Klangvokal – arabischer Gesang trifft auf Weltjazz

Die Band Masaa ist eine spannende Mischung, die arabische Lyrik mit zeitgenössischem Jazz verbindet. Das sahen auch die Kritiker so und vergaben den Deutschen Jazzpreis an die Band. Am 22. September 2021 konnte sich das Publikum im Reinoldihaus im Rahmen des Festivals Klangvokal von der Qualität der Musik überzeugen.

Der Kopf der Band ist Rabih Lahoud, der mit seinem arabischen Gesang eine ganz besondere Note einbrachte. Natürlich gab und gibt es arabische Jazzmusiker, die überwiegend Instrumentalisten sind wie Trompeter Ibrahim Maalouf oder Dhafer Youssef, der das klassische arabische Instrument Oud spielt. Lahoud benutzt seine Stimme wie ein Instrument, das Umspielen der Töne, typische für die Maqamat der arabischen Welt, beherrscht er meisterhaft. Dabei öffnen sich für den Zuhörer neue und bekannte Klangwelten. So gibt sich das erste Lied melancholisch, beinahe wie ein portugiesischer Fado. Einmal quer durchs Mittelmeer bis zum Libanon, dem Geburtsort von Lahoud.

Die vier Musiker von "Masaa" bei ihrem Konzert. (v.l.n.r.) Reentko Dirks, Rabih Lahoud, Marcus Rust und Jakob Hegner. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Die vier Musiker von „Masaa“ bei ihrem Konzert. (v.l.n.r.) Reentko Dirks, Rabih Lahoud, Marcus Rust und Jakob Hegner. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Doch die Musik ist nicht immer ruhig und melancholisch, sie wird teilweise wild und rhythmisch, besitzt reiche dynamische expressive Wechsel wie beim Lied „Herzlicht“, bei der die Trompete zunächst nur dezente Tontupfer von sich gibt. Der Jazz von Massa ist keiner, bei dem man gemütlich im Sessel sitzen und sich berieseln lassen kann, hier wird der Kopf gefordert.

Das ist ein guter Moment, um die Mitmusiker von Lahoud vorzustellen. Da wäre Marcus Rust an der Trompete zu nennen. Er begleitet Lahouds Gesang wie eine zweite Stimme und manchmal hat man den Eindruck, es stehen zwei Sänger auf der Bühne. Von ruhiger Begleitung bis hin zu einem Trompetengroove reicht die Bandbreite.

Da es in der Band keinen Bassisten gibt, füllen Reentko Dirks an der Doppelhals-Gitarre sowie Jakob Hegner am Schlagzeug die Rollen des Rhythmus-Fundaments aus. Beide ergänzen sich sehr gut, es scheint eine gute Kommunikation zu geben und beide sind Virtuosen an ihren Instrumenten.

Nach zwölf Songs und zwei Zugaben war das Konzert von Masaa vorbei. Das Publikum im Reinoldihaus hat eine gelungene Melange zwischen Orient und westlichen Jazz erlebt. Solche ungewöhnliche, aber bereichernde Musik macht den Reiz von Klangvokal aus.




Klangvokal -Himmelsmusik im Konzerthaus

Himmelsmusik, nun bin ich nicht gerade der religiöse Typus, aufgrund aktueller und geschichtlicher Ereignisse, aber dieser Abend im Konzerthaus war ein Genuss der Extraklasse, auch bei religiöser Musik. Was sich am Ende dadurch zeigte, dass die Künstler wieder und wieder auf die Bühne zurückgeklatscht wurden und zugaben geben mussten.

L‘arpeggiata, die ihre Darmsaiten und Naturhörner austobend, durch ihre Dompteuse Christina Pluhar mit der überdimensionalen Laute gebändigt, versetzte die Zuhörer im Auditorium des Konzerthauses in … ja Verzückung. Denn nicht wenige wiegten sich, wie die Sänger des Abends, Céline Scheen und Valer Sabadus, Countertenor, zu den Lauten des Abends, aus Instrumenten und Kehlen.

