Tanzt die Planeten

David Jach (links) und Beatamines werden mit den Dortmunder Philharmonikern Gustav Holsts "Die Planeten" tanzen lassen. (Foto: wurde uns von den Dortmunder Philharmonikern zur Verfügung gestellt)
David Jach (links) und Beatamines werden mit den Dortmunder Philharmonikern Gustav Holsts „Die Planeten“ kreisen lassen. (Foto: wurde uns von den Dortmunder Philharmonikern zur Verfügung gestellt / Photograf leider unbekannt)

Etwas Besonderes erwarten die Zuhörer beim 1. Konzert für Junge Leute am 04. November um 19 Uhr im Konzerthaus. Unter dem Titel „Groove Symphony“ werden die Dortmunder Philharmoniker Zuwachs bekommen von den Elektromusikern Beatamines & David Jach. Zusammen werden sie „Die Planeten“ von Gustav Holst in einer spannenden Bearbeitung aufführen.

Es könnte eine spannende Symbiose werden, denn Gustav Holst Werk „Die Planeten“ treffen auf Elektromusiker treffen auf Philharmoniker. Wie geht es aus? Vermutlich wissen die Protagonisten es selbst nicht so genau, denn es ist eine absolute Premiere für beide Seiten.

 

„Beatamines und David Jach“ sind beide Elektromusiker, die aber auch als DJs arbeiten. Für das Projekt werden die beiden aber hauptsächlich als Elektromusiker in Erscheinung treten“, so Barbara Volkwein von den Dortmunder Philharmonikern, die die Konzeption gemacht hat. Auch für Phillipp Armbruster, dem Dirigenten des Abends, ein völlig neues Gefühl. Ob sich die beiden Musiker seinem Taktstock fügen wie die Philharmoniker, das wird sich noch herausstellen.

 

Wie wird das Konzert ablaufen? „Im Prinzip sind die beiden Musiker so etwas wie Solisten in einem Konzert“, erklärte Armbruster. Das Orchester wird alleine zu hören sein, dann gibt es Teile, in denen Beatamines und David Jach ihre Remixe in den Vordergrund stellen und es wird gemeinsame Teile geben, wo alle zusammen spielen. Noch wird alles arrangiert und geprobt.

 

Da das Konzert für junge Leute gedacht ist, dauert es rund eine Stunde, das heißt, um 20 Uhr ist Schluss. Ob es noch eine Zugabe gibt, bleibt abzuwarten.

 

Normalerweise machen Beatamines und David Jach eigentlich House-Musik. Ihr Set wird am 04. November sehr minimalistisch sein, aber dennoch tanzbar. So wird erwartetet, dass die Zuhörer im Konzerthaus nicht lange auf ihren Sitzen bleiben. Aufstehen und tanzen ist durchaus erlaubt.

 

Der Verkauf der Veranstaltung lässt sich sehr gut an, es gibt nur noch Restkarten. Wer bei diesem Ereignis dabei sein möchte, sollte sich sputen. Karten gibt es unter 0231 50 27222.




Geschwisterpaar begeisterten im Konzerthaus

Das erste Wiener Klassik Konzert am 14. Oktober 2013 begann mit Ludwig van Beethovens (1770 – 1827) Ouvertüre zu Collins Trauerspiel „Coriolan“ op. 62 (1807). Teile der Dortmunder Philharmoniker wurden von Giuliano Betta, seines Zeichens erster Kapellmeister am Theater Basel, mit Charme und Temperament dirigiert. Das Geschwisterpaar Felicitas und Constantin Schiffer zeigten ein beachtliches Können auf ihren Instrumenten.

Inspiriert wurde das Stück vom Drama von Heinrich Joseph Edler von Collin: Eine Mutter und ihre Tochter bewahren die Stadt Rom vor einem Racheakt des verbannten Sohnes und Ehegatten. Beethoven gab dem Thema mit seinen Improvisationen eine musikalische feste Form. Dabei wechselt sich eine leisere Leitmelodie mit den lauteren aufbrausenden Klängen der Bläser und Streicher und Pauken ab, bis die Ouvertüre ein furioses Ende findet.

 

Danach folgte mit dem Konzert für Klavier, Violine und Orchester G-Dur op. 17 (1804) von Johann Nepomuk Hummel (17 -1837) eine Mischung von Sinfonie und Instrumentalkonzert. Dabei ist die Besetzung mit Violine und Klavier als Solo-Instrumenten äußerst selten. Für beide Instrumente konnten ein hochbegabtes Geschwisterpaar aus Lübeck gewonnen werden. Felicitas Schiffer (16 Jahre) spielte einfühlsam im Hintergrund die Violine, ihr Bruder Constantin Schiffer (14 Jahre) virtuos am Klavier.

