Klassik im Industrie-Klangraum – Die Dortmunder Philharmoniker im Salzlager der Kokerei Hansa

Das Konzept, klassische Musik aus den traditionellen Konzertsälen herauszuholen und an Un-Orte zu bringen, ist im Ruhrgebiet fest verankert. Doch selten gelingt die Symbiose aus historischer Architektur und musikalischer Exzellenz so organisch wie beim 4. Kammerkonzert der Dortmunder Philharmoniker. Unter dem vielversprechenden Titel „Lieblingsstücke“ luden die Musikerinnen und Musiker in das Salzlager der Kokerei Hansa – ein Abend, der bewies, dass Beethoven und Industriekultur sich erstaunlich viel zu sagen haben.



Ein genialer Strauss-Remix zum Auftakt

Den Beginn machte ein Werk, das man getrost als historischen „Remix“ bezeichnen darf: Richard Strauss’ Till Eulenspiegel einmal anders, in der hochkonzentrierten Bearbeitung von Franz Hasenöhrl. Wer das gewaltige orchestrale Original im Kopf hat, rieb sich hier fasziniert die Ohren. Eingedampft auf eine vitale Quintett-Besetzung war diese Hommage an Strauss zwar kurz, aber ungemein kurzweilig und von erfrischendem Witz geprägt. Die Musiker brachten die frechen, humorvollen Kapriolen des Till Eulenspiegel mit einer Pointiertheit auf die Bühne, die das Stück zu einem außergewöhnlichen, spritzigen Appetithappen des Abends machte.

Die Geigerin Shinkyung Kim gehörte zum Septett. (Foto: (c) Sophia Hegewald)
Die Geigerin Shinkyung Kim gehörte zum Septett. (Foto: (c) Sophia Hegewald)

Perfekte Harmonie zwischen Bläsern und Streichern

Das Hauptwerk des Abends forderte ein Höchstmaß an kammermusikalischer Präzision: Ludwig van Beethovens monumentales Septett Es-Dur op. 20. Es war eine helle Freude zu beobachten, wie außergewöhnlich gut die gemischte Besetzung aus Streichern und Bläsern hier harmonierte. Die Balance zwischen dem warmen Fundament der Streicher und den eleganten Linien der Bläser war makellos austariert. Das Ensemble musizierte mit einer spürbaren Spielfreude, die die jugendliche Frische und den unbeschwerten Esprit dieses frühen Beethoven-Meisterwerks voll zur Entfaltung brachte.

Industrielle Relikte als Resonanzkörper

Das eigentliche Highlight des Abends war jedoch die Kulisse selbst. Auf den ersten Blick scheinen das moderne, raue Industrieambiente der Kokerei Hansa und die Wiener Klassik eines Beethovens Welten voneinander entfernt zu sein. Doch die Verbindung funktionierte auf magische Weise. Das Salzlager erwies sich nicht bloß als dekorativer Hintergrund, sondern als ein ganz besonderer Klangraum. Die industriellen Relikte und die weiten Mauern absorbierten den Schall nicht, sondern formten ihn mit, sodass eine intime und zugleich tragende Akustik entstand, die den Instrumenten eine ganz besondere Färbung verlieh.

Fazit: Die Dortmunder Philharmoniker haben mit ihren befreundeten Gästen gezeigt, wie lebendig Kammermusik sein kann, wenn sie den richtigen Raum findet. Die Kokerei Hansa bot an diesem Abend weit mehr als nur Industrie-Nostalgie – sie wurde zu einem lebendigen Resonanzkörper für zwei absolute Lieblingsstücke. Ein rundum gelungener, kurzweiliger Abend, der vom Publikum mit begeistertem Applaus quittiert wurde.




Johann Sebastian Bachs Fugentechnik im Epochendialog

Unter dem Titel „Die Kunst der Fuge im Dialog“ luden die Dortmunder Philharmoniker zu ihrem 3. Kammerkonzert an einen besonderen Ort ein: Die hiesige Marienkirche bot am 23. April 2026 den idealen Rahmen für diesen musikalischen Abend. Das Ensemble – bestehend aus Nemanja Belej und Vera Plum (Violine), Minori Tsuchiyama und Pablo González (Fagott) sowie Ursula Hobbing am Cembalo – bescherte dem Publikum ein außergewöhnliches Hörerlebnis.



