Doppelter Brahms als perfekter Spielzeitabschluss

Mit dem Klavierkonzert Nr.1 und der 2. Sinfonie von Johannes Brahms beendeten die Dortmunder Philharmoniker ihre Philharmonischen Konzerte für diese Spielzeit. Dirigent war Muhai Tang, der Solist am Klavier hieß Lars Vogt.

 

Von Beginn an führte Tang die Musiker gestenreich durch das Klavierkonzert. Der erste Satz: Voller Gegensätze, mal wild, mal ruhig, verlangt ein hohes Gespür vom Pianisten. Hingegen ist der zweite Satz ruhig, feierlich, fast geistlich. Energisch, kraftvoll, zupackend: Der dritte Satz des Klavierkonzertes Nr.1, das Rondo. Lars Vogt spielte insgesamt ein überzeugendes Konzert. Er verabschiedete sich mit einem „Nocturne“ von Chopin.

 

Nach der Pause stand die 2. Sinfonie (op.73) auf dem Programm. Blechbläser und Pauken standen im Mittelpunkt. Ganz im Gegensatz zum Bild von einem ersten Brahms, ist diese Sinfonie, ähnlich wie das Klavierkonzert, eine überwiegend fröhliche Musik. Vielleicht macht dies auch ihre Beliebtheit aus. Dass Brahms auch sehr ernste Seiten hat, hörte man im zweiten Satz, der fast einem Todesseufzer glich. Hingegen zeigte der dritte Satz tänzerische Variationen. Mit Pauken und Trompeten bzw Blechbläser ging der vierte Satz zu Ende. Die Dortmunder Philharmoniker unter Tang vermochten die verschiedenen Stimmungen der Sinfonie gut herauszuarbeiten.




Breites Musikspektrum beim Juicy Beats Festival

Ausgelassene partystimmung erhoffen sich die macher der Juicy Beats 2014. (Foto: © H & H Photography)
Ausgelassene partystimmung erhoffen sich die macher der Juicy Beats 2014. (Foto: © H & H Photographics)

Die Vorbereitungen für das 19. Juicy Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark am 26. Juli 2014 sind im vollen Gange. Ab 12:00 Uhr Mittag bis zum nächsten Morgen um 4:00 Uhr werden mehr als 100 Live-Bands und DJs auf 20 Floors für gute Stimmung Das spannende Programm bei diesem größten Festival für Elektronic- und Independent-Music umfasst elektronische Tanzmusik und Indierock über Hip-Hop, Reggae, Funk & Soul bis Singer/Songwriter-Pop und Poetry Slam. Vertreten sind sowohl nationale wie auch international bekannte Acts in der Region.

Pressesprecher Martin Juhls freut sich: „Nach dem Erfolg des Festivals im letzten Jahr ist das Interesse und der Run auf Tickets für das neue „Juicy Beats“- Fest schon jetzt enorm.“

Ein ganz besonderes Highlight und Topact erwartet die Besucher , wenn auf der Hauptbühne Boys Noize für Electronic Beats auf höchstem Niveau sorgen. Veranstaltungsvertreter Carsten Helmich verriet: Neben den seitlichen Screens wird erstmals auch ein zusätzlicher LED-Screen auf der Rückseite der Bühne.“

Francis Gay vom Funkhaus Europa ist froh, auf einer eigenen Bühne Acts mit Priorität auf einen „Global Sound“ wie etwa Ebo Taylor aus Afrika mit einem zeitlosen Musik beim Global Dance Floor vorstellen zu können.

Die Relentless Energie Stage bietet dem Publikum mit dem Berliner DJ Alle Farben als vorletztes Act einen Mix aus Electro, House, Klassik, Swing und Folk.

Auf der Hauptbühne dürfen sich die Besucher unter anderem auf „Eotronic“ und auf den Hip-Hop der „Orsons“ freuen.

