Furiose Heldenmusik

Mit Rolf Liebermann, Carl Maria von Weber und Ludwig van Beethoven präsentierte das 7. Philharmonische Konzert am 17. und 18. März 2015 drei Komponisten mit unterschiedlichen Musik für „Heldenfeiern“. Am Dirigentenpult stand Marcus Bosch und die Solistin war Sharon Kam an der Klarinette.

Begonnen wurde der Abend mit einem Wirbelwind aus Musik. Rolf Liebermanns „Furioso“, 1947 uraufgeführt, trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Gleich zu Beginn drücken die Pauken mit ihrer Rhythmik den Zuhörer in den Sessel, um uns im zweiten Teil in einer sehr ruhigen und fliessenden Passage wieder zum Atem holen kommen zu lassen. Danach ging es wild weiter, als das Orchester mit einer jazzartigen Kontrapunktik die Themen der ersten beiden Teile wiederholt. Zumindest das kurze Stück (unter zehn Minuten) sollte als Appetizer dienen, um den Schweizer Musiker, Opernintendanten und Komponisten wiederzuentdecken.

Einen kleinen Ausflug zu den Anfängen der romantischen Musik bescherte den Zuhörern das Klarinettenkonzert Nr. 1 in f-Moll von Carl Maria von Weber. Auch wenn vor allem im zweiten Satz noch Anklänge an Mozart herauszuhören sind. Das Konzert gehört zu den Lieblingsstücken der Klarinettisten und Sharon Kam hatte auch sichtlich Spaß an dem Konzert.

Nach der Pause stand ein Schwergewicht unter den Klassikern auf dem Programm. Die 3. Sinfonie von Ludwig van Beethoven in Es-Dur, auch Eroica genannt. Bosch führte die Philharmoniker souverän durch die Musik, die Beethoven eigentlich Napoleon widmen wollte, doch als er sich zum Kaiser krönte, war der Komponist „not amused“. Besonders beeindruckend war der langsame zweite Satz, der „Trauermarsch“. Schicksalsschläge und Freude hat Beethoven hier musikalisch eingearbeitet.

[fruitful_dbox] Das schreiben die anderen:

Ruhr-Nachrichten[/fruitful_dbox]




Monumentalwerk im Konzerthaus

Nach „Nosferatu“ in der vergangenen Spielzeit hieß am 11. März 2015 im Konzerthaus „Film ab“ für das zweite Stummfilmkonzert mit Gabriel Feltz und seinen Dortmunder Philharmonikern. Und wieder wurde ein Film gezeigt, der technische Maßstäbe setzte: „Metropolis“ von Fritz Lang aus dem Jahre 1927.

Bei seiner Premiere 1927 ist „Metropolis“ gnadenlos gefloppt. Nur 15.000 Zuschauer soll er damals gehabt haben. Die Kritik war vernichtend und meiner Meinung nach inhaltlich auch gerechtfertigt. Das schwache Drehbuch von Thea von Harbou präsentiert eindimensionale Charaktere, die entweder gut oder böse sind. Kombiniert mit einem für heutige Verhältnisse schwülstigen Pathos. Vielleicht versuchte von Harbou die herrschenden politischen Strömungen in der Weimarer Republik unter einen Hut zu bringen, was aber nicht funktionierte.

Dafür lädt die Ästhetik des Filmes immer noch zum Staunen ein. Die futuristische Großstadt, mit ihren riesigen Verkehrsströmen und vor allem die Roboter-Maria sind futuristische Ikonen geworden. Das Labor von Rottwang, dem Erfinder, ist wahrscheinlich Vorbild von Legionen von Laboren „verrückter Wissenschaftler“ geworden.

Was passt zu einem Technik-feindlichen und christlich-mystisch überhöhtem Film besser als eine spätromantische Musik? Der Sänger, Schauspieler und Dirigent Gottfried Huppertz komponierte die Filmmusik für „Metropolis“. Schon für den Film „Nibelungen“ aus dem Jahre 1924 arbeitete er mit Fritz Lang zusammen.

