Klangvokal 2019 – Mit italienischem Flair ins Festivalvergnügen

Die italienische
Operngala war in den vergangenen Jahren der große Abschlusshöhepunkt
des Klangvokal-Festivals. Bei gutem Wetter gerne im Westfalenpark an
der Seebühne mit Feuerwerk. Im Jahr 2019 startete Klangvokal am 16.
Mai im Konzerthaus mit Musik aus italienischen Opern mit der
Sopranistin Anna Pirozzi und dem Tenor Teodor Ilincai.

Der überwiegende
Teil der Arien und Duette stammen aus den Opern des Verismo. Der
Verismo war eine populäre Operngattung zwischen 1890 und 1920 in
Italien. Nicht mehr um Götter, Kaiser oder andere hohe Personen
sollte sich die Oper drehen, sondern um „gewöhnliche Menschen“.
In den überwiegend als Einakter konzipierten Stücke passiert
gewöhnlich ein Beziehungsdrama, das schreckliche Konsequenzen nach
sich zieht. Die Libretti ähneln ein wenig dem Boulevardjournalismus.
Das „Wir“ (ganz nach dem Motto des Festivals) und der
gesellschaftliche Kontext spielen eine große Rolle.

Doch der Abend
begann mit Guiseppe Verdi. Seine Werke prägen die Opernkultur bis
heute. Aus seinem umfangreichen Schaffen erklangen Ausschnitte von
„Nabucco“, „Macbeth“ und „Simon Boccanegra“, gespielt von
der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Carlo
Montanaro. Hier konnte sich Anna Pirozzi als Lady Macbeth bei „Nel
dì della vittoria…“ auszeichnen.

Teodor Ilincai und Anna Pirozzi begeisterten mit ihren Stimmen beim ersten Konzert des Klangvokal-Festivals. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Teodor Ilincai und Anna Pirozzi begeisterten mit ihren Stimmen beim ersten Konzert des Klangvokal-Festivals. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Weiter ging es mit Pietro Mascagni. Sein berühmtestes Werk ist
„Cavalleria rusticana“, auf
Deutsch „Die Bauernehre“. Im Gegensatz zum Schicksal von Königen
oder Völkern geht es in Mascagnis Einakter um eine tödlich endende
Dreierbeziehung. Neben dem bekannten „Intermezzo“ zeigten Pirozzi
und Ilincai im Duett „Ti qui Santuzza“, dass ihre Stimmen gut
harmonierten.

Den schwungvollen Anfang nach der Pause
machte Giacomo Puccini und „Tosca“, es
folgte Amilcare Ponichielli, dessen
Oper „La Gioconda“ zwischen Verdi und dem Verismo beheimatet ist.
Die Oper „Pagliacci“ von
Ruggero Leoncavalli ist in Deutschland vermutlich bekannter unter dem
Namen „Der
Bajazzo“. Hier erklang die Arie des Tonio „Vesti la giubba“.
Den Schlusspunkt setzte Umberto Giordanos
Oper „Andrea Chénier“.

So
ein Abend steht und fällt mit den Sängerinnen und Sängern. Mit
Anna Pirozzi und Teodor Ilincai hatten
die Festivalorganisatoren ein gutes Händchen. Oft erklangen nach den
Arien „Bravo“-Rufe und den beiden hat es scheinbar auf der Bühne
richtig Spaß gemacht, so das der Funke schnell auf das Publikum
übersprang. Mit drei Zugaben wurde der Abend abgeschlossen. Ein
erfolgreicher Start in die diesjährige Klangvokal-Spielzeit.




