Liebe ist immer anders

Ich Lieb Dich – Theaterstück von Kristo Sagor für Erwachsene ab 8 Jahren

„Ich lieb Dich“, gesteht Julian seiner besten Freundin Lia, die ihm keck und selbstbewusst antwortet: „Ich Dich nicht!“ Daraus entspinnt sich ein Reigen über Liebe, lieben und Vorlieben, deren Bedeutung, in verschiedensten Ebenen.

Nur die Antwort bleibt Lia für Julian offenbar nicht begründet, denn er will das warum „nicht“ wissen. Für Menschen im Pubertieralter durchaus ein zur Beantwortung stehendes Problem. Ich lieb/e Dich, Du nicht? Warum?

Lia (Bianka Lammert) und Julian (Thomas Ehrlichmann) und die Rätsel der Liebe. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Lia (Bianka Lammert) und Julian (Thomas Ehrlichmann) und die Rätsel der Liebe. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Um dieses warum entspinnt sich der Reigen von Ebenen, Zeiten und Personen. Bianka Lammert und Thomas Ehrlichmann schlüpfen dabei ohne Pause, Absatz, Punkt oder Komma in Ebenen, Zeiten und Personen, um das Thema Liebe zu ergründen.

Da sind die Großeltern von Lia, von denen wir im Stück lernen, dass der Opa lange vor der Oma von Lia starb. Oder die Eltern von Julian, die, wie wir erfahren müssen sich das Scheitern ihrer Ehe und Liebe eingestehen und sich zur Scheidung entschlossen haben. In dem Zusammenhang lernen wir auch den Unterschied von „Ich liebe Dich“ und „Ich lieb´ Dich“ kennen.

Wir lernen alte Lieben und Vorlieben von Julian kennen, wie Zitroneneis und Kastanien, eigentlich das Sammeln, einen Geruch, oder klebrige Hände vom Eis, ein quiekendes Meerschweinchen mit Namen Moppi … aber auch einen Blick in die Zukunft, eine zukünftige Liebe, die Julian an Lia erinnert. Dass er jetzt doch lieber Cola-Eis mag.

Was ist Liebe? Wo kommt sie her? Wann beginnt sie? Ist sie Verlustangst? Hass? Alle Gefühle auf ein Mal? Wann hört Liebe auf?

Am Ende ist eines klar: Liebe ist immer anders, bei jedem, und sie verändert sich, einen selbst, den anderen, und alles um einen herum. Julian wird eines am Ende klar … er hat Lia auch als Freundin verloren, weil sie bei einem Unfall starb, aber es gibt für ihn eine Liebe, die immer da ist.

Bianka Lammert als Lia fantastisch und überzeugend. Mit ihrem ersten Auftritt auf der Bühne, einem Erscheinen gleich, während Julian Gitarre spielt, kündigt sie in ihrer unnachahmlichen Art ein Ereignis aus der Zukunft des Stückes an, das man am Beginn weder kennt noch erahnt.

Thomas Ehrlichmann als Julian ist der 14-jährige in Lia verliebte Julian, der par tout wissen will, warum Lia ihn nicht liebt, wodurch er mit Lia auf die Reise zur Ergründung von der Liebe geht … Dass diese Reise seine Gedanken sind, erfährt der Zuschauer erst zum Ende …

Das Stück ist vielschichtig, anregend, erklärend und durch die Sprünge in Zeiten und Räumen, zwischen und zu Personen zur Aufmerksamkeit zwingend. Der Aufbau hat etwas von einem modernen TV Stück seh gerecht für junge und junge gebliebene Erwachsene.

Regie – Bert Geurkink

Julian – Thomas Ehrlichmann

Lia – Bianka Lammert

Ausstattung – Gus van Geffen, Anneloes van Assem

Musik – Wiebe Gotink

Dramaturgie Milena Noëmi  Kowalski

Regieassistenz – Jana Radowski




Kein leichter Fall im Kinder und Jugendtheater Dortmund

Das Dortmunder KJT befasst sich in seinem Stück für Jugendliche ab 14 Jahren „Kein leichter Fall“ ( David S. Craig, aus dem Englischen von Anke Ehlers) unter der Regie von Johanna Weissert mit einem kontroversen und komplexen Thema. Es geht um den sogenannte „Täter Opfer Ausgleich (TOA)“ bei jugendlichen Straftätern.

