden Blick auf das Thema. Nichts scheint wie es ist..Fotografie ist doch Abbild der Realität oder nicht? Verlassen Sie ihre Komfortzone und schauen Sie genauer hin. 

Fotografie ist der Erzeuger der Realität. Oder etwa nicht? Fälschungen von Fotos sind natürlich seit der Erfindung der Fotografie bekannt und Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop sind für viele zugänglich. Das Schweizer Künstlerduo Cortis und Sonderegger führen das Prinzip der Fälschung noch eine Stufe weiter. Ikonische Bilder wie der Fußabdrücke auf dem Mond oder die brennende Hindenburg werden im Studio nachgestellt, so dass der Betrachter den Eindruck bekommen könnte, auch die Ursprungsbilder seien gefaked. So werden Fake News ironisch als überdeutlich inszenierte Fälschungen kontaktiert. 

Der berühmte "Fußabdruck auf dem Mond". Echt oder im Studio nachgestellt? Cortis und Sonderegger spielen mit der Dekonstruktion unserer Erinnerungen.
Der berühmte „Fußabdruck auf dem Mond“. Echt oder im Studio nachgestellt? Cortis und Sonderegger spielen mit der Dekonstruktion unserer Erinnerungen.

Der Ire David Farrell beschäftigt sich mit dem Begriff der “unschuldigen Landschaft”. Seine Landschaftsbilder muten auch sehr ruhig, fast pastoral an, wenn sich dort nicht Tatorte aus der Zeit des irischen Bürgerkrieges verbergen würden. So verändert sich plötzlich die Landschaft und wird zum Zeugen eines Verbrechens. Es gibt keine unschuldige Landschaft, solange sich Menschen je  auf ihr bewegt und gehandelt haben. 

Sehr bedrückend sind die Fotos der Norwegerin Andrea Gjestvang. Hier geht es um den 22. Juli 2011, als der rechtsextreme Attentäter Brevik 77 Menschen ermordete. Gjestvang fotografierte die Überlebenden und ihre Wunden – äußerliche wie innere. An diesen Bildern sieht man: Hier war die Bedrohung nicht fiktiv, sondern real. 

Die internationale Prepper-Szene trainiert solche Bedrohungen. Dem Künstlerduo Hahn+Hartung aus Deutschland ist es gelungen, einige Prepper und ihre Gedankenwelt zu fotografieren. Prepper denken, dass der Ernstfall (Krieg, Terror oder Seuchen) bald eintreten wird und sie sich darauf vorbereiten müssen. In diesen Kreisen ist die Bedrohung und Unsicherheit zuhause. Aber auch staatliche Stellen wie der THW müssen sich auf Katastrophen vorbereiten.  

Wie aus einem Science-Fiction Film erscheinen manche Relikte aus dem Kalten Krieg, die der russische Fotograf Danila Tkachenko auf seinen Reisen durch Osteuropa aufgenommen hat. Seine Serie “Restricted Areas” dreht sich um Orte, die vorher nicht betreten werden durften, jetzt aber meist als “lost places” gelten. Wie ein UFO wirkt beispielsweise das Busludscha-Denkmal in Bulgarien.Tkachenko isoliert das Gebäude und lässt es in einem weißen, verschneiten Umfeld stehen. Dadurch wirken die Bilder beim betrachter äußerst kühl. 

Die Öffnungszeiten des Künstlerhauses sind Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr. Weitere Informationen unter www.kh-do.de

Die Internetseite des Fotofestivals Dortmund (07. bis 24. November 2019) finden Sie unter www.f2-fotofestival.de




Ausstellung in Künstlerhaus entdeckt Bildräume

Mit der Ausstellung „room with a view“ präsentiert das
Künstlerhaus vom 7. September bis zum 13. Oktober fünf
Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Fotografien neue
Bildräume schaffen oder imaginäre kreieren.

Die Fotografie macht
in der Regel aus einem dreidimensionalen Raum einen
zweidimensionalen. Schon früh haben Fotografen nach einem Weg
gesucht, die „verschwundene“ Räumlichkeit wieder herzustellen,
beispielsweise durch Stereografie. Chris Engman (USA), Emma Hart
(GB), Katharina Kiebacher (D), Alexandra Leykauf (D) und Susa Templin
(D) beschäftigen sich auf der künstlerischen Wege mit der Thematik.

