Bettina Pesch (Direktorin des Dortmunder Theaters) und die fünf Intendanten (v.l.n.r.) Andreas Gruhn (KJT), Xin Peng Wang (Ballett), Jens-Daniel Herzog (Oper), Gabriel Feltz (Generalmusikdirektor) und Kay Voges (Schauspiel).
Nach der Sommerpause wurde am 21. August 2014 auf der Bühne des Dortmunder Opernhauses die neue Spielzeit 2014/2015 mit viel Optimismus und neuer Energie eröffnet.
Die geschäftsführende Leiterin des Theaters Bettina Pesch sowie die Intendanten der 5 Sparten, Andreas Gruhn (Kinder und Jugendtheater), Xin Peng Wang (Ballett), Jens-Daniel Herzog (Oper), Generalmusikdirektor Gabriel Feltz (Philharmoniker) , Kay Voges (Schauspiel) stellten kurz ihr Programm vor und begrüßten die neuen Mitglieder des Dortmunder Theaters.
In ihrer Begrüßungsrede zeigte sich Bettina Pesch zunächst zufrieden mit der erfolgreichen Saison 2013/2014. Das betrifft sowohl die Auslastung des Hauses als auch die Außenwirkung des Dortmunder Theaters. Glücklich ist sie über die in der Pause rasch durchgeführte notwendige Renovierungsarbeiten im Theater. Danach wies sie mit Blick auf die neue Spielzeit auf wichtige Kooperationen zwischen den Sparten, moderne Kundenanbindung oder etwa die Förderung der Theaterpädagogik hin. „Ich gehe mit viel Optimismus und Zuversicht in die neue Spielzeit“, so Pesch.
Jens-Daniel Herzog fügte hinzu: „Wer gerne Fahrrad fährt, wie ich in meinem Urlaub, wird wissen. Mit Rückenwind fährt es sich leichter und besser. Das werden wir alle zusammen für eine noch erfolgreichere neue Spielzeit nutzen.“ Kay Voges bedankte sich vor allem für die rückhaltlose Unterstützung des Hauses auch für experimentelle, moderne Inszenierungen. Das Dortmunder Schauspielhaus ist inzwischen als „Experimentierlabor des Theater“und mutige Inszenierungen auch über die Landesgrenzen Nordrheinwestfalens hinaus bekannt. Was bedeutet Theater ?
Xin Peng Wang brachte es auf den Nenner: „Theater ist Leidenschaft“.
Wie bedeutend die Jugend als unsere Zukunft für das Theater ist, machte Andreas Gruhn als Leiter des KJT deutlich: „Sich wollen wir Theater für die Kinder-und Jugendlichen machen, aber ganz besonders auch gemeinsam mit ihnen. Deswegen sind eine starke Förderung der Theaterpädagogik oder gemeinsame Städteübergreifende Projekte und Kooperationen so wichtig.“
Eine erfolgreiche , spannende und gute Spielzeit ist das Ziel von allen beteiligten
Traditionell wurden danach alle neuen Mitarbeiter mit einem Lebkuchenherz herzlich im Theater Dortmund willkommen geheißen. Dabei wies Kay Voges scherzhaft auf eine besonders gelungene Kooperation zwischen dem Schauspiel und dem Ballett Dortmund hin. Schauspieler Peer Oscar Musinowski und seine Lebensgefährtin vom Ballett sind stolze Eltern eines Sohnes geworden.
Im Anschluss wurde das Buffet eröffnet und bei Finger-Food, Popcorn oder Zuckerwatte gab es für die Anwesenden Gelegenheit, nach der Sommerpause mit den anderen Ensemble-Mitgliedern zu klönen und auf eine erfolgreiche neue Spielzeit anzustoßen.
Künstlerinnen und Künstler unterstützen die aidshilfe dortmund
Vom 20.05.2014 bis zum 29.05.2014 findet in der Dortmunder Berswordthalle eine Kunstausstellung mit 61 Künstlerinnen und Künstlern statt. Sämtliche Kunstwerke können käuflich erworben werden. Das besondere dabei ist, die Künstlerinnen und Künstler sind bereit, einen Teil ihrer Erlöse an die aidshilfe dortmund zu Gunsten des „projektplus“ zu spenden.
Was ist das „projektplus“? Im projektplus soll innovative Aidshilfe-Arbeit geleistet werden: Café, Selbsthilfe und Information in einem. Und zwar möglichst offen und zentral, damit Ausgrenzung und Tabuisierung keine Chance haben.
