Trauer, Dramatik, Hoffnung

Alle Beteiligten haben sich den Riesenapplaus redlich verdient. (Foto: © Müller-Girod)
Alle Beteiligten haben sich den Riesenapplaus redlich verdient. (Foto: © Müller-Girod)

Neben Beethovens Neunter und Gustav Mahlers Achter gehört die 2. Sinfonie des letztgenannten Komponisten sicherlich zu den Höhepunkten der Sinfoniekomposition mit Chor. Zusammen mit Lavinia Dames (Sporan) und Tanja Ariane Baumgartner (Mezzosopran) dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brno sorgten die Dortmunder Philharmoniker mit ihrem Dirigenten Gabriel Feltz für einen Abend, der bis an seine Grenzen ging. Ein Bericht vom 21. Oktober 2015.

Zwei Solisten, ein Chor, ein volles Orchester (darunter zwei Harfen, zehn Hörner, neuen Musiker für das Schlagwerk): Mahler sparte in seiner zweiten Sinfonie nicht an Mensch und Material. An Gabriel Feltz lag es, alle Mitwirkenden aufeinander abzustimmen und wie ein Mischpult für einen ordentlichen Gesamtklang zu sorgen. Und das gelang ihm.

Mahlers Zweite ist dafür bekannt, dass sie in den „apokalyptischen Phasen“ im ersten und vor allem am Ende des fünften Satzes eine enorme Lautstärke erreichen kann, doch sie hat auch ihre leisen und zärtlichen Phasen. Die Stärke von Feltz und dem Dortmunder Philharmonikern ist, dass sie auch bei den piano-Stellen einen guten Klang erzeugen und so für einen Ausgleich sorgen.

Bei einer solchen Sinfonie muss das Orchester in seiner Gesamtheit an ihre Grenzen gehen. Von daher wäre es ungerecht, wenn man einzelne Musiker herausnehmen müsste, doch da die „Pauken und Trompeten“ eine besondere Rolle gespielt haben, sind den Blechbläsern und den Schlagzeugern ein besonderes Lob zu zollen.




Zeitgenössisches zwischen zwei Romantikern

Was lange währt, wird endlich gut. Nachdem das vierte Kammerkonzert mit den Holzbläsern in der vergangenen Spielzeit ausgefallen ist, wurde das Konzert am 28. September 2015 nachgeholt. Zwischenzeitlich gab es eine Programm- und eine Besetzungsänderung. Für Frauke Hansen spielte Christine Stemmler und anstelle des Quintetts von Pavel Haas erklangen die sechs Bagatellen von György Ligeti.

Das Bläserquintett war ein Ruhrgebiets-Quintett. Bettina Geiger (Flöte), Jan Golebiowski (Horn) und Minori Tschuchiyama (Fagott) spielen alle bei den Dortmunder Philharmonikern. Anke Eilhardt (Oboe) bei den Bochumer Symphonikern und Frauke Hansen ist stellvertretende Soloklarinettistin beim Philharmonischen Orchester Hagen.

Zum Start spielten die Musiker die Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ von Gioacchino Rossini. Dass die Ouvertüre inzwischen bekannter ist als die Oper selbst, liegt vor allem an dem sehr bekannten „Reitermotiv“ gegen Ende des Stückes. Zuerst war es etwas ungewöhnlich, die Musik statt von einem Orchester von nur fünf Musikern zu hören, aber die Bearbeitung, die unter anderem auch von Eilhardt erstellt wurde, macht einen sehr guten Höreindruck.

Astor Piazzolla (1921-1992) war einer der bekanntesten Tango-Komponisten und sein „Tango Ballet“ ist nicht auf den Tanz ausgerichtet, sondern mehr auf das Zuhören. Dennoch war der Tango in jedem der fünf Sätze deutlich herauszuhören. Auch wenn das typische Tangoinstrument, das Bandoneon, fehlte, das „Tango Ballet“ war luftig und leicht.