Mit einem ihrer seltenen Auftritt in Deutschland wird die Folkrock-Band Calexico wohl für einen stimmungsvollen Abschluss am Sonntag-Morgen beitragen.

Neben dem musikalischen Programm gibt es auch noch andere interessante Programmpunkte. Dank dem Kulturbüro Dortmund wird auf der „Sound and Poetry Bühne“ am Seerosenteich gesprochene Slam-Poetry beispielsweise vom bekannten Slam-Poeten und Kabarettisten Torsten Sträter zu hören sein.

Die Summersounds DJ Picknicks bieten bieten zusammen mit der Plattform „Bring your own Beats“ein Forum für Hip Hop Newcomer. Auf der Festwiese präsentiert der Radiosender 1Live in der Nacht eine große Silent-Disco mit über 1000 Kopfhörern. Ein Zirkuszelt verwandelt sich in eine Schwarzlicht-Arena mit spektakulärem Live- und DJ-Programm.

Auf der Seebühne wird das Open Air Kino zur Chill Out- und Movie Area mit der Möglichkeit einer Musikvideo-Auswahl.

In diesem Jahr gibt es auch wieder eine vom Eingang Ruhrallee ausgehende Kreativ-Meile mit Produkten und Projekten von Kreativen aus Dortmund. Außerdem wird das ehemalige „Café Auszeit“ als umgebautes „Café Durchblick“ mit heißen Beats eröffnet.

Das beliebte zum mobile, zum DJ-Pult ausgebaute Tuk Tuk ist auch in diesem Jahr unterwegs.

Für das leibliche Wohl und zum Löschen des Durstes ist an verschiedenen Ständen gesorgt

Übrigens: Wer möchte, kann sich schon am Freitag, den 25. Juli 2014 ab 22:00 Uhr im „Tanzcafé Oma Doris“ in der Reinoldistrasse. 2 bei der Juicy Beats „Preparty“ auf das große Ereignis einstimmen.

Tickets: Vorverkauf: 31 € (zuzüglich Gebühr), Tageskasse 39 €. Nachtpartykasse (ab 22 Uhr), nur Abendkasse): 16 €.

Im Kartenpreis ist die An- und Abreise mit Bus und Bahn innerhalb des VRR-Gebiets enthalten.

Teen-Ticket (12 bis 14 Jahre) VVK 16,00 € zuzüglich Gebühr, Festival-Tageskasse 19,00 €

Kiddy-Ticket (6 bis 11 Jahre) 3,00 € (nur an der Tageskasse)

Kinder unter sechs Jahren: Eintritt frei




Gesang und Komik beim 18. A-cappella-Festival im Westfalenpark

es freuen sich auf das 18. Sparkassen-A capella-Festival zu Pfingsten im Westfalenpark: (v.l.n.r.) Sabine Müller (stellvetretende Leiterin Westfalenpark), Claudia Schwabe-Scharmann (Westfalenpark), Martina Altstädt (Unternehmenskommunikation Sparkasse), Jeanette Bludau (Leiterin Unternehmenskommunikation der Sparkasse Dortmund).
es freuen sich auf das 18. Sparkassen-A cappella-Festival zu Pfingsten im Westfalenpark: (v.l.n.r.) Sabine Müller (stellvetretende Leiterin Westfalenpark), Claudia Schwabe-Scharmann (Westfalenpark), Martina Altstädt (Unternehmenskommunikation Sparkasse), Jeanette Bludau (Leiterin Unternehmenskommunikation der Sparkasse Dortmund).

Nach einem Jahr Pause ist es wieder soweit: Das 18. Sparkassen A-cappella-Festival öffnet Pfingstsonntag und -montag seine Pforten im Westfalenpark. Sechs Bands versuchen die Besucher von ihrem gesanglichen Können zu überzeugen.

