Wochenende im Zeichen des Klaviers

Zwei Vorträge, ein Konzert und ein Kurs für Pianisten: Am 01. und 02. März finden im Pianohaus van Bremen (Hansastr. 7-11) die „Tage der Klaviermusik“ statt.

 

Mit Carl Phillip Emanuel Bach beschäftigt sich der Vortrag von Michael Rische am 01. März um 16:30 Uhr. Dem Komponisten, der Impulse für das Zeitalter der Klassik gesetzt hat, wird auch musikalisch gehuldigt. Um 18 Uhr findet ein Kozert statt. Neben Rische spielt auch Rainer Maria Klaas. Zu hören wird sein C.P.E. Bach: Concerto für Piano solo C-Dur Wq. 112/1, Largo aus dem Concerto F-Dur für zwei Klaviere Wq.46 und . Concerto d-moll Wq.22 für Klavier und Orchester.

 

Am 02. März wird dem Ausbruch der Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren gedacht. Unter dem Titel „1914 — Klaviermusik am Vorabend des großen Krieges“ werden in einem Vortrag um 14 Uhr auch viele Beispiele von Blanchet bis Prokofjew zu hören sein.

 

Wer sein Klavierspiel verbessern will, hat die Möglichkeit am Sonntag 02. März 2014, 10-13 und 15-18 Uhr am Dortmunder Klavierkurs teilzunehmen. Den Unterricht erteilt Rainer Maria Klaas, Konzertpianist und Dozent an der Robert-Schumann-Hochschule.

 

Wer an dem Kurs aktiv teilnehmen möchte, muss sich anmelden. (60,- Euro). Für Zuhörer an beiden Tagen freier Eintritt, vorherige Anmeldung erwünscht.

 

Mehr Informationen unter http://www.vanbremen.de/veranstaltungen/veranstaltungen.htm

Dort können Sie sich auch das Verhaltungsprogramm herunterladen.




Der Frühling kann kommen

Mit zwei berühmten Stücken der klassischen Musik haben die Dortmunder Philharmoniker beim 6. Philharmonischen Konzert den Frühling eingeleitet: Zu Beginn standen „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi auf dem Programm, nach der Pause ertönte das „Frühlingsopfer“ (Le sacre du printemps) von Igor Strawinsky. Ars tremonia war am Mittwoch, dem 12. Februar 2014 im Dortmunder Konzerthaus.

 

Die beiden Stücke haben eine Gemeinsamkeit: Nicht nur, weil in beiden der Frühling thematisiert wird, sondern auch durch ihre bildhafte Musik. Natürlich liegen zwischen dem barocken Meisterwerks und der Musik des Expressionismus Welten, deutlich zu sehen bei der Besetzung. War bei Vivaldi nur ein kleiner Teil des Orchesters auf der Bühne, füllte die Bühne sich bei Strawinsky deutlich mit Musikern. Ich schätze mal, über 100 (inklusive Dirigent).

 

Schließt man die Augen, kann der Hörer bei Vivaldi fast auf Anhieb die Jahreszeiten erkennen. Der Frühling singt ein Schlummerlied, das Leben in der Natur erwacht, im Sommer gibt es ein ordentliches Unwetter, das Erntedankfest wird mit viel Wein gefeiert und im Winter ist Schlittschuhlaufen angesagt. Die „Vier Jahreszeiten“ sind eigentlich vier Konzerte für Solo-Violine. Gespielt wurden sie von Ariadne Daskalakis. Die Künstlerin ist ein anderer Typ wie Guiliano Carmignola, der vor einigen Wochen bei der „Zeitinsel Caldara“ mit dem Barockorchester La Cetra im Konzerthaus zu Gast war. Carmignola tanzte beinahe die „Vier Jahreszeiten“, aber Daskalakis ging mehr in die Tiefe, die Musik kam quasi aus dem Inneren. Ihre Interpretation war vor allem bei den ruhigen Stellen (beispielsweise dem zweiten Satz des „Winters“, den Daskalakis als Zugabe spielte) ein Genuss.

