Im Dreivierteltakt ins neue Jahr

Standen beim Neujahrskonzert 2013 noch der nahe Abschied von Jac van Steen und Spanien im Mittelpunkt, wählte der neue Generalmusikdirektor Gabriel Feltz und die Dortmunder Philharmoniker Wien mit Walzern oder Polkas von Johann Strauß Jr., sowie die Operetten von Franz Lehár für 2014 als thematischen Hintergrund aus. Die festliche, in dunkelrot gehaltene Dekoration aus der Operettengala konnte in der Dortmunder Oper gleich wieder Verwendung finden.

 

Der Abend begann mit der Ouvertüre zur Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai (1810 -1849). Nicolai war der „Urvater“ des sinfonischen Orchesters, wie Feltz dem Publikum erklärte.

Die Sopranistin Mirella Hagen glänzte mit ihrer klaren Stimme bei der Arie der Adele „Mein Herr Marquis“aus „Die Fledermaus“ von Johann Strauß Jr. Danach zeigten die Dortmunder Philharmoniker, das Märsche Lebensfreude vermitteln können. „Das hat schon fast etwas anti-militaristisches, bemerkte Feltz.

Es folgte die temperamentvolle und spritzige Pizzicato-Polka op. 335 von Strauß Jr.. Bei dem folgenden „Kaiserwalzer“ und dem Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Strauß Jr. machten der GMD und die die Philharmoniker die Faszination der Walzer und ihre verschiedenen Facetten deutlich. Mal schwungvoll spritzig, mal wienerisch melancholisch.

Julia Amos, die bald in der Operette „Der Graf von Luxemburg“ von Franz Lehár zu hören und bewundern sein wird, brachte gefühlvoll die Arie der Giuditta „Meine Lippen sie küssen so heiß“ aus Lehárs Operette „Giuditta“ auf die Bühne.

Danach folgte die rasante „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Strauß Jr.. Ein musikalischer Glanzpunkt war sicherlich auch die von dem badischen Tenor Daniel Ohlmann gesungene Arie des Prinzen Sou-Chong „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem „Land des Lächelns“ von Franz Lehár.

Diese Arie wird vor allem mit dem legendären Richard Tauber in Verbindung gebracht, Da liegt die Messlatte schon hoch. Ohlmann stellte sich dieser Herausforderung.

 

Die Dortmunder Philharmoniker konnten ihr Können mit einigen Soloeinsätzen einzelner Instrumente beim „Perpetuum Mobile op. 257“ von Strauß Jr. Beweisen. Dass Gabriel Feltz nicht nur ein temperamentvoller Dirigent ist, sondern auch über eine gehörige Menge Humor verfügt, bewies er zum Ende dieser Nummer. Um das Ende herbeizuführen, versuchte er es zunächst mit Bestechung, dann sogar mit dem drohenden Einsatz einer Pistole. Selbst ein Zuschauer, der von Feltz den Dirigentenstab bekam, konnte die Musiker nicht zum Aufhören bewegen. Erst als Opernintendant Jens-Daniel Herzog sowie die Solisten auf die Bühne kamen und allen Besuchern ein „Frohes Neues Jahr“ wünschte, war die schnelle Polka beendet. Zum Schluss wurde zur Freude des Publikums der selten gespielte Strauß-Walzer „Rosen aus dem Süden“ op. 399 gespielt. Als krönende Zugabe gab es noch den „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauß (Vater).

Ein gelungenes Neujahrskonzert und schwungvoller Beginn für ein hoffentlich gutes Jahr 2014!




Ausflug in die russische und finnische Natur

Mit dem programmatischen Titel „reine_natur“ entführte Generalmusikdirektor Gabriel Feltz die Zuhörer im Konzerthaus Dortmund am 03. und 04. Dezember die Steppen Mittelasiens, nach Russland und Finnland. Ars tremonia lauschte dem 04. Philharmonischen Konzert am 04. Dezember.