Die „sechs Bagatellen für Bläserquintett“ stammten aus der Frühzeit von Ligetis Kompositionsschaffen, sie sind eine Hommage an Bartók und Stravinsky. Die Bagatellen sind vermutlich mit einigem Humor geschrieben, die bei den Ausführenden und den Zuhörern ankam.

Nach der Pause erlebten die Besucher eine deutsche Erstaufführung. Die Musiker präsentierten das Stück „Directions“ des ungarischen Komponisten Adam Vilagi, der beim Konzert anwesend war. Das viersätzige Werk besteht aus Elementen, bei denen die Musiker durch Klopfen oder Pusten Geräusche machen und musikalischen Abschnitten. Der dritte Satz „Shadows“ sorgt ein wenig für gruselige Stimmung und erinnert an Musik für einen Thriller oder ähnliches.

Nach so viel zeitgenössischer Musik war es wieder Zeit für ein spätromantisches Werk. Taffanels Bläserquintett im g-Moll war der idealer Abschluss eines gelungenen Abends mit gut aufgelegten Musikern und einer äußerst spannenden Programmauswahl.




Tschaikowsky und Shakespeare

Das erste Philharmonische Konzert am 15. und 16. September 2015 stand unter dem Titel „freuden_tränen“. Waren es nun mehr Freunden als Tränen? Alban Bergs „Dem Andenken eines Engels“ handelt vom Tod der jungen Manon Gropius und wie die Geschichte von Romeo und Julia ausgeht, brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Dennoch (oder gerade deshalb) war es ein bewegender Abend am 15. September.

Tschaikowsky und Shakespeare. Der russische Komponist des 19. Jahrhunderts verehrte den englischen Dichter und Autor aus dem 16. Jahrhundert. Neben dem „Sturm“ und „Romeo und Julia“ komponierte Tschaikowsky auch die Fantasie-Ouvertüre zu „Hamlet“. „Der Sturm“ und „Romeo und Julia“ bildeten die Klammer beim ersten Philharmonischen Konzert.

Gleich schwungvoll kräftig, aber auch liebevoll zärtlich ließ Gabriel Feltz seine Musiker den Sturm bezwingen und die Liebesgeschichte zwischen Ferdinand und Miranda besingen. Ein Kleinod der russischen Musik, die gerne häufiger auf dem Spielplan stehen könnte.

Mit Tschaikowsky endete auch der Konzertabend. „Romeo und Julia“. Auch wenn die ersten Takte eher an Russland als an Verona erinnern, zaubert Tschaikowsky in seinem Liebesmotiv mit Englischhorn und Bratsche eine zärtliche Stimmung bis Pauken und Schlagwerk die Kämpfe und das bittere Ende der beiden Liebenden symbolisieren.

Neben Tschaikowsky stand das Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ von Alban Berg im Mittelpunkt. Die Solovioline spielte der 1. Konzertmeister Alexander Prushinskiy. Trotz der Zwölftonmusik hat Bergs Werk etwas tragisches Zerbrechliches an sich. Prushinskiy gelang es, dieses Zarte auch in ein Spiel zu integrieren, im zweiten Teil, dem „Andante“ wird die Stimmung düsterer und die Katastrophe scheint sich anzubahnen. Auch hier zeigte Prushinskiy seine Klasse.

Ebenfalls mit im Programm war Schuberts 7. Sinfonie, die „Unvollendete“. Schubert, dessen Liederzyklen ja bekannter sind als seine Sinfonien, bleibt auch hier ein Meister der Melodien. Auch wenn sich Musikwissenschaftler darüber streiten, warum Schubert seine Siebte unvollendet ließ – er starb zwar jung, aber er legte die Sinfonie bereits fünf Jahre vor seinem Tod beiseite – vielleicht brauchte Schubert nicht mehr als zwei Sätze um seine musikalischen Ideen auf den Punkt zu bekommen.




