Kein Happy-End für Rusalka

Da hat sich das Töchterchen Rusalka (Pavla Vykopalová) etwas in den Kopf gesetzt, trotz der Warnungen von Papa Wassermann (Peter Mikuláš). Am Dirigentenpult ist Iván Fischer zu sehen. (Foto: © Pascal Amos Rest)
Da hat sich das Töchterchen Rusalka (Pavla Vykopalová) etwas in den Kopf gesetzt trotz der Warnungen von Papa Wassermann (Peter Mikuláš). Am Dirigentenpult ist Iván Fischer zu sehen. (Foto: © Pascal Amos Rest)

Das Leben ist kein Disney-Film und tschechische Märchen gehen auch nicht immer gut aus. Anders als bei Arielle ist Rusalka und dem Prinzen keine gemeinsame Zukunft beschieden. Die gleichnamige Oper von Antonín Dvořák stand am Anfang der vierteiligen „Zeitinsel Dvořák“ und setzte Maßstäbe. Die Aufführung am 15. Mai 2014 im Konzerthaus in tschechischer Sprache mit dem Budapest Festival Orchestra unter der Leitung von Iván Fischer erntete verdientermaßen Beifallsstürme.

 

Ein ziemlicher Wermutstropfen gleich vorweg: Die Aufführung von „Rusalka“ war natürlich eine konzertante Oper. Etwas anderes ist im Konzerthaus Dortmund kaum möglich, damit verschenkt man aber durch die fehlende schauspielerische Interaktion der Sängerinnen und Sänger mindestens eine Ebene, vom Bühnenbild oder einer besonderen Inszenierung ganz zu schweigen. Als Ausgleich dazu konnten sich die Zuhörer auf die Musik und den Gesang konzentrieren.

 

Zur Geschichte: Rusalka, ein Wasserwesen, möchte menschlich werden, um ihren geliebten Prinz näherzukommen. Trotz der Warnungen ihres Vaters, dem Wassermann wird sie der Hilfe der Hexe Ježibaba ein Mensch, unter der Bedingung, dass sie fortan stumm ist. Sollte sie die Liebe des Prinzen nicht bekommen, muss sie ins Wasserreich zurückkehren und ihrem Prinz den Tod bringen. Rusalka lässt sich auf den Handel ein und muss feststellen, dass sich ihr Prinz nach den Anfangstagen in eine andere Frau verliebt hat und Rusalka als ehemaligem Wasserwesen menschliche Gefühle fremd sind. Ihr Vater, der Wassermann, nimmt Rusalka wieder mit ins Wasser, wo sie als Irrlicht den Menschen Tod und Verderben bringen muss. Sie steht zwischen der mystischen Welt der Elementarwesen und der Menschenwelt. Der Prinz kehrt reumütig zurück nachdem ihm die andere Frau verlassen hat und bittet Rusalka um Vergebung. Rusalka, die in der Wasserwelt wieder ihre Stimme wiedergefunden hat, warnt den Prinz, dass sie ihm den Tod bringt, aber der Prinz besteht auf den tödlichen Kuss, da er in der Menschenwelt nicht mehr leben will.

 

Dvořák präsentiert uns mit seiner intensiven Musik die slawische Seele. Vor uns liegt ein spätromantisches Werk, dass einige expressionistische Züge trägt, wenn beispielsweise der See musikalisch beschrieben wird und die Wellenbewegungen von der Harfe imitiert werden. Eine weitere Besonderheit ist die „Erkennungsmelodie“ der Hauptfiguren mittels eines bestimmten musikalischen Themas ist jeder Charakter bereits akustisch identifizierbar. Seine 1900 entstandene Oper nimmt den Titel „lyrisches Märchen“ wörtlich. Folkloristisch, romantisch, manche Arien sind gar zum Mitsingen geeignet und die erste Arie von Rusalka an den Mond hat es über die Oper hinaus geschafft.

 

Am besten gefallen hat bei beim Sängerensemble Aleš Briscein als Prinz. Seine Stimme wechselte vom Verlangen nach Rusalka über die Verwirrung über ihr merkwürdiges Verhalten bis hin zur reumütigen Rückkehr und seinem sehnsuchtsvolle Todeswunsch. Gut war auch Jolana Fogašová in der Doppelrolle als Hexe Ježibaba und fremde Fürstin, die dem Prinz den Kopf verdreht. Sie ist das Gegenteil von Rusalka, Hitze statt Kälte, Leidenschaft statt Gleichgültigkeit. Fogašová brachte eine Prise Erotik in die Oper, gut zu hören bei ihrer Arie beim Kochen des Zaubermittels.

Pavla Vykopalová als Rusalka zeigt ebenfalls eine sehr gute gesangliche Leistung. Neben der Mond-Arie im ersten Satz wird sie ja vom Librettisten durch ihre Unfähigkeit zu sprechen außer Gefecht gesetzt, bekommt aber gegen ende des zweiten und vor allem im dritten Satz die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen. Peter Mikuláš sang seine Rolle als Wassermann warm und routiniert.

