Linien ohne Grenzen – Among Other Things im Künstlerhaus Dortmund

Zeichnung bedeutet längst nicht mehr nur Bleistift auf Papier.
Die Ausstellung Among Other Things – Zeichnung als erweiterte Praxis zeigt, wie vielseitig und experimentell dieser künstlerische Ausdruck heute sein kann.

Die teilnehmenden Künstler:innen nutzen Zeichnung nicht nur als Bild, sondern auch als Prozess, als Spur, als Bewegung im Raum. Ihre Arbeiten reichen von klassischen Blättern bis hin zu Installationen, Objekten, Videos oder Performances. Linien, Gesten und Strukturen überschreiten dabei bewusst die gewohnten Grenzen des Mediums.

Der Titel Among Other Things deutet an: Zeichnung ist hier nur ein Teil unter vielen – verbunden mit anderen Ausdrucksformen, offen für neue Verbindungen. Besucher:innen sind eingeladen, ihre eigenen Vorstellungen von Zeichnung zu hinterfragen und diesen offenen, lebendigen Sprachraum der Kunst zu entdecken.

Titelgrafik: Sandra Opitz, Debora Ando
Titelgrafik: Sandra Opitz, Debora Ando

Die Künstler:innen der Ausstellung

Nora Mona Bach

Die Dortmunder Künstlerin Nora Mona Bach treibt den Begriff der Zeichnung bis an seine Grenzen. Ihr Material: pulverisierte Kohle – archaisch, erdig, fast mythisch. Auf dem Papier entstehen spannungsreiche Kompositionen, in denen Flächen, Gesten und Pastellfarben aufeinandertreffen. Cut-Outs und herausgelöste Elemente erweitern den Bildraum, als wolle die Zeichnung selbst in Bewegung geraten. Die Werke changieren zwischen Landschaft und Atmosphäre, zwischen Fotogramm und Geologie – Sedimentschichten aus Erinnerung und Wahrnehmung, die den Blick des Publikums ständig in Bewegung halten.

Sarah Casey

Die britische Künstlerin und Forscherin Sarah Casey verbindet Zeichnung mit Wissenschaft. Ihre Werke entstehen oft unter Einfluss von Zeit, Licht und Umweltbedingungen. Seit einigen Jahren arbeitet sie mit Gletscherarchäologen in der Schweiz zusammen und verarbeitet „Gletschermehl“ – ein feines Sediment, das beim Rückzug des Eises zurückbleibt – zu Zeichnungen auf Glas. So verwandeln sich wissenschaftliche Spuren in poetische Bilder. Casey ist international präsent, mit Ausstellungen unter anderem im Henry Moore Institute oder in Paris, und erhielt zahlreiche Preise. Neben ihrer künstlerischen Arbeit schreibt sie über Zeichnung und lehrt an der Lancaster University.

Satomi Edo – City Map

Die Älteren werden sich erinnern: Bevor es Google Maps gab, benutzten viele Menschen einen Falk-Plan, der eine besondere Falttechnik besaß. Satomi Edo erinnert mit ihren Arbeiten an Stadtpläne – und entzieht ihnen gleichzeitig jede Funktion. Die Objekte erinnern an gefaltete Sightseeing-Maps, doch sie zeigen weder einen Standort noch ein Ziel. Stattdessen öffnen sie Räume für Fantasie-Städte ohne Grenzen. Blau, Grau und Weiß stehen dabei für Himmel, Erde und Zukunft. Edo lädt das Publikum ein, nicht den schnellsten Weg zu suchen, sondern beim Entfalten neue Weltbilder zu entdecken.

Vanessa Enríquez

Die in Mexiko geborene und international arbeitende Künstlerin Vanessa Enríquez versteht Zeichnung als kontemplativen, fast meditativen Prozess. Inspiriert von Physik, Kosmologie und Philosophie, entwickelt sie komplexe geometrische Strukturen, die sich über das klassische Blatt hinaus in Raum und Klang entfalten. So entstehen immersive Installationen, die wie Partituren wirken und die verborgenen Rhythmen der Natur spürbar machen. Ihre Arbeiten wurden weltweit gezeigt, unter anderem in Paris, Japan und Mexiko.

Petra Fiebig

Seit über zehn Jahren bleibt Petra Fiebig ihrem Sujet treu: dem Interieur. Leere Räume, ohne Menschen – doch voller Geschichten. Mit Bleistift erschafft sie Szenen, in denen Realität und Fiktion ineinanderfließen. Schraffuren, feine Striche und ein reduziertes Schwarz-Weiß erinnern an alte Fotografien und lassen den Blick auf das Wesentliche zu. So werden wir als Betrachtende zu stillen Gästen in einer unbekannten Welt, immer zwischen Neugier und Grenzüberschreitung.

Bjørn Hegardt – Eternal Return

Der norwegische Künstler Bjørn Hegardt zeigt in seiner Installation Eternal Return den ewigen Kreislauf von Natur, Mensch und Kosmos. Zeichnungen und Animationen auf Podesten verwandeln sich in ein visuelles Netz aus Linien, Formen und Transformationen. Abstraktes wird zu Natur, Natur zu Geometrie – ein ständiges Werden und Vergehen. Hegardt, auch Herausgeber des renommierten FUKT Magazine, verbindet Zeichnung, Film und Raum zu einer poetischen Landschaft.

Wolfgang Lüttgens

Bei Wolfgang Lüttgens dreht sich alles um die Linie – als zeichnerisches wie konzeptuelles Element. Ob mit Stift, Aquarell oder digitalem Pigmentdruck: Lüttgens überlagert, fragmentiert und verwandelt seine Arbeiten in fragile, aber präzise Bildfelder. Linien, Brüche und Überlagerungen fordern das Publikum heraus, genau hinzusehen – zwischen Fläche, Raum und Illusion.

Wandstrukturen

Minimalistisch und doch kraftvoll: Geometrische Formen, mal verdichtet, mal gestreut, besetzen die Wand. Farbe, Licht und Raum verändern ihre Wirkung – zwischen Ruhe und Dynamik, Ordnung und Auflösung. So schaffen die „Wandstrukturen“ neue Wahrnehmungsräume, die Architektur und Betrachter:innen gleichermaßen mit einbeziehen.

Sandra Opitz

Für Sandra Opitz ist Zeichnen eine Form des Denkens. Ihre Werke verbinden Beobachtungen von Natur, Körper und Mythologie zu wandelbaren Metamorphosen. Linien und Flächen verschmelzen zu tagebuchartigen Aufzeichnungen, in denen Kämpfe, Selbstsuche und Weiblichkeit thematisiert werden. Dabei tritt ihr eigener Körper oft handelnd in Erscheinung – ein Spiel mit inneren und äußeren Bildern, das sich ständig neu erfindet.

Piia Rossi

Die finnische Künstlerin Piia Rossi verbindet Kunst und Alltag auf ganz unmittelbare Weise. Bei einstündigen Spaziergängen sammelt sie Fundstücke, die sie in kleine Objekte verwandelt – ein „räumliches Zeichnen“ mit Naturmaterialien. Diese intuitiven Arbeiten wirken wie spontane Gedanken in materieller Form. Rossi beschäftigt sich häufig mit Fragen nach Identität und Zugehörigkeit und ist mit ihren Arbeiten in Sammlungen in Finnland und international vertreten.