Ziel ist es, eine Art außergerichtliche Konfliktbewältigung zwischen den Beschuldigten und Geschädigten zu erreichen. Die TOA ist freiwillig und wird von einer neutralen Person (Mediator*in) vermittelnd begleitet. Die Vereinbarung am Ende muss von beiden Seiten unterschrieben werden. Die Hoffnung dabei ist, rechtzeitig den jugendlichen Straftätern die Folgen ihres Handels vor Augen zu führen, und wenn möglich, ihre Empathie gegenüber dem Opfer zu fördern. Ein frühzeitiges regulatives Eingreifen zum Nutzen für die Gesellschaft.

Eine harte Nummer ist dieser „Täter Opfer Ausgleich“. Zusehen ist das Ensemble: Andreas Ksienzyk, Ann-Kathrin Hinz, Bettina Zobel, Bianka Lammert und Thomas Ehrlichmann (Foto: © Birgit Hupfeld)
Eine harte Nummer ist dieser „Täter Opfer Ausgleich“. Zusehen ist das Ensemble: Andreas Ksienzyk, Ann-Kathrin Hinz, Bettina Zobel, Bianka Lammert und Thomas Ehrlichmann (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Premiere des Stücks war am 01.10. 2021:

Daniel „Didi“ Timmermann (Thomas Ehrlichmann) ist mit zwei anderen Jugendlichen bei der alten und alleinstehenden Gerda Ross (Bettina Zobel) eingebrochen, hat die Einrichtung verwüstet, beschmiert sowie Medaillen des verstorbenen Mannes gestohlen.

Die Mediatorin Vanessa (Nessa) Kallmann (Ann-Kathrin Hinz) hofft und tut alles dafür, dass sich Daniel zu einem TOA bereit erklärt. Er ist zunächst abweisend und tut so, als würde ihn das ganze nicht wirklich berühren. Seine Mutter Yvonne Timmermann, geb. Maier hat nicht nur Wut auf den von ihr getrennt lebenden, oft gewalttätigen Ex-Mann, sondern vermutet sofort ein Komplott gegen ihren Sohn und führt das Wort bei dem Gespräch mit der Mediatorin.

Nicht nur bei Daniel und seiner Mutter hat Vanessa Kallmann ein „schweres Brett zu bohren“, sondern auch bei Thomas Ross (Andreas Ksienzyk), selbstständig mit eigenem Betrieb, dem Sohn des Opfers.

Da seine Mutter wegen starker Verängstigung nicht mehr in ihrer Wohnung leben kann, ist sie im Augenblick bei ihm und seiner Familie untergebracht.

Er hat Aggressionen und Hassgefühle gegenüber Daniel. Der Täter sollte doch härter bestraft werden. Das sei das einzige, was helfen würde und gerecht wäre.

Letztendlich kommt es zum Täter Opfer Ausgleichs-Treffen und einer ganz langsamen, behutsamen Annäherung zwischen Täter und Opfer, während Daniels Mutter und Ernas Sohn, der klare Worte spricht, sich zunächst noch anschreien.

Eine Vereinbarung wird vor allem durch Gerda Ross, die Empathie und Stärke zeigt herbeigeführt.

Die Schauspieler*innen überzeugten mit ihrer sensiblen Darstellung der unterschiedlichen Personen und deren subjektiven Befindlichkeit.

Am Ende bleiben Fragen: Wann ist eine Strafe oder etwa ein TOA gerecht? Was bedeutet Gerechtigkeit bei oft ungerechten gesellschaftlichen Bedingungen?

Informationen und Karten für die weiteren Vorstellungen unter www.theaterdo.de oder 0231/ 50 27 222

Auch Schulklassen können sich gerne anmelden.




Evelyn Glennies Kampf für ihren Traum

Nach längerer Corona bedingter Pause freuten sich am Freitag, dem 24.09.2021 alle Beteiligten im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) mit „Playing from the heart“ von Charles Way unter der Regie von Antje Siebers eine Premiere vor Publikum in ihrem Haus feiern zu können. Das Stück basiert auf einer wahren Geschichte und ist für Kinder ab 10 Jahren.

Evelyn Glennie wächst bei ihrer Familie auf einen Bauernhof in Schottland auf. Durch eine Nervenkrankheit verliert sie nicht nur ihr Gehör, sondern scheinbar auch ihren Wunsch, Profimusikerin zu werden. Schon mit 12 Jahren begann sie, Perkussionsinstrumente (Pauken, Trommel, Becken, Xylofone) zu spielen.

