Musikalische Zeitreise ins Elisabethanische Zeitalter

Pb renaissancemusik oder Pärt: The Tallis Scholars beeindruckten mit ihren wunderbaren Stimmen. (Foto: © B. Kirschbaum)
Ob Renaissancemusik oder Pärt: The Tallis Scholars beeindruckten mit ihren wunderbaren Stimmen. (Foto: © B. Kirschbaum)

Am 07. Juni zeigten „The Tallis Scholars“ in der Propsteikirche ihr gesangliches Können mit Werken von Renaissance Komponisten wie Taverner, Tallis oder Allegri, aber präsentierten auch Werke des zeitgenössischen Komponisten Arvo Pärt, der einige Stücke im im Stile der Renaissance komponiert hatte.

„The Tallis Scholars“ unter der Leitung des Gründers Peter Philipps widmen sich seit 1973 der geistlichen Renaissance-Musik. Diese Erfahrung konnten die Zuhörer bei ihrem Konzert spüren. Glasklarer mehrstimmiger Gesang, der ohne Hilfe jeglicher Instrumente dargeboten wurde. Die zehn Sängerinnen und Sänger boten eine eindrucksvolle Leistung.

Die Musik der englischen Komponisten Tallis, Taverner und Sheppard entstand in einer wirren Zeit, als England zwischen Katholizismus und der englischen Kirche hin- und hergerissen wurde, bis sich die Waagschale nach Elisabeth I. den Anglikanern zuneigte. Doch der Höhepunkt des Konzertes war das berühmte „Misere“ von Grigorio Allegri. In zwei Chören aufgeteilt mit einem Solisten weiter hinten im Kirchenschiff entfaltete die Musik eine besondere Magie. Vollkommener Gesang veredelte das Meisterwerk des italienischen Komponisten.

Aber das Programm bestand nicht nur aus Werken von Renaissance-Künstlern. Der estnische Komponist Arvo Pärt hatte 1997/98 mit „Tribute to Caesar“, Sancte deus“ und „Triodion“ drei Werke in der Tradition der Renaissance-Künstler geschaffen. Doch Pärts Kompositionen fingen nicht wirklich die Seele der Renaisssance ein. Sie wirkten fremd, zumal der Kompositionsstil von Pärt ein sehr stark reduzierter ist. Nur im vierten Stück dem 2000 entstandenen „…which was the Son of…“ wirkt das Stück rhythmisch interessant und die Gesangslinien wirken im positiven Sinne frisch und modern. Das soll keine Kritik an der Musik von Pärt sein, nur es passte meiner Meinung nach nicht so gut in den Rahmen des Konzertes.

Was von dem Abend bleibt, ist die hohe Qualität der „Tallis Scholars“, die ihre Erfahrung und Liebe zur geistlichen Musik der Renaissance unter Beweis gestellt haben.




Leidenschaft für Fado

Noëmit Waysfeld bot mit ihrer Band Blik eine Mischung von Fado und jiddischer Musik. (Foto: © Hanna Sander)
Noëmit Waysfeld bot mit ihrer Band Blik eine Mischung von Fado und jiddischer Musik. (Foto: © Hanna Sander)

Es gibt Verbindungen, die nicht zueinander passen. Feuer und Wasser beispielsweise. Dann gibt es Verbindungen, die nur auf den ersten Blick komisch aussehen, beim genauen Betrachten aber Sinn machen. Musikalisch nennt man so etwas „Crossover“, also „Überquerung“. Da das Festival Klangvokal dieses Jahr mit dem Motto „Zwischen den Welten“ musikalische Brücken bauen möchte, passte das Konzert der Französin Noëmi Waysfeld und ihrer Band Blik am 05. Juni 2015 im domicil ideal zum Programm. Denn Waysfeld verbindet jiddische Musik mit dem portugiesischem Fado.