 

„Wichtig für die Zusammenstellung der Gruppen war die unterschiedliche Bandbreite“, so Sabine Müller, stellvertretende Leiterin des Westfalenparks. So sind reine Männergruppen und reine Frauengruppen zu sehen. Gruppen die eigene Lieder singen, andere geben Coverversionen zum besten, es ist alles vertreten. Das Festival ist eingebunden in das Klangvokal Musikfestival Dortmund.

 

Zum Programm:

 

Pfingstsonntag

13:00 bis 14:30 Uhr Delta Q

14:45 bis 16:15 Uhr Onair

16:30 bis 18:00 Uhr Füenf

 

Pfingstmontag

13:00 bis 14:30 Uhr Anders

14:45 bis 16:15 Uhr The Glue

16:30 bis 18:00 Uhr Medlz

 

Einige Gruppen sind zum ersten mal beim A-cappella-Festival dabei, andere waren schön häufiger hier. So gibt es ein Wiedersehen mit Füenf und den Medlz.

 

Zu den Eintrittspreisen: Es gilt an beiden Tagen jeweils ein erhöhter Parkeintritt von 5 €.

Kleingruppe I: ein Erwachsene und maximal vier minderjährige Kinder: 10 €

Kleingruppe II: zwei Erwachsene und maximal vier minderjährige Kinder: 15 €

 

Kinder unter sechs Jahren und Jahreskarteninhaber/innen haben freien Eintritt.




Mit Schwung verabschiedet

 

Ein ganz besonderes Highlight beim small beast war Joseph Keckler.
Ein ganz besonderes Highlight beim small beast war Joseph Keckler.

An einem ungewöhnlichen Ort (Studio) und zu einer ungewöhnlichen Zeit (20 Uhr) verabschiedete sich das „small beast“ am 31. Mai 2014 für diese Spielzeit. Gastgeber Paul Wallfisch hatte mit Joseph Keckler einen ganz besonderen Gast mitgebracht und es gab ein Wiedersehen mit „Les Colettes“.

 

Zunächst startete traditionell Gastgeber Paul Wallfisch mit seinem Set. Nach zwei Liedern seines Freundes Robbie Leaver, der vom Broadway bis nach Manhattan auf Knien kriecht. Eine eigenwillige Aktion, die auf Leavers Seite www.icrawlhome.com zu verfolgen ist. Ansonsten spielte Paul ein routiniertes Set mit Songs unter anderem von Lou Reed oder Bob Dylan, leider nicht „Let the mystery be“ von Iris DeMent“ oder etwas von den „Kinks“. Vielleicht in der nächsten Spielzeit wieder.

 

Danach kam der Performer Joseph Keckler aus New York. Seines Zeichens Geschichtenerzähler und Sänger. Ein Wanderer zwischen den Welten der Oper und der „ernsthaften“ Lieder von Schubert oder Schumann und Pop, Soul und Blues. Es ist ein Glück, dass Keckler zuerst Bluessänger werden wollte und dann erst klassischen Gesangsunterricht nahm, so klingt seine Bariton-Stimme in beiden Stilrichtung perfekt. Da Keckler ebenfalls ein Multimediakünstler ist, zeigte er dem begeisterten Publikum ein paar Videos. Von italienischer Oper über klassisches deutsches Liedgut bis hin zu „I put a spell on you“ von Sreaming Jay Hawkins reichte sein Repertoire an diesem Abend. Eine ganz besondere Entdeckung von Paul.

 

Nach der Pause traten dann „Les Colettes“ auf. Seit ihrem ersten Auftritt beim „small beast“ 2012 sind sie vom Quartett zu einem Trio geschrumpft, doch Diane Sorel (Gesang, Percussion), Delphine Ciampi (Gitarre, Bass, Gesang) und Anne Gouverneur (Violine, Bass, Gesang) hatten ihre Leidenschaft für sphärische Musik nicht verloren. Mehrstimmiger Gesang, träumerische Violine, Songs, die ab und an von der Gitarre am Ende zerschreddert werden, so klingt der Sound der Colettes. Wie ein ruhiger Spaziergang im Wald, der hin und wieder von Motorensägen gestört wird.