Das Pop-Abo geht in die 10. Runde

Seit 2006 gibt es diese Reihe: Singer-Songwriter im Klassikambiente des Konzerthauses oder kurz: Das Pop-Abo. Auch für die Spielzeit 15/16 hat sich Christian Lenzig wieder ein interessantes Programm ausgesucht aus etablierten Musikern und Neuentdeckungen. Der skandinavische Einschlag ist wieder spürbar.

Den Beginn macht die Gruppe „Calexico“ am 18.11.2015. Calexico macht schon seit über zwei Jahrzehnten Musik und mischen Rock mit mexikanischem Mariachi und Country-Sounds. Tex-Mex in Vollendung.

2016 geht es weiter mit Aurora. Am 05.02.2016 zeigt die norwegische Sängerin Aurora Asknes eine außergewöhnliche Show. Normalerweise macht sie ein sehr elektronisches Set mit Synthesizern, aber für das Konzerthaus wird es ein sehr akustisches Set spielen mit Stimme und Klavier. So werden ihre Fans sie wohl noch nicht gehört haben.

Ein Doppelkonzert gibt es am 27.02.2016. Wer der „special guest“ des Norwegers Daniel Norgren sein wird, ist noch nicht bekannt. Aber schon Norgren alleine wird mit seinem Südstaaten-Blues die Melancholie ins Konzerthaus locken. Norgren, die gleichzeitig Schlagzeug und Gitarre spielen kann, wird von einem Kontrabassisten begleitet.

Den Schlußpunkt setzt ein wiederholungstäter. „Get well soon“, die Band um Konstantin Gropper war bereits 2010 Teil des Pop-Abos. Zudem waren sie bereits im FZW oder beim Juicy Beats und haben daher eine gewissen Dortmund-Affinität. Die Musik ist eine Mischung zwischen krachendem Indie-Rock, opulenten Barock-Pop und einer Spur Progessive-Rock. Zu sehen und hören am 29.04.2016.

Mehr Informationen und Preise für das Abo sowie die einzelnen Konzerte auf der Seite des Konzerthauses Dortmund: http://konzerthaus-dortmund.de/de/programm/abonnements/215/




Juicy Beats Geburtstag vom Winde verweht

Tolle Stimmung herrschte am Freitag bei "Fettes Brot".
Tolle Stimmung herrschte am Freitag bei „Fettes Brot“.

Ausgerechnet bei der 20. Auflage des Juicy Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark spielte das Wetter nicht mit. Lief der Freitag (24. Juli 2015) noch problemlos über die Bühne, wurden am Samstag die Reißleine gezogen. Die Veranstalter verkündeten: „Nach Aussage des Deutschen Wetterdienstes werden für den heutigen Tag in Dortmund unwetterartige Windstärken und mögliche Orkanböen erwartet, die die in unserem Sicherheitskonzept als zulässig definierten Windstärken sehr deutlich überschreiten. Aus diesem Grunde haben wir uns in Absprache mit Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Westfalenpark zu einer Absage der heutigen Veranstaltung entschieden, da eine sichere Durchführung nicht gewährleistet ist. Alle Infos zur Ticketrückerstattung werden wir im Laufe der nächsten Woche bekanntgegeben.“ So bleibt mir nur der Bericht zu Freitag.

Das Highlight am Freitag war ohne Zweifel Fettes Brot, die den Abend mit ihren Hits abschlossen. Vorher überzeugten SPD, Weekend und die junge Belgierin Coely mit ihrer Musik. Auch auf den anderen Bühnen war mächtig was los. „Deine Freunde“ und „Alle Farben“ sorgten auf dem Electronic DJ Stage für gute Laune. Getanzt wurde genauso gut auf den Solar Elektro-Sound Floor und dem Mad Club Floor. Insgesamt feierten am Freitag 15.000 Menschen.

Zufrieden konnte der Berichterstatter nach Hause und freute sich schon – zwar mit leichten Bauchschmerzen wegen der Wettervorhersage – auf den nächsten Tag mit Highlights wie Fritz Kalkbrenner, La Brass Banda oder ein Wiedersehen mit Dear Reader. Doch am Samstag hatte das Wetter endgültig einen Strich durch meine Pläne gemacht.




