SPAAASS – WER BESTIMMT, WAS LUSTIG IST?

Interaktives Theaterstück von Christian Giese im KJT Dortmund

Sportunterricht. Während des Wartens auf den Sportlehrer bringen sich die Kids (Sekundarsufe2, 11 – 12 Jahre) auf den neusten Stand:

Wer macht gerade was mit wem, welcher Schuh ist angesagt und was kann man jetzt unter keinen Umständen mehr tragen? Die Frisur von Bruno geht jedenfalls gar nicht und trägt er da etwa …!? Bruno hat ein Fernglas und beobachtet gerne Vögel … Strange, für die im Frühpubertierstadium befindlichen Kids. Daraus entwickelt sich eine ausgezeichnet dargestellte Dynamik mit einer Zielscheibe.



Der Buzzer ertönt und Stopp. Das Geschehen auf der Bühne ist eingefroren.

Die Moderation/Sportlehrer unterbrach das Geschehen und befragt konkret die Beteiligten, wieso wer was genau gerade tut oder nicht, um anschließend auch das Publikum zu befragen: Wer mobbt hier wen und warum eigentlich? Und welche Rolle spielt Thilo, welche Jana? Was könnten die verschiedenen Rollen aus der Klassengemeinschaft tun?

Thomas Ehrlichmann, Jan Westphal, Wenja Imlau, Bianka Lammert und Rainer Kleinespel (im Hintergrund). Foto: (c) Birgit Hupfeld

Dabei zeigten die jungen Erwachsenen im Publikum ein ausgesprochen reges Interesse und nahmen beherzt den Mikrowürfel in ihre Hände, um ihre Ansichten und Meinungen zu äußern. Erstaunlich wie sensibel die Kids auf Missstände reagieren und sie benennen können, selbst wenn ihnen die Fachtermini dazu fehlen. Und erhellend, welche Lösungen sie anbieten konnten.

Bevor jedoch das Stopp Signal buzzt werden die entscheidenden Szenen wiederholt, die dann zurückgespult wurden … was das Ensemble hervorragend im Rückwärtsgang zur Belustigung aller zurückspulte, um dann die entscheiden 4 Stellen zu kommen, bei denen dann das Publikum interagieren durfte, konnte, sollte … erfrischend. Auch wenn sich das Stück zuerst an die jüngeren Erwachsenen richtet, auch die älteren Erwachsenen spürten einen Drang, sich zu Wort zu melden. Aber die Kids sind in diesem Stück die Gefragten.

Ausgehend von Christian Gieses Text `Spaaaß – Wer bestimmt, was lustig ist? ´ geht Johanna Weißert, Ensemblemitglied des KJT und Regisseurin Gruppendynamiken im Umfeld der Schule auf den Grund. Schon in ihrer erfolgreichen Inszenierung `Kein leichter Fall´ beschäftigte sie sich mit dem gesellschaftlichen Miteinander und der Frage nach Verbrechen und Täter*innenschaft. Denn auch Mobbing ist ein Verbrechen!

Mindestens eine*n in der Klasse trifft es immer. Viel öfter ist es ein wechselseitiger Prozess, der mehreren der Schüler*innen gleichermaßen begegnet: Mobbing. Fühlt sich eine Gruppe erst durch Aus- bzw. Abgrenzung als Gemeinschaft? Was ist schlimmer, aktive Provokation oder die passive Rolle der Mitlaufenden? Wo verläuft die Grenze hin zur Straftat? Und vor allem: Wie kann Courage aussehen?

Gemeinsam mit den Spielenden und dem Publikum geht dieses interaktive Theaterstück auf die Suche nach Antworten, Motiven und Handlungsoptionen.

Und jeder von uns hat Mobbing in den verschiedensten Stationen erlebt oder miterlebt. Der eine oder andere fand sich in Bruno wieder, andere in Jana, wieder andere in Sophie oder gar auch dem Thilo … Was oder wer er war entgegen seinem Selbstbild, wurde in dem Stück auch sehr deutlich … Der Bully ist der eigentliche Loser in der ganzen Mobbing Geschichte. Und das zu erkennen kann ganz schön weh tun.

Das Stück bietet auch allen Brunos, Janas und Sophies einen Rettungsring, um aus bestimmten Mobbingsituation heraus zu kommen, und gegen zu steuern. Dem Opfer zu helfen.

Das Ensemble des KJT hat wieder einmal ein perfekt professionelles und doch leichtes Spiel geboten, dass ein sehr ernstes, ja sogar lebensbedrohliches Problem thematisiert und zum Nachdenken und Lösungen finden spielerisch anregt.

Gedankt wurde es dem Ensemble mit Standing Ovations der Kids die mit den Füßen trampelnd applaudierten.

In einem Interview antwortet mir Bianka Lammert einmal, auf die Frage welches Publikum das schwierigste sei: die Kinder! entweder Du begeisterst sie vom ersten Moment oder du bist verloren.

Hier hat das Ensemble wieder vom ersten Moment an gewonnen.

Das Stück ist sehenswert und sollte man wirklich ansehen. Ich würde sagen ein Must See.