Nach mehreren Zugaben verwandelten sich die Colettes in die „Andrew Sisters“ und mit Hilfe von Paul erklang „Bei mir bist du schön“.

Eine kleine Galerie:

 

 




Alles muss einen Sinn haben

Am 03. und 04. Juni 2014 findet das 10. Philharmonische Konzert statt. Zweimal Brahms steht auf dem Programm. Neben seinem Klavierkonzert Nr.1 ist auch seine Sinfonie Nr.2 in D-Dur im Konzerthaus Dortmund zu hören. Der Solist beim Klavierkonzert ist Lars Vogt, dirigieren wird Muhai Tang. Tang ist seit 2006 Dirigent und Musikdirektor des Zürcher Kammerorchesters, hat aber bereits in Australien, Asien und den USA Orchester geleitet. Eine besondere Ehrung erhielt er 2002: Er wurde für seine Einspielung von Christopher Rouses Concert de Gaudí for Guitar and Orchestra mit den „Grammy Award for Best Classical Contemporary Composition“ ausgezeichnet. Ars tremonia sprach mit Muhai Tang.

 

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

 

Das kommt aus der Kindheit. Ich bin in Shanghai geboren. Mein Vater [Tang Xiaodan, d. Red.] war einer der bekanntesten Filmregisseure in China. Er liebte als Regisseur natürlich jede Musik, und als ich ganz klein war, habe ich sehr viel Musik von Schallplatte gehört wie die Klavierkonzerte von Chopin,sein Lieblingsstücke, oder Tschaikowskis Schwanensee. Daneben habe ich auch Theater, Malerei und alles was möglich war, kennengelernt. Aber ich habe festgestellt: Ich liebe Musik. Das ist das einzige, das ich meinem Leben widme.

Meine Mutter hatte ein Klavier für mich gekauft, darauf habe ich gelernt und habe auch sehr früh angefangen zu komponieren. Als ich ganz jung war, habe ich bereits in einem professionellen Tanz- und Musiktheater gearbeitet. Während der Kulturrevolution, eine furchtbare Zeit, habe ich durch Glück am Shanghai-Konservatorium begonnen, Komposition und Dirigieren zu studieren. Später habe ich ein Stipendium in Deutschland bekommen und in München an der Hochschule für Musik die Meisterklasse absolviert.

 

Wie sind Sie zum Dirigieren gekommen?

 

Der Grund war die Kulturrevolution. Für viele Leute eine furchtbare Zeit, aber ich habe Glück gehabt. Ich habe zunächst angefangen mit dem Studium der Komposition. Aber ich wurde gefragt, ob ich dirigieren lernen kann, weil ein Orchester wartet auf einen Dirigenten, nur es gab keinen. Denn viele hatten während der Kulturrevolution keine Erlaubnis zum Dirigieren. Dann habe ich gedacht, ich kann dirigieren und Instrumentierung lernen über praktische Arbeit. Daher habe ich zugesagt. Ich habe gelernt und gleich mit der Orchesterprobe angefangen.

 

Was ist Ihnen beim Dirigieren wichtig?

 

Dirigieren hängt mit dem Komponieren ganz eng zusammen. Weil jede Note, die man macht, hat einen Sinn. Ob man Konzert, Sinfonie oder Oper macht: Alles muss zuerst einen Sinn haben. Natürlich muss man erst das Technische beherrschen, also alle Noten im richtigen Tempo und Ausdruck spielen können.

 

Sie haben auf vielen Kontinenten gearbeitet. Was gibt es für Unterschiede?

 

Es gibt riesiger Unterschiede, nicht nur beim Klima, Sprache oder so, sondern allein die Kultur. Die Mentalität ist ganz verschieden. Selbst innerhalb Europa gibt es Unterschiede. Man muss in einem neuen Land, einer neuen Kultur seine Position finden. Eigentlich sollte man gar nicht reden, man dirigiert einfach. Das wäre das beste eigentlich. Aber wenn man die Sprache beherrscht, dann ist man den Kollegen näher.