 

Iván Fischer und seinem Budapest Festival Orchestra merkte man von der ersten bis zur letzten Note an, dass sie große Lust auf diese Oper hatten.




Internationale Tanzfolklore im Dietrich-Keuning-Haus

Freuen sich aufs Tanzfestival 2014: (v.l.n.r.) Ayşe Şentürk, Sema Taşa Günlü, Michaela Gans, Juergen Wörl, Memi Kartina, Horst Ramisch, Kartika Warno, Nuran Ozdemir Aşan.
Freuen sich aufs Tanzfestival 2014: (v.l.n.r.) Ayşe Şentürk, Sema Taşa Günlü, Michaela Gans, Juergen Wörl, Memi Kartina, Horst Ramisch, Kartika Warno, Nuran Ozdemir Aşan.

Es ist wieder so weit. Am Samstag, den 24. Mai 2014 ab 14:00 Uhr präsentieren die unterschiedlichsten Herkunftsländer zum 5. Mal mit insgesamt 23 Beiträgen traditionelle Folkloretänze und kulinarische Leckerbissen aus den verschiedenen Regionen vor dem Dietrich-Keuning-Haus (bei schlechten Wetter im DKH).

Bei diesem Festival zeigen sich viele verschiedene Kulturkreise mit ihren Tänzen und kulinarischen Spezialitäten der Bevölkerung in ihrer Vielfalt. Was hat das Internationale Tanzfestival Tanz Folk 2014 zu bieten? In diesem Jahr sind mehr als 20 Gruppen mit Tänzen und Musik aus folgenden Herkunftsländern vertreten: Argentinien, Griechenland, Indonesien, Iran, Korea, Palästina, Polen, Portugal, Russland, Serbien, Türkei. Neu dabei aus Deutschland die Trachten-Tanzgruppe des Bayernvereins Einigkeit Dortmund e.V. und eine bulgarische Tanzgruppe aus Münster.

Juergen Wörl vom Bayernverein Einigkeit Dortmund e.V. erklärte: „Unser Verein wurde von unseren Vorfahren aus Bayern hier in der Nachbarschaft in Witten gegründet. Die dem Bierbrauen zugetanen „Zugereisten“ fanden hier in diesem Bereich ihre Arbeit. Der im gleichen Jahr gegründete Fußball-Verein BVB hat übrigens damals sein 25-jähriges Bestehen bei uns in der Gaststätte Bayernverein Haus Almfrieden gefeiert.“

Von Anfang an dabei und zu den Mitveranstaltern gehören die Vertreter/innen vom „Treffpunkt der Indonesischen BürgerInnen in Dortmund. Kartika Warno und Memi Kartina von der Tanzgruppe Kharisma verrieten: „Wir wollen mit unseren beiden Tänzen und mit traditioneller indonesischer Musik und Essen unsere Kultur den Menschen hier näher bringen. Der erste Beitrag ist von bescheidenen, aktiven und fröhlichen Bewegungen geprägt. Der zweite Beitrag ist ein Fächertanz nur für Frauen. Das Publikum wird ein besonderes Instrument „Angklung“aus Bambusstäben. Jedes einzelne Instrument bringt nur einen speziellen Ton hervor. Für ein gelungenes Klangerlebnis braucht es die ganze Gruppe. Da das Instrument so auch das Gemeinschaftsgefühl stärkt, wurde es früher verboten.“

Stark vertreten sind die türkischen Tanzgruppen mit der anatolischen Volkstanzgruppe DOHEM und drei Tanzgruppen des Türkischen Bildungszentrums. Gezeigt werden Tänze aus verschiedenen Regionen der Türkei, traditionell und modern, mit jungen und älteren weiblichen wie männlichen, zum Teil professionellen Tänzern. Dabei tanzen sie, wie die Vertreterinnen des Türkischen Bildungszentrums erklärten, sowohl als Geschlechter getrennt oder aber auch zusammen.

Die Musik für die Tänzer/innen wird zumeist von einer CD kommen. Live-Musik wird es bei den Tanzgruppen aus Bulgarien, Griechenland und Portugal geben. Der Eintritt bei dem Internationalen Tanzfestival ist frei.

Neben einer großen Breite unterschiedlicher internationaler Tanzgruppen, Musik und leckerem Essen bietet das Festival vielleicht auch die Gelegenheit, ab und zu einmal beim bei einem Tanz mitzumachen und angenehme Gespräche mit unbekannten Menschen zu führen. Ende offen.




Konzerthaus lässt das Nashorn los

Die Zeitinsel mit Nils Landgren wird im März 2015 stattfinden. (Foto: © Sebastian Schmidt)
Die Zeitinsel mit Nils Landgren wird im März 2015 stattfinden. (Foto: © Sebastian Schmidt)

Schluss mit der Botschaft Klassik sei leicht. Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa steht zu seiner Meinung, dass Klassik ein komplexes Produkt sei und sagt: „Man muss sich ihr stellen“. Das neue Programm für die kommende Spielzeit bietet in jedem Fall genug Möglichkeiten für Mutproben.

