Grand opéra im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals 

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund bot mit „La Favorite“ von Gaetano Donizetti (1797–1848) am 07.06.2026 wieder einmal ein besonderes konzertantes Opernerlebnis im hiesigen Konzerthaus. 



Dieses Werk ist geprägt von einer gelungenen Verbindung französischer theatraler Monumentalität und italienischer, ausdrucksstarker melodischer Schönheit. Gesungen wurde in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln. 

Im Zentrum von „La Favorite“ steht die dramatische Konstellation um den historischen König Alfons XI. von Kastilien, seine Mätresse Léonor de Guzmán und deren große Liebe zum jungen Fernand. Zwischen Klosterwelt, höfischer Macht, der Einflussnahme der katholischen Kirche und individueller Leidenschaft entwickelt sich ein packendes Drama. Standesunterschiede, Schuldgefühle, Missachtung und ein veralteter Ehrbegriff führen schließlich zu einem tragischen Ende. 

Die Solisten (v.l.n.r.) Angel Macias, Suzanne Jerosme und Bogdan Talos. (Foto: (c) Karen Elias)
Die Solisten (v.l.n.r.) Angel Macias, Suzanne Jerosme und Bogdan Talos. (Foto: (c) Karen Elias)

Die für das Konzert aufgebotenen internationalen Stars der Opernszene machten die verschiedenen Emotionen gesanglich, mimisch sowie gestisch spürbar. Als Léonor überzeugte die Mezzosopranistin Varduhi Abrahamyan (aus Jerewan), während der australisch-chinesische Tenor Kang Wang der Rolle des Fernand besondere Eindringlichkeit verlieh. Mit seinem warmen Bariton begeisterte zudem der aus Neapel stammende Vito Priante als König Alphonse XI. 

Ihr großes gesangliches Können bewiesen auch die französische Sopranistin Suzanne Jerosme als Inez (Vertraute), der in Mexiko geborene Tenor Angel Macias als Don Gasparo (Offizier des Königs) und Bogdan Talos mit seinem tiefen Bass in der Rolle des Balthazar (Prior des Klosters San Giacomo). 

Das Ensemble des WDR Funkhausorchesters unter der temperamentvollen Leitung des italienischen Belcanto-Dirigenten Antonino Fogliani sorgte für eine feinfühlige und je nach Ort der Handlung differenzierte musikalische Begleitung. Zudem untermalte der WDR Rundfunkchor (Einstudierung: Alexander Lüken) das Geschehen eindrucksvoll und stimmgewaltig aus dem Hintergrund. 

Sendehinweis: Der Konzertmitschnitt wird am 4. Juli 2026 um 20:00 Uhr auf WDR 3 und weiteren Sendern der ARD ausgestrahlt. 




Eine Oper als Requiem

Wenn ein Opernkomponist wie Gaetano Donizetti ein Requiem komponiert, dann können sich die Zuhörenden auf ein Werk freuen, dass dramatisch, lyrisch und alles dazwischen ist. Die Dortmunder Philharmoniker und der Philharmonische Chor des Dortmunder Musikvereins unter der Leitung von Granville Walker präsentierten das Werk am 17. Juni 2023 in der Reinoldikirche im Rahmen des Festivals „Klangvokal“.



Die „Messa di Requiem“ von Donizetti wurde ursprünglich im Jahr 1835 komponiert. Sie wurde zu Ehren des italienischen Schriftstellers und Dichters Alessandro Manzoni geschrieben, der ein enger Freund von Donizetti war. Das Werk wurde jedoch erst nach Donizettis Tod im Jahr 1846 veröffentlicht.

Donizettis Requiem ist ein liturgisches Werk für Solisten, Chor und Orchester. Es besteht aus den traditionellen Teilen des Requiems, wie dem Introitus, dem Kyrie, dem Dies Irae, dem Offertorium, dem Sanctus und dem Agnus Dei.

Doch seine Arbeit als Opernkomponist kommt deutlich zum Tragen. Donizetti verwendet ausdrucksstarke Melodien, die oft von den Solisten und dem Chor interpretiert werden. Diese Melodien haben oft eine lyrische Qualität, die typisch für Donizettis Opern ist. Wie in seinen Opern geht es aber nicht nur lyrisch zu. Die dramatischen Passagen des Dies Irae oder des Offertoriums erinnern an die intensiven Momente in seinen Opern, in denen Spannung und Leidenschaft dargestellt werden.