Jana                                        – Bianka Lammert

Moderator/Sportlehrer            – Rainer Kleinespel

Thilo                                       – Thomas Ehrlichmann

Bruno                                     – Jan Westphal

Sophie                                    – Wenja Imlau




Das relative Empfinden der Zeit

Als erste Premiere in diesem Jahr hatte das KJT Dortmund (Sckelly)  am 17.02.2023 „Time out“ (Ein Spiel um Geschwindigkeit) von Christina Kettering unter der Regie von Antje Siebers auf seinem Programm.



Das Stück für Kinder ab 6 Jahre behandelt fantasievoll das Thema Zeit.

Eine*r (Sar Adina Scheer), mit schwarzem Hut und dunkler Kleidung (an Brust und einer Seite kariert gemusterte Jacke), ist da und wartet schon länger voll Ungeduld, als Noch Eine*r (Andreas Ksienzyk) endlich kommt.  Noch Eine*r ist nicht nur genau wie Eine*r jedoch spiegelverkehrt angezogen und eher der gemütliche Typ.

Sar Adina Scheer (li) und Andreas Ksienzyk in Time Out. Foto: (c) Birgit Hupfeld

Das Thema Zeit und Relativität wird von den Beiden mit Humor, Abenteuerlust und Spielfreude dargestellt.

Es geht unter anderem um die Frage, warum sich Zeit so lange „zieht“, wenn wir uns langeweilen oder auf irgendetwas lange warten müssen. Lohnt es sich manchmal Zeit für bestimmte Dinge zu lassen als immer nur von einer Sache zur nächsten zu hetzen? Vergeht die Zeit schneller, wenn wir sie vergessen (zum Beispiel beim Spielen, Natur beobachten, einem schönen Essen, Musik oder beim Theater)? Ist es wichtig, was wird aus der Zeit machen? Wäre es manchmal schön, sie anhalten zu können?

Der Einfluss von Tag (Sonne) und Nacht (Mond) oder Jahreszeiten wurden sensibel vermittelt.

Mehrere weiße Holzklötze werden als variable Spielfläche wie Bauklötze aus der Kindheit in unterschiedlicher Weise geschickt eingesetzt, egal ob als zum Bau eines Renn-Parcours, Haus, Garten oder Baum.

Mit passgenauem Einsatz der Beleuchtung sowie Musik & Soundeinsatz durch Michael Kessler sorgten für die entsprechenden Stimmungen.

Einfache Mittel, etwa der Einsatz eines Luftballons als wachsender Mond, und das ausdruckstarke Spiel der Schauspieler*innen bot viel Raum für die Fantasie. Das ist wohl nicht nur für Kinder wichtig.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231/ 50 27 222




Alice im Wunderland – Ein fast psychodelisches Weihnachtsmärchen

Am 11. November feierte das KJT Weihnachtsmärchen 2023 von Andreas Gruhn seine Premiere … und der „Märchenonkel“, der fantastische Geschichten auf die Bühne bringt, hat wohl wieder einen Weihnachtshit gelandet. Das Publikum war begeistert und spielte geradezu mit, denn bei Fragen auf der Bühne/im Stück, wo man denn nun müsse, kam die Antwort prompt von den jungen Zuschauern.



Der Klassiker Alice im Wunderland, 1862 geschrieben von Lewis Caroll. Alice’s Adventures in Wonderland, gilt als eines der hervorragenden Werke aus dem Genre des literarischen Nonsens.

Die Inszenierung war zum Glück wieder keine disneyesque Farce. Nur leider vermisste ich die in vorherigen Weihnachtsstücken die emanzipierte, selbstbewusste Hauptdarstellerin … nur ist in dem Stück von Caroll kein Platz für eine solche. Aber Malin Kemper präsentierte eine trotzdem frische Alice, jenseits von allem „ich muss einen Mann finden 1950er Disney Zuckertran“.

Malin Kemper als Alice und Sar Adina Scheer als Weißes Kaninchen unterstützten das gesamte Ensemble des KJT – Bianka Lammert, Johanna Weißert, Andreas Ksienzyk, Jan Westphal, Rainer Kleinespiel und Thomas Ehrlichmann.

Bianka Lammert spielte eine herrlich verstrahlte, narzistische Herzkönigin mit Enthauptungssyndrom. Der Hutmacher von Rainer Kleinespiel war eine wunderbare Farce, die adaptiert werden sollte oder könnte. Thomas Ehrlichmann als verliebter Herzbube und Prozessopfer der Herzkönigin entzückend naiv verliebt. Aber auch die anderen Mitglieder des KJT Ensembles gaben ihr Bestes zum Besten und gefallen der jungen und älteren Erwachsenen.

Der Rollen und Kostümwechsel der Schauspieler muss ein Parforceritt gewesen sein. So hatte Jan Westphal, 2022 der Prinz, gleich 5 Kostüme, inklusive der Grinsekatze (im Original die Chesirecat). Diese Katze wurde wie Szenen oder auch andere Figuren durch den Erfolg des Caroll Stückes zu einem Synonym für falsch lächelnde Menschen.