 

Der Abend begann mit Alexander Borodins. Seine sinfonische Dichtung „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“ aus dem Jahre 1880 mischte russische und fernöstliche Klänge. Borodin, auch ein berühmter Chemiker, wollte dem russischen Expansionsstreben in Mittelasien ein musikalisches Denkmal setzen. Es ist ein typisches Beispiel für Programmmusik: Borodin erzählt auf musikalische Weise wie eine orientalische Karawane unter dem Schutz der russischen Waffen durch die Steppe zieht. Ein kleines, nettes Horsd’œuvre.

 

Danach wurde es Zeit für eines der ältesten Instrumente, der Harfe. Da Marie-Pierre Langlamet aus persönlichen Gründen absagen musste, übernahm Emmanuel Ceysson den Solopart. Und wie: Spielen Harfen bei den meisten Komponisten nur eine Nebenrolle, brillierte der junge Franzose an dem rund 40 kg schweren Instrument bei Reinhold Glières „Konzert für Harfe und Orchester“ in Es-Dur, op. 74. Es ist Erstaunlich welche Klangfarben die Harfe hervorbringt und Ceysson spielt sie ganz vorzüglich. Glière komponierte das Stück 1938, doch es klingt eher 1888. Der Komponist ist trotz seines französischen Namens Russe und blieb der russischen Kompositionslehre treu: So kommen vor allem im dritten Satz sehr stark russische Melodien zum Klingen. Als Zugabe spielte Ceysson noch ein Stück von Claude Debussy auf der Harfe.

 

Nach der Pause entführte Feltz die Besucher des Konzerthauses nach Finnland. Eines der bekanntesten Werke Jean Sibelius‘ stand auf dem Programm. Ein Stück das Orchester und Dirigent sichtbar forderte. Der finnische Nationalkomponist Sibelius legte seine zweite Sinfonie etwas „wärmer“ an als seine erste. Dennoch ruft das Stück Bilder der finnischen Wälder und Seen hervor. Gerade im vierte Satz, dem grandiosen Finale, können Feltz und seine Dortmunder Philharmoniker nochmal alles aus sich heraus holen.




Rainald Grebe – sein Leben als Programm

Von der Kleinstadt Frechen ins große Berlin. Als die Zuschauer am 23. November nach dreieinhalb Stunden aus dem Schauspielhaus Dortmund kamen, erfuhren sie einiges über Grebes Kindheit und Jugend.

Auf der Bühne lag symbolisch der Müll seines Lebens, aufgemalt auf einem Laken, aber in Wirklichkeit befand sich dort ein Minischlagzeug mit der Puppe Chucky. Chucky, bekannt aus der gleichnamigen Horrorfilm-Reihe, hatte besondere Aufgaben, denn mit jedem Schlag erklangen Soundfetzen wie alte 80er Jahre-Werbung, Auszüge aus einer Schallplatte des niederländischen Missionars John Thiessen und ähnliches.

 

Grebe breitet seine Kindheit und Jugend völlig ungeniert aus, seine Hobby wie beispielsweise Auswendiglernen (!) von Briefmarken machten ihn sicher zu einem skurrilen Außenseiter in seiner Heimatstadt Frechen. Heute würde man vermutlich den Begriff „Nerd“ wählen. Hier hat das Konzert auch seine tiefsten, emotionalsten Momente, wenn Grebe am Klavier davon singt, als Jugendlicher alleine zu Hause am Klavier zu sitzen, währen die anderen in Köln in den Diskotheken feiern. Dazu gehört auch sein Lied über seine Zivildienstzeit in einer psychiatrischen Klinik in Bielefeld

 

Eigentlich war das Rainald Grebe Konzert ein Soloprogramm, doch man könnte mit Fug und Recht behaupten, dass der Tontechniker Franz Schumacher als Sidekick eine nicht unterschätzende Rolle spielte. Am Anfang war der Dialog der beiden vielleicht etwas zu langatmig, aber im Laufe des Konzert pegelte es sich wunderbar ein und das gegenseitige Bälle zuwerfen sorgte für einige Lacher.

