Abheben mit einem Lada

Zu einem Roadmovie gehört auch das passende Gefährt. (v.l.n.r.) Philip Pelzer, Talisa Lara und Thorsten Schmidt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Zu einem Roadmovie gehört auch das passende Gefährt. (v.l.n.r.) Philip Pelzer, Talisa Lara und Thorsten Schmidt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Es gab schon viele Road-Movies, auch schräge, aber „Tschick“, nach dem gleichnamigen Buch von Wolfgang Herrndorf, ist eine Art „Huckleberry Finn“ im 21. Jahrhundert. Damals konnte man Abenteuer am Fluss erleben, heute entlang der Autobahnen. Andreas Gruhn, der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, wird das Stück selbst inszenieren. Die Premiere ist am 20. Mai 2016 um 19 Uhr im KJT.

Die Geschichte zweier Außenseiter: Maik (14) wird in den großen Ferien von seinen Eltern alleingelassen. Aber sein Vater hat ihm 200 € dagelassen. Zu allem Überfluss wird er auch nicht zur Geburtstagsparty der Klassenschönheit Tatjana eingeladen. Da kommt sein Freund Tschick, der schon mal mit einer Alkoholfahne in den Unterricht kommt, um die Ecke mit einem geklauten Lada. Die Spritztour kann beginnen. Unterwegs treffen sie auf weitere seltsame Menschen.

„Tschick ist eine Geschichte mit Boden, die aber abhebt“, erklärt Gruhn. „Sie lässt uns mit den beiden Jungs treiben.“ Statt an einem Fluss entlang erleben Maik und Tschick die seltsamen Abenteuer in der brandenburgischen Provinz.

Mit dabei sind drei neue, junge Schauspieler des Ensembles. Thorsten Schmidt übernimmt den Part des Tschick, Philip Pelzer spielt Maik und Talisa Lara stellt Isa dar.

Auf der Bühne steht ein echter Lada und die Umgebung wird mit abfotografierten Filmsets silmuliert, so entstehen mehr naive als realistische Landschaften. Normalerweise spielt in solchen Roadmovies die Musik eine wichtige Rolle, aber für Andreas Gruhn sind die Geräusche von größerer Bedeutung. Da die Jungs auf ihrer Reise eine Kassette von Richard Clydermann finden, wird dessen „Ballade pour Adelaine“ zu hören sein.

Im Gegensatz dazu wird in dem Stück viel mit Video gearbeitet, da Tschick und Maik einen Videoblog über ihr Abenteuer machen.

Die Premiere ist bereits ausverkauft, aber es gibt noch Karten für den 28. und 29. Mai sowie den 18. und 19. Juni 2016.

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Die Tragik des Wilhelm Tell

Zum Rütlischwur vereint: (v.l.n.r.) Thorsten Schmidt, Talisa Lara, Philip Pelzer, Bettina Zobel und Andreas Ksienzyk. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Zum Rütlischwur vereint: (v.l.n.r.) Thorsten Schmidt, Talisa Lara, Philip Pelzer, Bettina Zobel und Andreas Ksienzyk. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ hatte ein umfangreiches historisches Schauspiel unter der Regie von Johanna Weißert am 26.02.2016 Premiere im Kinder und Jugendtheater in Dortmund.Sie nahm die Herausforderung an, dieses zeitlose Drama um den Freiheit und Selbstbestimmung auch für Jugendliche verständlich und unterhaltsam auf die Bühne zu bringen.

Den Hintergrund dieses Stückes bildet der Unabhängigkeitskampf der Schweizer Urkantone Schwyz, Uri und Unterwalden, die unter der brutalen Besatzungsmacht der Habsburger zu leiden haben. Der Freiheit- und Naturliebende Wilhelm Tell hilft mutig Verfolgten, wo er kann. An einem Aufstand gegen die Besatzer will der zunächst auf Geduld setzende Tell sich nicht beteiligen. Der Eidesschwur der Vertreter der drei Kantone auf der Rütliwiese am Vierwaldstädter See findet so ohne ihn statt.

Als Tell sich weigert, sich zu erniedrigen und dem Hut des Reichsvogtes Gessler die Ehre zu erweisen, zwingt Gessler ihn, mit einem Armbrustschuss den Apfel auf dem Kopf seines eigenen Sohnes zu treffen, um beider Leben zu retten. Er schießt letztendlich und trifft. Jedoch muss er danach gestehen, das er mit einem zweiten Pfeil Gessler ins Herz geschossen hätte, wenn sein Sohn beim ersten Schuss gestorben wäre. Er kommt, entgegen dem Versprechen des Reichsvogtes, in Haft . Erst bei einer Fahrt über den See kann er fliehen. Er kann sich nicht mehr aus dem politischen Geschehen heraus halten.

Das Bühnenbild und die Kostüme von Ulrich Leitner waren zum großen Teil naturalistisch gehalten. Gewaltige Holzstämme bestimmten das Bühnenbild. Die Kleidung der Landbevölkerung war einfach, gleichförmig und volkstümlich gehalten. Reichsvogt Gessler trug eine Militäruniform, die Besatzer trugen Uniformen, die an den Ersten Weltkrieg erinnerten. Die beiden jungen Personen im Stück, Rudenz und Berta von Bruneck, trugen dagegen bunte und modernere Kleidung. So waren die unterschiedlichen Welten auch äußerlich klar voneinander zu unterscheiden.

Im Gegensatz zum naturalistischen Bühnenbild wirkten die aus dem Baumarkt zusammengestellten Alpenhörner mit Schlauchaufsatz wie ein ironischer Bruch.

Die Akustischen und Licht-Effekte bildeten einen gelungenen atmosphärischen Hintergrund. Sturm, Regen, Gewitter, alles wurde für das Publikum erlebbar. Der Einsatz von Kuhglocken passte in das naturalistische Bild.

Der Musikeinsatz von Peter Kirschke war hauptsächlich rhythmisch–akustischer Natur . Nur einmal war die Schweizer Nationalhymne als Symbol der nationalen Einheit zu vernehmen.

Außer Rainer Kleinespel als Wilhelm Tell hatten die fünf anderen Schauspieler/innen gleich mehrere Rollen, sogar als Schaf oder Kuh, zu bewältigen. Sie taten dies mit mit Humor und schau-spielerischem Einfühlungsvermögen.

Rainer Kleinespel überzeugte als freiheitsliebender Tell, dem seine Familie über alles geht. Man sieht ihm die Verzweiflung an, zu einer Gewalttat getrieben worden zu sein.

Andreas Ksienzyk spielte den Reichsvogt in all seiner Arroganz und Grausamkeit, dem es nur darauf ankommt, den freien Willen zu brechen. Bettina Zobel zeigte ebenso wie Philip Pelzer ihre Vielseitigkeit in den Unterschiedlichen Rollen.

Erfrischend in ihrem Spiel waren die jungen Darsteller Talisa Lara und Thorsten Schmidt als Liebespaar. Schmidt als der junge Rudenz mit Verachtung für das festgefahrene Leben auf dem Land und mit Sympathie für das „modernere“ Stadtleben. Erst die Liebe zu Berta von Bruneck bringt einen Sinneswandel bei ihm.

Als Quintessenz wird über dem Stück könnte J.J. Rousseaus Spruch stehen: Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

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Alpenwestern-Ambiente bei Wilhelm Tell

Das Ensemble beim Alphornblasen: (v.r.n.l.) Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk,Bettina Zobel, Talisa Lara, Thorsten Schmidt und Philip Pelzer. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble beim Alphornblasen: (v.r.n.l.) Rainer Kleinespel, Andreas Ksienzyk,Bettina Zobel, Talisa Lara, Thorsten Schmidt und Philip Pelzer. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit ihrer Inszenierung von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ für das Kinder-und Jugendtheater (Sckellstraße 5-7) in Dortmund will Regisseurin Johanna Weißert einen umfangreichen, komplexen Stoff für Jugendliche und Erwachsene ab 13 Jahren, auch ohne politisch-historisches Hintergrundwissen, auf verständliche Weise näher zu bringen.

