Spielzeiteröffnung des KJT auf der Kokerei Hansa

„Nachdem der Himmel glühte“

Rund ums Wasser dreht sich alles bei einem performativen Spaziergang über das Gelände der Kokerei Hansa in Huckarde. In Kooperation mit dem Künstlerkollektiv pulk fiktion und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur startet das Kinder-und Jugendtheater seine neue Spielzeit mit einer Uraufführung in aufregendem Ambiente.

Die letzten Sommer waren warm, trocken, oft zu heiß, es gab Sonne satt. Doch wohin geht das Wasser, wenn es nicht regnet? Geht es verloren, sammelt es sich irgendwo? In diesem Jahr dann das krasse Gegenteil mit häufigen Starkregen bis zur Hochwasserkatastrophe in der Eifel. Ob Wasserknappheit oder Überschwemmungen, anhand des Beispiels Wasser lässt sich der Klimawandel anschaulich verdeutlichen. pulk fiktion nimmt die Zuschauenden mit ins Gelände der Kokerei. Sie erkunden den Ort, folgen dem Verlauf des Wassers, verlieren dessen Fährte, begegnen Regenmacher*innen, kämpfen sich durch eine Dürre und suchen nach Lösungen.

Beim Pressetermin am Donnerstag betonte Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung, wie wichtig Ihnen eine regelmäßige Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler*innen sei: „Wir laden gerne Menschen ein, um sich mit diesem Ort zu beschäftigen, damit er nicht als Industriedenkmal nur nackte Kulisse ist, sondern ein lebendiger Ort mit einer inhaltlichen Brücke von heute zur Geschichte.“ Über den spannenden Ort sagte KJT-Intendant Andreas Gruhn: „Was ich so an der Kokerei Hansa liebe, ist, dass man alles sieht, was hier in der Vergangenheit passiert ist, aber gleichzeitig auch, wie sich die Natur wieder alles zurückerobert.“ Diese Mischung sei auch für den Abend „Nachdem der Himmel glühte“ wichtig, die Wahrnehmung des Geländes mische sich mit der Geschichte, die reale Welt mit der virtuellen.


Unser Foto vor dem alten Löschturm zeigt v.li. Matthias Schlensker, Unterstützer des Projektes, Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Norman Grotegut von pulk fiktion, Milena Kowalski, Intendant KJT, Andreas Gruhn, Leiter KJT und Amelie Barth ebenfalls pulk fiktion. (Foto: © Anja Cord)
Unser Foto vor dem alten Löschturm zeigt v.li. Matthias Schlensker, Unterstützer des Projektes, Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Norman Grotegut von pulk fiktion, Milena Kowalski, Intendant KJT, Andreas Gruhn, Leiter KJT und Amelie Barth ebenfalls pulk fiktion. (Foto: © Anja Cord)

Die Zuschauenden spazieren, teilweise auch mit Tablets und Videosequenzen, zu verschiedenen Stationen auf dem Gelände, wo sie auf die Schauspieler*innen des KJT-Ensembles treffen. „Es ist eine Reise in eine phantastische Welt, die wieder zurückgeführt wird zur Realität, wo es dann auch sehr konkret wird. Der Bezug zum Kernthema „Wasser“ ist zum Beispiel durch den Opa eines Guides gegeben, der Löschwagenfahrer war“, erzählt Norman Grotegut von pulk fiktion. Das Publikum werde interaktiv eingebunden und sollte festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung tragen, denn gespielt wird auch bei Regen. Der anderthalbstündige Spaziergang sei durchaus körperlich aktiv und es gehe auch auf den Kühlturm rauf.

Wer neugierig geworden ist und gerne mit dabei sein möchte am 22. August gibt es vier Vorstellungen á 90 Minuten, die erste beginnt um 18h, die folgenden Uhrzeiten sind 18.45h, 19.45h, 20.30h.




