Zwei Außenseiter werden Freunde

Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble des Stückes: (v.l.n.r.) Andreas Ksienzyk, Thorsten Schmidt, Bianka Lammert, Bettina Zobel, Rainer Kleinespel, Philip Pelzer und Talisa Lara. Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ nach dem gleichnamigen, preisgekrönten Jugendbuches von Andreas Steinhöfel (Bühnenfassung von Felicitas Loewe) steht im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater ein echter Blockbuster auf dem Programm.

Regisseurin Antje Siebers verriet vorab zur Dramatisierung des Stoffes: „Das ist eine Geschichte von zwei Außenseitern. So unterschiedlich sie sind, vereint sie, dass sie oft alleine sind. Es ist eine Freundschaftsgeschichte und parallel dazu ein Krimi.“

Rico ist 11 Jahre und nach eigenen Angabe „tiefbegabt“, etwas langsamer und hat Konzentrationsschwierigkeiten. Man könnte sagen, er hat ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS). Zusammen mit seiner liebevollen Mutter Tanja, Geschäftsführerin eines Nachtclubs, lebt er in einem Wohnhaus in Berlin-Kreuzberg. Im Haus leben auch einige skurrile Bewohner. Zu ihnen hat Rico jeweils unterschiedliche Kontakt.

Rico ist ein Junge mit viel Fantasie und emotionaler Intelligenz. Er schließt Freundschaft mit dem hochbegabten und über-vorsichtigen Oskar. Als Schutz vor potentiellen Gefahren trägt dieser sogar einen Schutzhelm. Plötzlich verschwindet Oskar und es besteht der Verdacht, dass er von Mister 2000 entführt wurde. Dieser treibt seit einiger Zeit sein Unwesen in Berlin und verlangt immer genau 2000 Euro Lösegeld. Nun hat Oskar die schwere Aufgabe, seinen Freund zu befreien und gleichzeitig das Geheimnis der Tieferschatten zu lösen…

An Steinhöfel schätze ich vor allem seine liebevollen Beschreibung der einzelnen Typen ohne diskriminierend zu werden,“ so Siebers. Anders sein ist hier kein Makel, sondern Bereicherung.

Das Stück wird musikalisch von der speziell für die Aufführung von Michael Kessler komponierten Musik begleitet werden. Auf der Bühne wird ein einsehbares Wohnhaus stehen und Rico im Zentrum jeder Szene zu sehen sein.

Die Premiere des Stücks am Freitag, den 30. September 2016 um 19:00 Uhr ist schon ausverkauft. Für die zweite Aufführung am 2. Oktober 2016 um 16:00 Uhr im KJT gibt es aber auf alle Fälle noch Karten. Informationen zu weiteren Aufführungsterminen gibt es unter www.theaterdo.de




Früher Vorverkauf für das Weihnachtsmärchen

Das diesjährige Weihnachtsmärchen handelt vom "falschen Prinzen". (Grafik: © Theater Dortmund)
Das diesjährige Weihnachtsmärchen handelt vom „falschen Prinzen“. (Grafik: © Theater Dortmund)

In diesem Jahr geht der Kartenvorverkauf für das neue Weihnachtsmärchen „Der falsche Prinz“ nach Wilhelm Hauff unter der Regie von Andreas Gruhn (Direktor des Dortmunder Kinder-und Jugendtheater Dortmund) schon jetzt los. Den Grund hierfür erklärte Gruhn : „In diesem Jahr fällt das Schauspielhaus als Austragungsort aus den bekannten Gründen aus. Wir haben uns entschlossen, nach über 11 Jahren das Weihnachtsmärchen wieder im KJT aufzuführen.“

Da das KJT im Gegensatz zum Schauspielhaus deutlich weniger Personen Platz bietet, wird es schwieriger für alle Interessierten, sich das das beliebte jährliche Weihnachtsmärchen auch ansehen zu können. „Schon jetzt sind die Hälfte der Karten, vor allem die Schüleraufführungen, verkauft“, so Gruhn.