Maria Portugal an den Percussion-Instrumenten und das Ensemble von "Playing from your heart". (Foto: © Florian Dürkopp)
Maria Portugal an den Percussion-Instrumenten und das Ensemble von „Playing from your heart“. (Foto: © Florian Dürkopp)

Mit Mut und Willenskraft verfolgte sie trotz ihrer Taubheit ihren großen Traum. Heute ist sie eine weltberühmte Komponistin und Perkussionistin.

Siebers arbeite bei ihrer Inszenierung geschickt mit verschiebbaren Wänden mit halbdurchlässiger Gaze. Diese ermöglichten sowohl Rückblicke, standen aber auch symbolisch für die „unsichtbare Trennung“ der Welten von „normal Hörenden“ und der tauben Evelyn.

Auf der Bühne war ein großes Klettergerüst und einem Drehrad mit Neon-Leuchtfarben an den Rändern und stilisierten Wolken. Schauspielerin Ann-Kathrin Hinz thronte als Evelyn am Anfang oben auf dem Gerüst und führte in deren Geschichte ein.

Das Gerüst stellt den Kornspeicher des Bauernhofs dar, wo sie als Kind kletterte und Königin in ihrer Welt war. Sie muss sich gegen ihre großen Brüder Colin (Max Ranft) und Roger (Thomas Ehrlichmann) und zankt wie in Familien üblich ab und zu mit ihnen. Ranft und Ehrlichmann schlüpften auch noch mit viel Lust an der Verwandlung in diverse andere Rollen.

Bettina Zobel zeigte ihre Vielseitigkeit sowohl als besorgt-liebende Mutter wie auch in verschiedene andere Rollen.

Ann-Kathrin Hinz verkörperte die Evelyn nicht nur mit viel Engagement, sondern auch mit viel Empathie für deren Situation als nicht mehr normal die Welt Hörende. Ob sie versucht, ihren Hörverlust durch Lippenlesen zu verheimlichen, bei der Verkörperung all ihrer Emotionen, und wie sie langsam lernt und erfährt, mit anderen Sinnen, Herz und Körper sowohl zu hören als auch zuzuhören.

Für die Inszenierung hat sich Hinz extra fünf Wochen als Perkussionistin ausprobiert.

Ein bedeutender Faktor war die von Maria Portugal extra für dieses Stück entwickelte sensible auf die Stimmungen angepasste und live dargebrachte Musik auf ihren Perkussionsinstrumenten. Zudem bildeten sie und Hinz beim Zusammenspiel gegen Ende ein gut eingespieltes Team.

Eines wurde deutlich: Wie schwer es für einen nicht betroffenen ist, sich in die Welt der Gehörlosen hineinzuversetzen.

Der gesprochene Text wurde zusätzlich auf eine kleine Leinwand für taube Besucher*innen der Veranstaltung projiziert. Aufführungen in Gebärdensprache sind übrigens für das nächste Jahr geplant.

Informationen und Karten für weiter Vorstellungen unter Tel.: 0231/50 27 222 oder www.theaterdo.de




Geschichten über das Wasser auf der Kokerei Hansa

Ein spannendes Erlebnis bot die performative Führung des Kinder und Jugendtheaters Dortmund bei der Premiere von „Nachdem der Himmel glühte“ auf der Kokerei Hansa. Mit einem Spaziergang über das Gelände brachten die Schauspieler des KJT die Jugendlichen mit dem Thema Wasser in Kontakt . Auf dem Weg durch das Industriedenkmal erlebten die Jugendlichen die verschiedensten Szenarien und Geschichten rund um dieses aktuelle Thema.

Ausgerüstet mit Tablets und Kopfhörern folgte die Gruppe dem jungen Calvin, gespielt von Max Ranft. Er brachte die Gedanken ins Rollen, indem er von den industriellen Zeiten erzählte, wo Wasser zur Kühlung der Kokskohle tonnenweise verbraucht wurde und man sich wenig Gedanken über die wertvolle Ressource machte. Dennoch gab es auf dem Gelände eine Art Kreislaufsystem, durch Wasserbecken und Sickeranlagen konnten 40 % des Wassers wieder verwendet werden. Der Rest wurde, mehr oder weniger verschmutzt, in die Emscher geleitet. Einen Bogen zur heutigen Klimaproblematik schlägt der Erzähler mit Unterstützung liebevoll inszenierte Kurzvideos, die an verschiedenen Punkten der Führung gemeinsam abgerufen wurden. In kleinen Erzählstücken berichtete zum Beispiel der Opa von Calvin seine Geschichte als Lokführer auf der Kohlenbahn der Kokerei, das Wasser selbst erhält ebenfalls eine Stimme und klagt, dass es jetzt für immer verschwinden wolle, da es zu wenig Beachtung und Wertschätzung von den Menschen erhielte.