Beim Presse-Vorgespräch erklärte Weißert: „Wir versuchen, die komplette Geschichte in anderthalb Stunden komprimiert darzustellen. Dabei konzentrieren wir uns auf die eigentliche Handlung mit ausgewählten Textstellen und sechs klare Hauptfiguren.“ Rainer Kleinespel spielt als Einziger nur den Tell, während die fünf anderen Schauspieler/innen KJT- Ensembles gleich mehrere Rollen übernehmen. Das einfache ländliche Leben mit Volksmusik und Alphorn (aus dem Baumarkt) wird der Welt der Besatzer (Habsburger) und der durch zwei junge Figuren repräsentierten Welt gegenüber gestellt. Daher ist der Stoff spannend und von aktueller Brisanz.

Das 1804 erschienene Geschichtsdrama spielt um 1300 in der Schweiz und behandelt den Freiheitskämpfer der Urkantone. Tell wird als Einzelkämpfer wider Willen zum Tyrannenmörder. Er handelt so, weil er nicht anders kann. „Es geht um die Frage: Welche Stellung innerhalb eines Konflikts nehme ich ein?“, so Weißert. Johanna Weißert erläuterte:„Wilhelm Tell ist ein Außenseiter und Einzelgänger, der seine Entscheidungen selbstständig trifft. Er ist eine brüchige und ambivalente Figur.“ Die Inszenierung hat laut der Regisseurin durchaus auch komische Elemente (ohne Schenkel klopfen).

Die Kostüme sind einfach und der ländlichen Umgebung mit viel Holz auf der Bühne angepasst. „Die Bühne wird ein Alpenwestern-Ambiente vermitteln“,verriet Weißert. Für die Musik im KJT ist wieder einmal Peter Kirschke zuständig.

Die Premiere am am 26.02.2016 um 19 Uhr im KJT ist schon ausverkauft. Weiter Aufführungen , wie zum Beispiel am 28.02.2016 und den Rest der Spielzeit gibt es aber noch Karten zu kaufen.

Achtung! Eine extra Aufführung für Pädagogen findet vorab am 24.02.2016 um 18.00 Uhr statt. Eine Einführung gibt es schon ab 17.30 Uhr.

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Wer hat Angst vor Sir Simon?

England trifft Amerika (v.l.n.r.): Thorsten Schmidt, Bettina Zobel, Talisa Lara, Philip Pelzer, Andreas Ksienzyk und Johanna Weißert. (Foto: © Birgit Hupfeld)
England trifft Amerika (v.l.n.r.): Thorsten Schmidt, Bettina Zobel, Talisa Lara, Philip Pelzer, Andreas Ksienzyk und
Johanna Weißert. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das diesjährige Weihnachtsmärchen entführt uns nach England, ins Land der Spukschlösser. Auf Schloss Canterville haust ein besonders schlimmes Gespenst. Doch die neuen Besitzer sind Amerikaner und die haben keine Angst vor Gespenstern, oder? „Das Gespenst von Canterville“ von Oscar Wilde ist ein Klassiker. Am 26. November ist die Premiere des Stoffes in einer Bearbeitung Andreas Gruhn im Schauspielhaus.

Ein Clash der Kulturen auf absolut witzige Weise. Eine amerikanische Familie kauft ein Schloss in England und muss sich mit der britischen Lebenswelt auseinandersetzen. Zu der gehört auch ein Schlossgespenst. Amerikanischer Fortschrittsglaube trifft auf englische Lebensart.

Andreas Gruhn hat das Stück in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts verortet, eine Zeit, die sehr der Zukunft zugetan war, beispielsweise mit ihrem Weltraumprogramm.

Im Laufe des Stückes werden alle Figuren eine Wandlung durchmachen, die Amerikaner, die Engländer (in Form der Verwalterin Mrs. Umney) und auch das Gespenst Sir Simon.

Für das Stück hat Andreas Gruhn sieben Lieder geschrieben und die Musik hat Michael Kessler beigetragen. Von einer Renaissanceballade über englischen Folk bis hin zu Rock’n‘ Roll sind viele unterschiedliche Musikstile vertreten.