Nathan der Weise als Online-Format im KJT Dortmund

Am 18.03.2021 hatte in diesen Corona-Zeiten das Drama um Toleranz und Humanismus von Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781) seine Premiere als Online-Format im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater (KJT). Unter der Regie seines langjährigen Leiters Andreas Gruhn übertrug sein Ensemble die Geschichte um den reichen jüdischen Nathan in unsere virtuelle Gegenwart. In ihrem Internet-Blog erzählt Nathans Tochter Recha (Ann-Kathrin Hinz) ihre Geschichte und bedient sich der heutigen digitalen Möglichkeiten wie Google und Facebook. So werden die ZuschauerInnen an ihren Computern auf spannende Weise direkt in das Geschehen des Dramas eingeführt. Recha brennt darauf, nicht nur ihren Retter aus dem brennenden Haus, einen christlichen Ritter (eindringlich von Max Ranft gespielt), zu finden, sondern auch eine Antwort darauf zu finden, an was sie glauben soll.

Der Bühnenhintergrund ist minimalistisch nüchtern gehalten. Die aktuelle Brisanz des Themas wird schon durch die zeitgenössische Kleidung (Max Ranft etwa trägt eine militärische Tarnhose und als christliches Symbol ein Kreuz) deutlich, dem entgegen ist die Sprache die des Aufklärungs-Dramas von Lessing.

Das in vielen Schulklassen schon über einen langen Zeitraum vermittelte Statement für Toleranz, Gleichwertigkeit aller Religionen und Humanismus (Sinnbildhaft vor allem in der berühmten „Ring-Parabel“) sowie gegen fundamentalistische Gewalt und Machtansprüche, hat leider nichts von seiner Bedeutung verloren. Anschaulich werden in dem Online-Format Bilder von den brutalen Folgen unterschiedlicher religiös-fundamentalistischen Machtkriegen unserer Zeit eingeblendet.

 Rainer Kleinespel als Nathan mit Max Ranft als christlicher Tempelherr. Foto: (c) Birgit Hupfeld
Rainer Kleinespel als Nathan mit Max Ranft als christlicher Tempelherr. Im Hintergrund lauscht Daja (Bettina Zobel) Foto: (c) Birgit Hupfeld

Das gesamte Ensemble überzeugte in der Darstellung ihrer verschiedenen Rollen und Charakteren.

Alle außer Nathan der Weise (Rainer Kleinespel) haben alle zunächst mehr oder weniger mit ihren (menschlichen) Vorurteilen zu kämpfen.

Die Akzeptanz der Gleichwertigkeit aller Menschen, egal was sie glauben (oder nicht) ist für ein friedliches Zusammenleben von essentieller Bedeutung.

Zum Abschluss der Premiere kam auch noch ein betroffener Zeitzeuge im andauernden Palästina-Israel Konflikt zu Wort. Auch wenn die Hoffnung auf eine friedliche Lösung zwischen den Parteien sehr gering ist, gibt es dort Menschen die sich weiter dafür einsetzen.

Das Komplexe Werk von Lessing wurde auf eine unmittelbare Weise und in seiner Bedeutung für unsere Gegenwart auf die Bühne gebracht.

Es bleibt zu hoffen, dass es bald wieder möglich ist, wieder live als Zuschauerin und Zuschauer Theater zu erleben!

Das Online-Format richtet sich an ein Publikum ab 16 Jahren. Die nächsten Termine nach der Premiere sind finden am 19.21.23.24. und 25. März 2021 statt. Weitere Termine ab Ende April 2021.

Online-Tickets für 5,- Euro können ab Freitag, den12. März über den Webshop auf der Homepage des Theater www.theaterdo.de gebucht werden.




Ein lebensbejahender Monolog um das ernste Thema Depression

Mit „All das Schöne“ (von Duncan Macmillan mit Jonny Donahoe ab 14 Jahren) unter der Regie von Peter Kirschke stand ein Theaterstück um ein brisantes und immer aktuelles Thema auf dem Spielplan. Die Premiere im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) war am 01.10.2020.