Musikalisches Highlight

Auch die Musik findet ihren Platz: Rascunhos de Cordas (Saitenskizze), eine Drei-Kanal-Videoinstallation des Gitarristen Artur Miranda Azzi, entstand aus dem Film Ceci n’est pas une guitar. Darin bricht Azzi mit den Konventionen der klassischen Gitarre und verwandelt das Instrument in ein Medium für avantgardistische Experimente.

Ausstellung im Überblick

Among Other Things – Zeichnung als erweiterte Praxis
27. September – 2. November 2025
Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1, 44147 Dortmund

Öffnungszeiten:
Donnerstag – Sonntag, 16 – 19 Uhr




Ungewöhnliche Perspektiven: „Vs. Frühwerk“ im Künstlerhaus Dortmund

Bis zum 1. Dezember 2024 präsentiert das Künstlerhaus Dortmund eine außergewöhnliche Ausstellung. Unter dem Titel „Vs. Frühwerk“ wird eine aktuelle Arbeit einem Frühwerk gegenübergestellt. Diese Ausstellung bietet einen faszinierenden Einblick in die künstlerische Entwicklung über die Zeit hinweg. Sie zeigt nicht nur den Reifeprozess der Künstler*innen, sondern auch, wie sich Themen, Techniken und der persönliche Ausdruck verändert haben. Kuratiert wurde diese Ausstellung von Cornelius Grau.

Helga Beisheim

Helga Beisheim beschreibt ihre künstlerische Arbeit als stark geprägt von ihrer Umgebung, insbesondere durch den Bergbau und die Baukultur in Langendreer. Ihre Arbeit von 1974 ist ein Beispiel dafür. Später fasziniert sie die Technik des Holz- und Linolschnitts. Diese hat sie über Jahrzehnte hinweg durch verschiedene Variationen von Papier und Farben weiterentwickelt. Ihre Kunst ist von Neugier, Experimentierfreude und spielerischer Umsetzung von Ideen gekennzeichnet, wobei sie unterschiedliche Medien nutzt.

Linus Clostermann

Linus Clostermann ist der jüngste Künstler in der Ausstellung. Sein Frühwerk, eine Wolfsspinne, malte er mit Wasserfarben im Alter von acht Jahren. In seinen aktuellen Arbeiten lässt sich Clostermann von Geschichten aus Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Welten inspirieren. Er schafft Kunstwerke, die sich auf besondere Weise an den Ausstellungsort anpassen.

Der Wandel der Zeit

Ein bemerkenswertes Experiment: In seiner Arbeit „In 10 Minuten“ von 2009 ließ Björn Drenkwitz zehn Darstellerinnen die vergehende Zeit vor der Kamera subjektiv einschätzen und messen. Zehn Jahre später wiederholte er das Projekt mit allen noch verfügbaren Darstellerinnen. Dadurch wurde das subjektive Empfinden der 10 Minuten sichtbar. Auch der Vergleich beider Arbeiten verdeutlicht das Verstreichen eines ganzen Jahrzehnts. Dies zeigt sich besonders in der Veränderung der Gesichter der Darsteller*innen und wirft die Frage auf, ob sich das Zeitempfinden im Laufe eines Lebens verändert.

Alexander Endrullat

Zwischen den beiden Werken von Alexander Endrullat liegen genau zehn Jahre. Dennoch sind sie extrem unterschiedlich. Sein Frühwerk ist ein Ölbild, das cartoonartig wirkt. Für seine aktuelle Arbeit verwendete er Macbooks und Matchbox-Autos. Das Auftauchen eines Autos stellt ein verbindendes Element beider Arbeiten dar. Das Ausprobieren neuer Materialien hilft ihm, Themen unterschiedlich umzusetzen. Besonders spannend findet der Künstler es, die traditionellen Grenzen von Technik und Darstellung zu erweitern. Indem Alexander Endrullat seine Umgebung genau beobachtet, entstehen klare, reduzierte Szenen und Geschichten.

Martin Huidobro

Bei den beiden Arbeiten von Martin Huidobro zeigt sich eine Entwicklung. In beiden Werken (1994 und 2024) geht es um Feuer, jedoch unterschiedlich gestaltet. Huidobro verwendet in seinen Bildern Zeichen und Symbole aus dem Alltag. Dabei vermischt er Malerei, Design, Skulptur und Architektur. Er reduziert Formen und Farben auf das Wesentliche und zeigt, wie man die Welt durch Kunst wahrnehmen kann.

Blick in den großen raum des Künstlerhauses Dortmund mit den beiden Arbeiten von Annette Wesseling.
Blick in den großen Raum des Künstlerhauses Dortmund mit den beiden Arbeiten von Annette Wesseling.

Santiago Isignares

Der Videokünstler Santiago Isignares präsentiert zwei Video-Performances. Er beleuchtet widersprüchliche Aspekte des Lebens, die wir normalerweise unterdrücken oder auslöschen. Dies wird besonders in seinem ersten Video von 2015 deutlich. Isignares möchte mit Humor, Ironie und der Angst, die durch das verspielte Objekt entsteht, zum Nachdenken anregen – durch Bilder, die gleichzeitig grotesk, unheimlich und niedlich wirken.

Analog und digital: Roman Lang

Analog und digital: So könnte man den Unterschied zwischen den Arbeiten von Roman Lang (2013 und 2024) benennen. Während „FEN“ von Fehlern eines analogen Fernsehgerätes inspiriert ist, könnte das neuere „FoA-1“ die Störungen eines digitalen Bildschirms darstellen. Indem Lang Irritationen und Fehler in seine Bildsysteme einbaut, lädt er den Betrachter ein, aktiv zu werden – zum Beispiel eine Lücke im Bild zu füllen. So wird der Betrachter Teil des Kunstwerks.

Jae Jin Park

Nicht nur Katzen sind von Schalten fasziniert: Künstlerin Jae Jin Park beschäftigt sich intensiv mit den Wechselwirkungen von Licht und Raum. In ihrer Arbeit „Lichtraum (Kokon)“ verwendet sie viele kleine Verpackungsschachteln. Diese fallen ihr eines Tages ins Auge. Bei genauerem Hinsehen erkennt sie darin kleine Räume. Jae Jin Park möchte diese versteckten Räume durch Licht sichtbar machen. Ihr Ziel ist es, ein Objekt zu schaffen, das sich ständig mit dem natürlichen Licht verändert. Dabei vergleicht sie diesen Prozess mit dem einer Raupe, die einen Kokon baut, um sich zu verwandeln.

Iwona Rozbiewska

Iwona Rozbiewska lässt sich in ihrer Kunst von Architektur, Design und alltäglichen Erlebnissen inspirieren. Ein zentrales Merkmal ihrer Arbeit ist das künstlerische Experimentieren mit Objekten, Konzepten und Materialien. Ihre Installation „Untitled (The Cemetery)“ aus dem Jahr 2012 vereint Skulptur, Design und Gebrauchsgegenstand. Unterschiedlich geformte, grau gestrichene Körper aus Spanplatten sind zu einer abstrakten Skulptur zusammengesetzt. In späteren Werken greift Rozbiewska Motive wie Spiralen und „Idylle“ auf. Diese erscheinen sowohl als physische Formen als auch als symbolische Themen.

Sigrid Schewior

Sigrid Schewior entwickelt ihre Arbeit im Austausch zwischen traditioneller Kunst und digitalen Technologien. Dabei entsteht ein komplexes Werk, das dem Betrachter ein erweitertes Verständnis der Welt ermöglicht. Während ihrer Studienzeit hat sie Installationen aus Malmaterialien geschaffen. Später konzentrierte sie sich auf Fragen zur Bildrealität und den Unterschied zwischen realem Raum und Flächenraum. So verbindet sie malerische und grafische Eingriffe in ihren Fotoarbeiten.