Dortmunder Parks im Summersound-Feeling

Auch Slackline wird es dieses Jahr bei den Summersounds wieder geben. (Foto: © Wolfgang Strausdat)
Auch Slackline wird es dieses Jahr bei den Summersounds wieder geben. (Foto: © Wolfgang Strausdat)

Am Samstag (04. Juli) im Dortmunder Westpark starten die Summersounds DJ-Picknicks in ihre siebte Saison. Acht Wochen lang zieht die von der Stadt veranstaltete „Umsonst & Draußen“-Reihe immer samstags von 14 bis 22 Uhr mit einem  DJ-Aufgebot durch die Dortmunder Grün-Oasen. Mit über 100 Liegestühlen, einer mobilen Bar, diversen Food-Ständen und wechselnden Funsport-Specials bieten die Summersounds allerdings weit mehr als nur Musikprogramm.

Die Summersounds entstanden im Kulturhauptstadtjahr und sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Dortmudner Kulturszene geworden. „Wir wollen ein kostenloses Angebot für junge Leute in den Ferien anbieten“, so Paul Baranowski vom Stadtgrün.

Mit einem Aufgebot an regionalen DJs und nationalen Acts wollen die Summersounds einen abwechslungsreichen Mix aus Hip Hop, Nu Jazz, Electronic Beats, Deep House, Reggae und Urban Beats bieten. Im Westpark bringen Ingo Sänger, Carsten Helmich (Juicy Beats) und Henry L Deep House und Electronic Beats auf die Plattenteller. Auf der Wiese an den Westfalenhallen (11.07.) sorgt Larse, der Resident DJ der 1LIVE-Sendung Klubbing, für den passenden Sound und das Gratisfilm Soundsystem gibt eines ihrer mittlerweile seltenen Sets aus Nu-Jazz, Funky-Grooves und All-Time Favourites zum Besten. Eine ordentliche Portion Old School Hip Hop garniert mit alten Soul,Funk und Disco-Tunes servieren Der Wolf, Funky Chris und die Soultrippin’ Crew auf der Tremoniawiese (18.07.). Das Picknick am Phoenix See (01.08.) mit Hans Nieswandt von 1Live steht ganz im Zeichen elektronischer Melodien und entspannter Beats. Dazu gesellen sich Der Radius und Mahan. Erstmals arbeiten die DJ-Picknicks auch mit dem Micro-Festival zusammen: am Stadewäldchen (08.08.) gibt es ein Special mit dem Funkhaus Europa DJ-Team bestehend aus Daferwa, Ida und DJ Vasy. Ein weiterer Act ist DJ Suro, der Band- und Tour-DJ der Hamburger Hip-Hop-Größe Dendemann, der zusammen mit Max Gyver und den Audio Rebelution Rockaz die Wiese an den Westfalenhallen bespielt (15.08.). Zum Finale im Fredenbaumpark (22.08.) wird dann das zehnjährige Bestehen des Ruhrpott-Plattenlabels Kittball Records gefeiert: Ante Perry, Juliet Sikora und P.A.C.O. servieren feinste Electronic Beats von House und Electro bis zu sommerlichen Balearic Sounds.