Fado ist der Blues Portugals. In ihm wird die unglückliche Liebe, die Sehnsucht oder generell der Weltschmerz, der saudade, besungen. Dann sind wir nicht weit weg vom jüdischen Leben in den Ghettos Osteuropas, immer mit der Angst verbunden, Opfer des nächsten Pogroms zu werden. Darüber hinaus bringt Waysfeld auch noch die weibliche Perspektive ein. Sie singt von Frauen, die Angst um ihre Männer draußen auf See haben. Über verliebte Frauen, über verzweifelte Frauen. Das Konzert von Waysfeld ist auch eine Hommage an die „Königin des Fados“ Amàlia Rogrigues, deren Lieder sie singt, aber auf Jiddisch.

Waysfeld singt überwiegend Lieder aus ihrem neuen Album „Alfama“, „Maria Lisboa“, die Liebeserklärung an die portugiesische Hauptstadt singt sie auf portugiesisch und eine Zugabe auf russisch, aber ansonsten singt sie in der Sprache ihrer Vorfahren: Jiddisch. Jiddisch klingt für deutsche Ohren seltsam vertraut. Titel wie „Fargebn zol Got“ oder „Hintern Shpigl“ kann man schnell übersetzen. Leider haben die Nazis die lebendige jiddische Kultur in Europa in ihrem menschenverachtenden Wahn zum größten Teil vernichtet.

Waysfeld hat nicht nur eine „Leidenschaft für Fado“ wie sie es in ihrem Lied „Fargebn zol Got“ besingt, sondern sie und ihre Band schlagen auch andere Rhythmen an. Walzer, Tango und natürlich jiddische Musik sind zu hören. Dabei wird Waysfeld von ihrer Band Blik, drei hochkarätigen Musikern, begleitet, denen sie vor allem in zwei Instrumentalstücken die Möglichkeit gibt, ihr Können zu zeigen. Florent Labodinère (Gitarre, Oud), Antoine Rozenbaum am Bass und vor allem Thierry Bretonnet am Akkordeon ernteten häufig Sonderapplaus von den Zuhörern.

Ein gelungenes, aber leider etwas kurzes Konzert, denn Waysfeld sang nur etwas mehr als eine Stunde. Aber ihre Stimme passt zum Fado. Sentimental und melancholisch, wütend, aber auch ausgelassen.




Wagners Superheld im Konzerthaus

Krönender Abschluss der Spielzeit. Die Dortmunder Philharmoniker sowie die Solisten Petra Lang (Brünnhilde) und Andreas Schager (Siegfried). (Foto: © Anneliese Schürer)
Krönender Abschluss der Spielzeit. Die Dortmunder Philharmoniker sowie die Solisten Petra Lang (Brünnhilde) und Andreas Schager (Siegfried). (Foto: © Anneliese Schürer)

Das 10. Philharmonische Konzert am 02. und 03. Juni 2015 im Konzerthaus präsentierte wohl den Helden der klassischen Musik: Siegfried. Schlau wie Frodo (auch bei dem geht es um einen Ring) und ähnlich unverwundbar wie Achill. Mit dem Siegfried-Idyll und dem dritten Akt aus der Oper „Siegfried“ näherten sich Gabriel Feltz und seine Dortmunder Philharmoniker dem Helden, dessen Taten Richard Wagner in Musik packte.

Zunächst stand das Siegfried-Idyll auf dem Programm. Richard Wagner komponierte es als Geburtstags-Gruß für seine Frau Cosima und nahm schon einige Elemente der späteren Oper „Siegfried“ vorweg. Die Besetzung ist für Wagnerianische Verhältnisse spärlich, denn ursprünglich wurde es für ein Kammerorchester geschrieben.

Wer beim Siegfried-Idyll dramatische Musik, ähnlich wie beim Walküren-Ritt, erwartet, liegt völlig falsch. Das Stück ist zärtlich, warm und wie sein Name schon sagt, es weckt Gedanken an eine imaginäre idyllische Landschaft. Das Stück passt sehr gut zu Feltz und seinem Orchester, da der Dirigent ein Meister der Zwischentöne ist, der Pausen zwischen den Noten, die für die Musik ebenso wichtig sind wie die gespielten Noten selbst.