Max Ranft als Calvin in der Kokerei Hansa. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Max Ranft als Calvin in der Kokerei Hansa. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Calvin berichtete von einer Verbündeten die der Mensch im Kampf um das Wasser habe. Gemeinsam machten sich deshalb alle auf die Suche nach der Regentrude. Ein Fabelwesen mit besonderer mystischen Beziehung zum Wasser. Auf der Suche nach der Regentrude fing es tatsächlich an zu regnen. Während wir in einem der großen Türme bis in die oberste Etage kletterten kam auch noch ein kräftiges donnern dazu, irgendwie schien das Wetter zur Geschichte zu passen. Der Regen kommt, der Regen geht die Sonne strahlt, die Wolken ziehen vorbei und wieder donnert es. Die Regentrude wurde gefunden, allerdings kann auch sie nicht mehr helfen, da das Wasser aktiv beschlossen hat abzutauchen. Ab hier versuchen Calvin und die Jugendlichen Lösungen zu finden, um das Wasser zu behalten. Sie schrieben Demo-Plakate mit ihren eigenen Parolen und zogen als Demonstranten durch das Kokerei Gebäude. Dabei skandierten sie ihre Wünsche nach einer besseren Umwelt. .

Bei einer kleinen Erfrischung erfuhren die Jugendlichen, dass auch Kinder vor Gericht ziehen können um für eine bessere Klimapolitik zu kämpfen.

Zum Ende der eindrucksvollen Führung wurde ein kleiner Demonstrationszug vor einer aufwallenden Wasserkaskade gefilmt.

Die Führung war mit kleinen Zwischensprints auf der Suche nach der Regentrude und dem Aufstieg in den Turm durchaus sportlich angelegt. Der fließende Übergang zwischen spielerischer Begeisterung, Informationen und eigenen Aktionen begeisterte die ganze Gruppe.

Diese Uraufführung des KJTs entstand in Kooperation mit dem Künstlerkollektiv pulk fiktion und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.

Weitere Termine mit jeweils vier Timeslots gibt es am 29. August, 8., 12. und 14. September.




Spielzeiteröffnung des KJT auf der Kokerei Hansa

„Nachdem der Himmel glühte“

Rund ums Wasser dreht sich alles bei einem performativen Spaziergang über das Gelände der Kokerei Hansa in Huckarde. In Kooperation mit dem Künstlerkollektiv pulk fiktion und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur startet das Kinder-und Jugendtheater seine neue Spielzeit mit einer Uraufführung in aufregendem Ambiente.

Die letzten Sommer waren warm, trocken, oft zu heiß, es gab Sonne satt. Doch wohin geht das Wasser, wenn es nicht regnet? Geht es verloren, sammelt es sich irgendwo? In diesem Jahr dann das krasse Gegenteil mit häufigen Starkregen bis zur Hochwasserkatastrophe in der Eifel. Ob Wasserknappheit oder Überschwemmungen, anhand des Beispiels Wasser lässt sich der Klimawandel anschaulich verdeutlichen. pulk fiktion nimmt die Zuschauenden mit ins Gelände der Kokerei. Sie erkunden den Ort, folgen dem Verlauf des Wassers, verlieren dessen Fährte, begegnen Regenmacher*innen, kämpfen sich durch eine Dürre und suchen nach Lösungen.

Beim Pressetermin am Donnerstag betonte Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung, wie wichtig Ihnen eine regelmäßige Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler*innen sei: „Wir laden gerne Menschen ein, um sich mit diesem Ort zu beschäftigen, damit er nicht als Industriedenkmal nur nackte Kulisse ist, sondern ein lebendiger Ort mit einer inhaltlichen Brücke von heute zur Geschichte.“ Über den spannenden Ort sagte KJT-Intendant Andreas Gruhn: „Was ich so an der Kokerei Hansa liebe, ist, dass man alles sieht, was hier in der Vergangenheit passiert ist, aber gleichzeitig auch, wie sich die Natur wieder alles zurückerobert.“ Diese Mischung sei auch für den Abend „Nachdem der Himmel glühte“ wichtig, die Wahrnehmung des Geländes mische sich mit der Geschichte, die reale Welt mit der virtuellen.


