Naghash Ensemble – neue armenische Musik mit alten Texten

Am 01. Dezember 2023 gab es wieder ein außergewöhnliches Konzert im Rahmen der Festivalreihe „Klangvokal“. Dieses Mal entführte uns das Naghash Ensemble nach Armenien. John Hodian, der Komponist, Pianist und Kopf des Ensembles, kombinierte mittelalterliche Texte und zeitgenössische Musik.



Wie soll ich die Musik vom Naghash Ensemble beschreiben? Vielleicht passt Progressive Folk. Denn in den Spielarten von Progressive Rock oder Progressive Metal mischen sich verschiedene Ebenen, die Tempi wechseln, mal wird es lauter, dann wieder leiser. Diese verschiedenen Ebenen und Strukturen finden sich auch in der Musik von John Hodian wider. Es sind halt nicht die 3‘30‘‘ Stücke, sondern Hodian sucht behutsam die besondere Magie der Texte, auf die er seine Melodien baut.  

Folk ist vielleicht ein einfacherer Begriff, denn die Musiker spielen traditionelle Instrumente. Arak Nikoghosyan spielt Oud, das auch in der arabischen Welt bekannt ist, Tigran Novhansisyan ist ein Meister an Dhol und Dumbek und Harutyun Chkolyan lässt die armenischen Holzblasinstrumente wie Duduk, Zurna, Schwi und Pku erklingen. Derade Chkolyans Spiel lässt sofort eine melancholische Stimmung entstehen.

Das alleine wäre schon faszinierend genug, doch das Naghash Ensemble besteht noch aus drei Sängerinnen, die es mit Leichtigkeit schaffen, die mittelalterlichen Texte mit Seele zu erfüllen. Hasmik Baghdasaryan (Sporan), Tatevik Movsesyan (Sporan) und Arpine Ter-Petrosjan (Alt) verzauberten durch ihren Gesang.

Ein toller Abend mit exzellenten Musikern und Sängerinnen. Eine spannende Melange aus mittelalterlichen Texten und zeitgenössischer Musik, sehr viele Folkelemente und eine gehörige Portion armenischer Melancholie.




I Gemelli – Seufzer der Liebe aus dem 17. Jahrhundert

Ja, so ist das mit der Liebe. Er liebt sie, sie aber ihn nicht. Dieses Gefühlschaos gibt es sicher schon seit Urzeiten, aber beim Konzert von „I Gemelli“ am 10. November 2023 im Rahmen des Festivals Klangvokal, konzentrierten sich die Mitwirkenden auf die italienische Musik des 17. Jahrhunderts. Gespielt wurde also Musik aus dem Dunstkreis von Monteverdi, ohne dass ein Stück von ihm gespielt wurde.



Die enttäuschten Liebhaber wurde wahlweise von Emilliano Gonzales Toro oder Anders Jerker Dahlin gesungen. Ab und an trösteten sich beide Tenöre gegenseitig wie beispielsweise beim Trinklied „Damigella tutta bella“, das von Vincento Calestani stammt, der sich aber von Monteverdi hat inspirieren lassen.

In der Oper gibt es häufiger das Beispiel des älteren Mannes, der sich in ein junges Mädchen verliebt, sehr um Unwillen der jungen Frau, die natürlich einen Gleichaltrigen bevorzugt. In „La vecchia immamorata“ (Die verliebte alte Frau) von Biago Marini ist es umgekehrt. Hier wird der (junge?) Mann von einer liebestollen älteren Frau verfolgt, während ihn das junge Mädchen verschmäht.

Und so setzten sich die unzähligen Liebesdramen durch das Programm fort, das durch Toro und Dahlin mit Witz und Humor begleitet wurden. Das Ensemble „I Gemelli“ schaffte es spielend, den Reinoldisaal musikalisch ins 17.Jahrhundert zu bringen. Obwohl ich bei „Damigella tutta bella“, das auch als Zugabe gespielt wurde, liebend gerne in einer italienischen Taverne gewesen wäre.