Eröffnet wird die Ausstellung am Dienstag, den 20.05.2014, ab 18:00 Uhr in der Berswordthalle durch die Schirmherrin, Barbara Sierau. Als Gastredner konnte Kay Voges, Intendant des Schauspiel Dortmund , gewonnen werden.
Die Ausstellung in der Berswordthalle endet am Donnerstag, den 29.05.2014, um 18:00 Uhr. Eine große Abschlussveranstaltung wird dann die letzte Möglichkeit bieten, die Kunstwerke dann zu erstehen. Sie findet dann am 31.05.2014 in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses satt. Einlass für das Publikum ist um 14:00 Uhr, das Rahmenprogramm beginnt um 15:00 Uhr. Die Künstlerinnen und Künstler aus der Ausstellung sind mit ihren Werken anwesend. Peter Großmann (WDR) führt durch das Programm.
Mit Theater-Kraft voran
Die Objekte der Begierde (Spielzeithefte 2014/15) sind ab sofort erhältlich.
Mit Frische und voller Kraft wollen die Intendanten und Direktoren der fünf Sparten des Theater Dortmund in die neue Spielzeit 2014/2015 gehen. „Wir wollen dem Publikum nach der erfolgreichen Spielzeit 2013/2014 ein leistungsstarke neue Spielzeit bieten“,erklärte die Geschäftsführende Direktorin Bettina Pesch. Ars tremonia stellt einige Höhepunkte der kommenden Spielzeit vor.
„Wir wollen im Vergleich zur letzten Spielzeit noch eine Schippe darauf setzen. Wir bieten etwas für Kopf, Herz und Seele“; so Intendant der Oper Jens-Daniel Herzog. Im Opernhaus wird mit der Premiere am Sonntag, den 19.10.2014, der berühmten Musical-Rock-Oper „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd-Webber als Highlight ein echter „Superstar“ mitwirken: Alexander Klaws, der erster Sieger von „Deutschland sucht den Superstar“ singt und spielt die Hauptrolle
Davor kommen Fans von Giuseppe Verdi bei „Ein Maskenball (Un ballo in maschera) auf ihre Kosten. Premiere ist am Samstag. den 13.09.2014, mit Generalmusikdirektor Gabriel Feltz als Dirigent.Feltz wird auch den „Rosenkavalier“ von Richard Strauss dirigieren. Die Premiere ist am Sonntag, den 25.01.2015.
Mit der Premiere von Paul Abrahams Vaudeville-Operette „Roxy und ihr Wunderteam“ am 29.11.2014 trägt die Oper dem wachsenden Interesse für diese Operetten aus den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts Rechnung.
Mozart-Fans können sich auf die Premiere von „Don Giovanni“am 08.03.2015 unter der Regie Jens-Daniel Herzog und Gabriel Feltz als Dirigent freuen.
Das Ballett Dortmund bietet mit der Premiere des „Zauberberg“ nach Thomas Mann am Samstag, den 08. 11.2014, unter der Leitung von seinem Direktor Xin Peng Wang eine interessante neue Aufführung . Die zweite Neuaufführung ist „Drei Streifen:Tanz“ mit Choreographien von Benjamin Millepied, DemisVolpi und Jiri Bubenicek. Premiere ist am Samstag, den 14.02.2015.
Die beliebte Internationale Ballettgala XX findet am Samstag und Sonntag, den 27. und 28.09.2014 statt. Die Internationale Ballettgala XXI wird am Samstag und Sonntag, den 13. und 14.06.2015 stattfinden.
In neuen Fassungen wird „Schwanensee“ am Donnerstag, den 04.12.2014 und „Der Traum der roten Kammer“ am Freitag, den 01.05.2015 aufgeführt.
Was gibt es im Schauspiel Interessantes? Mit der Premiere von William Shakespeares „Hamlet“ am Freitag, dem 12.09.2014, will der Regisseur und Intendant des Schauspielhauses Kay Voges zusammen mit dem Videokünstler Daniel Hengst Hamlets Geheimnis auf die Schliche kommen.
Spannend verspricht unter anderem sicherlich die Aufführung von „Nosferatu lebt“im Studio des Schauspielhauses unter der Regie von Jörg Buttgereit nach Stoker, Murnau, Galeen und Schreck. Die Uraufführung findet am Samstag, den 29.11.2014 statt.
