Poetische Fotografien im Kunstraum

Vom 23. Februar bis
zum 12. April 2019 zeigt der Kunstraum in Langen August an der
Braunschweiger Straße Fotos von Guntram Walter und Rolf Dennemann
unter dem Titel „Laue Luft kommt blau geflossen“.

Der Titel der
Ausstellung stammt zwar aus einem Gedicht von Joseph von Eichendorff,
doch die Fotografien, die beinahe jede Nische des Kunstraums
ausfüllen, spiegeln die jüngeren Projekte von artscenico wider.
Seit 2010 begleitet der Fotograf Guntram Walter artscenico und hält
eindrucksvolle Impressionen der Inszenierungen fest. Dabei gehen die
ausgewählten Fotografien über reine Erinnerungen und Dokumentation
hinaus, daher sind sie auch nicht chronologisch aufgehängt. Für
etwa 75 Prozent der Bilder ist Walter verantwortlich, die anderen 25
Prozent stammen von Dennemann.

Guntram Walter begleitet die artscenico-Produktionen schon seit 2010.
Guntram Walter begleitet die artscenico-Produktionen schon seit 2010.

Wer die Produktion
von Rolf Dennemann, dem Kopf hinter artscenico verfolgt hat, wird
häufig ein Dé­jà-vu-Er­leb­nis bekommen. Dennemann und
Wagner haben sich bis auf eine Ausnahme auf „Outdoor-Produktionen“
konzentriert, daher sind beispielsweise Bilder aus Litauen, der
Nordstadt („Juckpulver und Hagebuttentee“) oder dem Hauptfriedhof
(„Rehe auf der Lichtung“) zu sehen. Eine Ausnahme ich ein Foto
aus der Inszenierung „50 Menschen“, die im Depot stattfand.

Die größte Schwierigkeit bestand sicherlich aus der Auswahl der etwa 5.000 bis 6.000 Fotos. „Das Problem war die Befangenheit vor dem eigenen Spiegel“, formulierte Dennemann das Dilemma. Fotos, die man vor Monaten noch toll fand, fielen plötzlich in der Gunst weit nach hinten. Doch ein Foto hat einen besonderen Platz. Es stammt aus der Produktion „Juckpulver und Hagebuttentee“ und die abgebildeten Personen schauen den eintretenden Besucher an.

Auch wenn es Bilder
sind, die Aktionen „draußen“ zeigen, für die Ausstellung wurde
ein intimer Raum gesucht, der nicht so flüchtig ist. Da bot sich der
Kunstraum idealerweise an. Möglicherweise wird die Ausstellung auch
nach Lissabon und/oder Kaunas wandern.

Passend zur
Ausstellung gibt es noch ein kleines Rahmenprogramm. So werden Rolf
Dennemann und Elisabeth Pleß eine kleine Lesung mit Musik unter dem
Titel „Laute und leise Laute mit Gesicht“ geben. Sie findet am
06. April 2019 um 20 Uhr im Kunstraum statt.

Öffnungszeiten
Kunstraum

Dienstag bis Freitag
15 bis 19 Uhr

www.langer-august.de




El ojo de Hamlet (Nirgendwo) – eindringliches Theater im Depot

Das Theater im Depot zeigte am Sonntag, den 25.11.2018 die zweite Premiere von Rolf Dennemanns artscenico zum Heimatbegriff, Heimatverlust sowie Flucht oder Verbannung unter dem Titel „El ojo de Hamlet – Nirgendwo“. Regisseurin des Stückes, Cynthia Scholz und der Schauspieler Chino Monagas als Auswanderer aus Venezuela, zeigten, was das bedeutet.

In ihrer Aufführung,zwischen analogem Schauspiel und moderner ironisch-deutlicher Videoprojektion, widmen sie sich teils in deutscher, teils in spanischer Sprache dem Thema Exil in Person des Prinzen Hamlet (Shakespeare) und in zusätzlicher Anlehnung an die „Hamletmaschine“ von Heiner Müller.