Der Amerikaner Chris
Engman
zeigt beispielsweise seine Videoarbeit „Sunrise to
Sunset“. Sie besteht eigentlich aus zwei Videos. Es ist das gleiche
Motiv 24 Stunden aufgenommen, aber auf dem einen Bild läuft die Zeit
vorwärts, auf dem anderen Bild rückwärts. Es gibt also nur zwei
Zeitpunkte, an dem beide Bilder gleich sind. Spannend ist auch eine
weitere Arbeit von ihm. Das großformatige Bild sieht zunächst aus
wie ein Naturbild, bis dem Betrachter Unstimmigkeiten auffallen.
Plötzlich ist in der Felsformation ein Fenster eingebaut. In
Wirklichkeit hat Engman das Naturfoto ähnlich einer Fototapete
riesig ausgedruckt und in einer Garage geklebt, so dass ein
verwirrender Effekt entsteht.

Die Fotografie, die
ja die Wirklichkeit abbilden soll, fehlt es an Räumlichkeit und
Körperlichkeit, findet Katharina Kiebacher und zeigt in ihren
Arbeiten, wie sie mit diesen Manko umgeht. Im Mittelpunkt steht das
Ei. „Das Ei hat eine wandelbare Form“, begründet Kiebacher die
Wahl ihres Motivs. In einer Skulptur lässt sie den Betrachter quasi
hinter das Bild schauen und zeigt das Ei vorher und nachher. Das
Körperliche wird auch in der anderen Skulptur deutlich. Statt ein
zweidimensionales Foto auszustellen, gewinnt das Bild eine
Räumlichkeit und dringt in den Raum ein.

Beim Aufbau der Arbeiten von Susa Templin (links) helfen Paul Pape und Katharina Kiebacher.
Beim Aufbau der Arbeiten von Susa Templin (links) helfen Paul Pape und Katharina Kiebacher.

Emma Hart
präsentiert einen Loop aus verschiedenen Fotos, auf denen die
Fotografierten den Betrachter unvermittelt anschauen. So wird der
Zuschauer plötzlich zum unerwünschten Eindringling oder Paparazzi,
der das traute Familienleben stört. Zusätzlich zeigt sie
beeindruckende Skulpturen, die auf Fotografien alter Kinosäle
beruhen.

Die Arbeiten von
Alexandra Leykauf sind über der Kante gebrochen. Das Video
als auch die beiden Bilder benötigen vom Betrachter einen gewissen
Standpunkt. Viele ihrer Arbeiten spielen mit dem Übergang von einem
dreidimensionalen Objekt zur Oberfläche des Bildes und zurück.

Abstrakte Werke
schafft Susa Templin mit ihren Arbeiten. Zu Beginn stehen
Fotos von Häusern, Treppenhäusern und anderen architektonischen
Elementen, die die Künstlerin auf Kapa-Platten zieht und daraus
malerische Räume entwickelt. Daraus entstehen assoziative und
gleichzeitig reale Räume, die sich auflösen und abstrakt werden.
Aus der Ferne wirken die Arbeiten wie geometrisch abstrakte
Kunstwerke, erst beim näheren Hinsehen, wird deutlich, dass die
Farbflächen in Wirklichkeit Fotos sind.

Room with a view

07. September bis
13. Oktober 2019

Künstlerhaus
Dortmund, Sunderweg 1

Die Öffnungszeiten
des Künstlerhauses sind Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr.

Die Vernissage ist
am 06. September um 20 Uhr.




Ausstellung im Künstlerhaus erinnert an Christine Refke

Eine beeindruckende Werkschau von Christine Refke ist zur Zeit im
Dortmunder Künstlerhaus zu sehen. Die Dortmunder Künstlerin starb
im November 2017 mit nur 57 Jahren. Unter dem Titel „Wo komm ich
her, wo gehe ich hin“ haben ihre Kinder Nehle und Manuel gemeinsam
mit Freunden aus dem Nachlass eine wunderbare Auswahl an Grafiken,
Malereien, Skizzen und Skulpturen zusammengestellt, die die große
Begabung von Christine Refke aufzeigt.

Im
Andenken an Christine Refke weicht das Künstlerhaus vom Konzept
ausschließlich Gruppenausstellungen zu zeigen ab, und stellt die
gesamte Ausstellungsfläche für mehr als 100 Werke zur Verfügung.
Die Objektdesignerin arbeitete von 1988 bis 1994 im Künstlerhaus.