 

Natürlich durfte auch der spezielle Humor von Rainald Grebe nicht fehlen, seine aufgerissenen Augen und seine feine Beobachtungsgabe vor allem zwischenmenschlicher Beziehungen wie beispielsweise bei „30-jährige Pärchen“. Gegen Ende bekamen die Zuhörer noch eine gehörige Portion Schweizer Dadaismus serviert und das Eingeständnis „I feel so overfordert“ mit Tanzeinlage. Hier konnte sich jeder, der mittlerweile eine Spiegel-Online-Allergie bekommen hat, wiederfinden.

Gegen Ende des Abends zweigte Grebe auch seine Fähigkeit zur (Selbst)-Ironie. Gekonnt nahm er dabei das „Künstlergetue“ auf die Schippe.

Zieht man die Pause ab, stand Rainald Grebe netto drei Stunden auf der Bühne. Das allein verdient den höchsten Respekt. Das davon fast keine Sekunde langweilig war, zeigt seine hohe Qualität.




Small Beast weckte das Wolfsrudel

Paul Wallfisch und Alexander Hacke beim "Small beast".
Paul Wallfisch und Alexander Hacke beim „Small beast“.

Am Freitag, dem 22. November gab es beim Musik-Club „Small Beast“ im Studio des Schauspielhauses schon einmal einen Vorgeschmack auf die kommende Produktion „Republik der Wölfe“. Drei der vier aus dem „Ministerium der Wölfe“ waren zu Gast: Neben Gastgeber Paul Wallfisch, spielten auch Alexander Hacke und Danielle de Picciotto. Am Schluss war noch Martin Bisi zu hören.

 

Volles Programm beim Small Beats. Zuerst begann wie immer Paul Wallfisch mit einem kleinen Set. Er spielte unter anderem Stücke aus seinem früheren Programm „Meister und Margarita“, eine Hommage an Lou Reed „Turning time around“ aus Reeds Album „Ecstasy“ und „Waterloo Sunset“ von den „Kinks“.

Dann gesellte sich Alex Hacke dazu und nach einem launigen „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ gab es zwei Lieder aus dem neuen Programm „Republik der Wölfe“. Die Musik lässt auf ein interessantes und spannendes Projekt hoffen.

 

Dann war es Zeit für die beiden „Wölfe“ Alexander Hacke und Danielle de Picciotto. Ihr Auftritt war eine Mischung aus Musik, Video und Lesung. Die Musik war durchaus rockig, aber auch experimentell, teilweise sphärisch. De Picciottos Texte drehten sich um das Leben als „Zigeuner“, Beide gaben ihren festen Wohnsitz auf, um als tourende Musiker durch die Welt zu reisen. Es fing gut an, danach wurden die Texte aber etwas zu esoterisch und es ging um „Energielinien“ und Nostradamus, den „Seher“, Tore zum Himmel und zur Hölle.

 

Martin Bisi kam nach der Pause mit seiner Band und präsentierte psychedelische Musik, die von Gesangsstil aber durchaus auch ins Metal-Gefilde gehören könnten. Neben den obligatorischen Loops (ist das eigentlich mittlerweile ein Muss?), erzeugten die vier Musiker eine enorme Wall of Sound.

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Kammermusik für drei

Klaviertrios aus drei Epochen waren am 18. November im Orchesterzentrum NRW auf der Brückstraße zu hören. Das 1. Kammerkonzert wurde präsentiert vom Berliner Klaviertrio, dessen Cellistin Franziska Batzdorf ist, die Solo-Cellistin der Dortmunder Philharmoniker. Das Berliner Klaviertrio besteht darüber hinaus aus Franziskas Vater Wolf-Dieter Batzdorf und Gabriele Kupfernagel.