Eine musikalische Perle des Frühbarocks

Im Rahmen des Klagvokal Musikfestivals Dortmund wurde am 02.10.2023 im hiesigen Reinoldihaus mit Emilio de Cavalieris (1550-1602) „Rappresentatione di Anima, et di Corpo“ (1600) die erste erst vollständig erhaltene Oper konzertant aufgeführt. Das Spiel um Seele und Körper in drei Akten hatte seine Uraufführung im Betsaal der Kirche Santa Maria in Vallicella (Rom).



Mit dieser geistlichen Oper markierte der vielseitig begabte italienische Komponist als ein wesentlicher Impulsgeber den Beginn der frühen Barockzeit mit Monodie (solistischer Gesang mit akkordischer Instrumentalbegleitung) und Generalbass.

Das Ensemble und die beiden Solisten entführten das Reinoldihaus in die Zeit des Frühbarocks. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)
Das Ensemble und die beiden Solisten entführten das Reinoldihaus in die Zeit des Frühbarocks. (Foto: (c) Bülent Kirschbaum)

Im Wesentlichen geht es in der Oper um die damals für den Menschen entscheidende Frage: Genieße ich das irdische Leben in vollen Zügen, ungeachtet der Folgen? Oder richtet man schon jetzt den Blick auf das, was nach dem Tod (laut religiöser Verheißung) folgen wird?

Die (musikalische) Zwiesprache zwischen „Seele“ und „Körper“ mit widersprüchlichen Gefühlen, den Versuchungen und Verunsicherungen. Bildet das Zentrum der Oper. Die weiteren handelnden Figuren (Welt, Rat, Vergnügen, Geist, Weisheit, Vernunft, Schutzengel…) sind vorrangig Allegorien. Nur bei den „Titelfiguren“ (Seele und Körper) handelt es sich um echte Menschen.

Die niederländische Mezzosopranistin Sophia Faltas (Seele) und der Tenor Raffaele Giordati (Körper) gaben den inneren Konflikten zwischen Seele und Körper eine starke eindringliche Stimme.

Der 2004 gegründete belgische Vokalensemble für Musik der Renaissance und Barock begeisterte als Chor, mit ihren einzelnen Stimmen für die weiteren handelnden Figuren aber vor allem auch mit dem ausdruckstarken Zusammenspiel unterschiedlichster Instrumente (Harfe, Viola, Violine, imposanter Posaune, Gitarre, Cembalo, Truhenorgel, Gamba und Theorbe).

Eine Musik voll Anmut und Intensität, mit emotionalen Lamenti, glanzvollem Chor und Einflüssen traditioneller Volksmusik. Sie fand danach bei Claudia Monteverdi ihren Meister.

In der Gegenwart ist die Frage nach den Folgen unseres Handelns (für Umwelt und Gesellschaft) durchaus aktuell. Der religiöse Kontext ist für viele Menschen heutzutage befremdlich. Auch ohne die Hoffnung auf eine „himmlische Belohnung“ nach dem Tod für ein “gottgefälliges“ Leben gibt es genug humanistische Gründe, sich über Gedanken über ein achtsames Verhalten gegenüber uns selbst, anderen Menschen oder der Umwelt im Diesseits zu machen.




Musikalische Romantik und kunstvolle Verleger-Verspottung

Im Dortmunder Reinoldihaus startete die Konzertsaison 2023/24 des Klangvokal Musikfestivals am 07.09.2023 mit einem besonderen Liederabend mit dem Tenor Daniel Behle und seinem kongenialen Begleiter am neuen Flügel Oliver Schnyder.



Behle ist vielen noch von der Opern- und Operettengala im letzten Jahr mit seiner weichen wie auch kraftvoll starken Stimme in guter Erinnerung.

