Kanonenmütter, Tradwives und ein großer Abschied: So startete der Geierabend 2026

Er ist ein fester Bestandteil des Dortmunder Kulturlebens: der Geierabend. Mit einer ebenso politischen wie pointierten Premiere ist die alternative Karnevalssitzung am 2. Januar 2026 auf Zeche Zollern in die neue Session gestartet. Vor vollem Haus präsentiert das Ensemble noch bis Veilchendienstag ein Programm, das aktuelle Debatten, Ruhrgebietsrealität und bewusst albernen Klamauk gekonnt miteinander verknüpft.

An Themen mangelt es dem Geierabend keinesfalls. Denn alles scheint wiederzukommen, wie Steiger Martin Kaysh zurecht anmerkte – beispielsweise der Wehrdienst. Mit der Szene „Kanonenmütter“ nimmt das Ensemble die Debatte um Wehrpflicht und Aufrüstung ins Visier: Zwei Mütter rücken kurzerhand selbst ein, inklusive olivgrünem Wellness-Programm und militärischem Gebrüll. Auch die 50er-Jahre feiern ein Wiedersehen in Form von „Tradwives“, die ihre Bestimmung im traditionellen Rollenverständnis suchen. Natürlich versucht auch die alleinerziehende Mutter Jessica Schmottke (Sandra Schmitz), davon zu profitieren. Dass auch Trends zu Ende gehen können, erlebten zwei Labubus, die auf dem „Friedhof der Kuscheltiere“ auf Relikte vergangener Tage schauten.

Auch die Situation der Dortmunder SPD wird aufs Korn genommen. Politisch-historisch wird es in „SPD – Der Geist von Godesberg“, wenn die letzten Dortmunder Sozialdemokraten in ihrer Verzweiflung den legendären Parteitag von 1959 heraufbeschwören. Denn früher war die Stadt die „Herzkammer der Sozialdemokratie“, heute regiert ein CDU-Bürgermeister. Der neue OB, Alexander Kalouti, war dabei immer wieder Zielscheibe des Spotts.

Premiere Geierabend auf Zeche Zollern. (Foto: (c) Anja Cord)
Premiere Geierabend auf Zeche Zollern. (Foto: (c) Anja Cord)

Der Ruhrpott-Blick auf gesellschaftliche Trends kommt ebenfalls nicht zu kurz. In „Bottrop statt Botox“ persiflieren „Dr. Dick und Dr. Fick“ die Schönheitschirurgie auf radikal ehrliche Art, während die Nummer „Hobby Horsing und Köttbullar“ den Trendsport aus der IKEA-Betriebssportgruppe Kamen mitten ins Revier holt. Was für spannende Geschichte mag wohl die WAPO Phoenixsee erzählen?

Musikalisch spannen Pele Götzer und seine Band einen weiten Bogen von viralen Popsongs wie „Gangnam Style“ über „Walking on Sunshine“ bis zu aktuellen Chart-Hits wie „APT“. Für den roten Faden sorgt einmal mehr Steiger Martin Kaysh, der mit bissigen Moderationen und Kommentaren zum politischen Tagesgeschehen durch den Abend führt.

Ein besonderer Moment ist in diesem Jahr der Abschied von Geierabend-Präsident Roman Henri Marczewski. Der Mitgründer und langjährige Kopf der Veranstaltung verabschiedet sich nach mehr als drei Jahrzehnten mit einer musikalischen Verneigung vor dem Publikum – ein emotionaler Höhepunkt für eine prägende Figur der Ruhrgebietskultur.

Traditionell gehört zum Geierabend auch die Vergabe des Pannekopp-Ordens, und hier gab es direkt bei der Premiere eine Entscheidung: Den Tagessieg holte sich Bettina Hartmann. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Marl, die sich mit Stimmen der AfD hatte wählen lassen, setzte sich damit gegen NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst durch. Wüst war mit seiner Idee der „Leading Losing City Köln“ nominiert worden.