Huppertz Musik passt wunderbar zum Film. Dunkel und düster in der Unterstadt der Arbeiter, hell und froh in der Oberstadt der Bourgeoisie. Bedrohlich als die Unterstadt überflutet wird, romantisch in den Szenen zwischen Maria und Freder. Natürlich durfte die „Marseillaise“ nicht fehlen, als die Arbeiter, angestachelt vom Maschinen-Menschen, ihr Schicksal in die eigenen Hände nahmen und die verhassten Maschinen zerstörten und ihre Stadt zum Untergang verurteilten.

Trotzdem, ob einem der Film gefällt oder nicht: Es ist immer wieder ein Erlebnis einen Stummfilm mit Live-Musik zu schauen. Das war bei „Nosferatu“ so und das galt auch für „Metropolis“. Ein großes Lob an Gabriel Feltz und die Dortmunder Philharmoniker für zwei Stunden intensives Klangerlebnis.




Unterschiedliche Facetten eines Jazz-Musikers

Mit insgesamt vier Konzerten präsentierte das Dortmunder Konzerthaus ins seiner zweiten Zeitinsel den schwedischen Jazz-Posaunisten Nils Landgren vom 06. bis 08. März 2015. Vier unterschiedliche Klangfarben präsentierten Landgren als wandlungsfähigen Musiker. Anja Cord war auf drei Konzerten, während Michael Lemken sich das Familienkonzert am Sonntagmorgen anhörte.

Die Zeitinsel begann am Freitag sehr „funkig“. Landgren hatte seine Band „Funk Unit“ mit nach Dortmund genommen und präsentierte mit der südafrikanischen Sängerin Lira ein Programm, dass das Publikum im Konzerthaus in die Beine ging.

„Es ist ja kaum Platz zum Tanzen in diesem Lokal“, befand Landgren, der sehr gut Deutsch sprach und seine Entertainerqualitäten einbrachte. Der Musiker hatte deutlich Spaß auf der Bühne und der Funken sprang sofort über.

Der Mittelpunkt der Show war an diesem Abend aber die Sängerin Lira. Ihre Stimme erinnerte etwas an Sade, ihre Lieder sang sie auf Englisch und Zulu. Ihre sanfte und sehnsuchtsvolle Seite brachte sie mit Liedern wie „Stay in my company“ zur Geltung, begleitet von Gitarre und Posaune. Liras Zugabe „Hamba“ bot nochmal die ganze Bandbreite ihrer Stimme.

Nach anderthalb Stunden war es soweit, Nils Landgren forderte das Publikum zum Stehen auf und es nahm die Einladung dankbar an. Der Freitagabend bot auch jeden Anlass zum Mittanzen durch seinen funkigen Jazz-Pop und gefühlvollen Balladen.

Am Samstag trat Landgren dann mit den Bochumer Symphonikern unter der Leitung von Jörg Achim Keller auf. Neben der Posaune übernahm Landgren auch höchstpersönlich den Gesang und konnte mit seiner rauchigen, samtenen Stimme überzeugen. Neben den Symphonikern hatte Landgren noch sein eigenes Quintett mitgebracht. Überwiegend wurden Stücke von Vince Mendoza („Cannonball“, „The Moon and the Stars and You“) sowie Landgrens eigene Werke gespielt. Die Symphoniker und das Nils Landgren Quintett ergänzten sich prima. Das Quintett setzte die Rhythmen und das Tempo, die Symphoniker bildeten eine kraftvolle Verstärkung.

Für einen kurzen, aber furiosen Auftritt betrat die Sängerin Lira nochmals die Bühne. Sie sang einige Lieder von Gloria Gaynor bis Kurt Weill. Als zweite Zugabe gab Nils Landgren einen Vorgeschmack auf den Sonntag und spielte eine Art schwedisches Volkslied, bei dem er während des Spielens seine Posaune demontiert und wieder zusammensetzte.