Die Figuren und Szenen des Originals sind auch in der glänzend psychedelischen Inszenierung von Gruhn eine altersübergreifende Auseinandersetzung mit Willkürlichkeiten und Zufälligkeiten des alltäglich eigenen Lebens. Zuweilen erinnerte es mich an Uderzo´s „Asterix Erobert Rom“ und das „Haus das Verrückte macht“ … denn Gruhn legt geradezu wie im Drogenrausch den Fokus auf die Absurditäten jeder Logik und Vernunftentscheidung und die Vernunft widersprechende Entscheidung/en. Es ist genau das Absurde, der Nonsens der, der Geschichte von Caroll innewohnt. Oder auch à la Hape Kerkeling, „Das ganze Leben ist ein Quiz“.

Die Regie führte Andreas Gruhn und übertraf mit seiner Regieassistenz von Franziska Hoffmann, wieder Erwartungen. Das Bühnenbild und die Ausstattung brachten psychedelisch, oder im Drogenrausch (eher weniger) eine 70er Psychodelic Show, die sich sehen lassen konnte/kann und mit Peter Kirschke und seinen Videos, dabei so manchen psychodelisch inspirierten Film aus der Zeit in den Schatten stellt. Die Dramaturgie von Milena Noemi Kowalski und Jaqueline Rausch war auf den Punkt.

Die Theatervermittlung: Christine Appelbaum, Martha Kleinhempel und Erika Schmidt-Sulaimon

Besetzung

Alice Malin Kemper

Schwester, Pilz, Herzkönigin Bianka Lammert

Weißes Kaninchen, Köchin, Herz-Zwei Sar Adina Scheer

Maus, Herzogin, Schildkröte, Herz-Neun Johanna Weißert

Dodo, Raupe, Märzhase, Herz-Sieben-Greif Andreas Ksienzyk

Adler, Pat, Grinsekatze, Herz-Fünf, Herz-Acht Jan Westphal

Papagei, Lakai 1, Hutmacher Rainer Kleinespel

Unke, Lakai 2, Murmeltier, Herz-Bube Thomas Ehrlichmann

 Regie Andreas Gruhn

Ausstattung Oliver Kostecka

Musik Michael Kessler

Video Peter Kirschke

Dramaturgie Milena Noëmi Kowalski, Jacqueline Rausch

Regieassistenz Franziska Hoffmann

Theatervermittlung Christine Appelbaum, Martha Kleinhempel, Erika Schmidt-Sulaimon

Termine

2022

27.11.  15:00 / 17:00   Restkarten!

28.11. 11:30               Restkarten!

29.11.  09:30               Restkarten!

30.11.  09:30               Restkarten!

01.12.  09:30 / 11:30   Restkarten!

04.12.  15:00 / 17:00   Restkarten!

05.12.  09:30 / 11:30   Restkarten!

06.12.  11:30               Restkarten!

07.12.  09:30 / 11:30   Restkarten!

08.12.  09:30 / 11:30   Restkarten!

12.12.  10:00 / 12:00   Restkarten!

13.12.  09:30 / 11:30   Restkarten!

14.12.  11:30               Restkarten!

15.12.  09:30 / 11:30   Restkarten!

18.12.  15:00 / 17:00   Restkarten!

19.12.  11:30               Restkarten!

20.12.  11:30               Restkarten!

21.12.  09:30 / 11:30   Restkarten!

25.12.  17:00

26.12.  11:00

2023

09.01.  11:30               Restkarten!

10.01.  09:30               Restkarten!

11.01.  09:30 / 11:30   Restkarten!

12.01.  09:30 / 11:30   Restkarten!     LETZTE VORSTELLUNG!




Gesunde Kartoffelsuppe und bewegende Geschichte

Am 30.09.2022 konnte die Premiere von „Die Kartoffelsuppe“ (ab 6 Jahre) von Marcel Cremer und Helga Schaus) unter der Regie von Andreas Gruhn (Intendant KJT) im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) nach zweimaligem Ausfall erfolgreich durchgeführt werden.



Schauspielerin Bettina Zobel (KJT) schlüpfte live in die Rolle einer Köchin und zauberte während einer Stunde aus Kartoffeln, Zwiebeln, Rettich, Sellerie, Lauch Zucchini und Möhren eine gesunde Kartoffelsuppe. Außerdem erzählte sie dem anwesenden Publikum mit Körpereinsatz, was alles in diesen Gemüsen steckt und wie wichtig sie für unsere Gesundheit sind. Mission: gesunde Ernährung!

Während sie die Zutaten in einem großen Topf verarbeitete, erzählte die Köchin nebenbei die Geschichte ihrer Mutter Lene in Kriegszeiten.

Lene wuchs zusammen mit Eltern und Großmutter auf dem Land auf. Mit sieben Jahre bekam sie ein kleines Schwein geschenkt. Zunächst führt sie ein glückliche Leben mit Schweinchen Frieda. Kartoffeln waren natürlich auch ein wichtiges Nahrungsmittel für die Bevölkerung. Dann kommt der Krieg, der den Menschen alles nimmt. Es droht eine Hungersnot…

In einem warmen hellen, liebevoll gestalteten Küche mit Kartoffelsäcken und Holzkisten wechselte Bettina Zobel scheinbar leicht mit Feingefühl in die verschiedenen Rollen. Als Schweinersatz mussten auf der Bühne Kartoffeln herhalten.