Dennoch kamen die Philharmoniker noch nicht ganz an die Magie des Barocks heran, wie es die Barockspezialisten von „La Cetra“ schafften. Aber ich finde, es ist ein guter Weg, auch mit den Dortmunder Philharmonikern weiter Richtung Alte Musik zu gehen. Eine Konzertreihe wie sie es schon zur Wiener Klassik gibt, kann ich mir auch für die Alte Musik vorstellen. Potential ist vorhanden.

 

Nach der Pause gehörte die Musik dem Expressionismus. Igor Strawinskys „Sacre du printemps“ wurde ja bei der Uraufführung 1913 als „barbarisch“ verrissen. Denn bei dem Stück steht nicht die Melodie im Mittelpunkt, sondern der Rhythmus. Selbst Melodieinstrumente müssen sich dem Rhythmus beugen. Manche Teile wecken Erinnerungen an Free-Jazz, auch wenn Strawinsky den Jazz erst nach der Komposition von „Sacre“ kennengelernt hatte.

Doch es gibt durchaus lyrische Teile. Strawinsky verarbeitete einige folkloristische Themen, das erste ist gleich zu Beginn vom Fagott zu hören.

Generalmusikdirektor Gabriel Feltz (er hatte bei Vivaldi frei) meisterte die Aufgabe, ein wirklich riesiges Orchester zu leiten. Trotz der vielen rhythmischen Wechsel und Dissonanzen zeigten die Dortmunder Philharmoniker eine famose Leistung und sorgten – im Gegensatz zu 1913 – für Beifallsstürme im Konzerthaus.




6. Philharmonischen Konzert im Zeichen des Frühlings

Ariadne Daskalakis wird den Solopart bei Vivaldis "Vier Jahreszeiten" übenrehmen. (Foto: © Marte)
Ariadne Daskalakis wird den Solopart bei Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ übenrehmen. (Foto: © Marte)

Noch ist der Winter in unseren Breitengraden nicht oder kaum in Erscheinung getreten, rufen die Dortmunder Philharmoniker im 6. Philharmonischen Konzert am 11. und 12. Februar in Konzerthaus den Frühling aus. Denn auf dem Programm steht Strawinskys „Le Sacre du printemps“ (Die Frühlingsweihe oder das Frühlingsopfer), vor der Pause führt uns Vivaldi noch durch die vier Jahreszeiten.

Strawinskys „Sacre“ und die „Vier Jahreszeiten“ sind mittlerweile Hits der klassischen Musik. Vivaldis Werk ist sicher nicht nur Klassikfreunden bekannt, sondern taucht auch in der Werbung. Bei den „Vier Jahreszeiten“ steht die Solo-Violine im Vordergrund: Spielen wird sie Ariadne Daskalakis. Die Amerikanerin mit griechischen Wurzeln und deutschem Wohnsitz näherte sich der „alten“ barocken Musik von der „modernen Seite“. „Es war ein langer Weg von der modernen Geigerin bis hin zum Barock“, so Daskalakis, die Professorin an der Kölner Musikhochschule ist. Doch sie bereut ihn nicht. „Ich hatte das Privileg beide Welten kennen zu lernen.“ Dabei macht sie deutlich: „Das Wichtigste ist die Qualität der Musik.“

Für den Konzertbesucher wird es eine spannende Sache, wie die Solistin zusammen mit dem klassisch-romantischen Orchester der Dortmunder Philharmoniker Barock-Musik aufführen wird. „Die Kollegen sind sehr offen“, berichtete Daskalakis. „Die gemeinsame Arbeit in historischer Spielweise macht viel Spaß“. Und auch wenn Daskalakis Vivladis Meisterwerk oft gespielt hat, „es ist jedes mal neu für mich. Ich liebe diese Musik.“

Für Generalmusikdirektor Gabriel Feltz könnten die beiden Konzertabende ungewohnt beginnen, denn geplant ist, „Die vier Jahreszeiten“ ohne Dirigent aufzuführen. Erst nach der Pause zu Strawinskys „Sacre“ würde er dann wieder ans Dirigentenpult zurückkehren.