Wer das Weihnachtsmärchen um den „falschen Prinzen“, um Schein und Sein miterleben will, sollte sich also möglichst beim Kartenkauf sputen. Trotz dieses Nachteils bietet das KJT auch Vorteile. Zunächst für die Anfahrt. Familien können kostenlos am nahe gelegenen geräumigen Parkplatz ihr Auto parken. Weitere Vorteile für die Aufführung im KJT sind räumliche Dichte und Nähe des Publikums am Geschehen. Es ist jedoch ein doppelter Ausstattungsetat im Vergleich zu Schauspielhaus notwendig, wie Gruhn verriet.

Die Premiere von „Der falsche Prinz“ wird übrigens am 11.111.2016 sein. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt darüber berichten.

Ein Trost für alle, die keine Karten für eine der Aufführungen des Weihnachtsmärchens mehr bekommen können: Ab 30.09.2016 ist im Programm des KJT „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ nach Andreas Steinhöfel, und am 02.12.2016 gibt es als mobiles Klassenzimmerstück „Zuckeralarm“ von Ulrike Willberg im Robert-Schuhmann-Berufskolleg.

Mehr Informationen finden Sie unter www.theaterdo.de




Gefährliche Mission – Infinity

Ein seltener Moment emotionaler Nähe. Sarah (Johanna Weißert), Helen (Jennifer Ewert) und Eloise (Emilia Haag). (Foto: Birgit Hupfeld)
Ein seltener Moment emotionaler Nähe. Sarah (Johanna Weißert), Helen (Jennifer Ewert) und Eloise (Emilia Haag). (Foto: Birgit Hupfeld)

Am Donnerstag, den 08.09.2016 war im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater die Uraufführung für die Auftragsarbeit (Charles Way) in Kooperation mit dem Consol Theater Gelsenkirchen und dem Theatr IoIo (Cardiff). Im drei Personen Stück unter der Regie von Andrea Kramer (Consol Theater) stellen Johanna Weißert vom KJT die Mutter Sarah, Jennifer Ewert (Consol Theater) ihre Zwillingsschwester Helen und Emilia Haag (Consol Theater) Eloise, die 12-jährige Tochter von Sarah dar.

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Aber auch unendliche Gefahren. Filme und Bücher über Unglücksfälle und Probleme während einer Raummission sind nicht selten. Wer erinnert sich nicht an den Ausspruch „Houston, wir haben ein Problem“ aus „Apollo 13“ oder an die Probleme des allein gelassenen „Marsianers“ aus dem Jahre 2015. Um den Mars dreht sich das Theaterstück auch: Wir befinden uns im Jahr 2033: Die rationale, neugierige Astronautin Helen wird für eine 3-jährige Marsmission auserwählt. Ihre Zwillingsschwester Sarah, eine vorsichtige, bodenständige Frau, lebt mit ihrer Tochter Eloise auf dem elterlichen Bauernhof. Während ihre Mutter der Mission skeptisch gegenüber steht, ist Eloise Stolz auf ihre mutige Tante. Sie halten so gut das geht über moderne Kommunikationssysteme Kontakt. Ängste, Konflikte und Emotionen brechen sich Bahn. Auf der Rückreise gibt es Komplikationen am Raumschiff. Kann Helen ihr Versprechen, wieder gesund heim zu kommen einlösen…?

Die Bühne war mit 12 weißen Medizinbällen und einer Leiter, Eimer vor einer blauen Wand bestückt. Ein Traktor hing seitlich links hinter der blauen Wand von der Decke. Die Regisseurin löste das Problem der großen räumlichen Distanz, indem sie nicht die reale, sondern die jeweilige emotionalen Distanz der Personen zu vermitteln suchte. Ein gelungener Kniff war dabei der multifunktionale Einsatz der weißen Bälle und der Leiter. Mit der Nutzung der Medizinbälle konnten die drei Schauspielerinnen zum Beispiel wunderbar ihre Emotionen, wie Wut, Ängste und Zuneigung ausdrücken.

Die Typen wurden einfach und prägnant dargestellt. Helen in einem weißen Ganzkörper-Anzug, die Mutter von Eloise zünftig mit Holzfäller-Hemd und Eloise als frecher Teenager. Das Stück verlangte den Schauspielerinnen nicht nur hohes Maß an Sensibilität für die Gemütszustände ihrer Figuren ab, sondern war auch choreografisch anspruchsvoll. Sie brachten brachten Gefühle wie Eifersucht, Wut, Angst, Enttäuschung oder Freude und Stolz glaubhaft auf die Bühne. Die Musik unterstützte das Geschehen im Hintergrund. Effektvoll der hinter der blauen Leinwand projizierten Raketenstart und gelungen der gezielte Einsatz der Beleuchtung.