War das Thema der Geschichte auch ernst, kam der Humor und am Spiel nicht zu kurz.

Besonders lustig: Als diverse Hutkreationen von Tante Friedchen aus Gemüseresten vorgeführt wurden. Das Schicksal von Schwein Frieda nach dem Besuch eines Scherenschleifers wurde offengelassen.

Nach der Aufführung konnten alle Anwesenden von der pürierten Suppe probieren und ein wenig reden und mutmaßen, was mit Frieda wohl passiert sein könnte.

Musikalisch begleitet wurde die Vorführung musikalisch von Michael Kessler.

Eine gelungene Premiere, die allen kleinen und großen Menschen im Publikum nicht nur die Bedeutung gesunder Nahrungsmittel verdeutlichte.

Auf dem Flyer zum Stück kann man übrigens das genaue Rezept für die ZubereitungKartoffelsuppe nachlesen.

Weiter Aufführungstermine erfahren sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Telefon: o231/50 27 222




Was ADHS mit Betroffenen und ihrem Umfeld macht

Am Freitag, den16.09.2022 stand als Premiere im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) in der neuen Saison 2022/23 mit „Wild!“ (Stück von Evan Placey, ab 8 Jahren) ein Thema mit emotionaler Brisanz auf dem Spielplan. Regie hatte Milan Gather.



Die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) wird bei immer mehr Kindern von Ärzten diagnostiziert.

Die betroffenen Kinder können sich schlecht konzentrieren, können schlecht zuhören, nicht lange ruhig sitzen und haben einen starken Bewegungsdrang.

Sie lassen sich von ihren Gedanken und Dingen, die in der Umgebung passieren leicht ablenken. Dabei sind viele auch recht kreativ. Ihre Familie und ihr weiteres Umfeld (etwa Schule) stellen sie vor große Herausforderungen und werden selbst oft zu Außenseitern.

Zur Behandlung stehen Therapien und Medikamente (bekannt: Retalin) zur Verfügung. Die Medikamente wirken jedoch nicht auf Dauer, machen müde und wirken verändernd auf die Persönlichkeit.

Zum Stück: Bei Billy (gerade 11 Jahre alt) summen die Gedanken wild in seinem Kopf herum. Auf ihn treffen alle oben genannten ADHS-Symptome zu. Besonders nah fühlt er sich den Bienen aus dem Bienenstock seines Vaters, der die Familie anscheinend verlassen hat und woanders wohnt. Sie sind scheinbar chaotisch und wild, haben jedoch alle ihre wichtige Funktion.

Die Mutter sieht eigentlich ein, dass ihr Sohn Hilfe braucht. In der Schule ist er auffällig, seine Mitschüler nennen ihn „Billy Biene“. Wenn sein Vater einmal da ist, streiten seine Eltern. Das Verhältnis zum ist gestört. Billy möchte vor allem seinen Vater beweisen, was er kann. Er wünscht sich nicht nur, dass sein Vater zu seinem Geburtstag kommt, sondern kämpft um dessen Beachtung und Zuneigung….

„Wild“ ist ein Solo- Schauspielstück mit musikalisch passender Klang-Begleitung.

Der KJT-Schauspieler Thomas Ehrlichmann schlüpfte sensibel in die Person des Billy sowie zusätzlich noch in die Rolle der Mutter, des Nachbarjungen Justus, Therapeuten oder die des Bruders.  

Auch körperlich verausgabte er sich voll auf die Klettergerüst-Umrahmung des auf der Bühne aufgestellten kleinen Hauses.

Die Schuldgefühle seiner Eltern, die Verzweiflung des Billy – besonders als er erklärt, dass er sich als „beobachtetes Versuchsobjekt“ fühlt, wurden eindrucksvoll dargestellt.

Stark war auch sein kongenialer musikalischer Partner Lukas Joachim an verschiedenen Instrumenten.

Rainer Kleinespel und Bianca Lammert (KJT) liehen Vater und Mutter ihre Stimmen.

Weitere Aufführungstermine erfahren Sie unter www.theaterdo.de




Möglichkeitsräume für eine positiv gestaltbare Zukunft

Am 29.04.2022 hatte die interdisziplinäre Stückentwicklung „The Future“ unter der Regie von Annette Müller seine Premiere im Dortmunder Kinder und Jugendtheater (KJT) für Publikum ab 16 Jahren. Es handelt sich hierbei um eine Kooperation mit der hiesigen Akademie für Digitalität im europäischen Projektrahmen von PlayOn.

Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft – vor allem der jungen Menschen. Deren Gegenwart ist einerseits von beängstigenden Themen wie Pandemie, Klimakatastrophe oder aktuell Kriegsangst geprägt, andererseits werden sie im digitalen Zeitalter von einer ungeheuren Datenflut im Netz bombardiert. Wie können sie da die den Kontakt zur „realen Welt“ behalten? Auch eine rasante Entwicklung der sogenannten Künstlichen Intelligenz (KI) stellt uns vor neue Fragen. Wie kommunizieren und gestalten wir unsere Welt?