Der zweite Teil des Abends gehörte dem dritten Akt von „Siegfried“. Dem Ort geschuldet, wurde es natürlich konzertant aufgeführt. Das heißt, Sänger vorne und die Musiker, die in „wagnerianischer Stärke“ angetreten waren, im Hintergrund. Ich vermute mal, dass es daran lag, dass die Solisten, vor allem Olafur Sigurdarson (Wotan) bei lauten Stellen etwas schwer zu verstehen sind. Denn in einer „normalen“ Aufführung sind die Musiker ja in einem Orchestergraben.

Ansonsten gab es überhaupt nichts zu meckern. Denn alle Solisten machten einen hervorragenden Eindruck, sei es der erwähnte Sigurdarson, Ewa Wolak (Erda), Petra Lang (Brünnhilde) oder Andreas Schager (Tenor). Schager sah man seine Spielfreude sofort an, er hätte wohl gerne etwas szenischer gespielt, zumindest was im Rahmen einer konzertanten Aufführung möglich ist.

Insgesamt war das 10. Philharmonische Konzert ein fulminanter Abschluss einer überaus gelungenen Spielzeit. Die Zuhörer dankten den Beteiligten verdientermaßen mit lang anhaltendem Applaus.




Zwei Tage Juicy Beats

Die Veranstalter hoffen antürlich auf eine riesen Stimmung wie in den vergangenen Jahren. (Foto: © H&H_Photographics)
Die Veranstalter hoffen natürlich auf eine riesen Stimmung wie in den vergangenen Jahren. (Foto: © H&H_Photographics)

Das 20-jährige Jubiläum feiert das Festival „Juicy Beats“ ganz groß. Statt an einem Tag, wird es am Freitag (24.07) und am Samstag (25.07.) in Westfalenpark stattfinden. Über 170 Bands und Djs werden auf 20 Bühnen einheizen. To den Highlights des Programms gehören unter anderem Fettes Brot, Fritz Kalkbrenner oder LaBrassBanda. Erwartet werden insgesamt bis zu 45.000 Besucher. Erstmalig wird für die Besucher auch ein eigener Campingplatz eingerichtet.

Der Festival-Freitag: Von 15 bis 22 Uhr werden auf und oberhalb der Festwiese zwei große Open-Air-Bühnen und drei Dance-Floors bespielt. Mit Fettes Brot als Headliner bestreitet eine der erfolgreichsten deutschen Hip-Hop-Bands ihre exklusive NRW-Show in diesem Festivalsommer. Top-Act auf der neuen Electronic-DJ-Bühne ist der Berliner Star-DJ Alle Farben. „Musikalische Früherziehung“ betreibt das Projekt Deine Freunde um den Hamburger Rapper Jim Pansen. Im Anschluss an das Live-Programm gibt es an unterschiedlichen Orten verschiedene Aftershow-Partys unter anderem mit dem Kopenhagener Global-Bass-Trio Alo Wala. Die Karten für den Freitag sind auf 15.000 begrenzt.

Der Festival-Samstag bietet von 12 Uhr mittags bis 4 Uhr nachts die musikalische Fülle, für die Juicy Beats bekannt ist: Ein Programm aus Pop, Rap, Electro, Indie, Alternative, Reggae und Weltmusik mit mehr als 100 Bands und DJs auf 20 Bühnen und Floors. Der Berliner DJ Fritz Kalkbrenner wird auf der Mainstage die Festwiese sein Set spielen.

LaBrassBanda verbinden bayrische Musiktradition mit Hip Hop- und Electro-Beats. Ein facettenreiches Line-Up bietet die zweite Hauptbühne: die internationalen Durchstarter Mighty Oaks, der Norweger Sänger Erlend Øye (Whitest Boy Alive, Kings of Convenience) und die Dänen WhoMadeWho . Die Hip-Hop-Acts Chakuza, Olson und Swiss + die Andern stehen für frischen deutschen Rap-Sound mit Tiefgang. Erneut präsentiert WDR Funkhaus Europa eine eigene World- und Urban-Beat Bühne, von der den ganzen Tag lang live gesendet wird: Hier treten die US-Sängerin Akua Naru, die Spanier Electro Rumbaiao, die deutsch-koeranischen Produzenten-Brüder Symbiz und die Kölner Gipsy-Jazzer Bukahara auf. Als Top-Act auf der Electronic Stage begeistert Marteria-Tour-DJ Kid Simius mit seinem abgedrehten Electro-Surf-Punk.