Das Barockzeitalter ist die Zeit der katholischen Gegenreformation zum Protestantismus, politischer und sozialer Um- und Verwerfungen und des 30-jährigen Krieges, der sich hauptsächlich auf dem Boden des damaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation austobte, das Land verwüstete, die Menschen verrohte und zugleich eine neue kulturelle Blüte erzeugte. Auch wenn es Deutschland gut 100 Jahre zurückwarf.

Verzückten das Publikum: (v.l.n.r.) Christina Pluhar, Valer Sabadus und Céline Scheen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Verzückten das Publikum: (v.l.n.r.) Christina Pluhar, Valer Sabadus und Céline Scheen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Himmelsmusik zeugt genau von diesen Widersprüchen des Barockzeitalters, das in etwa bei Alexandre Dumas Musketieren schon im Schwung ist und seinen Höhepunkt im Versailles von Ludwig XIV. findet. Das Mittelalter war noch zu Teilen in der Renaissance Musik zu finden, die Orgel gerade eingeführt. In der Barockmusik aber ist das Mittelalter verschwunden und die Musik fängt uns mit all ihrer Theatralik, ihrem bombastischen Ton und fein ziseliertem, koloratur-artigem Gesang ein. Fast wie ein Gemälde von Rubens, Rembrandt, Velázquez oder einem ihrer Zeitgenossen. Denn neben der theatralisch, bombastischen Seite hat das Barock seine dunklen, düsteren Seiten. Diese Ambivalenz zeigt sich besonders in der kirchlichen Musik des Barock.

Die Katholische Kirche zieht alle Register in der Gegenreformation und schmeißt dem Protestantismus theatralisches, bombastisches, sensibles, helles und düsteres Gefühl in Musik und bildender Kunst entgegen. Etwas dem die puritanische Kargheit des Protestantismus nichts entgegenzusetzen hat.

Und diese auch bei den Protestanten goutierte Theatralik und Bombastik in der Musik bekamen wir im Konzerthaus durch das Ensemble L‘arpeggiata von Christina Pluhar instrumental und gesanglich durch Céline Scheen und Valer Sabadus, Countertenor, dargeboten … zum Träumen und davonfliegen. Religiös machte mich die Musik nicht, aber sie war ein Genuss instrumentaler und gesanglicher Extraklasse.

Dass Barockmusik nicht einfach „von gestern“ ist, zeigte Christina Pluhar mit L‘arpeggiata 2018 im Konzerthaus mit HÄNDEL GOES WILD. In dieser Musik steckt Jazz!

Aber dieser Abend war ganz und gar dem reinen Barock gewidmet mit allem was er zu bieten hat.

Ein Genuss der nach mehr verlangt, mehr als nur die Zugaben, die sich die Zuhörer des Abends „erklatschten“, nachdem „genügend verbrauchte Luft“ auf die Bühne des Konzerthauses geklatscht worden war, hieß es dann doch Abschied nehmen. Leider … und man will doch noch mehr davon.




Klangvokal – Die Magie des Countertenors im Reinoldihaus

Mit Leidenschaft und Temperament präsentieren sich das Originalklangensemble Il Pomo D´Oro und Jakub Jozef Orliński. Jede Note, jede Phrase, sämtliche dynamischen Nuancen sind fein ausgearbeitet. Ensemble und der Solist verschmelzen zu einer Einheit, das Zusammenspiel besticht durch Präzision und hörbare Spiel- und Sangesfreude, zudem zeigt sich Orliński als virtuoser Interpret der solistischen Gesangs Passagen. Die Tempi überzeugen, kraftvoll und agil, positiv überraschend.

Barockmusik ist weit mehr als „nur“ die Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi oder Variationen von Johann Sebastian Bach, seine Brandenburgischen Konzerte, oder die Musik von Lully, die man vielleicht aus „La roi danse“ kennt!