Besonders interessant hört sich auch die Verbindung von Punk und Operette bei „Häuptling Abendwind und Die Kassierer“, nach Johann Nestroy und Jacques Offenbach mit Musik der Ruhrgebiets Punk-Band „Die Kassierer“ an. Die Premiere ist am Samstag, den 24.01.2015 zu erleben.
Ein einmaliges Erlebnis wird wohl auch „ The Madhouse of Ypsilantis“, einem Mysery-Crime-Science Fiction-Hospital-Theater und Web-Adventure in sieben Teilen von Alexander Kerlin, Anne-Kathrin Schulz und Kay Voges.
Die Uraufführung im Schauspiel Dortmund und im World Wide Web ist am Samstag, dem 16.05.2015.
Das Kinder-und Jugendtheater startet mit der Premiere von „Ich bin nicht Siegfried-Ein Nibelungenlied“ von Jürgen Függe am Freitag, den 29.08.2014.
In diesem Jahr wird als Weihnachtsmärchen mit „Peters Reise zum Mond“von dem Direktor des KJT, Andreas Gruhn eine moderne Fassung von „Peterchens Mondfahrt“(Gerdt von Bassewitz) aufgeführt.
Mit „Sneewitte“(Schneewittchen) von Sophie Kassies und Jens Joneleit wird es auch wieder eine Koproduktion mit der Jungen Oper geben.
Gespannt dürfen wir auf das Ergebnis eines „Pottcamps“ von Jugendlichen sein. Das Projektergebnis von „pottfiction“ wird am 3.6.2015 zu sehen sein.
Das übergreifende Thema der „Philharmonischen Konzerte“ (im Konzerthaus Dortmund) ist in der neuen Spielzeit „held_innen_leben“. Auch in der neuen Spielzeit wird es wieder Konzerte für junge Leute geben. So zum Beispiel „Groove Symphonie“ mit den Dortmunder Philharmoniker & Super Flu.“ unter dem Titel „Schilder einer Baustelle“. Das Konzert findet am Montag, den 17.11.2014 im Konzerthaus statt.
Es gibt natürlich wieder Kammerkonzerte, Wiener Klassik Konzerte und vieles mehr.
Nach „Nosferatu“ gibt es auch diesmal wieder ein Sonderkonzert „Stummfilm mit Live-Orchester“ zu erleben. Am Mittwoch, 11.03.2015 wird im Konzerthaus Fritz Langs „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 in einer restaurierten Fassung (2010) auf der großen Leinwand zu sehen sein und live von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Gabriel Feltz musikalisch begleitet werden.
Ab heute liegt das neue Spielplan-Heft 2014/2015 bei allen Sparten aus. Abonnements sind ab dem 15.05.2014 erhältlich, der Vorkauf für die Spielzeit 2014/15 startet ab dem 16.07. 2014, für Abonnenten bereits ab dem 02.07.2014.
Der dritte Teil der Stadt der Angst Trilogie am 03. Mai spielte im Studio. Sarah Kanes „4.48 Psychose“ unter der Regie von Kay Voges war eine radikale Innensicht in einen Menschen, der an Depressionen litt.
Depression, Psyche, Seele. Wie behandelt man Krankheiten der Seele? Gibt es die Seele überhaupt? Kann man sie irgendwie fassbar machen? Angeblich soll sie ja 21 Gramm wiegen, wie der amerikanische Arzt Duncan MacDougall 1901 zu beweisen schien. Leider waren seine Experimente aus heutiger Sicht völlig unbrauchbar.
Aber das Messen von Körperfunktionen ist im Kommen. „Self-Hacking“ heißt der neue Trend. Immer und überall sind die Daten verfügbar Puls, Gewicht, Blutdruck, EKG oder Muskelspannung. Hier spannt sich der Bogen zum Stück „4.48 Psychose“. Die drei Akteure Merle Wasmuth, Uwe Rohbeck und Björn Gabriel sind verkabelt und liefern ständig die Aktuellen Daten an die Außenseite eines riesigen Würfels.
Die Wände des Würfels bestehen aus Gaze, so dass sie einen Blick ins Innere gewähren, aber auch die Möglichkeit bieten, etwas darauf zu projizieren. Die Zuschauer sitzen in vier Ecken, so dass die Blickwinkel unterschiedlich sind.
Das Stück selbst ist radikal und führt in die Tiefe einer depressiven Frau. Kane schreibt hier ihre Leidensgeschichte auf, die geprägt ist von Klinikaufenthalten und Behandlungen mit Psychopharmaka. Die Medikamente schützen sie die meiste Zeit vor ihrem Wahn, doch zerstören ihren Geist. Nur zwischen 4.48 und 6.00 Uhr besitzt sie Klarheit (oder Wahn).