Zusammenarbeit mit Mannheim: „Two Decks Networkx“

Wer das Künstlerhaus betritt, wird durch eine grüne Wiese aus Fichtenholz begrüßt. Dies ist das Frühwerk von Annette Wesseling aus dem Jahr 1993. Alle Elemente wurden auf die gleiche Weise hergestellt und haben eine ähnliche Form. Gleichzeitig weisen die Holzstücke eine individuelle Vielfalt auf. Das Spätwerk von Annette Wesseling zeigt gefärbte Baumwollstoffe, die der Sonne ausgesetzt waren. Sie spricht vom Reifen der Bilder an der Sonne.

Das Frühwerk von Gitta Witzke aus dem Jahr 1972 ist vom Surrealismus inspiriert. In ihren aktuellen Arbeiten scheint sie von abstrakter Kunst beeinflusst zu sein, doch das ist eine Täuschung. Fore-edge Painting bezeichnet eine versteckte Buchschnittdekoration. Diese wird beim Durchblättern und im geschlossenen Zustand des Buches unsichtbar. Die Malerei zeigt sich nur, wenn man die Blätter zusammenpresst.

Auf der ersten Etage des Künstlerhauses läuft eine weitere Ausstellung parallel. „Two Decks Networkx“ ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Dortmunder Künstlerhaus und dem Alten Güteramt Mannheim. Nachdem Dortmunder Künstler*innen in Mannheim ausgestellt haben, ist „Two Decks Networkx“ sozusagen der Gegenbesuch. Elf Künstler*innen zeigen ihre Arbeiten, die unterschiedlichen Gattungen wie Malerei, Fotografie oder Installation angehören.




Transformation – ein ewiger Prozess

Nichts bleibt, wie es ist, alles ist einer Veränderung unterworfen – ob Kunst, Menschen, Viren oder unsere Umgebung. Auch Gebäude durchleben eine Transformation, wie das Künstlerhaus Dortmund. Es wurde als Waschkaue errichtet, später von der Fachhochschule Design genutzt und schließlich von Studierenden besetzt, bis es seit 1987 als Künstlerhaus fungiert. Diese Umnutzung oder Zweckentfremdung lässt sich auch in der Kunst finden, sowohl in schnellen als auch in langsamen Veränderungen, entsorgten Handys oder dem Klimawandel. Was prägt uns Menschen im Leben, und welche unterschiedlichen Leben füllen Raum und Zeit? Antworten könnte die Ausstellung „Transformation – Panta rhei“ im Künstlerhaus liefern, die vom 1. Juni – 7. Juli 2024 läuft. Kuratiert wurde die Ausstellung von Ach Kuhzunft



In der Arbeit „The Wheel“ von Irene Pérez Hernández bewegen sich Holzhämmer auf einem Rad, das durch einen Motor angetrieben wird. Damit wird das Kunstwerk zu einer Metapher der Automatisierung der Bewegung. Was früher reine Handarbeit war, wird heute immer mehr automatisiert. Kreisförmige Bewegungen, Wiederholungen, Zyklen und Schleifen sind wiederkehrende Elemente in der formalen Sprache von Hernández‘ Werken.

Im Zeichen der Transformation: Im Vordergrund sind Arbeiten von Yasin Wörheide zu sehen, in Hintergrund "The Wheel" von Irene Pérez Hernández.
Im Zeichen der Transformation: Im Vordergrund sind Arbeiten von Yasin Wörheide zu sehen, in Hintergrund „The Wheel“ von Irene Pérez Hernández.

Im Keller werden Filme von Bernd Herzogenrath gezeigt, die zur Zeit der Covid-Pandemie entstanden sind: die „(c)ovid’s metamorphoses“. Herzogenrath fragte Personen aus verschiedenen Künsten, ob sie an dem Projekt mitmachen wollen. 133 internationale KünstlerInnen haben zugesagt. Wie bei einem Staffellauf haben sich die Teilnehmenden von ihren Vorgängern inspirieren lassen. Dabei waren die Übertragungskanäle das Spannende. Welche Metamorphosen haben sich in der Übertragung ergeben?

In dem interdisziplinären Projekt PHOTEXT, das zwischen Literatur und visueller Kunst angesiedelt ist, möchten die Fotografin Anna Melnykova und die Schriftstellerin Vera Vorneweg erkunden, welche Ähnlichkeiten es zwischen dem Medium Fotografie und dem Medium Schrift gibt und wie sich diese beiden Medien perspektivisch ergänzen können. In der Ausstellung werden analoge schwarz-weiß Akte von Frauen gezeigt, bei denen ausgewählte Körperstellen mit Text versehen wurden. Das Geschriebene erzählt eine zusammenhängende Geschichte von Schmerz und Verlust. Eine besondere Filtertechnik ermöglicht das Verschwinden dieser feinen, in roter Farbe geschriebenen Zeilen, sodass die unbeschrifteten Frauenkörper in ihrer ursprünglichen und unverletzten Form wiedererscheinen.

Beim Thema Transformation darf die künstliche Intelligenz nicht fehlen. Die RaumZeitPiraten (Tobias Daemgen, Jan Ehlen, Moritz Ellerich) präsentieren eine Installation, bei der eine KI die Schattenbilder interpretiert, die sie selbst an die Wand wirft. Wenn man sich vor die Kamera stellt, kann die KI mit neuen Informationen gefüttert werden. So wird die KI das Bild immer neu interpretieren.

„Mona Lisa in Arbeit“ von Tanja Roolfs spielt mit den Perspektiven des künstlerischen Prozesses und wirft die Frage auf, wie eigentlich „große“ Kunst entsteht. Wirft das Genie Farbe und Licht auf die Leinwand oder sind vielmehr echte Handwerker nötig, die entsprechend der Bauordnung und des Tarifvertrags ihren Auftrag ausführen? In einer Welt, in der gegen Bezahlung alles vorgefertigt geliefert werden kann, geht die Wertschätzung für den eigentlichen Herstellungsprozess, für Handwerk und Hingabe an die Arbeit verloren. Das gilt nicht nur für die Kunst, sondern erstreckt sich auf andere Bereiche, von Technik über Kleidung bis hin zu Lebensmitteln. Oft hilft ein Perspektivwechsel, gepaart mit Humor, um diese Verzerrung bewusst zu machen.

Im Nebenraum ist das Oscar-prämierte Meisterwerk „Tango“ von Zbig Rybczynski aus dem Jahre 1980 zu sehen. Er ist ein surrealistischer Tango der Entfremdung von sechsunddreißig Menschen, die in einem Raum gefangen sind und das Gefühl von Unterdrückung, Verwirrung, Liebe und Spannung darstellen. Ironischerweise ist es im Jahr 2020 so, als würde man sein eigenes Leben während des Lockdowns und der Quarantäne auf den Bildschirm projizieren.

Schmelzende Gletscher deuten auf den Klimawandel hin, für die Schweizer Künstlerin Anna Katharina Scheidegger ist diese Transformation auch eine künstlerische Inspiration. MELTING DIAMONDS ist eine fortlaufende Bestandsaufnahme, deren Zweck es ist, die verschiedenen Eisarten anhand von Fotogrammen von Gletscherstücken aufzulisten. Das Fotogramm ist ein fotografisches Verfahren ohne Kamera, das im 19. Jahrhundert erfunden wurde. Das Ergebnis sieht aus wie eine Röntgenaufnahme des Objekts. Besonders beeindruckend ist „Head of Roses“. Es zeigt den geformten Kopf der Künstlerin in Eis mit eingeschlossenen Pflanzen. Wenn das Eis schmilzt, bleibt von der Skulptur nur noch die Vegetation übrig. Das Eis spiegelt die Vergänglichkeit des Lebens wider, und sein programmiertes Verschwinden, um Blumen zu enthüllen, zeigt, dass, wenn ein Ding verschwindet, es einem anderen Platz macht.

