Xin Peng Wang hat die Gesamtleitung des Projektes.
Am 27.Mai 2014 um 19.30 Uhr sowie auch am 28. Mai 2914 um 11.00 Uhr steigt der „Phönix“ empor. Der Ort ist das Opernhaus Dortmund und beim „Phönix“ handelt es sich um ein KulturDialog-Projekts des Ballett Dortmund und der hiesigen Philharmoniker.
Unter der Gesamtleitung von Ballettdirektor Xin Peng Wang haben sich rund 200 Laien und Profis verschiedenen Alters und Hintergrund zusammengefunden, um mit einem Tanz-Chor-Musik-Projekt die verschiedenen Facetten der Zyklen, die unser Leben bestimmen, darzustellen.
Das Projekt besteht aus zwei ineinandergreifenden Teilen. Zum einen „Mittendrin“ und „Mass of the children“, das Werk des englischen Komponisten John Rutten. „Mittendrin“ wurde ja bereits im letzten Jahr erfolgreich aufgeführt und entsteht nun praktisch neu, wie „Phönix aus der Asche“, diesmal als vollgültige szenische Produktion.
Beide Teile werden von Schülerinnen und Schülern unterschiedlichster Schulformen aus Dortmund und dem Märkischen Kreis, der Kreiskantorei unter der Leitung von Wolfgang Meier-Barth, und dem Mittelstufenchor des Bert-Brecht-Gymnasiums Dortmund-Kirchlinde sowie Mitgliedern der Dortmunder Philharmoniker präsentiert.
Das Tanz-Chor-Musik-Projekt bezieht sich auf die „Mass of the Children“ von Rutter. In dessen Mittelpunkt steht der Ablauf eines Tages, wo mehrere Generationen im Tanz und Gesang zusammen finden.
Manuela Küttermann ( von der Ballettschule Küttermann) begleitete die von ihrer Herkunft zumeist benachteiligten Jugendlichen bei dem gemeinsamen Versuch, aus Alltagsgesten des täglichen Lebens ihre Bewegungen zu der (aktuell bearbeiteten) geistlichen Musik zu entwickeln und einen ganz persönlichen, eigenen Zugang zu finden. Ziel dieses neuen und weiterführenden Projektes ist, Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Schulformen und benachteiligten Wohngebieten zusammenzuführen, neue Erfahrungsmöglichkeiten über Bewegung , gemeinsames Singen und vor allem auch der Begegnung mit anderen Schülern, Zugleich ist es eine wunderbare Gelegenheit, dass verschiedene Generation an diesem Projekt gemeinsam arbeiten.
Diese unterschiedlichen Menschen und Gruppen müssen sich zusammenfinden und „zusammenraufen“, um einen zunächst nicht allgemeinverständlichen Bezug, nämlich den Text einer katholischen Messe, in einer aktuellen Bearbeitung-mittels der Musik und Bewegung zu interpretieren.
Wer „Phönix“ erleben will sollte sich beim Kartenkauf sputen. Die Aufführung am Dienstag, den 27. Mai 2014 ist schon fast ausverkauft.
Ist es Zufall, dass die Neuauflage des Balletts „Krieg und Frieden“ von Xin Peng Wang gerade zur 100-jährigen Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkrieges aufgeführt wird? Denn genauso wie in Tolstois Meisterwerk waren die Menschen 1914 zunächst euphorisch, bis sie dann die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfahren mussten. Auch bei den vier Protagonisten Natascha, Lisa, Andreji und Pierre wird der Krieg zum Entscheider über ihr weiteres Schicksal. Ars tremonia war bei der Premiere der Neufassung am 04. April im Opernhaus Dortmund dabei.
Mit Monica Fotescu-Uta als Natascha und Mark Radjapov als Andreji waren zwei Akteure dabei, die schon vor sechs Jahren mitgetanzt haben. Damals war das Handlungsballett „Krieg und Frieden“ etwas unerhört Neues auf der Dortmunder Ballettbühne und bedeutete gleichzeitig die Eigenständigkeit des Balletts als eigene Sparte.