Barockmusik ist theatralisch, ja auch bombastisch, weswegen einige Zeitgenossen dieser Musik nichts abgewinnen können oder wollen … aber zugleich lieben sei eventuell Edgar Elgar oder die Musiken aus dem Star Wars Universum oder den Piraten aus der Karibik. Die Musik des Barock spiegelt die vielen Facetten, Widersprüche und Lebensfreude, ja den Lebenshunger angesichts eines nahen Todes in dieser Epoche wider. Die Gräuel des 30-jährigen Krieges passieren gerade bei einigen der Stücke dieses Abends. Andere sind weit davon entfernt, findet jedoch den Widerhall dieser europäischen und besonders deutschen Katastrophe darin wieder. Was damals als Religionskrieg begann, weitete sich schnell zu einem europäischen Machtkonflikt aus, der mit dem ersten Gesamteuropäischen Friedenskonzept 1648 in Münster und Osnabrück endete.

Countertenor Jakub Jozef Orliński und  Il Pomo D´Oro beim Konzert im Reinoldihaus. (Foto: © Sandra Spitzner)
Countertenor Jakub Jozef Orliński und Il Pomo D´Oro beim Konzert im Reinoldihaus. (Foto: © Sandra Spitzner)

Und vielleicht stören sich Zeitgenossen auch an der Stimme eines Countertenors, Jakub Jozef Orliński ist ein Countertenor. Das waren vor langer Zeit die Stimmen der Kastraten, unglücklichen jungen, deren helle Stimme für immer in deren Alter und Zeit ihres Lebens gerettet werden sollten durch … Kastration. Sie hatten im Barock ihre Hochzeit. Es wurden Opern und Arien speziell für sie geschrieben. Sie waren traurige Superstars ihrer Zeit. Wie Farinelli. Bestimmt haben auch Sie diesen Film gesehen. Die Stimme des Schauspielers musste aus verschiedenen Stimmen künstlich für den Film erzeugt werden. Aber sie kommt der Stimme von Orliński nahe, oder er Farinelli. Zumindest hatte ich sofort diese Assoziation als ich dem Gesang von Orliński lauschte.

Orliński studierte an der Fryderyk-Chopin-Universität für Musik in Warschau und schloss sein Studium im Jahr 2012 mit einem Master ab. Ab 2011 nahm er an einer Reihe von Gesangswettbewerben in Europa und den USA teil und gewann einige davon. Er sang in Warschau, Aachen, Cottbus, Gießen, Leipzig, New York, Karlsruhe, auf dem Festival d’Aix-en-Provence, u. a. in France Musique und nun Dortmund.

Orliński, unser Countertenor, ist zugleich auch als Breakdancer aktiv und nahm an einigen Wettbewerben teil. Als Model, Tänzer und Akrobat ist er in mehreren Commercials zu sehen, beispielsweise in den Kampagnen für Levi’s, Nike, Turbokolor, Samsung, Mercedes-Benz, MAC Cosmetics, Danone und Algida. Wenn man Orliński aber bei einem Barock Konzert sieht … diese „fremde“ Welt scheint weit entfernt von ihm zu liegen.

Ein Countertenor vom Format eines Orliński, lässt nur erahnen wie Kastrat damals geklungen haben mag. Man möchte sagen zum Glück. Denn unmenschlicher ist fast nicht auszudenken … wobei … wir müssen immer wieder grausamstes erfahren. Die Stimme des Countertenors aber ist anders geartet.

Als Countertenor, Kontratenor bzw. Kontertenor (lateinisch ‚Gegen-Tenor‘), manchmal auch Altus (von lateinisch altus ‚hoch‘) wird ein männlicher Sänger bezeichnet, der mithilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimmen- bzw. Falsett-Technik in Alt- oder seltener in Sopranlage singt. Der Countertenor ist also nicht mit einer Kastratenstimme gleichzusetzen, weder physiologisch noch in Klang, Volumen oder Stimmumfang.

Und doch bringt gerade ein Countertenor die Musik des Barock zum Leben, bei Orliński zum vibrieren. Er trägt einen fort in eine andere Epoche … mitsamt der Kleidung.