 

Obwohl das Konzerthaus seit zwölf Spielzeiten schon viele hochkarätige Gäste begrüßen konnte, gibt es immer noch Künstler und Orchester, die ihre Premiere feiern. So werden das Chamber Orchestra of Europe und das Philadelphia Orchestra genauso ihre Debüts feiern wie Tenor Jonas Kaufmann oder Bassist René Pape.

 

Zwei neue Abos bieten neue Einblicke in die klassische Musik jenseits von Mozart oder Beethoven. Die Reihe „Musik für Freaks“ ist eine Spielwiese für verschiedenste Arten von Musik. Neue Musik, alte Musik, auf ausgefallenen Instrumenten oder aus fremden Kulturen. „Stell dich der Klassik“ ist für all diejenigen gedacht, die klassische Musik als Herausforderung ansehen. Quasi für Klassik-Abenteurer.

 

Zwei Zeitinseln stellen wieder Komponisten oder Musiker in den Blickpunkt. In der Spielzeit 14/15 wird es zunächst Sergej Prokofjew sein, der vom 30. Oktober bis zum 01. November vorgestellt wird. Mit Nils Landgren wird ein Jazz-Posaunist in den Fokus gerückt. Seine Zeitinsel geht vom 06. bis zum 08. März.

 

Eine kleine Beruhigung für alle, die vielleicht nicht so mutig sind: Natürlich stehen Mozart und Beethoven weiterhin auf dem Spielplan des Konzerthauses. Selbst für Menschen, die nicht so sehr auf Klassik stehen, bietet das Konzerthaus mit World Music, JazzNights und dem Pop-Abo einige musikalische Alternativen an.

 

Das neue Spielzeitheft liegt ab sofort im Konzerthaus aus.




Klangfarbenreicher Streifzug durch die Epochen

Beim vierte Kammerkonzert am 12.05.2014 im Orchesterzentrum Dortmund zeigte das Bläserquintett der Philharmoniker unserer Stadt nicht nur ihr Können an ihren unterschiedlichen Instrumenten. Sondern sie gaben dem Publikum mit einem Streifzug durch verschiedene Epochen von der Renaissance bis hin zur Moderne auch einen vielseitigen Einblick in unterschiedliche musikalische Stilrichtungen und Entwicklungen im Laufe der Geschichte.
Zu den fünf Musikern gehörten Balázs Tóth, 1. Solo-Trompeter, Wechseltrompeter Mitsugu Hotta, der 1. Solo-Hornist Jan Golebiowski, der stellvertretende Soloposaunist Dirk Ellerkamp, sowie der Tubist Thomas Kerstner von der Dortmunder Philharmoniker.

Den Auftakt machten sie mit „Galliard Battaglia von Samuel Scheidt (1587 – 1653) aus der Renaissance. Hier zeigte sie das perfekt das gemeinsame Zusammenspiel im ursprünglichen Sinn von Blechbläser. Ein kleiner Eindruck in das damalige musizieren auf öffentlichen Plätze etwa bei Aufmärschen oder eventuell zu Festen ( z.B.Weihnachten).

Sehr virtuos, aber friedlicher geht es da bei dem vielen bekannten feierlichen „Jesus bleibt meine Freude (arrangiert von Michael Allen)“ von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) zu. Dort treten die etwas halsbrecherische Trompetenstimmen bei dem barocken Arrangement in den Vordergrund.

Einen Zeitsprung gibt es mit der „Sonatine“ des französischen Neo- Klassizisten Eugène Bozza (1905 – 1991). Es ist variationsreich mit einem leichten, etwas jazzigen Sound, wobei der zweite und vierte Teil „Andante ma non troppo“ und „Largo Allegro“ eine hellere, klare Stimmung verbreiteten.
Ähnlich verhält es sich beidem „Quintett Nr.3 in Des-Dur von dem russischen Komponisten Viktor Ewald (1860 – 1935), wobei nach einem eher dissonanten Beginn ein melodiöseres und harmonischeres „Moderato“ und „Andante“ bis zu zum furiosen „Vivo“ folgte.

Nach der Pause ging es deutlich jazzorientierter mit Eric Ewazens (geb. 1954) „A Western Fanfare“ weiter. Anspruchsvolles Zusammenspiel, Gegen- und Miteinander sowie anspruchsvolle Solo-Partien verlangten dem Bläserquintett einiges ab.
Bei dem „groovigen“ „Jive for Five“, einem Klassiker von Paul A. Nagle (geb. 1947) konnte dabei im mittleren Teil Thomas Kerstner mit einem Solopart auf der Tuba brillieren.

Auch ein Gassenhauer durfte mit „A Night in Tunesia (Arr: Thomas Huber) von der Jazz-Legende Dizzy Gillespie nicht fehlen.

Der Abend endete schwungvoll mit einer Mischung aus Klassik, Jazz und Folklore. Die „Suite Americana No.1“ von Enrique Crespo (geb. 1941). Mit Ragtime – Bossa Nova -Vals Peruano – Zambo Gaucho – fand das Konzert musikalisch folkloristisch und mit rasant wechselnden Tempi bis hin zum mexikanischen Showdown „Son de Mexiko“ ein temperamentvolles Finale.