Das Ballett beginnt mit einem Fest und endet mit einem Totentanz. Auch hier sind Parallelen zu 1914 und 1918 erkennbar. Das „Fin de siècle“ endete in Revolutionen und Chaos. Xin Peng Wang zeigt in seinen Choreografien sehr eindrucksvoll die Schrecken des Krieges und die Verzweiflung der zurückgebliebenen Frauen. Gleich zu Beginn des zweiten Teils tanzen Natascha und Lisa (Jelena-Ana Stupar) ein ergreifendes Duo. Beide Verlassene, dadurch sie sind sich doch sehr ähnlich. Das wird in der Choreographie deutlich. Unterstützt wird das Duo durch die Ergreifende Filmmusik zu „Odna“ (Allein) von Dimitri Schostakowitsch.
Drastisch erzählt Xin Peng Wang das Schicksal der Soldaten. Militärischer Zwang, Gewalt und am Ende die Schlacht und der Tod. Pierre (Alysson da Rocha Alves) überlebt zwar, aber mit Schäden an Körper und Seele.
Da Rocha Alves tanzt einen Pierre mit all seinen Facetten. Von Hurrapatriotismus bis zum verzweifelten Opfer der Kriegsmaschinerie. Mark Radjapov tanzt den zerrissenen Andreji, der zwischen zwei Frauen steht. Einerseits mit Lisa verheiratet, liebt er eigentlich Natascha. Hier nimmt ihm der Krieg die Entscheidung ab, er fällt.
Fotescu-Uta tanzte die erst unbeschwerte Natascha mit kecker Fröhlichkeit, doch wird sie schon bald den Ernst des Lebens kennenlernen. Ergreifend die Abschiedsszene, als sie zusammen mit Lisa (Stupar) Pierre und Andreji in eine ungewissen Zukunft verabschieden müssen.
Beim Bühnenbild waren das Auffälligste eine Vielzahl von Haken, an denen Körbe befestigt waren. So entstand ab und zu der Eindruck einer Waschkaue. Sehr effektvoll wurden sie beim erwähnten Duo der beiden Frauen eingesetzt. Zunächst schienen sie wie eine Art von Grenzziehung und Distanz, doch mit der Zeit verschwanden die Körbe und Natascha und Lisa tanzten gemeinsam.
Ein weiteres gelungenes Element bei der Aufführung war das Licht. Als das Corps de Ballett als Soldaten aufmarschiert, scheint es durch die Schattenwirkung, als ob hunderte weitere Menschen mitmarschieren.
Die Musik zum Ballett stammt von Dimitri Schostakowitsch. Dabei wurde darauf geachtet, nicht nur die populären Stücke des Komponisten zu nehmen wie beispielsweise die 7. Sinfonie, sondern auch eher unbekannte Werke wie die Filmmusik zu „Odna“. Die Dortmunder Philharmoniker unter Philipp Armbruster zeigten ebenso wie die Tänzer ein souveräne Leistung.
„Krieg und Frieden“ ist ein Handlungsballett mit starken Emotionen. Für alle Beteiligten gab es vom Publikum Standing Ovations zum Schluss.
Weitere Termine: 13.04.14, 19.04.14, 16.05.14, 28.05.14 und 19.06.14
Karten sind noch erhältlich unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27222.
Am 04. April 2014 hat die Neufassung des Balletts „Krieg und Frieden“ von Xin Peng Wang Premiere. Vor sechs Jahren wurde es zum ersten Mal aufgeführt und sorgte gleich für internationale Aufmerksamkeit. 2008 wurde das Ballett eine eigene Sparte und löste sich von der Oper. Mit dieser Produktion begann Xin Peng Wangs neuer und eigener Weg als Ballettdirektor.
Das Werk von Leo Tolstoi kann man getrost einen Klassiker nennen. Seine Kriegsberichterstattung auf rund 1.600 Seiten bahnte den Naturalismus in der russischen Literatur einen Weg. Doch wie kann man diesen Roman mit seinen unzähligen Haupt- und Nebenfiguren überhaupt umsetzen und dann noch als Tanz?