Unser Foto vor dem alten Löschturm zeigt v.li. Matthias Schlensker, Unterstützer des Projektes, Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Norman Grotegut von pulk fiktion, Milena Kowalski, Intendant KJT, Andreas Gruhn, Leiter KJT und Amelie Barth ebenfalls pulk fiktion. (Foto: © Anja Cord)
Unser Foto vor dem alten Löschturm zeigt v.li. Matthias Schlensker, Unterstützer des Projektes, Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Norman Grotegut von pulk fiktion, Milena Kowalski, Intendant KJT, Andreas Gruhn, Leiter KJT und Amelie Barth ebenfalls pulk fiktion. (Foto: © Anja Cord)

Die Zuschauenden spazieren, teilweise auch mit Tablets und Videosequenzen, zu verschiedenen Stationen auf dem Gelände, wo sie auf die Schauspieler*innen des KJT-Ensembles treffen. „Es ist eine Reise in eine phantastische Welt, die wieder zurückgeführt wird zur Realität, wo es dann auch sehr konkret wird. Der Bezug zum Kernthema „Wasser“ ist zum Beispiel durch den Opa eines Guides gegeben, der Löschwagenfahrer war“, erzählt Norman Grotegut von pulk fiktion. Das Publikum werde interaktiv eingebunden und sollte festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung tragen, denn gespielt wird auch bei Regen. Der anderthalbstündige Spaziergang sei durchaus körperlich aktiv und es gehe auch auf den Kühlturm rauf.

Wer neugierig geworden ist und gerne mit dabei sein möchte am 22. August gibt es vier Vorstellungen á 90 Minuten, die erste beginnt um 18h, die folgenden Uhrzeiten sind 18.45h, 19.45h, 20.30h.




Nathan der Weise als Online-Format im KJT Dortmund

Am 18.03.2021 hatte in diesen Corona-Zeiten das Drama um Toleranz und Humanismus von Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781) seine Premiere als Online-Format im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater (KJT). Unter der Regie seines langjährigen Leiters Andreas Gruhn übertrug sein Ensemble die Geschichte um den reichen jüdischen Nathan in unsere virtuelle Gegenwart. In ihrem Internet-Blog erzählt Nathans Tochter Recha (Ann-Kathrin Hinz) ihre Geschichte und bedient sich der heutigen digitalen Möglichkeiten wie Google und Facebook. So werden die ZuschauerInnen an ihren Computern auf spannende Weise direkt in das Geschehen des Dramas eingeführt. Recha brennt darauf, nicht nur ihren Retter aus dem brennenden Haus, einen christlichen Ritter (eindringlich von Max Ranft gespielt), zu finden, sondern auch eine Antwort darauf zu finden, an was sie glauben soll.

Der Bühnenhintergrund ist minimalistisch nüchtern gehalten. Die aktuelle Brisanz des Themas wird schon durch die zeitgenössische Kleidung (Max Ranft etwa trägt eine militärische Tarnhose und als christliches Symbol ein Kreuz) deutlich, dem entgegen ist die Sprache die des Aufklärungs-Dramas von Lessing.

Das in vielen Schulklassen schon über einen langen Zeitraum vermittelte Statement für Toleranz, Gleichwertigkeit aller Religionen und Humanismus (Sinnbildhaft vor allem in der berühmten „Ring-Parabel“) sowie gegen fundamentalistische Gewalt und Machtansprüche, hat leider nichts von seiner Bedeutung verloren. Anschaulich werden in dem Online-Format Bilder von den brutalen Folgen unterschiedlicher religiös-fundamentalistischen Machtkriegen unserer Zeit eingeblendet.

 Rainer Kleinespel als Nathan mit Max Ranft als christlicher Tempelherr. Foto: (c) Birgit Hupfeld
Rainer Kleinespel als Nathan mit Max Ranft als christlicher Tempelherr. Im Hintergrund lauscht Daja (Bettina Zobel) Foto: (c) Birgit Hupfeld

Das gesamte Ensemble überzeugte in der Darstellung ihrer verschiedenen Rollen und Charakteren.