Zu Beginn des Liederabends standen mit „Zwölf Gedichten op. 35 (Liederreihe nach Kerner)“ von Robert Schuhmann (1810-1856) und „Sechs Lieder op. 48“ von Edvard Grieg (1843-1907) zunächst einige romantische Vertonungen von bekannten Dichtungen auf dem Programm.

Da geht es um erfüllte und unerfüllte Liebe, Wanderlust, Naturfreude, Schmerz und Schwermut. Der Tenor mit seiner variablen Stimme sowie die Verstärkung durch das schmeichelnde Pianospiel verliehen den unterschiedlichen Stimmungen einen emotionalen Ausdruck.

Nach der Pause konnte sich das Publikum auf den satirisch-spöttischen 12 Gesänge „Krämerspiegel op. 66“ (Texte: Alfred Kerr) vom „letzten Romantiker“ Richard Strauss (1864-1949) freuen.

Seit der Jahrhundertwende hatte sich Strauss für eine Reform des Urheberrechts eingesetzt und die Genossenschaft Deutscher Tonsetzer gegründet. Nachdem der Berliner Verlag Bote & Bock  dem Komponisten 1903 neben einem großzügigen Honorar für dessen „Symphonia Domestica“ noch zwölf neue Lieder gerichtlich abverlangte, gab er Texte bei dem für seine spitze Feder bekannte Alfred Kerr in Auftrag. Die Musikverleger sollten aufs Korn genommen werden und Kerr lieferte das gewünschte zu der großen Musik des Komponisten. Genüsslich und mit sichtbarem Spaß brachten Behle und seine musikalische Begleitung den „Krämerspiegel“ zu gehör.

Mit den Strauss-Liedern „Herr Lenz“, „Ich liebe dich“ (1896/98) sowie der bekannten „Freundlichen Vision“ (1900) schlossen Daniel Behle und Oliver Schnyder den Kreis zum ursprünglichen Liebesthema des besonderen Liederabends.




Eine Oper als Requiem

Wenn ein Opernkomponist wie Gaetano Donizetti ein Requiem komponiert, dann können sich die Zuhörenden auf ein Werk freuen, dass dramatisch, lyrisch und alles dazwischen ist. Die Dortmunder Philharmoniker und der Philharmonische Chor des Dortmunder Musikvereins unter der Leitung von Granville Walker präsentierten das Werk am 17. Juni 2023 in der Reinoldikirche im Rahmen des Festivals „Klangvokal“.



Die „Messa di Requiem“ von Donizetti wurde ursprünglich im Jahr 1835 komponiert. Sie wurde zu Ehren des italienischen Schriftstellers und Dichters Alessandro Manzoni geschrieben, der ein enger Freund von Donizetti war. Das Werk wurde jedoch erst nach Donizettis Tod im Jahr 1846 veröffentlicht.

Donizettis Requiem ist ein liturgisches Werk für Solisten, Chor und Orchester. Es besteht aus den traditionellen Teilen des Requiems, wie dem Introitus, dem Kyrie, dem Dies Irae, dem Offertorium, dem Sanctus und dem Agnus Dei.

Doch seine Arbeit als Opernkomponist kommt deutlich zum Tragen. Donizetti verwendet ausdrucksstarke Melodien, die oft von den Solisten und dem Chor interpretiert werden. Diese Melodien haben oft eine lyrische Qualität, die typisch für Donizettis Opern ist. Wie in seinen Opern geht es aber nicht nur lyrisch zu. Die dramatischen Passagen des Dies Irae oder des Offertoriums erinnern an die intensiven Momente in seinen Opern, in denen Spannung und Leidenschaft dargestellt werden.

Dafür braucht man gute Stimmen. Mit Anna Sohn (Sopran), Anna Harvey (Mezzosopran), Carlos Cardoso (Tenor), Germán E. Alcántara (Bariton) und Jens Hamann (Bass) hatte Granville Walker exzellente Solisten an seiner Seite, die vom Philharmonischen Chor adäquat begleitet wurden.