„Wir haben bei der Umsetzung auf die Polarisierung geachtet“, erklärte Chefdramaturg Christian Baier. Im Mittelpunkt stehen die vier Personen Natascha, Lisa, Andreij und Pierre. Der napoleonische Feldzug nach Russland 1812 hat eine entscheidende Rolle. „Der Krieg nimmt die Entscheidung ab, er stellt die Weichen“, so Baier und fragt: „Welche Atmosphäre muss herrschen, damit die Menschen den Krieg befürworten.“
Ähnlich war die Situation vor 100 Jahren. Die Menschen waren vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges begeistert. Männer haben sich freiwillig gemeldet, nicht nur aus Patriotismus, sondern auch „um etwas zu erleben“ oder heraus zu kommen aus dem täglichen Einerlei. Das Motto: Ich will ein Held sein, findet man auch bei Tolstoi.
Doch die Protagonisten von „Krieg und Frieden“ müssen auch mit den Folgen leben. Was macht der Krieg aus einem Menschen? „Hoffnung finden wir nur ins uns selber“, erklärte Baier. „Nur wer sein eigenes Gewaltpotential kennt, weiß, was Frieden ist.“
Die Musik stammt von Dimitri Schostakowitsch, ein Komponist, der hin- und hergerissen war, zwischen Staatskomponist und seinen eigenen, freieren Werken, die erst nach Stalins Tod aufgeführt werden konnten.
Es gab auch einige choreografische Änderungen wie Ballettmanager Tobias Ehinger erzählt. „In der Mitte des ersten Aktes geht es um Kriegstreiberei und Kriegsvorbereitung. War es vor sechs Jahren noch ein Solotänzer, sind es jetzt 40 Tänzer, um zu zeigen, wie die Kriegsbegeisterung wie ein Virus die Masse erfasst.“ Auch gibt es eine Abschiedsszene komplett ohne Musik. „Der Blickwinkel ändert sich beim Menschen. Das Überdenken ist ein sehr wichtiges Element“, so Ehinger.
Nach sechs Jahren hat sich auch einiges im Ballettensemble getan. Bei den Hauptfiguren waren Monica Fostecu-Uta (Natascha) und Mark Radjapov (Andreij) schon vor sechs Jahren dabei, neu sind Jelena-Ana Stupar (Lisa) und Alysson de Rocha Alves (Pierre).
Die Premiere der Neufasung ist am 04.04.14 um 19:30 Uhr, weitere Termine sind 13.04.14, 19.04.14, 16.05.14, 28.05.14 und 19.06.14
Karten sind noch erhältlich unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27222.
Die Uraufführung des neuen Balletts von Xin Peng Wang „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth am 22. Februar 2014 im Opernhaus präsentierte das Kleinbürgertum als handelnde Protagonisten. Xin Peng Wang und seine Mitstreiter zauberten herrliche Bilder aus Wien auf die Bühne. Ob der Tod nun ein Wiener ist? Keine Ahnung, aber er kann sehr gut tanzen.
Keine Könige und Kaiser, kein Drama an einem Fürstenhof und weltpolitische Entscheidungen werden auch nicht gefällt. Die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth stellt die kleinen Leute in den Mittelpunkt. Sie leben irgendwo in den Vorstädten und erleben dort ihre Komödien, Tragödien und Dramen, von denen in der Regel niemand sonst Notiz nimmt. Von Horváth schreibt sie aus seiner Wiener Sicht, doch die Geschichten können auch in der Dortmunder Nordstadt oder in Scharnhorst passieren und vermutlich tun sie es sogar jeden Tag.
Zur Geschichte: Es gibt in Wien eine Legende, dass die Toten, die auf der Erde noch eine Rechnung offen haben, einmal im Jahr die Chance bekommen, etwas zu verändern. An dieser Aufgabe versuchen sich Marianne, Oskar, Alfred und Valerie.