Das „WIR!“ im Mittelpunkt von Klangvokal

Auch beim 11. Klangvokal Musikfestival vom 16. Mai bis zum 16. Juni 2019 bieten Festivaldirektor Torsten Mosgraber und sein Team wieder ein ein facettenreiches und vielseitiges Programm mit Musik aus dem Barock und der Renaissance, Oper, Chormusik, Weltmusik, Jazz, Soul und Pop-Klängen an verschieden Orten in Dortmund. So etwa das Konzerthaus, einige Kirchen, das Freizeitzentrum West und am 14.Juni 2019 Händels Heroien im Industriemuseum Zeche Zollern / Maschinenhalle. Wieder ist es gelungen, herausragende Künstlerinnen und Künstler aus dem In – und Ausland für das Festival zu gewinnen.
Mit dem diesjährigem Motto „WIR!“ ist das Musikfestival wieder einmal ganz nah am Puls der Zeit mit ihrem zunehmenden Nationalismus und kurzsichtigem Egoismus. Dem wollen die Organisatoren bewusst ein positives „WIR!“ musikalisch entgegen setzen.

„ Wir wollen
zeigen, dass man gemeinsam erfolgreich sein kann, wenn wir aktiv
zusammen arbeiten“, so Mosgraber. Das betrifft alle
gesellschaftlichen Bereiche und spiegelt sich auch im
Veranstaltungsprogramm wieder. Da spielen persönliche
Liebeskonflikte zwischen den verschiedenen Paarungen sowie deren
Konflikte mit den gesellschaftlichen Vorgaben und Zwängen bei den
musikalischen Programmen in unterschiedlicher Weise eine Rolle.

Los geht es am
Donnerstag, den 16.05.2019 im Dortmunder Konzerthaus um 20:00 Uhr mit
einer „Italienischen Operngala“. Opernstars wie Anna Pirozzi und
Teodor Ilincai verkörpern dann große Liebespaare der
Operngeschichte mit hohem Konfliktpotential. Gefährdung von
Freundschaft und Liebe durch die Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt
von Georges Bizets Oper „ Les Pècheur
de Perles“ (Die Perlenfischer) am
31.05.2019 (Konzerthaus).

Das Festival Klangvokal entführt wieder in die Welt der gesungenen Töne von der Renaissance bis zum Jazz und zur Weltmusik.
Das Festival Klangvokal entführt wieder in die Welt der gesungenen Töne von der Renaissance bis zum Jazz und zur Weltmusik.

Mit
gleich drei Aufführungen wird der Kosmopolit Georg Friedrich Händel,
der als Deutscher den italienischen Stil nach London brachte,
gefeiert.

Mit
„Gender Stories“ im Orchesterzentrum NRW, wo Vivica Genaux
(Mezzosopran) und
Lawrence Zazzo (Countertenor) ihre geschlechtsspezifischen Rollen
während dieses Abends Weise musikalisch tauschen werden. Ein sicher
spannendes Erlebnis.

Die
konzertante Aufführung von Georg Friedrich Händels „Aggripina“
als Premiere im Orchesterzentrum NRW am 08.06.2019 mit Stardirigent
Christophe Rousset mit diesem Politthriller um Erotik und macht wird
sicherlich auch ein Highlight. Händels
„Heroinen“ kann das Publikum dann am 14.Juni im
Industriemuseum Zeche
Zollern
erleben.

Da
besonders das Singen im Chor verbindet, sind
natürlich auch wieder Chöre
aus dem In- und Ausland zu hören.
Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund präsentiert
beispielsweise geistliche Musik aus verschiedenen Regionen Europas,
während der renommierte Dresdner Kammerchor musikalische
„Himmelswelten“ erobert. Das Vocalconsort Berlin lockt dagegen
mit raffinierter Vokalpolyphonie der Renaissance von Orlando di
Lasso.

Zum
Finale stehen mit sage und schreibe 160 Chören zum 11. Festival der
Chöre am 15.06.2019 sowie dem weltweit gefeierten Chor des
Lettischen Rundfunks zum Abschluss des Musikfestivals als zwei
Höhepunkte.

Der
Spanische Weltbürger Jordi Savall lädt am 19.05.2019 im Konzerthaus
zu einem Klangdialog der Kulturen gemeinsam mit Musiker*innen aus
Krisengebieten bei seiner „Hommage an Syrien“.

Freunde
des Jazz dürfen sich auf Indra Rios-Moore (USA), die des Gospels auf
Michelle Davis (USA) in der Pauluskirche freuen.