Hamlet steht sozusagen stellvertretend für alle Migranten und Flüchtlinge, die unter Schuldgefühlen gegenüber den in ihrer Heimat bleibenden Menschen, einen schwierigen Anpassungsprozess an eine fremde Kultur schaffen müssen. Ein schmerzvoller Prozess. Es bleibt die Hilflosigkeit, seine Wurzeln und Liebsten daheim verlassen zu haben. Die mussten bleiben und konnten nichts dagegen tun.

Symbolisch sitzt „Hamlet“ in einem selbst gebastelten Rollstuhl mit Holzlehne und Rollen von einem Einkaufswagen. In der Hand hält er eine Spieluhr, die eine träumerische Melodie spielt,

Schon zu Beginn fällt sinngemäß der enttäuschte Satz eines frustrierten Menschen: „Das Leben und die Geschichte folgen immer den gleichen Mechanismus. Alles wiederholt sich.“

In verschiedenen Episoden verdeutlichen die eindrucksvollen Videoprojektion die Problem der Migranten. Die analoge Welt verschmilzt mit der Projektion. Wenn etwa die Schauspielerin Cynthia Scholz als Ophelia verzweifelt in dem virtuellen Fluss scheinbar versinkt, oder als virtuelle Ophelia Hamlet Vorwürfe macht, sie verlassen und verraten zu haben.

Die Themen Heimat, Flucht und Zurücklassen wurden von Chino Monagas und Cynthia Scholz in Rahmen von Hamlet präsentiert. (Foto:   © Guntram Walter)
Die Themen Heimat, Flucht und Zurücklassen wurden von Chino Monagas und Cynthia Scholz in Rahmen von Hamlet präsentiert. (Foto: © Guntram Walter)

Der Übergang von der deutschen zur spanischen Sprache geht oft fließend und zeugt von der Zerrissenheit zwischen den Kulturen. Bilder und Gesten, sowie der Ausdruck der Sprache sorgten für Verständnis.

Gerade der deutliche Gegensatz von analoger, fast poetischer Welt und interessanter eindringlicher Bildsprache in Verbindung mit den starken Videoprojektionen machen den Reiz der Aufführung aus.

Die Verzweiflung der Zuflucht suchenden Menschen vor Verfolgung, Krieg und bitterer Armut oder anderen Bedrohungen, wird für das Publikum lebendig vor Augen geführt. Auch die Enttäuschung von den nicht eingehaltenen Versprechungen des „Sozialismus“, etwa in Venezuela, ist unüberhörbar.

Trotz eines gewissen Defätismus hören die Menschen nicht auf, wie im Stück gesagt wird, von einer „besseren Welt zu träumen.




Café International im Theater im Depot

Kennen Sie das Spiel„Café International“? Dort muss man Personen unterschiedlicher Nationalität und in ausgewogener Geschlechter-Verhältnis an einen Tisch setzen. Rolf Dennemann und artscenico haben mit „Zuflucht /Time Lines“ verschiedene Charaktere ins Café gesetzt, als etwas dramatisches passiert und die Zeit stehen bleibt. Ein Premierenbericht vom 24.11.18 aus dem Theater im Depot.

Das Thema lautet„Heimat“. Was erinnert die Darsteller auf der Bühne an ihre Heimat, aus der sie aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland gekommen sind. Ein Syrer, eine Griechin, eine Polin und zwei Menschen aus Venezuela. Was auffällt, ist schon eine gewisse Form von Dankbarkeit an Deutschland, dass das Land es ihnen ermöglicht hat, ihr künstlerisches Leben zu entwickeln.

 Ismael Monages und Anna Hauke im Gespräch. (Foto © Guntram Walter)
Ismael Monages und Anna Hauke im Gespräch. (Foto © Guntram Walter)

Der größte Teil des Stückes bestand aus der Vorstellung der Darsteller inklusive Kindheitsfotos. Es war sehr spannend zu erfahren, wie die Kindheit der Protagonisten verlief und auch die Fotos brachten Einblicke in das Leben als Kind in Venezuela oder Griechenland.