Am Sonntagmorgen stand zunächst das Familienkonzert an. Beim Stichwort Schweden fällt einem vermutlich auch die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren ein. Ihre Figuren wie Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga oder Karlsson vom Dach. In den Verfilmungen ihrer Bücher gibt es auch viel Musik und wer kennt nicht Pippis „Zwei mal drei macht vier, widewidewit und drei macht neune“ Der Jazzmusiker Georg Riedl hat zwar dieses Lied nicht komponiert, doch viele andere. Riedl, der 1934 in Karlsbad geboren wurde und mit vier Jahren mit seinen Eltern nach Schweden kam, war der Stargast, den Nils Landgren aus Schweden mitbrachte. Der Posaunist wurde begleitet von der Bohuslän Big Band und den Gesang übernahm Sarah Riedl, die Tochter von Georg Riedl.

Viele Kinder waren erschienen und das „Konzert für Kinder von 2 bis 92 Jahren“ (Nils Landgren) konnte losgehen.

Gesungen wurde auf Schwedisch und Deutsch, wobei die deutschen Untertitel über der Bühne eingeblendet wurden. Mit dem Pippi-Lied „Faul sein ist wunderschön“ fing es an, beim „Katzenlied“ aus „Michel aus Lönneberga“ sang Sarah zum ersten Mal auf Deutsch.

Landgren konnte auch seine Entertainerqualitäten wieder unter Beweis stellen. Er stellte die verschiedenen Instrumente vor und als er zur Posaune kam, tat er zur Freude der Kinder (und Erwachsenen) erst einmal so, als hätte er dieses Instrument noch nie in der Hand gehabt. Doch welch Meister er an der Posaune ist, zeigte Landgren im weiteren Verlauf des Konzertes. Der Höhepunkt war natürlich das „Pippi-Langstumpf-Lied“ und mit der Titelmelodie von „Karlsson auf dem Dach“ ging das Konzert nach mehr als einer Stunde zu Ende. Als Zugabe erklang das wirklich schöne Sommerlied von Ida aus „Michel aus Lönneberga“.

Der erste Teil des Sonntagsabends gehörte einer jungen schwedischen Jazz-Formation, der Agnas Brothers. Die vier Musiker (Klavier, Gitarre, Schlagzeug und Kontrabass) hatten Spaß an dem Konzert. Vier Lieder spielten sie, als Zugabe gaben sie zusammen mit Landgren das Lied „When she loves me“ von Randy Newman aus „Toy Story 2“.

Den dritten Abend hatte Nils Landgren den schwedischen Volksliedern gewidmet und die Stimmung wurde eher melancholisch. Es gab viele langsame Stücke, die aber vom Publikum gut aufgenommen wurde. Begleitet wurde Landgren wie Sonntagmorgen von der Bohuslän Big Band und der Sängerin Ida Sand. Neben schwedischen Volksliedern sang Sand auch Songs von Neil Young, Nancy Sinatra und „Fragile“ von Sting um Duett mit Landgren.

Wer die Zeitinsel komplett mitverfolgt hatte, konnte drei verschiedene Facetten des Musikers Nils Landgren erleben. Nach Zeitinseln für Prokofiew, Dvořák oder Caldara einem Jazz-Musiker so intensiv zu präsentieren, zeigt die Experimentierfreude des Konzerthauses. Ein gelungenes Experiment.

[fruitful_dbox] Das schreiben die anderen:

Die WA über Samstag

Die Ruhr-Nachrichten über Freitag und Samstag[/fruitful_dbox]




Klangvokal will musikalische Brücken bauen

Simone Kermes wird im Orchesterzentrum einen interessanten Liederabend geben. (Foto: ©Simone Kermes)
Simone Kermes wird im Orchesterzentrum einen interessanten Liederabend geben. (Foto: ©Simone Kermes)

Einen starken Einschlag in Richtung Weltmusik hat das diesjährige Musikfestival „Klangvokal“. Musikkulturen aus vier Kontinenten treffen vom 29. Mai bis 28. Juni 2015 in Dortmund zusammen. Natürlich dürfen die traditionellen Höhepunkte wie „Das Fest der Chöre“ oder die „Italienische Operngala“ im Westfalenpark nicht fehlen. Insgesamt 22 Aufführungen zeigen eine große Bandbreite an Vokalmusik.