Thomas Ehrlichmann, Ann-Kathrin Hinz und Rainer Kleinespel in “The Future” (Foto: © Birgit Hupfeld)
Thomas Ehrlichmann, Ann-Kathrin Hinz und Rainer Kleinespel in “The Future” (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die forschende Stückentwicklung beschäftigt sich mit Hingabe den Möglichkeitsräumen und Visionen einer positiv gestalteten Zukunft. Wie wir sie gestalten, hat vor allem die junge Generation in der Hand. Das Internet mit seinen diversen Videos, Literatur, Bildern und Klängen wurde dabei als Archiv genutzt. Die Regisseurin collagierte gemeinsam mit ihrem Team (Technik und Programmierung, Dramaturgie, Musik Sound) zeitgenössische Denkmodelle mit Konzepten der Identitätspolitik oder auch moderner Science-Fiction. Unterstützung gab es dabei auch von der Europaschule und der Geschwister- Scholl-Gesamschule.

Auf der Bühne standen vom KJT-Esemble (zunächst alle versteinert auf ihren weißen Podesten) als „Roboter-Frau“ Ann-Kathrin Hinz, als nachdenklicher junger Mensch Thomas Ehrlichmann mit all seinen Fragen sowie Rainer Kleinespel als älterer Mann mit dem Erfahrungsschatz aus einer vergangenen Zeit.

Doch bevor es so richtig losgehen konnte, bekam jede Person im Publikum einen Kopfhörer am Eingang und anschließen eine Einweisung.

Die „Roboter-Frau“ sprach passend mit heller schriller Stimme in der „hippen“ internationalen Sprache Englisch von einer hoffentlich „glücklichen Zukunft voller Liebe, Hoffnung und schönen Überraschungen“.

Die KI sprach mit einer Aneinanderreihung von bekannten Songs wie etwa „I am what I am“. Das zeigt deutlich ihre Abhängigkeit vom menschlichen Input bei einem schnellen Lerntempo.

Projektionen im Hintergrund ermöglichten neben Texten, Logarithmen-Fluten auch ein Interview mit einer Pflanze.

Der ältere Mann bot einen fast schon poetischen Rückblick in sein Leben in den 1970er Jahren, mit all seinen Begegnungen, Naturerlebnissen und Gerüchen.

Ein Plädoyer für den besonderen Wert der realen Welt und die Schönheit der Erde.

Schön zu sehen war am Ende die langsame Annäherung von Roboter und Mensch auf der Bühne. Die drei Schauspieler*innen hatte auch einige körperliche Herausforderungen zu meistern. Schwierige Choreografien meisterten sie gekonnt.

Es war ein spannendes interdisziplinäres Projekt und ein Beispiel für modernes Theater.

Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.: 0231750 27 222.




Wenn eine Gans aus der Reihe tanzt

Am 31.03.2022 konnte „Die kleine Gans, die aus der Reihe tanzt“, eine Kooperation des Dortmunder Kinder und Jugendtheaters mit der hiesigen Jungen Oper endlich seine Premiere im KJT feiern.

Das Musiktheaterstück (ab 4 Jahren) nach dem Bilderbuch von Jean-Franҫois Dumont wurde mit der Spielfassung von Johannes Gaudet und Musik von Michael Kessler für das KJT bearbeitet. Die Regie übernahmen der Leiter des Theaters, Andreas Gruhn, zusammen mit Johannes Gaudet.

Mit Johannes Büker (Klarinette), Maik Hester (Akkordeon) und Norbert Gögh (Fagott) zeigten drei Musiker nicht nur ihr Können an den jeweiligen Instrumenten, sondern auch viel Spielspaß in ihren Tierkostümen (Schein, Schaf).

Sängerin, Schauspieler und Musiker von "Die kleine Gans": Anna Lucia Struck, Jonathan Büker, Rainer Kleinespel, Norbert Gögh und Maik Hester (Foto: © Birgit Hupfeld)
Sängerin, Schauspieler und Musiker von „Die kleine Gans“: Anna Lucia Struck, Jonathan Büker, Rainer Kleinespel, Norbert Gögh und Maik Hester (Foto: © Birgit Hupfeld)

Anna Lucia Struck (bekannt aus Produktionen der Jungen Oper Dortmund) als kleine Gans Zita mit starker Stimme und Rainer Kleinespel vom KJT-Ensemble als strenger Marsch-freudiger (Ganter) Igor standen ihnen in nichts nach.

Das Publikum wurde schon vor Anfang in der Eingangshalle rhythmisch musikalisch von Zita und der nun neuen Swinging-Animal-Band empfangen. Da dieses Stück auf einem Bauernhof spielt, gibt es dort verschiedene Tiere. Für die Vorstellung wurden die Anwesenden (ob klein oder groß) auf ihre Unterstützung mit diversen Tiergeräuschen und Tanzbewegungen vorbereitet.

Dann ging es in den Vorstellungsraum. Die Story spielt auf einem Bauernhof, wunderbar ausgestaltet mit Wäscheleine, Wegweisern, Töpfen und vieles mehr.