Johann Sebastian Bach (1685–1750) lotete in seinem Spätwerk „Die Kunst der Fuge“, das bis zu seinem Tod unvollendet blieb, die Grenzen der formalen Fugentechnik und des Kontrapunkts aus. Nach der Vorstellung des Themas durch die Exposition der ersten Stimme entwickelt sich ein komplexes Geflecht aus Themenaufnahmen in verschiedenen Tonarten und Variationen durch die weiteren Instrumente. Es entsteht ein Gefüge völlig selbstständiger und gleichwertiger Stimmen. Die Zuhörenden werden so Schicht für Schicht in die Tiefe des Werks gezogen, ohne dass eine einzelne Stimme die Oberhand gewinnt.

Das Programm war jedoch nicht rein monolithisch auf Bach ausgerichtet. Stattdessen traten seine Fugen in einen spannenden Dialog mit Werken unterschiedlicher Epochen. Die Auswahl reichte von Bachs direktem Vorbild Girolamo Frescobaldi (1583–1643) über den spätromantischen Virtuosen Eugène Ysaÿe (1858–1931) bis hin zu den zentralen sowjetischen Komponisten Sofia Gubaidulina (1931–2025) und Edison Denisov (1929–1996). Abgerundet wurde der Bogen durch den zeitgenössischen usbekischen Komponisten Jakhongir Shukur (*1981).

Bach und Co. - Die Kunst der Fuge in Jahrhunderten.
Bach und Co. – Die Kunst der Fuge in Jahrhunderten.

Alle ausgewählten Komponisten beziehen sich auf ihre jeweils eigene, oft kontrastreiche Weise auf Bachs Tonsprache. Für die Interpreten stellte dies eine reizvolle Herausforderung dar: Die warme, klare Ausdruckskraft der Fagotte harmonierte dabei hervorragend mit den eindringlichen Klängen der Violinen und des barocken Cembalos.

Insgesamt präsentierten die Philharmoniker ein abwechslungsreiches und mutig zusammengestelltes Programm. Die Kammerkonzerte erwiesen sich erneut als wunderbare Gelegenheit, die Musikerinnen und Musiker des Orchesters sowie ihre Instrumente in intimer Atmosphäre aus nächster Nähe zu erleben.




Kammerkonzert mit Ausnahmewerken der Klassik

Die Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund war am 29.01.2026 der ausgewählte Ort für das 2. Kammerkonzert „Ausnahmewerke“.

Zwei Ausnahmewerke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) und Johannes Brahms ((1833 – 1897), zeigten einer Streichergruppe der Dortmunder Philharmoniker ihre virtuose Beherrschung des Instruments unter Beweis zu stellen. Das Publikum hatte Gelegenheit, den großen musikalischen Klangzauber nah zu erleben.

Am Anfang stand Mozarts umfangreichstes anspruchsvolles Instrumentalwerk „Divertimento Es-Dur KV 563 mit sechs vielschichtige, lebendig abwechslungsreich und fantasievoll gestaltete Sätze auf dem Programm.

Yang Li (Violine) sowie ihre beiden Kollegen Juan Ureña Hevia (Viola) und Emanuel Matz (Violoncello) boten in fluktuierenden, nicht statisch fest zugewiesenen Rollen ein kongeniales dreistimmiges Zusammenspiel.

Nach der Pause folgte Johannes Brahms „Streichquintett Nr. 2 G-Dur-op 111“.

Die Musiker des Kammerkonzerts (Foto: (c) Stina Wirth)
Die Musiker des Kammerkonzerts (Foto: (c) Stina Wirth)

Das Streichertrio wurde hierbei von Joowon Park (Violine) und Hindenburg Leka (Viola) engagiert unterstützt. Das viersätzige Werk beginnt mit einem kraftvollen Cellothema vor quasiorchestralem Hintergrund. Im weiteren Verlauf kam Brahms‘ Liebe zum Walzer zur Geltung. Der zweite Satz (Adagio) ist nicht nur ungewöhnlich harmonisiert, sondern zeichnet sich durch freie und unkonventionelle Variationen aus. Typisch für Brahms erscheint dann das Scherzo, das schattenhaft dahinhuschend und volkartigem Mittelteil daherkommt. Der Letzte Satz ist voll Übermut und weist auf die Faszination für ungarische Tänze hin. Er beendet das an Vielseitigkeit reiche Werk.