Das umfangreiche Rahmenprogramm wird erneut vom Jugendamt und weiteren Kooperationspartnern organisiert. So präsentiert Dortmunder Kronen diesmal zwei große Funsport-Aktionen: Bei einem Slackline-Workshop (04.07.) können Anfänger und Fortgeschrittene von Profis lernen, wie man am auf dem trendigen „Hoch“-Seil balanciert, zudem gibt es ein Turnier im schrägen Kopfballtischtennis „Headis“ (22.08.). Dabei wird unter vollem Körpereinsatz ein größerer Ball mit dem Kopf über die Tischtennisplatte gespielt. Dies kann bereits am 11.07. an den Westfalenhallen ausprobiert werden. Unter www.djpicknick.de und bei den Events kann man sich dann für das Turnier anmelden. Bei weiteren Stationen gibt es unter anderem eine Skateboard Rampe und Live-Grafitti, einen Riesenkicker und einen Jonglier-Workshop. Auch in der Frisbee-Sportart „Disc-Golf“ können sich die Gäste erproben. Zum Finale im Fredenbaumpark endet die Reihe mit einer Feuershow der Performance-Gruppe Femfire. Der wachsenden Nachfrage kommen die Veranstalter in diesem Jahr mit einem wechselnden Angebot an Snacks und Getränken von regionalen Anbietern nach: Neben Pommes und Currywurst von Benbergs Benys werden diesmal auch Burger (Pottburger), Frozen Yoghurt, Eis, Crépes und Kaffee-Spezialitäten angeboten. Als besonderer Höhepunkt sind die Summersounds gemeinsam mit der Plattform „Bring your own BEATS!“ mit einer Bühne für Nachwuchs-Hip-Hopper beim Juicy Beats Festival vertreten.

Veranstaltet werden die DJ-Picknicks von der Stadt Dortmund Stadtgrün in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem UPop e.V. (Verein für urbane Popkultur). Präsentator der Summersounds ist Kronen. Zudem unterstützen die Sparkasse Dortmund und DOGEWO21 die sommerlichen Events.

SUMMERSOUNDS 2015 – TERMINE

Sa. 04.07. | 14:00-22:00 Uhr | Eintritt frei | Westpark | Dortmund
SUMMERSOUNDS
DJ Picknick mit Ingo Sänger, Carsten Helmich und Henry L
Funsport-Special: Kronen Slackline Workshop

Sa. 11.07. | 14:00-22:00 Uhr | Eintritt frei | Westfalenhallen | Dortmund
SUMMERSOUNDS
DJ Picknick mit Larse und Gratisfilm Soundsystem
Funsport-Special: Headies (Kopfball-Tischtennis)

Sa. 18.07. | 14:00-22:00 Uhr | Eintritt frei | Tremoniawiese | Dortmund
SUMMERSOUNDS
DJ Picknick mit Der Wolf, Funky Chris und der Soultrippin’ Crew
Funsport-Special: Skateboard Rampe

SPECIAL: Sa. 25.07.
SUMMERSOUNDS @ JUICY BEATS FESTIVAL (Es fällt Festival Eintritt an)
Newcommer Stage beim Juicy Beats Festival

Sa. 01.08. | 14:00-22:00 Uhr | Eintritt frei | Phoenix See | Dortmund
SUMMERSOUNDS
DJ Picknick mit Hans Nieswandt, Der Radius, Mahan
Funsport-Special: Riesen-Kicker

Sa. 08.08. | 14:00-22:00 Uhr | Eintritt frei | Stadewäldchen (Am Südbad) | Dortmund
SUMMERSOUNDS MEETS GLOBAL PLAYER
DJ Picknick mit dem Funkhaus Europa DJ-Team: Daferwa, Ida und DJ VASY
Funsport-Special: Jonglier-Workshop

Sa. 15.08. | 14:00-22:00 Uhr | Eintritt frei | Wiese an den Westfalenhallen | Dortmund
SUMMERSOUNDS
DJ Picknick mit DJ Suro, Max Gyver und Audio Rebelution Rockaz
Funsport-Special: Disc-Golf (Frisbee Workshop)

Sa. 22.08. | 14:00-22:00 Uhr | Eintritt frei | Fredenbaumpark | Dortmund
Summersounds: 10 JAHRE KITTBALL SPECIAL
DJ Picknick mit Ante Perry, Juliet Sikora, P.A.C.O.
Finale-Special: Kronen Headis Cup & Femfire (Feuershow)

Website: www.djpicknick.de




Ausklang mit großen Gefühlen

Charles Castronovo und Maria Agresta begeisterten das Publikum an der Seebühne. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Charles Castronovo und Maria Agresta begeisterten das Publikum an der Seebühne. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Das Festival Klangvokal ging am 28. Juni 2015 mit der Italienischen Operngala im Westfalenpark zu Ende. Charles Castronovo und Maria Agresta sangen unter musikalischer Begleitung des WDR Funkorchesters Köln unter der Leitung von Alexander Joel. Moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Finkernagel.