Marianne und der biedere Oskar sind verlobt. Marianne trifft aber den Hallodri Alfred, der mit Valerie zusammen ist. Anton verlässt Valerie um mit Marianne zu leben, die ein Kind von ihm bekommen hat. Es dauert nicht lange, dann hat Alfred Marianne und das Kind satt und er kehrt zu Valerie zurück. Marianne ist allein, arbeitet aus Verzweiflung in einem Nachtclub. Auch die Kirche, an die sie sich in ihrer Verzweiflung wendet, gewährt ihr keine Absolution. Als Oskar schließlich erfährt, dass das Kind, das Marianne in eine Pflegefamilie gegeben hat, tot ist, nimmt er sie wieder auf.
Xin Peng Wang hat dieser Geschichte noch zwei wichtige Personen hinzugefügt. Zum einen den „Tod“ als handelnde Figur, der wie ein Dirigent oder ein Marionettenspieler die Toten unter seiner Kontrolle hat und zum anderen „das kleine Mädchen“, die einzige lebende Figur, denn alle anderen sind ja tot. Ob sie nun den Geist oder die Seele des ursprünglich verstorbenen Mädchens verkörpert, die Hoffnung oder das Gewissen, bleibt dem Zuschauer überlassen.
Das Corps de Ballet spielt in dem Stück mehrere Rollen. Erst beim zweiten oder dritten Blick erkennt man, dass die Tänzer wie Totenköpfe geschminkt sind. Sie verkörpern einerseits die Natur wie beispielsweise die Wellen der Donau oder die Büsche im Wind, andererseits spielen sie auch das „Volk“. Besonders beeindruckend ist die Szene in der Wiener Vorstadt, als alle weiblichen Mitglieder des Ensembles mit Kinderwagen auf die Bühne kamen. Hier kommt mir das Zitat von Heinrich Böll in den Kopf, der über das ähnliche Milieu in Köln geschrieben hat:
Kommen wir zu den Solisten: „Der Tod ist pünktlich, er kommt weder zu spät noch zu früh“, sagte Dramaturg Christian Baier bei der Premierenfeier. Hinzu kommt, dass er bei den „Geschichten aus dem Wiener Wald“ noch eine majestätische Bühnenpräsenz und Sprungkraft hat. Das alles verlieh ihm Mark Radjapov, der schon in Fantasia als Dr. Zaponetti glänzte.
Die Primaballerina Monica Fostecu-Uta tanzte die Marianne. Dabei deckte sie das ganze Gefühlsspektrum, was diese junge Frau durchleben muss ab. Erst forsch , als sie sich von Oskar trennt und sich für Alfred entscheidet flatterhaft wie ein Schmetterling.Später zeigt uns Fotescu-Uta eine verletzte, hoffnungslose, immer verzweifelter werdende Marianne, die von allen verlassen scheint.
In dem Stück spielen die Männer eher eine Nebenrolle. Oscar (Howard Quintero Lopez) als verlassener Verlobter, der Marianne am Ende doch wieder zurück nimmt. Dimitry Semionov tanzt einen von sich überzeugten Alfred, der immer wieder Glück bei den Frauen hat und dem auch Valerie letztendlich nicht widerstehen kann.
Valerie (getanzt von Emilie Nguyen) hat einen äußert komischen Auftritt, als sie in einem Liegestuhl dösend, von lästigen Mücken und Fliegen gestört wird.
Das kleine Mädchen wird getanzt von Stephanine Ricciardi. Sie ist die einzige lebende Figur in diesem Stück. Ihre berührendste Szene hat sie zusammen mit ihrer Mutter Marianne, die sie aber nicht berühren darf, denn der Tod ist immer dazwischen und achtet darauf, dass diese Linie zwischen den lebenden und den Toten nicht überschritten wird.
Trotz dieses Dramas gibt es einige Stellen, die zum Schmunzeln sind wie die erwähnte Badeszene mit den Mücken. So setzt das Corps de Ballet die Klänge der „Trisch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauss das Tratschen herrlich tänzerisch um.