Die
Organisation vor Ort übernahmen Peter Schmieder und Mira Posingies
vom Künstlerhaus, die Laudatio am Abend der Vernissage hielt Hans
Dieter Christ, heute stellvetetender Kurator des Württembergischen
Kunstvereins Stuttgart. Er war zeitgleich mit Christine Refke im
Künstlerhaus tätig.

Bei
der Sichtung des Nachlasses reifte bei den Kinder Nehle und Manuel
Refke und den Freundinnen Claudia Schurian, Dina Nur und Ulla
Illerhaus der Entschluss das umfangreiche Werk von Christine Refke in
einer Ausstellung zu zeigen.

Künstlerkollegen Dina Nur, Hans Dieter Christ und Claudia Schurian (links) und die beiden Kinder Manuel und Nehle Refke präsentieren Arbeiten von Christine Refke. (Foto: © Anja Cord)
Künstlerkollegen Dina Nur, Hans Dieter Christ und Claudia Schurian (links) und die beiden Kinder Manuel und Nehle Refke präsentieren Arbeiten von Christine Refke. (Foto: © Anja Cord)

Monatelang
sichteten, fotografierten und katalogisierten die Geschwister die
über 1000 Werke von Christine Refke und waren immer wieder von der
großen Bandbreite der Arbeit ihrer Mutter beeindruckt.

Christine
Refke studierte Objektdesign an der Fachhochschule Dortmund mit den
Schwerpunkten Malerei und Bildhauerei. Sie beteiligte sich an
zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen, war häufig in der
Ausstellung zum Dortmunder Kunstkalender zu sehen und ihre Bilder
wurden mehrfach für den Kalender ausgewählt.

Seit
2001 arbeitete sie im Fachbereich Architektur der FH Dortmund im
Bereich Mediendidaktik und Visualisierung. Dass ihre künstlerische
Arbeit dadurch nur noch eingeschränkt möglich war, war für sie
manchmal schwer zu ertragen.

Während
die älteren Bilder und Grafiken sich sehr mit düsteren und
melancholischen Themen beschäftigen, sprühen die Bilder ihres
späteren Schaffens voll Lebensfreude in hellen, grünen und rosa
Farben. Bilder dieser Periode waren in ihrer letzten Ausstellung im
Torhaus Rombergpark zu sehen. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist der
„Meaux“. Fabeltiere oder Ungeheuer, manchmal wie vorwitzige
Comicfiguren gezeichnet und doch in keinem Fall eindimensional
tauchen in den verschiedensten Varianten und Zusammenhängen immer
wieder auf. Die Faszination der „Meaux“ packte die Künstlerin
während der Besichtigung französischer Kirchen und der skurrilen
Anmutung der Wasserspeier.

Wenn
man von Raum zu Raum wandelt und die Kraft und Dynamik der Bilder
sich dem Besucher mitteilt, wird es nie langweilig. Die Kunstwerke
bieten dem Betrachter immer neue Anknüpfungspunkte um einen Einstieg
in das jeweilige Bild zu finden. Ein Oeuvre, das einmal mehr bedauern
lässt, dass es keine Fortsetzung erfahren wird.

Die
wunderbaren Bilder von Christine Refke sind noch von Donnerstag (25.
7.) bis Samstag 27.7.) jeweils von 16 Uhr bis 19 Uhr zu besichtigen.
Am Sonntag den 28. 7. beginnt die Finissage um 17 Uhr.




Dokumentarfotografie stellt Menschen in den Mittelpunkt

Mit der Ausstellung „encounters“ präsentieren vier
Dokumentarfotografen des DOCKS Collective vom 22. Juni bis 14. Juli
2019 im Künstlerhaus Dortmund ihre Arbeiten. Behandeln ihre Werke
unterschiedliche Themen, so ist doch immer der Mensch im Mittelpunkt.
Ob Klimawandel, Naturkatastrophe oder dörfliche Sitten und
Gebräuche: Überall prägt der Mensch durch sein Tun und Handeln
seine Umgebung. Zum Guten, aber auch zum Schlechten. Die Ausstellung
zeigt eindrucksvolle Bilder von aktuellen Langzeitprojekten.