Das Stück stellt sich der existenziellen Frage: Welche Risiken sind wir bereit mutig für eine lebenswerte Zukunft ein zu gehen? Welche Risiken sind es wert, dass wir sie eingehen? Nicht nur für junge Menschen in der Pubertät von Bedeutung.

Weitere Informationen und Termine unter www.theaterdo.de

Das Objekt der Begierde für Helen: Der Mars, aufgenommen von Hubble. (© Foto: NASA)
Das Objekt der Begierde für Helen: Der Mars, aufgenommen von Hubble. (© Foto: NASA)




„Infinity“ – eine mutige Reise

Mit dabei sind Jennifer Ewert, Emilia Haag und Johanna Weißert (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Mit dabei sind Jennifer Ewert, Emilia Haag und Johanna Weißert
(Foto: ©Birgit Hupfeld)

Als Auftragswerk und Koproduktion des Kinder-und Jugendtheater Dortmund mit dem Consol Theater Gelsenkirchen und dem Teatr lolo in Cardiff (Wales) findet am Donnerstag, dem 08.09.2016 um 19:00 Uhr die Uraufführung von „Infinity“, nach der Vorlage von Autor Charles Way (geb. 1955-Südengland) statt. Regie führt Andrea Kramer vom Consol Theater.

Der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Georg Kentrup vom Consol Theater Gelsenkirchen freut sich über die Koproduktion: „Wir haben mit dem KJT schon seit 2009 bei „pottfiction“ zusammen gearbeitet. Wir suchen immer die Kooperation, um mehr Menschen zu erreichen und Synergieeffekte zu nutzen.“ Bei „Infinity“ gab es nicht nur eine gemeinsame Stückentwicklung, auch die drei weiblichen Personen des Stücks wurden von sowohl von Schauspielerinnen der beiden Theater des Ruhrgebiets besetzt.

Worum geht es? Wir befinden uns im Jahr 2033. Die 12-jährige Eloise (Jennifer Ewert – Consol Theater), lebt mit ihrer Mutter ( Johanna Weißert – KJT) auf einem Bauernhof. Helen ( Emilia Haag – Consol Theater) ist Eloises Tante und Astronautin. Sie wird für eine dreijährige Mission mit der ersten bemannten Rakete (Infinity) ausgewählt. Während Eloise die Notwendigkeit der riskanten Reise sieht und stolz auf ihre Tante ist, hat ihre Mutter gemischte Gefühle und Bedenken. Die Mutter repräsentiert die bodenständige, auf Sicherheit bedachte Seite. Die Schwester ist die neugierige und risikobereite Forscherin. Eloise steht dazwischen. Über die vielen Millionen Kilometer hinweg versuchen sie so gut es geht Kontakt per modernen Skype zu halten. Sie informieren sich gegenseitig über ihr tägliche leben auf dem Bauernhof und im All. Als die „Infinity“ nach zweieinhalb Jahre den Rückweg zur Erde ist, kommt es zu Komplikationen. Kann Helen ihr Versprechen einer glücklichen Heimkehr einlösen?

Zwei Dinge waren für die Regisseurin bei der Stückentwicklung von Bedeutung.

1. Wie stellen wir die gefühlte Distanz im Unterschied zur realen Distanz auf der begrenzten Bühne dar?

So werden die drei Schauspielerinnen je nach ihrer emotionalen Nähe, unabhängig von ihrer realen Distanz, zueinander platziert.

2. Es geht bei diesem Stück um die Frage nach dem Wert von Risiken und der mutigen Gestaltung der Zukunft, sowie der Bereitschaft, Fehler zu machen.

„Infiniy ist auf das jugendliche Publikum so ab 12 Jahren ausgerichtet. In dem Alter fängt die Suche nach der Positionierung der Kinder nach außen an. Sie stellen sich die Frage, wo will ich hin und wie ist meine Position in der Gesellschaft“, so Kentrup.