Ein interessanter und aufschlussreiches Kammerkonzert, der die Qualität des Bläserquintett der Dortmunder Philharmoniker eindrucksvoll bewies und die vielfältigen Möglichkeiten der Blasinstrumente dokumentierte.




Wie ein Praktikum an der Oper

Serdar Somuncu spielt den Bassa Selim in der Dortmunder Inszenierung von Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail".
Serdar Somuncu spielt den Bassa Selim in der Dortmunder Inszenierung von Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“.

Der in Istanbul geborene, aber schon seit dem Alter von zwei Jahren in Deutschland lebende Serdar Somuncu wird die Sprechrolle des Bassa Selim in der Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ übernehmen. Die Premiere ist am 17.Mai 2014 in der Oper Dortmund. Dabei hat er schon vor ungefähr zehn Jahren in Münster Erfahrungen mit dieser Rolle machen können.

Sein Engagement im Dortmunder Opernhaus empfindet der vielseitige Kabarettist (z.B. „heute Show“), Schauspieler, Musiker, Autor und Regisseur Somuncu wie eine Art Praktikum.

„Es war reizvoll für mich, mal wieder an einer Oper zu arbeiten und bin gespannt, was mich hier weiter erwartet. In Dortmund habe ich ein Opernhaus mit großen Ambitionen und einem klugen Intendanten vorgefunden, wo ein frischer Wind weht“, erklärte Somuncu.

Besonders interessant für ihn ist die Kombination von Spiel, Gesang und Musik bei der Oper. „Zunächst wusste ich gar nicht, dass Oper so schön sein kann.“, verriet der Künstler. In seiner Sprechrolle versteht er sich als Bindeglied zwischen Schauspiel, Gesang und Opernmusik. „Es ist bei meiner Sprechrolle durchaus hilfreich, dass ich etwas von Musik verstehe. Ein gewisses Verständnis erleichtert zum Beispiel die richtigen Einsätze“, so Somuncu.

Zu seiner Rolle als Bassa Selim erklärte er: „Es ist schwierig, jemanden zu spielen, den ich eigentlich nicht sonderlich mag. Das aus der damalige Zeit stammende klischeehafte Türkenbild ist zur Zeit Mozarts heraus verständlich, aber es ist für mich eine Herausforderung, wie man eine unterschwellige Kritik in einer geeigneten Form aus meiner heutigen Sicht unterbringt.“

Somuncu ließ weiterhin durchblicken, dass er sich gut vorstellen könnte, bald auch Regie bei einer Oper zu führen.




Romantische Klänge im Konzerthaus

Das 9. Philharmonische Konzert am 7. Mai 2014 stand ganz unter dem Einfluss der Romantik.

Das Motto „ferne_geliebte“ mit den Facetten ferne, getrennte Liebe und der Sehnsucht nach ihr war Programm. Nach dem Interview mit dem Dirigenten Marco Comin und Guy Braunstein (Solovioline) ist ein Zeit für einen Konzertbericht vom Mittwoch.

Zunächst wurde dem Publikum eine vielen nicht so bekannte Seite von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) näher gebracht. Der war nämlich nicht nur ein begnadeter Instrumentalkomponist, sondern hat auch ein umfangreiches Lied-Repertoire geschaffen, das 79 deutsche Gesänge und einige italienische Stücke umfasst.

Seine Vertonung des Liederzyklus „An die ferne Geliebte“-nach ein Liederkreis von Alois Jeitteles für Singstimme und Klavier op.98 (1816) wurde von dem mexikanischen Bariton Gerardo Garciacano vom Dortmunder Opern-Ensemble (Seit Spielzeit 2011/2012) und begleitet von dem Pianisten Michael Gees am Klavier mit Feingefühl dargebracht.

Dabei ist die Bezeichnung „Liederzyklus“ eigentlich etwas irreführend. Hier übersteigt die Konzeption alle anderen Zyklen, wie zum Beispiel Franz Schuberts „Schöne Müllerin“, wo einzelne Gedichte zu einer lockeren Geschichte zusammengefasst sind.. Die sieben vertonten Liedverse gehen bei Beethoven wie fließend ineinander über, beginnend mit „Auf dem Hügel sitzt ich spähend“ bis „Nimm sie hin denn , diese Lieder“.

Er variiert die Musik von einer Strophe zur nächsten, wobei der strophische Charakter der Dichtung für die Zuhörer dabei nicht verloren geht.

Ludwig van Beethoven bezieht jeweils zwei Lieder in der Tonart aufeinander. Das erste und letzte Lied zum Beispiel in Es-Dur. Die Mittel-Lieder in As-Dur. Er schrieb sie jedoch in unterschiedlichen Taktarten.

Garciacano, viel aus den Mozart Inszenierungen „Cosi fan tutte“ oder „Le Nozze di Figaro“ und anderen in bester Erinnerung, begeisterte mit seiner warmen Stimme und den sensiblen Vortrag das Publikum.