„4.48 Psychose“ ist eine eindringliche und schonungslose Dokumentation eines Menschen, der leidet und den die Ärzte nicht helfen können. Vielleicht weil sich niemand wirklich für Kanes Schicksal interessiert. Oder weil die glauben, dass man durch biochemische Eingriffe, seelische Erkrankungen heilen kann.
Es gibt nicht nur eine Kane, alle drei Schauspielerinnen und Schauspieler übernehmen im Prinzip die Rolle der Erzählerin. Merle Wasmuth brilliert mit körperlichen Einsatz, aber auch Björn Gabriel und Uwe Rohbek spielen sehr eindringlich.
Das Stück gibt natürlich keine Antwort auf die Frage, ob es eine Seele gibt oder wo sie ist. Es ist eher eine Art Kriegsberichterstattung. Das Bewusstsein führt Krieg gegen sich selbst. Und die Bilder sind drastisch. Blut fliesst, Haare werden abgeschnitten, man spürt die Verzweiflung, aber auch die zwischendurch aufflackernde Zärtlichkeit Kanes in jeder Zeile.
Bei der Produktion waren der Choasclub Dortmund sowie Mario Simon für die Videos beteiligt. Tommy Finke generierte die Musik dazu. Darüber hinaus erklang Wagnerische Musik und das „Lux aeterna“ aus Mozarts Requiem.
Ein Abend, der mal wieder bewies, warum Dortmund zurecht als Theaterlabor der Nation bezeichnet werden kann.
Im Rahmen der Reihe „Stadt der Angst“ geht es im dritten Teil um 22.30 Uhr im Studio des Dortmunder Schauspiels mit „4.48 Psychose“ von Sarah Kane um die Ängste in uns und der Suche nach dem Kern des Menschen und seiner Seele.
Was ist die Seele? Wie finden wir es heraus? In einem theatralen Laborversuch gehen Regisseur Kay Voges, die beide Software-Ingenieure Stefan Kögl und Lucas Pieß vom Dortmunder Hackerspace chaostreff dortmund e.V., dem Musiker Tommy Finke, Videokünstler Mario Simon und drei Schauspielern des Theaters auf die Spur zu kommen.
„So ein Experiment gab es bisher noch nicht. Es ist ein Dilemma. Die Seele können wir nicht sehen. Wo steckt die Seele , wenn sie krank ist? Bei der Behandlung von „seelischen Erkrankungen“ kommt die Schulmedizin schnell an ihre Grenzen. Sie stochern im Dunklen und wissen nicht, welches Medikament wirklich wirkt. Diese haben zudem unerwünschte Nebenwirkung auf die Persönlichkeit. Wir versuchen gemeinsam, dem Unbegreiflichen durch ein Zusammenwirken von Bildern (Video), Musik (Tommy Finke) und Schauspiel eine Form zu geben. Wir wollen den Text von Kane nicht interpretieren, sondern als Grundlage für eine Untersuchung benutzen“, erklärte Voges.
Als textliche Grundlage dient den Schauspielern das letzte Gedicht „4.48 Psychose“ von der in den 90iger Jahren des letzten Jahrhundert bekannte britische Dramatikerin Sarah Kane. Die von Depressionen geplagte Sarah Kane war eine genaue und kritische Beobachterin der Welt und seziert mit gnadenloser Offenheit das Leiden an ihr und der psychischen Erkrankung. Das Ganze mit einer poetischen Sprachkraft. Mehrfach denkt sie daran, sich das Leben zu nehmen. Kurz vor ihrem 28 Geburtstag, nach Abgabe dieses letzten Textes, geschrieben zwischen zwei Medikamentendosen, in einem Moment der Klarheit, erhängt sie sich 1999.
Die drei Schauspieler befinden sich in einem Kubus mit einer halb durchsichtigen Gaze davor, der sich in der Mitte des Studios platziert ist. Um körperliche Reaktionen wie etwa Herzfrequenz, Muskelkontraktionen, Körpertemperatur oder die Atemfrequenz bei den Schauspieler während ihrer Spiels messen zu können, sind in ihren Kostümen eingebettet, kleine bunte Systeme (Computer-Chips) angebracht. Mit Hilfe von Sensoren werden die Körperdaten auf die Leinwand projiziert. Diese verändern sich je nach den unterschiedlichen Emotionen der Schauspieler.