Der Ganter Igor führt alle Tiere morgens mit Marschrhythmus (Eins und zwei) hinaus. Die kleine Gans Zita hat jedoch Schwierigkeiten damit kann nur ihrer „eigenen Melodie“ folgen. Igor verdonnert sie dazu, alleine zu laufen. Zunächst traurig, merkt Zita, dass die anderen Tiere ihre Melodie gut gefällt und nach und nach entwickelt sich ein gemeinsamer Rhythmus. Auch Igor wird letztendlich mit in die „Jamsession“ hineingezogen.

Eine schöne musikalische Geschichte über das Anderssein, Gemeinschaft und Selbstbewusstsein. Nebenbei erleben auch die jüngeren Kinder die drei Instrumente einmal ganz aus der Nähe.

Karten und Informationen zu weiteren Vorstellungsterminen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel. 0231/ 50 27 222




La Belle et la Bête – Das Weihnachtsmärchen

Die Schöne und das Biest

Fast jeder kennt die DISNEY Zeichentrick Version mit den „lieblichen“ klischeehaften Figuren. Kaum jemand jenseits der Grenzen Frankreichs aber das Original. Und wer kennt die fantastische Verfilmung mit Jean Marais als Prinz/Biest?

Die erste Veröffentlichung war eine Aufbereitung der Französin Gabrielle-Suzanne de Villeneuve, die 1740 im „La jeune américaine, et les contes marins“ erschien. Diese griff wiederum auf Motive zurück, die sich in den Märchensammlungen von Giovanni Francesco Straparola finden (König Schwein in Ergötzliche Nächte, 1550–1555).

Der Vater von Belle (Rainer Kleinespel), Max Ranft als „Bête“ und  Ann-Kathrin Hinz als „Belle“. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Der Vater von Belle (Rainer Kleinespel), Max Ranft als „Bête“ und Ann-Kathrin Hinz als „Belle“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das KJT hat wieder zu Weihnachten einen Klassiker der für seine jungen und jung gebliebenen Zuschauer auf die Bühne gestellt, der nicht in stereotypen Rollenbildern und Klischees kleben bleibt. So wie 2019 mit Cinderella. Ich denke, unser Direktor des KJT, Andreas Gruhn, kann gar nicht in Stereotypen denken oder / und inszenieren.

Dieses Dortmunder KJT Weihnachtsmärchen handelt von einem mächtigen und bösen Fluch über jemanden der kaltherzig und nur auf den Schein bedacht war. Der Prinz verwandelte sich ein Biest, mehr Raubtier als Mensch. Sein Fluch aber könnte aufgelöst werden, wenn sich ein Mädchen in ihn, das hässliche Biest, verlieben würde. Also wartete das Biest fortan auf das eine Mädchen … Normalerweise warten ja die Mädchen auf den Prinzen, der sie „wegheiratet“ …

Belle, natürlich schön, kommt in das Schloss des Biestes, als Geisel für den liebenswürdigen, aber grantelnden Vater, der sich einer Rose des Biestes bemächtigte und ungefragt von den aufgetischten Speisen aß … Belle ist natürlich und unprätentiös, verdeutlicht durch den Wechsel von eleganten Schuhen, zu für ihre Interessen förderlicheren, Gummistiefel symbolisiert. Ann-Kathrin Hinz gelingt die Belle mit Bravour. So wie Bianka Lammert hinreißend die unglückselige oder unzufriedene Gundula darstellt.

Andreas Ksienzyk und Bettina Zobel, als Conférencier und Assistentin sind zum einen die Erzähler und geradezu „Antreiber“ des Spieles und doch auch ein eigenes Schauspiel im Schauspiel, mit ihren Kabalen und Zänkereien.

Das Biest, Max Ranft, stöhnt und röhrt sich nach Liebe sehend durch das Stück und robbt sich gleichsam, seinen Charme ausspielend an Belle heran, die seinem Werben zu erliegen scheint … Man hofft es, doch Belle lässt sich nicht so leicht erobern. Dazu ist sie zu selbstbewusst und sich ihrer sicher, dass sie nicht gleich jedem Hornochsen auf den Leim ginge. Nur „ihr Gefängnis“ wird ihr vom Biest verschönt, erleichtert. Seine Sehnsucht nach Erlösung vom Fluch lässt das Biest, wie ein Teenager fragen, ob Belle denn nun was für ihn empfände … Es wirkte wie die fürchterlichen Zettel auf denen die Frage „Willst Du mit mir gehen? Ja / Nein / Vielleicht“ standen …

Sie kehrt, mit dem Versprechen der Rückkehr, aus Sorge um den erkrankten Vater, nach Hause zurück. Gundula, ganz „liebreizend“ und eigennützig, schafft es, dass Belle nicht ins Schloss zurückkehrt … vorerst … Der Vater ist schnell wieder genesen. Und so bricht aber doch die Erinnerung an das nicht so schreckliche Biest wieder in Belle hervor …

Ganz wie im Film mit Jean Marais, wird das Biest, bei ihrer Rückkehr geradezu siechend, mit einem Knall, nach ihrer Liebeserklärung wieder der schöne, nun geläuterte Prinz Phillip, Thomas Ehrlichmann.