Raffinierte
(politische) Weltmusik
bietet Blick Bassy
(Kamerun), Nes (Algerien) sowie Munadjat Yuchieva (Usbekistan) . Ein
spezielles Highlight ist der Auftritt von der Soulsängerin Kovac
(Niederlande). Sie bietet im FZW am 06.06.2019 „coolen Soul“.

Zum
ersten mal wird am 8.05.2019 (14.00 bis 19:00 Uhr) am Dortmunder U
von 14:00 bis 16:00 Uhr sowie im Orchesterzentrum von 17:30 &
18:00 Uhr einen Workshop,
round Table & Konzert

in Kooperatiom mit der TU
Dortmund und der Universität Köln.- Das „WIR“ zählt! (Eintritt
frei).

Der Vorverkauf für das
Musikfestival startet ab bei Dortmund-Tourismus (Kampstr. 80) bei den
Ruhr Nachrichten, an allen bekannten VVK-Stellen sowie im Internet
unter www.klangvokal.de .

60.000 Folder und 6.000
Programmbücher sind gedruckt und informieren über das ganze
Programm und die Ticketpreise.




Klangvokal – eine besondere musikalische Schatzsuche

In diesem Jahr feiert Klangvokal Musikfestival Dortmund (11.05. bis 10.06.2018) sein zehnjähriges Jubiläum. Grund genug für die Organisatoren unter der Ägide von Festivaldirektor Torsten Mosgraber, sich auf die Suche nach seltenen kulturellen „Schätzen“ der nationalen und internationalen Vokalmusik. Das Festival umfasst die Bereiche Oper, Oratorium, Chor, Jazz, Weltmusik und Pop.

Mit an die 600 KünstlerInnen (plus Chor-Sängern) aus 20 Ländern wird an 23 Aufführungen an zehn Schauplätzen wird wieder ein vielfältiges wie umfangreiches Programm für das Publikum geboten. „Es geht darum, die Vokalmusik zu bündeln und das Spektrum zu erweitern,“ so Mosgraber.

Für den Hauptsponsor Sparkasse Dortmund betonten Uwe Samulewicz und Stadtdirektor Jörg Stüdemann die kulturelle und ökonomische Bedeutung des Klangvokal Musikfestivals in Zeiten des Strukturwandels.

Kleine Einblicke in ein reichhaltiges Angebot

Gewaltig geht es schon mit der Eröffnung (Chor) am 11.03.2018 um 20:00 Uhr im Konzerthaus Dortmund mit „Gloria“ los. Neben Francis Poulenc „Gloria“ stehen noch Peteris Vasks „The fruit of silence“ und unter der Regie von Dirigent Wayne Marshall Werke von Leonhard Bernstein zu dessen 100. Geburtstag auf dem Programm. Rund 150 Mitwirkende aus Dortmund, Essen und Köln, bekannte Chöre und Solistinnen (Sopran und Mezzosopran).

Ein besonderen „Schatz“ zu hören bekommt das Publikum am der öffentlichen Weltpremiere von Claudio Monteverdis L‘ARIANNA in einer Rekonstruktion von Claudio Cavina am 01.06.2018 19:30 Uhr im Orchesterzentrum/NRW.

Tenor Daniel Behle und die Lauten Compagney machen uns mit Liedern und Arien von John Dowland bis Franz Schubert bekannt.

Christina Pluhar und ihr originelles Ensemble L“Arpeggiata locken musikalisch mit einem interessanten Crossover-Projekt „Händel Goes Wild“.

Ein Highlight sicherlich Jules Massenets romantisches Oratorium „Adam und Eva“ mit dem Philharmonischen Chor des Dortmunder Musikvereins und der aus der hiesigen Oper beliebten Eleonore Marguerre (Sopran) als eine der Solisten.