Der Abend hat gezeigt: Ein gelungenes Requiem von Donizetti, das sich vor Verdis Requiem nicht zu verstecken braucht.




Jordi Savall – Die Routen der Sklaverei

Musik aus Afrika, Portugal, Spanien und Lateinamerika

Es ist erstaunlich, welch schöne Musik von Menschen geschaffen wurde, die unsägliches Leid erleben mussten. Aus der Heimat entführt, ihren Lieben, Familien und Gemeinschaften entrissen und in einer fremden Welt ausgespuckt, verhökert, versklavt und unter unmenschlichen Bedingungen zur endlosen Arbeit gezwungen.



Jordi Savall zählt zu den bedeutendsten Gambisten und Interpreten der historischen Aufführungspraxis. Seit über 50 Jahren begeistert er als Gambist und Dirigent. Savall wurde von der UNESCO zum „Künstler für den Frieden“ ernannt.

Savall begab sich erneut auf musikalische Spurensuche und folgt den Routen des transatlantischen Sklavenhandels, des Dreieckhandels, aus Europa über Afrika nach Süd- und Nordamerika. Sein faszinierend-filigranes Programm, dessen Entstehung von der UNESCO gefördert wurde, kombiniert Klagelieder, Kriegsgesänge und Trommelklänge aus Mali, Madagaskar, Kolumbien, Mexiko und Europa mit historischen Texten über die Sklaverei. Beginnend mit den ersten Chroniken von 1444 hin zu den Worten des Friedensnobelpreisträgers Martin Luther King aus den 1960er Jahren.

Für sein Projekt „Die Sklavenrouten“ vereinte Savall Instrumentalisten und Sänger unter anderem aus Mali, Marokko, Mexiko und Brasilien. Gemeinsam schlagen sie einen musikalischen Bogen von 1444 bis 1888. Sie spielen Lieder, Klagegesänge und Tänze, die zur Zeit der Sklaverei entstanden sind. Musik aus Afrika, Portugal, Spanien und Lateinamerika. Und in der Musik aus Spanien und Portugal zeigt sich der Einfluss der Sklaven und ihrer Musik auf die Musik der so überlegenen Versklavenden.

Die eigenen Ensembles von Savall, Hesperion XXI und La Capella Reial de Catalunya haben dieses Programm, mit dem sie nun auf Tour sind, so auch also in Dortmund mit Klangvokal am 06.06., zusammen mit Instrumentalisten und Sängerinnen und Sängern aus Mali, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Kolumbien, Brasilien, Argentinien und Venezuela erarbeitet. Mit dabei ist auch wieder das mexikanische Tembembe Ensamble Continuo, mit dem Savall schon zuvor Projekte verwirklicht hat.

Dabei wird ein musikalischer Bogen geschlagen, von 1444 bis 1888, mit Texten aus der vorchristlichen Zeit bis zum 20. Jahrhundert. Savall, der hier eine kleinere Form der Gamba, die Diskantgambe spielt, leitet das Konzert von seinem Instrument aus.

Durch das Programm führt wie eine Erzählerin, Denise M´Baye und treibt dabei das Konzert mit Zeugenaussagen und Dokumenten von Beteiligten, das Konzert durch Jahrhunderte der Qualen. Ein Pendant findet M´Baye in Sékouba Bambino, Guinea, der die afrikanische Tradition der Erzähler dabei Nahebringt. Lange schon sind sie es, die Mythen, Geschichten, Legenden und Kultur tradieren.

Aus dem Ursprungskontinent der Sklaven sangen Ballaké Sissoka, Mamani Keita, Tanti Kouyaté und Fanta Sissoko. Aus den „Zielgebieten“ der Sklaven, in die sie verschleppt wurden, sangen, spielten und tanzten Leopoldo Novoa, Kolumbien, Ada Coronel, Enrique Barona, Ulises Martinez, Mexiko, Maria Juliana Linhares, Zé Luis Nascimenti, Brasilien, Lixsania Fernández, Kuba.