Eröffnet wurde der Abend mit dem Klaviertrio Nr.12 in e-moll. Schnell wird klar, warum Hadyns Klaviertrios zu den schönsten Klavierwerken gehört. Es perlt, es vibriert, es macht Laune, Gabriele Kupfernagel bei ihrem Spiel zuzusehen. Doch Violine und Cello sind nicht bloßes Beiwerk, der österreichische Meisterkomponist sorgte für ein harmonisches Ganzes. Ein Auftakt nach Maß in das Konzert.

 

Ihm wurde von seinen russischen Komponistenkollegen „Gefälligkeit“ und „Schönspielerei“ nachgesagt. Anton Arenski hatte keinen leichten Stand mit seinen Kompositionen. Und wenn man ehrlich ist, hatten seine Konkurrenten recht. Typisch russische Klänge in winzigen Dosen, dafür klang es in seinem Klaviertrio Nr.1 in d-moll wie in einem Wiener Kaffeehaus. Eine hübsche Melodie an die andere geknüpft. Andererseits, wen stört das, wenn diese gefällige Musik von den drei Musikern überzeugend dargebracht wurde wie an diesem Abend.

 

Nach der Pause kam mit Dimitri Schostakowitsch ein „echter“ Russe. Seine 2. Klaviertrio in e-moll ist tief und emotional und so spielten es Kupfernagel sowie Vater und Tochter Batzdorf. Hervorzuheben ist das lyrische Largo. Eröffnet von langsamen Klavierakkorden, erklingt auf der Violine ein jüdisches Volksmusikthema, berührend und ergreifend. Mit Sicherheit der Höhepunkt des Abends.

 

Mit viel Applaus belohnte das Publikum die drei Musiker für den gelungenen Abend.

 

Ein weiteres positives Merkmal des Abends abseits der Musik: Das Restaurant Stravinski sorgte dafür, dass es in der Pause auch etwas zu trinken gab.




Noch Karten für „Small Beast“

Paul Wallfisch lädt wieder exzellente Musiker als Gäste ein zu seiner Kult-Late-Night „Small Beast, Dortmund“: Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten und Loveparade-Mitbegründerin Danielle de Picciotto präsentieren ihr Graphic Diary We are gypsies now, in dem sie von ihrem Experiment berichten, 18 Monate unterwegs zu sein.

Beide gehören außerdem auch zur Band „Ministry of Wolves“ und haben gemeinsam mit Mick Harvey und Paul Wallfisch die Musik zum großen Live-Event „Republik der Wölfe“ geschrieben, das ab Februar im Schauspiel Dortmund zu sehen ist. Alexander Hacke arbeitet derzeit auch am Soundtrack zu dem neuen Film von Fatih Akin. Ein weiterer Gast beim nächsten „Small Beast“ ist der New Yorker Indie-Artist Martin Bisi. Seine Musik bietet klassischen Rock mit kryptisch-intelligenten Texten! Für die Veranstaltung am Freitag, 22. November, um 22.30 Uhr im Studio des Schauspiel Dortmund gibt es noch Karten an der Vorverkaufskasse im Opernhaus, unter 0231/50-27222 oder www.theaterdo.de.




Orientalische Düfte im Konzerthaus

Am 13. November 2913 entführten uns die Dortmunder Philharmoniker im Konzerthaus Dortmund beim 3. Philharmonischen Konzert unter dem Titel „orient_düfte“in den Nahen und Fernen Osten. Mit Unterstützung des in Beirut (Libanon) geborenen Dirigenten George Pehlivanian und der Pianistin Lilya Zilberstein ging die Reise los. Ihren Höhepunkt fand sie in Armenien mit Chatschaturjans „Gayaneh-Suite“.