Klangvokal 2018: Fado-Sängerin Gisela João ist am 25. Mai 2018 im domicil zu hören. (Foto: © Estelle Valente)
Klangvokal 2018: Fado-Sängerin Gisela João ist am 25. Mai 2018 im domicil zu hören. (Foto: © Estelle Valente)

Mit Raritäten sind international bedeutende Volksensembles sind der Estnische Philharmonische Kammerchor, Vox Lumiere aus Belgien, das Ensemble Tiburtina aus Prag und die Tallis Scholars aus Großbritannien zu Gast.

Das Domicil bietet im Bereich Weltmusik und Jazz das albanische Ensemble Saz‘iso, die Sängerin Lily Dahab aus Argentinien und das Trio Yorkston/Thorne/Kahn (Großbritannien und Indien) ein spannendes Programm.

Ein Höhepunkt für die Stadt ist wieder das Fest der Chöre am 11.05.2018. Darin beteiligt sind wieder rund 150 Chöre .

Eine würdigen Abschluss am 12.06.2018 in der Reinoldikirche (19:30 Uhr) wird in diesem Jahr mit Antonio Caldaras „Maddalena ai piedi di Cristo“ eines der schönsten Oratorien des Barock bilden.

Das ist nur eine relativ kleine Auswahl aus dem gesamten Festival-Angebot.

Informationen und Vorverkauf:

Die Eintrittspreise sind auf einem relativ niedrigen Niveau im Vergleich zu den letzten Jahren geblieben.

Der Vorverkauf startet ab sofort bei Dortmund-Tourismus (Kampstr. 80), bei den Ruhr Nachrichten und an allen bekannten VVK-Stellen und im Internet unter www.klangvokal.de

Ein ausführliches Festivalmagazin und eine Festivalbeilage in den Ruhr Nachrichten erscheint im April.




Spanische Nacht als Abschlusskonzert

[fruitful_alert type=“alert-success“]Nach der glänzenden spanischen Nacht gab es das traditionelle Feuerwerk im Westfalenpark. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Ein stimmungsvolles Abschlusskonzert und eine musikalische spanische Nacht bot das Klangvokal Musikfestival Dortmund am Sonntag, den 25.06.2017 seinem Publikum am Sonnensegel im Westfalenpark. Wer wollte, konnte sich schon mal mit Wein und Tapas versorgen. Zum Glück hatte sich das Wetter so einigermaßen gefangen und das Konzert konnte nur wenigen Regentropfen kurz vor Ende der Pause durchgeführt werden.

Das renommierte WDR Funkhausorchester Köln unter der Leitung von Enrico Delamboye begleitete die lyrische Sopranistin María Rey-Joly und den spanischen Tenor Ismael Jordi temperamentvoll und engagiert. Der spanische Gitarrist und Komponist Santiago Lara begeisterte später mit wunderbarer Flamenco-Musik.

Die traditionelle Musik Zarzuela ist hierzulande nicht so populär und bekannt wie in seiner Heimat Spanien. Diese ganz und gar spanische Musikgattung zwischen großer Oper, Operette, Singspiel und Varieté in der Landessprache hate seine „Geburtsstunde“ schon anno 1658 am Hof des Herrschers Philipp IV. Später entwickelte die Zarzuela weg von einer Hofgattung hin zu einer musikalischen Ausdrucksform für das Bürgertum, Bauern und Arbeiter. Sie hat ihren volks-nahen Charakter bei ihrer Wiedergeburt 1850 weiter behalten. Die zumeist äußerst romantischen und temperamentvollen Zarzuelas handeln zumeist von Liebe ( auch zu Städten) und Leidenschaft, sind aber auch von Melancholie und Traurigkeit durchzogen.