Hesperion XXI: Elionor Martinez, David Sagastume, Lluís Vilamajó, Victor Sordo, Simón Millán, Salvo Vitale

La Capella Reial de Catalunya: Pierre Hamon, Béatrice Delpierre, Elies Hernandis, Xavier Puertas, Xavier Diíaz-Latotorre, Andrew Lawrence-King, Jordi Savall

In der Musik der betroffenen Völker der Westküste Afrikas, Brasiliens, Mexikos, der Karibischen Inseln, Kolumbiens und Boliviens hat die humanitäre Katastrophe der Sklaverei bis heute tiefe Spuren hinterlassen. Die Lieder, Klagegesänge und Tänze treten hier in den Dialog mit iberischen Musikformen, die sich, so Savall, „an den Gesängen und Tänzen der Sklaven und Einheimischen sowie an ethnischen Mischungen jeder Art inspiriert haben, die auf der Tradition der Afrikaner, Indios und Mestizen basieren.“

Die mehr oder weniger erzwungene Beteiligung der Sklaven an der kirchlichen Liturgie der Neuen Welt spiegelt sich in den verschiedenen Formen wie Villancicos de Negros, Indios, Negillas und anderen christlichen Gesängen, wie zum Beispiel bei Mateo Flecha dem Älteren.

Trotz der portugiesischen „Ursünde“, das Plantagen und Sklaverei Modell auf den Kapverden entwickelt zu haben, waren Afrikaner, die Oberschicht, ein Teil der portugiesischen Gesellschaft. Gleichberechtigt heiratete man untereinander. So kam auf Umwegen über Deutschland, „afrikanisches Blut“, mit der mecklenburgischen Prinzessin Charlotte als Gemahlin des Hannoveraners Georg auf den englischen Thron …

Neben den großen Akteuren, den üblichen Verdächtigen in diesem Menschheitsverbrechen, Engländer, Schotten, Niederländer, Dänen, Spanier, Portugiesen waren auch Deutsche aktiv als Händler beteiligt, oder als Finanziers, wie norddeutsche Kaufleute besonders aus Hamburg und auch Bremen, aber auch deutsche Fürsten wie Hohenzollern aus Brandenburg im heutigen Ghana.

Das Konzert konnte die Geschichte der Sklaverei erfahrbar machen! Eine Geschichte, bei der aus purer Geldgier Menschen aus Afrika nach Süd- und Nordamerika verschleppt, gequält und ausgebeutet wurden. Die Musik hat die Spuren des Unrechts konserviert, und Savall lässt sie in diesem neuen Programm hörbar werden, mit Musik von beiden Seiten des Atlantiks.

Es war ein großartiges, bewegendes und begeisterndes Konzert! Es nahm mit und rührte auf. Man konnte die Qualen und das Leid der verschleppten Menschen spüren, zumindest erahnen. Welch schöne, berührende und mitnehmende Musik trotz Leid entstand, berührte zutiefst. Das Publikum war begeistert und gab stehende Ovationen und überwältigten, selbst überwältigt die Künstler.




Jazz meets Volkslieder im Jazzclub domicil

Als Kooperation zwischen Klangvokal Musikfestival und dem domicil in Dortmund fand am 11.06.2023 im hiesigen Jazzclub das SOUNDZZ Familienkonzert mit Basil Smash, der neuen Band von Eva Bächli, statt.



Zum interaktiven Konzept gehört, dass die fünf Musiker*innen und deren Instrumente von einer Gruppe von Kindern unterschiedlichen Alters vorgestellt wurden. So erhielten die kleinen und großen Zuhörenden genauere Informationen über die Instrumente des Konzerts.

Neben der Sängerin Eva Bächli mit ihrer klaren vollen Stimme spielten Tom Rieder auf der Trompete, Ansgar Wallstein am Piano, Lea Horch am Bass sowie Basil Weiss an den Drums.

Über alle Genregrenzen hinweg kreierte „Basil Smash“ einen ganz eigenen Sound.  Das gilt für bekannte Jazzstandards (etwa „On The Sunny Side Of The Street“) wie auch bei den humorvollen Bearbeitungen von bekannten Volksliedern zum Mitmachen (etwa „Auf der schwäbschen eisenbahne“).

Es war eine gelungene Mischung von Jazz, Volksliedern und Kunstliedern.

Sowohl die Sängerin wie auch die vier Kolleg*innen hatte genug Gelegenheit, ihr vielfältiges Können und Spielspaß zu beweisen.

Spaß hatten auch die drei Kids, als sie bei einer zweiten Darbietung von „On The Sunny Side Of The Street“ selbst eingreifen konnten. Durch antippen der einzelnen Akteure auf der Bühne mussten diese jeweils ihr Spiel oder Gesang stoppen. Nachdem sie noch einmal angetippt wurden, ging es für die Einzelnen weiter.

Ein gelungenes Familienkonzert mit Humor und Spaß an der Musik und den Instrumenten. Begleitet wurde das Ganze mit fantasievollen Leinwandprojektionen im Hintergrund.




Melodramatische Opernrarität voll emotionale Kraft und Energie

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund überrascht immer wieder mit speziellen musikalischen Raritäten, gerade auch im Bereich Oper.



Am 03.06.2023 wurde im Rahmen des Festivals so ein „seltener Schatz“ mit der konzertanten Oper „Il Giuramento“ (Das Gelübde) des italienischen Komponisten Saverio Mercadante (1795 – 1870) im Dortmunder Konzerthaus aufgeführt. Das Libretto stammt von Gaetano Rossi (nach der Tragödie „Angelo, tyran de Padoue“ von Victor Hugo).

Das Melodrama hat es in sich und bietet gleich vier dankbare Hauptrollen. Elaísa (Sopran) liebt Viscardo (Tenor), dessen Zuneigung jedoch Bianca (Mezzosopran) gilt. Die wiederum hatte in politisch schwierigen Zeiten dem Vater von Elaísa das Leben gerettet. Als Biancas Mann Manfredo (Bariton) Verdacht schöpft und seine Frau für untreu hält, beschließt er, sie zu vergiften. Dabei hat er selber ein Auge auf Elaísa geworfen. Diese rettet Bianca, indem sie das Gift gegen ein Schlafmittel austauscht. Sie verzichtet auf ihr eigenes Liebesglück. Viscardo denkt fälschlicher Weise, das Bianca von Elaísa ermordet wurde und ersticht diese. Erst als Bianca wieder aufwacht, erkennt er seinen Irrtum….

Neben dem WDR Rundfunkchor als emotionaler Verstärker, wurde die Handlung vom WDR Funkhausorchester unter der lockeren Leitung durch den italienischen Paolo Carignani musikalisch begleitet. Einzelne Instrument aus dem Orchester hatten zwischendurch die Möglichkeit, besondere Akzente zu setzen.

Renommierten Sänger*innen wie Roberta Mantegna (Elaísa), Germán E. Alcántara (Manfredo), Teresa Iervolino (Bianca), Jean-François Borras (Viscardo), sowie in Nebenrollen John Heuzenroeder (Brunoro) und Ivana Rusko (Isaura) überzeugten mit ihren ausdrucksstarken Stimmen.

Das Libretto bietet ihnen viele Möglichkeiten, ihr Können und Sensibilität bei den Kavatinen, Arien, Duetten und Ensembleszenen zu beweisen.

Die Sängerdominanz wurde bei dieser „Reformoper“ zugunsten der Handlung durchbrochen.

Die Partitur besticht vor allem durch die schwärmerischen Tenor- und Bariton-Kantilenen (ähnlich bei Donizetti) oder dramatischen Koloraturen (ähnlich Rossini).

Höchste Emotionalität und dramatische Zuspitzungen erinnern an Verdis späteren Werke.