Die Begeisterung bei den Musikfans ist überall gleich. Man merkt während des Konzertes jeden Moment, zum Beispiel die Japaner, wenn die Publikum sind, man hat sogar ein bisschen Angst. Die sind so still, da ist eine so große Konzentration beim Hören. Es gibt natürlich lockeres und ziemlich lautes Publikum wie in China zum Beispiel. Dann ärgert man sich. Manches Publikum geht nach dem Konzert sofort weg, aber manche bleiben sehr lange und bedanken sich mit großem Applaus und wollen sogar eine Unterschrift haben, manche kommen sogar mit der Partitur.

 

Kommen wir zum 10. Philharmonischen Konzert. Zu Beginn steht ja das 1. Klavierkonzert von Brahms. Was ist das für ein Werk in ihren Augen?

 

Eigentlich ist für mich Brahms Violin- oder Klavierkonzert ein sinfonisches Stück. Er nutzt zwar ein Soloinstrument, aber es „gehört“ dem ganzen Orchester. Der musikalische Gedanke wird durch den Solisten und dem Orchester gemeinsam gebildet. Ich dirigiere es auch als Sinfonie. Es hat natürlich wie die traditionellen Solo-Konzerte drei Sätze und nicht wie die Sinfonie vier Sätze. Ich glaube, das Publikum soll merken, dass es ein sinfonisches Werk ist, dass man musikalische Gedanken nicht nur durch den sogenannten „Virtuoso“ wie bei Liszt oder Rachmaninow erkennen kann. Das Technische ist bei Brahms schon schwer.

 

Das zweite Werk, die 2. Sinfonie von Brahms?

 

Das Stück habe ich gehört als ich jung war und die Boston Sinfoniker mit Seiji Ozawa in China aufgetreten sind. Da habe ich mich in dieses Stück verliebt. Es ist in D-Dur, was für mich die schönste Tonart ist. Ich habe auch Violine gespielt, D-Dur für einen Violinisten ist eigentlich die schönste Tonart. Die Sinfonie ist so lyrisch, man erlebt sie wie ein Traum. Erst kommt der lyrische Anfang und danach ein ganz ernsthafter zweiter Satz („Adagio“). Für mich wirkt es, wenn das Adagio zu Ende ist, als wenn jemand stirbt. Und dann kommt plötzlich der dritte Satz, ganz leichte Folklore, mit einem Scherzo, dass man wie bei Mahler an Kinderlieder denkt. Im vierten Satz gibt es einen brillanten Effekt des Orchesters. Kurz vor der Reprise ist es so, als ob sich der Himmel öffnet und Gott spricht. Das ist alles meine eigene Interpretation. Ich lese nicht sehr viel Literatur. Ich versuche direkt über die Musik, von den Noten zu sehen, was im Stück steht, was Brahms wollte.

 

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Dortmunder Philharmonikern?

 

Die Musiker sind sehr ernsthaft und sehr aktiv. Sie haben, wie ich gesehen habe, sehr viel zu arbeiten . Aber bei der Probe sind sie jede Minute so konzentriert und versuchen, das Beste zu geben.




Wiener Klassik mit Schwung und Elan

 

Das 3. Wiener Klassik Konzert am 19. Mai im Konzerthaus Dortmund führte wieder die Großmeister der Wiener Klassik Mozart und Haydn zusammen. Den Beginn machte Haydns Sinfonie Nr. 82, danach folgte Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester und nach der Pause erklang Haydns letzte Sinfonie Nr.104.

 

Es war das letzte Wiener Klassik Konzert in dieser Spielzeit und Dirigent Motonori Kobayashi gelang es, das Konzert sehr schwungvoll in Szene zu setzen. Dafür war Haydns Sinfonie Nr. 82 sehr gut geeignet, angefangen von der brausenden Eröffnungsfanfare im ersten Satz bis hin zum vierten Satz, dessen Klänge an einen Dudelsack erinnern.