Trotz vermehrter medialen Aufmerksamkeit etwa nach dem Suizid von Torwart Robert Enke wird die Problematik von den Betroffenen und ihren Angehörigen nicht offensiv in den Blickpunkt gerückt. Es ist ja nichts, was man in einer Gesellschaft, wo offiziell alle „erfolgreich, stark und selbstbewusst“ erscheinen möchten, gerne öffentlich macht. Sich früh Hilfe zu suchen, ist aber besonders wichtig.

Das Publikum bekam vor der Vorstellung eine Theatertasche mit Saft, etwas Schokolade, einem Taschenbuch und einige ein weißes Blatt mit nummeriert aufgeführten Dingen, die in dieser Welt schön sind. So wurden sie sofort in das Geschehen mit einbezogen. Die texte auf den Blättern wurden jeweils nach Aufruf vorgelesen.

Bianka Lammert überzeugte in den Solo-Stück "All das Schöne". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Bianka Lammert überzeugte in den Solo-Stück „All das Schöne“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Neben den Plätzen auf den Zuschauerbänken waren die beiden Seiten auf der Bühne mit Stühlen für die Zuschauer*innen bestückt. Personen aus dem Theaterumfeld wurden als „Vater“, „Schulpsychologin“ oder späterer Ehemann in das Geschehen eingebracht.

Schauspielerin Bianka Lammert erzählte die Geschichte einer Frau, die schon als siebenjähriges Kind mit der Depression und dem ersten Suizidversuch ihrer Mutter konfrontiert wird. Eindringlich und mit viel Empathie brachte die Schauspielerin die hoffnungsvollen, fast schon verzweifelten Versuche des Kindes, ihre Mutter mit ihrer nummerierten, stetig wachsenden Liste von den schönen Dingen des Lebens auf die Bühne. Auch die Rat und Hilflosigkeit des Vaters wird deutlich.

Die unterschiedlichen Stimmungen wurden jeweils mit eingespielten Musikausschnitten untermalt. Vorwiegend steht die von der Mutter geliebte Soul-Musik von Ray Charles im Mittelpunkt, aber bei Konflikten schräge (Free) Jazz-Klänge.

Auch Tanz und Humor sowie komische Momente spielten zwischendurch immer wieder ein wichtige Rolle.

Auf den zweiten Suizidversuch der Mutter zehn Jahre später reagiert die Erzählerin als Teenager mit Wut und setzt ihre Liste mit Vehemenz auch während des Studiums fort. Sie heiratet ihre Studium-Liebe, der sie drängt, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Klar ist, es geht nicht nur um ihre Mutter, sondern um den eigenen Kampf gegen die Traurigkeit und Depression. Außerdem geht es darum , mit dem Gefühl des Versagens auseinander zu setzen, als ihre Mutter sich letztendlich das Leben nimmt.

Erst Jahre nachdem ihr Mann sich getrennt hat , findet sie die Kraft, sich über eine Selbsthilfegruppe und ihrer früheren Schulpsychologin Unterstützung zu holen und ihr Ziel, die Nr. 1.000 000 auf der Liste zu erreichen.

Eine starke Schauspielleistung und wichtiger lebensbejahender Monolog zu diesem sehr ernsten Thema.

Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222.




Umgang mit Isolation als aktuelles Thema im Kinder- und Jugendtheater

Die Stückentwicklung „miss you“ unter der Regie von Antje Siebers im Kinder und Jugendtheater Dortmund (ab 12 Jahren) beschäftigt sich besonders in der Zeit der Corona-Pandemie mit dem Thema des Umgangs mit Isolation und Suche nach Nähe. Wie gehen wir damit um, auf uns selbst zurückgeworfen zu sein?

Nicht nur in diesen Zeiten ein Thema, was uns alle betrifft und wo wir uns wiederfinden können.Die Premiere im KJT unter Corona-Bedingungen war am 18.09.2020,

Fünf Schauspieler*innen des Ensembles (Thomas Ehrlichmann, Ann-Kathrin Hinz, Andreas Ksienzyk, Max Ranft und Bettina Zobel), atmosphärisch begleitet von Musiker Manuel Loos, führten die Zuschauer*innen in die verschärfte Pandemie-Zeit April 2020.Da hatte uns Corona noch stärker als im Augenblick an unseren Wohnungen gebunden.

