Sophie Scholl und die Gewissensentscheidung

Im kleinen intimen Bühnenraum Sckelly des Dortmunder Kinder- und
Jugendtheaters (KJT) hatte am 26.09.2019 mit „Name: Sophie Scholl“
von Rike Reiniger (ab 14 Jahre) unter der Regie von Annette Müller
ein besonderes Solo-Stück seine Premiere. Für die
KIT-Schauspielerin Ann-Kathrin Hinz war ihre erst Solorolle eine
große Herausforderung.

Worum geht es: Die
junge Jura-Studentin Sophie Scholl hat gerade ihre wichtige
Examens-Abschlussarbeit absolviert und abgegeben. Nun steht sie vor
der schweren Entscheidung, ihren korrupten Professor durch eine Lüge
als Zeugin vor Gericht zu schützen und ihre Karriere zu gefährden,
oder die Wahrheit zu sagen und die angeklagte Sekretärin der Uni mit
ihrer Aussage zu entlasten. Dass sie den Namen der
Widerstandskämpferin Sophie Scholl (1921–1943) die wegen ihrer
klaren Gewissensentscheidung gegen das Nazi-Regime ermordet wurde,
macht ihr die moralische Entscheidung nicht leichter….

Der Bühnenraum wird
zu einem Assoziationsraum, dicht mit verschieden großen
Druckbuchstaben beschriebenen Wandtafeln versehen. Auf den Wandtafeln
stehen einzelne Worte wie „Heimat“, „No Future“, prägnante
Artikel aus dem Grundgesetz, besonders groß „Freiheit“ und viele
anderen Begriffe.

Die beiden
Persönlichkeiten werden von Ann-Kathrin Hinz abwechselnd
gegenübergestellt. Sie schlüpft aber nicht nur in die beiden
Rollen, sondern auch in die der verschiedenen Wegbegleiter. Außerdem
bewältigt sie einen rasanten Wechsel in verschiedene Zeitebenen.

Mal ist sie das am
Anfang naiv begeisterte BDM-Mädchen Sophie Scholl, dann die
lebensfrohe junge verliebte Frau oder am Ende die bis zu ihrem Ende
standhaft-klare Persönlichkeit. Dann stellt sie wieder glaubhaft die
in ihrem moralischen Dilemma verzweifelte Jura-Studentin mit all
ihren Facetten dar.

Ein großes
Kompliment für diese Leistung. Die Schauspielerin war ein Glücksfall
für diese anspruchsvolle Aufgabe. Sie konnte ihre vielseitigen
Talente, wie etwa Schauspiel oder Gesang, hier voll zur Geltung
bringen.

Mit ihrer
Körperlichkeit und dem geschickten Einsatz der Stimme, leise oder
verzagt, mal wütender, mal laut, zog sie das Publikum in den Bann.
Wie die beiden Schicksale erst nebeneinander stehen, dann plötzlich
auf einander prallen, erzeugte eine Spannung und berührte die
Anwesenden.

Ann-Kathrin Hinz brachte durch ihr körperliches Spiel die Zerrissenheit der Figur Sophie Scholl gut zum Tragen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Ann-Kathrin Hinz brachte durch ihr körperliches Spiel die Zerrissenheit der Figur Sophie Scholl gut zum Tragen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Entscheidung,
sich für humanistisch-moralische gesellschaftliche Werte einzusetzen
und nicht durch allgegenwärtige Instrumentalisierung von Ängsten
lähmen zu lassen, ist gerade in der heutigen Zeit (wieder) von
Bedeutung.

Welchen Wert hat die
Wahrheit, Loyalität? Welche persönliche Verantwortung trägt der
Einzelne? Lässt sich das Private vom Politischen trennen?

Der Heute-Bezug
wurde besonders klar, als die Schauspielerin zunächst als Sophie
Scholl ein Lied der Hitlerjugend sang, und später eine fetzige
YouTube-taugliche Version darbot. Wie verführbar sind wir heute
durch solche dumpf-nationalistischen Liedtexte im modernen Gewand?

Atmosphärisch stark
begleitet wurde die Vorstellung durch die intensiven Sounds von
Michael Lohmann. Er sorgte für die leisen wie lauten stimmungsvolle
Melodien und Songs, ob als Begleitung oder im Vordergrund. Mit
relativ wenigen Requisiten wurde die passende Stimmung geschaffen.

Eine eindrucksvolle
Inszenierung, die mit Standing-Ovations belohnt wurde.

Karten und Infos
über weiteren Aufführungen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel.:
0231/ 50 27 222.




Name: Sophie Scholl – Wir sind selbst unser Gegner!