Schon zu Beginn von Klangvokal wird der Schwerpunkt der Weltmusik deutlich. Das Eröffnungskonzert bestreitet der armenische Jazzpianist Tigran. Am 29. Mai 2015 spielt er zusammen mit dem Yerevan Chamber Choir und dem Kammerchor der TU Dortmund in der St. Marienkirche armenische Sakralmusik aus 14 Jahrhunderten. Auf eine besondere musikalische Reise schickt uns Noëmi Waysfield. Sie verbindet portugiesischen Fado mit jüdischer Musik. Zu hören ist dies am 05. Juni im domicil. Dorsaf Hamdani präsentiert am 14. Juni im Orchesterzentrum eine Melange von französischen Chansons der Französin Barbara und der arabischen Musik der Sängerin Fairuz. Fernöstliche Klänge sind im domicil am 14. Juni zu hören. Die Gruppe SEDAA präsentiert die traditionellen Gesangstechniken der Mongolei. Arabische Weltmusik erklingt am 27. Juni im domicil. Hier zeigt die kurdische Sängerin Aynur Doğan mit ihren drei Instrumentalisten das kulturelle Erbe ihrer Heimatländer.

Wenn Gesang auf Musik trifft, ist die Oper nicht weit. Eine amerikanische Nacht mit Werken von Gershwin und Bernstein erwartet die Besucher am 31. Mai im Konzerthaus. Die Sopranistin Simone Kermes lädt zu einem ungewöhnlichen Liederabend ins Orchesterzentrum. Am 11. Juni singt sie Lieder von Purcell bis Richard Strauss. Das Festival Klangvokal wird beendet mit der Italienischen Operngala im Westfalenpark. Die italienische Sängerin wird zusammen mit dem Funkhausorchester des WDR Melodien von Bellini, Verdi und Puccini anstimmen.

Barockmusik aus Frankreich, Italien und Spanien hat traditionell einen Platz bei Klangvokal. Das Ensemble Correspondances spielt am 04. Juni Musik der Komponisten Boësset, Moulinié, Rossi und Landi. Italienisch geht am 19. Juni weiter, wenn die Accademia Bizantina unter anderem Kantaten von Alessandro und Domenico Scarlatti erklingen lässt. Einen Ausflug nach Spanien, erlaubt uns das Barockensemble Al Ayre Espanol am 21. Juni. Es werden die Kantaten von José de Torre zu hören sein.

Was passiert, wenn man beim Gesang die Instrumente weglässt? Willkommen, bei der Kunst des A Capella-Gesangs. Die Tallis Scholars singen mehrstimmige Werke aus der Renaissance bis hin zu Arvo Pärt. Zu hören am 07. Juni im der Propsteikirche. Eine interessante Mischung zwischen arabischer und korsischer Vokalmusik präsentiert die libanesische Sängerin Tomb El-Hage und das korsische Vokalensemble A Filetta am 12. Juni in der Marienkirche.

Am 20. Juni steht die Dortmunder Chorlandschaft Mittelpunkt: Am 7. Fest der Chöre sind rund 130 Ensembles mit rund 4.000 Sängerinnen und Sänger beteiligt, die die Dortmunder Innenstadt zur Gesangsbühne verwandeln.

Doch Klangvokal präsentiert nicht nur eigene Veranstaltungen, in das Programm sind auch weitere Konzerte integriert. So findet unter anderem am 24. und 25. Mai das 19. Sparkassen A Capella Festival im Westfalenpark statt und die Dortmunder Philharmoniker spielen am 02. und 03. Juni Werke von Richard Wagner im Konzerthaus.

Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten erhalten Sie bei Dortmund-Tourismus, an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet. Mehr Infos zu Karten und Programm finden Sie unter www.klangvokal.de




Imaginäre Kraft der Filmmusik

Das 2. Konzert für junge und jung gebliebene Leute widmete sich am 2. März 2015 im vollen Dortmunder Konzerthaus den Hollywood-Filmhits mit dem Augenmerk auf die verschiedenen Superhelden. Die Dortmunder Philharmoniker unter der routinierten Leitung von Philipp Armbruster boten ein breites Spektrum der Hollywood Filmmusiken von John Williams „Indiana Jones“ bis zu John Powels „Drachenzähmung leicht gemacht“. Durch den Abend führte das gut aufgelegte Moderatoren-Duo Sabine Osthoff und Wolfram Boelzle.

Der Dirigent und die beiden Moderatoren zogen passend feierlich zu den dramatischen Klängen der „The Twentieth Century Fox Fanfare“ von Alfred Newman in den Konzertsaal ein. Die Stimmung wurde von Beginn an mit dem bekannten „The Raiders March“ aus Indiana Jones von John Williams temperamentvoll angeheizt. Es folgte das Thema „Mission Impossible“ (1966)von Lalo Schifrin, vielen Menschen kennen die Serie auch als „Kobra, übernehmen Sie“.

Zur Bedeutung von der Filmmusik befragt, erklärte Philipp Armbruster: „Sie schafft erst einen besonderen emotionalen sinnlichen Zugang zum Film.“

Die Moderatoren verrieten: „Es gibt unterschiedliche Arten von „Helden“. Unerschrockene Typen wie Indiana Jones, die unerschrocken für die Unterdrückten, Bedürftigen und Schwachen eintreten, oder „Superhelden“ wie „Superman“, „Spiderman“ oder „Batman“, die mit übermenschlichen Kräfte ausgestattet sind. Dann gibt es noch die leisen Helden des Alltags wie „Forrest Gump“ oder Bart Simpson von den „Simpsons“, die Alltagsproblem dadurch lösen, dass sie über sich hinaus wachsen oder sie in eine Leichtigkeit überführen.“

Als nächste wurde das Liebesthema aus „Superman“(1978) von John Williams gespielt. Hier herrschten nicht die kraftvollen, temperamentvollen Klänge, sondern die leisen, sensiblen Töne vor. Mit der folgenden „Batman“-Suite (Batman v.s. Joker) von Danny Elfman ging es kraftvoll-emotional weiter.

Während der anschließenden „Matrix“-Suite von Don Davis setzten nicht nur Dirigent und Moderatoren eben mal eine „Matrix-Sonnenbrille“ auf, sondern die Moderatoren rezitierten die entsprechenden Stellen aus dem Matrix-Film zur Musik.

Die Sonnenbrille konnte Philipp Armbruster gleich für die nächste Nummer aufbehalten. Gespielt wurde das „Peter Gunn“-Thema von Henry Mancini, bekannt auch durch die „Blues Brothers“ mit ihrem ganz speziellem Sound. Da durfte der berühmte „Blues Brothers“-Hut auf dem Kopf des Dirigenten nicht fehlen.

Die nächste musikalische Superheld folgte mit dem TV Thema „Spiderman“ von Paul Francis Webster und Bob Harris.

Gänsehaut-Atmosphäre gab dann die Suite „Forrest Gump“ von Alan Silvestri. Dafür sorgten neben den Musikern die beiden Moderatoren als „Jenny“ und „Forrest Gump“. Sie sprachen die bewegende Szene zwischen dem ungleichen Paar, als Forrest seiner Liebe Jenny einen Antrag macht. Auch die bekannte Titelmelodie aus der Serie „The Simpsons“ von Danny Elfman wurde danach vom überwiegend jungem Publikum begeistert aufgenommen. Den Schluss bildete die Suite „Drachenzähmen leicht gemacht“ von John Powell aus der bekannten US-Animationsfilm-Serie mit einem schönen Violinen-Solo im Mittelteil.