Klangvokal – Weihnachtskonzert mit barockem Flair

Mit einem Weihnachtskonzert am 22. Dezember 2019 um 17 Uhr im Reinoldisaal unter dem Titel „Von Engeln und Hirten“ präsentierte das Festival Klangvokal nochmals seine Kompetenz in Sachen Alte Musik. Tenor Daniel Behle, zur Zeit aktiv im Dortmunder „Lohengrin“, sang zusammen mit der Berliner Lautten Compagney von Wolfgang Katschner Weihnachtslieder aus verschiedenen Ländern.

Bei diesen Weihnachtsliedern waren keine bekannten „Mitsinglieder“ dabei wie „Oh du fröhliche“, sondern traditionelle Weisen aus Spanien, Frankreich oder England, deren Tradition teilweise bis in die Barockzeit zurückreicht. So stammt „Lieb Nachtigall wach auf“ aus dem Jahre 1670 und das französische „Entre le bœuf et l’âne gris“ („Zwischen Ochs und grauem Esel“) stammt aus dem 18. Jahrhundert, ebenso wie „Adeste fidelis“. Kamen die Weihnachtslieder vor der Pause eher aus dem spanischsprachigen Raum, ging es nach der Pause mit deutschen und englischen Liedern weiter.

Daniel Behle (in der Mittel) und Ensemblemitglieder der Lautten Compagney Berlin brachten weihnachtliche Stimmung in den Reinoldisaal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Daniel Behle (in der Mittel) und Ensemblemitglieder der Lautten Compagney Berlin brachten weihnachtliche Stimmung in den Reinoldisaal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Zwischen den gesungenen Liedern spielte die Lautten Compagney kleine Stücke aus der Renaissance- und Barockzeit. Von Michael Praetorius (1571-1621) über Andrea Falconierei (1585-1656) bis hin zu Henry Purcell (1659-1695) reichte das Programm an diesem Nachmittag.

Alle Beteiligten hatten sichtlich viel Spaß an dem Konzert. Daniel Behle führte auch durch das Konzert und erklärte, worum es in diesen Liedern ging. Die Musiker der Lautten Compagney waren ebenso engagiert bei der Sache. Einen Sonderapplaus bekam Percussionist Peter Bauer bei seinem Maultrommel-Solo.

Für Freundinnen und Freude alter Musik wird das Festival Klangvokal auch im kommenden Jahr 2020 wieder einige Highlights bieten.




Klangvokal 2019 – Tiefbewegende Chormusik

Einen großen Bogen von zeitgenössischer Chormusik bis hin zur Musik
der russischen Romantik präsentierte der Chor des Lettischen
Rundfunks unter der Leitung von Sigvards Kļava
zum Abschluss des Klangvokal Festivals am 16. Juni 2019 in der
Reinoldikirche.

Schon 2017 gab der Chor ein großes Konzert mit Rachmaninows „Abend- und Morgenlob“, 2019 präsentierte er wieder russische geistliche Musik kombiniert mit Stücken von Arvo Pärt, Ēriks Ešenwalds, Gustav Mahler und Peter Tschaikowsky.

Den Beginn machte
Ešenwalds‘
Arbeit „A drop in the ocean“ von 2006. Moderne Chormusik vom
feinsten. Man spürte beinahe den Wind rauschen und die sanfte
spirituelle Arbeit des Komponisten wurde durch den Chor wunderbar
umgesetzt.

Danach
war es Zeit für die minimalistischen Klänge des Arvo Pärt. Seine
“Sieben Magnifikat-Antiphonen“ wecken Erinnerungen an die
gregorianische oder mittelalterliche Musik, werden aber durch die
minimalistischen Strukturen zu einem gesanglichen Gesamtkunstwerk
verwoben.