Wenn es um große Gefühle und Oper geht, dann haben die Italiener des 19. Jahrhunderts klar die Nase vorn. Vor allem Verdi und Pucchini haben wundervolle Arien geschrieben, die die Menschen mitreißen oder vor Rührung zum Taschentuch greifen lassen.

Mit Verdis „Macbeth“ fing es an. Die Trauerklage Macduffs „O figli, o figli miei“ um seine toten Kinder und seine tote Frau lässt das Konzert dramatisch beginnen. Etwas freundlicher wirkte die Cavatine der Amelia „Come in quest’ora bruna“ aus Verdis „Simone Boccanegra“.

Agresta konnte ihren dramatischen Sopran bei Verdis „La traviata“ nach dem Roman „Die Kameliendame“ unter Beweis stellen. Vor allem ihr Gesang bei „E strano“ war bewegend.

Nicht so bekannt wie Puccini oder Verdi ist Ruggero Leoncavallo. Aber die Arie der Nedda „Qual fiamma avea nel guardo“ wurde wiederum meisterhaft dargebracht von Maria Agresta. Danach wurde es wieder dramatisch. „La Bohème“ von Puccini stand auf dem Programm. Die tragische Geschichte um Dichter Rodolfo und die Blumenstickerin Mimì gehört zu seinen Meisterwerken. Zu hören waren „D’onde lieta usci“ aus dem 3. Bild und die Geschichte des Kennenlernens der beiden Protogonisten: „Che gelida manina“, „Mi chiamano Mimì“ und „O soave fanciulla“.

Selbstredend gaben Castronovo und Agresta noch Zugaben, wobei Castronovo ein sizilianisches Volkslied sang und sich dabei gekonnt mit der Gitarre begleitete.

Ein furioses Feuerwerk beendete den gelungenen Abend.




Voll Intensität und Leidenschaft

 Das „Quartet Hawniyaz“ : (v.l.n.r.)  Jazz-Pianist Salman Gambarov, Sängerin Aynur Doğan, Kamancheh-Legende Kayhan Kalhor (Iran) sowie dem kurdischen Tambur-Spieler Cemil Qocgiri. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Das „Quartet Hawniyaz“ : (v.l.n.r.) Jazz-Pianist Salman Gambarov, Sängerin Aynur Doğan, Kamancheh-Legende Kayhan Kalhor (Iran) sowie dem kurdischen Tambur-Spieler Cemil Qocgiri. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Am vorletzten Tag des Klangvokal Festivals bekam das Publikum mit „Songs of Kurdistan“ am 27. Juni 2015 im prall gefülltem Veranstaltungsraum im Dortmunder Jazz-Club Domicil einen besonderen Einblick in die für westliche Hörgewohnheiten ungewöhnliche kurdisch-arabische Weltmusik. Das „Quartet Hawniyaz“ mit der in der kurdischen Musiklandschaft bekannten Sängerin Aynur Doğan, Kamancheh-Legende Kayhan Kalhor (Iran), dem Jazz-Pianisten Salman Gambarov (Aserbaidschan) sowie dem kurdischen Tambur-Spieler Cemil Qocgiri führten die Zuhörerinnen und Zuhörer durch das kulturelle Erbe ihrer Heimatländer.

Erwartungsgemäß lockte das Programm viele Menschen aus der kurdischen Gemeinschaft ins domicil. Das zeigt die große Bekanntheit der Gruppe. Aber auch für die Besucher aus Dortmund, die nicht aus diesem Kulturkreis stammen, lohnte es sich, auf das musikalische Abenteuer einzulassen. Aynur Doğan bot mit ihrer starken Stimme Lieder voller Intensität, Leidenschaft und oft mit einer Portion Melancholie. Es war ein Klagegesang voller Schmerz.