 

Restkarten für die beiden Termine sind noch erhältlich. Infos unter www.theaterdo.de oder 5027222.




Kammerkonzert mit ungewöhnlichem Klang

Das zweite Kammerkonzert am 03. Februar im Orchesterzentrum brachte den Zuhörern das Bläseroktett (samt Kontrabass) der Dortmunder Philharmoniker näher. Zu hören waren Werke von Mozart, Farkas und Liszt.

 

Es ist eine Mischung von Vertrautheit und einer gewissen Fremdheit. Musik keinesfalls reduziert, sondern transponiert auf die Musikgruppe der Bläser. Oboe, Klarinette, Fagott und Horn füllen auch die Rolle der Streicher mit aus. In früheren Zeiten nichts ungewöhnliches, waren Bläseroktette dazu da, draußen (heute sagt man wohl „outdoor“) Opern oder Sinfonien zu spielen.

 

Das Konzert mit Mozarts erster Sinfonie in Es-Dur, die er mit acht Jahren schrieb. Das recht kurze Stück wurde von Andreas N. Tarkmann geschickt für die Bläser umgesetzt, so dass es einen Vergleich mit dem „Original“ nicht zu scheuen brachte.

 

Das zweite Stück war „Contrafacta Hungarica“ von Ferenc Farkas. Dieses Stück war speziell für Bläseroktett geschrieben worden. Obwohl Farkas ein Mensch des 20. Jahrhunderts war, entführte er uns in die Zeit des Mittelalters und der Renaissance. Tanzmusik war angesagt und das Bläseroktett zeigte sich spielfreudig.

 

Vor der Pause stand die Ungarische Rhapsodie Nr. 14 von Franz Liszt auf dem Programm. Bei diesem sehr rhythmischen Stück machte sich die besondere Klangfarbe des Oktetts bemerkbar. Vor allem bei den schnellen Passagen klang es Richtung Weltmusik á la „Balkan Brass“.

 

Nach der Pause war wieder Mozart an der Reihe. Seine Serenade in c-moll für Bläseroktett zeigte nochmals, wie abwechslungsreich und virtuos diese Musik ist, vor allem, wenn die Melodieführung von verschiedenen Instrumenten übernommen wird.

 

Alles in allem ein sehr spannender Abend mit gut aufgelegten Musikern.




Small Beast mit Heavy Metal

Die beiden Gäste Andreas Kaling (links) und Scott McCloud.
Die beiden Gäste Andreas Kaling (links) und Scott McCloud.

Die Januar-Ausgabe 2014 vom Small Beast am Monatsende hatte neben Gastgeber Paul Wallfisch wieder zwei besondere musikalische Gäste Scott McCloud und Andreas Kaling. Letzterer brachte eine ordentliche Portion Heavy Metal mit sein Bass-Saxophon auf die Bühne.

 

Eröffnet wurde das Small Beast natürlich vom Gastgeber selbst. Neben Stücken aus dem neuen Theaterprojekt „Die Republik der Wölfe“, das am 15. Februar Premiere hat, gab es einen „Lou Reed-Block“ zusammen mit McCloud und Kaling. Eine schöne Version spielte Wallfisch von dem wohl bekanntesten Stück von Reed „Pale Blue Eyes“.

 

Ein Bass-Saxofon macht schon Eindruck. Allein von der Größe und dem Gewicht. Hinzu kommt mit Andreas Kaling ein Musiker, der es versteht, aus diesem Instrument interessante Töne herauszulocken. Kaling spielt in der wohl einzigen Bass-Saxophonband der Welt namens „Deep Schrott“. Die vier Musiker verbinden Elemente des Jazz und Heavy Metal. Bei seinem Solokonzert spielte er – auch dank elektronischer Hilfe eines Kehlkopfverstärkers – eine Mischung zwischen Avantgarde und Jazz.