So wird die Festwiese am Samstag nach dem Live-Programm zur größten Silent Disco NRWs mit über 3.000 Kopfhörern. Ein Forum für Hip-Hop- Newcomer bieten die Summersounds DJ Picknicks gemeinsam mit der Plattform „Bring your own Beats“ und auf der Sounds and Poetry Bühne stellt das Kulturbüro Dortmund die junge Literatur- und Poetry-Szene der Region vor. Spannende Produkte und Projekte von Kreativen aus Dortmund kann man auf der Kreativ.Meile entdecken. Im Open-Air-Kino an der Seebühne gibt es in der Nacht Video-Games auf Großleinwand und eine Video-Auswahl des MuVi-Award der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Außerdem wird ein zum DJ-Pult ausgebautes Tuk Tuk zur rollenden Disco, die an wechselnden Orten im Park halt macht.

Erstmalig richten die Veranstalter auch einen Campingplatz ein. Das Campingareal ist nur drei Minuten Fußweg vom Westfalenpark entfernt und bietet von Freitag bis Sonntag Platz für bis zu 1.200 Zelte. In Zusammenarbeit mit dem TSC Eintracht gibt es in den Räumen des Sportvereins eine Frühstücks-Lounge und eine Aftershowparty. Zudem können die Umkleiden, Duschen und Bäder des Vereins genutzt werden. Im Zentrum des Campingplatzes lädt eine 700 Quadratmeter große Beach-Area mit Kiosk und Imbiss zum Entspannen ein.

Das Campen kostet 25 ,- € zzgl. Gebühren für ein Zelt (Camping-Parzelle) und bis zu zwei Personen. Als besonderes Highlight können die Camper für nur 2,50 € zusätzlich das ganze Wochenende lang das nahegelegene Freibad besuchen, das am Freitag und Samstag auch von DJs beschallt wird.

Zur 20. Auflage des Festivals werden bis zu 45.000 Besucher erwartet. Kombi- und Einzeltickets sind auf der Festival-Homepage sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und Systemen erhältlich. Der Vorverkaufspreis für die Kombitickets beträgt 57,- € zzgl. Gebühren. Einzeltickets kosten für den Freitag 29,- € zzgl. Gebühren und für den Samstag 32,- € zzgl. Gebühren. Auch die ermäßigten Teen-Tickets für Gäste zwischen 12 und 14 Jahren sind wieder im Vorverkauf erhältlich. Hier kosten die Kombitickets 32,- € zzgl. Gebühren und die Tagestickets 16,- € zzgl. Gebühren. Die Teen-Tickets sind nur als print@home-Tickets erhältlich.

Die kostenlose An- und Abreise mit Bus und Bahn aus dem gesamten VRR-Gebiet

ist bei allen VVK-Karten enthalten.

Wer noch überlegt, ob er zum Juicy Beats möchte, sollte sich beeilen, denn der Andrang ist ungebrochen. „Wir haben zu diesem Zeitpunkt 50% mehr Karten verkauft als im vergangenem Jahr“, erklärte Martin Juhl, Pressesprecher des Festivals.




Rhythmische amerikanische Nacht

Alle Beteiligten zeigen eine hervorragende Leistung. (Foto: © Sandra Spitzner)
Alle Beteiligten zeigen eine hervorragende Leistung. (v.l.n.r.) Kenneth Overton, Indira Mahajan, Wayne Marshall, Angela Renée Simpson und Roland Samm. (Foto: © Sandra Spitzner)

Ein Abend zum Mitwippen. Die „American Night“ im Rahmen des Festival Klangvokal hatte Rhythmus. Vor allem Gershwins „Porgy and Bess“ versetzte mit den ersten Takten der Ouvertüre das Dortmunder Konzerthaus am 31. Mai 2015 die Beine in Bewegung. Wenn dann noch exzellente Musiker, Sänger und ein herausragender Chor hinzukommen, hat man alle Zutaten für einen gelungenen Abend zusammen.