Ihre drei exzellenten instrumentalen Begleiter zogen das Publikum mit in eine fremde Welt. Die Stücke hatten fast schon einen meditativen Sog und gingen fließend ineinander über. Interessant war es für das Publikum, Instrumente kennen zu lernen und akustisch zu erleben, die nicht aus unserem mitteleuropäischen Kulturkreis stammen. So zum Beispiel die Kamancheh, eine Stachelgeige in der iranischen Musik. Kayhan Kalhor spielte mit viel Gefühl auf der Stachelfidel mit einem kleinen einfachen Resonanzkörper und langem dünnen Hals. Wunderbare orientalische Klänge zaubert die von Cemil Qocgiri gespielte und im Orient verbreitete , seit zweitausend Jahren bekannte gezupfte Langhalslaute Tambur. Die Begleitung durch sich wiederholende Klavierklänge des Jazz-Pianisten Salman Gambarov passten gut in das künstlerische Gesamtgefüge.

Als Zugabe für das begeisterte Publikum gab es am Ende noch einen bei vielen kurdischen Gästen bekannten Song zum mitklatschen und mitsingen.




Traumhafte Melancholie

Das Ensemble "Concerto Italiano" spielte ind er Bonifatiuskirche Madrigale von Monteverdi und Zeitgenossen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Das Ensemble „Concerto Italiano“ spielte ind er Bonifatiuskirche Madrigale von Monteverdi und Zeitgenossen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Am 26. Juni 2015 war das Ensemble „Concerto Italiano“ unter der Leitung von Rinaldo Alessandrini im Rahmen des Festivals Klangvokal zu Gast in der Bonifatiuskirche. Sie spielten hauptsächlich Madrigale nach Texten von Battista Guarinis „Il pastor fido“ von Monteverdi und Zeitgenossen.

Neben der Liebe hat wohl kein Gefühl die Künstler so stimuliert wie die Melancholie. In England hat es beispielsweise der Barockkomponist John Dowland zur Perfektion gebracht, aber auch in anderen Ländern hat dieses Gefühl unendlich viel Literatur und Musik hervorgebracht. Im Mittelpunkt von „Il pastor fido“, der treue Hirte, steht eine Unterform der Melancholie: die des unglücklich Verliebtseins.

Die Tragikomödie „Il pastor fido“ von Guarini wurde Ende des 16. Jahrhunderts veröffentlicht und inspirierte viele Komponisten Madrigale zu komponieren. Neben Monteverdi auch Zeitgenossen wie Luca Marenzio, Marsillo Casentini, Sigismondo d’India, Antonio Cifra, Benedetto Pallavicino oder Giaches de Wert. Alle Komponisten fanden einen unterschiedlichen Zugang zu den Texten. Daher wurde es den Zuhörern in der vollen Bonifatiuskirche auch nicht langweilig, das gleiche Madrigal siebenmal zu hören. So war die Version von de Wert beispielsweise schneller, prononcierter als seine Kollegen.

Sie sechs Sängerinnen und Sänger zeigten eine hervorragende Leistung. Vor allem der Bass Marco Bellotto und der Countertenor Andrea Arrivabene, der den Alt-Part sang, überzeugten. Das Lob kann man getrost auch den Musikern übertragen. Vor allem die beiden Theorbe-Spielern Craig Marchetelli und Ugo di Giovanni, die ungewohnter Weise mit dem Rücken zum Publikum saßen, sorgten mit ihrem Basso continuo für einen vollen Klang.

Erneut zeigte das Festival Klangvokal, dass ihr die Pflege der Alten Musik am Herzen liegt. Vokalmusik aus der Renaissance und dem Barock versetzen die Zuhörer dank erstklassiger Interpreten mehrere Jahrhunderte in die Zeit zurück. Die Kirchen boten eine ideale Spielstätte, wobei glücklicherweise auch der weltlichen Vokalmusik gehuldigt werden konnte.