Die fällige Zugabe mit dem „Kuss“ von Ludwig van Beethoven nach dem Text von Christian Felix Weisse gab es übrigens schon vorab.

 

Danach war das Violinkonzert Nr.1 von Max Bruch an der Reihe. Guy Braunstein an der Sologeige zeigte seine Virtuosität. Bruchs wohl berühmtestes Werk ist eine Mischung zwischen sehnsuchtsvoller Romantik, die man vor allem beim Adagio hören konnte, und einer hohen Anforderung für den Solisten. Im Gegensatz dazu ist der dritte Satz, dass „Allegro energico,“ dynamisch pulsierend, tänzerisch fast. Auch hier zeigt sich Braunstein nicht nur als Meister der leisen, sondern auch der dynamischen Töne. Ein Könner seines Fachs, der erst nach zwei Zugaben von der Bühne gehen durfte.

 

Nach der Pause kam Mendelssohn-Bartholdys dritte Sinfonie, die sogenannte „Schottische“ zu Gehör. Zwar ist seine „Italienische“, die vierte Sinfonie ein klein wenig bekannter, aber die „Schottische“ braucht sich keinesfalls zu verstecken. Unter der Leitung von Marco Comin begann die Sinfonie düster, neblig, tastend. Im zweiten Satz hat der Zuhörer das Gefühl, ein schottisches Volkslied zu hören, ob die Klarinettenmelodie ein originales Volkslied ist oder von Mendelssohn erfunden, bleibt offen. Beeindruckend ist der vierte Satz, der mit seinem energischen Hauptthema der Violinen über die Köpfe der Zuhörer hinwegzubrausen scheint.

 

Ein gelungener Abend mit frischer Musik, einem exzellenten Solisten, engagierten Gastdirigenten und spielfreudigen Dortmunder Philharmonikern.




Bruch – aus der Zeit gefallen

Guy Braunstein wird die Solo-Violine bei Bruchs Violinkonzert spielen. (Foto: © Ofer Plesser)
Guy Braunstein wird die Solo-Violine bei Bruchs Violinkonzert spielen. (Foto: © Ofer Plesser)

Beim 9. Philharmonischen Konzert am 06. und 07. Mai um 20 Uhr im Konzerthaus Dortmund steht das berühmte Violinkonzert Nr.1 von Max Bruch auf dem Programm. Bruch wird sicherlich zu Unrecht auf dieses Werk reduziert. Nicht nur Soloviolinist Guy Braunstein findet, dass Bruch weitere schöne Sachen komponiert hat. Nach dem Interview mit dem Dirigenten Marco Comin, sprach Ars tremonia mit Guy Braunstein.

 

 

Ars tremonia: Wie sind Sie zu Ihrem Instrument – der Violine – gekommen?

 

Braunstein: Ich bin aufgewachsen in der Nähe von Tel Aviv und damals in den 70er Jahren hat fast jedes Kind ein Instrument gespielt. Die meisten haben zwar nach ein paar Jahren ein neues Spielzeug gefunden und haben aufgehört, aber manche sind dabei geblieben. In dem kleinen Dorf bei Tel Aviv gab es immer Kinderkonzerte und ich bin mit fünf oder sechs Jahren mit meinen Eltern dorthin gekommen und habe einen Nachbarn gehört, der Geige gespielt hat. Meine Eltern haben mir später erzählt, wie furchtbar er gespielt hat. In meinen Ohren klang es aber so wunderschön, dass ich gesagt habe, das möchte ich spielen.

 

Ars tremonia: Sie haben eine lange Zeit bei den Berliner Philharmonikern gespielt und sind jetzt freier Solist. Was sind die Unterschiede?

 

Braunstein: Das Leben ist viel einfacher im Orchester. Ich habe die Jahre in Berlin sehr genossen und bin sehr dankbar für diese Jahre. Wie fast immer im Leben, irgendwann muss man sagen: Jetzt kommt der Zweite Satz. Ich möchte auch andere Sachen auch. Jetzt spiele ich so ungefähr 12-13 Wochen im Jahr mehr solistisch oder ich dirigiere. Zudem gebe ich noch Kammerkonzerte.

 

Ars teremonia: Stichwort Dirigieren. Was ist der Unterschied zwischen Solist und Dirigent?

 

Braunstein: Es sind zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille. Ich kann die Vorteile nach den vielen Jahren im Orchester mitnehmen. Ich weiß genau, was man braucht, weil ich die Dirigenten von sehr nah gesehen habe mit jeder kleinen Bewegung. Was hilft der Musik und was nicht? Diese Erfahrung nehme ich mit.

 

Ars tremonia: Sie spielen ja die Solovioline bei Bruchs Violinkonzert Nr. 1. Wie würden Sie das Stück charakterisieren?

 

Braunstein: Bruch ist zu Unrecht ein „Ein-Stück-Komponist“ geworden. Das erste Violinkonzert ist das einzige Repertoirestück von ihm geblieben. Ich spiele auch gerne die „Schottische Fantasie“ von ihm. Sie ist genauso gut, wenn nicht sogar besser. Es war für ihn als Komponist einfach „schlechtes Glück“. Er war in der falschen Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich alles bewegt nach Wagners Tod, nur Bruch ist bei seinen schönen Themen geblieben.