In dem Solostück „Name: Sophie Scholl“ beleuchtet Regisseurin
Annette Müller die Folgen des immer Stärker werdenden
Leistungsdrucks in der Gesellschaft. Was ist die Protagonisten bereit
dafür zu tun, und hat ihre berühmte Namensvetterin vielleicht doch
einen Einfluss auf ihre Entscheidung? Die Premiere des Stückes
findet am 26. September 2019 um 19 Uhr im intimen Raum des Sckelly
statt.

Annette Müller
präsentiert uns eine Sophie Scholl, die durch die ständigen
Vergleiche mit der historischen Sophie Scholl ziemlich neurotisch
geworden ist. Zumal sie nur durch die erneute Heirat ihrer Mutter dem
Namen trägt. „Das werde ich sowieso nicht erreichen“, ist ihre
Konsequenz aus den ständigen Vergleichen.

In dem Stück hat
Sophie (Ann-Kathrin Hinz) ein Problem: Sie muss als Zeugin aussagen.
Was sie aussagt, hat Konsequenzen. Entweder wird eine Unschuldige
wegen Betruges verurteilt oder der wahre Täter wird ihre Karriere
als angehende Juristin zerstören. Eine schwere Entscheidung, denn
der Preis der Wahrheit ist hoch. Hier verknüpft sich wieder die
Frage, vor der auch die historische Sophie Scholl stand: Schweigen
oder Reden.

Sophie Scholl (Ann-Kathrin Hinz) ist in der Klemme: Wahrheit oder Karriere. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Ann-Kathrin HinzSophie Scholl (Ann-Kathrin Hinz) ist in der Klemme: Wahrheit oder Karriere. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Natürlich sind die
Konsequenzen, die die historische Sophie Scholz zu spüren bekam,
nicht annähernd so gravierend wie der modernen. Dennoch mussten sich
beide den Fragen nach Loyalität und Korrumpierbarkeit stellen. Wie
weit bin ich bereit zu gehen und wann ist die rote Linie
überschritten. Kam der Druck in der NS-Zeit noch von außen, sind
wir in unserer heutigen Zeit selbst der Gegner. Wenn du scheiterst,
ist es deine eigene Schuld. Selbstoptimierung ist die neue Religion
geworden.

Regisseurin Annette
Müller ist gelernte Schauspielerin und hat lange in Wiesbaden und
Marburg gearbeitet. In den letzten Jahren inszenierte sie
Tanztheater, wodurch auch diese Inszenierung sehr körperlich sein
wird. So wird Ann-Kathrin Hinz sehr aktiv agieren. Für Müller ist
dies Stück ein „ästhetischer Geschichtsunterricht“.

Auf der Bühne
werden „beschriebene Wände“ zu sehen sein, da die historische
Sophie Scholl an die „Macht des Wortes glaubte, denn sie war sehr
gebildet und belesen“, so Annette Müller. Ebenso wird die Musik
uns in die Zeit der historischen Sophie Scholl zurückführen.

Weitere
Informationen unter: www.theaterdo.de




Ein besonderer Pinguin auf der Suche nach Freundschaft und Glück

Im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) hatte am Freitag, den
20.09.2019, das Stück „Ginpuin“ (ab 4 Jahre) Premiere. Die durch
viele schöne Produktionen bekannte KJT-Regisseurin Antje Siebers hat
die Bühnenfassung von Winnie Karnofka nach einem Bilderbuch (Barbara
van den Speulhof und Henrike Wilson) fantasievoll und mit viel Humor
inszeniert. Es ist eine Geschichte vom anders ein und dem starken
Wunsch nach Akzeptanz, Zugehörigkeit, Freundschaft.

In einer arktischen
Landschaft mit Eisschollen und Eisberg (dargestellt mit beleuchteten
hellen Holzplatten) auf der Südhalbkugel unseres Planeten erscheint
ein neuer Pinguin. Er ist anders als die anderen Pinguin, obwohl er
äußerlich genauso aussieht. „Ginpuin“ verdreht die Buchstaben.
Aus „dankeschön“ wird so etwa „schankedön“. Die anderen
Pinguine lachen (zunächst) über ihn und geben ihn seinen
Spitznamen. Traurig macht sich Ginpuin auf eine lange Reise bis zum
anderen Ende der Welt, um sein Glück zu finden und ein Held zu
werden. Er begegnet anderen Tieren und einer freundlichen Fischerin,
die ihn mitnimmt. Auf einer grünen Insel wird er sogar sehr
glücklich. Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte…

Ein großes
Kompliment für die wunderbaren humorvoll-fantasievollen Kostüme und
Ausstattung von Julia Schiller. Für die atmosphärischen
Videoprojektionen im Hintergrund mit zum Beispiel einem schönen
Nachthimmel oder Sonnenuntergang sorgte Peter Kirschke. Mit Humor,
Spielfreude, kleinen Tanz- sowie Gesangseinlagen überzeugten die
KJT-Schauspieler: Bianka Lammert als cooler, sprechender „Eisberg“
und relaxt-entspannte, an die Hippie-Zeit erinnernde „grüne
Insel“.