Yasin Wörheide beschäftigt sich vornehmlich mit post-digitalem Animismus, transhumanistischen Analogien und Schöpfungsmythen im Kontext des gesellschaftlichen Raums. Viele seiner ausgestellten Arbeiten erinnern an die japanischen Tsukumogamis, besessene oder beseelte Gegenstände, die eine eigene Persönlichkeit entwickeln und bei Missachtung ihre Besitzer bestrafen. Ob die Gegenstände wie die ausgestellten Totems aus Toiletten oder alte Telefone böse werden, bleibt dem Betrachter überlassen, aber Wörheide haucht ihnen neues Leben ein und transformiert sie so in ein neues Dasein.

Zu dieser Ausstellung gibt es auch eine Sonderveranstaltung: Am 14. Juni um 18 Uhr wird es einen Jubiläums-Talk geben, mit dabei: Antje Hassinger (bildende Künstlerin, Gründungsmitglied des Künstlerhauses Dortmund), sowie Dr. Ingo Wuttke (Historiker vom Ruhr Museum in Essen) und Norbert Grondorf (Bergmann a.D.).




Inner Mining / Outer Mining – Globaler Ressourcenabbau im Künstlerhaus

Das Ruhrgebiet war im 19. und 20. Jahrhundert ein Musterbeispiel des Extraktivismus, der wirtschaftlichen und sozialen Praxis, bei der natürliche Ressourcen im großen Maßstab gewonnen oder „extrahiert“ wurde. Das Künstlerhaus selbst war ein Teil dieses „Extraktivismus“, denn sie wurde vor 100 Jahren als Waschkaue für die benachbarte Zeche gebaut.



Also ist es ein guter Ort, um die Ausstellung „Inner Mining / Outer Mining“ zu beherbergen, die diesmal ein externer Kurator, Julian Volz, verantwortet. Der Untertitel „A global constellation“ macht deutlich, dass der Extraktivismus mittlerweile auf der ganzen Welt vorherrscht, wobei der klassische Abbau von Ressourcen vornehmlich in der sogenannten „Dritten Welt“ unter katastrophalen Bedingungen stattfindet.

Die 10 KünstlerInnen aus Europa und Afrika zeigen Arbeiten, die sich mit dem Ausbeuten der Landschaft sowie der eigenen Ausbeutung beschäftigen. Die Ausstellung ist bis zum 14. März 2024 zu sehen.

Die aus Südafrika stammende Künstlergruppe CUSS Group zeigt eine Serie in drei Episoden mit dem Titel „Fully Automated Luxury Influencer“. In „Fully Automated Luxury Influencer“ beschäftigt sich die CUSS Group anhand von Metaphern mit den vielfältigen Facetten des zeitgenössischen Influencer*innentums. Dabei kommen Elemente aus Genres wie dem Science-Fiction oder des Horrors zum Einsatz, um die surrealen und barocken Dimensionen der Influencer*innenkultur darzustellen.

In dem Werkkomplex „Nur die Harten kommen in den Garten“ beschäftigt sich Pia vom Ende mit der Thematik der Selbstoptimierung. Ursprünglich als interaktive VR-Arbeit angelegt, untersucht die Künstlerin mit diesem Werk die Verlockungen des Aufstiegs, welches das Internet an vielen Ecken bereithält, und dabei Handlungsmacht suggeriert. In der Ausstellung findet sich hingegen ein anderer Teil des Werks, für den vom Ende zentrale Motive aus dem VR in das Medium der Malerei übertragen hat. Weitere Spannung kreiert vom Ende, indem sie Symboliken, die ganz deutlich als solche des Aufstiegs identifizierbar sind, wie Treppen, Wolken, Raketen oder klatschende Hände, auf düstere Symboliken, wie Blitze oder verformte Clowns treffen lässt. Nicht zufällig taucht das Motiv des Clownsgesicht dabei in allen Malereien der Serie wieder auf. Obwohl der Clown ursprünglich eine Figur ist, deren Funktion darin besteht, die Menschen zum Lachen zu bringen, wird er spätestens seit den 1980er Jahren, popularisiert durch Stephen Kings Mörderclown „Pennywise“ aus seinem Roman „Es“, zunehmend mit gefährlichen Psychopathen in Zusammenhang gebracht.

In ihrem Werkkomplex “Stone Free“ bringt die Künstlerin Ângela Ferreira die Geschichte zweier sehr unterschiedlicher Minen in einer Konstellation zusammen, um nach der Stellung des Bergbaus in der Gegenwartsgesellschaft sowie dessen neokolonialen Implikationen zu fragen. Der Ausgangspunkt ist dabei die östlich von Pretoria gelegene Cullinan Diamantenmine.



Die „Chislehurst Caves“, also die zweite Mine, auf die sich Fereira für ihr Projekt bezieht, macht die Verflechtung Südafrikas mit der ehemaligen Kolonialmacht deutlich. Die bereits im 19. Jahrhundert stillgelegte Kreidemine liegt südöstlich von London. Nach der Stilllegung fungierte sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Konzertort für die gegenkulturellen Bewegungen. So trat dort etwa Jimi Hendrix mehrmals auf. Die heute als Touristenattraktion geltende Mine steht damit auch für den Wandel der Formen des Extraktivismus in den westlichen Metropolen, die zunehmend auf die kreativen Kapazitäten des Menschen zielt. In der Arbeit „Research Composite 6“ finden sich Studien zu den Eingängen beider Minen. In anderen Zeichnungen beschäftigt Ferreira sich mit „Star of Africa“ Diamanten, etwa mit seinen Umrissen und Schnittformen.

Der Tagebau reißt Löcher in die Landschaft, die wie Wunden aussehen. Doch der Bergbau hat nicht nur die Oberflächen der Landschaft geprägt, sondern auch die Menschen, die in der Umgebung leben. Die Filmemacherin Katarina Jazbec arbeitete mit einer Gruppe von Stahlarbeitern, jungen Umweltschützer*innen und einer Geologin zusammen.

Einen ungewöhnlichen Weg als Künstler wählte Andy Kassier. Bekanntheit erlangte er durch seine Langzeit-Performance „Success is just a smile away” auf instagram (2013 – 2023). Zehn Jahre lang inszenierte Kassier sich dabei als erfolgreicher und gutaussehender Bussinesstyp, der um die Welt jettet. Im Künstlerhaus sind folgende Arbeiten zu sehen: Eine Skulptur aus reinem Sizilium zeigt die Naturschönheit des Steins und reflektiert dabei auf die Abhängigkeit der meisten Zukunftsbilder von extraktivistischen Praktiken. Zentral für die Serie ist das Ölgemälde „Celestial Odyssey“. Es zeigt das Gesicht des Künstlers vollverchromt vor einem blauen, leicht bewölkten Himmel, während über seinem Kopf ein Cowboyhut zu schweben scheint. Die metallene Oberfläche und die kantigen Umrisse seines Gesichtes lassen ihn dabei als eine Art Hybrid zwischen Mensch und Maschine erscheinen.  