Ein großes Kompliment auch für wunderschönen Kostüme unter Leitung von Ute Werner, wie zum Beispieles die Badeanzüge im Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts oder die Mönchskutten in der Szene in der Kirche. Die Beleuchtung wurde von Stefan Schmidt sehr geschickt eingesetzt. Besonders beeindruckend war etwa der einsam in einem Lichtstrahl stehende Kinderwagen. Die Mutter Marianne will von der dunklen rechten Seite zu ihrem Kind, wird aber von Alfred zurückgehalten.
Die Bühne war sparsam, aber effektvoll. Neben typischen Wiener Bildern wie dem Prater, wurden die Handlungsorte rudimentär und skizzenhaft im Hintergrund gezeigt. Beeindruckend waren die Skelette, die schon ziemlich am Anfang von der Decke schwebten und Marianne zum Tanzen animierten.
Kommen wir zur Musik. Sie wird live gespielt von den Dortmunder Philharmonikern. Bei der Premiere war Motonori Kobayashi auf dem Dirigentenpult. Neben Johann Strauß, der mit seinen Walzern und Polkas einen wesentlichen Teil der Musik „beisteuerte“, erklangen noch Werke von Alban Berg. Berg steht zwar im Spannungsfeld zwischen Neuromantik und Atonalität, doch zusammen mit den Werken von Strauss verbanden sie sich zu einer Art Gesamtmusik. Neben den gefälligen Melodien, erklangen auch sperrige. Wie im wirklichen Leben.
So war es nicht verwunderlich, dass am Ende des Abends die Besucher stehend alle Beteiligten feierten. Dortmund erlebte wieder einen großen Ballettabend.
Weitere Termine: So, 09. März 2014, Sa, 15. März 2014, Fr, 21. März 2014, Mi, 26. März 2014, Sa, 29. März 2014, Mi, 16. April 2014, Sa, 26. April 2014, Sa, 03. Mai 2014, Fr, 09. Mai 2014, So, 25. Mai 2014, Sa, 31. Mai 2014 und Sa, 14. Juni 2014. Infos und Karten unter www.theaterdo.de
Der Kreislauf des Lebens
Am Samstag, den 22. Februar 2014 ist um 19:30 Uhr die Ballett-Uraufführung der „Geschichten aus dem Wiener Wald“ als eine Inszenierung von Ballettdirektor Xin Peng Wang. Die Aufführung basiert auf Motiven des gleichnamigen Volksstücks des Österreich-Ungarn Ödön von Horváth ( 1901 -1938).
Musikalisch begleitet wird der Abend von der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung des ersten Kapellmeisters Motonori Kobayashi. Im Mittelpunkt steht die Musik der Komponisten der „Zweiten Wiener Schule“ Johann Strauß (Sohn) und Alban Berg. Zu hören wird auch die Romanze op. 243, von Johann Strauß in deutscher Erstaufführung sein.
Dramaturg Christian Baier erklärte: „ Wir wollen die Geschichte einer Stadt erzählen und was deren Atmosphäre ausmacht. Die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ werden zum ersten mal „vertanzt“, oder besser gesagt, auf eine andere Ebene erhoben. Das was wirklich gesagt wird bei Horváth, steht zwischen den Zeilen – in der Stille zwischen den Worten. Daher eignet sich das Stück besonders für das Ballett.“
Als Regieanweisung für das Stück steht am Anfang „als verklänge irgendwo immer wieder ein Walzer“. Daher drängt sich diese Musik sofort auf. „Alban Berg zeigt das düstere, gruselige beziehungsweise „entrische“ Wien mit seiner dunklen Schattenseite“, so Baier. „Entrisch“ nennt man auch einige Außenbezirke Wiens.