In Zeiten des Lockdowns gefangen in der engen Wohnung: Szenenbild mit Ann-Kathrin Hinz  und Thomas Ehrlichmann. (Foto: © Birgit Hupfeld)
In Zeiten des Lockdowns gefangen in der engen Wohnung: Szenenbild mit Ann-Kathrin Hinz und Thomas Ehrlichmann. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Bei der Recherche wurden sie zudem von der Klasse 6c des Goethe-Gymnasiums und ihrer Klassenlehrerin unterstützt. Mit ihren Corona-Tagebüchern aus der Zeit der Selbstisolation wurden ihre Wünsche, Ängste, Sehnsüchte u.s.w. in Form von Tonaufnahmen und Videoprojektionen auf die Bühnenleinwand projiziert.

Mit schwarz-gelbem Klebeband wurden die isolierten engen Wohnräume der fünf Schauspieler*innen auf der Bühne anschaulich manifestiert. Jede der Personen geht mit der Situation anders um und versucht, dass Beste daraus zumachen.

Die einen flüchten sich in schöne Träume und Erinnerungen, andere in Sport oder Renovierungsarbeiten. Die Träume und Erinnerungen wurden mit Hilfe einer Kamera und Miniaturpuppen oder Landschaften als Projektion auf der Leinwand sichtbar gemacht. Wenn die Wohnung verlassen wurde, war Abstand halten und Mund-Nasenmaske zum Schutz einzuhalten.

Witzige Tanz- und Bewegungschoreografien mit Tempo wechselten sich mit meditativ-ruhigeren Passagen ab. Eine Prise Humor war auch mit dabei.

Die Schauspieler*innen hatten die Gelegenheit, ihre emotionale Bandbreite von traurig, sentimental, witzig bis aufbrausend ausspielen.

Informationen zu weitere Aufführungsterminen und Karten erhalten Sie:

Tel.: 0231/ 50 27 222 oder unter www.theaterdo.de




Wenn eine Giraffe einen Pinguin besucht oder Neugier kann sich lohnen

Mit der Premiere von „Viele Grüße, Deine Giraffe“ in der Bühnenfassung von Nadine Schwitter (nach einem Bilderbuch von Megumi Iwasa) startete am Freitag, dem 11.09.2020 das Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) in die neue Spielzeit 2020/2021.

In Corona-Zeiten galt es, viele Auflagen zu erfüllen. So wurde das Publikum nur einzeln eingelassen und zu den Plätzen geführt. Vorher musste jeder einen Bogen mit persönlichen Daten ausfüllen. Die Anzahl der Zuschauer*innen war reduziert.

Auf der Bühne erwartete das junge (und jung gebliebene) Publikum eine durch eine hellblaue Wand geteilte Drehbühne. Gemalte Wolken und eine Tür am Horizont ließ sich je nach Bedarf öffnen.

Die Giraffe (Bianka Lammert) wird vom Pinguin (Johanna Weißert) herzlich begrüßt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Giraffe (Bianka Lammert) wird vom Pinguin (Johanna Weißert) herzlich begrüßt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Geschichte ist eine Erzählung (ab 4 Jahre) über eine besondere Begegnung, übers Briefschreiben und darüber, wie aus Langeweile ein Abenteuer werden kann.

Es ist einer Ermutigung, sich mit Mut, Neugier und ohne Ängste auf den oder das Unbekannte einzulassen. Es kann sich lohnen.

Ein Kompliment an die Ausstattung von Eugenia Leis. Die Kostüme waren mit Humor und Liebe zu kleinen Details ausgewählt.

Mit viel Engagement, witzigen Grimassen und Spiellaune füllten die Schauspieler*innen Bianka Lammert (Giraffe), Johanna Weißert (Pinguin), Rainer Kleinespel (Pelikan / Walprofessor) sowie Maria Trautmann (Musikerin / Robbe) ihre Rollen aus.

Die musikalische Livebegleitung mit Posaunenklängen und Einspielungen begleiteten die Geschichte atmosphärisch und zu den jeweiligen Tieren passend.