Eine besondere Zugabe gab es noch mit der sensiblen instrumentalen Interpretation des Schlafliedes „Guten Abend, gut Nacht“ (Brahms).




Vielseitige Klangwelten: Das 4. Kammerkonzert verband Klassik und Moderne

Die Akademie für Theater und Digitalität war der Schauplatz für das 4. Kammerkonzert der Spielzeit 24/25. Das gut besuchte Kammerkonzert bot eine reizvolle Reise durch verschiedene musikalische Epochen und Stile. Im Zentrum standen vier Werke, die von subtiler Raffinesse bis hin zu expressiver Dramatik reichten und die Wandlungsfähigkeit des Zusammenspiels von Fagott und Streichern eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Ein abwechslungsreicher Auftakt

Den Auftakt bildete Anton Reichas selten gespieltes Werk Variationen für Fagott und Streichquartett. Der Zeitgenosse Beethovens verband in diesem Stück Eleganz mit spielerischer Virtuosität. Besonders reizvoll war der Kontrast zwischen dem lyrischen Lento-Eingang und dem lebhaften Allegretto, in dem das Fagott mit charmanter Leichtigkeit brillierte.

Zu den vier Instrumenten des klassischen Streichquartetts kamen noch das Fagott und der Kontrabass hinzu. (Foto: (c) flutie8211/pixabay)
Zu den vier Instrumenten des klassischen Streichquartetts kamen noch das Fagott und der Kontrabass hinzu. (Foto: (c) flutie8211/pixabay)

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquartett Nr. 19 in C-Dur KV 465, bekannt als „Dissonanzen-Quartett“, folgte ein Klassiker der Kammermusikliteratur. Das Werk erhielt seinen Beinamen aufgrund der kühnen harmonischen Einleitung, die zu Mozarts Zeit als gewagt galt. Zwischen feinsinniger Melodik und harmonischer Spannung entfaltete das Quartett eine erstaunliche Ausdrucksvielfalt – von der kontemplativen Tiefe des „Adagio“ bis zum mitreißenden „Allegro molto“ des Finalsatzes.

Dramatik und heitere Eleganz

Nach der Pause erklomm das Programm einen expressiven Höhepunkt mit Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 op. 110. Das fünfsätzige Werk, das der Komponist 1960 in nur drei Tagen vollendete, war eine bewegende musikalische Selbstreflexion. Geprägt von Schostakowitschs persönlichem Monogramm „D-Es-C-H“ durchzog ein Geflecht aus Trauer, Sarkasmus und Resignation die einzelnen Sätze. Besonders das gravierende Largo-Thema bildete den emotionalen Rahmen dieser tief berührenden Komposition. Schostakowitsch verarbeitete darin seine Angst, während Stalins Säuberungen von der sowjetischen Geheimpolizei abgeholt zu werden. Die Instrumente imitierten sogar das bedrohliche Klopfen.

Zum Abschluss sorgte Jean Françaix‘ Divertissement für Fagott und Streichquintett für eine heitere Auflockerung. Mit französischer Eleganz und feinem Humor entfaltete sich ein musikalisches Spiel aus spritzigen Rhythmen und klanglicher Raffinesse. Die vier Sätze boten dem Fagott Gelegenheit, seine ganze Ausdrucksbandbreite von schalkhafter Lebendigkeit bis zu inniger Kantabilität zu zeigen und entließen das Publikum mit einem Augenzwinkern in den Abend.

Musiziert haben Gesa Renzenbrink und Anne-Kristin Grimm an der Violine, Dahee Kwon an der Viola, Denis Krotov am Cello, Pablo Gonzàlez Hernàndez am Fagott und Michael Naebert am Kontrabass.