Erst geht Klopp, dann geht Wallfisch

Mit einem zweitägigen Festival am 25 und 26. Juni 2015 verabschiedete der ehemalige musikalische Leiter des Schauspielhauses, Paul Wallfisch, nach sechs Jahren aus Dortmund. Das „Big Small Beast“ zeigte nicht nur die Arbeiten, die Wallfisch für das Schauspielhaus geschrieben hatte, sondern Wallfisch lud auch in bekannter Manier Gäste ein. Am Donnerstag war Giant Sand der Stargast, während am Freitag Lydia Lunch der Hauptact war.

Pünktlichkeit und Small Beast. Zwei Dinge die nicht zusammen passen. Fingen die kleinen Konzerte statt um 22 Uhr gerne mal eine halbe Stunde später an, sollte sich diese schöne Tradition bei den „Big Small Beasts“ auch nicht ändern.

Der Donnerstag begann mit einer Retrospektive der Arbeiten von Paul Wallfisch für die unterschiedlichsten Theaterstücke. Von „Woyzeck“ über „Meister und Margarita“, „Republik der Wölfe“ bis hin zu „Drama Queens“ spielten und sangen seine musikalischen Weggefährten sowie das Dortmunder Ensemble Lieder, die regelmäßige Theatergänger sofort wiedererkannten. Hier zeichneten sich vor allem Bettina Lieder und Eva Verena Müller durch ihren Gesang aus. Zum Abschluss erhielt Wallfisch als Erinnerung ein Stück original Dortmunder Theaterboden sowie den weißen Mantel, den er bei der Produktion von „Woyzeck“ getragen hatte. Der Weggang von Wallfisch ist ein Verlust für Dortmund, konstatierte Schauspielleiter Kay Voges. „Erst geht Klopp, dann Wallfisch.“

Danach spielte John Parish mit Band. Er präsentierte das Beste aus seiner Filmmusik der letzten Jahrzehnte wie „Nowhere Man“, „Plein Sud“ oder „Rosie“. Vor allem mit der belgischen Regisseurin Patrice Toye scheint Parish eine künstlerische Verbindung zu haben. Auch wenn auf einer Leinwand Szenen aus den Filmen eingeblendet wurde, seine Songs oder Songstrukturen zauberten eine ähnliche Atmosphäre wie in den Filmen.

Der Freitag begann mit einem kurzen Konzert von „Solmn Diver“, dem Bühnenname von Wallfischs Sohn. Er entwickelte sich in die Singer/Songwriter-Richtung und erinnerte ein wenig an die ersten Alben von „The tallest man on earth“.Es bleibt abzuwarten, ob er sich in der ersten Liga der „Klampfenmänner und -frauen“ etablieren kann.

Danach kam ein alter Bekannter auf die Bühne. Thomas Truax, der auch schon für die Theaterproduktion „Peer Gynt“ die Musik gemacht hatte, begleitet durch den „Hornicator“ und „Mother Superior“. Truax ist einer der wenigen Musiker, die zwar alleine spielen, aber Dank ihrer Instrumente klingen, als wäre ein komplette Band auf der Bühne.

Danach war es wieder Zeit für Paul Wallfisch und seine Band Botanica. Paul Wallfisch an der Orgel, John Andrew an der Gitarre, Budgie am Schlagzeug und Christian Bongers am Bass, begleitet von Anne DeWolff an der Violine legten sich von der ersten Sekunde an so ins Zeug, dass man das Gefühl hatte, die Bühne des Schauspielhauses würde sofort danach geschreddert.

Zum Schluss betraten Lydia Lunch und ihre Band Retrovirus die Bühne des Schauspielhauses. Ihre energische „noise music“ ist laut, unangepasst, auch wenn ihr Gitarrist Weasel Walter sämtliche Rock-Gitarristen-Posen schon im ersten Song untergebracht hatte.