Einige der zahlreichen Romanzen, Arien, Duette und Preluden (1830 -1930) wurden von den beiden hervorragenden Interpreten und dem Orchester kraftvoll und leidenschaftlich zu Gehör gebracht. Als Einstieg wurde vom Orchester das „Preludo aus „El bateo“ (Federico Chueca) gespielt. Als Beispiel für eine gefühlvolle Romanze sei nur das Duett „Cállate corazón“ (Federico Moreno Torroba (1891-1982) aus „Luisa Fernanda“ genannt. Das auch der Walzer mit dreiviertel Takt seinen Platz hat , zeigte sich beim „Vals de Angelita“ aus „Château Margaux“ von Manuel Fernández Caballero (1835-1906). Als Zugabe für das begeisterte Publikum durfte später natürlich das berühmte „Granada“ (Agustin Lara) nicht fehlen. Mit einem grandiosen Feuerwerk begleitet von den Klängen des Orchesters endete die „Spanische Nacht“.

Ein gelungener Abschluss für das Klangvokal Musikfestival, das die musikalische Vielfalt der „Heimat Europa“ von Norden bis Süden eindrucksvoll vor Augen und Ohren führte.




All you need is love and Britain

[fruitful_alert type=“alert-success“]Cupid (Sophie Junker) erwärmt das Frostelementar (Sebastian myrus). (Foto: © Barton Kirchmann)[/fruitful_alert]

„King Arthur“ von Henry Purcell in der Reinoldikirche. Eines der Höhepunkte des diesjährigen Festivals „Klangvokal“. Trotz der etwas ungewohnten Form eines Erzählers verzaubert die Oper heute noch. Vor allem, weil sie so herrlich un-opernhaft ist.

Die Legende von König Artus kennen Sie sicher. Auch von Merlin werden Sie vielleicht gehört haben. Beide kommen als Gesangsrollen aber nicht vor. Henry Purcell hat die Artus-Legende noch ein wenig mit Figuren wie Schäferinnen und Schäfer, Pan, Comus, Venus angereichert, so dass eigentlich eine kleine Nummern-Revue entstanden ist. Vaudeville aus der Barockzeit. Viel Liebe und im Schlussakt eine gehörige Portion Patriotismus.

So kommt es, dass ein Frostelementar, eine der berühmtesten Arien „What power art thou“ singt. Manchen ist die Arie auch unter „Cold song“ bekannt, das durch Klaus Nomi in den 80er Jahren bekannt wurde. Nomi, der kein „Pop-Barde“ war, wie das Programmheft suggerieren will, sondern Countertenor mit klassischem Hintergrund, hat die Arie in den 80er Jahren bekannt gemacht und auch den Countertenor in den Fokus der Öffentlichkeit.

Ein weiterer Spaß am Rande: In der Arie sind Comus (in der Mythologie ein Sohn von Dionysos) ein Schmählied auf die Kirchenabgaben. „Warum sollte der Dummkopf [gemeint ist der Pfarrer] den Zehnten bekommen“. Das in einer Kirche…Musikalisch ist das Lied auch ein schönes Beispiel wie Purcell und die Volksmusik sich beeinflusst haben müssen, denn das Lied könnte heute zum Repertoire einer jeden Folk-Band gehören.

Da passt es ganz gut, dass ein Erzähler, François van Eeckhaute, uns die Geschichte dazu erzählt. Den größten Teil übernehmen die Sängerinnen und Sänger und das Orchester: Vox Luminis aus Belgien.

Man spürte schnell, dass alle Beteiligten großen Spaß an der Inszenierung hatten. Es wurde gealbert, aber auch ernsthaft gesungen. Sophie Junker verzauberte als „Cupid“, wir froren mit dem Frostelementar (Sebastian Myrus) und feierten mit Comus (Robert Buckland). Alle Solisten bildeten bei bedarf auch den Chor, beispielsweise den der siegesfrohen Sachsen gleich Beginn.

Das Orchester fügte sich nahtlos in die gute Vorstellung ein. Herauszuheben waren Rudolf Lörinc und Moritz Görg an der Trompete sowie Mariana Soroka an den unterschiedlichen Percussions.

Auch wenn es ein wunderbarer Abend war: Mein Traum wäre „King Arthur“ in einer Inszenierung mit dem Puppentheater „Buchty a loutky“, die Händels „Acis und Galatea“ aufgeführt haben.