Dieses Kammerkonzert verband meisterhafte Kompositionen aus drei Jahrhunderten zu einem Programm voller Kontraste – ein Fest für Freunde der Kammermusik, die sich auf emotionale Tiefe ebenso freuen durften wie auf virtuose Leichtigkeit. Das wurde mit begeistertem Applaus gewürdigt.




Musik zum Ende der Zeit: Messiaens Meisterwerk

Wann endet die Zeit? Laut der Relativitätstheorie bilden Raum und Zeit eine Einheit. Die Raumzeit kann entweder durch eine starke Expansion des Universums oder durch dessen Kollaps enden. Doch der Komponist Olivier Messiaen, ein gläubiger Katholik, hatte eine ganz andere Vorstellung vom Ende der Zeit: die Apokalypse, wie sie in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird.Diese Vision hat er in seinem berühmten Werk „Quatuor pour la fin du temps“ („Quartett für das Ende der Zeit“) musikalisch umgesetzt. Das Stück wurde im Rahmen des 3. Kammerkonzertes am 23.01.2025 im domicil aufgeführt.

Die Entstehung des „Quatuor pour la fin du temps“

Das „Quatuor pour la fin du temps“ entstand 1941 unter außergewöhnlich schwierigen Umständen. Messiaen komponierte es während seiner Gefangenschaft im deutschen Kriegsgefangenenlager Stalag VIII-A in Görlitz (heute Zgorzelec, Polen). Die Uraufführung fand ebenfalls im Lager statt, mit Musiker:innen , die wie Messiaen Kriegsgefangene waren. Die zur Verfügung stehenden Instrumente waren rudimentär, was die Aufführung zusätzlich erschwerte. Im domicil interpretierten Bianca Adamek (Violine), Andrei Simion (Cello), Ailina Heinl (Klarinette) und Çağdaş Özkan (Klavier) das Werk mit großer Hingabe.

Das Ende der zeit wie es sich die AI ausdenkt. Massiaen hatte andere Vorstellungen. (Foto: ensen Art Co from Pixabay)
Das Ende der Zeit wie es sich die AI ausdenkt. Massiaen hatte andere Vorstellungen. (Foto: Jensen Art Co from Pixabay)

Messiaens Kompositionsstil ist geprägt durch den Einsatz von modalen Skalen, rhythmischer Freiheit und seiner Faszination für Vogelgesänge. Viele Sätze des „Quatuor pour la fin du temps“ besitzen eine meditative und zeitlose Qualität, die durch langsame Tempi und schwebende Harmonien verstärkt wird. Diese Elemente verleihen dem Werk eine einzigartige Tiefe und Spiritualität.

Messiaens Botschaft: Zeit und Spiritualität

Obwohl Messiaen das Stück aus seiner tiefen religiösen Überzeugung heraus schuf, spricht es auch nicht-religiöse Menschen an. Das „Quatuor pour la fin du temps“ lädt dazu ein, über das Konzept der Zeit jenseits von religiösen Vorstellungen nachzudenken. Messiaen löst die Musik in vielen Sätzen von der klassischen linearen Zeitstruktur – durch langsame, schwebende Melodien und rhythmisierte Formen, die zyklisch statt zielgerichtet wirken.

Die Entstehungsgeschichte des Werks unterstreicht zudem, wie Kunst selbst unter den widrigsten Umständen – wie in einem Kriegsgefangenenlager – eine Quelle der Hoffnung, des Widerstands und der Menschlichkeit sein kann. Das „Quatuor pour la fin du temps“ ist nicht nur ein musikalisches Meisterwerk, sondern auch ein Triumph des menschlichen Geistes über Leid und Zerstörung.

Durch die Verbindung von Spiritualität, zeitloser Schönheit und historischer Bedeutung bleibt Messiaens Werk ein faszinierendes Thema für Musikliebhaber:innen und ein wertvoller Beitrag zur klassischen Musik. Das Stück ist ein Muss für alle, die sich für das Thema Massiaen und seine einzigartige musikalische Vision interessieren.




Kammerkonzert an einem außergewöhnlichen Ort

Die Kokerei Hansa ist ein Architektur- und Industriedenkmal in Huckarde, das unter anderem für Kunst- und Kulturveranstaltungen genutzt wird. Bereits in der vergangenen Spielzeit fand ein Kammerkonzert in der Kompressorenhalle statt, und am 24. Oktober 2024 diente das Salzlager als Konzertort.