Arne Piepke
fotografierte Schützenvereine und die dazugehörigen Schützenfeste
seiner Heimat im Sauerland. Er hat seinen Bildern den übergreifenden
Titel „Für Glaube, Sitte, Heimat“ gegeben, ein Motto, das noch
auf manchen Vereinsflaggen zu sehen ist. Warum haben die
Schützenvereine in den Dörfern noch eine Bedeutung, wollte Piepke
hinterfragen. Sie sind vor allem identitätsstiftend. Für
Jugendliche ist es oft der einzige Weg, sich in die Dorfgemeinschaft
zu integrieren. Es besteht schon ein gewisser Gruppenzwang. Piepke,
der die Schützenvereine drei Jahre lang begleitet hatte, erkannte
deutliche Unterschiede: Es gebe konservative Vereine und weniger
konservative, bei denen die Gemeinschaft wichtiger sei als das
Beharren auf Werte. Seine Bilder geben einen Einblick in eine Welt,
die oft nach bestimmten choreografischen Regeln arbeitet.

Mit „Incendio“
behandelt Fabian Ritter das Thema des verheerenden Waldbrandes in
Portugal 2018. Dabei vermeidet er Sensationsbilder und fragt sich
eher, wie geht es den Menschen jetzt. Seine Bilder sind an zwei
Wänden aufgehängt und zeigen Fotografien kurz nach dem Brand und
welche, die sechs Monate später aufgenommen wurden. Während die
Natur sich ganz langsam erholt, schwanken die Menschen zwischen
Resignation und Wiederaufbau. Die Landschaftsfotografien von Ritter
erinnern wegen der Farbe und dem Licht manchmal an Landschaftsmalerei
aus der Renaissance, aber ohne zu romantisieren.

Nicht nur in Dortmund gibt es „Horrorhäuser“, auch in Göttingen. Das „Iduna-Zentrum“ ist ein Relikt aus den 70er Jahren, als man vorhatte, ein luxuriöses Hochhaus zu errichten mit allen Besonderheiten wie Sicherheitsdienst, Pförtner oder Sauna. Doch die finanziell Bessergestellten nahmen das Projekt nicht an und so verwandelte sich das Vorzeigeobjekt zum sozialen Brennpunkt. Seit zweieinhalb Jahren begleitet Ingmar Björn Nolting, der mehrere Monate selbst dort lebte, mit seiner Reihe „Hinter Fassaden“ die Bewohner der Appartements im Kampf ums Überleben. Suchtkranke, SozialhilfeempfängerInnen, Geflüchtete und Menschen in Altersarmut prägen die Nachbarschaft. Noltings Bilder geben eindrucksvoll Zeugnis vom Kampf um ein klein wenig Würde in ihrer privaten Lebenswelt ohne voyeuristisch zu sein. Nolting ergänzt seine Bilder mit selbstverfassten Gedanken der Bewohner des Hochhauses zu ihrer Situation.

Ein See wird zur
Wüste. Die ökologische Katastrophe rund um den Urmia-See im
Nordwesten Irans ist in der Öffentlichkeit weitgehend ungekannt. War
der See vor einiger Zeit noch zehnmal größer als der Bodensee,
mittlerweile ist er auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe
geschrumpft. Das führt zu vielen Problemen: Zunächst stieg der
Salzgehalt sehr stark an und ist mittlerweile mit dem Toten Meer zu
vergleichen. Darüber hinaus gibt es regelrechte Salzstürme, die die
Felder schädigen. Die Konsequenz: Bald könnten über 5 Millionen
Menschen aus der unwirtlicher werdenden Gegend fliehen. Maximilian
Mann Fotoreihe „Lake Urmia“ beschäftigt sich mit den sich
verändernden Lebensgrundlagen der Menschen und möchte damit auf das
Schicksal des Sees und der ihn umgebenden Bevölkerung aufmerksam
machen.

Mehr Informationen
zum DOCKS Collective unter https://dockscollective.com

Künstlerhaus Dortmund Sunderweg 1 | 44147 Dortmund
Öffnungszeiten Ausstellung Do – So 16 – 19 h




Ausstellung zu Perspektiven und Zukunft analoger und digitaler Bücherkunst

Das Dortmunder
Künstlerhaus zeigt vom 04.05. bis zum 02.06.2019 in der Ausstellung
„Vom Blättern und Wischen“ 90 analoge und 5 digitale
(Buch)-Exponate in zwei getrennten Bereichen.