Der Orient hatte und hat für manche Künstler jeglicher Couleur immer eine besondere Faszination ausgeübt. Von der Literatur über Architektur bis hin zu Musik. In der Musik denken wir beispielsweise an Mozarts „Entführung aus dem Serail“ (diese Spielzeit in der Oper zu sehen) oder Lehars „Land des Lächelns“. Bei 3. Philharmonischen Konzert standen vor der Pause zwei Komponisten im Mittelpunkt, die den Orient quasi von außen betrachten. Carl Nielsen und Camille Saint-Saëns.

 

Carl Nielsens „Aladdins-Suite“ war eigentlich als Musik für ein gleichnamiges Schauspiel entstanden. Doch das Schauspiel floppte und nur Nielsens Musik überlebte. Glücklicherweise, so konnten die Philharmoniker und Dirigent George Pehlivanian sich langsam an den Orient heranwagen. Nielsens Komposition nimmt gegen Ende des Stückes Fahrt auf, der „Tanz der Gefangenen“ und vor allem der „Tanz der Mohren“ bedeuten Schwerarbeit und höchste Konzentration bei der Schlagzeug-Gruppe.

 

Camille Saint-Saëns Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 in F-Dur beginnt erst einmal wenig orientalisch. Im ersten Satz wurden die orientalischen Elemente noch in homöopathischen Dosen verabreicht, verwandelt sich der Klang im 2. Satz, dem Andante“, völlig. Hier sind auch die Fähigkeiten des Pianisten gefragt und Lilya Zilberstein meisterte die Schwierigkeiten mit Bravour. Naher und Ferne Osten zum Greifen nah. Der dritte Satz entführte uns wieder zu den Nildampfern nach Ägypten. Ein wirklich gelungenes Stück, dargeboten von einer spielfreudigen Solistin und gut aufgelegten Philharmonikern. Leider entließ uns Zilberstein ohne Zugabe in die Pause.

 

Nach der Pause wurde es Zeit für den Komponisten, der den Orient aus eigener Erfahrung kannte, auch wenn Armenien eher an der Peripherie liegt: Aram Chatschaturjan. Vor allem sein „Säbeltanz“ aus der „Gayaneh-Suite“ ist zum „Welthit“ geworden , so Dirigent George Pehlivanian im Vorgespräch. Seine Bekanntheit in Deutschland hat sicher auch damit zu tun, dass in den 70er Jahren der „Säbeltanz“ die Musikuntermalung für einen Werbespot in Fernsehen war. Beworben wurde damals ein Kaffeelikör.

Doch die „Gayaneh-Suite“ auf den Säbeltanz zu reduzieren wäre falsch, denn die Musik schwelgt in armenischen und kaukasischen Volkstänzen. Und hier zeigte das Orchester auch sein Können. Nichts gegen Nielsen und Saint-Saëns, aber nun tauten Orchester und Dirigent richtig auf. Bei der Mischung zwischen langsamen Adagio-Stücken und schnellen Tänzen machte das Zuhören Spaß. Einfach die Augen schließen und sich in die wilde Welt des Kaukasus entführen lassen.

Ein wirklich gelungener Abend mit fremden Klängen, viel Schlagwerk und engagierten Musikern.

 




Familiäres Kammerkonzert

Die Solo-Cellistin Franziska Batzdorf freut sich auf das Kammerkonzert und ihren Lieblingskomponisten Schostakowitsch.
Die Solo-Cellistin Franziska Batzdorf freut sich auf das Kammerkonzert und ihren Lieblingskomponisten Schostakowitsch.

Am 18. November starten die Dortmunder Philharmoniker in die neue Kammerkonzert-Saison. Das 1. Kammerkonzert besteht aus drei Klaviertrios, die den Bogen von Haydn über Arenski bis hin zu Schostakowitsch spannen. Die Solo-Cellistin Franziska Batzdorf von den Dortmunder Philharmonikern holt sich familiäre Hilfe: Die Violine wird ihr Vater Wolf-Dieter Batzdorf spielen, die Pianistin ist Gabriele Kupfernagel, auch bekannt als das Berliner Klaviertrio.