Es war ein besonderes Gesangsfest, welches vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurde.




Eine Nymphe, ein Gott und Barockmusik

Der 2. Juni 2023 stand im Zeichen der Barockmusik. Georg Philip Telemann, Carl Heinrich Graun und Georg Friedrich Händel ließen die Zeit des 18. Jahrhunderts wiederaufleben. Für das Konzert im Reinoldisaal im Rahmen des Festivals Klangvokal gaben sich Sopranistin Sophie Junker und Bariton Tomáš Král die Ehre, unterstützt vom {oh!} Orkiestra unter der Leitung von Martyna Pastuszka.



Doch für die beiden Sänger gab es zunächst eine Pause. Denn zunächst war Telemann an der Reihe und das Orchester spielte seine Ouvertüre-Suite „L’omphale“. Der Titel der Suite bezieht sich auf die griechische Mythologie, genauer gesagt auf Omphale, die Königin von Lydien. Die Suite ist daher von einem gewissen mythologischen und exotischen Flair geprägt. Charakteristisch für „L’omphale“ ist Telemanns geschickte Instrumentation und seine Fähigkeit, verschiedene Klangfarben zu nutzen, um die verschiedenen Stimmungen und Charaktere der einzelnen Sätze hervorzubringen. Diese Aufgabe wurde vom {oh!} Orkiestra mühelos umgesetzt.

Dann wurde es Zeit, die Geschichte von Apollo und Daphne zu erzählen, oder besser zu singen. Worum geht es? Apollo verfolgte Daphne hartnäckig, während sie seine Annäherungsversuche energisch ablehnte. Um ihrer Verfolgung zu entkommen, flehte Daphne zu ihrem Vater und bat ihn um Hilfe. Peneios erhörte ihr Gebet und verwandelte sie in einen Lorbeerbaum, der als Symbol der Reinheit und des Schutzes galt. Die Geschichte von Apollo und Daphne symbolisiert die Unmöglichkeit der Liebe zwischen einem göttlichen Wesen und einer sterblichen Kreatur. Sie thematisiert auch das Streben nach Freiheit und den Widerstand gegen die Liebe, die oft als unausweichliche und unkontrollierbare Kraft dargestellt wird.

Es ist kein Wunder, dass Barockkomponisten diese Geschichte liebten und vertonen mussten. Das geschah oft in Form der Kantate, die meisterlich durch Johann Sebastian Bach ausgeführt wurde. Graun lässt in seiner Kantate „Apollo amante di Dafne“ nur den Gott zu Wort kommen, so dass wir zunächst Bariton Tomáš Král erleben, der die Verwandlung von Daphne in einen Lorbeerbaum beklagt.

Nach der Pause stand Händel mit seiner Kanrtate „Apollo e Dafne“ auf dem Programm. Die Musik von „Apollo e Dafne“ zeichnet sich durch ihre Virtuosität, ihre lyrische Schönheit und ihre emotionale Ausdruckskraft aus. Händel verwendet eine breite Palette musikalischer Ausdrucksmittel, um die Gefühle und Charaktere der Protagonisten darzustellen. Die Musik ist reich an melodischen Erfindungen, kunstvollen Ornamenten und kontrapunktischen Passagen. Auch die beiden Solisten waren in guter Stimmung.  Tomáš Král als auch Sophie Junker, die uns schon im November 2021 in die Barockzeit entführte, schafften es, uns mit ein paar kleinen Schauspieleinlagen die Handlung näherzubringen. Dass beide über außergewöhnliche Stimmen verfügen, machte den Musikgenuss an diesem Abend komplett.