Das Stück läuft bis zum 18. Januar. Karten gibt es bei Schulvorstellungen noch für die späteren Vorstellungen (11:30 Uhr oder 12 Uhr) Für Familien am Wochenende: 12. und 25. Dezember (15 und 17 Uhr), 26. Dezember (11 Uhr) und 17. Januar (15 und 17 Uhr).

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Zwischen Zweifel und Glauben

Talisa Lara, Laura, Rainer Kleinespel, Thorsten Strunk und Andreas Ksienzyk ©Hans Jürgen Landes
Talisa Lara, Laura, Rainer Kleinespel, Thorsten Strunk und Andreas Ksienzyk
©Hans Jürgen Landes

Was hat die Kommunion in unserer heutigen Zeit für eine Bedeutung? Ist der kritische Zweifel im Gegensatz zu früher abseits der Freude über die Geschenke festlicher Kleidung bei den Kindern größer? Autor Jörg Menke-Peitzmeyer hat unter anderem schon mit „Miriam, ganz in Schwarz“ im Kinder – und Jugendtheater oder den „Fangesängen“ in der Oper Dortmund von sich reden gemacht.

Unter der Regie von Antje Siebers hatte er nun am 25. September 2015 mit seinem neuen Stück „Kommunionkinder“(ab 9 Jahren) im KJT Premiere.

Zum Stück: Die zehnjährige Laura ist ganz aufgeregt vor ihrer bevorstehenden Erstkommunion. Besonders freut sie sich auf das zu erwartende Handy-Geschenk und ihr selbst ausgesuchtes Kleid. Sie lebt alleine mit ihrer Mutter, die ihr Geld als Krankenschwester verdient. Ihre drei Onkel Gabriel, Jochen und Dirk besuchen sie eine Woche vor dem Ereignis. Gabriel vertritt als Priester und Repräsentant der katholischen Kirche derer Dogmen, während Dirk eher glaubenskritische Haltung einnimmt. Dazwischen steht der lebensfrohe Jochen, der versucht, die Vermittlerrolle einzunehmen. Die drei sinnieren über ihre Kindheit und Kommunion in den 80iger Jahren.

Laura freut sich auf die Kommunion und will die Zeremonie schon einmal mit ihren Onkeln durchspielen und schon mal ihr Kommunionkleid anprobieren. Sie hat alles über den Messablauf und Jesus Leben auswendig gelernt. Doch kommen ihr manchmal Zweifel und sie hat kritische Fragen….

Talisa Lara (Laura), Andreas Ksienzyk (Gabriel), Rainer Kleinespel (Dirk) und Gastschauspieler Thorsten Strunk (Jochen) füllen ihre Rollen mit viel Humor, Ironie und Sensibilität für ihre Charaktere aus. Sie scheuen auch keine kleinen Tanzeinlagen und Gesang von Kirchenliedern.

Besonders die junge Tasia Lara beeindruckte in ihrer Rolle als lebendige und von Zweifeln geplagte Zehnjährige. Ein humorvoller Höhepunkt war sicher eine an die legendäre „Hitparade“ angelehnte, bis ins Kleinste zelebrierte „Hitparade der Kirchenlieder“.

Ein zentraler Satz des Stückes kam von Dirk. Als Laura die Frage „Was bedeutet Kommunion“ richtig beantwortet, zeigt er sich beeindruckt. Darauf erwidert Gabriel bissig: „Ja, Kommunionkinder sind eben nicht so blöd, wie du sie gerne hättest.“ „Sie sind nicht blöd, sie sind bloß jung.“, antwortet Dirk. Im Alter von 9-10 Jahren ist Jahren ist es sicherlich schwer, eine Entscheidung für eine Religionsgemeinschaft bewusst und frei zu treffen.

Die Bühne war war in schlichten Weiß gehalten und bot den Schauspielern Gelegenheit, nah an das Publikum heran zu kommen. Die weiße Wand im Hintergrund mit eingelassener Tür diente als Projektionsfläche. Ob nun für ein lustiges stilisiertes Kinderzimmer, als Hintergrund für ein Bibelquiz in Anlehnung an „Wer wird Millionär“ („Wer wird Kommunionkind“) oder wenn in Bildern gezeigt wurde, was für eine „Modeshow“ bei den Mädchen, ähnlich bei erwachsenen Bräuten, heutzutage zu sehen ist.

