Gelungene Grenzüberschreitung

Im Mittelpunkt des dritten Tages der Zeitinsel Katia und Marielle Labèque am Freitag, den 27.11.2015 stand die „West Side Story“ von Leonard Bernstein (1918 – 1990) nach Shakespeares „Romeo und Julia“.

Zunächst erwartete das Publikum in Teil eins Irwin Kostals Arrangement der Sinfonischen Tänze und einiger Songs aus „West Side Story“ für Perkussion und zwei Klaviere. Dabei repräsentierte Katia Labèque am Piano die meist höhere Passagen der Capulets, während Marielle Labèque die tiefere Klangwelt der Montagues übernahm. Unterstützt wurden die beiden französischen Pianistinnen dabei von der Perkussion von Gonzalo Grau (Caracas) auf der einen, und Raphaël Séguinier auf der anderen Seite.

Den Zwillings-Schwestern am Klavier und ihre kongenialen Percussionisten gelang es, die bewegende und abwechslungsreiche Geschichte von Maria und Tony der West Side Story lebendig vor den Augen des Publikums werden zu lassen.

Katia und Marielle Labèque zeigten ihr Können und Einfühlungsvermögen sowohl bei den leisen Songs wie zum Beispiel „Maria“, oder aber virtuos bei dem rasanten „Mambo“. Die Perkussion sorgte für die passende Begleitung , wobei etwa Trommel, Kastagnetten oder etwa ein Gong zum Einsatz kamen. Bei „America“ wurde auch einfach nur rhythmisch in die Hände geklatscht.

Nach der Pause ging es mit der deutschen Erstaufführung des Projekts „Star-Cross`d Lovers“ des französischen Komponisten, Produzenten, Musikers und Klangkünstlers David Chalmin weiter. Er konzipierte mit diesem Projekt eine bewusste Grenzüberschreitung. Die Tanzperformance zur „West Side Story“ (Romeo und Julia) kombiniert zeitgenössischen modernen Tanz mit Breakdance, und wird musikalisch begleitet sowohl von „analoger“ sowie elektronischer Musik, romantischen Klavierklang oder rockigen Beats.

Mit ins Boot hat er neben den beiden Geschwistern Labèque auch Raphaël Séguinier sowie den türkischen Choreografen und Tänzer Yaman Okur genommen. Dieser entwickelte mit seiner starken Gruppe von sieben Tänzern und einer Tänzerin die Choreografie für diese Performance. Okur hatte schon mit Madonna zusammen gearbeitet.

Musikalisch teilte auch Chalmin die Ausübenden in zwei Gruppen auf, um die zwei Sphären von Romeo und Julia deutlich abzusetzen. Er selbst spielt und gestaltet an der E-Gitarre und Elektronik gemeinsam mit Katja Labèque die Klangwelt der Capulets (höhere Klänge). Die Welt der Montagues (tiefere Klänge) bringt ihre Schwester Marielle gemeinsam der Perkussion zum Klingen.

Sie bildeten den großartigen Hintergrund für die acht hochklassigen Tänzer/innen. Farblich waren die rivalisierenden Gruppen mit ihrer Kleidung farblich gut zu unterscheiden. „Romeo“und „Julia“ stachen gesondert hervor. „Romeo“ mit seiner schwarzen Hose und weißem Oberteil und „Julia“in einem weißen Kleid. Die szenische und musikalische Ebene waren zu jeder Zeit untrennbar verbunden und verwoben. Als Beispiel zu nennen ist da etwa ein starker Trommelwirbel und isolierte Klavierakkorde bei Mercutios Tod.

Was dieses Tanzensemble da auf die Bühne brachte, war atemberaubend und und Punktgenau passend zur Musik gebracht. Es ist schon erstaunlich, zu welchen Bewegungen und Ausdrucksmöglichkeiten der der menschliche Körper in der Lage ist. Das Publikum war jedenfalls besonders von den Breakdance-Einlagen begeistert. Es gab Standing Ovations und eine Breakdance-Zugabe als Dankeschön von den Akteuren.