Das Ensemble musste in dieser Session zwei neue Mitglieder integrieren, was über weite Strecken sehr gut gelang. Es liefert eine Bandbreite von Ruhrpottsatire über Medienkritik bis hin zu politischer Satire – Gesangs- und Tanzeinlagen inklusive. Lediglich die Szene mit den beiden „Facharbeitern“, die zuvor von zwei ausgeschiedenen Mitgliedern verkörpert wurde, wirkte etwas routiniert – das Gabelstapler-Thema hat sich inzwischen ein wenig abgenutzt. Dennoch spielte, sang und tanzte das Ensemble insgesamt wie aus einem Guss.

Auch das Publikum war an diesem Abend bestens aufgelegt. Alle Szenen wurden ausgiebig bejubelt, und die Hymne „Dortmund“ durfte als Zugabe nicht fehlen.

Alle Infos zum Geierabend 2026

  • Spielort: Zeche Zollern, Dortmund
  • Termine: Die Session läuft noch bis zum 17. Februar 2026 (Veilchendienstag).
  • Tickets: Karten sind unter geierabend.de erhältlich.
  • Das Ensemble: Roman Marczewski, Sandra Schmitz, Martin Kaysh, Benjamin Werner, Silvia Holzhäuser und Stefan Peters.

















Geierabend 2026 startet in eine kurze, knackige Session

Für die Freunde des kultigen Dortmunder Ruhrpott-Karnevals gibt es gute Nachrichten. Auch im Jahr 2026 wird auf der historischen Zeche Zollern – diesmal für eine ultra-kurze Session (02.01. – 17.02.2026) – wieder der „Geierabend“ zelebriert.

Das rundum neue Programm bietet erneut eine schräge Mischung aus bissigem Humor mit politischen Seitenhieben und viel Lokalkolorit. Musikalisch wird es – so Geierabend-Legende Sandra Schmitz – „laut und rockig“ mit einer bunten Bandbreite von Gangnam Style über Britney Spears bis Richard Wagner. Bandleader Pele Götzer führt als musikalischer Kopf durch den Abend.

Neben den bewährten Kräften Sandra Schmitz, Martin Kaysh (Steiger), Silvia Holzhäuser, Patrick Dollas und dem „Präsi“ Roman Marczewski stoßen mit dem Theater- und Filmschauspieler Benjamin Werner sowie dem gebürtigen Herdecker Stefan Peters zwei „Neue“ dazu.

Das Plakat der Session 2026 des Geierabends. (Foto: Tania Reinicke)
Das Plakat der Session 2026 des Geierabends. (Foto: Tania Reinicke)

Das Ensemble vermählt unter anderem die Erotik von New-Adult-Romanen mit der Resopal-Romantik ruhrpotttypischer Eckkneipen, und die SPD beschwört nach der Kommunalwahl beim Trauerseminar die Geister erfolgreicher Jahre. Außerdem jagt die WaPo Phoenixsee ein Seeungeheuer und vieles mehr. Klassiker wie etwa Publikumsliebling Jessica Schmottke (als mehrfach Alleinerziehende) dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Hinter den Kulissen arbeitet erneut ein Team aus einigen der renommiertesten Satire-Autorinnen und Autoren Deutschlands. Zu nennen wären da Jana Fischer (Autorin: Carolin Kebekus Show), Thomas Rogel (Heute-Show) sowie Markus Henning (ZDF-Magazin Royale).

Auch kulinarisch wird das Publikum wie gewohnt gut versorgt (nicht nur mit der besten Currywurst des Ruhrgebiets). Es empfiehlt sich, sich möglichst schnell Karten zu sichern!

Erhältlich unter www.geierabend.de

Vorstellungen: Donnerstags bis sonntags, in der Karnevalswoche zusätzlich am Mittwoch sowie an Weiberfastnacht.