Geistliche Musik durch die Jahrhunderte

[fruitful_alert type=“alert-success“]Tenebrae verzauberte die Besucher der Bonifatiuskirche durch eine beeindruckende Performance. (Foto: © Bülent Kirschbaum) /fruitful_alert]

Ein besonderes Programm präsentierte der Chor „Tenebrae“ aus England am 23.06.17 im Rahmen des Festivals „Klangvokal“ in der Bonifatiuskirche. Geistliche Lieder von der Renaissance bis zur Neuzeit skizzierten die musikalische Hingabe von gläubigen Menschen. „Tenebrae“ bedeutet übersetzt „Dunkelheit“ oder „Finsternis“, ist aber auch ein Begriff für die Karmette zu den drei Kartagen Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Kein Wunder, dass viele Texte die Themen „Tod“ und „Hoffnung auf Auserstehung“ behandelten.

Der erste Teil des Programmswar den Komponisten der Renaissance und des Frühbarocks gewidmet. Spontanen Sonderapplaus gab es für die wunderbare Interpretation der „Burial Sentences“ von William Croft, wobei ein Teil von Henry Purcell komponiert wurde. Das Stück ist in England sehr bekannt, weil es oft bei Staatsbegräbnissen gespielt wird.

Danach ging es ein wenig in die Zeit zurück. Drei Stücke von Thomas Tallis, einem englischen Komponisten der Reformationszeit, zeigten mit welcher Klangkunst das 16. Jahrhundert die gregorianische Musik veredelte.

Am Ende stand wiederum ein Klassiker: Das „Miserere mei, Deus“ von Gregorio Allegri ist ebenso schön wie bekannt und wurde von den Künstlerinnen und Künstlern in Perfektion dargebracht.

Der zweite Teil war den modernen Komponisten gewidmet und hatte mit drei Werken von John Tavener einen ersten Höhepunkt. Tavener, ein Engländer, der zum orthodoxen Glauben konvertierte, zeigt dies auch in seiner Musik. Sein „Funeral Ikos“ zitiert orthodoxe Riten bei der Beerdigung und auch die Musik ist durch die orthodoxe Gregorianik beeinflusst. Das dritte Stück von Tavener „Song for Athene“ verbindet den Komponisten mit William Croft, denn das Lied wurde wie auch die „Burial Sentences“ bei der Beerdigung von Prinzessin Diana gespielt.

Orthodox ging es weiter, denn der Chor präsentierte zwei Versionen des „Cherubikon“-Gesangs. Das erste von Rachmaninow, das zweite von Chesnokov. Nach zwei Arbeiten des Spätromantikers Holst endete das Konzert mit den Zeitgenossen Whitcore und Harris.

Musikalisch war das Konzert von allererste Güte. Die Sängerinnen und Sänger nutzten den Raum der Bonifatiuskirche optimal aus und zeigten große Vokalkunst.




Musik als Weltsprache

[fruitful_alert type=“alert-success“]Ihre Musik kennt keine Grenzen: Anna Maria Jopek. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Das letzte Konzert im Jazzclub Domicil am 22. 06.2017 während des Klangvokal Musikfestivals 2017 in Dortmund gehörte dem Anna Maria Jopek Quartett aus Polen. Die als „Queen of Jazz“ Polens bekannte Künstlerin ist aber viel mehr als das.

Sie verbindet fast übergangslos Jazzelement und sanfte Vokalakrobatik, temperamentvolle südamerikanische Rhythmen und amerikanische Pop-Elemente. Auch klassische Element wie zum Beispiel von Chopin finden in ihrem musikalischen Kosmos Eingang. Für sie ist Musik die weltumspannende Sprache der Verständigung. Charakteristisch für ihren besonderen Stil sind musikalische Wortdehnungen und Steigerung der starken und kraftvollen Stimme bis hin zum fast Schreien. Mit dabei oft eine Spur von Mystik und Erotik. Voll Melancholie oder von unbändigem Temperament geprägt.