Dafür braucht man gute Stimmen. Mit Anna Sohn (Sopran), Anna Harvey (Mezzosopran), Carlos Cardoso (Tenor), Germán E. Alcántara (Bariton) und Jens Hamann (Bass) hatte Granville Walker exzellente Solisten an seiner Seite, die vom Philharmonischen Chor adäquat begleitet wurden.

Der Abend hat gezeigt: Ein gelungenes Requiem von Donizetti, das sich vor Verdis Requiem nicht zu verstecken braucht.




Eine emotionale Oper als Monument der Menschlichkeit

Das Klangvokal Musikfestival Dortmund hatte am 11.06.2022 im hiesigen Konzerthaus Gaetano Donizettis (1797-1848) dramatische lyrische Oper „Caterina Cornaro“ als konzertante Aufführung auf dem Programm.

Alles war auf das feinste für die Freunde der italienischen Belcanto-Opernmusik vorbereitet.

Das renommierte WDR Rundfunkorchester spielte unter der sensiblen Leitung von Giacomo Sagripanti. Der 1947 gegründete altehrwürdige WDR Rundfunkchor bildete die eindrucksvolle begleitende öffentliche Stimme.

Als Sänger*innen standen mit der italienischen Sopranistin Roberta Mantegna als Caterina Cornaro, der Bass Adam Palk als ihr Vater Andrea, der für den indisponierten Davide Luciano kurzfristig eingesprungene Bariton Germán Enrique Alcántara als ihr Ehemann König Lusignano von Zypern, Dimitry Korchak (Tenor) als ihr große Liebe Gerardo, George Andguladze (Bass) als Intrigant und Erpresser Mocenigo, Dimitry Ivanchey (Tenor) als Handlanger Strozzi sowie als ihre Vertraute Matilde die Sopranistin Anna Malesza-Kutny einige Hochkaräter auf der Bühne.

Roberta Mantegna sang die Titelrolle der "Caterina Cornaro" im Konzerthaus. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Roberta Mantegna sang die Titelrolle der „Caterina Cornaro“ im Konzerthaus. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Die dramatische lyrische italienische Oper basiert auf die historische Geschichte der „Caterna Cornaro (1454 -1510)“. Caterina plante eine Liebesheirat mit dem französischen Edelmann Gerardo. Kurz vor der Trauung wird sie jedoch von Mocenigo vom Rat der Zehn in Venedig aus politischen Machtinteressen unter Druck gesetzt, den zyprischen König Lusignano zu heiraten. Ihr Vater ist nicht stark genug, sich dagegenzustellen. Es geht um die Herrschaft Venedig über Zypern. Eine dramatische Geschichte um die Kraft von Freundschaft, Vertrauen und Liebe. Zudem aber auch um Liebesleid, Verrat, Vertrauen und den Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung.

Als die ganze Intrige offensichtlich wird, zeigen Caterina, Lusignano und Gerardo ihre wahre Stärke und bringen das Volk hinter sich. Im Gegensatz zur realen Historie gewinnen die Zyprioten gegen die Macht des „Löwen“ Venedig.

In dieser Fassung kehr Gerardo mit dem sterbenden König Zyperns heim. Caterina wird neue Königin.

Konnten alle beteiligten Sänger*innen mit ihren warmen und vollen Stimmen dem Publikum gefallen, gab es doch besondere Beifallsbekundungen (Bravo-Rufe) für die sehr emotionalen Gesangdarbietungen von Roberta Mantegna, Germán Enrique Alcántara und Dimitry Korchak. Bei ihnen kam die in ihren Charakteren angelegte gesamte Gefühlspalette wie etwa Liebe, Leiden, Zweifel Schwäche oder Stärke besonders gut rüber.

Eine Oper, die leider nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Auch heute sind wir inmitten von Europa, in der Ukraine, mit einem schrecklichen Macht-Krieg durch Putins Russland konfrontiert. Die Menschen erleben die Zerstörung ihres Landes mit viele Toten. Die Bevölkerung dort kämpft mit Mut und Hoffnung für ihre Selbstbestimmung, Sicherheit und Glück.

Die Donizetti-Oper ist ein universales musikalisches Monument der Menschlichkeit.