Baskische Lieder im Konzerthaus

Eine Zeitinselkonzert ohne die beiden Künstlerinnen, denen die Zeitinsel gewidmet ist? Eigentlich unvorstellbar, doch Katia und Marielle Labèque überließen am Donnerstag, dem 26. November 2015 die Bühne der Gruppe Kalakan, die schon am Mittwoch die beiden Künstlerinnen begleitet hatten.

Thierry Biscary, Jamixel Bereau und Xan Errotabehere machten da weiter, wo sie am Mittwoch aufgehört haben. Traditionelle baskische Lieder, entweder rein a capella oder mit baskischen Instrumenten wie der Txalaparta (einer Art Xylophon aus Holzbrettern) oder Txistu (Flöte, die man mit einer Hand spielen kann) begleitet, erklangen im Konzerthaus.

Die reinen Vokalstücke erinnerten ein wenig an Gruppen wie „A Filetta“ aus Korsika, deren Besonderheit ebenfalls ein reiner Männergesang ist. Laut einer Theorie ist diese Art von Gesang aus den gregorianischen Gesängen entstanden. Hört man genau hin, ist diese Theorie durchaus plausibel. Bei den eher rhythmusbetonten Liedern konnte man sich in die Zeit der Renaissance zurückversetzt fühlen.

Kalakan schaffte es auch am Donnerstag die Besucher wieder aktiv mitzumachen. Das hypnotische Summen klang so professionell, dass man das Gefühl hatte, es würde über einen Loop abgespielt. Kein Wunder, dass ein Weltstar wie Madonna, die Musiker von Kalakan auf ihre Tour 2012 mitnahm.




Zeitinsel Labèque – Die Suche nach den Wurzeln

Die Begeisterung von Ravel zur spanischen Musik kommt nicht von ungefähr, denn seine Mutter war Baskin. Was lag also näher, als die bekanntesten Stücke von Maurice Ravel mit traditioneller baskischer Musik zu kombinieren. So begannen die beiden Schwestern Katia und Marielle Labèque ihre Zeitinsel im Konzerthaus Dortmund am 25. November mit einer Mischung aus Klassik und Weltmusik und einer Spurensuche nach den baskischen Wurzeln ins Ravels Musik.

Märchenhaft und beinahe zärtlich ging es los. „Ma mére l’oye“ (Mutter Gans) von Ravel ist ein feines Stück für Klavier zu vier Händen. In der sanften Interpretation von Katia und Marielle wird deutlich, warum das Stück bei Pianisten so beliebt ist. Scheinbar einfach in seinen Strukturen, entwickelt die Musik eine beinahe hypnotische Kraft.

Neben dem berühmten Bolero wird die Begeisterung von Ravel für das Spanische in seiner „Rhapsodie Espagole“ deutlich. An zwei Klavieren spielten die beiden Schwestern das Stück mit immer stärker werdender Intensität, vor allem im vierten Satz, der „Feria“, in der alle Emotionen kumuliert werden und zum Ausbruch kommen.

Nach der Pause kam ein frischer Hauch Weltmusik in den Konzertsaal. Thierry Biscary, Jamixel Bereau und Xan Errotabehere bilden das Trio Kalakan. Traditionelle baskische Musik, teilweise nur a capella dargeboten oder durch Percussioninstrumente betont, verzauberten das Publikum im Nu und brachte es zum Mitsummen und Mitklatschen.

Danach war wieder Ravel mit seinem wohl bekanntesten Stück „Bolero“ an der Reihe. Die Version, die Katia und Marielle Labèque zusammen mit Kalakan auf die Bühne zauberte, verblüffte durch ihre musikalische Klarheit. Kein großes Orchester, keine Streicher, keine Bläser. Zwei Klaviere und Percussion, mehr brauchte es nicht, um einen umwerfenden Bolero zu spielen, der von der Leidenschaft der beiden Schwestern geprägt war.

Die Zugaben waren eine kleine Vorausschau auf die nächsten Tage der Zeitinsel. Katia und Marielle Labèque spielen ein kleines Stück von Philip Glas als Vorgeschmack auf das „Minimalist Dream House“ am Samstag und Kalakan gaben eine Ahnung, was die Konzertbesucher am Donnerstag erwarten würde.