Für ein gelungenes Konzert für junge Leute gab es viel Beifall vom Publikum und mit Musik aus „Indiana Jones“ und „The Simpsons“ auch noch zwei Zugaben.




Virtuose Klassik

Mit Werken von Haydn und Mozart zeigte sich das 2. Wiener Klassikkonzert am 16. Februar 2015 im Konzerthaus von seiner virtuosen Seite. Von Mozart wurde Musik aus „Idomeneo“ und seine Sinfonie Nr. 39 gespielt. Franziska Batzdorf, die bei den Dortmunder Philharmonikern das Cello spielt, zeigte sich an diesem Abend mit dem Violoncello-Konzert in D-Dur von Joseph Haydn als virtuose Solistin.

Zu Beginn stand Mozart auf dem Programm. Zu hören war die Ouvertüre und die Ballettmusik zu seiner Oper „Idomeneo“. Mit diesen fünf kurzen Tanzstücken endet die Oper. Doch auch ohne Tänzer hat man als Zuhörer an Mozarts Musik ein Vergnügen, zumal die Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi in guter Stimmung sind.

Danach konnten die Zuhörer wohl eines der anspruchsvollsten Cellokonzerte genießen. Franziska Batzdorf spielte Haydns Violoncello-Konzert in D-Dur mit Bravour. Vor allem ihre Solo-Kadenz am Ende des ersten Satzes war eine beeindruckende musikalische Leistung, zumal Batzdorf auch die sensible Seite des Konzertes herausgearbeitet hat.

Nach der Pause war es wieder Zeit für Mozart. Die Sinfonie Nr. 39 gehört zu seinen letzten Sinfonien und überrascht mit seinem Ende. Sie trägt auch den Titel „Schwanengesang“ als eine Art Allegorie auf den kommenden Tod von Mozart, doch in der Musik ist eher Freude und Glück zu spüren. Dann erklingt der vierte Satz: Typische Mozartsche Ideen erklingen, die ein wenig an die Ouvertüre von „Hochzeit des Figaro“ erinnern. Doch dann endet der Satz etwas überraschend, als ob man in einen Teig eine Nadel steckt, der dann in sich zusammensackt.




Abstürzende Helden und befreite Künstler

Ein Instrument, das man spielt, ohne es zu berühren. Ein virtuoses Violinkonzert und eine Abrechnung mit einem Diktator. Das 6. Philharmonische Konzert im Konzerthaus am 10. und 11. Februar 2015 unter dem Titel „helden_mut“ präsentierte spannende Solisten und energiegeladene Musik.

Das Konzert begann mit dem Werk „Ikarus“ von Lara Auerbach. Die Komponistin schrieb das Stück 2006 und behandelte den Mythos von Ikarus, der mit seinen Flügeln zu hoch fliegt und die Sonne seine Wachsflügel schmelzen lässt, so dass er ins Meer stürzt und stirbt. Carolina Eyck hatte ihr außergewöhnliches Instrument mitgebracht: Das Theremin. Es klingt ein wenig nach Science-Fiction und fliegenden Untertassen und ist eine Besonderheit, weil es ohne Berührung gespielt wird. Eycks spielt ihr Instrument mit Handbewegungen und es sieht von weitem ein wenig aus, als ob sie ihr Theremin beschwören möchte.

Zwar war „Ikarus“ ein recht dynamisches und energiegeladenes Stück, doch das Theremin kam nicht so zur Geltung, außer beim Absturz des Ikarus. Wenn man schon die Gelegenheit bekommt, so ein ungewöhnliches Instrument zu erleben, sollte es ruhig prominenter präsentiert werden.