 

Scott McCloud ist Gitarrist und Sänger der Band „Girls against boys“ und spielt auch bei Paramount Styles. Sein Soloset bestritt er mit akustischer Gitarre. Aber es war beileibe kein „Lagerfeuerkonzert“, denn seinen post-Punk und post-Hardcore Wurzeln blieb McCloud treu. So lies er seine Gitarre schon des öfteren Dank seines Verstärkers (also nicht wirklich „unplugged“) aufheulen wie beim Start eines Motorrads. Gegen Ende seines Sets war wieder Gastgeber Wallfisch gefragt. In bester Club-Tradition spielten die beiden noch ein paar Songs miteinander.

 

Mit Andreas Kaling und Scott McCloud hatte Paul Wallfisch sehr interessante Musiker zu Gast, die sehr gut zum Konzept des Small Beast passten. Der Qualität beider Gäste ist es zuzuschreiben, dass trotz später Stunde (Ende gegen 2:00 Uhr) die meisten Besucher bis zum Ende blieben.




Harmoniemusik im Kammerkonzert

Das Bläseroktett der Dortmunder Philharmoniker inklusive Kontrabassistin. (Foto: © Michael Baker)
Das Bläseroktett der Dortmunder Philharmoniker inklusive Kontrabassistin. (Foto: © Michael Baker)

Das 2. Kammerkonzert am 03. Februar im Orchesterzentrum bietet eine besondere Musikfarbe: Das Bläseroktett der Dortmunder Philharmoniker spielt Werke von Mozart, Farkas und Liszt. Einerseits wurden die Werke speziell für ein Bläseroktett geschrieben, andere sind Bearbeitungen, sogenannte Harmoniemusik.

 

Harmoniemusik. Müsste nicht eigentlich jede Musik Harmoniemusik sein, könnte der Leser jetzt fragen? Mit dem Begriff Harmoniemusik wird eine spezielle Bearbeitung von Musik wie Sinfonien oder Opern für Holz- und Blechbläser bezeichnet. Es ist in etwa vergleichbar mit einem Klavierauszug.

 

„Es bietet eine ungewohnte Perspektive“, erläutert Oboistin Christiane Dimigen. „die Bearbeitung bleibt dem Original weitgehend treu und so gibt es einen Wiedererkennungseffekt. Dazu kann eine Stimme nicht nur von einem Instrument übernommen werden, sondern von mehreren.“

 

Das Bläseroktett besteht aus Christiane Dimigen (Oboe), Birgit Welpmann (Solo-Oboe), Frauke Hansen (Solo-Klarinette), Martin Bewersdorff (Klarinette), Minori Tsuchiyama (Fagott), Jörg Wehner (Fagott), Gregor Fas (Horn) und Ferenc Pal (Horn). Unterstützt werden die Musiker von Tomoko Tadokoro (Solo-Kontrabassistin).

 

„Der Kontrabass und die Fagotte bilden das Fundament“, während die Oboen den Melodiepart übernehmen, beschreibt Dimigen die „Arbeitsteilung“ innerhalb der Instrumente. „Aber auch die Klarinetten übernehmen oft die Melodieführung. Die Hörner halten alles zusammen.“

 

Auf dem Spielplan stehen folgende Stücke:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Sinfonie Nr. 1 Es-Dur KV16 (Bearb. A. N. Tarkmann); Ferenc Farkas (1914-1992) Contrafacta Hungarica (1976);

Franz Liszt (1811-1886), Ungarische Rhapsodie Nr. 14 f-Moll (Bearb. A. N. Tarkmann) und Wolfgang Amadeus Mozart, Serenade Nr. 12 c-Moll KV 388

 

„Früher waren die Bläser als Begleitmusiker bei Hof und spielten beim Essen oder auf der Jagd, aber Mozart hat die Serenade als ein sehr ernstes Stück komponiert“, so Dimigen. „Mozart hat es für den Kaiser Joseph II. geschrieben, weil er auf eine Anstellung am Wiener Hof hoffte. Daher hat er viel Energie hineingelegt.“

 