Alle außer Nathan der Weise (Rainer Kleinespel) haben alle zunächst mehr oder weniger mit ihren (menschlichen) Vorurteilen zu kämpfen.

Die Akzeptanz der Gleichwertigkeit aller Menschen, egal was sie glauben (oder nicht) ist für ein friedliches Zusammenleben von essentieller Bedeutung.

Zum Abschluss der Premiere kam auch noch ein betroffener Zeitzeuge im andauernden Palästina-Israel Konflikt zu Wort. Auch wenn die Hoffnung auf eine friedliche Lösung zwischen den Parteien sehr gering ist, gibt es dort Menschen die sich weiter dafür einsetzen.

Das Komplexe Werk von Lessing wurde auf eine unmittelbare Weise und in seiner Bedeutung für unsere Gegenwart auf die Bühne gebracht.

Es bleibt zu hoffen, dass es bald wieder möglich ist, wieder live als Zuschauerin und Zuschauer Theater zu erleben!

Das Online-Format richtet sich an ein Publikum ab 16 Jahren. Die nächsten Termine nach der Premiere sind finden am 19.21.23.24. und 25. März 2021 statt. Weitere Termine ab Ende April 2021.

Online-Tickets für 5,- Euro können ab Freitag, den12. März über den Webshop auf der Homepage des Theater www.theaterdo.de gebucht werden.




Ein lebensbejahender Monolog um das ernste Thema Depression

Mit „All das Schöne“ (von Duncan Macmillan mit Jonny Donahoe ab 14 Jahren) unter der Regie von Peter Kirschke stand ein Theaterstück um ein brisantes und immer aktuelles Thema auf dem Spielplan. Die Premiere im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) war am 01.10.2020.

Trotz vermehrter medialen Aufmerksamkeit etwa nach dem Suizid von Torwart Robert Enke wird die Problematik von den Betroffenen und ihren Angehörigen nicht offensiv in den Blickpunkt gerückt. Es ist ja nichts, was man in einer Gesellschaft, wo offiziell alle „erfolgreich, stark und selbstbewusst“ erscheinen möchten, gerne öffentlich macht. Sich früh Hilfe zu suchen, ist aber besonders wichtig.

Das Publikum bekam vor der Vorstellung eine Theatertasche mit Saft, etwas Schokolade, einem Taschenbuch und einige ein weißes Blatt mit nummeriert aufgeführten Dingen, die in dieser Welt schön sind. So wurden sie sofort in das Geschehen mit einbezogen. Die texte auf den Blättern wurden jeweils nach Aufruf vorgelesen.

Bianka Lammert überzeugte in den Solo-Stück "All das Schöne". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Bianka Lammert überzeugte in den Solo-Stück „All das Schöne“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Neben den Plätzen auf den Zuschauerbänken waren die beiden Seiten auf der Bühne mit Stühlen für die Zuschauer*innen bestückt. Personen aus dem Theaterumfeld wurden als „Vater“, „Schulpsychologin“ oder späterer Ehemann in das Geschehen eingebracht.

Schauspielerin Bianka Lammert erzählte die Geschichte einer Frau, die schon als siebenjähriges Kind mit der Depression und dem ersten Suizidversuch ihrer Mutter konfrontiert wird. Eindringlich und mit viel Empathie brachte die Schauspielerin die hoffnungsvollen, fast schon verzweifelten Versuche des Kindes, ihre Mutter mit ihrer nummerierten, stetig wachsenden Liste von den schönen Dingen des Lebens auf die Bühne. Auch die Rat und Hilflosigkeit des Vaters wird deutlich.

Die unterschiedlichen Stimmungen wurden jeweils mit eingespielten Musikausschnitten untermalt. Vorwiegend steht die von der Mutter geliebte Soul-Musik von Ray Charles im Mittelpunkt, aber bei Konflikten schräge (Free) Jazz-Klänge.

Auch Tanz und Humor sowie komische Momente spielten zwischendurch immer wieder ein wichtige Rolle.

Auf den zweiten Suizidversuch der Mutter zehn Jahre später reagiert die Erzählerin als Teenager mit Wut und setzt ihre Liste mit Vehemenz auch während des Studiums fort. Sie heiratet ihre Studium-Liebe, der sie drängt, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Klar ist, es geht nicht nur um ihre Mutter, sondern um den eigenen Kampf gegen die Traurigkeit und Depression. Außerdem geht es darum , mit dem Gefühl des Versagens auseinander zu setzen, als ihre Mutter sich letztendlich das Leben nimmt.