Ein gelungener Start trotz aller Widrigkeiten.

Karten und Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie unter:

Tel.: 0231 / 50 27 222 oder www.theaterdo.de




Zum Glück zurück: Theatraler Spaziergang am KJT

In vom Coronavirus beeinträchtigten Zeiten bietet das Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) mit seinem gesamten Ensemble für Interessierte einen theatralen Spaziergang unter dem Titel „Zum Glück zurück“ rund um das Haus in natürlicher Umgebung. Ars tremonia war bei der Premiere am 12.06.2020 dabei.

Das Angebot wendet sich vor allem an Kinder. Bewegung, Möglichkeit zum Mitmachen, nachdenkliche aber auch lustige Beiträge der oft als Tiere verkleideten Ensemble-Mitglieder wechselten sich ab.

Die in Kleinstgruppen aufgeteilten TeilnehmerInnen starteten in Abständen von sieben Minuten zu den verschiedenen Standpunkten mit verschiedene Überraschungen.

Bevor es Losging, mussten sie sich zunächst vorschriftsmäßig mit ihren persönlichen Daten in eine Liste eintragen und bekamen eine Papiertüte mit Kugelschreiber , Bonbons und Karten mit Wäscheklammern zum Aufhängen. Dann ging das Abenteuer los.

Bei Ann-Kathrin Hinz konnten die TeilnehmerInnen stilecht eine Flaschenpost aufgeben. (Foto: © Edi Szekely)
Bei Ann-Kathrin Hinz konnten die TeilnehmerInnen stilecht eine Flaschenpost aufgeben. (Foto: © Edi Szekely)

Der Weg wurde mit Kreide aufgezeichneten Pfeilen, Kreisen oder Zahlen mit unterschiedlichen Hinweisschildern geschleust. Bei der ersten Haltestelle ging es gleich zu einem als Schiff angemalten Sehnsuchtsort. Es ging darum, was wir gerade in dieser Zeit vermissen. Am Ende hatten die TeilnehmerInnen Gelegenheit, die auf einem der leeren Zettel aus der Tüte aufgeschriebenen Dinge, die sie vermissen, in aufgehängten kleinen Flaschen zu stecken.

An anderer Stelle des Spaziergangs konnte man seine Wünsche auf einen der Zettel aufreiben und an eine einen Zaun mit den Klammern befestigen.Schön war, das die vorhandene Natur mit einbezogen wurde an unterschiedlichen Kräutern gerieben und gerochen werden konnte.

Die Kinder (aber auch die Erwachsenen) hatten sichtlich ihren Spaß. Am 18., 19. und 21.06.2020 sind, soweit das Wetter mitspielt, weitere theatrale Spaziergänge am KJT vorgesehen. Am 18.06.2020 ist Beginn um 16:00 Uhr, an den anderen Terminen um 18:00 Uhr

Anmeldung unter unter glueck@theaterdo.de

Der Spaziergang wird kostenlos angeboten. Festes Schuhwerk ist von Vorteil.




Das Auerhaus und die schwierige Lebensbewältigung

Die neue Jugendclubproduktion „Auerhaus“ unter der Regie, Choreografie und Dramaturgie von Milena Kowalski & Lioba Sombetzki hatte am 29.02.2020 im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) seine von allen Beteiligten mit Spannung erwartete Premiere. Grundlage für die Stückentwicklung war der gleichnamige Roman von Bov Bjerg (Stückfassung von Robert Koall). Akteure auf der Bühne waren sechs junge Schauspieler*innen des Jugendclubs.

Zum Stück: Der achtzehnjährige Frieder (Anis Alfakhouri) landet nach einem misslungenen Suizidversuch mit den Tabletten seiner Mutter zunächst in der Psychiatrie. Damit er nach seiner Entlassung nicht alleine lebt, wohnt er mit zunächst mit Höppner (Lea Zimmermann), der mahnenden Vera (Julia Kubensky) und Cäcilia (Mareike Stötzel) im „Auerhaus“ (nach „Our house“ von Madness).