Waffenkauf im Künstlerhaus?  Christian Kölbl präsentiert nun mit seinen „CK Guns“ seine eigene Lifestylewaffen. In trendigen Farbkombinationen und mit dem echten Christian Kölbl Branding versehen, versprechen die nach Tutorials aus dem Internet gefertigten 3-D Druck Waffen einen echten Distinktionsgewinn für ihre Träger*innen. Die Waffe kann über die Homepage des Künstlers erworben werden.

Auf einem schmalen Betonsockel hat der Künstler Johannes Leidenberger ein Stahlgestell angebracht, das einen Kohlestein quasi mühelos in die Luft hebt. Dort ruht die Kohle nun bequem wie auf einem Thron, sie scheint beinahe zu schweben. Daher der Titel „Residuum“. Es ist der Stahl, der dieses Schweben möglich macht. Dabei war es ja eigentlich andersrum: Erst die Kohleförderung in großem Stil machte den großflächigen Einsatz von Stahl in Architektur, Transportwesen, Militärtechnik aber auch in der Kunst erst möglich. Leidenbergers Kohle ist so präzise geschnitten, wie ein Diamant. Durch seine geraden Linien arbeitet er die ästhetischen Qualitäten der Rohstoffe heraus und macht die Extraktion auch als ein ästhetisches Projekt sichtbar.

Auch Helena Uambembes Installation aus Macheten verbindet Fragen der Alltagswelt mit denen der antikolonialen Politik und des Widerstands. Während die Machete in vielen afrikanischen Ländern ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand in der Landwirtschaft ist, geriet sie auch zu einem Symbol der antikolonialen Kämpfe. Noch heute findet sie sich in der Flagge Angolas wieder und auch die streikenden Minenarbeiter in Marikana versuchten verzweifelt, sich mit Machteten gegen die Polizeikugeln zu wehren.

In der zweiten Arbeit, der Videoperformance „How to make a mudcake“ (Wie man einen Schlammkuchen macht) handelt es sich nicht um ein kindhaftes Spiel. Spätestens ihre leicht sarkastischen Kommentare und verwendeten Utensilien, wie etwa die Wasserflaschen von Soldaten, machen dies deutlich: „27 years of democracy and more than 44 years of independence didn‘t do much to the soil and the underlying issues.“



Im Keller läuft das Video von Salvatore Vitale. In seinem Video „I am a human” nimmt Vitale Rückgriff auf die Formen des spekulativen Dokumentarismus, um in einer assoziativen Montage über den Zusammenhang zwischen dem Bergbau in Südafrika, IT-Technologien und der Ausbeutung in der Gig-Ökonomie nachzudenken. In seinen Bildern dokumentiert er dabei weniger deren Arbeit selbst als deren Lebensumfeld und Alltagskultur, etwa ihre selbstgemachte Musik und ihre Tänze. Diese parallelisiert der Künstler dann wiederum mit Einblicken in die Arbeitsbedingungen von südafrikanischen IT-Freelancern, die er über die Online-Plattform Upwork beauftragt hat, um Videos, Bilder und Musik zu erstellen, die ihr tägliches Leben und ihre Arbeitsumgebung zeigen.




All you need is love/love

Die Lieder, die sich um das Thema „Liebe“ drehen, sind Legion. Erstaunlicherweise ist in der zeitgenössischen Kunst dieses Thema nicht so populär. Angst vor dem Kitsch, vor einer zu platten Vulgarität? Dabei bietet es so viele Anknüpfungspunkte: Elitepartner und Tinder, kollektive Einsamkeit, Ehe und Polyamorie, Boomer und GenZ, cis und queer – wie man lebt und liebt, das wird heute ganz neu gedacht, diskutiert und hinterfragt.
Jedenfalls hat es das Künstlerhaus Dortmund Dank Organisatorin Dagmar Lippok geschafft, eine Vielzahl Künstlerinnen und Künstler mit ihren Arbeiten zu präsentieren. Also bis zum 01. Oktober 2023 heißt es im Künstlerhaus love/love.



Marlene Apmann und Anja Bohnhof zeigen eine negativ konnotierte Art der Liebe. Arrangierte Ehen sind in Indien verbreitete Praxis. Insgesamt zeigt sich in Indien ein wachsender Trend, die Hochzeitsfeiern als ein aufwändig gestaltetes Ereignis zu inszenieren; dabei werden die Veranstaltungsorte, große Hallen oder auch Zelte mit Hilfe von Kulissenarchitekten in indische Traumwelten verwandelt. Die Fotografien zeigen die Orte vor oder nach den Feiern, wenn sie kaum was von der Traumwelt haben.

Aleksandra Belics Herangehensweise an die Kunst ist ein spezifisch persönlicher Weg zum Universellen. Sie fordert den Betrachter durch die direkte Natur ihrer Malerei heraus. Die Künstlerin nutzt ihre eigenen Beziehungen und Erfahrungen als Inspirationsquelle. Ihre Arbeit folgt der Geschichte einer komplizierten Frau, die weibliche Zerbrechlichkeit und Stärke in einer Welt ausdrückt, in der die Lust gewinnt und die Liebe verloren ist.

Für die Ausstellung love/love hat Carl Brandi das Live-Rollenspiel „Idunas Äpfel“ geschrieben und produziert. Es erzählt von wundersamen und erschreckenden Verbindungen zwischen germanischer Mythologie, Fussballromantik und Verschwörungstheorien. Durch Archäologie und Computerspielen entlehnten Mechaniken entsteht eine erlebbare Geschichte, die sich nahtlos in die Räume des Künstlerhauses und seine Umgebung einfügt. Plot und Umsetzung fühlen romantischen Grundbedürfnissen nach.

Birgit Brenner (*1964 in Ulm) setzt sich inhaltlich und formal konsequent mit gesellschaftlichen Themen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales auseinander. Dabei spannt sie einen weiten Bogen zwischen Themen wie Ungerechtigkeit, Zwang, Scheitern, Gewalt und Angst, Glücksversprechen, Überwachung und Diversität. In den letzten Jahren hat sie ihren Fokus zunehmend auf Themen wie Digitalisierung, Umwelt und Dystopie erweitert. In ihrem 2020 entstandenen Film „Final Call“ thematisiert sie die gravierenden gesellschaftlichen Folgen der Entfremdung des zeitgenössischen Menschen und die rasant voranschreitende Zerstörung der Welt.

Yvonne Diefenbach verarbeitet stereotypes Bildmaterial erotischer Darstellungen des weiblichen Körpers. In ihrer spielerischen Herangehensweise lösen sich die Motive von vorgegebenen Klischees und entheben sich einem voyeurhaften, sexistischen Blick, in der die Figur stets ihre Souveränität beibehält.

Tina Herchenröther verfolgt in ihren Arbeiten einen performativen Ansatz. Ihr körperlicher Ausdruck in Gesten und Posen findet sich als unmittelbares Vorbild in ihren Zeichnungen und Malereien wieder. Dabei geht sie eine besondere Verbindung mit Figuren der Popkultur ein, übernimmt deren Haltung und überschreibt gleichzeitig deren Identität mit den Mitteln der Zeichnung und Malerei. Herchenröthers unerschrockener Einsatz von Material und Technik bietet jedem Abbild genügend Raum für das Unerwartete und Intuitive. 1998 in Frankfurt geboren, lebt und arbeitet sie in ihrer Geburtsstadt.