Nach der Uraufführung findet die Premiere von „Infinity“ im Consol Theater Gelsenkirchen am 18.09.2016 um 18:00 Uhr statt. In Teatr lolo Cardiff wird in einem Jahr die Premiere sein.

Karten für die Uraufführung im KJT gibt es noch unter www.theaterdo.de




An die Grenzen gehen

Was der Suche nach Grenzen. Die Akteure: Patrick Zajac, Leonie Raulf, Felix Fischer, Lars Gemein, Christin Otto, Tabea Stockbrügger, Saskia Rademacher, Lucia Danieleit, Annalena Lipinski, Robin Frank, Jascha Loos (Foto: ©Oliver Look)
Was der Suche nach Grenzen. Die Akteure: Patrick Zajac, Leonie Raulf, Felix Fischer, Lars Gemein, Christin Otto, Tabea Stockbrügger, Saskia Rademacher, Lucia Danieleit, Annalena Lipinski, Robin Frank, Jascha Loos (Foto:
©Oliver Look)

Mit „Hinter dem Dazwischen | Tag 8“ haben sich 15 Jugendliche und junge Erwachsene (16 – 24 Jahre) unter der Regie von Felix Bürkle & Inga Waizenegger in einer eindrucksvollen Performance mit dem Ausloten ihrer persönlichen Grenzen auseinander gesetzt. Uraufführung war am 24.06.2016 im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater. Die pottfiction-Gruppe Dortmund ist Teil eines -städteübergreifenden Jugendtheaterprojekts der Kulturmetropole Ruhr.

Wie ist meine Rolle und Position in der Gruppe? Neugier, Ängste, Mut, Hoffnung und Frustration bei der Suche nach dem individuellen Weg und das Stoßen auf die eigenen Grenzen. Diese sind durch die jeweilige Persönlichkeit , aber auch durch äußere Einflüsse, unter anderem die Gruppendynamik bestimmt.

Dabei spielte die Sprache eine untergeordnete Rolle. Es wurden nur einzelne Begriffe in den Raum geworfen. Die Gruppe wählte die Ausdrucksform der Bewegungschoreografie mit unterschiedlicher musikalischer Untermalung und Verstärker. Das Spektrum ging von Vivaldi bis zu Techno-Beats. So wurden die verschiedenen Emotionen auch musikalisch deutlich.

Eine große Rolle spielte bei der Performance viel Sand, den die Akteure als Begrenzungs-und Ausdrucksmittel benutzten. Beeindruckend schon am Anfang, als die Akteure zwei mit Sand gefüllte weiße Becher mit ausgestreckten Armen fest hielten, bis sie nicht mehr konnten und diese zu Boden fielen.

Es war eine Art Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Personen. Man konnte die Anstrengung gut in ihren Gesichtern ablesen. Jeder ging an seine persönliche Grenze. Im Laufe der Aufführung entwickelte sich eine Gruppendynamik. Da gab es die Außenseiter, Rangeleien aber auch Empathie und Suche nach Schutz und Kraft in der Gruppe. Es fielen Begriffe wie Hilfe, Ehrgeiz, Aufgabe oder Provokation. Jeder schrieb seine Wünsche, Wut und andere Emotionen in den Sand.

Gegen Ende gab es als Begleitung Live-Musik von drei der Beteiligten mit Gitarre, Cello und Geige und es bleibt die Suche nach den Spuren im Sand. Die Performance hatte ihre Stärken in dem überzeugenden und ausdrucksvollem Zusammenwirken von Improvisation, Bewegung und Musik.

An seine Grenzen zu gehen und sie immer wieder neu auszuloten ist schwierig und anstrengend.

Es kann zu Enttäuschungen und Scheitern führen, aber auch selbstbewusst und stark machen und einen neuen Horizont und Möglichkeiten eröffnen.

Alle Beteiligten sind an diesem Abend an ihre persönlichen Grenzen gegangen und mit viel Applaus vom Publikum belohnt worden.




Was gibt es hinter der Grenze?