Präsentierte geistliche Musik der Sonderklasse: Der Chor des Lettischen Rundfunks. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Präsentierte geistliche Musik der Sonderklasse: Der Chor des Lettischen Rundfunks. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Zum
Adagietto der 5. Sinfonie von Gustav Mahler gibt es auch Fassungen
für Chor. Dieser Satz
ist berühmt geworden durch den Film „Tod in Venedig“. Der
Chor des Lettischen Rundfunks sang ein Arrangement von Gérard
Pession mit dem Titel
„Kein deutscher
Himmel“.

Nach
der Pause wurde es Zeit für den liturgischen Teil. Schließlich
waren wir ja in einer Kirche, wenn auch nicht in einer
russisch-orthodoxen. Doch das Gefühl stellte sich bereits bei den
ersten gesungenen Worten der „Liturgie des Heiligen Chrysostomos“
von Peter Tschaikowsky ein. Tschaikowsky setzt hier ganz auf den
Klang der orthodoxen Liturgie. Wie schon vor zwei Jahren überzeugt
der Chor bei diesem Stück vollkommen.




Klangvokal 2019 – A capella zum mitmachen

Einen Glückgriff machte das Festival Klangvokal mit der Kölner
Formation „Room One“. Das Konzert am 16. Juni 2019 im domicil in
Zusammenarbeit mit SOUNDZZ war ein gelungenes Erlebnis für Jung und
Alt.

Mit zwei neuen
Leuten, viel Musik und noch mehr Spaß machte die A capella Band
„Room One“ das ehrwürdige domicil zu einem Mitmachclub. Sie
schafften es, alle Menschen zum Tanzen und Mitsingen zu animieren,
selbst wenn der Text in der südafrikanischen Sprache Zulu ist.

Pop und Soul waren
in dem einstündigen Konzert zu hören, dazu Jazz-Standards. Alles
oft mit einer witzigen Choreografie verbunden. Doch es wurde nicht
nur gesungen, es gab auch Beatboxing, so dass der Schlagzeugsound
nicht fehlen musste. Natürlich musste ein Lied dabei sein, bei dem
sich die Sängerinnen und Sänger verkleideten, schließlich kamen
sie ja aus Köln.

Room One zeigte auch Mut zu Verkleidungen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Eine witzige Aktion
war es, dass alle sechs Mitglieder für einen Song von Kindern je
nach Berührung „ein- und ausgeschaltet“ werden konnten. Zwei
Kinder konnten es live ausprobieren und man spürte, dass es allen
Beteiligten großen Spaß machte.

Nach zwei Zugaben
war dann Schluss. Der große Applaus war nicht nur ein Verdienst der
Künstlerinnen und Künstler, sondern belohnte auch deren offene Art.




Klangvokal 2019 – Georg Friedrich Händels starke „Heroinen“

Die imposante Maschinenhalle im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in
Bövinghausen bildete einen würdigen Rahmen für „Händels
Heroinen“ am 14.06.2019 im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals
2019.

„The King‘s
Consort“ als erstklassiges britisches Ensemble unter der Leitung
von Robert King, der auch am Cembalo spielte sowie die englische
Sopranistin und Spezialistin auf dem Gebiet der Barockmusik Carolyn
Sampson zogen das Publikum in die faszinierende Welt der Oratorien
und Opernmusik von Georg Friedrich Händel ( (1685 – 1759).

Die Musik des Komponisten war von Frauen, darunter auch seiner Mutter, inspiriert. Egal ob als Königinnen, Prophetinnen, Zauberinnen, Dienerinnen oder rachsüchtige Intrigantinnen – Frauen spielten sie in seinem Vokalschaffen eine gewichtige Rolle mit starker Präsenz.

Los ging es mit den
wunderbaren „Wassermusik“ und der Sarabande aus der Oper „Almira,
Königin von Castilien“). Schon hier konnte sich der Solo-Trompeter
Neil Brough in dem Ensemble-Gefüge auszeichnen.