Für die Musiker der Dortmunder Philharmoniker ist es eine Art Privileg, ein eigenes Kammermusikprogramm erarbeiten zu können, auch wenn sie ihren freien Tag dafür opfern müssen. „Das gibt es nicht oft“, meint Dimigen, „aber es ist positiv: wir lernen nicht nur unser eigenes Programm zu erarbeiten, sondern auch sensibel und intuitiv mit unseren Kolleginnen und Kollegen umzugehen. Das nutzt uns auch bei der sonstigen Zusammenarbeit.“

 

2. Kammerkonzert

ORCHESTERZENTRUM | NRW

Werke von Mozart, Farkas und Liszt

Beginn 20 Uhr

 

Karten und Infos unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27 222

 




Großstadttrubel im Konzerthaus

Beim 5.Philharmonischen Konzert am 21. und 22. Januar stand die Großstadt im Zentrum des musikalischen Schaffens. Rhythmik, Dissonanzen, die Dynamik der modernen Stadt zeigten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gastdirigent Fabrice Bollon. Zu hören waren Komposition von Berlioz, Schnyder, Honegger, Bernstein und Gershwin.

 

Der Abend begann romantisch. Berlioz‘ „römischer Karneval“ (Le carnaval romain), komponiert 1843, begann erst leise und langsam, um dann um so mehr Schwung aufzunehmen. In dem Stück ist noch nichts vom Großstadttrubel mitzubekommen, die Menschen feiern ausgelassen auf den Straßen der Stadt und freuen sich ihres Lebens.

Das wurde mit dem Werk von Daniel Schnyder anders. Sein 2010 komponiertes Stück „Concerto grosso für Trompete, Klarinette, Posaune und Orchester“ erinnert vom namen und der Struktur an Barockmusik. Schnyder mischt spanisch-maurisch anmutende Musik, mit Tango, Zwölftonmusik und einer Gigue, die orientalische Anklänge besitzt. Die musikalischen Elemente vermischen sich. Zeitweise hat der Zuhörer den Eindruck, er ginge auf einer belebten Straße und aus verschiedenen Lokalen dringen Fetzen von Jazz- und Weltmusik auf die Straße. Für manche Hörer sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber die Musik zeigte ihre Kraft vor allem durch die Solisten. Martin Spangenberg (Klarinette), Wolfgang Bauer (Trompete) und Henning Wiegräbe (Posaune) zeigten bei dem ungewöhnlichen Stück ihre instrumentalen Fähigkeiten. Auch die Zugabe kam von Schnyder. Der „Schweizer Karnevalsmarsch“ entpuppte sich als jazzige Variante eines Marsches. Torkelnd, nicht fassbar, aber dennoch blieb der Karneval im Hintergrund sichtbar.

 

Nach der Pause ging es mit dem Zug weiter. Natürlich mit dem „Pacific 231“ von Arthur Honegger. Beim Stück von 1923 kann der Besucher eigentlich die Augen schließen, denn vor seinem inneren Auge entsteht bald das Bild einer Dampflokomotive. Das Anfahren, die Steigerung der Geschwindigkeit, bis hin zum Halt, alles ist in Honeggers „Mouvement symphonique“ enthalten.

Bei der Reise durch die Großstadt landen wir bei Leonard Bernstein. Aus seinem 1944 verfasstem Musical „on the town“ waren die „Three dance episodes“ zu hören. Jazz und klassische Musik vermischten sich, Tänze, die zu der Zeit populär waren, hat Bernstein in seine integriert.

 

George Gershwin ist vor allem bekannt durch seine „Rhapsody in blue“ sowie „An American in Paris“. Der Amerikaner in Paris, geschrieben 1928 integriert wie Bernstein Jazz und Blues, Gershwin benutzt zur Untermalung sogar Taxihupen. Gershwins Musik transportiert den Lebensdrang, die Heiterkeit, aber auch (vor allem im Mittelteil) das sentimental Verträumte eines Amerikaners.

 

Die Dortmunder Philharmoniker zeigten sich unter Bollon gewohnt spielfreudig, auch mit dem neuen Material. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Ausflug in die Großstadt kein einmaliges Ereignis bleibt. Denn Dortmund ist nun mal eine Großstadt, da sind Taxihupen vertrauter als weite grüne Wiesen und Auen.