Der Einkaufswagen wurde bei "Auerhaus" nicht nur zum Einkaufen benutzt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Der Einkaufswagen wurde bei „Auerhaus“ nicht nur zum Einkaufen benutzt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Später ziehen auch noch die Pyromanin Pauline (Gianna Pellarin) und der etwas flippige Harry (Sadoun Alsinou) ein. Dort leben sie ein richtiges Leben mit Aufstehen, Frühstücken, Einkaufen (oder auch Klauen), Kochen und Aufpassen auf den selbstmordgefährdeten Frieder. Es geht um Party feiern, Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Einsamkeit und Tod. Wie geht Leben, was bleibt am Ende? Nach dramatischen Ereignissen gerät die Lage außer Kontrolle und das gemeinsame Leben im „Auerhaus“ findet ein Ende. Welche Lebensperspektiven erfüllen sich für die Jungen Leute kurz vor dem Abitur?…

Die Kleidung und Musik waren stark an die 80er und 90er Jahre angelehnt. Stühle, Kartons, Discokugeln in verschiedenen Größen, Schwämmchen, silberne Pompons oder ein Einkaufswagen wurden geschickt multifunktional genutzt,

Einfallsreiche Tanzchoreografien zum Beispiel am Anfang zu „Our house“, oder später nach „Tom‘s Diner“ (Suzanne Vega) und „Barbie Girl“ (Aqua) sorgten für gute Stimmung.

Die jungen Schauspieler*innen überzeugten durch einer besonderen Leichtigkeit in ihrem Spiel. Dabei beeindruckten sie sowohl in den ernsten Momenten mit tiefgehenden Gesprächen, wie auch beim WG- und Party-Spaß. Im „Auerhaus“ sind sie füreinander da. Jedoch um eins klarzustellen: Bei diesem Stück gibt es kein Hollywood-Ende.

Lea Zimmermann hatte mit der Rolle den jungen Erwachsenen Höppner als Frau die besondere Herausforderung, sich nicht nur in einen Mann hinein zu versetzen, sondern auch glaubhaft auf der Bühne darzustellen. Sie meisterte diese Aufgabe mit Lockerheit.

Die verschiedenen Charaktere wurden von den Schauspieler*innen gut verkörpert.

Die nächste Gelegenheit das Stück für Jugendliche ab 14 Jahren zu erleben, gibt es am 07.03.2020 (20:00 Uhr).

Infos erhalten Sie wie immer unter https://www.theaterdo.de/detail/event/auerhaus/ und Tel.: 0231/ 50-27222.




Leben lernen

Am 29. Februar 2019 präsentiert das Kinder- und Jugendtheater (KJT) eine neue Produktion des Jugendclubs. Auf die Bühne kommt das Stück „Auerhaus“ nach dem Roman von Bov Bjerg. Die Stückfassung besorgte Robert Koall.

Die Geschichte dreht sich um den Jugendlichen Frieder, der nach einem gescheiterten Selbstmordversuch quasi zur Therapie, in einem x-beliebigen Kaff in Deutschland auf dem alten Hof seines Großvaters lebt. Um nicht alleine mit seinem Opa zu leben, kommen weitere Menschen hinzu: Höppner, Vera, Cäcilia, Harry und Pauline. Die Jugendlichen machen den Hof zu ihrem „Auerhaus“ – nach dem bekannten Song „Our House“ von Madness aus dem Jahre 1983. Das Stück selbst spielt in den 90er Jahren, die Kostüme und die Musik werden aus dieser Epoche sein.

Die sechs Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe zu "Auerhaus". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die sechs Mitglieder des Jugendclubs bei der Probe zu „Auerhaus“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Trotz der harten Story geht es in dem Stück auch um die Frage, wie gehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen damit um, zum ersten Mal auf eigenen Füßen zu stehen, sich zu arrangieren oder aber auch Blödsinn zu machen. Oder kurz gesagt: Wie geht Leben?

Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind sechs Mitglieder des Jugendclubs. Sie sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. „In den Stück ist viel von den jungen Erwachsenen eingeflossen“, so Milena Kowalski und Lioba Sombetzki vom KJT, die für die Regie, Dramaturgie und Choreografie verantwortlich sind. Ab Oktober wurde einmal wöchentlich geprobt, dazu gab es ein Intensivwochenende. „Das Stück ist ein vollwertiger Teil des Spielplans“, betonte Sombetzki. Es wird an sechs Terminen gezeigt und ist am 21. Mai 2020 im Rahmen des Festivals Unruhr zu sehen.

Für die Premiere sind noch Restkarten vorhanden. Die weiteren Termine sind unter https://www.theaterdo.de/detail/event/auerhaus/ zu finden.




Mit Optimismus und Mut gegen die Widrigkeiten des Lebens

Im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) hatte am Freitag, den 14.02.2020 „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ (Stück von Finn-Ole & Dita Zipfel nach den Kinderbüchern) in der Inszenierung von KJT-Direktor Andreas Gruhn seine Premiere.

Das Stück handelt von der dreizehnjährigen Paulina Schmitt, genannt Paule. Aber „Maulina“ passt eigentlich viel besser zu ihr. Sie zelebriert das Gemaule in ihrem Zuhause, dem „Königreich Mauldawien“ als Kunstform. Sie ist ein manchmal besserwisserisches Mädchen, dass mit Mut und Herz für Gerechtigkeit und den Erhalt ihrer Familie kämpft. Grund zum Maulen gibt es genug.

Ihre Eltern trennen sich, und sie muss zusammen mit ihrer Mutter in eine „Plastikwohnung“ ziehen.

Dann erfährt sie auch noch, das ihre Mutter an einer schnell fortschreitenden Form der Nervenkrankheit Multiplen Sklerose leidet. Wütend ist sie besonders auf ihren Vater, der im „Königreich Mauldawien“ mit seiner neuen Freundin wohnt und mit ihr noch einmal Vater wird. Sie möchte ihr „Königreich“ unbedingt wieder zurück. Mit Hilfe ihrer Freund*innen , dem neuen Kumpel Paul und vor allem ihren Opa stellt sich „Maulina“ mit Mut und Optimismus den schlechten Nachrichten ….

Das gesamte Ensemble ist in dieser dynamischen Inszenierung beteiligt, und auf der Bühne werden sie live von Manuel Loos musikalisch unterstützt. Er sorgt auch für die passenden Geräusche zu den Emotionen und dem Geschehen.

Die Bühne wurde zu einem zwei geteilten, durch einen Vorhang getrennten Raum, der sich nach Bedarf öffnen ließ. Auf der einen Seite das „Königreich“ und „Plastikwohnung“.

Am Anfang gab es eine Art Jamsession mit allen Beteiligten.. Alle vermittelten eine große Lebensfreude und Glück im „Königreich Mauldawien“. Flexibel nutzbare verschieden große Holzkisten dienten unter anderem als „Schlagzeug“.

Ann-Kathrin Hinz gelang es großartig, die positive Wucht, den Optimismus, die Verzweiflung und die Hoffnungen der Maulina auf die Bühne zu bringen. Rührend, wie sie bis zum Ende auf ein Wunder hofft und mit welcher Power sie ihrer Mutter helfen will. Einfühlsam wird die langsame Annäherung an ihren Vater, den sie zunächst nur „den Mann“ nennt erzählt.

Suchen nach einem Heiltrank für die kranke Mutter: ganz rechts Maulina (Ann-Kathrin Hinz) und ihre Freunde (v.l.n.r.) Thorsten Schmidt; Jan Westphal und Bianka Lammert). (Foto: © Edi Szekely)
Suchen nach einem Heiltrank für die kranke Mutter: ganz rechts Maulina (Ann-Kathrin Hinz) und ihre Freunde (v.l.n.r.)Thorsten Schmidt; Jan Westphal und Bianka Lammert). (Foto: © Edi Szekely)

Auch die anderen Schauspieler*innen ginge voll in ihren Rollen auf. Der weise Opa „General“, gespielt von Rainer Kleinespel, hatte Gelegenheit, sein gesangliches Können unter Beweis zu stellen. Einen schwierigen Part hatte Bettina Zobel, die als Mutter den zunehmenden Krankheitsverlauf sensibel und glaubhaft darzustellen. Sie meisterte diese Aufgabe überzeugend.