Leonard Bernstein und George Gershwin. Zwei Meister der amerikanischen klassischen Moderne. Zu Bernsteins bekanntesten Werken gehört das Musical „West Side Story“, das die „Romeo und Julia“ Geschichte in die 50er Jahre der USA bringt, Gershwin hat in seiner Musik oft mit Jazzelementen gearbeitet wie beispielsweise in seiner „Rhapsody in Blue“.

Den Beginn des Abend spielte das WDR Funkhausorchester unter dem Dirigenten Wayne Marshall vier der bekanntesten Lieder der „West Side Story“ wie beispielsweise „Maria“ oder „Somewhere“. Tenor Lucian Krasznec und Indira Mahajan (Sopran) zeigten in den Duetten, dass sie stimmlich gut zusammenpassen. Krasznec, der als Sänger zum Ensemble des Opernhauses Dortmund gehört, kam das stärker klassisch gehaltene Stück mit seiner „italienischen“ Tenorstimme entgegen.

Danach wurde „Porgy and Bess“ in einer Konzertsuite von Wayne Marshall aufgeführt. Die „Folk-Oper“ behandelt die Situation der Afroamerikaner in den 30er Jahren in einer heruntergekommenen Straße in Charleston in South Carolina. Der verkrüppelte Porgy verliebt sich in Bess, die aber eine schlechte Hand bei ihren Männern hat. Ihr ursprünglicher Freund Crown ermordet einen Menschen und muss fliehen. Zu allem Übel lässt sich Bess zum Schluss lieber mit dem Drogendealer Sporting Life ein und geht mit ihm nach New York, obwohl Porgy Bess vor Crown beschützt hat. Zum Schluss geht Porgy ebenfalls nach New York, um Bess zu finden.

Die Oper enthält viele Arien, die als Jazzlieder weltberühmt geworden sind. „Summertime“, „It Ain’t Necessarily So“, oder „I Got Plenty o‘ Nuttin'“. Für die Konzertsuite sangen die Solisten Kenneth Overton, Indira Mahajan, Angela Renée Simpson und Roland Samm. Unterstützt wurden sie vom Philharmonischen Chor des Dortmunder Musikvereins unter der Leitung von Granville Walker.

Bariton Overton sang den Porgy. Seine Stimme vereinte Fröhlichkeit „I Got Plenty o‘ Nuttin'“ mit Verzweiflung in „Bess, O Where’s My Bess?“ bis hin Entschlossenheit im Schlusslied „O Lawd, I’m on My Way“. Samm sang überwiegend den Drogendealer Sporting Life und hatte viel Freude an dem windigen Charakter. Besonders seine Duette mit Bess, die er verführen versucht, waren ein Höhepunkt des Abends. Mahajan sang nicht nur die Bess, sondern auch die Fischersfrau Clara, die mit „Summertime“ natürlich einen Evergreen im Repertoire hatte. Simpson hatte mehrere Rollen, unter anderem Serena, deren Mann von Crown ermordet wurde. „My Man’s Gone Now“ sang sie auf eine sehr berührende Art.

Eine gewichtige Rolle in „Porgy and Bess“ spielt der Chor, der die unzähligen Bewohner der Catfish Row, wie die Straße heißt, singt. Der Chor war hervorragend eingestellt von Walker und stahl mit seinem Gesang hin und wieder den Solisten die Show.

Man kann allen Beteiligten für diesen überaus gelungenen Abend nur gratulieren und die begeisterte Reaktion des Publikums sprach für sich.