 

Ein Instrument, das sehr selten im Vordergrund steht, ist die Harfe. Meist steht es im Hintergrund, um beispielsweise Wellenbewegungen zu untermalen. Dennoch ist es bereits das zweite Mal in dieser Spielzeit, dass dieses Instrument in den Mittelpunkt gerückt wird. Schon beim 4. Philharmonischen Konzert wurde das Konzert für Harfe und Orchester in C-Dur von Reinhold Glière (1874-1956) aufgeführt. Doch zurück zur Wiener Klassik: Mozart hat dem Instrument aber ein Konzert gewidmet und ihm noch die Flöte zur Seite gestellt.

An der Harfe saß Remy van Kersteren und die Flöte spielte Hanna Mangold. Hier fällt einem sofort das „Problem“ der Harfe auf: Sie geht im Orchesterklang sehr leicht unter. In den Solopassagen zeigte van Kesteren aber, was mit der Harfe möglich ist, wenn man ihr den nötigen Platz einräumt. Hanna Mangold spielte mit Bravour den Solo-Flötenpart.

 

Nach der Pause stand Haydns letzte Sinfonie, die Nr. 104 „Salomon“ auf dem Programm. Die Sinfonie, die zu den „Londoner Sinfonien“ gezählt werden, ist es typisches Spätwerk. Pauken, Trompeten und Rhythmen bestimmen ihren Charakter. Es macht einfach Spaß ihr zuzuhören und dem Dirigenten Kobayashi geht es ähnlich. Er hüpft, bewegt sich hin und her , als ob er versucht, seine Energie auf das Orchester zu übertragen. Die Dortmunder Philharmoniker, die in Kammerbesetzung gespielt haben, nahmen das Angebot gerne an.

 




Friedenskonzert für die Ukraine

Die politische Situation in der Ukraine ist mehr als verworren. Ost gegen West, Separatisten erst auf der Krim, dann auch in der Ost-Ukraine. Die Menschen in der Ukraine sind zum Spielball fremder Interessen geworden. Wer blickt da noch durch? Eines ist sicher, der Konflikt darf nicht zum großflächigen Brand werden. Daher veranstaltet das Internationale Konservatorium am Phoenix See ein Friedenskonzert am 21. Mai 2014 um 19:30 Uhr im Opernfoyer des Opernhauses.

Das Friedenskonzert wird mit Werken russischer und ukrainischer Komponisten bestritten. Im Mittelpunkt des Konzertes steht das Klaviertrio Nr.2 von Dimitry Schostakowitsch, aber auch Werke von Evegeni Orkin oder Myroslaw Skoryk stehen auf dem Programm.

Zu den Ausführenden gehört Alexander Ostrovski an der Violine. Er ist auf der Krim geboren und ist künstlerischer Leiter des Internationalen Konservatoriums. Darüber hinaus stehen David Grigorian (Cello), Tamilla Guliyeva (Klavier), Evgeni Orkin (Klarientte) und Elena Hajfiz (Sopran) auf der Bühne.

Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, ist Schirmherrin der Veranstaltung, Bürgermeisterin Birgit Jörder wird das Grußwort sprechen.

Die Karten kosten 21 €, ermäßigt 11 €.

Wer das Konzert in Dortmund verpasst, kann auch am 26. Mai 2014 nach Münster (Hörsaal H1 der Westfälischen Wilhelms-Universität) oder am 06. Juni in den Blauen Saal im Rathaus nach Soest.