Über seine Inszenierung verriet Xin Peng Wang: „ es werden die vier zentralen Hauptfiguren für das Ballett , Marianne, Valerie, Oskar und Alfred vorkommen. Es geht darum .Was ist Wien unter seiner Oberfläche? Wichtig sind die Menschen, die Gesellschaft. Ballett hat eine eigene Sprache, aber wichtig besonders ist hier die Musik.“
Ballettmanager Tobias Ehinger ergänzte: „Wichtig ist uns, die Doppeldeutigkeit von Leben und Tod oder etwa Liebe und Tod zu zeigen. Die Ballett-Kompanie entwickelt eine völlig neue Bewegungssprache zum Walzer, die den allgemeinen Erwartungen nicht entspricht. Als Kontrast wird zum Beispiel auch der Tod im Stück als humorvoll, als Dirigent der Gesellschaft dargestellt. Alle Charaktere sind eigentlich Tote. Das Kind als Hoffnungsträger ist das Einzige das lebt, im Gegensatz zum Volksstück von Horváth.“
„Die Geschichten aus dem Wiener Wald“ ist die Geschichte des Lebenskreislaufs von Kleinbürgern mit all seinen Facetten und könnte auch „Geschichten vom Borsigplatz“ heißen, so Ehinger weiter.
Zum Bühnenbild erläuterte Frank Fellmann: „ Die Dekoration steht eher im Hintergrund. Die Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie stellen mit ihren Bewegungen die Donau, den Wind in den Bäume oder die Gesellschaft dar. So entstehen assoziative Bilder im Kopf des Publikums.“
Neben der Premiere am 22. Februar gibt es weitere Termine: So, 09. März 2014, Sa, 15. März 2014, Fr, 21. März 2014, Mi, 26. März 2014, Sa, 29. März 2014, Mi, 16. April 2014, Sa, 26. April 2014, Sa, 03. Mai 2014, Fr, 09. Mai 2014, So, 25. Mai 2014, Sa, 31. Mai 2014 und Sa, 14. Juni 2014
Xin Peng Wang hat zur Vorweihnachtszeit sein Erfolgsballett „Fantasia“ leicht bearbeitet und wieder zur Aufführung gebracht. Das märchenhafte Spektakel zog erneut die großen und kleinen Besucher in ihren Bann. Ars tremonia sah sich die Vorstellung vom 15.12.2013 an.
Was hat sich geändert im Vergleich von vor zwei Jahren? Die Geschichte bliebt die gleiche, die Kitzelmänner haben wieder ihren Auftritt und der drei Meter große, beeindruckende Drache spuckt immer noch Feuer. Das Märchen, geschrieben von Christian Baier, dreht sich um die Geschichte zweier Kinder, die an den Rollstuhl gefesselt sind. Während Alicia gegen das Schicksal ankämpft und mit Hilfe der Fee der Zuversicht versucht, ihren Traum vom Tanzen zu realisieren, verwandelt sich Florian frustriert in ein Monster. Am Ende zeigt Alicia Florian, was alles mit der Macht des Traumes und Mut möglich ist.
Vor allem das Bühnenbild von Frank Fellmann mit dem bedrohlichen Märchenwald ist extrem gut gelungen. Hier begegnet Alicia fremden, merkwürdigen Wesen: Irrlichtern, den erwähnten Kitzelmännern und bedrohlichen Vogelwesen. Nur die Baumwesen fielen der Neufassung zum Opfer.
Ein weiteres Beispiel der Kunst von Fellmann: Als Alicia in die vermeintliche Tanzschule von Dr. Zaponetti kommt, verwandelt sich die Bühne in eine Art Frankensteins Labor. Tänzer werden in überdimensionalen Reagenzgläsern gefangengehalten, die von der Fee der Zuversicht befreit werden. Danach kommt es zum Höhepunkt von „Fantasia“: Der Kampf mit dem Drachen.
Die Musik von Modest Mussorgski passt ideal zum Stück, obwohl es aus verschiedenen Werken des russsichen Komponisten stammt. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Philipp Armbruster machen einen guten Job.