Was auffallend ist: Es geht sehr viel um Gerüche, Gerüche aus der Kindheit. Wie roch das Meer, die ersten Süßigkeiten. Vor allem das Wasser hat es den meisten angetan, bis auf Rezan Kanat, der die Wüste liebt.

Mit dabei waren Ismael Monagas (Venezuela), Cynthia Scholz (Venezuela), Anna Hauke (Polen), Rezan Kanat (Syrien) und Photini Meletiadis (Griechenland).




Zwei Theaterpremieren zu Heimat und Heimatverlust im Depot

Gleich an zwei Abenden, den 24. und 25. November 2018, kann das Publikum die Premieren der beiden neuen Produktionen von Rolf Dennemanns artscenico erleben. Diese setzen sich mit einem aktuellen und komplexen Themenbereich wie Heimat und Heimatverlust auseinander. AmSamstag steht um 20:00 Uhr „Zuflucht/ Time Lines“, am Sonntag um18:00 Uhr „El ojo de Hamlet – Nirgendwo“ auf dem Programm. Es werden, so Dennemann, keine Stücke im herkömmlichen Sinn sein, sondern eher Abende zum Kennenlernen.

Fangen wir mit dem Samstag, den 24.11.208 an: Zuflucht

Fünf Protagonisten aus vier verschiedenen Ländern, teils Flüchtlinge, teils Auswanderer, bringen ihre eigene und sehr individuelle„Lebensbestandteile“ in die Aufführung ein. Die Ausgangssituation beginnt in einem Café,wo sich die fünf Personen mehr oder weniger zufällig befinden. Sie sind auf Reisen, sind verabredet oder lesen. Man hört Schüsse, Glas zerbricht… Licht an. Die Zeit wird angehalten und die Protagonisten erzählen.

Dabei sind: Theaterpädagogin Anna Hauke (Polen), Tänzerin Photini Meletiadis (Griechenland), der anerkannte syrische Flüchtling Rezan Kanat (Schauspieler) sowie die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas (Venezuela).

Die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas vom El Bigote de Dali Teatro unterstützen artscenico bei den beiden Projekten.
Die Schauspieler und Regisseure Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas vom El Bigote de Dali Teatro unterstützen artscenico bei den beiden Projekten.

Mit einem sehr individuellem Zugang und verschiedenen Betrachtungen über die Bedeutung und Rolle von Heimat, wird das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven behandelt. Begleitet wird die Bühnenpräsentation nicht nur mit atmosphärischer Musik, sondern auch durch durch Aussagen von„Facebook-Freunden“, die sich im Netz eine Art weitere Heimat geschaffen haben. Es wird auch eine kleine kulinarische Überraschung geboten.

Die zweite Premiere„El ojo de Hamlet -Nirgendwo“ (Autor Jorge Cogollo) am Sonntag, den 25.11.2018 ist eine Koproduktion von artscenico und El Bigote de Dali Teatro entstanden. Es wurde erstmals vor einem kleinen Publikum in einem Kellerraum inszeniert., wie die beiden Schauspieler Cynthia Scholz und Ismael „Chino“ Monagas beim Pressegespräch erklärten.

Grundlage bildet sowohl Shakespeares „Hamlet“ wie auch die „Hamletmaschine“ von dem deutschen Dramatiker Heiner Müller. Im Fokus steht Hamlet in seiner Exil-Situation. Wie verändert sich ein Mann in der Verbannung durch seinen Vater, einem mörderischen, brutalen und ineffizientem König? Eine Herausforderung für das Publikum und die Schauspieler. Der Text wird in einer bewussten Mischung von deutsch und spanisch vorgetragen. Das gibt ein kleines Gefühl dafür, wie schwierig die Verständigung in einer „fremden Sprache“ zunächst ist. Aber keine Angst: Körpersprache und eine Videoinstallation sorgen für ein besseres Verständnis und fügen sich zu einem Muster zusammen. Es soll jedoch auch gezeigt werden, wie die Menschen hier von Auswanderern leben und auch profitieren.

Infos und Tickets:E-Mail: info@theaterimdepot.de und 0231/ 982 2338.

Weitere Aufführungen sind für den März 2019 geplant.




Was macht das Internet mit Menschen?

Mit dem Stück
„Stille in feindseligen Intervallen“ analysiert die
Theaterkollektiv „artscenico“ die Welt des Internets.
Vereinsamung, Fake News, Verschwörungstheorien, Aggressivität sind
die Folgen und das Volk ist mittendrin. Mastermind Rolf Dennemann
präsentierte mit drei Schauspielern ein sehr poetisches Stück. Ein
Premierenbericht vom 28.09.18 im Theater im Depot.

Das Volk ist nackt.
Mit nackten Oberkörper und Krone auf dem Kopf spielt Jürgen Dilling
das „Volk“ als Reminiszenz zu des „Kaisers neue Kleider“. Das
Internet als Symbol für die neuen Kleider? Statt Demokratie,
Mitbestimmung oder Wissen, scheint das Internet Fake News und
Verschwörungstheorien zu produzieren. Wer am lautesten schreit,
scheint recht zu haben.

Sehr poetisch begann
der erste Teil des Stückes. Hier wurden Menschen porträtiert, die
vereinsamt sind, die nichts anderes haben als das Internet. Was macht
das mit den Menschen? Wer einfache Antworten erwartet, wird sicher
enttäuscht sein. Selber Denken und Reflektieren ist angesagt, auch
wenn manche Szenen einen humorvollen Charakter haben.

Die Bühne ist wie
fast immer bei artscenico-Programmen reduziert. Zwei
„Erinnerungshaufen“ liegen herum, es gibt Stühle und andere
Sitzgelegenheiten. Aus den Erinnerungshaufen nehmen sich Elisabeth
Pleß und Matthias Hecht verschiedene Kleidungstücke und tauchen
damit in die verschiedenen Personen ein. Rolf Dennemann gibt per
Einspieler kurze und präzise Regieanweisungen. Die Musik stammt aus
der klassischen und elektronischen Bereich.

Katzencontent geht im Internet immer. Szene aus "Stille in feinseligen Intervallen" von artscenico. Zu sehen sind Elisabeth Pleß und Matthias Hecht. (Foto: © Guntram Walter)
Katzencontent geht im Internet immer. Szene aus „Stille in feinseligen Intervallen“ von artscenico. Zu sehen sind Elisabeth Pleß und Matthias Hecht. (Foto: © Guntram Walter)

„Stille in
feindseligen Intervallen“ ist – wie erwähnt – kein Stück
darüber, wie man Fake News erkennt und auch Trump wurde nicht
erwähnt. Dennoch zeigt es deutlich, wie sehr das Internet unser
Zusammenleben beeinflusst. Aggressivität, Wahnsinn, Vereinzelung und
Verschwörungstheorien, die wie Pilze aus dem Boden wuchern,
vergiften langsam aber sich unser Zusammenleben.

Wer „Stille in
feindseligen Intervallen“ erleben möchte, hat 20. Oktober um 20
Uhr im Theater im Depot die Gelegenheit dazu.




Artscenico: Stationen-Performance auf dem Hauptfriedhof

Rolf Dennemann und artscenico performing arts stehen für zumeist skurrile und humorvoll-ironische Performances vor allem in der Nordstadt Dortmunds, gerne mal in einem Hinterhof oder auf der Bühne des Theaters im Depot.

Nun hat sich artcsenico in Kooperation mit dem Theater im Depot und und der Friedhofsverwaltung des Hauptfriedhofs Dortmund unter dem Titel „Rehe auf der Lichtung“ ein neues Projekt im Rahmen des von ibk-kubia (Remscheid) entwickelten Projekt „Kultur und Alter“ realisiert.

Es ist eine ironische Betrachtung des Altseins im Jahr 2018 als Stationen-Performance und findet am 07.07.208 um 18:00 Uhr und am Sonntag, den 08.07.2018 um 08.00 Uhr morgens und um 15:00 Uhr am Nachmittag statt. Treffpunkt ist jeweils der Platz vor der Trauerhalle am Gottesacker 25.

Auch Elisabeth Pleß ist bei der Produktion von Rehe auf der Lichtung wieder mit von der Partie.
Auch Elisabeth Pleß ist bei der Produktion von Rehe auf der Lichtung wieder mit von der Partie.

Wie immer gerne bei Dennemanns Projekten werden neben professionellen Schauspielern wie etwa Elisabeth Pleß, Thomas Kemper oder Matthias Hecht auch Laien als „Experten des Lebens“ mit eingebunden. Es machen fünfzehn Laien im Alter ab 55 Jahren, darunter sieben Männer, bei dieser interessanten Performance mit.

Die Örtlichkeit des Hauptfriedhof-Geländes wurde als wunderschöner Landschaftspark ausgesucht. Es geht hier nicht um das Thema Tod.

In kleinen Gruppen (maximal 20 Personen) findet ein Spaziergang unter Leitung von „Guides“ (Ornithologen) zu „Beratungsstationen“ geführt, wo sie kompetente „Tipps“ zu den Themen Ornithologie (ältere Menschen sind ja oft für die Natur empfänglich), dem „Einsitzen“ (wie komme ich mit welchen Straftaten für eine gewisse Zeit ins Gefängnis, um so noch relativ fit dem drohenden Altersheim eventuell zu entgehen), das Leben als Sonderling und dem Heiratsschwindel im Wandel der Zeit.

Los geht es nach dem Treffen neben der Trauerhalle mit einem „Denken unterm Baum“. Dieser steht neben der Halle. Sarah Mehlfeld (Senioren-Theaterprojekt Essen) leitet den „Workshop“.

Dann geht es in einzelnen Gruppen mit den Guides zu den einzelnen Stationen des Parcours. Wie Rehe auf einer Lichtung sieht man dann ältere Menschen. Sie führen Rituale durch oder ein Tänzchen, sind in Kommunikation mit der Natur. Es werden Bilder von Endlichkeit und Unendlichkeit kreiert, die den mit wandernden Zuschauern das Altsein mal humorvoll, mal sarkastisch-krass vor Augen führen.

Der Laufweg dauert insgesamt 45 Minuten. Dazwischen gibt es beiden Beratungsstellen immer eine Pause von ungefähr 15 Minuten. Die Performance dauert alles in allem 120 Minuten.

Am Ende erwartet auf das Publikum eine Erfrischung.

Dennemanns „artscenico“ möchte unterhalten und im besten Fall auch zum Nachdenken und zu einer anderen Sichtweise auf das Alter anregen.

Die Atmosphäre wird zu den verschiedenen Zeiten der Termine für die Stationen-performance natürlich eine unterschiedliche und ganz besondere sein.

Eintritt: 15,00/ermäßigt 8,00 €

Vorbestellung unter:

orga@artscenico.de und Tel.: 0176-63826162 oder 0231-8634113

Kartenreservierungen (AB) 0231-982 2336

E-Mail: info@theaterimdepot.de




Juckpulver und Hagebuttentee im Hinterhof

„Prequels“ sind ja in. Damit bezeichnet man die „Vorgeschichte“ einer Erzählung oder eines Films. Beispielsweise ist der erste Teil der „Star Wars“-Saga 1999 erschienen, während der erste „Star Wars“-Film 1977 erschien. Es war allerdings die vierte Episode.

Im vergangenen Jahr brachte Rolf Dennemann und Artscenico das Stück „Im Tal der fliegenden Messer (Tohuwabohu)“ in den Hinterhof der Missundestraße 10. jetzt kommt mit „Juckpulver und Hagebuttentee“ die Vorgeschichte. Premiere ist am 05. Mai 2018.

Das Experiment mit dem Theater im Hinterhof war ein großer Erfolg 2017. Alle Aufführungen waren ausverkauft und das Publikum verlangte nach einer Fortsetzung. Auch die Hausverwaltung war positiv gestimmt, so dass einer Neuauflage nichts mehr im Wege stand. Doch statt einer Fortsetzung überlegte sich Dennemann etwas anderes. Er schrieb darüber, wie es zu der Show „Tohuwabohu“ kam.

Emmi (Elisabeth Pleß) auf dem weg nach oben. Probenfoto von "Juckpulver und Hagebuttentee".
Emmi (Elisabeth Pleß) auf dem weg nach oben. Probenfoto von „Juckpulver und Hagebuttentee“.

Und wie kam es dazu? Ein junger Mann (Linus Ebner), in der Nordstadt groß geworden, kommt nach dem Studium des „Manager of Communication“ zurück in seine alte Heimat. Mit seinen Flausen im Kopf will er was auf die Beine stellen und sucht nach Talenten in der Nordstadt, um eine Show – eben „Tohuwabohu“ auf die Beine zu stellen.

Bei „Juckpulver und Hagebuttentee“ spielen die gleichen Akteure mit wie in der letztjährigen Produktion. Elisabeth Pleß spielt „Emmi“, eine leicht missmutige Nachbarin, die bei sich zu Hase „Juckpulver“ und „Hagebutten“ anbaut und nicht gestört werden möchte.

Dazu kommen die bekannten Walla (Thomas Kemper) und Kalla (Mathias Hecht), die aber noch nicht die „Ommas“ sind. Ansonsten existiert immer noch ein Mix zwischen Profis und Laienschauspielern.

Für die musikalischen Arrangements ist der Cellist Daniel Brandl zuständig, der manchen vielleicht durch die Reihe „Mundorgelprojekt“ von Tommy Finke im Institut des Schauspielhauses bekannt ist.

Die Bühne ist die gleiche wie im vergangenen Jahr: Der Hinterhof der Missundestraße 8 bis 12. Im Hinterhof steht momentan ein Kran, weil die Häuser renoviert werden. Dennemann und sein Team bekamen die Erlaubnis, den Kran zu Aufführungszwecken zu benutzen.

Termine: Neben der Premiere am 05. Mai 2018 finden noch weitere Aufführungen am 06. Mai sowie vom 11. bis zum 13. Mai 2018 statt, jeweils um 19:30 Uhr. Am 18. und 19. Mai 2018 gibt es eine Wiederaufnahme von „Tohuwabohu“, ebenfalls um 19:30 Uhr.

Die Eintrittspreise betragen 12 € / bzw. 7 € ermäßigt. Karten gibt es unter orga@artscenico.de oder unter der Telefonnummer 0176 63826162 oder 0231 8634113. Auch im Quartiersmanagement Nordstadt (Mallinckrodtstraße 56) sind Karten erhältlich.




Assoziative Theater-Performance zur „dunklen Seite“

[fruitful_alert type=“alert-success“]Um die dunklen Seite des Menschen dreht sich das Stück „Böse“. (Foto: © Guntram Walter)[/fruitful_alert]

Rolf Dennemanns „artsenico“ konfrontiert uns mit seiner neuesten Kreation „Böse – Dark Side“ humorvoll-ironisch, aber gleichzeitig sensibel assoziativ mit der „dunklen Seite“ in uns. „Böse“ ist nach „Missing Links“ und „Die Messe“ Teil III einer Trilogie um Seelentiefe. Am 02. September 2017 hatte diese besondere Tanz-Theater-Performance Premiere im Theater im Depot. Ars tremonia war bei der zweiten Vorstellung am 03.09.2017 anwesend.

Seine Wirkung entfaltet dieses „Physical Theatre“ durch das wunderbare miteinander und zusammenwirken von Tanz (Paul Hess) , Performance (Elisabeth Pleß, Linus Ebner), den Einsatz von eindrucksvollen Gesichtsmasken und Puppen sowie effektvollem Licht und Geräuscheinsatz mit passendem Musik-Hintergrund. So werden atmosphärisch in die Tiefe gehende Stimmungen erzeugt

Zu Beginn wird das Publikum von einem schwungvoll-optimistischen tanzenden in weiß gekleideten Paul Hess empfangen. Die ebenfalls in weiß gekleideten Elisabeth Pleß und Linus Ebner verbreiten strahlend gut Stimmung. Sie vermitteln all die vielen Dinge, die im Leben „schön sind“. Dabei beziehen sie das Publikum offensiv mit ein. So wird zum Beispiel die Blume auf der Jacke einer Zuschauerin als schön erkannt.

Dann geht auf die zum Leben gehörende „dunkle Seite“ in uns, die genauso dazu gehört.

Böse Gedanken“, Wünsche, oft religiös verstärkte Schuldgefühle werden assoziativ und verfremdet und mit Hilfe von Masken oder Puppen und mit einem „Augenzwinkern“ vermittelt. So spielt Elisabeth Pleß in roten Pumps und die „dominante Frau“, die den „unterwürfigen“ Linus Ebner Befehle erteilt. Bewusst benutzen sie dabei eine Art Kunstsprache, bei der das Publikum nur einzelne (wichtige) Worte versteht. Das „Böse“ wird in einer verfremdeten, teils grotesk-komisch auf die Bühne gebracht.

Dabei wird politische Korrektheit und Humorlosigkeit genauso eine Todsünde wie etwa die aus der Bibel bekannten wie Völlerei oder Habgier gesehen.

Ein gleichsam unterhaltender wie nachwirkender Theaterabend mit wunderbaren Künstlern.

Gelegenheit, sich „Böse“ anzusehen besteht noch am Freitag, den 08. und Samstag, den 09. September 2017 um 20:00 – RÜ Bühne Essen und am Freitag, den 15. Und Samstag den 16. September – Rottstrasse 5 Theater! Bochum.




Die dunkle Seite des Menschen

[fruitful_alert type=“alert-success“]Um die dunklen Seite des Menschen dreht sich das Stück „Böse“. (Foto: © Guntram Walter)[/fruitful_alert]

Nach „Missing Links“ und „Die Messe“ beschäftigt sich Teil III der Trilogie um Seelentiefe „Böse“ (Dark Side) von Regisseur, Schauspieler und Autor Rolf Dennemann mit der oft verborgenen dunklen Seite des Menschen. Am Samstag, den 02.09.2017 hat diese neue Kreation um 20:00 Uhr Premiere im Theater im Depot.

Sie ist wieder skurril, überraschend aber auch durchaus humorvoll komisch konzipiert worden.

Es gibt kein Leben ohne das ‚Böse‘“, so Dennemann.

Die Prämisse „das Leben ist schön“ steht am Anfang des Abends. Von dieser aus wird von den drei Darstellern mit mit einem „Augenzwinkern“ auf das „Böse“, Schuldgefühle und die dunkle Seite in uns sowie der Gesellschaft gesehen.

Elisabeth Pleß (Performance), Paul Hess (Tanz) sind den Besuchern der ersten beiden Teile ja schon in guter Erinnerung . Dieses Mal ist der Schauspieler Linus Ebner (Performance ) als Dritter mit von der Partie.

Um die persönliche Distanz wahren zu können, werden bei der 75-minütigen Performance von den Beteiligten verschiedenen Masken benutzt. Licht, Performance, Tanz und die Musik spielen eine gleichberechtigte Rolle, erklärte Dennemann. Das Wichtige ist dabei das wechselseitige Zusammenwirken aller Elemente. Es werden Bilder geschaffen. Diese sind ebenso deutlich wie subtil assoziativ angelegt. Es geht darum, was hinter dem Offensichtlichen verborgen ist.

Die musikalische Begleitung reicht von klassischer Musik bis hin zu elektronischer Hintergrundmusik.

Wie schon bei den beiden ersten Teilen der Trilogie werden auch bei „Böse“ wieder bewusst Grenzen ausgelotet. Mit einer langen Wortreihen-Kastagnette soll das Konzentrationsvermögen der Zuhörer auf die Probe gestellt werden.