Auf einer grünen Insel wird Ginpuin (Bettina Zobel, rechts) glücklich. Mit auf dem Bild: Die Ensemblemitglieder Thorsten Schmidt; Jan Westphal und Bianka Lammert  (v.l.n.r.). Foto: © Edi Szekely)
Auf einer grünen Insel wird Ginpuin (Bettina Zobel, rechts) glücklich. Mit auf dem Bild: Die Ensemblemitglieder Thorsten Schmidt; Jan Westphal und Bianka Lammert (v.l.n.r.). Foto: © Edi Szekely)

Mit viel Spaß an
der Verwandlung schlüpften auch Thorsten Schmidt und Jan Westphal
gleich in mehrere Rollen als Pinguine und andere Tiere. Bettina Zobel
hatte in ihrer Rolle als Ginpuin die große Herausforderung, die
Sprachverdrehungen unfallfrei vorzutragen. Sie tat es mit einer
lockeren Selbstverständlichkeit.

Neben den vier
Schauspielern stand auch noch die Musikerin Maria Trautmann. Mit
passenden Hintergrundklängen und Songs sorgte sie nicht nur live auf
der Bühne mit verschiedenen Instrumenten (z.B. Posaune oder
Synthesizer) für eine besondere Stimmung, sondern überzeugte auch
als Fischerin.

Am Ende kommt auch
die drohende Eisschmelze durch den Klimawandel zur Sprache.

Rührend und etwas
naiv, wie am Ende alle gemeinsam versuchen, durch das Aussprechen von
Begriffen, die Kälte assoziieren („Eis am Stil“ u.a.) das
drohende Schmelzen des Eisbergs zu verhindern.

Informationen zu
weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer unter
www.theaterdo.de oder Tel:
0231/ 50 27 222.




Performative Annäherung an die Vernunft

Ist Klimaschutz vernünftig? Ist es vernünftig, bei grün über die
Ampel zu gehen? Was heißt eigentlich Vernunft? „Kein einziger
Begriff“ ist eine Annäherung an unsere Vernunft, die gemeinsam von
Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland und Frankreich
erarbeitet wurden. Bei der Werkschau am 04. Juli 2019 im KJT um 20
Uhr werden die Partner vom Pariser Théâtre La
Transplanisphére per Video eingespielt.

Der Begriff der
Vernunft ist stark verbunden mit der Aufklärung. Daher ist es kein
Wunder, dass sich Texte von Aufklärern wie Kant oder Rousseau in der
Werkschau wiederfinden. Doch ebenso schauen die Spielerinnen und
Spieler auf das Thema und machten sich in der Vorbereitung eigene
Gedanken zum Vernunftbegriff. So stellten sie fest, dass Vernunft
mehr ein Überbegriff ist, der viele Bedeutungen haben kann.

Das Ensemble des Jugendklubs bei der Probe. (Foto: © Edi Szekely)
Das Ensemble des Jugendklubs bei der Probe. (Foto: © Edi Szekely)

Nun präsentieren
die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 23 Jahren
eine Werkschau und keine Premiere, denn das Stück wird im Rahmen der
europefiction 2019 erarbeitet und wird seine Premiere im Sommercamp
Mitte Juli haben. Dann werden auch die französischen Teilnehmerinnen
und Teilnehmer dabei sein.

Das
Stück wird ungefähr 60 bis 70 Minuten dauern und neben
Videoeinspielern auch Musik beinhalten. So gibt es eine Musikecke, wo
Livemusik gespielt wird und es kommt Musik vom Band. Die
Regie führt Miriam Michel.




Emil und die Detektive – Kästners Klassiker als Solo

Ein außergewöhnliches Stück feiert am 18. Mai 2019 im Kinder- und Jugendtheater Dortmund (KJT) seine Premiere. Aufgeführt wird „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner, aber es wird nur ein Schauspieler auf der Bühne stehen und der ist niemand anderes als Andreas Gruhn, der Leiter des KJT. Der Enkel von „Gustav mit der Hupe“ erzählt die Gesichte, wie er sie von Opa erzählt bekam. Daher auch der Untertitel „Ein Solo für Gustav“.