Kritische Fragen zum Ausschluss von Frauen vom Priesteramt, Kindesmissbrauch durch Bischöfe und Priester, die verpflichtende Beichte der „kleinen Sünden“ und weitere wurden angesprochen.

Da war der Song „Kann den Liebe Sünde sein“ mit einem“Höllenfeuer“ im Hintergrund auf der Projektionswand passend ausgewählt.

Die Entscheidung für Glauben an Gott oder eben nicht Glauben sollte letztendlich eine individuelle, höchst persönliche Entscheidung sein.

Weitere Vorstellungen gibt es am 18.10.15 (16 Uhr) und am 08.11.15 (16 Uhr). Für Schulklassen bieten sich die Aufführungen am 21.10.15, 04.11.15 und 05.11.15 jeweils um 11 Uhr an.




Zweifeln erlaubt

Laura und ihre Onkel beim Üben der Kommunionsfeier. (v.l.n.r.) Talisa Lara, Andreas Ksienzyk, Thorsten Strunk und Rainer Kleinespel. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Laura und ihre Onkel beim Üben der Kommunionsfeier. (v.l.n.r.) Talisa Lara, Andreas Ksienzyk, Thorsten Strunk und Rainer Kleinespel. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Knapp 200.000 katholische Kinder gehen alljährlich zur Kommunion. Trotz Rückgänge ist die Zahl immer noch imposant. Um so erstaunlicher ist es, dass es bis jetzt kein Theaterstück darüber gibt. Welche Fragen haben die Kinder? Geht es eigentlich nur noch um die Geschenke? Jörg Menke-Peitzmeyer schrieb das Stück „Kommunionkinder“ im Rahmen des Projektes „Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater“. Eins vorweg: Das Stück soll auch für Eltern und Kinder von Protestanten, Muslimen oder Konfessionsfreien geeignet sein. Premiere ist am 25. September 2105 um 19 Uhr im KJT.

Das Stück handelt von der 10-jährigen Laura, die sich auf das kommende Kommunionsfest freut und auch auf ihr Geschenk, ein Handy. Laura hat drei Onkel mit denen sie die Kommunion übt. Dabei sind die Onkel in ihrer Art völlig unterschiedlich. Einer ist Priester, ein anderer wieder skeptisch und sieht die Kirche durchaus kritisch. Der dritte Onkel ist harmoniebedürftig und versucht zwischen den beiden Polen zu vermitteln.

Der Sinn und Zweck des Kommunionsfestes wird in diesem Stück nicht in Frage gestellt, doch Laura (und somit alle anderen Kinder) soll, so Regisseurin Antje Siebers, in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden, vielleicht auch mal an Gott zu zweifeln oder ihn in Frage zu stellen. Auf welche Antwort sie kommen, sollen sie selbst herausfinden. So könnte die Kommunion auch als Abschied vom Kinderglauben zu verstehen sein.

Wie es zu einem kirchlichen Fest gehört, wird viel gesungen. Die Onkel stimmen häufig ein Kirchenlied an. Die Musik kommt aber vom Band. Dazu gibt es ein Bibelquiz mit einem Publikumsjoker. Die Käbbeleien zwischen den Onkeln sind ein großer Spaß nicht nur für Laura, sondern auch für alle Kinder, egal welcher Konfession.

Für die Premiere gibt es noch Restkarten. Weitere Vorstellungen gibt es am 18.10.15 (16 Uhr) und am 08.11.15 (16 Uhr). Für Schulklassen bieten sich die Aufführungen am 21.10.15, 04.11.15 und 05.11.15 jeweils um 11 Uhr an.




