Eindringlicher Desert-Rock beim Klangvokal Musikfestival
Im Jahr 1975 zwang der Westsahara-Konflikt zehntausende Sahrauis zur Flucht. Diese Auseinandersetzung – ein Resultat der Dekolonisierung und der verweigerten Selbstbestimmung dieses Volkes – ist bis heute ungelöst. Die Westsahara gilt nach wie vor als Territorium ohne Selbstverwaltung.
Aziza Brahim (*1976 in Tindūf, Westalgerien) wuchs in einem der dortigen Flüchtlingslager auf. Früh wurde die Musik für sie zum entscheidenden Mittel, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten; durch die universelle Sprache des Gesangs schöpfte sie Kraft. Nach ihren Jugendjahren in Kuba zog sie im Jahr 2000 nach Spanien, von wo aus sie ihre internationale Karriere startete.
Gemeinsam mit ihren Musikerkollegen Ignasi Cussó (E-Gitarre), Guillem Aguilar (Bass) und Andreu Morena (Schlagzeug) trat sie am 13.03.2026 im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals im Dortmunder Reinoldihaus auf. Ihr besonderer „Desert-Rock“ verbindet Elemente aus Rock, Funk, Electro und Afro-Blues mit traditionellen saharauischen Klängen. Inhaltlich erzählen ihre Lieder von Heimat, Widerstand und Hoffnung. Dabei nutzt Brahim nicht nur ihre klare, ausdrucksstarke Stimme, sondern setzt auch die traditionelle Tablatrommel (ein Membranophon) als künstlerisches Ausdrucksmittel ein.

Live vermittelte das Ensemble ein Stück der Seele ihrer Heimat, kombiniert mit Jazz-Energie und mitreißenden Rhythmen – mal melancholisch, mal temperamentvoll und voller Zuversicht. Sowohl die Instrumentalisten als auch die Sängerin erhielten ausreichend Raum, ihr virtuoses Können zu entfalten. Ein gelungenes Beispiel für die völkerverbindende Kraft der Musik über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg.