Kopfkino im Konzerthaus: Das 2. Philharmonische Konzert der Dortmunder Philharmoniker 

Die bildgewaltige und assoziative Kraft der Musik stand im Zentrum des 2. Philharmonischen Konzerts am 20. Oktober 2026 im Dortmunder Konzerthaus. Auf dem Programm standen drei Werke, die auf den ersten Blick grundverschieden wirken, formal jedoch durch eine gemeinsame Struktur verbunden sind: Drei Komponisten, drei dreisätzige Großwerke – und jedes für sich ein Katalysator für ein ganz individuelles Kopfkino im Saal. Unter der präzisen und feinsinnigen Leitung des deutsch-italienischen Dirigenten Nicolò Foron brachten die Dortmunder Philharmoniker diesen Spannungsbogen packend zum Klingen. 



Den Auftakt bildete die Rhapsodie „Taras Bulba“ von Leoš Janáček (1854–1928), inspiriert von Nikolai Gogols Erzählung um den legendären Kosakenführer. Mit visionärer Wucht und scharfen dynamischen Kontrasten entfalteten Orchester und Dirigent einen dichten Strom aus Farben, folkloristischen Anklängen und dramatischer Zuspitzung. 

Alexander Proshinsky. Foto: (c) Sophia Hegewald
Alexander Proshinsky. Foto: (c) Sophia Hegewald

Zu einem pianistisch wie geigerisch atemberaubenden Höhepunkt geriet im Anschluss Sergej Prokofjews Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 19. Alexander Prushinskiy, Erster Konzertmeister der Philharmoniker, übernahm den virtuosen Solopart mit spürbarem Herzblut und souveräner Brillanz. Aus der träumerisch versponnenen Kantilene des Kopfsatzes heraus entwickelte er ein faszinierendes Spiel der Gegenpole: vom schneidenden, fast mechanisch tickenden Scherzo bis hin zur poetischen Leichtigkeit des Finales, in dem lyrische Verklärung und tänzerischer Drive organisch ineinanderfließen. Ein Auftritt wie auf den Leib geschneidert. 

Den Abschluss markierten die „Sinfonischen Tänze“ op. 45 von Sergej Rachmaninow (1873–1943) – sein sinfonischer Schwanengesang aus dem US-Exil des Jahres 1940. Deutlich spürbar war die rhythmische Vitalität bei gleichzeitiger Nähe zur dunklen Tonsprache seiner 3. Sinfonie. Nach einem melancholisch-gespenstischen Walzer im Mittelsatz gipfelte das Werk in jenem existentiellen Kampf, den Rachmaninow in düsterer Kriegszeit komponierte: Das unausweichliche Dies-irae-Motiv traf auf das hymnische Alleluja des Schlusssatzes – ein triumphaler, erschütternder Sieg des Lichts über die Finsternis. 

Großer, langanhaltender Beifall für einen dramaturgisch dichten und musikalisch bezwingenden Konzertabend.