Der erste Musiker war Schlagzeuger

Die drei Wesen (Johanna Weißert, Philip Pelzer und Bettina Zobel) entdecken über den Würfel den Zauber der Musik. (Foto: © Birigt Hupfeld)
Die drei Wesen (Johanna Weißert, Philip Pelzer und Bettina Zobel) entdecken über den Würfel den Zauber der Musik. (Foto: © Birigt Hupfeld)

Zumindest wenn man dem Stück „Als die Musik vom Himmel fiel“ von Andreas Gruhn und Peter Kirschke folgt. Hier entdecken drei Wesen einen schwarzen Würfel, der Musik abspielt und plötzlich aufhört. Sie versuchen mit allen möglichen Gegenständen diese Musik nach zuspielen, was am Ende auch gelingt. Ein Premierenbericht vom 11. September 2015 aus dem Sckelly.

„Als die Musik vom Himmel fiel“ ist ein Stück für Kinder ab drei Jahre. Daher wird man auch keine musikwissenschaftliche Analyse erwarten, es geht eher darum, Kindern die Klänge beizubringen und die Möglichkeit, allen möglichen Gegenständen Musik oder Töne zu entlocken.

Zunächst wurden in dem etwa 40 Minuten langen Stück die drei Wesen (Philip Pelzer, Johanna Weißert und Bettina Zobel) vorgestellt, die in einem offenen zeltähnlichen Bau leben und die anscheinend allerlei Alltagsgegenstände gesammelt haben. Besonders witzig dargestellt wurde das morgendliche Waschen der Drei.

Dann erschien plötzlich der Würfel und machte Musik. Ein wenig erinnerte die Situation an den Film „Die Götter müssen verrückt sein“, bei dem eine aus einem Flugzeug geworfene Cola-Flasche bei einem Eingeborenenstamm landet. Staunend lauschen sie der Musik, bis sie verklingt. Danach machen sie sich auf der Suche in ihrem Gerümpel und probieren aus, was sich zum Musikmachen eignet.

Zuerst entdecken sie die Kunst des Schlagzugspielens und der Percussioninstrumente. Später gelangen sie zu den Blasinstrumenten, in dem sie in Gartenschläuche und ähnliches hinein blasen. Durch Trichter und Gießkannen lernen sie, den Resonanzkörper zu verändern. Zuletzt experimentieren sie auf spielerische Art und Weise mit Schnüren und ähnlichen Gegenständen die Saiteninstrumente. Ein wenig aus Reihe fiel die Melodica, die ja ein „fertiges“ Instrument ist.

Am Ende waren die drei Wesen in der Lage, die Melodie des Würfels nach zuspielen. Danach entschwebte der Würfel genauso wie er gekommen war.

Ein ganz klein wenig bedauere ich die Eltern schon, deren Kinder jetzt auf die Idee gekommen sind, auf alles herumzukloppen oder in alles hineinzublasen. Aber nur auf diese spielerisch-experimentelle Weise lernt man die schönen Seiten der Musik kennen.




Von der Kunst zuzuhören

Yasemin Cetinkaya (Hamide) und Thorsten Schmidt (Anton) haben sich was zu erzählen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Yasemin Cetinkaya (Hamide) und Thorsten Schmidt (Anton) haben sich was zu erzählen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

„Gespenstermädchen“ ist kein Gruselstück, obwohl es um ein Mädchen geht, das kurz auftaucht und wieder verschwindet. Es geht vielmehr um die Kunst, jemanden zuzuhören. Das Stück ist ein Klassenzimmerstück und kann für Schulklassen gebucht werden. Daher ist die Premiere am 18.09.2015 auch im Robert-Schumann-Berufskolleg. 2012 gewann das Stück den Jurypreis des 3. dm-Autorenwettbewerbs.
Das Mädchen Hamide ist nur einen Tag in der Schule anwesend und hinterlässt dennoch deutliche Spuren. Zu Beginn spricht sie nicht, und Anton versucht ihr mit Hilfe der Zeichensprache etwas zu erzählen und sie aus der Reserve zu locken. Hamide ist schüchtern und taut aber langsam auf. Nach und nach erzählt sie ihre Geschichte. Ihre Mutter ist Deutsche, sie kommt aber aus Afghanistan. Hamide erzählt vom Krieg und von Menschen auf der Flucht. Anton erzählt von seiner Befürchtung, dass die tote Biene, die er in den Käsekuchen gesteckt hat, seinen Opa umgebracht hat. Wohin sie am Ende des Stückes geht wird offen gelassen.