Wagner, Tanz und Licht

Am Freitag, 20.November 2015 steht ab 20.00 Uhr Musik von Richard Wagner auf dem Programm, die Dekanatskirchenmusiker und Propsteikantor Simon Daubhäußer als Transkription auf der renovierten Sauer-Orgel spielt. Tänzerisch interpretiert wird die Musik vom NRW Juniorballett und eingetaucht in eine begleitende Illumination.
Der Klang der Orgel, der Tanz des Balletts und die Lichtinstallation werden den Raum der Kirche vom Eingang bis in den Chorraum um den Altar ausfüllen. Im Sinne Wagners verschmelzen die sakralen und weltlichen Motive der Musikstücke mit der Körpersprache des Balletts im Raum der Propsteikirche zu einem Gesamtkunstwerk.

Simon Daubhäußer – Orgel
NRW Juniorballett – Tanz
Raimondo Rebeck – Choreografie
B & B Veranstaltungstechnik – Lichtinstallation

Für Kartenbestellungen richten Sie sich bitte an die Theater- und Konzertfreunde Dortmund e.V. oder telefonisch unter 0231 135 2335/6




Rhythmische Verführungskunst

Das 3. Philharmonische Konzert am 10. und 11. November brachte mit der Percussionistin Evelyn Glennie ein absolutes musikalisches Highlight. Sie spielte das Schlagzeugkonzert „Der gerettete Alberich“ von Christopher Rouse und zeigte, mit welcher Perfektion sie die verschiedenen Schlaginstrumente beherrscht.

Es war ein eher ungewöhnliches Bild für Besucher von klassischen Konzerten. Ein Schlagzeug, eine Steeldrum oder eine Marimba sind nicht oft Gast bei Symphonieorchestern. Doch Evelyn Glennie verzauberte das Publikum mit ihrem Können auf den verschiedenen Schlaginstrumenten. Rouse komponierte das Stück mit Sinn für Humor, denn es beginnt mit den letzten Takten der „Götterdämmerung“. Danach entfesselte Glennie den armen Alberich, der die Liebe für Gold eintauschte. Besonders beeindruckend war ihr Spiel auf der Marimba und in der Zugabe auf der Snaredrum. Da wurden einige Schlagzeuger sicherlich etwas neidisch.

Den Beginn machte aber Richard Strauss mit dem bekannten „Don Juan“, ein Musikportrait über eine der berühmtesten Figur in der Literatur. Auch hier spielte die Rhythmik eine große Rolle. Den Dortmunder Philharmonikern, diesmal unter der Leitung von Mario Vanzago, gelang es, diesem spätromantischen Werk eine besondere Farbigkeit zu aufzudrücken.

Nach der Pause ging es rhythmisch weiter mit Beethovens 7. Sinfonie. Ebenfalls ein Klassiker im Konzertbereich. Bekannt vor allem durch den langsamen zweiten Satz, dem „Trauermarsch“.

Alles in allem war es ein spannender Abend mit einer faszinierenden Glennie. Es ist immer wieder ein Gewinn, Musiker mit einem etwas ungewöhnlichen Instrument zu erleben wie Evelyn Glennie oder Carolina Eyck mit ihrem Theremin.




Im Zeichen der Barockmusik

Eine Mischung aus unbekannten und bekannten Komponisten der Barockzeit präsentierten vier Musiker der Dortmunder Philharmoniker sowie Luca Quintavalle am Cembalo beim 1. Kammerkonzert am 02. November 2015 im Orchesterzentrum Dortmund.

Bach, Vivaldi und Telemann sind große Namen innerhalb der Barockwelt, doch Fasch, Califano oder Zelenka sind sicherlich nur großen Fans der Barockmusik ein Begriff. Doch beim 1. Kammerkonzert zeigte sich, dass auch sie ein feines musikalisches Gespür besaßen und gefällige Kammermusik komponieren konnten.

Birgit Welpmann und Stefanie Dietz (Oboe), Minori Tschuchiyama (Fagott), Tomoko Tadokoro (Kontrabass) und der schon erwähnte Quintavalle am Cembalo präsentierten diese alte Musik in erfrischender Leichtigkeit.