Jazz, Soul und afrikanischer Groove

Somi – eine Hommage an Miriam Makeba

Die mehrfach für den Echo nominierte Somi (Laura Kabasomi Kakoma), bot in diesem Klangvokale Konzert im Domizil ihr Programm „Zenzile“. Somi ist eine Singer-Songschreiber*in mit fantastischer Stimme aus Afrika. „Zenzile“ ist eine Hommage an die große Miriam Makeba. Das Programm, die Lieder und Arrangements sprachen Makeba und ließ uns in die Welt eintauchen. Miriam Makeba musste der wegen der Apartheid für 31 Jahre im Exil. Somi hatte die beliebtesten Songs ihres Vorbilds Makeba einfühlsam, inspiriert und arrangiert.



Dafür aber mit Stimmkraft „Qongqothwane“ / „Pata Pata“ (The Click Song), in der Sprache der Xhosa und Malaika intoniert. Nicht nur diese „Gassenhauer“ von Makeba begeisterten das Publikum, Liebhaber des modern Jazz. Typisch für Modern Jazz ging das Publikum kommentierend bei den Intonationen von Somi, aber auch bei den zahlreichen Soli des begleitenden Musiktrios mit. Für Klassikfans sicher ungewohnt, aber der Groove bringt es eben so mit sich.

Die fabelhafte Stimme von Somi, jetzt in Chicago lebend, bringt die Makeba Songs authentisch und nicht in billigen Cross-over-Klischees versinkenden Arrangements. Modern Jazz und Worldmusic, Soul und Afrobeat finden hier perfekt zusammen.

Somi sieht sich, wie Makeba selbst, als Musikerin und Aktivistin. Mit ihrem Studioalbum „Petit Afrique“ (2017) etwa erzählte sie die Geschichte afrikanischer Einwanderer inmitten eines gentrifizierten Harlem in New York. Davon erzählte sie uns im Laufe des Konzerts. Wie auch, dass ihr die Entstehung von „Zenzile“ in vielerlei Hinsicht geholfen habe: als Künstlerin und als afrikanische Frau. Besonders in diesen außergewöhnlichen Zeiten, in denen der Mut, unsere Geschichten zu erzählen, von größter Bedeutung ist, berichtete uns Somi,  42 Jahre jung.

Somi knüpft mit Stimmkraft und Feingefühl bei Künstlerinnen und Makeba-Verehrerinnen wie Dianne Reeves, Nina Simone oder Dee Dee Bridgewater an. „Seit ich denken kann, kenne ich Miriam Makebas Stimme. Dadurch habe ich das Gefühl, sie persönlich zu kennen“, erklärte uns Somi zwischen den Songs. Das Programm, das Album „Zenzile“ ist Ergebnis ihrer Bewunderung und Achtung vor und für Makeba. Seit ihrem Debütalbum 2003 wird Somi immer wieder auch mit Makeba verglichen … die Verbindung besteht musikalisch und politisch. So trat Somi 2013 zum Gedenktag für die Opfer des transatlantischen Sklavenhandels vor der UN Vollversammlung auf. Zudem hat Somi eine NGO gegründet: New Afrika Live.

Diese Neubewertung der Makeba Songs durch Somi waren eine Offenbarung, auch durch ihre fantastische Stimme und die exzellenten Jazzmusiker. Schon im Vorbild von Somi waren Jazz und afrikanischer Groove vereint. Das zeigte sich besonders in „Pata Pata“, damals ein Modetanz in Südafrika, den auch weiße Apartheidsgegner tanzten. Diesen präsentierte Somi in einer ganz eigenen Art neu.

So wie Somi, hatten sich viele Künstler von Zenzile, der erste Taufname von Makeba, beeindrucken und inspirieren lassen. Sowohl in Afrika als auch im Rest der Welt. Und dieses Programm von Somi zeigte aber auch, wie das Album, dass sie das Zeug zur Inspiration hat. Das Publikum hat sie beeindruckt und mitgerissen.

Ovationen zum Abschluss und ein beständig mitgroovendes Publikum waren der Beweise für die Begeisterungskraft von Somi.

Somi                           Vocals

Jerry Leonide             Piano
Gino Chantoiseau       Bass
Otis Brown III            Drums