Erst Jahre nachdem ihr Mann sich getrennt hat , findet sie die Kraft, sich über eine Selbsthilfegruppe und ihrer früheren Schulpsychologin Unterstützung zu holen und ihr Ziel, die Nr. 1.000 000 auf der Liste zu erreichen.

Eine starke Schauspielleistung und wichtiger lebensbejahender Monolog zu diesem sehr ernsten Thema.

Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222.




Umgang mit Isolation als aktuelles Thema im Kinder- und Jugendtheater

Die Stückentwicklung „miss you“ unter der Regie von Antje Siebers im Kinder und Jugendtheater Dortmund (ab 12 Jahren) beschäftigt sich besonders in der Zeit der Corona-Pandemie mit dem Thema des Umgangs mit Isolation und Suche nach Nähe. Wie gehen wir damit um, auf uns selbst zurückgeworfen zu sein?

Nicht nur in diesen Zeiten ein Thema, was uns alle betrifft und wo wir uns wiederfinden können.Die Premiere im KJT unter Corona-Bedingungen war am 18.09.2020,

Fünf Schauspieler*innen des Ensembles (Thomas Ehrlichmann, Ann-Kathrin Hinz, Andreas Ksienzyk, Max Ranft und Bettina Zobel), atmosphärisch begleitet von Musiker Manuel Loos, führten die Zuschauer*innen in die verschärfte Pandemie-Zeit April 2020.Da hatte uns Corona noch stärker als im Augenblick an unseren Wohnungen gebunden.

In Zeiten des Lockdowns gefangen in der engen Wohnung: Szenenbild mit Ann-Kathrin Hinz  und Thomas Ehrlichmann. (Foto: © Birgit Hupfeld)
In Zeiten des Lockdowns gefangen in der engen Wohnung: Szenenbild mit Ann-Kathrin Hinz und Thomas Ehrlichmann. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Bei der Recherche wurden sie zudem von der Klasse 6c des Goethe-Gymnasiums und ihrer Klassenlehrerin unterstützt. Mit ihren Corona-Tagebüchern aus der Zeit der Selbstisolation wurden ihre Wünsche, Ängste, Sehnsüchte u.s.w. in Form von Tonaufnahmen und Videoprojektionen auf die Bühnenleinwand projiziert.

Mit schwarz-gelbem Klebeband wurden die isolierten engen Wohnräume der fünf Schauspieler*innen auf der Bühne anschaulich manifestiert. Jede der Personen geht mit der Situation anders um und versucht, dass Beste daraus zumachen.

Die einen flüchten sich in schöne Träume und Erinnerungen, andere in Sport oder Renovierungsarbeiten. Die Träume und Erinnerungen wurden mit Hilfe einer Kamera und Miniaturpuppen oder Landschaften als Projektion auf der Leinwand sichtbar gemacht. Wenn die Wohnung verlassen wurde, war Abstand halten und Mund-Nasenmaske zum Schutz einzuhalten.

Witzige Tanz- und Bewegungschoreografien mit Tempo wechselten sich mit meditativ-ruhigeren Passagen ab. Eine Prise Humor war auch mit dabei.

Die Schauspieler*innen hatten die Gelegenheit, ihre emotionale Bandbreite von traurig, sentimental, witzig bis aufbrausend ausspielen.

Informationen zu weitere Aufführungsterminen und Karten erhalten Sie:

Tel.: 0231/ 50 27 222 oder unter www.theaterdo.de




Wenn eine Giraffe einen Pinguin besucht oder Neugier kann sich lohnen

Mit der Premiere von „Viele Grüße, Deine Giraffe“ in der Bühnenfassung von Nadine Schwitter (nach einem Bilderbuch von Megumi Iwasa) startete am Freitag, dem 11.09.2020 das Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) in die neue Spielzeit 2020/2021.

In Corona-Zeiten galt es, viele Auflagen zu erfüllen. So wurde das Publikum nur einzeln eingelassen und zu den Plätzen geführt. Vorher musste jeder einen Bogen mit persönlichen Daten ausfüllen. Die Anzahl der Zuschauer*innen war reduziert.