Das Buchlabor der
Dortmunder Fachhochschule beschäftigt sich schon seit einiger Zeit
mit den kreativ-interaktiven Möglichkeiten im Bereich des digitalen
Buches. Für Ausstellungsgestaltung und Konzept ist Bianca Reimann
verantwortlich.

Bekannt sind vielen
die im Urlaub praktischen E-Books, die zum Beispiel das lästige
Mitschleppen von schweren Büchern im Urlaub unnötig machen. Wie
sind die Entwicklungen im digitalen Bereich des Buchgeschäftes? Ist
die Zukunft des Buches digital und wie steht es mit der
Daseinsberechtigung der „begreifbaren“ und die Fantasie
anregenden analogen Bücher? Kommt es eventuell nur darauf an, beides
je nach praktischem Zweck intelligent einzusetzen? Das sind nur
einige der Fragen, die die gezeigten analogen und digitalen Bücher
von Studierenden und Ehemaligen des Fachbereichs Design aufwerfen.

Lea Schütze nähe rote Fäden (Threads) in das analoge Buch „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ von Anna Freud.
Lea Schütze nähe rote Fäden (Threads) in das analoge Buch „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ von Anna Freud.

Die Ausstellung
beinhaltet 95 Exponate, die eine spielerische Auseinandersetzung mit
dem Medium herbeiführen möchten. Dabei werden die BesucherInnen
permanent mit Entscheidungssituationen konfrontiert.

Im großen
Eingangsbereich mit seinen zahlreichen Wänden befindet sich der
digitale Bereich. Er lädt dazu ein, die interaktiven und intuitiv
bedienbaren Oberflächen der ausgestellten E-Books und speziellen
Buch-Apps zu erforschen und zu erleben. Dazu sollten die
Besucherinnen und Besucher sich Zeit nehmen. Den praktischen Einsatz
etwa im Bereich Fotobuch verdeutlicht das Mode-Fotobuch von Martin
Kretzschmann eindrucksvoll. Auch bei Kinderbüchern oder großen
Datenmengen wie zum Beispiel „50 Jahre Gleichstellung“ bieten
sich eine digitale Buchpräsentation an. Es gibt unzählige Weg,
seinen individuellen Interessen zu folgen und dich in das „digitale
Buch“ zu vertiefen.

Lena Bluhm verbindet am Ende analoges und digitales Buch.
Lena Bluhm verbindet am Ende analoges und digitales Buch.

Im analogen Bereich
laden zahlreiche Sitzmöglichkeiten zum Verweilen und schmökern bei
einer Tasse Kaffee ein. Unter großen Überschriften wie „linear
oder non-linear“, „aktiv oder passiv“, „Bild oder Text“,
oder „blätttern oder wischen“ liegen auf verschieden Tischen
selbst entwickelte analoge Bücher der Studierenden. So wurde zum
Beispiel von Lea Schütze (Kommunikationsdesign / Bachelor 5.
Semester) auf Grundlage des Buches „Das Ich und die
Abwehrmechanismen“ von Anna Freud (Tochter von Psychoanalytiker
Sigmund Freud) aus den 1930-iger Jahren ein spezielles Buch
entwickelt. Um elf Abwehrmechanismen des Menschen begreifbar zu
machen, nähte sie rote Fäden zu jedem Abschnitt in verschieden
enger Vernetzung ein, um so den jeweiligen unterschiedliche Grad des
Abwehrmechanismus sinnlich fassbar darzustellen.

Jedes der vielen
Bücher behandelt einen speziellen Aspekt und hat etwas
Überraschendes.

Lena Bluhm verbindet
am Ende analoges und digitales Buch in einem Zusammenhang in ihrer
Arbeit „Intertwined.“ Sie verarbeitet 6 Songs der bekannten
englischen Sängerin Dodie Clark in 6 Kapiteln zunächst in einem
kleinen Büchlein. Darunter befindet sich das analoge Buch als
digitale Version mit Sound zum Eintauchen.

Die Vernissage diese
spannende Ausstellung ist am Freitag, den 03.05.2019 ab 20:00 Uhr im
Künstlerhaus Dortmund. Dort gibt es eine Vorstellung ausgewählter
Bücher in Form einer Pecha – Kucha – Präsentation.

Abschluss
ist am
Sonntag, den 02.06.2019 ab
17:00 Uhr.

Geöffnet
von do – so, 16:00 – 19.00 Uhr.

Künstlerhaus,
Sunderweg 1, 44147 Dortmund