Der Roman für
Kinder von Kästner aus dem Jahre 1929 ist sicher einer der
bekanntesten Detektivgeschichten für Kinder. Zur Handlung: Der
12-jährige Emil Tischbein fährt nach Berlin, um seiner Oma 140 Mark
zu übergeben. Während der Fahrt wird ihm das Geld von einem
gewissen Herrn Grundeis gestohlen. Emil kann ihn aber vom Bahnhof Zoo
verfolgen. Dabei trifft er auf Gustav mit der Hupe mit ihm und seinen
Freunden können sie den Mann so lange verfolgen und vor einer Bank
stellen und der Polizei übergeben. Die stellt fest, dass der Herr
„Grundeis“ verschiedene Namen hat und ein gesuchter Bankräuber
ist.

Passend zum Stück wird viel ,Berliner Lokalkolorit zu sehen sein. Andreas Gruhn als "Gustav mit der Hupe". (Foto:© Birgit Hupfeld)
Passend zum Stück wird viel ,Berliner Lokalkolorit zu sehen sein. Andreas Gruhn als „Gustav mit der Hupe“. (Foto:© Birgit Hupfeld)

Kästners „Emil
und die Detektive“ ist ein Buch, bei der die Kinder auch einen sehr
aktiven Part einnehmen und die Geschichte ohne Lösung der
Erwachsenen auskommt. Doch der Roman hat noch einen anderen Aspekt,
denn es ist auch ein Zeitdokument. Es spielt im Berlin der
ausgehenden 20er Jahre und beinhaltet sehr viel Lokalkolorit. Daher
ist es nicht verwunderlich, wenn Gruhn sagt, dass „Berlin die
zweite Hauptrolle spielt“, schließlich ist er ja auch in der
Gegend aufgewachsen, in der „Emil und die Detektive“ spielt.

Die Monologfassung
hat Bettina Zobel, Ensemblemitglied im KJT verfasst, es ist zwar
nicht ihr erstes selbst verfasstes Stück, aber das erste für ihren
„Chef“, der nach zwanzig Jahren wieder auf der Bühne steht. Der
besondere Kniff von Zobels Fassung ist, dass die Geschichte aus Sicht
von Gustav mit der Hupe erzählt wird oder besser gesagt, was der Opa
Gustav seinem Enkel Gustav über die spannende Detektivgeschichte
erzählt hat. Gruhn wird in der Fassung mehrere Rollen
interpretieren, schließlich macht ja die große Gruppe Kinder den
Räuber nervös.

Das Stück wird in
dieser Spielzeit noch zehnmal aufgeführt, es wird aber auch in der
nächsten Spielzeit fortgesetzt.

Termine und Infos
finden Sie unter www.theaterdo.de




KJT Dortmund – viel Fantasie bei „Agent im Spiel“

Das Dortmunder
Kinder- und Jugendtheater (KJT) hat sich mit der Premiere von „Agent
im Spiel“ (ab 9 Jahren) des kanadischen Autors David S. Craig unter
der Regie von Johanna Weißert am 05.04.2019 einem sensiblen und
brisanten Themenkomplex gewidmet.

Es geht um
Arbeitslosigkeit und ihre Folgen für gerade die betroffenen Kinder.
Aber auch um die Zerrissenheit von Scheidungskindern. Wie können die
Kinder damit umgehen? Da spielen Scham und Verdrängung eine große
Rolle.

Der Protagonist des
Stücks ist (der 10-11-jährige) Dani, der mit seiner allein
erziehende Mutter Luise (Web-Designerin) immer wieder umziehen muss.
Diese verliert immer wieder ihren Job und Partner und Geld kommen ihr
schnell abhanden. Dani findet seinen eigenen Umgang mit der prekären
Situation, indem er sich mit viel Fantasie und Widerstandskraft in
eine „Agenten-Welt“ als eine Art James Bond flüchtet. Da er ohne
den vermeintlich in Bayern bei der Bergwacht arbeitenden Vater
auskommen muss, fühlt er sich für seine liebevolle Mutter
verantwortlich. Er verwaltet sogar das wenige Geld. Jan Westphal
spielt den Dani mit all seiner Fantasie und Kreativität, aber auch
mit seiner Sehnsucht nach dem Vater stark und eindringlich.

Seine Mutter wird
mit viel Herzblut von Bianka Lammert dargestellt. Sie will das Beste
für ihr Kind und kümmert sich um einen neuen Job in einem Imbiss.