Zeitinsel Caldara – Ende mit Jubelgesang

Die Zeitinsel Caldara endete am 18.01. 2014 mit der musikalischen Jubelfeier „La concordia de‘ Planeti“ (die Einigkeit der Planeten) des damaligen Vize-Hofkapellmeisters Antonio Caldara. Das Stück wurde zu Ehren des Namenstages der Gattin von Kaiser Karl VI. Elisabeth Christine 1723 uraufgeführt.

 

Worum geht es in diesem Stück? Die Planeten (unter anderem Venus, Mars, Jupiter), unterhalten sich darüber, ob es Elisabeth Christine erlaubt sein soll, unter ihresgleichen aufgenommen zu werden. Natürlich sind die Planeten gleichzusetzen mit den gleichnamigen antiken Gottheiten. Am Ende steht fest: Elisabeth ist in ihrer Schönheit und Tugendhaftigkeit selbst den Göttern überlegen.

 

Es fällt schwer, bei den Lobhudeleien der kleinen Oper auf „Elisa“ wie sie dort genannt wird, ernst zu bleiben. So etwas kennen wir heutzutage höchstens noch aus Nordkorea. Schnell sind die Planeten/Götter sich einig, dass Elisa alle in den Schatten stellt, so dass sogar die Grazien, die Dienerinnen der Venus, quasi Fahnenflucht begehen und bei Elisa anheuern. Es ist ja auch schon ziemlich bemerkenswert, dass sich ein so katholisches Haus wie die Habsburger heidnischer Götter bemühen, um ihre Größe zu demonstrieren. Natürlich sind die Götternamen nicht wörtlich zu nehmen, die Barockzeit war die große Zeit der Allegorien und so sind die Götter selbstverständlich nicht als reale Personen zu verstehen, sondern eher Sinnbilder der Tugend.

Darüber hinaus hat der Textdichter ein Danaer-Geschenk eingearbeitet. Denn Elisabeth Christine hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen Thronfolger geboren (ihr Sohn Leopold Johann starb schon nach wenigen Monaten). Mehrmals taucht in den Arien der Wunsch auf, dass die Kaiserin doch nun einen Thronfolger gebären solle. Letztendlich ging der Wunsch nicht in Erfüllung. Karl VI. schuf die „pragmatische Sanktion“, so dass seine Tochter Maria Theresia den Thron besteigen konnte. Leider musste erst der Österreichische Erbfolgekrieg für Klarheit sorgen.

Das La Cetra Barockorchester unter der Leitung von Andrea Marcon und unterstützt vom La Cetra Vokalensemble sowie den Solisten Verónica Cangemi (Diana) , Delphine Galou (Venere), Carlos Mena (Marte) ,Franco Fagioli (Apollo),Ruxandra Donose (Giove), Daniel Behle (Mercurio) und Luca Tittoto (Saturno) boten eine erstklassige Leistung.




Zeitinsel Caldara – der zweite Tag

Das "La cetra Barockorchester" unter der Leitung von Andrea Mancon. (Foto: © Pascal Amos Rest)
Das „La cetra Barockorchester“ unter der Leitung von Andrea Marcon. (Foto: © Pascal Amos Rest)

Am Freitag, dem 17. Januar 2014 fand im Konzerthaus Dortmund der zweite Teil der „Zeitinsel Caldara“ statt. Auf dem Programm standen Werke von Vivaldi und natürlich Caldara selbst. Die beiden Komponisten haben einen ähnlichen Lebensweg hinter sich gebracht, Vivaldi hatte das Glück, dass seine Musik Anfang des 20.Jahrhunderts wiederentdeckt wurde, während Caladaras Musik überwiegend vergessen blieb. (Konzertbericht zum ersten Tag)

 