2003 wuchs Klara Hobzas Obsession für Samuel Morse und das Morsealphabet, das sie erlernte, und sie baute ein einfaches, selbst konstruiertes Lichtsystem, um ihre Botschaften hinaus nach New York zu morsen. Wenig überraschend antwortete zunächst niemand; der Morsecode, einst von größter Bedeutung, ist auf dem Weg in Vergessenheit zu geraten. Erst später wurden ihre Morsesignale von einer kleinen Gruppe von New Yorkern erkannt und beantwortet.

Glaube, Sitte, Heimat. Konventionen. Brüssel, Belgien. Nicht Genf, nicht die Schweiz. Polen, Ungarn, Bulgarien – aber bitte keine Z*******. Ukraine, Russland, Gas, Ölpreise. Volltanken und zulaufen lassen. Sich völlig wegspülen. Angespült werden. Endlich ankommen in klaren Strukturen und wissen, dass schon Leute auf dich warten.
Wir, das Schützenkorps-Europa glauben an die Würde des Lebens, an Gott, an die Politik und daran, dass der nächste Morgen nicht so schlimm wird, wenn man nicht durcheinander trinkt. An die gute Sitte: zur Titte, zum Sack – zack, zack. Und Heimat. Wissen wo man hingehört, wo man hingehen kann, wenn es einem schlecht geht. Heimat, wo man einig ist, wo Alltag ist, wo man Mensch ist, wo man einkauft, wo man einen Job hat.

love/love

19. August – 1. Oktober 2023

Führungen für Singles – und alle anderen
und love/love Café

Samstag, den 26. August, 16 Uhr
Samstag, den 23. September, 16 Uhr

Live-Rollenspiel
Carl Brandi Idunas Äpfel

Sa 26. + So 27. August
Sa 2. + So 3. September
Sa 16. + So 17. September
Do 21.+ Fr 22. + Sa 23. September
jeweils 16 – 19 Uhr

Hafenspaziergang
Samstag, den 26. August, 14 – 19 Uhr

DEW21-Museumsnacht
Samstag, den 23. September, 16 – 21 Uhr

Finissage und love/love Talk
mit den Künstler:innen

Sonntag, den 1. Oktober, 17 Uhr
Moderation: Dagmar Lippok und Dr. Pia Wojtys




Künstlerhaus Dortmund: Seit 40 Jahren künstlerisch jung geblieben

Künstlerhaus Dortmund: Seit 40 Jahren künstlerisch jung geblieben

Vom 01. April bis zum 14. Mai 2023 feiert das Künstlerhaus Dortmund am Sunderweg sein 40-jähriges Bestehen mit der Ausstellung „GO:40“. Dafür hat es ehemalige Künstlerinnen und Künstler angefragt und 21 haben Arbeiten geschickt. Zudem wird der der Vernissage mit Dr. Peter Schmieder der langjährige Geschäftsführer verabschiedet.

Die 21 eingeladenen Künstlerinnen und Künstler spannen geografisch von Amsterdam über Dortmund und NRW, Kiel, Leipzig, Berlin, dem schweizerischen Biel bis nach Tokio ein ebenso großes Netz, wie in ihren verwendeten Sujets und Medien. Von Zeichnungen und Malerei, zu Fotografie und Film bis zu Installation reicht das Spektrum der präsentierten Arbeiten.  

Dabei war es den Organisatorinnen und Organisatoren wichtig, dass nur die Personen ausstellen, die noch aktiv in der Künstlerszene sind.

Bei 21 Positionen ist es schwierig, alle im Detail vorzustellen, doch was bei der Pressebegehung schon sichtbar war, zeigt einen spannenden Querschnitt moderner Kunst.

Das Künstlerhaus ist seit 40 Jahren ein Kraftort für Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Art. Seine Geschichte ist eine von Persönlichkeiten, die neben ihrem eigenen Werk stets für das Programm des Hauses als Kurator:innen aktiv waren Das Jubiläum ist ein dankbarer Blick zurück und ebenso ein Ausblick auf weitere Jahre voller Programm, voller Überraschungen und Entdeckungen.

Mit dabei sind folgende Künstlerinnen und Künstler: Tomomi Adachi, Christoph Bangert, Patrick Borchers, Harald Busch, Julian Faulhaber, Nina Glockner, Antje Hassinger, Sybille Hassinger, Thomas Haubner, Francis Hunger, Tina Jacobs, Sonja Kuprat, Paola Manzur, Rona Rangsch, Gerd Schmedes, An Seebach, Hildegard Skowasch, Jürgen Spiler, Cornelia Suhan, Helga Weihs und Anke Zürn.

Die feierliche Eröffnung findet am 31. März 2023 um 20 Uhr statt. Mehr Infos über die ausstellenden Künstler:innen unter https://www.kh-do.de/ausstellungen/ausstellungen-2023/go40




Game on! – Ausstellung verbindet Kunst und Spiel

Bis zum 20. November 2022 zeigt das Künstlerhaus am Sunderweg 1 eine hochinteressante Ausstellung zu den Themen Kunst und Spiel. Elf Positionen zeigen die Verbindung zwischen Spiel und Kunst. Das Spielerische oder auch die Erinnerung an die Kindheit werden von den Künstler*innen unterschiedlich bearbeitet. Und wie es sich zu einer solchen Ausstellung gehört, manche Kunstwerke laden zum Ausprobieren ein.



Florian Witt zeigt ein großes Wandgemälde, dass wie eine Art Puzzle aufgebaut ist. So dass der Künstler nur einen Ausschnitt zeigen kann, der ein Gesamtwerk. Zum Ausprobieren ist seine Windmühle. Hier müssen die Besucher*innen Hand an die Kurbel legen, so dass sich – über Seile gespannt – eine Windmühle betreiben lässt. Da die Kurbel aus Holz ist und beim Bewegen Geräusche von sich gibt, spielt Witt auch mit der Zerbrechlichkeit.

Mara Heuer arbeitet seriell und zeigt auf großformatigen LKW-Planen ihre Serie „Knuddel mich“. Hier stehen Kuscheltiere im Mittelpunkt, die Kindheitserinnerungen wecken. Nostalgische Gefühle könnten bei den Besucher*innen aufkommen: „Hatte ich nicht so ein Kuscheltier?“

Von Architektur fasziniert ist Elizabeth Charmrock. Die Künstlerin kombiniert Stadtplanung mit künstlerischem Ansatz. Dazu hat sie kleine Modelle gebastelt, die sie zu einer Stadt zusammengefügt hat. Besucher*innen können selbst probieren, ihre Stadt zu bauen und sogar für Zuhause die Modelle kaufen.

Glenn de Cock entwickelte ein Computerspiel in einer U-Bahn, in dessen Tunneln sich eine Sagenfigur aufhält, der Tatzelwurm. Diese Ästhetik der eidechsenartigen Kreatur findet sich in seinen 3-D Drucken wieder. So schuf der Künstler ein Schachspiel, das von den Besucher*innen gespielt werden kann.

Bei den Kunstwerken von Ellen DeElaine ist Mitmachen und Miträtseln erlaubt. Ihre Arbeiten sind inspiriert von Rätseln, die oft in Zeitschriften für Kinder auftauchen, bei denen man beispielsweise einen Ausgang finden muss. So wird ein QR-Code zu einem Labyrinth.

Ebenfalls zum Mitspielen ist das Kartenspiel von Renaud Héléna. Die Aufgaben erinnern an Kommunikationsspiele. Hinzu kommt eine gewisse Doppeldeutigkeit, die auch in seinen anderen Spielen zu finden ist und eine Identifizierung erschweren.