Melanie (Ann-Kathrin Hinz), Mehmet (Denis Wiencke) und Dani (Jan Westphal) entwickeln langsam eine Freundschaft. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Melanie (Ann-Kathrin Hinz), Mehmet (Denis Wiencke) und Dani (Jan Westphal) entwickeln langsam eine Freundschaft. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Dani ist
kommunikativ und findet schnell neue Freunde, so auch im neuen
„Zielort“ Rotbuchenstraße 92 K (K für Keller). Er trifft in der
Nachbarschaft auf Mehmet, der dem Erwartungsdruck seines arbeitslosen
Vaters nicht gerecht werden kann, und Melanie, die zwischen ihren
getrennten Eltern hin- und hergerissen ist. Diese kommunizieren
ausschließlich über die Tochter miteinander. Die hat sogar ein
„Mama-Handy“ und ein „Papa-Handy“.

Gastschauspieler
Denis Wiencke spielt den verunsicherten Mehmet mit viel Sinn für
Humor. Außerdem sorgte für Live-Musik und Loops, die passend zu den
unterschiedlichsten Situationen von allen Beteiligten eingesetzt
werden konnten.

Ann-Kathrin Hinz
ging in ihrer Rolle als Melanie, die „Jungs eigentlich blöd
findet“ und „zwischen den Stühlen“ der Eltern leidet auf.

Zwischen den drei
Kinder entwickel sich nach anfänglichen Schwierigkeiten eine
Freundschaft und Dani bezieht die beiden anderen Kinder geschickt und
erfolgreich in sein fantasievolles Rollenspiel ein. Nach und nach
bröckeln die Fassaden und die traurigen Realitäten der Kinder
werden untereinander offenbart. Mit viel Kreativität gehen sie ihre
Probleme an. Da wird zum Beispiel bei Mehmet mit verschiedenen
Gegenständen so getan, als würde man ihm einen „Gehirnknoten“
herausoperieren. Dieser steht symbolisch für den Druck des Vaters,
der Mehmet blockiert.

Auch bei der
Bühnengestaltung spielte Fantasie eine riesige Rolle. Schon beim
Einlass konnte das Publikum die gestalteten beiden weißen
durchscheinenden Leinwände (Folie) bestaunen. Sie waren schon
liebevoll mit Straßenlaternen und am Boden mit einem „Hundehaufen“
und Ratten bemalt. Alle anderen Dinge, wie etwa Klingel, Türnummern,
und anderes wurden live vor dem Publikum aufgemalt oder
ausgeschnitten.

Als auffallende
Gegenstände auf der Bühne nur eine Mülltonne und eine Schubkarre
in das Geschehen eingebunden.

Gearbeitet wurde
zudem mit Licht und Schattenspielen als fantasievolle Metaebene.

Interessant, das
Mehmets Vater nur wie ein grunzender „Drache“ zu hören war.

Trotz der
nachdenklich-traurigen Momente gibt es bei der Aufführung viel zu
Lachen. Besonders lustig war ein „Fußballspiel ohne Ball“ und
Toren der Kinder.

Eine Inszenierung
zwischen Spielfreude, Einfallsreichtum und ernsthaften Momenten der
Realität.

So bewundernswert
der Umgang der Kinder mit ihren schwierigen Verhältnissen ist:

Kinder sollten nicht
für die Probleme der Erwachsenen verantwortlich sein.

Sie haben es alle
(ob arm oder reich) verdient, geschützt aufzuwachsen und in ihrer
Persönlichkeit gefördert zu werden.

Informationen über
weitere Aufführungen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de
oder Tel.: 0231/ 50 27 222




Theaterstück um Fantasie und Freundschaft in prekärer Situation

Mit dem Stück
„Agent im Spiel“ (2004 für den Deutschen Kindertheaterpreis
nominiert) vom kanadischen Autor David S. Craig steht im Dortmunder
Kinder und Jugendtheater unter Johanna Weißerts Regie ein aktuell
brisanter Stoff auf dem Programm. Es geht um Kinderarmut, schwierige
Verhältnisse in verschiedenen Familienkonstellationen sowie dem
fantasievoll-kreativen Umgang der betroffenen Kinder mit der
Situation. Dabei spielt Freundschaft, so Weißert, eine wesentliche
Rolle.

Allein in Dortmund
lebt jedes dritte Kind unterhalb der Armutsgrenze! Das im
eigentlich„reichen Deutschland“.

Der Protagonist Dani
(10 bis 11 Jahre), gespielt von Jan Westphal, muss mit seiner
alleinerziehenden aber sehr herzliche Mutter (Bianka Lammert) ständig
umziehen. Sie verliert regelmäßig Jobs und Partner. Nach außen hin
mimt der Junge mit der großen Widerstandskraft den coolen Game
Agenten. Er ist kontaktfreudig und findet immer schnell neue Freunde,
die er in seine fantasievollen Rollenspiele einbindet und so
schwierige Situationen meistert.