Armenische Seele in der Marienkirche

Tigran (am Klavier) mit dem Yerevan State Chamber Choir und dem Kammerchor der TU Dortmund. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Tigran (am Klavier) mit dem Yerevan State Chamber Choir und dem Kammerchor der TU Dortmund. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Das diesjährige Musikfestival Klangvokal präsentierte gleich zu Beginn am 29. Mai 2015 mit „The soul of Armenia“ gefühlvolle, meditative Sakralmusik aus Armenien. Die jahrtausendealten Melodien, gesungen vom Yerevan State Chamber Choir wurden kongenial begleitet durch den Jazzpianisten Tigran.
Sein Gesicht ganz nah über den Tasten seines Klaviers und in den Gesang des Chores versunken. So erlebten die Besucher des Eröffnungskonzertes den Künstler. Tigran gab durch seine Improvisationen dieser alten Musik einen zusätzlichen Reiz, ohne aufdringlich zu wirken. Die besonderen armenischen Skalen wurden durch ohne weitergesponnen und verstärkten den meditativ wirkenden Gesang des Chores. Die Basis der armenischen Kirchenmusik sind die sogenannten Sharakane. Sie enthalten Geschichten aus dem Leben Jesu oder der Heiligen. Jedes dieser Sharakane kann in allen Kirchentonarten gesungen werden.
Armenien war der erste christliche Staat Europas. So ist es nicht verwunderlich, dass das erste Lied an diesem Abend über 1.500 Jahre alt ist. Tigran und sein achtstimmiger Yerevan State Chamber Choir (vier Männer und vier Frauen) präsentierten antike und mittelalterliche Komponisten, die gleichzeitig auch Kirchenlehrer waren. Auch wenn die wenigsten Besucher etwas von den gesungenen Texten verstanden haben, es wehte ein Zauber dieser alten Musik durch die Marienkirche.
Es ist kein Zufall, dass diese armenische Musik im Rahmen von Klangvokal erklang. Denn vor 100 Jahren geschah der Völkermord an den Armenien durch das Osmanische Reich. Daran erinnerte Kulturdezernent Jörg Stüdemann bei seiner Eröffnungsrede im Beisein des armenischen Botschafters.
Doch der Abend begann mit dem Kammerchor der TU Dortmund unter der Leitung von Ulrich Lindtner. Sie schlugen eine Brücke nach Armenien. Zunächst sangen sie das „Lamentatio Prima Primi Diei“ von Orlando di Lasso, danach wurde es etwas moderner, denn sie präsentierten das Stück „Villarosa Sarialdi“ des schwedischen Komponisten Thomas Jennefelt. Jennefelt ist der minimal music zuzuordnen und sein Chorwerk setzte mehr auf die Wirkung der Laute als auf den Sinn der Worte. Eine besondere Ehre für den Chor: Er durfte bei einer armenischem Hymne mitsingen.
Der Eröffnungsabend war eine Entdeckungsreise in eine alte, aber irgendwie auch vertraut klingende Welt. Tigran zeigte sein außergewöhnliches Können am Klavier. Erst nach mehreren Zugaben konnten die Künstler die Bühne verlassen. Ein gelungener Start ins Klangvokal-Festival.




Muffins und Vogelwerfer

Die Konzertreihe „Small Beast“ hat sich in den Jahren ihres Bestehens zu einer Institution in Dortmund gemausert. Der musikalische Leiter des Schauspielhauses, Paul Wallfisch, hat das Institut oder das Studio des Schauspielhauses zu einem Treffpunkt musikalischer Entdeckungen geformt, die man sonst nur aus Städten wie Hamburg oder Berlin kannte. Ein Hauch von New York wehte durch Dortmund, wenn Wallfisch sein Adressbuch öffnete und seine weitverzweigten Beziehungen spielen ließ. Ab der kommenden Spielzeit verlässt Paul Wallfisch Dortmund und kehrt nach New York zurück. Zwar gibt es noch das zweitägige „Big Beast“ am 25. und 26. Juni, aber ob und wann Wallfisch Dortmund einen Besuch abstattet, steht noch in den Sternen.