Das Schöne an der französischen Version des Märchens ist die Tatsache, dass hier der Mann, das Biest, auf die Erwählung durch die Frau/das Mädchen warten und hoffen muss, um in die Zweisamkeit zu segeln. Die DISNEY Version hingegen ist versteift im Klischee der prüden 50er der USA, wo die unemanzipierte Frau als Kreischobjekt auf der Leinwand zu agieren hat/hatte … Es gibt mittlerweile emanzipiertere Frauen, auch in DISNEY Verquälungen oder Hollywoodinszenierungen. Das alte französische Märchen ist nicht erst durch die Inszenierung des KJT modern. Es war immer schon modern. Moderner als es die Zeit seiner ersten gedruckten Publizierung gestattete … Wobei damals schon sehr emanzipierte Frauen in Frankreich unterwegs waren, die eigene Salons führten, in denen sich Voltaire und andere Geistesgrößen trafen und diskutierten. So waren es auch die Frauen von Paris, die die Französische Revolution von 1789 auslösten.

Das Ensemble:

Der Mann in Pink, der Conférencier – Andreas Ksienzyk

Cécile, seine französische Assistentin – Bettina Zobel

Belle, die Heldin – Ann-Kathrin Hinz

Gundula, ihre unglückseelige Schwester – Bianka Lammert

Vater, ihr noch unglückseeligerer Vater – Rainer Kleinespel

Biest, eine traurige, angsteinflößende Kreatur – Max Ranft

Phillip, ein schöner Prinz – Thomas Ehrlichmann

Mutter, ein Geist – Bianka Lammert

Regie – Andreas Gruhn

Ausstattung Oliver Kostecka

Dramaturgie – Milena Noëmie Kowalski und Lioba Sombetzki

Musik – Michael Kessler

Video – Peter Kirschke

Regieassistenz – Alina Baranoswki

Inspizienz – Peter Kirschke

Theatervermittlung – Erika Schmidt-Sulaimon und Linda Thaller

Licht – Markus Fuchs

Bühnenbildassistenz – Janina Hudde

Kostümbildassistenz – Nicola Gördes




Liebe ist immer anders

Ich Lieb Dich – Theaterstück von Kristo Sagor für Erwachsene ab 8 Jahren

„Ich lieb Dich“, gesteht Julian seiner besten Freundin Lia, die ihm keck und selbstbewusst antwortet: „Ich Dich nicht!“ Daraus entspinnt sich ein Reigen über Liebe, lieben und Vorlieben, deren Bedeutung, in verschiedensten Ebenen.

Nur die Antwort bleibt Lia für Julian offenbar nicht begründet, denn er will das warum „nicht“ wissen. Für Menschen im Pubertieralter durchaus ein zur Beantwortung stehendes Problem. Ich lieb/e Dich, Du nicht? Warum?

Lia (Bianka Lammert) und Julian (Thomas Ehrlichmann) und die Rätsel der Liebe. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Lia (Bianka Lammert) und Julian (Thomas Ehrlichmann) und die Rätsel der Liebe. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Um dieses warum entspinnt sich der Reigen von Ebenen, Zeiten und Personen. Bianka Lammert und Thomas Ehrlichmann schlüpfen dabei ohne Pause, Absatz, Punkt oder Komma in Ebenen, Zeiten und Personen, um das Thema Liebe zu ergründen.

Da sind die Großeltern von Lia, von denen wir im Stück lernen, dass der Opa lange vor der Oma von Lia starb. Oder die Eltern von Julian, die, wie wir erfahren müssen sich das Scheitern ihrer Ehe und Liebe eingestehen und sich zur Scheidung entschlossen haben. In dem Zusammenhang lernen wir auch den Unterschied von „Ich liebe Dich“ und „Ich lieb´ Dich“ kennen.

Wir lernen alte Lieben und Vorlieben von Julian kennen, wie Zitroneneis und Kastanien, eigentlich das Sammeln, einen Geruch, oder klebrige Hände vom Eis, ein quiekendes Meerschweinchen mit Namen Moppi … aber auch einen Blick in die Zukunft, eine zukünftige Liebe, die Julian an Lia erinnert. Dass er jetzt doch lieber Cola-Eis mag.

Was ist Liebe? Wo kommt sie her? Wann beginnt sie? Ist sie Verlustangst? Hass? Alle Gefühle auf ein Mal? Wann hört Liebe auf?

Am Ende ist eines klar: Liebe ist immer anders, bei jedem, und sie verändert sich, einen selbst, den anderen, und alles um einen herum. Julian wird eines am Ende klar … er hat Lia auch als Freundin verloren, weil sie bei einem Unfall starb, aber es gibt für ihn eine Liebe, die immer da ist.

Bianka Lammert als Lia fantastisch und überzeugend. Mit ihrem ersten Auftritt auf der Bühne, einem Erscheinen gleich, während Julian Gitarre spielt, kündigt sie in ihrer unnachahmlichen Art ein Ereignis aus der Zukunft des Stückes an, das man am Beginn weder kennt noch erahnt.