Sein neuer Zielort
ist Rotbuchenstraße 92K. K steht für Keller.

Schnell findet er
auch am neuen Ort Freunde. Da ist einmal Melanie (Ann-Kathrin Hinz),
die es zwischen dem Mama-Handy und dem Papa-Handy ihrer geschiedenen
Eltern zerreißt. Beide reden nur noch über die Tochter miteinander.
Dann gibt es noch Mehmet (Gastschauspieler Denis Wiencke), der dem
Erwartungsdruck seines arbeitslosen Vaters nicht gerecht werden kann.

Mit viel Fantasie
und Kreativität bewältigen sie vom Schulhof bis nach Hause jede
Situation…

Die Realität spielt
immer eine Rolle und die Probleme werden von den Kindern nicht unter
den Teppich gekehrt. Sie versuchen, so gut es geht, diese mit der
Kraft der Freundschaft und Fantasie anzugehen.

Mehmet (Denis Wiencke), Melanie (Ann-Kathrin Hinz) und Dani (Jan Westphal) versuchen ihr Leben in prekären Umständen zu meistern. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Mehmet (Denis Wiencke), Melanie (Ann-Kathrin Hinz) und Dani (Jan Westphal) versuchen ihr Leben in prekären Umständen zu meistern. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Es ist natürlich
klar, dass auch die Fantasie ihre Grenzen hat und nicht allein eine
„heile Welt“ schafft. Als eine sogenannte Doppelung wird auch bei
der Gestaltung des Bühnenbildes der Aspekt der Fantasie eingebracht.

Die beteiligten
Personen werden live vor sowie während der Vorstellung die
verschiedenen Handlungsräume (Schule, Wohnung, Krankenhaus u.s.w.)
mit verschiedene künstlerischen Mitteln (etwa Klebestreifen,
Sprühdosen und mehr) vor dem Publikum gestalten.

Musik wird eine
wichtige Funktion einnehmen. Live gespielt mit Gitarre und für den
Gebrauch als Loop für bestimmte Situationen.

Indirekt wird auch
das Thema Kinderrechte angesprochen. Das passt genau zu der vor
dreißig Jahren von der Generalversammlung der Vereinten Nationen
verabschiedeten UN-Konvention über die Rechte der Kinder (20.
November 1989). Diese hatten alle Staaten außer der USA und Somalia
unterzeichnet.

Es ist aber vor
allem ein lebhaftes und packendes Kinderstück (ab 9 Jahre) um
Freundschaft, Solidarität und Zusammenhalt mit einem teilweise
versöhnlichem Ende.

Die Premiere von
„Agent im Spiel“ findet am Freitag, den 05.04.2019 um 19.00 Uhr
im KJT statt.

Informationen hierfür und zu den weiteren Terminen (zum Beispiel am 07.04.2019 um 16:00 Uhr oder am 30.04.2019 um 11:00 Uhr) erhalten Sie wie immer unter: www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/50 27 222.




Kooperation zwischen FABIDO Familienzentrum und KJT Dortmund

Das Kinder- und
Jugendtheater Dortmund (KJT) und das FABIDO Familienzentrum am
Ostpark präsentierten mit „Der Morgengesang“ am 22.03.2019 das
Ergebnis ihrer seit der Spielzeit 2018/2019 besiegelten Kooperation.
Sechzehn Kinder im Alter von 5–6 Jahren studierten die kleine
Theateraufführung unter der Leitung der Kulturpädagogin des KJT
Manuela Wenz innerhalb einer Woche ein. Sie schlüpften mit viel Spaß
und Engagement in die Rollen von Vögeln und Fledermäusen und singen
um die Wette, um die Sonne zu wecken. Anfangs gibt es noch ein
Gerangel darum, wer es schafft, die Sonne heraus zu locken. Später
arbeitet man gemeinsam an der Aufgabe.

Die Kinder und ihre
drei (erwachsenen) Helferinnen spielten nicht nur mit Freude, sondern
malten und bastelten auch an den Vögeln, die an einem Baum an einem
Vorhang gehängt wurden. Geräusche und Naturklänge spielten
natürlich eine wesentliche Rolle.

Nacht und Sonnenaufgang wurden mit der Hilfe von herunter und hoch gelassenen Rollos simuliert. Immer wenn die Sonne
zum Vorschein kam, erklang die Titelmusik von „Vom Winde verweht“.

Sie alle
vermittelten die Spielfreude auf das Publikum, ob bei den stolzen
Eltern oder der anwesenden Kindergruppe.