Die Software für das „4.48 Psychose“-Experiment haben die beiden Software-Ingenieure vom chaostreff entwickelt.
Die Daten werden in abgespeckter Form (es wären zu viele Daten) von dem Bochumer Musiker und Singer-Songwriter Tommy Finke aufgenommen und in musikalische Impulse umgewandelt. So entsteht ein wechselseitiges Zusammenspiel mit interessanten und überraschenden visueller Darstellungen „innerer körperlicher Zustände“. Fünf Kameras senden die Bilder aus dem Kubus an vier Beamer. „Zwischendurch wird es aber auch Momente geben, wo die Schauspieler und der Musiker frei agieren,“ verriet Voges.
Dieses avantgardistische Experiment wird ein beeindruckendes und eventuell auch verstörendes Erlebnis für das Publikum werden. Die Frage nach unserem Menschenbild, was uns ausmacht, ist von existenzieller Bedeutung für eine humane Gesellschaft,“so der Regisseur am Ende der Pressekonferenz.
Weitere Termine: 22., 29. Mai, 28. Juni 2014
Weitere Informationen unter 0231/ 50 27 222 oder www.theaterdo.de
Das Goldene Zeitalter – ein Update
Am 18. Januar 2014 startete Schauspieldirektor Kay Voges zusammen mit Videokünstler Daniel Hengst, Dramaturg Alexander Kerlin und einigen tapferen Ensemblemitgliedern im Dortmunder Schauspielhaus zum neunten Mal den Versuch, auf 100 Wegen den Schicksal im „Goldenen Zeitalter“ die Show zu stehlen. So klang unsere Kritik damals.
Mir war klar, keine Vorstellung des Stücks gleicht der Anderen. Was hatte sich seit der Premiere im letzten Jahr entwickelt und verändert?
Zu meiner ersten Überraschung saß mitten im bekanntem Bühnenbild ein an seinem Stuhl gefesselter Mensch mit der Maske eines Greises (Björn Gabriel). Ansonsten war er wie die anderen Schauspieler/innen mit Kniestrümpfen und Faltenrock und Jacke. Über einen langen Zeitraum musste der Arme dort lange verharren. Nur dann und wann änderte er etwas seine Position und seinen Gesichtsausdruck. Interessant zu beobachten, was für Ausdrucksmöglichkeiten auch durch so eine Maske vermittelt werden können. Ihm oblag es im Laufe des Abends das Ende des „Postmodernen Zeitalters“ zu proklamieren.
Bei der Vorstellung am 18. 01. wurde auf aktuelle Themen wie etwa der Skandal um den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst oder der Skiunfall von Kanzlerin Merkel Bezug genommen. Auch auf Wagner und seine Tannhäuser-Oper ( hatte im Dezember unter der Regie von Kay Voges Premiere in der Dortmunder Oper) wurde humorvoll-ironisch hingewiesen.
Wegen der Erkrankung von Caroline Hanke fiel die „Adam und Eva“ Nummer leider aus. Dafür nutzte Voges seine guten Beziehungen zur Oper und konnte den zuletzt auch im Tannhäuser zu hören und zu sehenden Bass-Bariton Morgan Moody als „Special Guest“ gewinnen. Moody glänzte mit seiner Stimme und sorgte zum Schluss vor allem mit dem Song „Wunderbar“ aus dem Musical „Kiss me Kate“ (vielen durch die deutsche Version von Zarah Leander bekannt) von Cole Porter für ausgelassene Stimmung.
Auffällig im Unterschied zur Premiere ist, dass die Schauspieler/innen sich inzwischen öfter direkt ins Publikum wagen und der Regisseur oder der Dramaturg auch mal auf der Bühne mitmischen.
Wir dürfen auf die Fortsetzung gespannt sein…
Verträge mit Voges und Gruhn verlängert
Schauspieldirektor Kay Voges und der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, Andreas Gruhn, bleiben den Dortmundern bis 2020 erhalten. Der Rat beschloss die Vertragsverlängerung mit beiden auf der nicht-öffentlichen Sitzung am 12.12.13.
Kay Voges sorgt schon seit seiner ersten Spielzeit mit seinen mutigen Inszenierungen für Furore. In diesem Jahr erhielt er sogar den NRW-Theaterpreis für „Einige Nachrichten an das All“. Mit seiner Inszenierung „Das Fest“ wurde Voges für den deutschen Theaterpreis „Faust“ nominiert. In dieser Spielzeit wagte Voges hat zudem einen „Seitensprung“. Er gab mit dem „Tannhäuser“ sein Regiedebüt an der Dortmunder Oper.