Fazit: Xin Peng Wang hat sein eigenes Werk noch einmal bearbeitet und etwas gestrafft, die Kernelemente aber behalten. Somit bleibt das Ballett-Märchen „Fantasia“ eine Empfehlung in der kalten und grauen Jahreszeit.
Die weiteren Termine:So, 22. Dezember 2013, Mi, 25. Dezember 2013, So, 29. Dezember 2013, Sa, 04. Januar 2014, Fr, 10. Januar 2014, Sa, 18. Januar 2014, Sa, 25. Januar 2014 und Fr, 07. Februar 2014.
Drei verschiedene Choreographien mit drei unterschiedlichen Tanzstilen zeigte das Ballett Dortmund bei der Premiere von „Drei Farben: Tanz“ am 09-November im Dortmunder Opernhaus. Die Choreographen Douglas Lee, William Forsythe und Alexander Ekman zeigten, wie verschieden heutiger Tanz sein kann und welche unterschiedlichen Stimmungen damit kreiert werden können. Quasi ein Triptychon des Tanzes.
Begonnen wurde der Abend mit der Uraufführung von „PianoPiece“ des Engländers Douglas Lee. Der Blick auf die Bühne bot ungewöhnliches: Vier Klaviere und sieben Tänzerinnen und Tänzer. In den acht Szenen wechseln die Stimmungen von dunkel und düster zu dynamisch und schwungvoll. Für die Musik von „PianoPiece“ benutzt Lee neben Franz Schubert vor allem zeitgenössische Klaviermusik niederländischer Komponisten. Neben der Musik spielt auch das Licht eine große Rolle. Die Tänzerinnen und Tänzer benutzten die Klaviere als Requisite, tanzten mal auf, mal neben den Instrumenten und verschwanden auch halb im Boden der Bühne. Beeindruckend war der Wechsel zwischen Bewegung und Stillstand. Waren eben noch fließende Bewegungen der Tänzer zu sehen, stoppen sie auf auf Kommando und blieben wie eine Statue stehen.
Nach einer kleinen Pause ging es mit „The Vertiginous Thrill of Exactitude“ (Schauder der Exaktheit) nach der Choreographie von William Forsythe weiter. Dem Publikum bot sich nun ein bunteres Bild. Die drei Tänzerinnen Monica Fotescu-Uta, Risa Tateishi, Sakura Sakamoto trugen in einem hellen Olivton gehaltenen Ballettkleider und Howard Quintero Lopez und Gal Mazor Mahzari standen ihnen in roter Bekleidung vor einem blauen Hintergrund zur Seite. Die Choreographie mit neoklassischen Elementen machte dem Titel „Schauder der Exaktheit“ aller Ehre. Nach Franz Schuberts neunter Sinfonie entfachten die Tänzer ein schwindelerregendes Feuerwerk für die Sinne. Dabei werden die Schranken des traditionellen klassischen Tanzes überschritten und altes Regelwerk mit neuen Bewegungsformen gespeist.
Dass hohe Tanzkunst durchaus mit Humor und Slapstick kombiniert werden kann, zeigte Alexander Ekmans Choreographie „Cacti“.Hier war fast das komplette Dortmunder Ballettensemble beteiligt. Zuerst hatte man das Gefühl, dass hier Michael Jacksons „Thriller“-Video als Ballett aufgeführt wurde. Die Tänzerinnen und Tänzer schienen aus den Gräbern eines imaginären Friedhofs zu kommen. Doch was am Anfang wie ein Grabplatte aussah, entpuppte sich als universale Requisite: Rechteckige schmale Kästen auf denen man tanzen oder hinter denen man sich verstecken konnte. Gegen Ende wurden sie sogar zu einer finalen Skulptur. Atemberaubend war, was Ekman von den Tänzern abverlangte. Der Höhepunkt des Stückes war das Duett von Risa Tateishi und Arsen Azatyan. Begleitet von „Spoken words“ vermischten sich Tanz und Text zu einer Einheit, sehr komisch interpretiert zum Vergnügen des Dortmunder Publikums.