Carolyn Sampson und "The Kings' Consort" präsentierten starke Frauen aus Händels Opern- und Oratorienschaffen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Carolyn Sampson und „The Kings‘ Consort“ präsentierten starke Frauen aus Händels Opern- und Oratorienschaffen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Im Folgenden
wechselten sich instrumentale Passagen mit den von der Sopranistin
Sampson mit klarer Stimme sensibel gesungenen Arien ab. Am Anfang lag
der Schwerpunkt bei den Oratorien wie „Sememe“, „Theodora“
oder „Deborah“, später standen dann die Opernarien wie die der
Cleopatra (Oper Giulio Cesare), die Arie der Teofane (Oper „Ottone,
Re di Germania“). Die Arie der Ginevra (Oper „Ariodante“) oder
etwa die der Melissa (Oper „Amadigi di Gaula“) im Mittelpunkt.

Die verschiedensten
Emotionen, von traurig-melancholisch, rachsüchtig-temperamentvoll
bis liebes- freudig wurden von der Sängerin in allen Schattierungen
gekonnt dargebracht. Die oft feierlich bewegende Musik Händels kam
in der Maschinenhalle gut zur Geltung. Als Zugabe gab es ein Stück
aus dem dritten Akt des Oratoriums „Samson“.

Für alle Freunde
des Komponisten und der Barockmusik ein großartiges Erlebnis.




Klangvokal 2019 – Mit dem Sollazzo Ensemble im musikalischen Liebesfieber

Das sechsköpfige Sollazzo Ensemble (Basel) unter der Leitung von
Anna Danilevskaia existiert seit 2014 und gilt als Shootingstars im
Bereich Alte Musik des Mittelalters und der Frührenaissance. Im
Rahmen des Klangvokal Musikfestivals konnte es nun sein Können am
12.06.2019 in der Dortmunder St. Marienkirche unter dem Titel „Tag
und Nacht – oder: Von der Liebestollheit in der Ars Nova“ unter
Beweis stellen. Die „Ars Nova“ besingt mit einer expressivem
Klangfarbe alle Schattierungen zwischen Liebesfreud und Liebesleid.

Mit dabei waren
Perrine Devillers mit ihrem klaren Sopran, Vivien Simon als sensibler
Tenor, und an den alten eindrucksvollen Instrumenten Franziska
Fleischanderl (Psalter: mittelalterlicher Zither ohne Griffbrett),
Sophia Danilevskaia (Fidel), Anna Danilevskaia (Fidel und Christoph
Sommer (Laute).

Um (Liebes-) Gefühle
in weltliche Gesangsformen zu transformieren, bildeten Balladen oder
sogenannte „“Virelai“ (ein mittelalterliches Tanz- und
Liebeslied) gerade in Frankreich und Italien die Grundlage.

Als ein Beispiel sei
hier das von einem gewissen französischen Komponisten „Borlet“
(Trebol?) Anfang des 14. Jahrhunderts entstandene „ Hé,
tres doulz roussignol joly“ genannt. Es gehört zu den musikalisch
verspielten Virelais mit geschickt eingebauten Vogelimitationen. Man
muss wissen, das Vögel, besonders die Schwalben als „Liebesboten“
galten.

Das Sollazzo Ensemble präsentierte Liebeslieder der Renaissance in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Das Sollazzo Ensemble präsentierte Liebeslieder der Renaissance in der Marienkirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Mit
Madrigalen (Singgedichte,
bei dem der
Text nicht nur wiedergegeben, sondern durch Gesang wie
Instrumentierung mit gedehnten lautmalerischen Effekten gestaltet)
wie etwa
„Quel sole che
nutric‘al gentil fiore“, wird
die Schönheit der Frauen und der Natur mit Tiefe und Intensität
besungen.

Devillers
und Simon beeindruckten vor allem durch ihre Harmonie, wenn sie
zusammen sangen.

Das
wunderbare Zusammenspiel der Instrumente sorgte zwischendurch immer
wieder für atmosphärische Tiefe.

Im
ersten Teil
des Abends standen in
französischer oder italienischer Sprache gesungenen Texten das
Liebesleid, in der
zweiten Hälfte schon mehr die Liebesfreude und Liebeslust im
Zentrum.