„Schostakowtisch ist mein absoluter Lieblingskomponist“, verriet Franziska Batzdorf beim Pressegespräch. Gilt der russische Komponist gewöhnlich als schwer und intellektuell, so ist das bei seinem Klaviertrio Nr. 2 in e-moll anders. „Es ist eine emotionale Musik, der er in Trauer über seinen Freund geschrieben hat“, erklärte Batzdorf. Die Verwendung eines jüdischen Volksmusik-Themas steht durchaus mit dem Holocaust in Verbindung, denn Schostakowitsch benutzte es in seinem 8. Streichquartett, gewidmet „den Opfern des Faschismus und des Krieges“.

 

Vor der Pause hat Haydn das Wort. Sein Klaviertrio in e-moll nutzt die neuen Entwicklungen des Flügels, das Klavier wird zum absolut bestimmenden Teil des Trios. In die russische Romantik entführt uns das zweite Stück Anton Arenskis Klaviertrio Nr.1 in d-moll. Arenski wurde von seinen russischen Komponistenkollegen nicht gerade wertgeschätzt. Dennoch „hat er gefällige Musik geschrieben“, verteidigte Batzdorf den Komponisten.

 

In der Pause werden zum ersten Mal im Foyer des Orchesterzentrums Getränke angeboten.

 

Der Eintrittspreis beträgt auf allen Plätzen 20 €.




Philharmonisches Konzert mit armenischem Temperament

 

Armenisches Temperament beim 3. Philharmonischen Konzert unter der Leitung von George Pehlivanian.
Armenisches Temperament beim 3. Philharmonischen Konzert unter der Leitung von George Pehlivanian.

Am 12. und 13. November können Besucher im Konzerthaus Dortmund die Düfte des Orients erleben. Natürlich nur musikalisch. Die Dortmunder Philharmoniker spielen unter der Leitung von George Pehlivanian die Aladdin-Suite von Carl Nielsen, das „Concerto égyptien“ von Camille Saint-Saëns und als Höhepunkt Auszüge aus den „Gayaneh“-Suiten von Aram Chatschatuarjan.

Wie duftet der Orient. Vielleicht nicht nach einem bestimmten Duft. „Es gibt so viele verschiedene Gerüche“, antwortete Gastdirigent Pehlivanian. „Vielleicht wie in den Souks in Marokko oder Algerien.“ Er muss es wissen, denn George Pehlivanian wurde in Beirut (Libanon) geboren und ging 1975 mit seiner Familie in die USA. Eine besondere Beziehung besteht zu Aram Chatschatuarjan, denn auch Pehlivanian hat armenische Vorfahren. „Und dieses armenische Temperament fließt noch in unseren Adern“, so der Dirigent.

 
Wem der Name Chatschatuarjan kein Begriff sein sollte, der „Säbeltanz“ aus der „Gayaneh“-Suite hat ihn weltbekannt gemacht, quasi ein Welt-Hit in der Klassischen Musik. So stehen in seiner Musik die armenischen Folkloretänze in Mittelpunkt, das armenische Lebensgefühl und die Lebensfreude. Von diesen Lebensfreuden war auch Chatschatuarjan nicht abgeneigt. „Er war ein fröhlicher Mensch und hat besonders gern gegessen“, so Pehlivanian, der Musik von Chatschatuarjan 1993 in seinem Heimatland Armenien dirigiert hat.

 

Auch die beiden anderen Stücke von Nielsen und Saint-Saëns entführen uns in den Orient. Hier blicken beide Komponisten zwar von außen auf den Orient, doch sie verknüpfen westliche musikalische Tradition mit Orientalismen zu einem ganz eigenen Klang.