Beeindruckender Abschluss der Zeitinsel Dvořák

Am vierten Tag der „Zeitinsel Dvořák“ stand mit dem Konzert für Violoncello und Orchester h-moll op. 104 ein weiterer musikalischer Höhepunkt ins Konzerthaus. Hier wurde einmal mehr deutlich, welch Einfallsreichtum Dvořák besaß.Mit Daniel Müller-Schott war ein Solist zu Gast, der Dvořáks Melodienreichtum auf seinem Cello zum Hörgenuss werden ließ.

 

Wie beim Klavierkonzert am Samstag, ist das Violinkonzert für den Solisten fordernd, aber diese Anforderungen sind nie reiner Selbstzweck. Für Dvořák war das Zusammenspiel zwischen dem Solist und dem Orchester wichtiger als irgendwelche Fingerübungen.

Der erste Satz, das „Allegro“ ist um zwei Hauptthemen aufgebaut. Wobei vor allem das lyrische zweite Thema mit dem Horn-Solo im Gedächtnis bleibt.

 

Im zweiten Satz verarbeitet der tschechische Komponist sein Lied „Lass mich allein in meinen Träumen gehen“, eine Reminiszenz an seine Schwägerin Josefa Kaunitzová.

 

Der dritte Satz, das „Finale“ fasst in schwungvoller Art und Weise die Themen des ersten und zweiten Satzes zusammen.

 

Zusammenfassend kann man durchaus sagen: Mit dem Budapest Festival Orchestra unter der Leitung von Iván Fischer konnten die Besucher eine eindrucksvolle Zeitinsel erleben. Dvořák wurde in den vier Tagen in vielen Facetten präsentiert, mit Musik, die aus der slawischen Folklore entlehnt ist wie bei „Rusalka“, tiefgründig und ernst beim „Requiem“ oder als eine Art Mentor der aufkommenden amerikanischen Musik mit seiner 9. Sinfonie.

Eine gute Wahl traf man auch bei der Auswahl der Solokünstler Stephen Hough und Daniel Müller-Schott wurden vom Publikum des Konzerthauses zu Recht begeistert gefeiert. Ebenso wie der Tschechische Philharmonische Chor Brünn beim „Requiem“.




Romantischer Ausflug in die neue Welt

Nach den beiden Tagen der „Zeitinsel Dvořák“, bei denen Dvořáks Vokalschaffen im Mittelpunkt stand, drehte sich gestern alles um sein Klavierkonzert und die berühmte 9. Sinfonie. War der erste Tag mit der Oper „Rusalka“ sehr slawisch geprägt, sein Requiem einen Tag später eine Melange von verschiedenen musikalischen Stilen mit einer großen Portion gregorianischer Vokalmusik, erlebten die Zuhörer am Samstag, dem 17. Mai im Konzerthaus einen Dvořák, der mit seiner 9. Sinfonie Musik „aus der neuen Welt“ in sein kompositorisches Schaffen integriert. Vor der Pause brillierte Stephen Hough für den erkrankten Garrick Ohlsson als Solokünstler beim Klavierkonzert op. 33.

Dvořáks Klavierkonzert g-moll op.33 aus dem Jahre 1876 ist ein klar durchstrukturiertes romantisches Werk, aber der tschechische Komponist macht etwas besonderes: Er integriert das Klavier in den orchestralen Zusammenhang und verlässt damit die Wege, die durch Liszt oder Chopin en vogue wurden: Den Pianist ist Teil des Orchesters und nicht irgendetwas, was über allem schwebt. Dennoch ist der Klavierpart sehr anspruchsvoll und Stephen Hough zeigt eindrucksvoll sein Können. Hough gab noch eine Zugabe in Form eines kurzen Stückes von (natürlich!) Dvořák.