Von alten Spielerlebnissen kommen wir zur Gegenwart oder besser in die Zukunft. Line Finderup verwandelt das Künstlerhaus via „virtual reality“ in eine österreichische Weinstube im Freien.  Es ist faszinierend, wie sich der Raum verändert und man sich schnell in der künstlichen Welt verlieren kann.

Maria Kobylenko und Raiko Sanchez zeigen eine Welt, in der Spielfiguren zum Leben erwachen. Die digitalen Spielwesen sind an keine realen Vorgaben geknüpft und wirken futuristisch.

Gleich zwei Arbeiten zeigt Jule Tabea Martin. In der ersten Arbeit verbindet sie Basketballkörbe, die mit menschlichen Haaren geknüpft sind. In der zweiten Arbeit steht die Kombination zwischen Tischtennis und Haaren im Mittelpunkt. Die Haare stehen hier bei für ein weibliches Prinzip, währen die beiden Sportarten männlich dominiert sind. Auch steht die Berührung der Haare/Netze in beiden Sportarten für etwas Gegensätzliches. Fällt im Basketball ein Ball durch das Netz zählt dies als positives Ereignis, während beim Tischtennis der Netzkontakt negative Folgen hat.

Ein interaktives Spiel  mit dem Titel „Stormy Night“ stellt Sharon Paz vor. Die Teilnehmer*innen müssen sich in drei Kapitel durch eine schlaflose Nacht in einem dreidimensionalen Raum zurechtfinden.

Raumzeichnungen nennt W.N. van Ravenhorst ihre Installationen. Das hauptsächliche Element sind Sicherheitsgurte, die sich interaktiv von den Besucher*innen verändern lassen. Es erinnert an Fadenspiele wie das Abnehmen, die man früher als Kind gespielt hat.

Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1

 Öffnungszeiten der Ausstellung Donnerstag bis Sonntag 16 bis 19 Uhr  




Doppelausstellung im Künstlerhaus

„It takes two to tango“ ist nicht nur der Titel der Ausstellung im Erdgeschoss im Künstlerhaus, sondern „zwei“ ist auch die Anzahl der Ausstellungen, denn im 1. Stock des Gebäudes ist auch noch die Ausstellung „Schwarzzseite Projekt“ mit Druckgrafiken zu sehen. Beginnen wir im Erdgeschoss.

Hier präsentieren zehn Künstlerinnen Arbeiten, die sich stark mit Rhythmus, Struktur oder Materialität beschäftigen. Gemeinsam ist allen Künstlerinnen, dass sie entweder als Mentorin oder Mentee an den Kunst-Mentorinnenprogrammen in Nordrhein-Westfalen oder Mecklenburg-Vorpommern teilgenommen haben. Die Ausstellung ist bis zum 19. Juni 2022 zu sehen.

Maria Seitz, multicolor 4
Maria Seitz, multicolor 4

Uli Böhmelmann arbeitet raumbezogen mit transparenten oder empfindlichen Materialien. Für die Ausstellung im Künstlerhaus zeigt sie ihre Arbeit „Kette geschlossen“, die aus Porzellan besteht. Somit entsteht eine neue Einteilung des Raumes. Die Analogie zwischen Kunst und Natur beschäftigt die Künstlerin Rabea Dransfeld. Ihre „kosmischen korrelate“ wirken einerseits wie Stücke von Meteoriten, andererseits aber auch wie Waben von Bienen oder Wespen. Bei Maria Seitz stehen serielle Strukturen und repetitive Verfahren im Vordergrund. Sie zeichnet mit Buntstiften auf Papier und erzeugt komplexe Strukturen. Ramona Seyfarth arbeitet bei ihren fotografischen Arbeiten mit der Zeit, Sie fotografiert ein Motiv über 24 Stunden und komprimiert die Bilder anschließend. Ein weiteres Werk von ihr ist der „Rote Teppich“, der aus einzelnen Glasfäden geknüpft ist. Eine Zeichnung im Raum, so könnte man die Arbeit „Raumgestrick“ von Karin Schroeder bezeichnen. Ein Faden wird eine Linie, die Linie durchdringt den Raum und wird zu einem 3D-Gebilde.

Johanna Herrmann arbeitet mit dem Wind und dem Zufall. Hier im Künstlerhaus muss sie sich mit Ventilatoren begnügen, doch es bleibt spannend, welches Ergebnis bei dem „Experiment“ herauskommt. Denn der Wind bewegt Pinsel, an denen Farbe klebt, so entstehen spannende Bilder. Die Zeichnungen von Justyna Janetzek beziehen sich auf ihre Skulpturen, an denen sie sonst arbeitet. Sie sind eine Art Muster, Skizze, die von ferne an Gebilde im Raum erinnern. Mit verlorenen Handschuhen arbeitet Susanne Gabler. Zusätzlich „vermenschlicht“ sie die Handschuhe, in dem sie Kontaktanzeigen darunter platziert. Ob sich dadurch der zweite passende Handschuh findet? Das Grundelement der Werke von Dorthe Goeden ist die Linie. So sind ihre Papierschnitte ein Spiel von Licht und Schatten, vom dem „was ist“ und von dem „was nicht ist“. Dazu zeigt sie viele Arbeiten, die als Werkarchiv oder Skizzenbuch dienen könnten. Zusätzlich arbeiten Lisa Tschorn und Sierra Diamond an der Performance „Trotzdem“.

Freundinnen und Freunde von Druckgrafiken können sich auf die Ausstellung „Schwarzzseite Projekt“ freuen, die bis zum 29. Mai 2022 läuft denn zu sehen sind insgesamt 28 Druckgrafiken aus aller Welt, kuratiert von Debora Ando. Viele Drucktechniken sind vertreten und von Unikaten bis zu großen Auflagen ist alles dabei.




Gute Aussichten im Künstlerhaus

Bis zum 01. Mai 2022 zeigt das Dortmunder Künstlerhaus im Sunderweg 1 die Ausstellung „Gute Aussichten“. Acht Positionen junger deutscher Fotografie zeigen unterschiedlichste Herangehensweisen an das Medium. Von klassischer Portraitfotografie, über KI unterstützte Arbeiten bis hin zu Videoproduktionen reicht die Bandbreite.

Max Dauven verknüpft Fotografie mit dem Internetphänomen „Meme“. Bei den Memes handelt es sich um verfremdete Bilder und ähnliche Vorlagen, die kreativ umgedeutet werden und so gewisse Popularität gewinnen können. Dauven benutzt einige Versatzstücke von Memes und baut sie in seinem Fotostudio analog auf. Selbst die Hängung seiner Werke im Künstlerhaus ist einem Meme nachempfunden.

Max Dauven, Assuming Control, Inkjet-Druck, 80 x 64 cm, gerahmt in Aluminium schwarz, 2021
Max Dauven, Assuming Control, Inkjet-Druck, 80 x 64 cm, gerahmt in Aluminium schwarz, 2021

Mit Irland verbinden die meisten Menschen Positives: grüne Insel, nette Menschen und Guinness. Aber auch in Irland gibt es Armut, in den Städten haben sich Armenghettos gebildet. Tamara Eckhardt hat über lange Zeit die Bewohner des Viertels „St.James Park“ in Limerick fotografisch begleitet und sich dabei auf die Kinder und Jugendlichen konzentriert. Herausgekommen sind starke Bilder von jungen Menschen, die ihren Weg finden müssen in einer Umgebung, die geprägt ist von Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit.