Im Salzlager wurde früher Ammoniumsulfat gelagert, ein Nebenprodukt der Koksherstellung, das als Dünger verwendet wurde. An diesem Abend zeugten nur noch die Förderbänder und Maschinen von dieser Vergangenheit. Im Mittelpunkt standen neun Musiker der Dortmunder Philharmoniker, die ein abwechslungsreiches Programm darboten.

Beethoven, Klein und Mozart im Fokus

Das Oktett in Es-Dur, op. 103, von Ludwig van Beethoven wurde vermutlich zwischen 1792 und 1793 komponiert, in einer Phase, als Beethoven noch stark vom Stil der Wiener Klassik und insbesondere von Mozart beeinflusst war. Ursprünglich für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte geschrieben, trägt das Werk eine leichte, unterhaltsame und charmante Note und gehört zur sogenannten Harmoniemusik, einer Form höfischer Bläsermusik.

Mit dabei: Alina Heinl (Klarinette). Foto: (c) Leszek Januszewski.
Mit dabei: Alina Heinl (Klarinette). Foto: (c) Leszek Januszewski.

Ein bedrückendes Zeitzeugnis ist das Divertimento für Bläseroktett von Gideon Klein. Der tschechische Komponist verarbeitete in diesem Werk die Besetzung seines Landes durch die Wehrmacht. Es offenbart eine bemerkenswerte künstlerische Tiefe und formale Raffinesse, die die Tragik und zugleich die künstlerische Widerstandskraft des Komponisten unter schwierigen Bedingungen widerspiegelt.

Mozarts Serenade in c-Moll, KV 388, auch als Bläseroktett oder Nachtmusique bekannt, hebt sich von der sonst heiteren und geselligen Tradition der Serenade ab. Komponiert um 1782 für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte, verleiht die Tonart c-Moll dem Werk eine ungewöhnlich ernste und dramatische Ausdruckskraft, die klassische Erwartungen an das Genre durchbricht.

Ein gelungener Kammermusikabend in einer außergewöhnlichen Umgebung. Mitwirkende waren Reika Kosaka und Stefanie Dietz (Oboe), Alina Heinl und Amely Preuten (Klarinette), Minori Tsuchiyama und Pablo Gonzáles Hernández (Fagott), Sofie Herstvik Berge und Peter Loreck (Horn) sowie Tomoko Tadokoro (Kontrabass).




Vom Barock bis zum Swing: Blechbläser verzaubern im Phoenix des Lumières

Das erste Kammerkonzert der neuen Spielzeit brachte einen spannenden musikalischen Bogen über Jahrhunderte – von den barocken Klängen Giovanni Gabrielis bis hin zu den schwungvollen Rhythmen des Jazz und Swing. Besonders der zweite Teil des Abends stand ganz im Zeichen von George Gershwin und weiteren Jazz-Einflüssen.

Gestaltet wurde das Konzert von fünf Blechbläsern: Daniel Hufnagel und Mitsugo Hotta (beide Trompete), Jan Golebiowski (Horn), Dirk Ellerkamp (Posaune) und Thomas Kerstner (Tuba). Mit ihrem Zusammenspiel verliehen sie den Werken sowohl historischer als auch moderner Komponisten einen unverwechselbaren Klang.

Die fünf Blechbläser der Dortmunder Philharmoniker machten gute Stimmung im Phoenix des Lumières.
Die fünf Blechbläser der Dortmunder Philharmoniker machten gute Stimmung im Phoenix des Lumières. Foto: (Rainer Sturm / pixelio.de)

Musik im Dialog mit visueller Kunst

Wie schon in der vergangenen Saison fand das Konzert im Phoenix des Lumières statt – einem Ort, der sich durch die Kombination von Musik und eindrucksvollen, projizierten Kunstwerken auszeichnet. Der Raum, geflutet von riesigen, leuchtenden Bildern, bot den perfekten visuellen Rahmen für die Darbietungen. So wurde Giovanni Gabrielis „Canzona per sonare II“ von prächtigen Projektionen venezianischer Architektur begleitet, während Samuel Barbers „Adagio for Strings“ in eine melancholische blaue Lichtstimmung getaucht wurde – eine subtile, aber kraftvolle visuelle Untermalung der Bläserbearbeitung dieses Streichwerks.