Teile der Gruppe beim "Ausdauertraining" mit Wasserbechern. (Foto: © Oliver Look)
Teile der Gruppe beim „Ausdauertraining“ mit Wasserbechern. (Foto: © Oliver Look)

Die Dortmunder pottfiction-Gruppe entwickelte mit „Hinter dem Dazwischen | Tag 8“ unter der Leitung von Felix Bürkle und Inga Waizenegger eine Performance über Grenzen und deren Überwindung. Premiere hat das Stück am Freitag, dem 24. Juni 2016 um 19 Uhr im Kinder- und Jugendtheater.

Das Stück dreht sich um Themen Barrieren und Inklusion, aber auch um die konkrete Frage: Wo ist meine persönliche Grenze. Das wird mit Mitteln der Choreografie wie bei einem Tanztheater erforscht. Beispielsweise halten die Akteure in einer Szene jeweils ein Glas Wasser in ihren ausgestreckten Händen und versuchen, es solange wie möglich zu halten. Dadurch entsteht auch eine Art Wettbewerb.

Auch sonst sind sehr wenig Texte in dem Stück zu hören, es ist choreografisch aufgebaut und wird mit Improvisationen gefüllt.

Auf der Bühne werden die unterschiedlichen Räume mit Sand markiert. Neben Musik vom Band (u.a Vivaldi, Techno, Prodigy) gibt es Live-Musik mit Cello, Violine und Gitarre.

Das große pottfiction Sommercamp findet vom 09. bis 17. Juli 2016 in Hagen statt. Hier wird es am 09. Juli 2016 um 18 Uhr im LUTZ noch eine weitere Vorstellung geben. Zudem gibt es eine weitere Vorstellung im KJT am 25. Juni um 19 Uhr.




Beeindruckendes Flüchtlingsprojekt

Elias singt über den Verlust seines Freundes. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Elias singt über den Verlust seines Freundes. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit „Say it loud – Stories from the brave new world“ hatte am 03.06.2016 ein bemerkenswertes Projekt mit Flüchtlingen (ab 14 Jahren) im Dortmunder Kinder-und Jugendtheater Premiere.

In Kooperation mit dem VMDO, Grone Bildungszentren NRW gGmbH, Haus der Vielfalt, Adlerhaus Dortmund arbeiteten Regisseur Andreas Wrosch, Theaterpädagogin Inga Waizenegger und mit Hilfe des Sprachcoaching von Dr. Ulrike Eichenauer seit August 2015 zusammen mit zunächst 17 damals frisch in unserer Stadt gestrandeten Flüchtlingen aus 5 verschiedenen Ländern.

Von diesen 17 Flüchtlingen wagten sich letztendlich zwei junge Mädchen und sieben junge Männer auf die Bühne. Das beweist ihre starke Persönlichkeit trotz ihrer traumatischen Erlebnisse und schwierigen Lebensbedingungen.

Mit einem Symbolischen pochenden Herzschlag begann die Aufführung, dann Musik und acht der Flüchtlinge kriechen aus ihren Schlafsäcken und Zelten. Auf der Bühne befinden sich acht flexibel einsetzbare Euro-Paletten, wo sie sich hinsetzen oder hinstellen können.

Oamile, Firas, Iman, Elias, Mamet, Ekrem, Osama, Ayam und Mohamad erzählten von ihrem Leben vor der Flucht, ihre Träume und Sehnsüchte, ihre Traurigkeit und Hoffnungen. Neben den anschaulichen Spielszenen und Erzählungen wurde die Aufführung durch Musik, Tanzeinlagen und akrobatischen Kunststücken aufgelockert. Eindrucksvoll berührende Lieder voll trauriger Melancholie wurden in der Heimatsprache gesungen und auf einer Leinwand projiziert in deutscher Sprache für das Publikum übersetzt.

Die neun Menschen kamen aus fünf verschiedenen Ländern (Nordsyrien, Mazedonien, Kosovo, Palästina und Marokko). Im Mittelpunkt stand die schreckliche Situation in den zerstörten Städten in Syrien, wo Assad (unterstützt von Russland und dem Iran ) einen Krieg gegen das eigene Volk führt, im Mittelpunkt. Unter die Haut gingen die authentischen Berichte über Folter, Armut, Angst und Hoffnungslosigkeit. Bilder der völlig zerstörten Stadt Homs waren auf der Leinwand zu sehen.

In Saudi Arabien, Katar, Jordanien oder Libanon gab es keine Hoffnung auf Aufnahme. So führt sie ihr Weg nach Europa. Nur ein System aus Bestechung führt sie dort hin.