Finanziert wurde
Kooperation nach einem Ratsbeschluss vom 07.07.2016 aus Geldern der
Kapitalrücklagen des Streikes der beschäftigten im Sozial- und
Erziehungsdienst. Verwendet sollten diese für
qualitätsunterstützende Maßnahmen in den FABIDO
Kindertageseinrichtungen.

Die Kinder und die erwachsenen Helferinnen hatten viel Spaß beim "Morgengesang".
Die Kinder und die erwachsenen Helferinnen hatten viel Spaß beim „Morgengesang“.

Konkret gefördert
werden damit Projekte und Maßnahmen für die Kinder im
musisch-ästhetischen (Musik, Kunst, Theater) sowie im ökologischen
Bereich.

Am Ende wurde ein
Interview mit den Kindern abgespielt. Sie wurden zu ihren
Vorstellungen, warum die Sonne aufgeht und am Abend „verschwindet“
befragt.

Mit ihren Antworten
bewiesen die Kinder viel Fantasie.

Mal sehen, ob sich
die jungen „Nachwuchsschauspieler“ später einmal für eine
Schauspiel-Karriere entscheiden oder sich eventuell für den
Umweltschutz engagieren.




Gemeinsam – oder Alle gegen Alle

Die
letzten Wochen vorm Abitur sind für viele SchülerInnen die
anstrengendsten Tage der Schulzeit. Die neue Produktion „Klatschen“
des Jugendclub 15+ im Kinder- und Jugendtheater (KJT) beschäftigt
sich mit diesem aufregenden Zeitraum. Unter der Regie von Isabel
Stahl und Lioba Sombetzki setzten die Laienschauspieler die Vorlage
von Tina Müller und Corinne Maler sehr überzeugend um. Erstmals
besteht die Schauspielergruppe aus Jugendlichen unterschiedlichster
Herkunft. Sie sind im Alter von 16 bis 24 Jahren und bringen ihre
sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit in die Geschichte ein.

In
verschiedenen Spielsequenzen durchleben elf SchülerInnen zahlreiche
Herausforderungen und schwierige Situationen die sich aus dem Druck
des nahen Abschlusses und dem Ende der Schulzeit ergeben. Willkommen
in der Zukunft. Die Rollen ändern sich, aus Freunden werden Gegner,
Gespräche auf dem Schulhof enden in Streit und Auseinandersetzung.
Jeder versucht sich zu positionieren und ist sich selbst der Nächste.
Den SchülerInnen dämmert, dass die Zeit nach der Schule
konfliktreicher werden könnte, als sie es bisher kannten. Verweigern
oder anpassen? Die Rolle muss jeder für sich selbst ergründen. In
vorauseilendem Gehorsam passen sich einige an und fahren die Ellbogen
aus um sich einen guten Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen.

Langsam
erschließt sich für den Zuschauer die Ursache der ständig
steigenden Spannung und Auseinandersetzung. In einer Kunststunde
rebellierte die Klasse gegen die auferlegte Schweigestunde, die eine
überforderte Lehrerin angeordnet hatte. Als letzte Rettung drohte
diese mit schlechten Noten. Die SchülerInnen drängten die Lehrerin
gemeinsam hinter die Klassenzimmertür und „klatschten“ sie
praktisch an die Wand. Dabei wurde sie schwer verletzt.

In
der ohnehin angespannten Abitursituation verschärft diese Aktion
noch die Konflikte des Jahrgangs.

Das
Ensemble begeistert durch Wortwitz, mit einzelnen überzogen in Slang
gesprochenen Szenen. „Krass“ und „voll krass“ ist praktisch
jedes zweite Wort in den Gesprächen eines Schülertrios, das die
Pausen regelmäßig an der Tischtennisplatte verbringen. Neid,
Eifersucht, Versagensangst, Leistungsdruck – der aufgestaute Stress
der SchülerInnen wird in der einstündigen Aufführung deutlich.

Noch scheinen sie alle gemeinsam zu arbeiten, doch die Ängste und der Druck sind enorm. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Noch scheinen sie alle gemeinsam zu arbeiten, doch die Ängste und der Druck sind enorm. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Eine
Schülerin schreckt nicht vor einem Erpressungsversuch der
Geschichtslehrerin zurück, um ihre Abiturnote zu retten. Ein Schüler
kämpft mit großen Zweifeln, ob er überhaupt zum Abitur antreten
soll, da er sich keine große Chance ausrechnet.

Eine
Verbindung der einzelnen Spielszenen bilden kurze Tanzchoreografien
mit unterschiedlichster Musik aus der Konserve. Mal strahlen die
Tanzeinlagen Konformität und Routine aus, mal sind sie aggressiv und
spannungsgeladen. In der letzten Szene trägt ein Schüler einen
Vogelkopf, als Symbol die Flügel auszubreiten und Fliegen zu lernen.