Ebenfalls verlängert wurde der Vertrag mit Andreas Gruhn, der das Kinder- und Jugendtheater zu einer Institution entwickelt, die weit über Dortmund hinaus strahlt. Momentan läuft unter seiner Regie das Weihnachtsmärchen „Pinocchio“.
Radikal neu interpretierte Schauspieldirektor Kay Voges am 01. Dezember in der Oper Dortmund den „Tannhäuser“ von Richard Wagner. Mit dem Videokünstler Daniel Hengst an seiner Seite fügte Voges dem Tannhäuser eine weitere Dimension hinzu. Sprachgewaltige Bilder mischten sich mit dramatischer Musik und Sängerinnen und Sängern, die auch ihr Schauspieltalent in die Waagschale warfen.
Ein entscheidender Kniff von Kay Voges war die Verknüpfung der Geschichte von Tannhäuser mit dem Roman von Nikos Kazantzakis „Die letzte Versuchung“. In Kazantzakis Roman bekommt Jesus Christus die Chance, von seinem Kreuz hinabzusteigen und ein „normales“ Leben mit Maria Magdalena zu führen. Doch am Ende sieht Jesus ein, dass es seine Bestimmung war als Erlöser zu sterben.
Ähnlich geht es Tannhäuser. Er ist Gefangen im Reich der Lüste, im Venusberg. Doch er spürt, da muss noch mehr sein. Tannhäuser verlässt die Göttin Venus, und das Reich der Wollust, um sein Heil in Maria zu suchen. Diese Frauengestalt, die natürlich komplett im Gegensatz zur Göttin Venus steht, wird bei Wagner von Elisabeth, der Nichte des Landgrafen repräsentiert. Tannhäuser trifft wieder auf seine Sangeskollegen und der Sängerkrieg auf der Wartburg beginnt. Es kommt heraus, dass Tannhäuser im Venusberg war und er wird daraufhin verurteilt, als Büßer nach Rom zu pilgern, um dort Vergebung zu finden. Doch der hartherzige Papst schenkt Tannhäuser keine Vergebung: „Erst wenn ein Wanderstab frisches Grün treibt, wird dir erst vergeben“. Tannhäuser kehrt zurück, um festzustellen, dass Elisabeth gestorben ist, um im Himmel Erlösung für Tannhäuser zu erbitten. Die wird ihm im Tode gewährt, ein Pilgerstab eines Priesters zeigt frisches Grün.
Ein Jesus, der sich nach einem weltlichen Leben sehnt, ein Tannhäuser, der nach Erlösung strebt. Zwei Personen, quasi spiegelbildlich vereint, erweckt Voges zum Leben. Daniel Brenna, im Jesusgewand und mit Dornenkrone, sitzt im Fernsehsessel mit einer Dose Bier, während Venus (Hermine May) in einem Haushalt mit 60-er Jahre Ambiente zugange ist. „Ist das alles gewesen“, scheint sich Tannhäuser zu fragen, denn dieses hedonistische Leben bietet ihm plötzlich nichts mehr.
Auch ungewohnt für die Zuschauer sind die Sänger wie Walther von der Vogelweide oder Wolfram von Eschinbach. Keine frommen Minnesänger, sondern Gerado Garciano, John Zuckermann, Morgan Moody und Kollegen sahen eher aus wie „Die Wartburg sucht den Superstar“ im Gangsta-Rap-Format. Gold, Glitzer und typische Posen, wobei auch die Waffen locker sitzen, wie Tannhäuser feststellen musste.
Der absolute Star, auch gesanglich, war an diesem Abend Christiane Kohl als „Elisabeth“. Sie verkörperte die reine sinnliche Liebe, die die Minnesänger besangen. Eine Liebe, die aber nur von ferne gelebt werden durfte, wer sich dem Fleisch zuwandte wie Tannhäuser, der wird ausgeschlossen. Ähnlich entrückt sang Kohl ihre Elisabeth.
Daniel Brenna sang den wohl ungewöhnlichsten Tannhäuser im Jesuslook. Bei der Anfangsarie schien sich noch ein Frosch in Brennas Kehle versteckt zu haben, der sich erst nach einigen Takten löste. Danach fand er zu einer guten Form. Gesanglich war sein Wechsel zwischen Langeweile im Venusberg, Streitlust auf der Wartburg und die Sehnsucht nach Erlösung spürbar. Dennoch war es Wolfram (Gerado Garciano), dem mit seinem Lied an den Abendstern, einen der emotionalen Höhepunkte der Oper gelang. Nicht nur durch seine Körpergröße war Christian Sist, als Landgraf Hermann und Chef der Sängergang präsent auf der Bühne.