Bedeutender Nachlass gesichert

Der Nachlass von Gerard Bunk ist jetzt im Stadtarchiv. Es freuen sich (v.l.n.r.) Dr. Jan Boecker (Enkel von Bunk und Pressesprecher des Konzerthauses Dortmund), Jörg Stüdemann (Kulturdezernent) und Adolf Miksch (Vorsitzender des Historischen Vereins).
Der Nachlass von Gerard Bunk ist jetzt im Stadtarchiv. Es freuen sich (v.l.n.r.) Dr. Jan Boecker (Enkel von Bunk und Pressesprecher des Konzerthauses Dortmund), Jörg Stüdemann (Kulturdezernent) und Adolf Miksch (Vorsitzender des Historischen Vereins).

Dem hiesigen Stadtarchiv ist es mit tatkräftiger Unterstützung durch Stadtdirektor Jörg Stüdemann und dem Historischen Verein für Dortmund gelungen, einen ganz besonderen Schatz für die Stadtgesellschaft zu sichern. Es handelt sich um den Nachlass des am 14. März 1888 in Rotterdam geborenen Komponisten, Chorleiter, Organisten und Lehrer für Klavier und Orgel am Konservatorium in Dortmund Gerard Bunk. Er starb am 13. September 1958.

Eine entscheidende Rolle spielt der Enkel von Bunk: Der Musikwissenschaftler und Pressesprecher des Dortmunder Konzerthauses Dr. Jan Boecker. Ihm ist es vor allem zu verdanken, dass Partituren, interessante Briefwechsel zum Beispiel mit dem bekannten Arzt, Pazifisten, Organisten und Philosophen Albert Schweitzer (1875 -1965) oder Max Reger. Hinzu kommen Programme , Tonträger, Fotos, Porträts und Kompositionen. Zudem könnten auch kleinere Bestände aus dem Nachlass aus dem Westfälischen Musik-Hagen mit integriert werden.

„Wir sind froh, ein Stück Stadtgeschichte für unsere Bevölkerung und die Nachwelt zur Verfügung stellen zu können. Bunk war eine Institution und Persönlichkeit der Stadt. Einen wichtigen Anstoß dazu hat Jörg Stüdemann gegeben., der auch den ganzen Prozess begleitet hat“, erläuterte Prof. Thomas Schilp für das Stadtarchiv Dortmund.

Zu Gerard Bunk: 1910 sprang er beim ersten Konzert des Dortmunder Reger-Fests 1910 ein. Max Reger war so begeistert von seinem Orgelspiel in der St. Reinoldikirche, dass er ihn als Lehrer für das ehemalige Hüttner-Konservatorium empfahl. Er prägte in in über 40 Jahren entscheidend das Musikleben in unserer Stadt. Auch darüber hinaus wurde er mit 3500 Konzerten im ganzen Land sowie im Ausland bekannt. 1920 wurde er Organist an St. Petri und 1925 dann auch an St. Reinoldi. Dort stand ihm auch die berühmte Orgel aus der Werkstatt von E:F. Walcker & Cie. zur Verfügung. Diese Orgel ist mit 105 Registern groß disponiert. Mit ihr erwarb sich Bunk seinen besonderen Ruf als einer der führenden Organisten in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts.

„Bunk war eine herausragende Persönlichkeit unserer Stadt. Von besonderer Bedeutung war dabei sicher auch seine gute Zusammenarbeit mit Max Reger“, so Stüdemann.

Boecker zeigte sich glücklich, den Nachlass seines Großvaters in so guten Händen zu wissen. Über seinen Großvater, den er nicht mehr selbst erlebt hatte, erfuhr Boecker durch seine Großmutter, dass Gerard Bunk eine charismatische, freundliche und liberale Frohnatur war, der keine Berührungsängste mit anderen Menschen und Religionen hatte. „Er liebte den Orgelklang und war ein Freund der symphonischen Orgel“, verriet Boecker.

Der Historische Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark veranstaltet am 14. Mai 2014 um 10.00 Uhr in der St. Reinoldikirche innerhalb seiner Mittwochsgespräche einen Abend über Gerard Bunk anlässlich des Abschlusses der Gesamtausgabe des Orgel-Werks. Der Eintritt ist frei.

Sein Enkel Dr. Jan Boecker hält dabei Vortrag über „Gerard Bunk. Musik und Dortmunder Stadtgeschichte“. Reinoldikantor Klaus Eldert Müller wird den Abend musikalisch an der Orgel mit Werken Bunks gestalten.




Sehnsuchtsvolle Romantik

Gastdirigent Marco Comin sprach mit Ars tremonia über das Programm des 9. Philharmonischen Konzertes.
Gastdirigent Marco Comin sprach mit Ars tremonia über das Programm des 9. Philharmonischen Konzertes.