Die
Kostüme sind einheitlich weiß mit wenigen schwarzen Akzenten. Nur
durch verschieden farbigen bunten Socken wird die Uniformität etwas
aufgebrochen. Mit großer Spielfreude und Energie schlüpften die
Jugendlichen in die einzelnen Rollen und lassen die einstündige
Spielzeit schnell vergehen.

Das
Publikum belohnte die Darsteller mit ausgiebigem Applaus.




Theaterstück um Leistungs- und Konkurrenzdruck unter Abiturienten

Unter dem
vieldeutigen Titel „Klatschen“ findet am Samstag, den 09.03.2019
die Uraufführung des gemeinsam mit SchülerInnen entwickelte
gleichnamigen Textbuchs von Tina Müller und Corinne Maier auf der
Bühne des Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) statt.

Diese Vorlage haben
sich elf Jugendliche und Erwachsene zwischen 16 und 24 Jahren, mit
unterschiedlicher Herkunft und Hintergrund als Jugendclubproduktion
unter der Regie von Isabel Stahl & Lioba Sombetzki in den letzten
Monaten vorgenommen.

Die Grundsituation ist folgende: Elf SchülerInnen eines Gymnasiums in der aufgeladenen Situation kurz vor dem Abitur. Jeder von ihnen ist interessiert, seine Chancen auf einen lukrativen, prestigeträchtigen Job mit besten Noten zu bewahren. Jeder ist sich selbst der Nächste, der Druck steigt ins Unermessliche und aus Freunden werden Feinde. Ein Vorgeschmack auf die Zukunft in einer kapitalistischen Gesellschaft. Verweigern oder anpassen?

Es gibt keine
stringente Handlung, sondern es werden wie in einzelnen
Blitzlicht-Momentaufnahmen nach der Vorlage SchülerInnen in
verschiedenen Konstellationen beleuchtet.

Ähnlich wie auf
einem Schulhof, wechseln die Blickwinkel. Da wird wie im echten Leben
geklatscht und diskutiert. Die Bühne wird zu einem abstrakten
Transitort, wo alle „Wartende“, die irgendwo hin wollen sind.

Gemeinschaft oder Alle gegen Alle? Die Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe von "Klatschen". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Gemeinschaft oder Alle gegen Alle? Die Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe von „Klatschen“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Geschichte im
Vorfeld wird erst durch die Gespräche der SchülerInnen deutlich.
Sie hatten in einer Kunststunde rebelliert (Schweigestunde), und die
überforderte Lehrerin drohte ihnen mit einer schlechten Note für
alle. Daraufhin eskalierte die Situation, und die Kunstlehrerin wurde
von allen gemeinsam zwischen Tür und Wand „geklatscht“ und
schwer verletzt. Das erhöht die Aufregung und bietet noch mehr
Zündstoff und Diskussionsbedarf.

Wie vorab verraten
wurde, wird bei der Inszenierung auch mit Wiederholungen von
bestimmten, bei jugendlichen häufig vorkommenden Sprachbegriffen
gearbeitet. Außerdem wurde zusammen mit den jungen
Amateur-SchauspielerInnen viele Tanzchoreografien ein geübt. Musik
aus der Konserve wird den passenden atmosphärischen Hintergrund
bilden.

Die Kostüme sind
einheitlich uniform. Das zeigt ihre kollektive Konformität, hinter
der sich ihr individueller Charakter verbirgt.

Erschwerend für die
gemeinsame Arbeit an der Jugendproduktion war die unterschiedlichen
Voraussetzungen der teilnehmenden jungen Akteure. Eine davon steht
selbst mitten im Abiturstress, andere studieren schon, oder der
Jüngste ist mit 16 Jahren noch etwas vom Abitur entfernt. Zudem gab
es da ja auch noch die kulturellen Unterschiede bei den Beteiligten.
Einige hatten schon Schauspielerfahrungen, andere nicht. Außerdem
gab es zwischendurch auch eine gewisse Fluktuation unter den
Teilnehmern der Produktion. Einige waren durch ihre anstehende
Abiturprüfung so eingespannt, dass sie frühzeitig ausgestiegen
sind.

Die verbliebenen
haben sich letztendlich gut zusammen gerauft, so die beiden
Regisseurinnen.

Die intensive
Aufführung wird etwa eine Stunde dauern.

Uraufführung:
09.03.2019 um 19:00 Uhr im KJT Sckellstraße

Karten & Infos
zur Premiere und weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie wie immer
unter www.theaterdo.de oder
Tel.: 0231/ 50 27 222