Zu dem vorerst letzten regulären Small Beast am 22. Mai 2015 hatte der Gastgeber seinen New Yorker Bekannten Robert Leaver und den schwedischen Musiker und Schauspieler Stephen Rappaport eingeladen.

Leaver war den meisten Zuhörern durch Pauls Erzählungen bekannt, denn Leaver war derjenige, der eine Zeit lang auf Händen und Knien durch Manhattan gekrochen ist. Der Performancekünstler und Musiker war unter dem Künstlernamen „Birdthrower“ unterwegs und sang zur Akustikgitarre lakonisch-witzige Lieder über Nordkorea, Jesus oder seine Liebe zu einer Polizistin. Daneben machte er seinem Bühnennamen alle Ehre und warf ein paar von seinen mitgebrachten kleinen Plastik-Vögel, die er vorher in Whisky getaucht hatte, ins Publikum. Leaver trat einen Tag später erneut in Dortmund in Erscheinung. Diesmal aber als Performancekünstler (hier der Bericht).

Rockig und skurril: So könnte man den Auftritt der Stephen Rappaport Band aus Schweden beschrieben. Rappaport, der ein wenig aussah wie eine Mischung zwischen Nosferatu und Michael Stipe von R.EM., sang und spielte (manchmal mit Akkordeon) seine humorvollen Lieder (eines ging beispielsweise über Muffins) als eine Art schwedischer Tom Waits.




Wiener Klassik bot bekannte Melodien

Die dritte (und letzte) Ausgabe der Reihe Wiener Klassik in dieser Spielzeit am 18.05.2015 lockte wieder eine große Zahl Besucher in das Konzerthaus. Die Dortmunder Philharmoniker spielten die Oevertüre zur Oper „Guillaume Tell“ von Rossini, das Klavierkonzert Nr. 20 von Mozart und Beethovens fünfte Sinfonie. Am Dirigentenpult stand Generalmusikdirektor Gabriel Feltz.

Ein Italiener komponiert eine französischsprachige Oper über einen Schweizer Nationalhelden: Willkommen bei „Guillaume Tell“. Rossinis Ouvertüre zu seiner Oper ist in vier Teile aufgespalten, die sich an der Handlung orientieren. Spürt man zu beginn die Stille und Erhabenheit der Bergwelt, endet die Ouvertüre mit dem bekannten „Freiheitsmarsch“ oder besser „Freiheitsgalopp“, denn dieser Abschnitt erklang in Filmen gerne in Reiterszenen.

Danach spielte Pianistin Anny Hwang das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 20 von Mozart. Für manche wohl Mozarts schönstes Klavierkonzert, im ersten Satz geheimnisvoll und düster, ist der zweite Satz dagegen ein „typischer Mozart“ voller Galanterie. Im dritten Satz kehrt der Komponist wieder zu seiner Tiefgründigkeit zurück. Hwang präsentierte einen anderen Mozart, düsterer, weniger galant, mehr schicksalsbewusst. Zusammen mit den Dortmunder Philharmonikern bot sie virtuos dem Publikum eine andere Seite Mozarts.

Nach der Pause erklang Beethovens Fünfte. Ta-ta-ta-taa. Oder für Musikkenner: Eine große Terz von G nach Es. Dieser Beginn der „Schicksalssinfonie“ ist weltberühmt und auch Menschen, die nichts mit Klassik zu tun haben, kennen ihn. Gabriel Feltz und seine Dortmunder Philharmoniker präsentieren an diesem Abend die Sinfonie in seiner ganzen Kraft und Wucht.




Aus Stücken zusammengefügt

Ein „Loop“ ist ein Klangelement, das durch technische Mittel wiederholt wird. Normalerweise werden Loops eher in der elektronischen Musik benutzt, doch in den aufgeführten Werken des 9. Philharmonischen Konzertes konnte man solche Loops oder „bruch_stücke“ wie der Titel lautete, hören. Ars tremonia war beim Konzert am 13. Mai dabei.