Nach der Pause: Jazz und Swing im Zeichen von Gershwin und Jobim

Nach der Pause eroberte der Jazz die Bühne. George Gershwins unvergängliche Melodien eröffneten und schlossen den zweiten Teil des Programms, wobei das Quintett die Werke mit schwungvoller Leichtigkeit und Präzision präsentierte. Luther Henderson, Harry DeCosta und Herbert Meyer ergänzten das Programm mit weiteren swingenden Beiträgen. Besonders Thomas Kerstner am „Tuba Tiger Rag“ brachte das Publikum zum Staunen, als er die Tuba „von der Leine ließ“.

Einen Hauch Südamerikas brachte Antônio Carlos Jobims „One Note Samba“, der den Raum in tropische Farben tauchte. Passend dazu projizierte man an die Wände ein Bild eines Leguans, das an die Formenwelt Gaudís erinnerte – ein faszinierendes Detail, das die Verbindung zwischen Musik und visueller Kunst im Phoenix de Lumières auf die Spitze trieb.

Ein beeindruckender Konzertabend mit kleinen Hürden

Der Abend bot nicht nur ein akustisches, sondern auch ein visuelles Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Die fünf Musiker präsentierten ein vielseitiges Programm, das die Vielfalt der Blechbläsermusik auf höchstem Niveau zeigte. Einziger Wermutstropfen: Die Anbindung des Phoenix des Lumières bleibt ausbaufähig, was den Zugang zu diesem außergewöhnlichen Kulturort erschwert. Es bleibt zu hoffen, dass sich hier bald etwas verbessert, damit mehr Menschen die außergewöhnliche Atmosphäre in diesem Ambiente erleben können.




Schwelgen im barocken Bläserklang

Das fünfte und letzte Kammerkonzert dieser Spielzeit fand am 16. Mai 2024 in der ehrwürdigen Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte statt. Ursprünglich als Gebäude für die Sparkasse erbaut, verwandelte sich der Tempel des Geldes über einen Tempel der Geschichte hin zu einem Tempel der Musik.



Umgeben von Artefakten aus der langen Geschichte Dortmunds stand Barockmusik auf dem Programm. Das frühe 18. Jahrhundert war eine äußerst fruchtbare Zeit für Barockmusik, in der unzählige Komponisten wie Bach, Händel oder Telemann ihre Werke schufen.

Das fünfte Kammerkonzert trug den Titel „Bläserkolorit“ und konzentrierte sich auf die Holzbläser. Zwei Oboen (Tomoharu Yoshida und Sarah Kaufmann), ein Fagott (Minori Tsuchiyama), ein Kontrabass (Tomoko Tadokoro) und Ursula Hobbing am Cembalo spielten Werke von Händel, Telemann, de Boismortier, Fasch, de Fesch und Zelenka.

Vieles in der Barockmusik entspringt höfischen Tänzen, sowohl langsamen als auch schnellen, wie zum Beispiel das Menuett, die Sarabande oder die Allemande. Auch dieses Kammerkonzert war tänzerisch geprägt, es war viel Lebensfreude zu spüren, die sich auch auf die Musizierenden übertrug.

Ein Abend für Barockliebhaber und solche, die es noch werden wollen.




Kammerkonzert im besonderen Ambiente

Diese Spielzeit bietet für Kammermusikfreundinnen und -freunde etwas Besonderes: Die Konzerte finden an ungewöhnlichen Orten statt. So wurde beispielsweise die Kokerei Hansa, die Ausstellungshalle von Phoenix des Lumières oder die Akademie für Theater und Digitalität zum Ort von klassischer Musik. Am 18. April 2024 war der Pioneer Cube des Unternehmens Wilo der Schauplatz für das Kammerkonzert.