Auf der Bühne erwartete das junge (und jung gebliebene) Publikum eine durch eine hellblaue Wand geteilte Drehbühne. Gemalte Wolken und eine Tür am Horizont ließ sich je nach Bedarf öffnen.

Die Giraffe (Bianka Lammert) wird vom Pinguin (Johanna Weißert) herzlich begrüßt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Giraffe (Bianka Lammert) wird vom Pinguin (Johanna Weißert) herzlich begrüßt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Geschichte ist eine Erzählung (ab 4 Jahre) über eine besondere Begegnung, übers Briefschreiben und darüber, wie aus Langeweile ein Abenteuer werden kann.

Es ist einer Ermutigung, sich mit Mut, Neugier und ohne Ängste auf den oder das Unbekannte einzulassen. Es kann sich lohnen.

Ein Kompliment an die Ausstattung von Eugenia Leis. Die Kostüme waren mit Humor und Liebe zu kleinen Details ausgewählt.

Mit viel Engagement, witzigen Grimassen und Spiellaune füllten die Schauspieler*innen Bianka Lammert (Giraffe), Johanna Weißert (Pinguin), Rainer Kleinespel (Pelikan / Walprofessor) sowie Maria Trautmann (Musikerin / Robbe) ihre Rollen aus.

Die musikalische Livebegleitung mit Posaunenklängen und Einspielungen begleiteten die Geschichte atmosphärisch und zu den jeweiligen Tieren passend.

Ein gelungener Start trotz aller Widrigkeiten.

Karten und Informationen zu weiteren Aufführungsterminen erhalten Sie unter:

Tel.: 0231 / 50 27 222 oder www.theaterdo.de




Zum Glück zurück: Theatraler Spaziergang am KJT

In vom Coronavirus beeinträchtigten Zeiten bietet das Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) mit seinem gesamten Ensemble für Interessierte einen theatralen Spaziergang unter dem Titel „Zum Glück zurück“ rund um das Haus in natürlicher Umgebung. Ars tremonia war bei der Premiere am 12.06.2020 dabei.

Das Angebot wendet sich vor allem an Kinder. Bewegung, Möglichkeit zum Mitmachen, nachdenkliche aber auch lustige Beiträge der oft als Tiere verkleideten Ensemble-Mitglieder wechselten sich ab.

Die in Kleinstgruppen aufgeteilten TeilnehmerInnen starteten in Abständen von sieben Minuten zu den verschiedenen Standpunkten mit verschiedene Überraschungen.

Bevor es Losging, mussten sie sich zunächst vorschriftsmäßig mit ihren persönlichen Daten in eine Liste eintragen und bekamen eine Papiertüte mit Kugelschreiber , Bonbons und Karten mit Wäscheklammern zum Aufhängen. Dann ging das Abenteuer los.

Bei Ann-Kathrin Hinz konnten die TeilnehmerInnen stilecht eine Flaschenpost aufgeben. (Foto: © Edi Szekely)
Bei Ann-Kathrin Hinz konnten die TeilnehmerInnen stilecht eine Flaschenpost aufgeben. (Foto: © Edi Szekely)

Der Weg wurde mit Kreide aufgezeichneten Pfeilen, Kreisen oder Zahlen mit unterschiedlichen Hinweisschildern geschleust. Bei der ersten Haltestelle ging es gleich zu einem als Schiff angemalten Sehnsuchtsort. Es ging darum, was wir gerade in dieser Zeit vermissen. Am Ende hatten die TeilnehmerInnen Gelegenheit, die auf einem der leeren Zettel aus der Tüte aufgeschriebenen Dinge, die sie vermissen, in aufgehängten kleinen Flaschen zu stecken.

An anderer Stelle des Spaziergangs konnte man seine Wünsche auf einen der Zettel aufreiben und an eine einen Zaun mit den Klammern befestigen.Schön war, das die vorhandene Natur mit einbezogen wurde an unterschiedlichen Kräutern gerieben und gerochen werden konnte.

Die Kinder (aber auch die Erwachsenen) hatten sichtlich ihren Spaß. Am 18., 19. und 21.06.2020 sind, soweit das Wetter mitspielt, weitere theatrale Spaziergänge am KJT vorgesehen. Am 18.06.2020 ist Beginn um 16:00 Uhr, an den anderen Terminen um 18:00 Uhr

Anmeldung unter unter glueck@theaterdo.de

Der Spaziergang wird kostenlos angeboten. Festes Schuhwerk ist von Vorteil.