Nach der Pause stand dann Dvořáks berühmte 9. Sinfonie auf dem Programm. Es ist mit Fug und Recht sein bekanntestes Werk und kombiniert amerikanische und slawische Folklore-Elemente. Das Hauptthema mit ihren Fanfarenstößen im ersten Satz nach der Einleitung weckt Bilder von der großen amerikanischen Weite und hat mit Sicherheit einige Komponisten von Western-Filmen inspiriert. Im zweiten Satz, dem „Largo“ steht eine andere, sehnsuchtsvolle und träumerische Melodie im Mittelpunkt. Der dritte Satz, das „Scherzo“ nimmt wieder die rhythmischen Synkopen aus dem ersten Satz auf, während das „Finale“ alle Themen der Sinfonie in furioser Weise verarbeitet.

War das alles? Nein, zu Beginn des Konzertes erklangen zwei Slawische Tänze (Nr.1 und Nr.2) und direkt nach der Pause „Legendy“ op. 59 Nr.6.

Zur Qualität und zum Können des Budapest Festival Orchestra habe ich mich bereits in den vergangenen Rezensionen zu „Rusalka“ und dem Requiem positiv geäußert. Auch beim dritte Tag der „Zeitinsel Dvořák“ zeigten weder Dirigent Iván Fischer noch das Orchester irgendeine Form der Müdigkeit. Im Gegenteil: Das „Finale“ der 9. Sinfonie brach wie eine Urgewalt über das Publikum herein. Tosender Applaus war der verdiente Lohn für alle Beteiligten.




Starker Chor bei Dvořáks Requiem

Die lateinische Totenmesse hat viele Komponisten inspiriert. Denken wir an das wohl berühmteste Requiem von Mozart, das „Deutsche“ von Brahms oder an das „War Requiem“ von Britten. Auch Antonín Dvořák komponierte 1890 ein Requiem, was am zweiten Tag seiner Zeitinsel am 16. Mai 2014 aufgeführt wurde. Im Gegensatz zu „Rusalka“ einen Tag zuvor waren kaum slawische Klänge zu hören.

 

Das Requiem von Dvořák ist musikalisch sehr spannend, denn der Komponist nimmt einerseits Rückgriffe auf den typischen gregorianischen Gesang, der vor allem im erstenTeil, aber auch im „Offertorium des zweiten Teils hörbar wird. Andererseits sind deutliche spätromantische Einflüsse deutlich erkennbar oder Rückgriffe auf andere Musikstile wie der Wiener Klassik. Es erscheint, als hätte Dvořák aus dem Fundus der Vergangenheit das für ihn wichtigste herausgenommen, um sein Requiem zu schreiben.

 

Durch seine klaren Rückgriffe auf die Gregorianik bekommt das Werk einen ehrwürdigen, fast archaischen Charakter. Besonders im ersten Teil, der die Angst der armen Sünder für dem Tag der Abrechnung beschreibt, bekommt Dvořáks Musik einen beklemmenden Ton. Im zweiten Teil, der mehr von der Bitte um Vergebung geprägt ist, wird die Musik hoffnungsvoller, ja fast froher.

 

Dvořáks Requiem steht und fällt mit einem Chor. Hatte der Tschechische Philharmonische Chor Brünn noch bei „Rusalka“ eine fast unbedeutende Nebenrolle gespielt, übernimmt sie im Requiem die Hauptrolle und drängt die Solisten in den Hintergrund. Nicht das Juliane Banse (Sporan), Jolana Fogašová (Mezzosporan), Peter Berger (Tenor) oder Alejandro Marco-Buhrmester (Bass) in irgendeiner Weise schlecht gesungen hätten, auf keinen Fall, doch gegen die Stimmgewalt des Chores, die in beinahe magischer Weise die Töne in Energie umwandelten, die unter die Haut ging, waren sie zweiter Sieger.

 

Ein Chor braucht auch jemanden, der sie lenkt. Dirigent Iván Fischer meisterte die Aufgabe, sein Orchester, das Budapest Festival Orchestra,  und den Chor zu einer kompletten musikalischen Einheit zu schmieden.

 

Auch wenn mir „Rusalka“ musikalisch noch einen Tick besser gefallen hat, der zweite Abend der „Zeitinsel Dvořák“ enttäuschte auf keinen Fall.