Kein freakiges Instrument

Valérie Hartmann-Claverie präsentierte am 29. Oktober 2015 im Konzerthaus Dortmund in der Reihe „Musik für Freaks“ ein eher ungewöhnliches Instrument: Das Ondes Martenot. Die „Martenot Wellen“, wie das Instrument übersetzt heißt, ist ein elektronisches Musikinstrument aus den 20er Jahren. In diesen Jahren gab es mehrere Erfindungen von Musikinstrumenten, von denen aber nur das Theremin und eben das Ondes Martenot die Zeit überdauerten.

Nachdem die Zuschauer ungewohnterweise auf der Bühne Platz nehmen durften, spielte Hartmann-Claverie nicht nur einige kurze Stücke auf dem Instrument, sondern erklärte auch die Herkunft und die Funktionsweise. Vielleicht könnte man das „Ondes Martenot“ als einen der frühen Vorläufer der analogen Sythesizer bezeichnen, denn gespielt wird das Instrument über eine Klaviatur. Der Musiker kann den Klang durch elektronische Filter verändern oder die unterschiedlichen Lautsprecher aktivieren oder deaktivieren.

Das Instrument war zu seiner Zeit natürlich sehr modern. So ist es nicht verwunderlich, dass vor allem moderne französische Komponisten sich auf dieses Instrument stürzten wie Olivier Messiaen, Charles Koechlin oder André Jolivet. Heute gibt es ebenfalls Komponisten, die für dieses Instrument schreiben wie beispielsweise Tristan Murail. Ein Spieler des Ondes Martenot kommt aus dem Pop- und Rockbereich: Johnny Greenwood. Der Gitarrist der Band „Radiohead“ hat dieses Instrument in einigen Liedern der Band eingesetzt.

Ein gelungener, wenn auch etwas zu kurzer, Abend, um dieses faszinierende Instrument kennenzulernen. Ein schöner Auftakt der Reihe.




Dvořák remixt

Klassische Musik und Elektronik, klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich, ist aber in Dortmund ein Erfolgsrezept, dank Barbara Volkwein. Am 27. Oktober 2015 präsentierten zum dritten Mal die Dortmunder Philharmoniker und ihre Gäste die „Groove Symphony“. Dieses Mal wurde die 9. Sinfonie von Antonín Dvořák remixt.

Alec Tronic und Gabriel Vitel hatten diesmal die Aufgabe, die berühmte Sinfonie von Dvořák, zu bearbeiten. Sie taten dies anscheinend mit großen Spaß und hatten sogar eine Besonderheit: Gesang. Die Musik der beiden klang ein wenig nach „Wolfsheim“ und Peter Heppner und passte sich wunderbar der klassischen Musik von Dvořák an.

So war es ziemlich überraschend, dass das Konzert bereits nach einer Stunde zu ende war, doch spielten die Musiker noch einige Zugaben.

Ein ausverkauftes Konzerthaus war der beste Beweis, dass das Konzept auch beim dritten Mal funktierte. Ich kann mir gut vorstellen, dass Besucher, die eher von der Elektronik-Seite her kommen, jetzt auch mal die Lust verspüren, Dvořák mal „im Original“ zu hören.




Trauer, Dramatik, Hoffnung

Alle Beteiligten haben sich den Riesenapplaus redlich verdient. (Foto: © Müller-Girod)
Alle Beteiligten haben sich den Riesenapplaus redlich verdient. (Foto: © Müller-Girod)

Neben Beethovens Neunter und Gustav Mahlers Achter gehört die 2. Sinfonie des letztgenannten Komponisten sicherlich zu den Höhepunkten der Sinfoniekomposition mit Chor. Zusammen mit Lavinia Dames (Sporan) und Tanja Ariane Baumgartner (Mezzosopran) dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brno sorgten die Dortmunder Philharmoniker mit ihrem Dirigenten Gabriel Feltz für einen Abend, der bis an seine Grenzen ging. Ein Bericht vom 21. Oktober 2015.