Das 9. Philharmonische Konzert am 06. und 07. Mai im Konzerthaus (jeweils 20 Uhr) steht unter den Begriffen Sehnsucht und unerfülltes Verlangen. Werke von Beethoven, Bruch und Mendelssohn-Bartholdy. (Foto: © Theater Dortmund)

 

Den Beginn macht Liederkreis „An die ferne Geliebte“ von Alois Jeitteles für Singstimme und Klavier op. 98 von Ludwig van Beethoven. Singen wird Gerardo Garciacano vom Ensemble der Dortmunder Oper und das Klavier spielt Michael Gees Danach folgt Bruchs wohl bekanntestes Werk: Sein Violinkonzert Nr.1, der Solist ist Guy Braunstein. Zum Schluss erklingt die 3. Sinfonie von Mendelssohn-Bartholdy, die sogenannte „Schottische“. Die Werke von Bruch und Mendelssohn-Bartholdy wird der italienische Dirigent Marco Comin leiten, der momentan Chefdirigent des Münchner Gärtnerplatztheaters ist. Ars tremonia sprach mit Comin.

 

Ars tremonia: Sie sind in Venedig geboren, der Stadt vieler berühmter Komponisten. Hat Sie das musikalisch beeinflusst?

 

Comin: Indirekterweise. Ich finde es ganz lustig, wenn die Leute denken, weil ich aus Venedig komme, habe ich einen besonderen Zugang zur Barockmusik. Was auch stimmt. Aber ich weiß nicht, ob es an der venezianischen Tradition liegt. Ich glaube vielmehr, dass mich die Stadt mit ihrer Ästhetik und mit ihrem Aussehen sicherlich geprägt hat.

 

Ars tremonia: Wie sind Sie zum Dirigieren gekommen.

 

Comin: Ich habe zwar Klavier und Komposition in Venedig studiert, aber später kam die Entscheidung, Dirigent zu werden. Es war für mich unerträglich, allein zu musizieren. Das war so trist. Deshalb habe ich als Pianist lieber Kammermusik gespielt als Klavierabende zu geben. Irgendwann habe ich den Chor an der Uni dirigiert als Aushilfe und dann kam die Idee, wenn ich nicht im Orchester spielen kann, dann wenigstens leiten.

 

Ars tremonia: Sie sind das erste Mal in Dortmund. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Orchester?

 

Comin: Heute war die erste Probe mit dem Orchester und ich muss sagen, es macht Spaß. Man muss sich natürlich erst einmal kennenlernen, das kann man nicht in 2 ½ Stunden machen. Ich kann aber herausfinden, ob es eine gemeinsame Sprache gibt, und in welche Richtung ich gehen soll, damit man sich besser versteht. Ich versuche, die Stärken und Schwächen eines Orchesters herauszufinden und das Orchester soll die Stärken und Schwächen des Dirigenten kennenlernen. Ich bin sehr optimistisch, so wie die Proben gelaufen sind. Es macht wirklich Spaß.

 

Ars tremonia: Das Programm steht unter dem Begriff „ferne_geliebte“. Werden es denn so sehnsuchtsvolle Abende?

 

Comin: Ich denke schon. Nehmen wir zum Beispiel die „Schottische“. Mendelssohn hat sich immer geweigert, Programmmusik zu schreiben. Er hat fest an absolute Musik geglaubt und selbst ein Stück wie die „Schottische“ bleibt immer noch eine Sinfonie, die natürlich wegen des Titels mit einer bestimmten Situation zu tun hat, die Mendelssohn inspiriert hat, dieses Stück zu schreiben. Aber es ist schon sehr berührend, wenn man den Brief an seine Schwester liest, in dem steht: ‚Wir sind jetzt gerade in Schottland und besuchen das alte Schloss, wo Queen Mary gelebt und geliebt hat und wo sie auch ermordet wurde‘. Diese Sehnsucht spürt man schon in der Einleitung.

 

Ars tremonia: Aber in der „Schottischen“ ist nicht folkloristisches.

 

Comin: Es ist natürlich nicht nationale Musik, wie beispielsweise Tschaikowsky. Die Atmosphäre und der Ursprung der Komposition ist zu spüren, mehr nicht. Sogar im letzten Satz hat Mendessohn die kleinsten Spuren von Programm weggestrichen. Der letzte Satz hieß ursprünglich „allegro guerriero“ also kriegerisches Allegro. Er hatte Angst gehabt, es könnte zu programmatisch klingen. Jetzt heißt es „allegro vivacissimo“.

 

Ars tremonia: Max Bruch gilt ja als konservativer Komponist. Zudem wurde er auf seine erstes Violinkonzert, das ein großer Erfolg war, reduziert.