Mit seiner Arbeit „18 Diptychen der lichtbildnerischen Forschung“ hinterfragt Maximilian Gessler die materiellen und technischen Grundlagen der Fotografie. Hingegen arbeitet Alexander Kadow mit „Big Data“ und Algorithmen und schafft abstrakte Schwarz-weiß Kompositionen. Als Basis dienen ihm alte Röntgenbilder.

Die Bilder von Natalia Kepesz haben durch den Krieg in der Ukraine ungeahnte Aktualität bekommen. Denn sie fotografierte Kinder, die in Polen in militärischen Camps und Uniformklassen gehen. Die sind im Polen in den letzten Jahren ziemlich populär geworden. Damit werden Kinder spielerisch mit Gehorsam und Patriotismus indoktriniert, und Krieg als eine Lösung akzeptiert.

Mit den typischen Musterhäusern beschäftigte sich Fiona Körner in ihrer Arbeit „Shoes can change your life, ask Cinderella“. Sie fragte sich, welches Familienbild und welche Werte werden in solchen Einfamilienreihenhaussiedlungen vermittelt? Ist es die typisch weiße, heteronormative Familie?

Wie in einem surrealen Videospiel wirkt die Arbeit „Nichts als Solide“ von Vanessa A. Opoku. Ihre Video-Projektion erkundet den öffentlichen Raum in Berlin gemischt mit Sounds aus Field-Recordings sowie Texten von Mascha Kaléko und May Ayim. Die zweite Arbeit „Haltung“ ist ein computergeneriertes Portrait von Opoku.

In „What has been will be again, What has been done will be done again“ zeigt Künstlerin Zoyeon ihre Zerrissenheit als Ausländerin in einem fremden Land. Die Gefühlswelten changieren zwischen Erstaunen und Hilfslosigkeit. Neben einem etwa 43 minütigen Film zeigt das Künstlerhaus auch einen Digitaldruck in der Größe von 1860x 150 cm.

Künstlerhaus Dortmund
Sunderweg 1
44147 Dortmund

Öffnungszeiten der Ausstellung :
Donnerstag – Sonntag
16 – 19 Uhr




go area – Kunst aus dem Ruhrgebiet im Künstlerhaus Dortmund

Nach der Ausstellung „go local“ im Mai/Juni vergangenen Jahres, präsentiert das Künstlerhaus Dortmund wieder heimische Künstlerinnen und Künstler. Lag der Fokus 2021 noch auf Dortmund, wurde der Blick weiter in die Ferne gerichtet. Diesmal sind es Künstlerinnen und Künstler aus dem Ruhrgebiet. Die 16 Positionen sind vom 05.02. bis zum 13.03. 2022 zu sehen.

Die Kuratierung übernahmen in diesem Fall die BewohnerInnen des Künstlerhauses selbst. Jede/r hatte seine/n KandidatIn, die er/sie auch betreute. Herausgekommen sind 16 künstlerische Positionen, die sich nicht nur durch das Material und die Herangehensweise unterscheiden, sondern auch generationsübergreifend sind.

Felina Wießmann, Innenraum 2, Öl auf Leinwand, 2021
Felina Wießmann, Innenraum 2, Öl auf Leinwand, 2021

Günter Rückert ist in Dortmund kein Unbekannter. Seine witzigen Portraits und anderen Bildern reflektiert er mit spitzem Stift gesellschaftliche Zustände.

Die Arbeit von Ulrike Rutschmann wird wie ein geisterhaftes Portrait. Nur bei genauem Hinsehen sind Schemen zu kennen. Das ist von der Künstlerin bewusst gewählt, um die Fragilität menschlicher Existenz zu betonen.

In Corona-Zeiten kam die Zoom-Konferenz in Mode. Matthias Schamp entwickelte ein Collagenformat, bei dem die Teilnehmer sich so arrangierten, dass aus mehreren Einzelfotos ein ganzes Gesamtfoto wurde.

Den Rhein-Heren-Kanal mit seiner Umgebung und den Jugendlichen nahm Inna Schneider im Sommer 2019 auf und erschuf klare Bilder, die an die unbeschwerte Zeit erinnert.

Silke Schönfeld zeigt ein filmisches Portrait der Kick-Boxerin Aleyna Asya Akgün, von den Kampfvorbereitungen bis hin zu den Wettkämpfen.

Champagnerfarben ist das Bild von Philipp Valenta auf den ersten Blick. Kein Wunder, hat der Künstler tatsächlich mit dem edlen Getränk gearbeitet. Doch dann werden Flecken sichtbar wie auf schmutzigen Laken. Somit steht neben der Monochromie auch der Gegensatz wischen Edel und Schmutzig im Mittelpunkt.

Felina Wießmann ist fasziniert von „Lost Places“, vor allem von denen , die während Corona geschlossen waren. Sie fügt aber in ihren Bildern Menschen ein, die geisterhaft die „lost places“ bevölkern. Zudem benutzt sie für ihre Arbeiten eine reduzierte Farbpalette.

Mit der Farbe „Weiß“ beschäftigt sich Christoph Breitmar, in seinem Bild verbindet sich Leinwand, Grundierung, Farbe und Firnis mit Licht zu einem neuen Gesamtbild, das sogar den Raum mitaufnimmt.

„everything is the same“, so lautet der Titel der Arbeit von Sarel Debrand-Passard. Ein Laserpointer mit einem Motor zeigt abwechselnd in die vier Himmelsrichtungen. Hier wird der Versuch einer Verortung vorgenommen. Wo befindet man sich, wohin geht man?

Manche Dinge scheinen ja ein Eigenleben zu entwickeln. Das musste Martin Gensheimer feststellen, dessen Bleistifte in seiner Umhängetasche ein fixiertes Blatt Papier beschrieben. Die Werke, die daraus entstanden sind, verknüpft Gensheimer mit genauen Datums- und Zeitangaben sowie Beschreibung der Tätigkeit.

Es ist schon ein großer Kontrast: der große Raum des Künstlerhauses und die filigranen Arbeiten von Chun-Lan Hermann. Denn in den beiden Bildern ist ein menschliches Haar eingearbeitet. Hermann beschäftigt sich mit der Corona-Pandemie und dem Riss durch die Gesellschaft.

Renate Neuser verwendet gerne unterschiedliche Materialien und verbindet diese miteinander. So kann ein Stein auf einem Holzsockel stehen. Eine weitere Besonderheit ihrer Arbeiten ist die Farbigkeit ihrer Plastiken.

Mit ihrer schlesischen Familiengeschichte hat sich Julia Nitschke beschäftigt. Im Mittelpunkt ihrer Filmskizze stehen eine Oblate, die aufzeigt, wie alle Familiengeschichten (wahre und ausgedachte) miteinander verbunden sind.

Der erste Blick in den von Evangelos Papadopoulos gestalteten Raum erweckte ein Eindruck einer einstürzenden Decke, denn von oben sind Gipskartonplatten, Dachlatten und weiteres zu sehen. Metall und Stein erweitern die Materialauswahl. Seine Großskulpturen erobern den Raum und stehen in Auseinandersetzung mit seiner Atmosphäre und den Lichtverhältnissen.

Holga Rosen ist in Dortmund natürlich bekannt durch seine Cartoons, die er seit über 20 Jahren in den Ruhr-Nachrichten veröffentlicht. Auch im comic schauraum hatte er eine eigene Ausstellung.

Susan Dominique Feind druckt ihre eigenen Fotos auf Stoffe und macht daraus Kleidungsstücke. Durch das Tragen der Kleidungsstücke wird daraus eine Präsentationsfläche und damit wieder Kunst.

Öffnungszeiten Ausstellung Donnerstag – Sonntag 16 – 19 Uhr