Thomas Ehrlichmann als Julian ist der 14-jährige in Lia verliebte Julian, der par tout wissen will, warum Lia ihn nicht liebt, wodurch er mit Lia auf die Reise zur Ergründung von der Liebe geht … Dass diese Reise seine Gedanken sind, erfährt der Zuschauer erst zum Ende …

Das Stück ist vielschichtig, anregend, erklärend und durch die Sprünge in Zeiten und Räumen, zwischen und zu Personen zur Aufmerksamkeit zwingend. Der Aufbau hat etwas von einem modernen TV Stück seh gerecht für junge und junge gebliebene Erwachsene.

Regie – Bert Geurkink

Julian – Thomas Ehrlichmann

Lia – Bianka Lammert

Ausstattung – Gus van Geffen, Anneloes van Assem

Musik – Wiebe Gotink

Dramaturgie Milena Noëmi  Kowalski

Regieassistenz – Jana Radowski




Kein leichter Fall im Kinder und Jugendtheater Dortmund

Das Dortmunder KJT befasst sich in seinem Stück für Jugendliche ab 14 Jahren „Kein leichter Fall“ ( David S. Craig, aus dem Englischen von Anke Ehlers) unter der Regie von Johanna Weissert mit einem kontroversen und komplexen Thema. Es geht um den sogenannte „Täter Opfer Ausgleich (TOA)“ bei jugendlichen Straftätern.

Ziel ist es, eine Art außergerichtliche Konfliktbewältigung zwischen den Beschuldigten und Geschädigten zu erreichen. Die TOA ist freiwillig und wird von einer neutralen Person (Mediator*in) vermittelnd begleitet. Die Vereinbarung am Ende muss von beiden Seiten unterschrieben werden. Die Hoffnung dabei ist, rechtzeitig den jugendlichen Straftätern die Folgen ihres Handels vor Augen zu führen, und wenn möglich, ihre Empathie gegenüber dem Opfer zu fördern. Ein frühzeitiges regulatives Eingreifen zum Nutzen für die Gesellschaft.

Eine harte Nummer ist dieser „Täter Opfer Ausgleich“. Zusehen ist das Ensemble: Andreas Ksienzyk, Ann-Kathrin Hinz, Bettina Zobel, Bianka Lammert und Thomas Ehrlichmann (Foto: © Birgit Hupfeld)
Eine harte Nummer ist dieser „Täter Opfer Ausgleich“. Zusehen ist das Ensemble: Andreas Ksienzyk, Ann-Kathrin Hinz, Bettina Zobel, Bianka Lammert und Thomas Ehrlichmann (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die Premiere des Stücks war am 01.10. 2021:

Daniel „Didi“ Timmermann (Thomas Ehrlichmann) ist mit zwei anderen Jugendlichen bei der alten und alleinstehenden Gerda Ross (Bettina Zobel) eingebrochen, hat die Einrichtung verwüstet, beschmiert sowie Medaillen des verstorbenen Mannes gestohlen.

Die Mediatorin Vanessa (Nessa) Kallmann (Ann-Kathrin Hinz) hofft und tut alles dafür, dass sich Daniel zu einem TOA bereit erklärt. Er ist zunächst abweisend und tut so, als würde ihn das ganze nicht wirklich berühren. Seine Mutter Yvonne Timmermann, geb. Maier hat nicht nur Wut auf den von ihr getrennt lebenden, oft gewalttätigen Ex-Mann, sondern vermutet sofort ein Komplott gegen ihren Sohn und führt das Wort bei dem Gespräch mit der Mediatorin.

Nicht nur bei Daniel und seiner Mutter hat Vanessa Kallmann ein „schweres Brett zu bohren“, sondern auch bei Thomas Ross (Andreas Ksienzyk), selbstständig mit eigenem Betrieb, dem Sohn des Opfers.

Da seine Mutter wegen starker Verängstigung nicht mehr in ihrer Wohnung leben kann, ist sie im Augenblick bei ihm und seiner Familie untergebracht.

Er hat Aggressionen und Hassgefühle gegenüber Daniel. Der Täter sollte doch härter bestraft werden. Das sei das einzige, was helfen würde und gerecht wäre.

Letztendlich kommt es zum Täter Opfer Ausgleichs-Treffen und einer ganz langsamen, behutsamen Annäherung zwischen Täter und Opfer, während Daniels Mutter und Ernas Sohn, der klare Worte spricht, sich zunächst noch anschreien.

Eine Vereinbarung wird vor allem durch Gerda Ross, die Empathie und Stärke zeigt herbeigeführt.

Die Schauspieler*innen überzeugten mit ihrer sensiblen Darstellung der unterschiedlichen Personen und deren subjektiven Befindlichkeit.

Am Ende bleiben Fragen: Wann ist eine Strafe oder etwa ein TOA gerecht? Was bedeutet Gerechtigkeit bei oft ungerechten gesellschaftlichen Bedingungen?

Informationen und Karten für die weiteren Vorstellungen unter www.theaterdo.de oder 0231/ 50 27 222

Auch Schulklassen können sich gerne anmelden.