Während die fünf gespielten Werke von Caldara selbst für Klassik-Experten Neuland waren, spielte das La Cetra Barockorchester Basel unter der Leitung von Andrea Marcon „Die vier Jahreszeiten“ von Vivaldi. Warum eigentlich „Die vier Jahreszeiten“? In seiner Einführung erklärte Prof. Dr. Michael Stegemann dem Publikum, dass Vivaldi 1711 mit seiner Konzertsammlung L’estro armonico „Die harmonische Eingebung“) op.3 eine europäische Berühmtheit wurde und Musikgeschichte schrieb. Er erfand quasi das Solokonzert. Doch zu hören war das Opus 3 nicht, statt dessen gab es eben „Die vier Jahreszeiten“. Ein Stück, dass vermutlich auf keiner Klassiksammlung CD fehlen darf (zumindest eine Jahreszeit ist immer dabei). Dabei möchte ich nicht die Schönheit des Stückes schmälern. Denn wenn „Die vier Jahreszeiten“ von einem reinen Barockorchester wie dem La Cetra gespielt wird, unter anderem Lauten und Cembalo das basso continuo bilden, verfällt man sofort dieser barocken Schönheit. Wer dann auch noch einen Soloviolinisten wie Guiliano Carmignola aufbieten kann, versetzt die Besucher schnell in atemloses Staunen.

 

Carmignola, ein ausgezeichneter Spezialist in barocker italienischer Musik, lebt jede einzelne Note von Vivaldis Musik mit. Manchmal hat man das Gefühl, Carmignola fängt gleich an zu tanzen, so reißt es ihn mit. Diese Begeisterung, diese Leidenschaft für die Musik springt auch schnell auf das Publikum über. So wurde Carmignola erst nach zwei Zugaben entlassen.

 

Und wie schlägt sich Caldara? Ganz gut, die meisten seiner gespielten Werke stammen aus seiner Spätzeit (zwischen 1732-35) und enthalten schon leichte Elemente des aufkommenden „galanten Stils“ der Frühklassik. Haydn und Mozart warten schon am Horizont. Caldaras Musik ist solide, routiniert, eben wie ein erstklassiger Handwerker. Nicolas Altstaedt (Solo-Violincello), Jonathan Pešek (Violoncello, b.c.), Katharina Heutjer (Violine) und Éva Bohri (Violine) zeigen als Solisten die Qualität von Caldaras Kompositionen.

 

Ein gelungener, runder Abend mit perfekt gespielter Barockmusik von Orchester und Solisten. Vielleicht hätte man den Mut haben sollen, statt den „Vier Jahreszeiten“ lieber einige Konzerte aus „L’estro armonico“ zu spielen.




Wiederentdeckung eines vergessenen Meisters

Die Solisten mit dem La Cetra Barockorchester sowie dem La Cetra Vokalensemble unter der Leitung von Andrea Marcon. (Foto: © Pascal Amos Rest).
Die Solisten mit dem La Cetra Barockorchester sowie dem La Cetra Vokalensemble unter der Leitung von Andrea Marcon. (Foto: © Pascal Amos Rest).

Ungerecht, Zufall oder warum ist Antonio Vivaldi selbst Menschen geläufig, die keine Berührung mit klassischer Musik haben, während sein Zeitgenosse und Namensvetter Antonio Caldara selbst unter Klassik-Fans nur wenigen bekannt ist? Schwierige Frage. Das Konzerthaus Dortmund bemüht sich in einer dreiteiligen Zeitinsel vom 16. bis zum 18. Januar dem italienischen Komponisten den Raum zu geben, den er verdient. Begonnen wurde die Zeitinsel am Donnerstag mit einem „Concerto di Arie“, mit dem La Cetra Barockorchester unter der Leitung von Andrea Marcon.