 

Comin: Wenn der Ausgangspunkt Wagner und Liszt war, glaube ich nicht, dass Bruch konservativer war als Brahms. Bruch war sehr mit der Tradition verbunden, was die Kompositionstechnik oder was die Harmonik angeht. Das Violinkonzert Nr.1 ist eine sehr gute Mischung zwischen Rhapsodie und Form. Es gibt natürlich eine Form, wie sie bei Bruch ziemlich typisch ist. Der erste Satz zum Beispiel heißt „Vorspiel“. Als ob der zweite Satz, das „Adagio“ der Hauptpunkt ist. Es hat schon diesen rhapsodischen Charakter durch die Kadenz am Anfang mit der Sologeige. Die Form ist nicht eine Sonatenform. Der erste Satz geht nahtlos in den zweiten Satz über, es ist eine wunderbare Cantilene, ein Lied wenn man will. Der dritte Satz ist eine Art Tanz, bei dem der Solist seine Virtuosität zeigen kann. Es ist schon eine sehr interessante Form.

Und obwohl Bruch konservativ war, ist das Violinkonzert nicht die typische Form – strukturell meine ich – eines klassischen Solokonzertes.

 

Ars tremonia: Worauf achten Sie beim Dirigieren besonders?

 

Comin: Es ist wichtig, dass man die Sprache und vor allem die Aussprache eines Stückes oder eines Komponisten versteht und dass man dementsprechend phrasiert. Das Phrasieren ist unheimlich wichtig, denn mit Phrasen gestaltet man. Oft vergleicht man das Spielen eines Orchesters mit dem Singen. Was auch richtig ist. Ich glaube aber, genauso wichtig ist das Sprechen oder die Rhetorik. Wenn man Musik macht, darf man das nicht vergessen. Wenn wir eine Geschichte erzählen oder vorlesen, geben wir unser Bestes, damit die Leute interessiert sind oder die Spannung bleibt. Dabei ist die Aussprache sehr wichtig. So wie die Aussprache von Italienisch und Deutsch sich unterschiedet, ist die Aussprache von Verdi oder Wagner ebenfalls unterschiedlich.




Ein Abend mit patriotischer Musik

Drei Werke der Musik, die für eine Nation mehr sind als bloße Musikstücke, präsentierten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz beim 8. Philharmonischen Konzert am 08. und 09. April im Konzerthaus. Sibelius, Haydn und Prokofjew waren zu hören und Ars tremonia war am Mittwoch dabei.

 

Den Beginn machte die Tondichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius. Er schrieb das Werk 1899. Zu der Zeit war Finnland noch unter russischer Herrschaft und es machte sich eine Russifizierungswelle breit. Es beschreibt zunächst musikalisch die Unterdrückung der Finnen, dann erklingen hoffnungsvolle Blechbläser, dazwischen gibt es auch sanfte melodische Klänge, die einem Finnlands Seen und Wälder vor Augen führen können. Zum Ende hin erklingen hymnischen Fanfarenklängen. Ein wuchtiges Werk, dass ebenso wuchtig von den Dortmunder Philharmonikern dargebracht wurde.

 

Der zweite Teil war weniger wuchtig, denn dann stand Haydns Streichquartett C-Dur op.76 Nr. 3 auf dem Programm. Bekannt als „Kaiserquartett“ lieferte sie nicht nur die Melodie für die alte österreichische Hymne „Gott erhalte Franz, den Kaiser“, sondern bekanntlich auch für die aktuelle deutsche Nationalhymne. Und wie es sich für ein Quartett gehört, spielten auch nur vier Musiker: Shinkyun Kim (Violine), Maike Schmersahl (Violine), Roman Nowicki (Viola) und Franziska Batzdorf (Cello). Schwungvoll und einfühlsam präsentierten die Musiker das berühmt gewordene Werk.

 

Nach der Pause kam der russische Teil. Sergej Prokofjews „Alexander Newski“ Kantate op. 78 aus dem Jahre 1938. Die Planer konnten es natürlich nicht ahnen, dass die Konzerte in eine Zeit fallen, in denen Russland, die USA und Europa in der Ukraine-Krise stecken. So klingen die Textzeilen „Erhebt euch ihr Russen, zu einer glorreichen Schlacht“ oder „wer Russland angreift, ist des Todes“ für den einen oder anderen etwas befremdlich.

Inhaltlich handelt die Kantate von Alexander Newski, einem russischen Fürsten, der 1240 erst gegen die Schweden und 1242 gegen den Deutschen Orden erfolgreich war. Zuvor komponierte Prokofjew die Filmmusik zu Sergej Eisensteins „Alexander Newski“. Seine Kantate ist aber noch patriotischer und pathetischer als die Filmmusik.

Gabriel Feltz ließ jedes der sieben Teile langsam, fast wie in Zeitlupe, verklingen. Der Opernchor des Theaters Dortmund sang den russischen Text mit Bravour und die tschechische Mezzosopranistin Jana Sýkorová sang herzzerreißend von einem russischen Mädchen, die auf dem Schlachtfeld ihren Bräutigam sucht.

 

Ein schöner Abend mit den Philharmonikern, dem Chor und der Solistin. Die beeindruckende Musik machte aber auch deutlich, wie schnell man mit viel Pathos, Menschen in eine bestimmte Richtung lenken kann. Welche Folgen das haben kann, sieht man zur Zeit gut im Ballett „Krieg und Frieden“ von Xin Peng Wang zur Musik von Dimitri Schostakowitsch.