Heute würde man vermutlich „Re-Mix“ zu Alfred Schnittkes „Moz-Art á la Haydn“ aus dem Jahre 1977 sagen. Unter der Leitung der Generalmusikdirektorin des Staatstheaters Hannover, Karen Kamensek, wurde das Stück zur einer Choreografie aus Musik und Licht. Die beiden Solisten Alexander Prushinsky und Shinkyung Kim sowie elf Musiker der Dortmunder Philharmoniker boten nicht nur hohe musikalische Kunst, sondern zeigten auch eine kleine Choreografie. Atmosphärisch wurde es im Konzerthaus durch kleine Lichteffekte während des Stückes.

Ob man sie jetzt „Loop oder „Motiv“ nennt, der Beginn der 4. Sinfonie von Brahms, die nach der Pause erklang, besteht aus absteigenden Terzen. Dass man aus dieser musikalischen Ideen seine Sinfonie aufbauen kann, zeigt der Komponist wahrhaft meisterlich. Beim vierten Satz seiner 4. Sinfonie „mixt“ Brahms einiges Material aus Bachs Kantate „Nach dir, Herr, verlanget mich“ (BWV 150). Doch auch Brahms wird remixt. Auf dem 1972 erschienen Album „Fragile“ der Progressive Rock Band „Yes“ erklingt beim Song „Cans and Brahms“ der dritte Satz. Durchaus als „bruch_stück“ erkennbar.

Bliebe noch Haydn übrig. Denn seine 48. Sinfonie „Maria Theresia“ machte den Anfang des 9. Philharmonischen Konzertes. Gibt es hier auch Bruchstücke? Musikalisch ist sie durchaus fordernd, doch ihre Entstehungszeit 1769 ist eine Zeit, die voller Brüche ist. „Sturm und Drang“ nennt man sie in der Literatur und die Ahnungen der kommenden Französischen Revolution werfen ihre Schatten voraus.

Musikalisch waren die Musiker der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Karen Kamensek in allen drei Epochen der Werke auf der Höhe. Ob es Klassik (Haydn), Moderne (Schnittker) oder Romantik (Brahms). Ein gelungener Abend.




Liebesabenteuer in 140 Zeichen

Es ist die wohl berühmteste Liebesgeschichte: Romeo und Julia. Die Tragödie von William Shakespeare hat zahllose Komponisten inspiriert, beispielsweise Hector Berlioz, Sergej Prokofjew oder in einer aktuellen Version Leonard Bernstein. Barbara Volkwein inszenierte den Stoff beim 3. Konzert für junge Leute am 27. April 2015 im Konzerthaus Dortmund mit den Dortmunder Philharmonikern, der Sängerin Natascha Valentin und den beiden Tänzern der Dortmunder Ballettcompagnie Clara Hernandez und Dayne Florence.

Das Leben, die Liebe, alles mittlerweile auf 140 Zeichen heruntergebrochen. Die Idee Shakespeare, Romeo und Julia mit eigenem Twitter-Profil auszustatten, machte die Geschichte ein wenig frischer, eine ähnliche Idee hatte aber bereits die Royal Shakespeare Company, die den Stoff 2010 unter dem Namen „Such Tweet Sorrow“ in die Neuzeit brachte.

Gespielt wurde hauptsächlich Musik von Berlioz (Romeo et Juliette), Prokofjew (Romeo and Juliet) sowie George Gershwin (An American in Paris), obwohl das präsentierte Stück in New York spielt.

Dazu spielten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Elisabeth Fuchs auch ein paar moderne Töne wie beispielsweise „Tico, Tico“ von Zequinha de Abreu oder „You can’t take back a step“ von Gregg Alexander.

Hernandez und Florence setzten dank der guten Choreografie die optischen Glanzpunkte, die eingeblendeten Twitternachrichten setzten die Geschichte „altersgerecht“ um, denn schließlich spielt sich bei vielen der jungen Besucher das soziale Leben und auch die Liebe auf sozialen Plattformen wie Facebook oder Twitter ab.

Beim Blick durch die Reihen konnte man feststellen, dass das Konzept der Konzerte für junge Leute mit Erfolg angenommen wird.