Die Premiere im Depot ist am 02.09.2017 um 20:00 Uhr. Die zweite Vorstellung folgt am Sonntag, den 03.09.2017 um 18:00 Uhr.




Das Leben findet im Hinterhof statt

[fruitful_alert type=“alert-success“]Gruppenbild der Laiendarsteller mit Gartenzwerg.[/fruitful_alert]

Die Nordstadt hat eine Vielzahl von interessanten Hinterhöfen mit alten Gebäuden, die seit Jahrzehnten darauf warten, wach geküsst zu werden. Für Rolf Dennemann, dem Kopf von artscenico, sind Hinterhöfe auch ein Ort der Kommunikation. In seinem Stück „Tal der fliegenden Messer (Tohuwabohu)“ präsentiert er mit Laien und Profi-Schauspielern im Hinterhof an der Missundestraße 10 das raue Leben. Ars tremonia war bei der Premiere am 06. Mai dabei.

Skurrile Typen gibt es in dem Stück genug und dennoch scheinen sie auf dem realen Leben der Nordstadt herausgegriffen zu sein. Die Oma, die Mitarbeiterin vom Pflegedienst, die Nachbarn, die neu Hinzugezogenen oder die Schnorrerin. Bei der hat die Inflation gnadenlos zugeschlagen, denn mit Kleingeld gibt sie nicht nicht zufrieden, ein Zehner sollte es schon sein.

Nicht nur die Typen sind skurril, auch die Geschichte, die uns Dennemann präsentiert, ist ein wenig „strange“. Kalla und Walla haben der Rentenkasse den Tod ihrer Mutter verheimlicht und kassieren ihre Rente. Natürlich wissen die Nachbarn Bescheid und verlangen Schweigegeld. Nachdem das zu viel wird, versucht sich Walla als erfolgloser Heiratsschwindler.

Daneben geht das Leben im Hinterhof seinen Gang, kleine Gärten werden gepflegt, der Grill wird an geschmissen und ein spanisches Paar hat es sich als Obdachlose auf einem Sofa bequem gemacht.

Das Stück lebt hauptsächlich von seiner sehr ungewohnten Freiluftatmosphäre. Das Setting in einem Hinterhof war zunächst ungewöhnlich, doch man gewöhnte sich daran. Auch dass Nachbarn ab und zu aus dem Fenster schauten, um zu erfahren, was los ist oder eine Katze sich vom Dach das Stück näher ansah.

Der zweite Teil spielte im hinteren Bereich des Hinterhofes, wo mehrere schöne alte Garagen auf den Besuch der Zuschauer warteten. Die Zeit wurde unterdessen genutzt, um vorne alles für die Gartenparty vorzubereiten, womit das Stück auch beendet wurde.

Das Stück ist ideal für alle diejenigen, die das Nordstadtflair lieben und gerne neue Orte entdecken. Dazu zeigt Dennemann ein Kaleidoskop an Nordstadt-Typen und Nordstadt-Leben, das sich deutlich vom Leben in einer Reihenhaus-Siedlung am Stadtrand unterscheidet. Hinzu kommt auch die gelungene Melange von Laien und Profis zu einem einheitlichen Stück.

Mit dabei sind unter anderem: Matthias Hecht, Thomas Kemper, Elisabeth Pleß, Linus Ebner, Denise Rech, Rezan Kanat, Anna Hauke und Jürgen Dilling, Cynthia Teresa Scholz-Tovar, Ismael José Monagas Caraballo, Baran Drbas, Heike Hundeiker, Uwe Lagoda, Taher Güliesstan, Gerlinde Albers, Hans Eckert, Werner Rosenberg.

Musiker gab es natürlich auch. Gregor Hengesbach und Volker Wendland spielten Gitarre.

Weitere Aufführungen gibt es am 13. und 14. Mai 2017 – jeweils ab 19.30 Uhr. Infos und Karten unter orga@artscenico.de. Eintritt 12,00/ermäßigt 7,00€