Gespielt und gesungen wurde Lieder von Borlet, Vincenzo da Rimini (ca. 1350-1400), Bartolino da Padova (1365-1405), Niccolò da Perugia (, Matteo da Perugia , Jacob de Senlèche (ca. 1382-1395) oder Francesco Landini (ca. 1335-1397).

Das
Abschlusslied des Programms „Or sus, vous dormés trop“ stammt
von einem anonymen Komponisten und seine Noten
finden sich im „Codex Ivrea“, der Bibliothek
der piemontesischen Stadt Ivrea. Hier
wird eine schöne Dame ausgelassen gefeiert, die zu lange schläft.
Stattdessen soll sie lieber der Lerche, Amsel, Drossel oder dem
Zeisig, aber nicht zuletzt dem Verehrer ihr Ohr und Herz schenken.




Klangvokal 2019 – 11. Fest der Chöre mit Teilnehmerrekord

Für viele Menschen ist das große Fest der Chöre am 15. Juni 2019 ein Höhepunkt des Klangvokal Musikfestivals Dortmund. Den Stellenwert und den Zuspruch für die Chormusik und das selber singen erkennt man in diesem Jahr auch wieder an den steigenden Teilnehmerzahlen. Als neuer Rekord vermeldete beim Pressegespräch Festivaldirektor Torsten Mosgraber in diesem Jahr den Rekord von 160 Chören mit 4.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Dortmund, NRW und darüber hinaus Deutschland weit. Sie präsentieren sich auf verschiedenen Bühnen, in Kirchen und anderen Orten unserer Stadt.

„Das bringt uns schon an die Kapazitäts-Grenzen,“ so Mosgraber. Es soll wieder ein facettenreiches und vielfältiges Programm von Volksmusik. Schlager, Shantys, Musical, Jazz , Barbershop, Klassik oder auch Pop-Musik geboten werden.

Das Fest der Chöre
findet am Samstag, den 15.06.2019 von 10:00 bis 22:00 Uhr statt.

Inoffiziell geht es
wieder im Dortmunder Rathaus mit der Eröffnung durch Kita-Chöre wie
etwa „Eine Welt“, „Wilde Wiese“, Kinderchor Burgholzstraße
und die Kita Worderfeld & Die Berliner Kids.

Das gemeinsame „Wir“ steht im Mittelpunkt.

Offiziell wird das
Chorfest traditionell um 12.00 Uhr auf dem Alten Markt von
Oberbürgermeister Ullrich Sierau und in diesem Jahr als besonderes
„Bonbon“ mit dem Dortmunder Opernchor, auf der Bühne. Dieser
begeisterte ja erst vor kurzem wieder einmal bei der Aufführung von
„Echnaton“ (Philipp Glass).

Es wird wie immer
mit verteilten Textheften zusammen gesungen. Neben dem
Steigerlied-Anfang wird auch die bekannte Fußball-Hymne „You‘ll
never walk alone“ gesungen. Es wäre schön, so die Organisatoren,
wenn möglichst viele Menschen bunte Schals in allen Variationen als
Zeichen von „Vielfalt“ und dem „Wir“ mitbringen würden.
Natürlich sind auch BVB-Schals gerne gesehen.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das Chorfest am 15. Juni 2019 gab der Chor "Trallafitti" beim Pressegespräch.
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Chorfest am 15. Juni 2019 gab der Chor „Trallafitti“ beim Pressegespräch.

Es gibt wieder Mitmach-Aktionen für Kinder, sowie Mitsing-Möglichkeiten und verschiedene Singstationen für Groß und Klein. Viel zu hören sein wird auf den sieben Bühnen in unserer Stadt, den Kirchen oder vor dem Orchesterzentrum (Deutsch-türkische Chöre).

Anlässlich des
anstehenden evangelischen Kirchentages haben sich gleich zwei
Projektchöre des Dortmunder Kirchenkreises gegründet.

Der Kinder- und
Jugendchor Quer-Beat Holzen hat extra für das Chorfest ein
Kinder-Musical einstudiert und wird es um 14:30 Uhr auf der GUT-Bühne
(am Platz von Netanya) vorstellen.

Zur besten Kaffee-Zeit um 15:50 Uhr auf der Bühne am Alten Markt sorgen als ein Highlight der Chor „Trallafitti“ mit einer Ruhrpott-Musical-Revue für gute Stimmung. Sie gaben schon beim
Pressetermin eine kleine Kostprobe ihres Könnens mit „LA –
International Airport“ und einer „Ruhrpott-Version“ von
„Superjeilezick“ (Brings).

Als krönender Abschluss findet wie immer das Abendkonzert ab 20:00 Uhr auf dem Alten Markt statt. Geballte Barbershop-Frauenpower gibt es dann von den preisgekrönten Damen von „Ladies First“ zu hören. Danach sorgt der Chor „Hömma“ mit ihrem Gesang für einen humorvollen Blick auf das Ruhrgebiet. Zum Finale heizen
dann „Sounding People“ (einer der aktuell erfolgreichsten
Pop-Chöre im Westen) die Stimmung noch einmal an.

Genaueres über das
umfangreiche Programm entnehmen sie den in der Stadt verteilten
Programmheften und Flyern.




Klangvokal 2019 – Dresdner Kammerchor entführt in Himmelswelten

Ein interessantes Programm hatte der Dresdner Kammerchor unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann mitgebracht. Am 09. Juni erklang in der Nicolaikirche geistliche Musik von Mahler, Brahms, Reger und Martin. Hinzu kam eine Komposition von John Cage.

Das Programm vor der
Pause war den romantischen Komponisten Gustav Mahler, Johannes Brahms
und Max Reger gewidmet. Mahlers „Ich bin der Welt abhanden
gekommen“ entfaltet dank der gut aufgelegten Sängerinnen und
Sänger sofort seine Magie. Die Verzweiflung und der Trotz in den
Worten von Friedrich Rückert wird von Mahler in emotionale Musik
umgesetzt. Kein Wunder, dass dieses Stück als Zugabe am Ende des
Konzertes wiederholt wird.

Das Lied „Warum
ist das Licht gegeben den Mühseligen“ von Johannes Brahms ist eine
musikalische Mischung aus barocken und romantischen Elementen. Zwar
stellt die Motette die Frage nach dem „Warum“, gibt letztendlich
aber auch keine Antworten oder Hinweise auf Jesus Christus. Ganz
anders bei den „acht geistlichen Gesängen“ von Max Reger.
Regers Chorwerk ist im homophonen Stil aufgebaut und erinnert an die
Choräle von Bach.

Vor allem mit John Cage und der "Messe für Doppelchor" von Frank Martin begeisterte der Dresdner Kammerchor die Zuhörer in der Nicolaikirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Vor allem mit John Cage und der „Messe für Doppelchor“ von Frank Martin begeisterte der Dresdner Kammerchor die Zuhörer in der Nicolaikirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Nach der Pause ging
es mit einem außergewöhnlichen Stück weiter. John Cage „Four²“
aus seinem Zyklus der Zahlenstücke war eine faszinierende Erfahrung.
Die Gesamtdauer des Stückes steht fest: 7 Minuten. Die Zeiträume,
in denen ein bestimmter Ton erklingen soll, hat Cage zwar
beschrieben, aber innerhalb dieser Zeiträume darf ein Sänger frei
entscheiden. So vermischt sich Festgelegtes und Individuelles zu
einem Gesamtkonzept.

Jahrzehntelang lag
die „Messe für Doppelchor“ von Frank Martin in der Schublade. In
den 1920er Jahren begonnen, wurde sie erst 1963 aufgeführt. Es ist
ein modernes Werk, voller subtiler Klangfarben und rhythmischen
Strukturen. Eine Besonderheit ist, dass alle Teile der Messe etwa
gleich lang sind, unabhängig der zu singenden Textmenge.

Ein
außergewöhnliches Konzert mit einem harmonischen Chor, der die
Himmelswelt von Romantik und Moderne erklingen ließ.