Die vielfältigen musikalischen Einflüsse aus verschiedenen Ländern hatten einen großen Einfluss auf ihre Entwicklung, ohne das dabei ihre polnischen Wurzeln verleugnet werden. In ihren Gesang baute sie passender Weise auch die direkte Kommunikation mit dem Publikum ein, was für Belustigung sorgte.

Ihr zur Seite standen drei Kollegen, die auf ihren Instrumenten ohne Schwierigkeit mit der großen Herausforderung verschiedener Musikrichtungen zurecht kamen. Sie konnten ihre vielseitiges Können in zahlreichen Solo-Partien beweisen.

Am Piano, Keyboard, Akkordeon, Flöten, Kalimba, und Vocals überzeugte Krzysztof Herdzin. Für Bass, Percussion, Backing Vocals und Live Looping war Robert Kubiszyn zuständig. An den Drums konnte sich Pawel Dobrowolski ausleben.

Es war ein besonderer, ungewöhnlicher und unterhaltsamer Abend.




Hits von Berlin bis Hollywood

[fruitful_alert type=“alert-success“]Nicht nur Simone Kermes und Roland Kaiser hatten ihren Spaß, sondern auch die vielen Besucher des Konzerthauses. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Eine große musikalische Spannbreite für das Publikum bot „Berlin-Mailand-Hollywood“ mit der Sopranistin Simone Kermes und dem Special Guest Roland Kaiser am Sonntag Nachmittag im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals in Dortmund. Der passende Ort dafür war das Dortmunder Konzerthaus.

Musikalisch begleitet wurde das Konzert von der in den verschiedenen Musikrichtungen bewanderte Neue Philharmonie Westfalen unter der souveränen Leitung von Eckhart Wycik.

Sie zeigten ihr Können egal ob bei der Opernmusik von Georg Friedrich Händel (1685-1759) oder später Schlager von Roland Kaiser und Udo Jürgens, Filmmusik von John Williams (Indiana Jones), John Barry (1898-2011) „Jenseits von Afrika“ oder am Ende die Musical-Hits von George Gershwin (1898-1937) und Leonard Bernstein (1918-1990).

Das Konzert war in verschiedene musikalische Abschnitte aufgeteilt. Zunächst konnte Simone Kermes mit ihrer klaren Sopranstimme ihr Können bei den italienischen Opernarien von Nicola Antonio Porpora (1686-1768), Gaetano Donizetti (1797-1848) bis zu Giuseppe Verdi (1813-1901) beweisen. Sie meisterte die schweren Koloraturen mit einer ihr eigenen Leichtigkeit. Zudem fand sie auch Zeit, das Publikum zu animieren und mit ihm zu kommunizieren, sowie ihre festliche Kleidung mehrfach zu wechseln.

Der zweite Abschnitt nach der Pause war dem Schlager gewidmet. Kermes sang im Duett mit Roland Kaiser den auch aus dem Fernsehen bekannten Song „Alles was du willst“ (Roland Kaiser). Ihre Koloraturen lockerten den Song auf erfrischende Weise auf.

Als Hommage an Udo Jürgens sang Roland Kaiser begleitet von einem dreiköpfigen Background-Chor dann ein Arrangement bekannter Hits wie etwa „Aber bitte mit Sahne“, „Ehrenwertes Haus“, „Griechischer Wein“ oder „Ich war noch niemals in New York“.

Dann folgte die Hollywood-Filmmusik. Von „Herr der Ringe“, eine besondere Interpretation von Simone Kermes des Hits „Over the Rainbow“ (Harold Arlen, Wizard of Oz) bis hin zu „Jenseits von Africa“. Gefühlvoll wurde es mit „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ von George Gershwin (1898-1937) und bei „Glitter and Be Gay“ aus „Candile“ von Leonard Bernstein.

Am Ende begeisterten Kermes und Kaiser das Publikum mit der im Duett gesungenen Version des Hits „Warum hast du nicht Nein gesagt“.