Vor dem Konzert stellte der Experte Prof. Dr. Michael Stegemann erst einmal den Komponisten Antonia Caldara vor. Caldara und Vivaldi haben sehr viel gemeinsam. Zunächst sind sie Zeitgenossen, Caldara lebte von 1670-1736 und Vivaldi von 1678-1741. Beide sind Venezianer und beide sind in Wien gestorben. „Venedig war zu dieser Zeit ein spannender und produktiver Schauplatz“, so Stegemann. Neben den beiden erwähnten Komponisten gab es noch Alessandro Marcello oder Tomaso Albinoni zu nennen. Caldara versuchte schnell, woanders Fuß zu fassen und war von 1699-1708 in Diensten des Herzogs von Mantua. Dorthin zog es später auch Vivaldi. Ab 1716 wird Caldara Vize-Kapellmeister am Hof von Wien. Kaiser Karl VI. Ist musikbegeistert und dirigiert die Opern seines Komponisten selbst. Caldara bleibt bis zu seinem Tode in Wien. Als Vivaldi 1740 ebenfalls versucht, in Wien in die Fußstapfen von Caldara zu treten, wird er enttäuscht, denn Karl VI. stirbt im gleichen Jahr. Zehn Monate später stirbt auch Vivaldi.

Nach ihrem Tod geraten die beiden Musiker mehr und mehr in Vergessenheit. „Damals wollten die Leute neue Musik hören“, erklärte Stegemann. Neue Musikstile kündigen sich an: Ab 1730 ist schon die Frühklassik am Horizont zu erkennen. Erstaunlicherweise ist der Nachruhm Caldaras noch Anfang des 19. Jahrhunderts zu erkennen. Felix Joseph Lipowsky schreibt in seinem „Baierischen Musik-Lexikon“ von 1811 in einer Fußnote zu Johann Niklas Hemmerlein: „Anton Caldara, einer der größten und berühmtesten Komponisten Italiens“.

Vielleicht hatte Vivaldi einfach das Glück zu Beginn des 20. Jahrhunderts eher wiederentdeckt zu werden als Caldara. Das beide meisterhafte spätbarocke Werke komponiert haben, dafür steht die Zeitinsel als Beweis.

Der erste Abend stand unter dem Zeichen der Arien-Komposition Caldaras. Caladara komponierte über 90 Opern, 50 Oratorien sowie etwa 500 Solokantaten. Für Sänger bietet dieser Fundus einen reichen Schatz. Daraus wurde am 16. Januar beim „Concerto di arie“ geschöpft. Eine kleine Besetzungsänderung gab es zu vermelden: Für die erkrankte Anna Prohaska sprang kurzfristig Julia Lezhneva ein.
Mit dem La Cetra Barockorchester unter der souveränen Leitung von Andrea Marcon war ein Orchester zu Gast, das mit der ersten Note es schaffte, die Zuhörer etwa 300 Jahre zurück in die Zeit zu versetzen. Instrumente wie Laute oder Cembalo haben ihren eigenen magischen Klang. Zum Klang des Barocks gehören eigentlich auch Kastraten. Da es glücklicherweise die Tradition der Kastration von Jungen nicht mehr gibt, behilft man sich mit Countertenören, deren Falsett aber nicht mit einer Knabenstimme zu vergleichen ist. Nichts desto trotz machte Countertenor Carlos Mena einen tollen Job. Vor allem das zarte „Ah! Come quella un tempo“ aus Caldaras „Sedecia“ lohnte den Besuch des Konzertes. Auch weil bei der Musik ein selten gespieltes Instrument die Hauptrolle übernahm: ein Hackbrett. Kennt man das Instrument nur aus der alpenländischen Musiktradition, ist man überrascht, wie zärtlich das Instrument klingen kann.
Bassist Luca Tittoto brauchte etwas, um warm zu werden. Sein erster Einsatz „Da la faccia de la terra“ aus „Joaz“ ging im Spiel des Orchesters ein wenig unter. Danach war seine Stimme auf Betriebstemperatur und „Se mai rimbomba“ sowie „Buon pescatore non é“ klangen satt und voluminös.

Die Russin Julia Lezhneva war der Star des Abends. Zwar sang sie ihre erste Arie „Dio, che mentir non puo“ mit ein wenig zu viel Vibrato nach meinem Geschmack, aber ihre Stimme ist außergewöhnlich. Als Gast wurde ihr die Ehre zuteil, zwei Zugaben zu singen, die sie mit einer wunderbaren Brillianz und Kalrheit sang. Eine echte Entdeckung, die noch ihren Weg machen wird.