Apropos Bühne: War der Venusberg noch die Wohnhölle für Spießer, stand das Kreuz aus Videobildschirmen im Mittelpunkt der Bühne. Vom ihm kam Jesus/Tannhäuser zu ihm ging er wieder zurück. Die meiste Zeit diente es als Art Wegekreuz. Auch die Kuppel des Venusberges kehrte als Dornenkrone zurück.
Voges und Hengst fügten mit ihren Videos der Oper neben der Musik, der Bühne und dem Gesang eine weitere Ebene hinzu. Zu sehen gab es beispielsweise Reminiszenzen an religiöse Bilder der Kunstgeschichte, die verfremdet waren wie „Das letzte Abendmahl“ von Da Vinci oder die Papstbilder von Francis Bacon. Komische Elemente waren ebenfalls zu sehen. Beispielsweise beim Sängerkrieg, als neben Angela Merkel auch das Dortmunder U auftauchte. Dafür gab es spontanen Applaus. Sehr emotional und anrührend war die Videoszene, in der Elisabeth nach ihrer letzten Arie in den Tod ging.
Ein großes Lob gehört auch der Musik. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz erschlugen die Sängerinnen und Sänger nicht mit der Wucht, die Wagner entfachen kann, sondern sorgten für einen Klangteppich, auf dem die Beteiligten nicht versanken. Zu der gelungenen Aufführung gehörten auch die Chöre und die Statisterie.
Wenn Schauspieldirektor Kay Voges in der Oper „fremdgeht“, folgen ihm einige Schauspielkollegen. In den Videos waren Merle Wasmuth, Frank Genser, Carlos Lobo , Uwe Rohbeck und Uwe Schmieder zu sehen. Sogar die Bedienung Uschi Bienek war zu sehen.
Was bleibt von der Premiere? Eine ungewöhnliche, aufregende und radikale Tannhäuser-Inszenierung. Sie ist ebenso radikal wie Wagner damals radikal war. „Kinder, schafft Neues“, soll Wagner gesagt haben. Voges hat es gewagt und gewonnen. Sicher, das Stück wird und soll nicht jedem gefallen. Es ist Kunst und darüber kann und muss man streiten. Aber, dass trotz der Kampagne gegen Kay Voges, der überwiegende Teil der Zuschauer die Inszenierung mit Bravo-Rufen und Standing Ovation gefeiert hat, ist ein sehr positives Signal.
Einführungsmatinee zu „Tannhäuser“
Mit Spannung erwartet wird die Premiere von Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ am 1. Dezember. Eine erste Gelegenheit, sich mit dem Werk und der Inszenierung durch Schauspieldirektor Kay Voges vertraut zu machen, besteht am kommenden Sonntag, 17. November, um 11.15 Uhr im Foyer des Opernhauses Dortmund.
In der von Chefdramaturg Georg Holzer moderierten Gesprächsrunde werden die vier Sänger der zentralen Partien in der Wagner-Oper anwesend sein: Christiane Kohl (Elisabeth), der Darsteller der Titelpartie, der amerikanische Tenor Daniel Brenna, sowie Gerardo Garciacano (Wolfram). Musikalische Erläuterungen gibt Generalmusikdirektor Gabriel Feltz selbst am Klavier.
Die Karten zur Matinee zu „Tannhäuser“ kosten 7,35 € (ermäßigt 4,15 €). Premierenkarten für den 1.12., 17 Uhr, sind für 20 € bis 59 € zu erwerben, die Karten für die Folgevorstellungen (21.12.2013, 05.01., 19.01., 08.02., 23.02., 05.04., 11.05.2014) kosten zwischen 15 € und 49 €.
Karten an der Theaterkasse im Foyer des Opernhauses, im Internet unter www.theaterdo.de und über die Tickethotline (0231/5027222).
Ein Egozentriker auf später Sinnsuche
Theater mit Kay Voges ist immer überraschend. Der Besucher weiß nicht, was ihn erwartet. War in der vergangenen Spielzeit die Vermischung zwischen Film und Theater das Motto, dreht sich in der aktuellen Spielzeit alles um Wiederholungen und Identitäten. So auch bei Ibsens Drama „Peer Gynt, das am 28. September 2013 Premiere feierte.
„Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“, der Bestellertitel von Precht könnte durchaus auch auf den Titelhelden „Peer Gynt“ zutreffen. Seien wir ehrlich: Peer Gynt ist nicht die Person, die vermutlich am meisten Sympathien einheimst. Er lügt, dass sich meterweise Balken biegen, er ist selbstsüchtig und nur auf seinen Vorteil bedacht. Ein Mensch, der verschiedene Rollen spielt. Doch was ist der wahre Kern von Peer Gynt? Vielleicht kennt ihn Solveig, die Frau die ihr ganzes Leben auf ihn gewartet hat, als er durch die Weltgeschichte reiste und seinen Zielen hinterher jagte.
Voges schafft es bravurös, den komplexen Stoff so einzudampfen, dass er in 90 Minuten erzählt werden kann. Dabei halfen ihm die sechs Schauspieler, der Musiker Thomas Truax und ein außergewöhnliches Bühnenbild. Der Regisseur konzentriert sich auf einige der Geschichten, die Peer Gynt wiederfahren sind: Der Brautraub, die Trollhöhle, der Tod der Mutter, die Irrenanstalt und seine Rückkehr, dennoch bleiben von der Vorlage auch einige surreale Elemente. Voges stellt die Sinnsuche Peer Gynts in den Mittelpunkt. Aber kann jemand ohne echten Kern eine Identität haben? Bei der berühmten „Zwiebelmethapher“ in Ibsens Stück vergleicht sich Peer Gynt ja mit einer Zwiebel, die Schichten hat, aber keinen Kern.
Da niemand weiß, wer oder was Peer Gynt wirklich ist, löst sich auch die klassische Rollenzuteilung auf. Alle Schauspieler spielen Peer Gynt. Schnelle Kleiderwechsel, archaisch wirkende Verwandlung durch Auftragen von Farbe macht das Spiel zu einem optischen erlebbaren Spiel: Mittels grüner Farbe wird eine Schauspielerin zur Tochter des Trollkönigs, durch rote Farbe zur entführten und entehrten Braut, das reine unschuldige Weiß bleibt Solveig vorbehalten.
Bei den sechs Schauspielern gab Peer Oscar Musinowski sein Dortmund-Debut. Er spielte energisch, voller Elan und lässt viel für die Zukunft hoffen. Uwe Rohbeck glänzte vor allem in der Rolle des deutschen Irrenarztes Dr. Begriffenfeldt, der seinen Patienten Peer Gynt mit Elektroschocks und Spritzen foltert. Berührend spielt Friederike Tiefenbacher die sterbende Mutter von Peer Gynt. Wobei sie, nachdem der Sargdeckel sich gesenkt hat – ihre Verwandlungskunst unter Beweis stellte und kurze Zeit später als eine neue Inkarnation von Peer Gynt „wiederaufersteht“.
Doch dahinter müssen sich Bettina Lieder, Julia Schubert und Sebastian Graf nicht verstecken. Sie alle sorgten für einen berührenden, manchmal auch komischen Theaterabend.
Passend dazu, gab es Musik von Thomas Truax. Wer Grieg erwartete, war auf dem Holzweg. Truax.spielte zwar das bekannte Stück „Marsch der Trolle“ von Grieg auf einem seiner selbst gebauten Instrumente, aber ansonsten unterstützte Truax das Stück mit seiner teils rockigen teils folkigen Musik perfekt.
Außergewöhnlich war das riesige Wasserbecken auf der Bühne (Bühnenbild Michael Sieberock-Serafimowitsch), in dem die Schauspieler das Stück spielten. Es war nicht nur praktisch (man konnte sich die Farbe aus dem Gesicht waschen), sondern das Wasser unterstützte die Akteure auf der Bühne. Die Schauspieler ließen es sanft durch die Hand rieseln oder kraftvoll nach allen Seiten wegspritzen. Das Wasser diente als riesige Reflexionsfläche.
Fazit: Ein rundherum gelungener Abend mit einem engagierten Schauspielensemble, guter Musik, dem Element Wasser und einer mutigen Inszenierung. Logisch, dass alle Beteiligten gefeiert wurden.
Weitere Termine: 04. Oktober 2013, 18. Oktober 2013, 02. November 2013, 17. November 2013, 04. Dezember 2013, 21. Dezember 2013, 16. Januar 2014 und 22. März 2014.
Karten gibt es unter www.theaterdo.de oder telefonisch 0231 5027222.