„Gespenstermädchen“ ist ein Zweipersonenstück mit unterschiedlichen Rollen. Während der Gespräche schlüpfen die Schauspieler in die verschiedenen Charaktere. Schauspieler Thorsten Schmidt hat die Arbeit an dem Stück auch selbst bereichert. Die Auseinandersetzung mit der aktuellen Flüchtlingssituation sei für ihn viel intensiver geworden.

Da das Stück in verschiedenen Klassen vor unterschiedlichen Schülern und verschiedenen Orten gespielt wird, ist auch viel Improvisation mit eingeplant. Reaktionen und Bemerkungen der Schüler sollen aufgegriffen werden, ohne den roten Faden der Handlung zu verlieren. Es wird vor 3. – 6. Klassen gespielt. Termine sind noch frei. Die Dauer des Stückes beträgt 35 Minuten. Der gesamte Zeitbedarf mit Vor- und Nachbesprechung mit der Theaterpädagogin etwa zwei Schulstunden.

Die Premiere am 18.09.2015 im Robert-Schuman-Berufskolleg ist ausverkauft. Mobile Termine sind am: 22., 23., 29., 30. September 2015, Informationen und Buchung unter: 0231 / 50 22 416.




Theater ohne Worte

Bettina Zobel, Johanna Weißert und Philip Pelzer spielenj die drei Wesen, die die Welt der Klänge erleben. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Bettina Zobel, Johanna Weißert und Philip Pelzer spielenj die drei Wesen, die die Welt der Klänge erleben. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit ihrem Projekt „Als die Musik vom Himmel fiel“ im Kinder-und Jugendtheater Dortmund für die Kleinen (und Großen) ab 3 Jahren experimentieren der Leiter des KJT Andreas Gruhn und Peter Kirschke mit einem Theater ohne Worte, nur mit Klang. Die Premiere ist am 11.09.2015 um 18 Uhr.

„Die Idee dahinter ist, kleinen Kindern nahe zu bringen, wie es zur Musik kommt. Diese ist nicht bloß alleine im Radio zu hören, sondern kann von ihnen selbst mit Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs erzeugt werden“, erklärte Gruhn. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich dabei um eine Kartoffelpresse, eine alte Schreibmaschine, ein gezupftes gespannte Seil oder echte Musikinstrumente handelt. „Es stellt sich die Frage, welche Qualität ein Klang haben kann“, so Gruhn.

Zur Geschichte: Drei vergessene „Wesen“ in einer vergessenen Ecke der Welt haben nur einfache Laute zur Verständigung. So sitzen sie stumm in ihrer stillen Welt, bis eines Tages ein kleiner Würfel vom Himmel fällt. Aus diesem kommen wunderbare Töne, die Haah (ängstlich), Beeh (halb blind) und Fiih (wild) verzaubern. Nach einer Wiederholung dieses wunderbaren Klangerlebnisses verstummt die Musik plötzlich. Nun versuchen die Drei, Geräusche zu erzeugen und aus allen möglichen Gegenständen Instrumente zu bauen. Sie tuten, zupfen und trommeln auf alles was sie finden können. Gemeinsam üben sie hartnäckig so lange, bis sie die zauberhafte Musik aus dem Würfel nachspielen können…

Peter Kirschke, auch bekannt als Regisseur von der Produktion „Ein Freund für Löwe Boltan und Musik und Video der Produktion aus dem letzten Jahr „Ach je die Welt“, ist bei diesem Projekt für die Musik verantwortlich. „Wir wollen mit einer kleinen bezaubernden Melodie den vergangenen Sommer (wieder) ins KJT holen“, verriet Kirschke.

Von großer Bedeutung ist bei dieser Produktion auch die Ausstattung. Die Verantwortliche Sandra Linde erläuterte dazu: „Wir haben als Symbol für eine vergessene Welt irgendwo eine Art Iglu-Zelt als Wohnstätte ausgewählt. Für die drei Wesen wurden extra übergroße Pullover hergestellt. Der Würfel ist ca. 25 cm x 25 cm groß und zwei riesige Rohre, werden von oben ihre Kommentare abgeben. Ein Rohr als „Good Rohr“, das andere als auch mal schimpfendes „Bad Rohr“.