 
Zufrieden war George Pehlivanian auch mit den Dortmunder Philharmonikern. „Es ist sehr toll mit den Musikern zu arbeiten. Sie sind sehr flexibel“, lobte der Dirigent seine Musiker. Auch wenn sie Chatschatuarjan noch nie gespielt haben, sieht Pehlivanian dies nicht als Nachteil: „Es ist wichtig für das Orchester, auch mal etwas anderes zu spielen.“




Beat meets Bratsche

Bei der generalproble im Konzertaus: Beatamines& David Jach mit Dirigent Philipp Armbruster und den Dortmudner Philharmonikern.
Bei der Generalprobe im Konzerthaus: Beatamines& David Jach mit Dirigent Philipp Armbruster und den Dortmunder Philharmonikern.

Einen großartigen Erfolg konnte das 1. Konzert für Junge Leute am 04.11.2013 verbuchen. Die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von Philipp Armbruster und Beatamines & David Jach groovten das Konzerthaus mit einer Weltpremieren: Dem Remix von „The Planets“ von Gustav Holst. Wer vorher dachte, Beats und Bratschen vertragen sich nicht, der muss ab Montag umdenken.

Die Eingangshalle des Konzerthaus bot einen ungewöhnlichen Anblick: Sehr viele junge Leute, doch auch traditionelles Konzertpublikum war ab und an zu sichten. Ein Spielehersteller würde sagen: Von 9 bis 99 Jahren. Und so unterschiedlich waren vermutlich die Erwartungen. Bei den Jüngeren standen sicher Pascal Augner von Beatamines & David Jach im Vordergrund, während bei den Konzerthausgängern die Frage im Mittelpunkt stand, wie schlagen sich die Philharmoniker mit den Elektronik-Musikern. Um die Frage sofort zu beantworten: Sehr gut. Schon vom ersten Takt an spürten alle Besucher, dass sie Augen- und Ohrenzeugen von einem ganz besonderen Konzert waren. Es war kein Abklatsch á la „Orchester X spielt Songs von Queen oder Abba“, sondern es entstand etwas Gemeinsames. Es war zu spüren, dass sich die Philharmoniker mit House ebenso auseinander gesetzt haben wie Beatamines & David Jach mit Holst. Es war keine Überstülpung von Holsts Werk, sondern eine Ergänzung, fast eine Fortführung.

„Die Planeten“ boten sich natürlich an. Gustav Holst nimmt hier quasi die künftige Filmmusik von John Williams und anderen schon vorweg. Von Star Wars bis hin zu Star Trek, alles ist in seiner Musik bereits vorhanden. So entführten uns die Philharmoniker mit ihren besonderen Solisten in den Weltraum und wir besuchten die Planeten.

Wie es sich bei einen „richtigen“ Konzert mit House gehört, gab es auch Lichteffekte. Rot, Grün, Weiß: Hinter den Philharmonikern leuchtete es und ab und an zogen Nebenschwaden auf. Toni Haupt war für das Lichtdesign zuständig und kreierte eine passende Lichtstimmung zu der Musik.

Wie bereits erwähnt: Das Publikum war verhältnismäßig jung, doch während des Konzertes äußerst diszipliniert im fast ausverkauften Konzerthaus. Es wurde erst bei den beiden Zugaben mitgetanzt und mitgeklatscht, dann aber auch mit großer Begeisterung.

Ein Konzert von dem jeder etwas hatte: Die Musiker konnten sich gegenseitig kennenlernen, das eher klassisch orientierte Publikum lernte, dass House nicht Krach bedeutet, die Jüngeren lernten, dass klassische Musik und vor allem der „olle“Holst auch „cool“ sein können. Allen Beteiligten, vor allem aber Barbara Volkwein, die dieses Konzert organisiert hat, muss man ein großes Lob aussprechen. Wieder hat Dortmund gezeigt, dass es hochwertige kulturelle Sternstunden setzen kann und offen für Experimente ist. Mehr davon!