Danach war ein weiterer Solist an der Reihe. Stefan Jackiw spielte das Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy in e-moll. Ungewöhnlich bei dem Werk: Das Hauptthema wird direkt im zweiten Takt von der Violine gespielt. Im großen und ganzen ein sehr beliebtes Stück für Violinisten, hier kann der Solist zeigen, was er kann. Und Stefan Jackiw musste alle Register seines Können ziehen.

Nach der Pause war die 10. Sinfonie von Dimitri Schostakowtisch an der Reihe. Entstanden nach dem Tod von Stalin atmet die Sinfonie ein Stück weit Tauwetter, Erleichterung. Immer wieder in der Sinfonie erklingen Schostakowitschs Initialen: D – Es – C und H. Doch auch nach Stalins Tod war die Musik von Schostakowitsch der alten Nomenklatura verhasst. Denn in den ersten drei Sätzen ist die gedrückte Stimmung der Stalin-Zeit fast mit Händen greifbar. Erst im vierten Satz wird sie gegen Ende fröhlicher, ja befreiter.

Den Dortmunder Philharmonikern unter dem Gastdirigenten Alan Buribayev gelang ein heldenmutiger Abend.




Das 6. Philharmonisches Konzert zeigt „helden_mut“

Mit gleich zwei Solisten wartet das 6. Philharmonische Konzert der Dortmunder Philharmoniker. Stefan Jackiw wird das Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy spielen, Carolina Eyck wird sich mit einem selten im Konzertsaal gehörten Theremin präsentieren. Sie spielt das 2006 entstandene Werk „Ikarus“.

Nach der Pause erwartet das Publikum Schostakowitschs 10. Sinfonie e-Moll. Viele meinen in dieser Sinfonie auch die Fratze Stalins zu erkennen. Doch wie viel davon tatsächlich in der Musik steckt, das lässt der Komponist selbst offen.

Ars tremonia sprach mit der Theremin-Spielerin Carolina Eyck:

Ars tremonia: Wie wird das Theremin gespielt?

Eyck: Es gibt zwei Antennen, die an einen Holzkasten angeschlossen sind, die elektromagnetische Felder aussenden. In dem Kasten steckt viel Elektronik. Man bewegt die Hände und Arme in der Luft. Mit der geraden Antenne stellt man die Tonhöhe ein, wenn man näher herangeht, wird der Ton höher.

Ars tremonia: Wie sind Sie auf dieses Instrument gekommen?

Eyck: Ich habe mit sieben Jahren angefangen zu spielen. Es stand irgendwann mal auf dem Wohnzimmertisch, weil mein Vater hat schon elektronische Musik gemacht. Er hat von dem Instrument gehört und es gekauft.

Ars tremonia: Was gibt es in der klassischen Musik für Kompositionen für das Theremin?

Eyck: Es wird immer mehr. Die größten Werke, die es zur Zeit gibt, sind zwei Sonaten vom Komponisten Christopher Tarnow. Es gab vorher noch keine Sonaten für das Theremin. Dann noch Kalevi Aho, der ein Thereminkonzert geschrieben hat, oder Fazıl Say mit seinen Sinfonien „Mesopotamia“ und „Universe“.

Ars tremonia: Wie reagieren die Mitmusiker auf das ungewöhnliche Instrument?

Eyck: Ich glaube, sie haben sich schon umgedreht. Sie möchten natürlich auch wissen, wie es aussieht, was sie da hören.




Romantische Europareise

Sopranistin Keiko Matsumoto und Mezzosopranistin Natascha Valentin nahmen die Besucher der Liedmatinee am 08. Februar 2015 um 11:15 Uhr im Foyer des Dortmunder Opernhauses mit auf die musikalische Reise durch das romantische Europa. Da die beiden Künstlerinnen im Opernchor singen, war es für den ehemaligen Leiter des Chores, Granville Walker, eine Selbstverständlichkeit, die beiden Damen am Klavier zu begleiten. Zwischendurch erzählte Chefdramaturg Georg Holzer ein wenig über die jeweiligen Komponisten.