Andreas Gruhn wies auf die Bedeutung dieser Produktion in unsere Zeit mit vielen Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund ohne deutsche Sprachkenntnisse hin.

Die Spieldauer des Stückes ist 40 Minuten.

Die Premiere am 11.09. 2015 ist bereits ausverkauft. Weitere Termine: So, 13. September 2015, So, 20. September 2015, Di, 29. September 2015, Do, 15. Oktober 2015, So, 18. Oktober 2015 und So, 25. Oktober 2015.

Am Mittwoch, den 09. September gibt es um 17:30 Uhr einen Themenabend für Pädagogen. Infos bei der Theaterpädagogin Erika Schmidt-Sulaimon eschmidt@theaterdo.de

Besonders für Kitas geeignet sind die 10 Uhr Termine am 29. September und am 15. Oktober 2015.




Warten auf Odysseus

Die 21 Jugendlichen und jungen Erwachsenen vom Jungen Schauspiel Bochum nahmen sich mit „Eine Odyssee“ dem gleichnamigen antiken griechischen Stoff an. Sie erzählen die Geschichte der langen Heimreise des Odysseus, dem König von Ithaka, der nach dem zehn Jahre dauernden Krieg als Held über Troja noch eine lange Irrfahrt vor sich hat, die noch weitere zehn Jahre dauern wird. Aufgeführt wurde das Stück im Rahmen des Festivals Unruhr im KJT am 03. Juni 2015.

Seine Frau Penelope und seinen Sohn Telemanchos hatte Odysseus zu Hause zurückgelassen. Penelope schwankt zwischen Hoffnung auf eine Heimkehr Odysseus und verzweifelter Ernüchterung und Skepsis. Sie denkt bereits daran, einen reichen Verehrer zu heiraten. Telemanchos schwankt zwischen Zorn auf seinen Vater, der ihn verlassen hatte, und der Sehnsucht nach dem „Vater als Helden“. Nach abenteuerlicher Reise schafft Odysseus die Heimkehr nach Ithaka. Er gibt sich nach einer Zeit dem Sohn zu erkennen, nachdem er einem von seinen Rivalen um Penelope angezettelten Mordanschlag entgehen kann und diesen ersticht. Penelope und Odysseus sind weiter in Liebe Verbunden und Telemanchos wird am Ende neuer König von Ithaka.

Das Geschehen auf der Bühne wurde auf einem erhöhten Podest von Zeus und seinen Göttern leger und humorvoll kommentiert. Dazu sitzen sie auf einer Art Kinosessel mit Popcorn und Softdrinks.

Drei blaue Fässer mit einem Brett und Segel darauf dienten als Schiff für Odysseus. Dazu gab es Sturmgeräusche vom Band. Eine weiße Leinwand an der Seite wurde geschickt alsSchattenwand eingesetzt. So tanzte die Nymphe Kalypso verführerisch hinter der Leinwand, als Odysseus durch den Einfluss von Poseidon auf ihrer Insel strandet. Lustig wurde es auf einer anderen Insel, als gelanweilte Prinzessinnen Odysseus wie einen Popstar anhimmelten. Darunter waren auch zwei junge Männer als „Prinzessinnen“ verkleidet.

Gelungen war, dass in der der Inszenierung Penelope von drei jungen Frauen gespielt wurde. Ein gelungener Schachzug, um ihre verschiedenen Facetten darzustellen. Mal ist sie Hoffnungsvoll, mal verzweifelt.

Der Rivalen und potenzielle Heiratskandidaten wurde als berechnende Persönlichkeit entwickelt. Sinnbild dafür war ein Schachbrett auf der Bühne, von dem er die Königin weg kickte. Begleit wurde Aufführung von kurzen dramatischen, martialischen Musikeinlagen.

Ein eindruckvoller Beitrag aus Bochum, der den Wunsch der Menschen nach „Heimkehr“ wiederspiegelte.