Ein interdisziplinäres Erwachen im Hans A, Dortmund
In der Kooperation zwischen dem kunstbetrieb Dortmund und Dortmund Kreativ präsentiert sich eine Ausstellung, die den Betrachter bereits mit ihrem Titel in eine Welt der Transformation und Bewegung zieht. „Dem Fluss entstiegen“ vereint sechs Positionen aus der Region, die von klassischer Malerei über filigrane Skulpturen bis hin zu generativen Video-Installationen reichen.
Der Titel der Ausstellung, „Dem Fluss entstiegen“, suggeriert zunächst einen Akt der Befreiung oder der Neuentdeckung. Doch blickt man auf die Arbeiten von Udo Unkel und Almut Rybarsch-Tarry, wandelt sich diese Bewegung schnell von einer metaphorischen Wiedergeburt hin zu einer existenziellen Konfrontation. Es geht nicht nur darum, was aus dem Fluss ans Licht tritt, sondern mit welcher Botschaft es uns am Ufer begegnet.
Die künstlerische Vielfalt
Die Ausstellung besticht durch ihre Materialität und den Mut zum Kontrast:
Der Mahner aus dem Abfall: Almut Rybarsch-Tarry setzt mit ihrer lebensgroßen Wassernixe ein beklemmendes Ausrufezeichen. Während die Figur an antike Mythen erinnert, bricht das „Netz voller Müll“ die Romantik radikal. Diese Nixe ist keine ätherische Gestalt mehr; sie ist eine Zeugin des Anthropozäns, die uns unseren eigenen Unrat vor die Füße legt.

Natur und Abstraktion: Während Anne Jannick und Anke Droste den Blick auf weite Landschaften lenken – mal als fiktive Moorlandschaft, mal als Spiel zwischen Ferne und der Auflösung in abstrakte Farbstrukturen –, bringt Ana Maria Avilés Toro einen „positiv-poetischen Realismus“ ein, der chilenische Einflüsse mit der Ruhrgebiets-Ästhetik verschmilzt.
Existenzielle Formen: Udo Unkel arbeitet sich an der menschlichen Figur ab. Seine Skulpturen, oft hager und asketisch, wirken wie Wanderer zwischen Schmerz und Freiheit.
Moderne Metamorphosen: Brigitte Felician Siebrecht bricht die statische Kunst mit ihrer Video-Klang-Installation „wātar“ auf und führt das Element Wasser direkt in die digitale Moderne.
Fazit
Diese Ausstellung ist ein Parforceritt durch die menschliche Psyche und unsere Beziehung zur Umwelt. Die Kombination aus literarischer Referenz und ökologischem Statement macht „Dem Fluss entstiegen“ zu einem Pflichttermin für alle, die Kunst nicht nur sehen, sondern verstehen wollen.
Wer Lust auf eine intellektuelle Abkühlung und visuelle Tiefe hat, sollte den Weg in die Hansastraße finden.
Wann: 4. April bis 29. April 2026
Wo: Hans A, Hansastraße 6-10, Dortmund
Öffnungszeiten:
Do/Fr: 17:00 – 20:00 Uhr
Sa: 11:00 – 14:00 Uhr
So: 11:00 – 15:00 Uhr
Ein Besuch ist wie ein tiefes Luftholen nach einem langen Tauchgang – erfrischend und klärend.