Ein Abend mit Luther und Bach in der Reinoldikirche

[fruitful_alert type=“alert-success“]Einfach nur Bach: Barockorchester Stuttgart, Kammerchor Stuttgart und die Solisten. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

„Das Reich muss uns doch bleiben“. Das ist nicht nur die Schlusszeile des Chorals „Das Wort sie sollen lassen stahn“ aus der Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“, sondern steht auch auf der Glocke vor der Reinoldikirche. Hier fand auch am 15. Juni 2017 das Konzert des Barockorchesters Stuttgart zusammen mit dem Kammerchor Stuttgart im Rahmen des Festivals „Klangvokal“ statt.

Kantate? Richtig, das Konzert war Johann Sebastian Bach gewidmet und hatte vermutlich wegen des Lutherjahres einen Schwerpunkt auf den Reformator. Nicht nur die beiden Kantaten „Ein feste Burg ist unser Gott“, sondern auch „Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild“ wurden gespielt, sondern auch einer der Lutherischen Messen (in g-Moll). Wobei die Teile der Messe aus verschiedenen Kantaten zusammengesetzt wurden, überwiegend aus der Kantate 187 („Es wartet alles auf dich“). Ein schönes Beispiel der Wiederverwertung aus der Barockzeit.

Bei der Messe, die zuerst erklang, hatte der Tenor (Thomas Hobbs) eindeutig die schönste Arie („Qui tollis peccata mundi“), aber bei den beiden Kantaten konnten auch Sarah Wegener (Sopran), David Allsopp (Countertenor) und Peter Harvey (Bariton) ihr Können unter Beweis stellen. Begleitet durch den erstklassigen Kammerchor und durch die gut aufgelegten Musiker des Barockorchesters Stuttgart wurde der Abend zu einem Erlebnis. Bei den Musikern muss man auf jeden Fall Susanne Regel hervorheben, die mit ihrer Oboe verzückte.




Musik des Mittelalters in der Marienkirche

[fruitful_alert type=“alert-success“]Musikalische Zeitreise ins Mittelalter mit der „Schola Gregoriana Pragensis“. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Eine Zeitreise ins 14. Jahrhundert erlebten die Besucher des Festivals „Klangvokal“ am 13. Juni in der Marienkirche. Die „Schola Gregoriana Pragensis“ unter der Leitung von David Eben entführte uns zum Hof des Kaiser Karl IV. (1316-1378) in Prag. Gesungen wurde Material, das sich zwischen der „Ars antiqua“ und der „Ars nova“, die in ihrer Rhythmik und Erweiterung der Mehrstimmigkeit einen neuen Abschnitt in der Musikgeschichte darstellt.

Ob Guillaume de Machaut, der bekannteste Komponist der „Ars nova“ und Karl IV. sich begegnet sind? Möglich, denn Machaut war Gast auf vielen Fürstenhöfen. Der Minnegesang stand noch hoch im Kurs und auch die „„Schola Gregoriana Pragensis“ gab einige Kostproben.Wobei das Liebeslied „Dame je sui cilz qui vueil“ von der einzigen Frau im Chor gesungen wurde, nämlich von Barbora Kabátková, die auch die gotische Harfe spielte. Was sie aber sehr schön interpretierte.

Der Chor, bis auf Kabátková stilecht in Mönchsgewändern unterwegs, zeigte nicht nur musikalische Brillanz, sondern überzeugte auch bei den vielen gesungenen Sprachen. So sangen sie Werke in Latein, Französisch, Mittelhochdeutsch, Tschechisch und Kirchenslawisch.

Die Zeitreise war aber auch gleichzeitig eine Entdeckungsreise in die Geburtsstunden der „neuen Musik“. Melodien zu geistlichen Liedern werden für weltliche Texte benutzt. In manchen Stücken erahnt man die Anfänge der folkloristischen Musik. Die Stücke, die sich sehr stark an der Gregorianischen Musik orientierten, verströmten einen starken meditativen Charakter.

Schön war auch, dass die Sänger den Raum, den die Marienkirche bot, bei Wechselgesängen nutzen, so entstanden feierliche Klänge, die den gesamten Kirchenraum erfüllten.