Das Publikum bekam auch Einblicke in das strenge Schulwesen in Syrien, wo sich Schüler mit „kleinen Gefälligkeiten“ Erleichterung und bessere Behandlung durch die Lehrer erkaufen können.

An ihre emotionalen Grenzen kamen die aus Syrien geflüchteten jungen Männer, als sie von ihren getöteten Verwandten und Freunden sprachen, deren Bilder auf der Leinwand zu sehen waren.

Am Ende hatten die Flüchtlinge Fragen zu den Ängsten der Menschen in Deutschland und eine eindringliche Bitte an das Publikum und die Politiker.. Helft mit, die Fluchtursachen wie Krieg und Not zu beseitigen! Alle lieben ihre Heimat und wollen eigentlich so schnell wie möglich zurück.

Der Projektleiter Wrosch und Theaterpädagogin Waizenegger gaben noch ein paar Anekdoten über die teils schwierige, aber auch lustige Zusammenarbeit mit den Flüchtlingen zum Besten.

Wie wichtig das Projekt auch von der Stadt Dortmund gesehen wird , zeigte die Anwesenheit von Oberbürgermeister Ullrich Sierau, der vor der Aufführung „DORTBUNT“-Anstecker verteilte.

Werbung für mehr ein wenig mehr Verständnis für die Flüchtlings-Ursachen auf einer direkten, persönlichen Ebene.

Infos zu weiteren Aufführungsterminen erhalten sie unter www.theaterdo.de




Flüchtlingsprojekt „Say it loud“

In Kooperation mit dem Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine e.V. Dortmund (VMDO), – Grone Bildungszentren NRW gGmbH, Haus der Vielfalt und Adlerhaus Dortmund hat das Kinder-und Jugendtheater ein besonderes Projekt ins Leben gerufen. Bei der Premiere von „Say it loud – Stories from the brave new world“ am Freitag, den 03.06.2016 um 19 Uhr, nehmen im Augenblick zehn Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Norden von Syrien, Mazedonien, Kosovo, Palästina und Marokko teil. Es geht um ihre persönlichen Fluchtgründe und Traumata, ihre Wünsche sowie Erfahrungen in Dortmund. Neben dem ernsten Hintergrund soll aber auch die humorvoll-ironischen Momente nicht zu kurz kommen.

Andreas Gruhn, Direktor des KJT, verriet im Vorgespräch, dass die Idee zu einem Flüchtlingsprojekt schon vor zwei Jahren angedacht wurde. Also noch vor dem massiven Zustrom im seit dem letzten Jahr aufgrund der verheerenden Krisen und Kriegssituation in vielen Teilen der Welt. Seit August 2015 gab es dann erste Kontakte zu den verschiedenen Kooperationspartnern und Flüchtlingen. Die Menschen sind immer noch die selben Menschen. Die Situation in den Ländern hat sich nicht geändert. Wir wollen den einzelnen Menschen mit ihren Wünschen, Ängsten und Hoffnungen Raum für ihre Geschichten geben“, so Gruhn. Dabei geht es um Kommunikation ohne Anspruch auf einfache Lösungen.

Ümit Koşan (VMDO) wies darauf hin, dass dieses Projekt den Flüchtlingen die Möglichkeit einer sinnvollen Beschäftigung und Auseinandersetzung mit ihrer Situation bietet. Wichtig ist dabei die gemeinsame Arbeit an einem Projekt von Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit und Öffnung des KJT für Flüchtlinge ist geplant, fügte Gruhn hinzu.

Der Projektleiter und Regisseur Andreas Wrosch lobte die Unterstützung der Stadt. Mit dabei sind seit Anfang zwei Sprachlehrer, darunter Dr. Ulrike Eichenauer. „Die zur Zeit zehn jungen Menschen aus fünf verschiedenen Ländern sprechen inzwischen so verständlich Deutsch, dass wir sie authentisch möglichst ohne Übersetzung sprechen lassen wollen“, so Wrosch.

Mit leichtem Schmunzeln spricht er von der Schwierigkeit für die Flüchtlingen, notwendigerweise pünktlich zu den Proben zu erscheinen.