Neben den nachdenklich-traurigen Momenten gab es viele humorvolle Augenblicke. Freundschaft und Liebe dienten dabei als positive Kraft,um die Widrigkeiten des Lebens wie etwa Trennung, Krankheit und Tod fertig zu werden und immer wieder auf zu stehen. Frei nach einem alten Song der Gruppe „Herne 3“: „Immer wieder Aufsteh‘n, und immer wieder sagen: es geht doch!“.

Das Leben wird als Kreislauf von Entstehen und Vergehen, Geburt und Tod deutlich. Das wird Maulina eindrucksvoll in einen „Ausflug“ in die Geschichte der Evolution deutlich.

Gelegenheit, dieses Stück im KJT (Sckellstraße 5) zu erleben, gibt es an den Folgeterminen am 16.17.23. Februar 2020 sowie weiteren Terminen bis zum Spielzeitende.

Informationen erhalten sie wie immer unter www.theaterdo.de und 0231/50-27222.




Theaterstück über ein starkes Mädchen

„Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ ist die nächste Premiere im Kinder- und Jungendtheater. Das Stück ab 10 Jahren basiert auf die Buch-Trilogie von Finn-Ole Heinrich. Premiere ist am 14. Februar 2020 um 19 Uhr.

Das Stück ist ein Extrakt aus den drei Büchern, erklärte Andreas Gruhn, Regisseur und Leiter des Kinder- und Jungendtheaters. „Es geht auch um das Thema Sterben”, so Gruhn, aber nicht nur.

Im Mittelpunkt steht Maulina (die eigentlich Paulina heißt). Ihre heile Welt fällt plötzlich in sich zusammen: Zunächst trennen sich ihre Eltern, sie zieht zu ihrer Mutter, die aber an MS erkrankt und später stirbt. Die Wohnung ihrer Mutter nennt sie „Plastikhausen”, da alles behindertengerecht ist. Maulina muss nun mit Wohnortwechsel und Schulwechsel fertig werden.

Das Ensemble (v.l.n.r. Thorsten Schmidt, Ann-Kathrin Hinz, Bianka Lammert, Andreas Ksienzyk, Johanna Weißert, Rainer Kleinespel und Jan Westphal) bei den Proben zu "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt". Premiere ist am 14. Februar im KJT. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble (v.l.n.r. Thorsten Schmidt, Ann-Kathrin Hinz, Bianka Lammert, Andreas Ksienzyk, Johanna Weißert, Rainer Kleinespel und Jan Westphal) bei den Proben zu „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“. Premiere ist am 14. Februar im KJT. (Foto: © Birgit Hupfeld)

In dem Stück gibt es keine Figur, die „böse” ist, sondern alle versuchen, ihr Bestes zu geben. „Es ist sehr viel Liebe im Spiel, trotz der bitteren Erlebnisse, die Maulina ertragen muss“, erklärte Andreas Gruhn. Beste Voraussetzungen, um sich zu einem selbstbewussten Mädchen zu entwickeln. Sein Fazit: „Es ist eine traurige, aber auch komische Geschichte, die keine heile Welt vermittelt.“

In diesem Stück spielt das ganze Ensemble mit und es gibt mit Manuel Loos einen Live-Musiker. Loos war schon in Stücken wie „Am Boden” oder „Das Reich der Tiere” im Schauspielhaus aktiv. Zum ersten Mal ist er im KJT. Die Ausstattung ist von Susanne Ellinghaus.

Das Besondere an der Inszenierung ist, dass die Orte sehr schnell wechseln, es gibt so etwas wie eine Überblendung, so dass die Inszenierung sehr dynamisch wird.

Die Premiere ist ausverkauft, für Montag gibt es noch Restkarten, für Sonntag sind noch Karten erhältlich.

Mehr Informationen unter www.theaterdo.de