Auf dem Programm stand Mozart und Mendelssohn Bartholdy. Das Divertimento in D-Dur, KV 136, von Wolfgang Amadeus Mozart ist ein charmantes und lebhaftes Werk, das typisch für die eleganten und verspielten Divertimenti dieser Zeit ist. Komponiert im Jahr 1770, ist es eines von drei Divertimenti, die Mozart innerhalb einer Woche komponierte, während er in Salzburg weilte.

Die Anmut, Leichtigkeit und Eleganz des frühen Stückes wurde durch das Streichquartett wunderbar unterstrichen.

Mendelssohn Bartholdy reichte ein Streichquartett nicht, er verdoppelte es zu seinem Oktett in Es-Dur op. 20. Es ist ein bemerkenswertes Werk, das die Brillanz und Jugendlichkeit des Komponisten widerspiegelt. Mendelssohn schrieb dieses Oktett im Alter von nur 16 Jahren, und doch zeigt es bereits seine außergewöhnliche Begabung und seinen reifen musikalischen Stil.

Vor allem der 3. Satz, das Scherzo begeisterte die Zuhörer: Mendelssohn zeigt hier sein Talent für kontrastierende Rhythmen und überraschende harmonische Wendungen, die dem Stück einen frischen und dynamischen Charakter verleihen.

Kein Wunder, dass es als Zugabe wiederholt wurde.

Als MusikerInnen waren dabei: Nemanja Belej, Anna Straub, Vera Plum und Iris Plettner (Violine), Dahee kwon und Carlotta Guijarro Alonso (Viola) und Emmanuel Matz und Markus Beul (Cello).




4. Dortmunder Kammerkonzert mit Tango nuevo und mehr

Die Dortmunder Philharmoniker lud ihr Publikum zum 4. Kammerkonzert am 14.03.2024 unter dem Motto „Argentinische Jahreszeiten“ an einen außergewöhnlichen Ort ein: In den hiesigen Jazz-Club „domicil“.



Das Ruhrgebiet steht in dieser Spielzeit im Mittelpunkt und die Philharmoniker geht in verschiedene Veranstaltungsorte in unserer Stadt, die einen Bezug zum musikalischen Thema haben.

Eine Hauptrolle spielten in diesem Konzert zwei Beispiele des schon in jungen Jahren bekannten argentinischen Bandoneon-Spielers und Entwicklers seiner ganz persönlichen Form des kammermusikalischen Tangos, des Tangos nuevo und Jazz-Elementen, nämlich Astor Piazolla. Da passte der Jazz-Club als Ortschaft für das Kammerkonzert wunderbar.

Das Bandoneon hatte in der Bergmannskultur der 1920er Jahre eine große Bedeutung.

Die Dortmunder Philharmoniker hatte mit Karsten Scholz (Solo-Repetitor) am Klavier, Nemanja Belej (Violine), sowie Mladen Miloradovic (Violoncello) drei hervorragende Musiker für diesen Abend auf die Bühne geschickt.

Zu Begin wurde jedoch erst das Klaviertrio Nr.1 d-Moll op. 35 des spanischen Komponisten Joaquín Turina (1882-1949) gespielt.

Das Stück vereint Elemente der andalusischen Volksmusik (dort hat auch der Tango seine Wurzeln), mit bekannten Formen der klassischen Kunstmusik (wie etwa Fuge und Sonate), die ein wenig an den Impressionismus erinnern. Eindrucksvoll der zweite Satz mit seinen fünf Variationen, die jeweils von einer anderen Tanzform beherrscht wurden.

Astor Piazollas (1921-19929) „Le Grand Tango für Violoncello und Klavier” verdeutlichte die interessante Verbindung des Tango nuevo mit feinen Elementen des Jazz. Das befeuerte die Popularität des Komponisten.

Nach einer Pause begeisterten Astor Piazollas „Die vier Jahreszeiten von Buenos Aires“ die Zuhörenden. Leichte Anklänge zum barocken Konzert gab es beim langsamen Abschnitt in der Mitte. Ein wunderbares musikalisches Stadtportrait von Buenos Aires. Es führt dem Publikum die unterschiedlichen Stimmungen, je nach Jahreszeit und Temperatur, in der quirligen argentinischen Großstadt lebendig vor Augen. Ein starkes Kammerkonzert-Erlebnis in einer passenden Location.