Ernster wird er, als es um den schwierigen Umgang mit zum Teil auch schwer traumatisierten Menschen geht. „Die jungen Leute bekommen ja über ihre Smartphones und Handys mit, wie schlecht es ihren Angehörigen in der Heimat geht“, weiß der Projektleiter. Von den anfänglich siebzehn Teilnehmen sind zur Zeit nur noch zehn beidem Projekt dabei. Leider keine mehr aus Eritrea und dem Irak.

Wichtig bei der Arbeit ist uns deshalb immer, zwischendurch zu lachen“, erklärte Theaterpädagogin Inga Waizenegger. Es geht bei dem Stück nicht darum , schockierende „Betroffenheitsbilder“ zu zeigen, sondern um Verständnis und Kontakt.

Wir planen auch eine Partnerschaft mit ähnlichen Projekten in Frankreich (Calais), Schweden und eventuell in Portugal. Im September 2016 geht es zunächst nach Calais“, verriet Gruhn zum Schluss. Dann könnte sich zeigen, ob Europa nur eine Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft ist, oder uns auch humanistische Ideale verbinden.




Abheben mit einem Lada

Zu einem Roadmovie gehört auch das passende Gefährt. (v.l.n.r.) Philip Pelzer, Talisa Lara und Thorsten Schmidt. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Zu einem Roadmovie gehört auch das passende Gefährt. (v.l.n.r.) Philip Pelzer, Talisa Lara und Thorsten Schmidt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Es gab schon viele Road-Movies, auch schräge, aber „Tschick“, nach dem gleichnamigen Buch von Wolfgang Herrndorf, ist eine Art „Huckleberry Finn“ im 21. Jahrhundert. Damals konnte man Abenteuer am Fluss erleben, heute entlang der Autobahnen. Andreas Gruhn, der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, wird das Stück selbst inszenieren. Die Premiere ist am 20. Mai 2016 um 19 Uhr im KJT.

Die Geschichte zweier Außenseiter: Maik (14) wird in den großen Ferien von seinen Eltern alleingelassen. Aber sein Vater hat ihm 200 € dagelassen. Zu allem Überfluss wird er auch nicht zur Geburtstagsparty der Klassenschönheit Tatjana eingeladen. Da kommt sein Freund Tschick, der schon mal mit einer Alkoholfahne in den Unterricht kommt, um die Ecke mit einem geklauten Lada. Die Spritztour kann beginnen. Unterwegs treffen sie auf weitere seltsame Menschen.

„Tschick ist eine Geschichte mit Boden, die aber abhebt“, erklärt Gruhn. „Sie lässt uns mit den beiden Jungs treiben.“ Statt an einem Fluss entlang erleben Maik und Tschick die seltsamen Abenteuer in der brandenburgischen Provinz.

Mit dabei sind drei neue, junge Schauspieler des Ensembles. Thorsten Schmidt übernimmt den Part des Tschick, Philip Pelzer spielt Maik und Talisa Lara stellt Isa dar.

Auf der Bühne steht ein echter Lada und die Umgebung wird mit abfotografierten Filmsets silmuliert, so entstehen mehr naive als realistische Landschaften. Normalerweise spielt in solchen Roadmovies die Musik eine wichtige Rolle, aber für Andreas Gruhn sind die Geräusche von größerer Bedeutung. Da die Jungs auf ihrer Reise eine Kassette von Richard Clydermann finden, wird dessen „Ballade pour Adelaine“ zu hören sein.

Im Gegensatz dazu wird in dem Stück viel mit Video gearbeitet, da Tschick und Maik einen Videoblog über ihr Abenteuer machen.

Die Premiere ist bereits ausverkauft, aber es gibt noch Karten für den 28. und 29. Mai sowie den 18. und 19. Juni 2016.

Mehr Infos unter www.theaterdo.de




Die Tragik des Wilhelm Tell

Zum Rütlischwur vereint: (v.l.n.r.) Thorsten Schmidt, Talisa Lara, Philip Pelzer, Bettina Zobel und Andreas Ksienzyk. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Zum Rütlischwur vereint: (v.l.n.r.) Thorsten Schmidt, Talisa Lara, Philip Pelzer, Bettina Zobel und Andreas Ksienzyk. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Mit Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ hatte ein umfangreiches historisches Schauspiel unter der Regie von Johanna Weißert am 26.02.2016 Premiere im Kinder und Jugendtheater in Dortmund.Sie nahm die Herausforderung an, dieses zeitlose Drama um den Freiheit und Selbstbestimmung auch für Jugendliche verständlich und unterhaltsam auf die Bühne zu bringen.