Zwei Solisten, ein Chor, ein volles Orchester (darunter zwei Harfen, zehn Hörner, neuen Musiker für das Schlagwerk): Mahler sparte in seiner zweiten Sinfonie nicht an Mensch und Material. An Gabriel Feltz lag es, alle Mitwirkenden aufeinander abzustimmen und wie ein Mischpult für einen ordentlichen Gesamtklang zu sorgen. Und das gelang ihm.

Mahlers Zweite ist dafür bekannt, dass sie in den „apokalyptischen Phasen“ im ersten und vor allem am Ende des fünften Satzes eine enorme Lautstärke erreichen kann, doch sie hat auch ihre leisen und zärtlichen Phasen. Die Stärke von Feltz und dem Dortmunder Philharmonikern ist, dass sie auch bei den piano-Stellen einen guten Klang erzeugen und so für einen Ausgleich sorgen.

Bei einer solchen Sinfonie muss das Orchester in seiner Gesamtheit an ihre Grenzen gehen. Von daher wäre es ungerecht, wenn man einzelne Musiker herausnehmen müsste, doch da die „Pauken und Trompeten“ eine besondere Rolle gespielt haben, sind den Blechbläsern und den Schlagzeugern ein besonderes Lob zu zollen.




Zeitgenössisches zwischen zwei Romantikern

Was lange währt, wird endlich gut. Nachdem das vierte Kammerkonzert mit den Holzbläsern in der vergangenen Spielzeit ausgefallen ist, wurde das Konzert am 28. September 2015 nachgeholt. Zwischenzeitlich gab es eine Programm- und eine Besetzungsänderung. Für Frauke Hansen spielte Christine Stemmler und anstelle des Quintetts von Pavel Haas erklangen die sechs Bagatellen von György Ligeti.

Das Bläserquintett war ein Ruhrgebiets-Quintett. Bettina Geiger (Flöte), Jan Golebiowski (Horn) und Minori Tschuchiyama (Fagott) spielen alle bei den Dortmunder Philharmonikern. Anke Eilhardt (Oboe) bei den Bochumer Symphonikern und Frauke Hansen ist stellvertretende Soloklarinettistin beim Philharmonischen Orchester Hagen.

Zum Start spielten die Musiker die Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ von Gioacchino Rossini. Dass die Ouvertüre inzwischen bekannter ist als die Oper selbst, liegt vor allem an dem sehr bekannten „Reitermotiv“ gegen Ende des Stückes. Zuerst war es etwas ungewöhnlich, die Musik statt von einem Orchester von nur fünf Musikern zu hören, aber die Bearbeitung, die unter anderem auch von Eilhardt erstellt wurde, macht einen sehr guten Höreindruck.

Astor Piazzolla (1921-1992) war einer der bekanntesten Tango-Komponisten und sein „Tango Ballet“ ist nicht auf den Tanz ausgerichtet, sondern mehr auf das Zuhören. Dennoch war der Tango in jedem der fünf Sätze deutlich herauszuhören. Auch wenn das typische Tangoinstrument, das Bandoneon, fehlte, das „Tango Ballet“ war luftig und leicht.

Die „sechs Bagatellen für Bläserquintett“ stammten aus der Frühzeit von Ligetis Kompositionsschaffen, sie sind eine Hommage an Bartók und Stravinsky. Die Bagatellen sind vermutlich mit einigem Humor geschrieben, die bei den Ausführenden und den Zuhörern ankam.

Nach der Pause erlebten die Besucher eine deutsche Erstaufführung. Die Musiker präsentierten das Stück „Directions“ des ungarischen Komponisten Adam Vilagi, der beim Konzert anwesend war. Das viersätzige Werk besteht aus Elementen, bei denen die Musiker durch Klopfen oder Pusten Geräusche machen und musikalischen Abschnitten. Der dritte Satz „Shadows“ sorgt ein wenig für gruselige Stimmung und erinnert an Musik für einen Thriller oder ähnliches.

Nach so viel zeitgenössischer Musik war es wieder Zeit für ein spätromantisches Werk. Taffanels Bläserquintett im g-Moll war der idealer Abschluss eines gelungenen Abends mit gut aufgelegten Musikern und einer äußerst spannenden Programmauswahl.