Auch die Musik war ungewöhnlich, denn sie wurde teilweise live gespielt. Mit auf der Bühne standen Alexander Prushinsky (Violine), Frank Rudolph (Violine), Roman Nowicki (Viola) und Franziska Batzdorf (Cello). Zu Melodien von Beethoven, Schubert und Haydn gaben die Musiker den Takt an.
Dieser Abend zeigte nicht nur, welche Farben im Tanz möglich sind, sondern stellte auch die Fähigkeiten des Dortmunder Ballettensembles unter Beweis. Alle Beteiligten wurden zum Schluss mit Standing Ovation gefeiert. Ein Muss für Ballettfans und die, die es werden wollen. Noch zu erleben am 17. November 2013, 30. November 2013, 27. Dezember 2013, 31. Januar 2014, 06. Februar 2014 und 07. März 2014.
Mit der 18. Internationale Ballettgala am 5. und 6. Oktober 2013 im Opernhaus Dortmund wird traditionell die neue Ballett-Spielzeit eröffnet. Wieder dabei sind viele Gäste aus dem Ausland, darunter der Shootingstar der Tanzszene, der Kubaner Osiel Gounod. 17 unterschiedliche Stücke warten auf die Besucher.
„Die Gala ist international in der Tanzwelt bekannt, etabliert und beliebt. Neben dem Dortmunder Ballett sind in diesem Jahr das Boston Ballett, das National Ballet of Portugal, das National Ballet of China, das Bayerische Staatsballett München sowie erstmals auch The National Ballet of Cuba beteiligt“, verriet Ballettmanager Tobias Ehinger. Die Gala bietet den Zuschauern einen umfangreichen Überblick vom Klassischen, Neoklassischen bis hin zum Modernen Ballett.
Die Klammer der Ballettgala bilden Ausschnitte aus „Immortal beloved, in der Choreographie von Edward Liang und der Musik von Philip Glass aus der vergangenen Saison. Zu Beginn wird der 1. Satz getanzt, den Schlusspunkt bildet der 3. Satz.
Die Besucher können sich auch auf Uraufführungen freuen. Freunde des modernen Balletts können sich auf „Vent“ freuen, getanzt von Filipa de Castro und Calos Pinillos vom National Ballett of Portugal. „Vent“ ist eine Choreographie von Carlos Pinillos zur Musik von Mário Franco.
Eine weitere Uraufführung ist „Agony und Ecstasy“, Choreographie von Monica Fotescu.Uta, die auch mit Tanzpartner Mark Radjapov (Ballett Dortmund) auf der Bühne zu bewundern sein wird.
Musikalisch begleitet werden die beiden live am Klavier vom Komponisten Teo Milea.
Exotisch wird es bei „Changing faces“, Choreograph Fei Bo entführt uns zur Musik des Oscar-Presiträgers Tan Dun nach China. Getanzt wird es logischerweise von Xu Yan und Sun Ruichen vom National Ballet of China.
Liebhaber des klassischen Balletts kommen beispielsweise beim „Grand Pas de deux aus Dornröschen“ oder beim „Grand Pas de deux aus Le Corsaire“ auf ihre Kosten.
Aus terminlichen Gründen kann Alina Cojocaru vom Royal Ballet London nur am Sonntag, dem 06. Oktober 2013 tanzen. Für adäquaten Ersatz am Samstag ist aber gesorgt. Die Moderation übernimmt in bewährter Manier Kammersänger Hannes Brock.
Samstag, dem 05. Oktober startet die 18. Ballettgala um 19:30 Uhr, Sonntag, dem 06. Oktober
beginnt sie schon um 18 Uhr. Für beider Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Wer jetzt schon Lust auf Ballett bekommt, hier ein Tipp: Das „New Chamber Ballet“ aus New York ist auf Deutschlandtournee und tanzt am 29. September 2013 um 18 Uhr im Ballettzentrum Westfalenpark.
Karten und Infos unter www.theaterdo.de oder telefonisch 0231 5027222.