Das der Klaviervirtuose Hummel ein Schüler von Wolfgang Amadeus Mozart war, ist unverkennbar herauszuhören. Hier dominierten Mozart musikalische Harmonien. Im ersten Satz dominierte zuerst das Klavier, dann übernimmt die Geige mit starker Präsenz. Beide Instrumente werden wirkungsvoll miteinander und dem Orchester kombiniert. Sie warfen sich sozusagen die Bälle zu. Der zweite Satz zeigt ein Thema, das etwas an die Musik von Haydn erinnert. Es folgen interessante musikalische Variationen für Oboe, Cello und Hörner. Einen heiteren Abschluss bildete im dritten Satz das finale Rondo im 6/8 Takt.

 

Ohne eine Zugabe kamen die jugendlichen „Wunderkinder“ nicht von der Konzertbühne. Sie spielten Beethovens Violinsonate Nr. 1 in D-Dur.

 

Nach der Pause folgte die Sinfonie Nr. 1 C-Dur op.21 (1799-1800) von Ludwig van Beethoven.

Ungewöhnlich und mutig für ein Erstlingswerk beginnt die Sinfonie gleich mit einer Überraschung: dissonante Akkorde ertönen. Diese werden natürlich aufgelöst, lassen den Zuhörer aber über das weitere Werk im Unklaren und die eigentliche Grundtonart C-Dur gerät dadurch etwas in den Hintergrund, und andere Tonarten werden festgeschrieben.

Nicht nur der mutige und provokante Beginn dieser ersten Sinfonie Beethovens ist hervorragend und beachtlich, auch das temporeiche Menuett des dritten Satzes. Es ist eigentlich ein Scherzo und weit davon entfernt, ein höfischer Tanz zu sein, was ein Menuett eigentlich entsprach. Vielleicht zeigte Beethoven so schon um 1800 seine Abneigung gegen höfische Etikette.

 

Dieser erste „Wiener-Klassik“-Abend macht Lust und neugierig auf die folgenden.




Musikalische Nachtgedanken

„nacht_stücke“ hieß das Programm des 2. Philharmonischen Konzertes am 08. und 09. Oktober im Konzerthaus und präsentierte Werke von Ravel, Debussy und Mozart. Am Dirigentenpult stand Stefan Solyom.

Exit light – enter night. Das war jedenfalls das Motto des Abend, obwohl das Lied des Komponistentrios Hetfield, Ulrich und Hammett (besser bekannt als „Enter Sandman“) nicht zur Aufführung kam. So sorgte vor allem Claude Debussy zu Beginn für wohlige Schauer mit seinen „Trois Nocturnes“. Nachtbilder, Wechsel zwischen Mondlicht und Schatten, vor allem der dritte Satz „Sirènes“ weckte wohlige Schauer. Die Frauen des sinfonischen Chors der Chorakademie erzeugten mit den Philharmonikern eine Stimmung wie bei einer wolkenbehangenen Vollmondnacht.

 

Eine Besonderheit war das Konzert für Klavier und Orchester D-Dur von Maurice Ravel. Der Komponist hatte es für den Pianisten Paul Wittgenstein geschrieben, der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren hatte. Daher wird es einhändig, für die linke Hand, aufgeführt. Herbert Schuch am Klavier interpretierte das Werk meisterhaft. Hin und wieder hörte man aus dem Werk Ravels den Schrecken des Weltkrieges heraus. Ruhige Passagen wechseln sich mit gehetzten Takten ab, eine Reminiszenz an die Grabenkämpfer, die Tag und Nacht mit Angriffen und Bombardements rechnen mussten.

 

Nach der Pause kam Mozart mit seinem bekanntestes Stück über die Nacht: Die „kleine Nachtmusik“. Das Stück, eigentlich ein Kammermusikstück für Violinen, Bratsche, Violoncello und Kontrabass, wurde von Solyom mit der Streichbesetzung der Philharmonie gespielt. Vom Namen her passt die „kleine Nachtmusik“ natürlich ins Programm, von ihrer Klangfarbe gehört sie eher in einen lauen Abend. Besser passte schon Mozarts „Prager-Sinfonie“ ins Thema, vor allem durch seinen letzten Satz, dem Presto. Violinen und Holzbläser sorgten für eine schwebende Stimmung zwischen Nacht und Tag. Zwielicht.

 

Stefan Solyom führte die Dortmunder Philharmoniker konzentriert durch den Abend, den verdientermaßen größten Applaus erhielt Pianist Herbert Schuch, der sich mit einer Zugabe vom Publikum verabschiedete.




Interview mit GMD Gabriel Feltz