Den Hintergrund dieses Stückes bildet der Unabhängigkeitskampf der Schweizer Urkantone Schwyz, Uri und Unterwalden, die unter der brutalen Besatzungsmacht der Habsburger zu leiden haben. Der Freiheit- und Naturliebende Wilhelm Tell hilft mutig Verfolgten, wo er kann. An einem Aufstand gegen die Besatzer will der zunächst auf Geduld setzende Tell sich nicht beteiligen. Der Eidesschwur der Vertreter der drei Kantone auf der Rütliwiese am Vierwaldstädter See findet so ohne ihn statt.

Als Tell sich weigert, sich zu erniedrigen und dem Hut des Reichsvogtes Gessler die Ehre zu erweisen, zwingt Gessler ihn, mit einem Armbrustschuss den Apfel auf dem Kopf seines eigenen Sohnes zu treffen, um beider Leben zu retten. Er schießt letztendlich und trifft. Jedoch muss er danach gestehen, das er mit einem zweiten Pfeil Gessler ins Herz geschossen hätte, wenn sein Sohn beim ersten Schuss gestorben wäre. Er kommt, entgegen dem Versprechen des Reichsvogtes, in Haft . Erst bei einer Fahrt über den See kann er fliehen. Er kann sich nicht mehr aus dem politischen Geschehen heraus halten.

Das Bühnenbild und die Kostüme von Ulrich Leitner waren zum großen Teil naturalistisch gehalten. Gewaltige Holzstämme bestimmten das Bühnenbild. Die Kleidung der Landbevölkerung war einfach, gleichförmig und volkstümlich gehalten. Reichsvogt Gessler trug eine Militäruniform, die Besatzer trugen Uniformen, die an den Ersten Weltkrieg erinnerten. Die beiden jungen Personen im Stück, Rudenz und Berta von Bruneck, trugen dagegen bunte und modernere Kleidung. So waren die unterschiedlichen Welten auch äußerlich klar voneinander zu unterscheiden.

Im Gegensatz zum naturalistischen Bühnenbild wirkten die aus dem Baumarkt zusammengestellten Alpenhörner mit Schlauchaufsatz wie ein ironischer Bruch.

Die Akustischen und Licht-Effekte bildeten einen gelungenen atmosphärischen Hintergrund. Sturm, Regen, Gewitter, alles wurde für das Publikum erlebbar. Der Einsatz von Kuhglocken passte in das naturalistische Bild.

Der Musikeinsatz von Peter Kirschke war hauptsächlich rhythmisch–akustischer Natur . Nur einmal war die Schweizer Nationalhymne als Symbol der nationalen Einheit zu vernehmen.

Außer Rainer Kleinespel als Wilhelm Tell hatten die fünf anderen Schauspieler/innen gleich mehrere Rollen, sogar als Schaf oder Kuh, zu bewältigen. Sie taten dies mit mit Humor und schau-spielerischem Einfühlungsvermögen.

Rainer Kleinespel überzeugte als freiheitsliebender Tell, dem seine Familie über alles geht. Man sieht ihm die Verzweiflung an, zu einer Gewalttat getrieben worden zu sein.

Andreas Ksienzyk spielte den Reichsvogt in all seiner Arroganz und Grausamkeit, dem es nur darauf ankommt, den freien Willen zu brechen. Bettina Zobel zeigte ebenso wie Philip Pelzer ihre Vielseitigkeit in den Unterschiedlichen Rollen.

Erfrischend in ihrem Spiel waren die jungen Darsteller Talisa Lara und Thorsten Schmidt als Liebespaar. Schmidt als der junge Rudenz mit Verachtung für das festgefahrene Leben auf dem Land und mit Sympathie für das „modernere“ Stadtleben. Erst die Liebe zu Berta von Bruneck bringt einen Sinneswandel bei ihm.

Als Quintessenz wird über dem Stück könnte J.J. Rousseaus Spruch stehen: Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.

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