Den Beginn machten die „Klänge aus Mähren“ von Antonin Dvořák. Die Musik hat deutlich slawische Einflüsse und erzählt von Wäldern, Wiesen und Äckern. Ein Wanderer zwischen Moderne und Tradition war Max Reger. Neben seinen bekannten Orgelwerken schrieb er auch über 250 Lieder für Klavier und Gesang. Fünf Duette brachten Matsumoto und Valentin zu Gehör, darunter die Vertonung des wohl bekanntesten deutschen Gedichtes „Abendlied“ von Goethe.

Danach ging es nach Russland. Von den sechs Duetten op. 46 von Peter Tschaikowsky erklangen „Im Garten“ und „Vergangene Leidenschaft“.

Danach ging es weiter nach Frankreich. Den Beginn machte Ernest Chausson mit seinen beiden Duetten op. 11 „Die Nacht“ und „Erwachen“. Danach bekam das Konzert einen starken spanischen Einschlag, denn Matsumoto und Valentin sangen „El Desdichado“ einen Bolero von Camille Saint-Saëns und einen Chanson sepagnole von Claude Debussy. Als Zugabe wählten die beiden Sängerinnen „Sommerruh’“ von Robert Schumann.

Diese Liedmatinee war eine gute Gelegenheit, einmal zwei Chormitglieder solistisch zu erleben. Schöne Lieder über unberührte Natur und über die Liebe, eben typisch Romantik mit zwei schönen Stimmen und routinierter Klavierbegleitung.




Heldenmut und Manie

Auch das 5. Philharmonische Konzert am 13. und 14. Januar 2015 im Konzerthaus stand unter einem Heldenmotto, nämlich „Held_innen_leben“. Den Schwerpunkt des Konzertes bildete die Geschichte von Lamoral von Egmont, dem niederländischen Freiheitskämpfer, dem Goethe ein literarisches Denkmal gesetzt hat und Beethoven mit seiner Bühnenmusik ein musikalisches. Den Beginn machte jedoch Schumanns 2. Sinfonie in C-Dur.

Schumann ist sicherlich auch ein tragischer Held. Durch seine Krankheit, einer bi-polaren Störung, die wohl eine Folge seiner Syphiliserkrankung war, taumelte der Komponist entlang beider Extreme: Depression und Schaffensdrang. Die 2. Sinfonie in C-Dur schrieb Schumann nach einer langen Schaffenskrise und beschrieb auch deutlich sein Innenleben. In diesem Werk setzt er sich mit seinen Vorbildern Bach, Mozart und Beethoven auseinander, die auch in seiner Sinfonie wiederzuerkennen sind. Das Ringen von Schumann um Form und Gestaltung brachten die Dortmunder Philharmoniker unter Generalmusikdirektor Gabriel Feltz wunderbar zu Gehör. Vor allem der triumphale Schlussteil des vierten Satzes war eines der Höhepunkte des Abends.

Vielleicht ein Fluch des Erfolges: Von Beethovens Bühnenmusik zu „Egmont“ ist vielen nur die Ouvertüre bekannt. Schade, denn Schauspieler Sebastian Koch und Sopranistin Robin Johannsen zeigten, dass darüber hinaus noch viel an Musik von Beethoven zu entdecken gibt. Dass es einen qualitativen Unterschied macht, wenn ein gelernter Schauspieler einen dramatischen Text vorträgt, haben die interessierten Zuhörer bereits beim ersten Kammerkonzert in dieser Spielzeit hören können, als Andreas Beck vom Ensemble Dortmund die „Geschichte eines Soldaten“ zum Besten gab. Sebastian Koch fesselte die Zuhörer mit der Geschichte von Lamoral von Egmont und Robin Johannsen sang die Lieder von Clärchen dazu. Triumphal ging der Abend zu Ende: Mit der Siegessinfonie zeigt Beethoven, dass das tragische Heldenschicksal von Egmont doch nicht umsonst war.