Wir lieben Brahms

Die beliebte Liedmatinee am Sonntagmorgen wurde in der Spielzeit 15/16 weitergeführt durch das Konzert von Keiko Matsumoto und Natascha Valentin, ihres Zeichen Solistinnen des Dortmunder Opernchores, am 28. Februar 2016 unter dem Titel „Lieben Sie Brahms?“. Spätestens nach dem Konzert war diese Frage nur noch rhetorischer Natur,

Begonnen wurde das Konzert aber nicht mit Brahms, sondern mit Musik von seinem Freund Antonin Dvořák. Seine „Klänge aus Mähren“ op. 32 erfüllten in seiner Musik und in den Texten alle romantischen Bedingungen. Natur,Liebe und Heimat stehen im Mittelpunkt.

Die Lieder, die von Brahms zu hören waren, stammten ebenfalls (bis auf Goethe) aus der Romantik. Angefangen von Herders „Stimmen der Völker in Liedern“ über den niederdeutschen Dichter Klaus Grothe bis hin zu „Des Knaben Wunderhorn“.

Der Sopran von Matsumoto und der Mezzosopran von Valentin ergänzten sich sehr gut, vor allem bei den Mutter/Tochter Stücken „In den Beeren“, „Guter Rat“ und „Walpurgisnacht“, dem kraftvollen Höhepunkt und Abschluss des Konzertes. In der Zugabe verwandelten sich die beiden Sängerinnen in Schwestern und sangen das gleichnamige Lied von Brahms nach dem Text von Mörike. Dazu passte, dass Matsumoto und Valentin Kleider mit Blumenmuster trugen.

Die beiden Sängerinnen aus dem Dortmunder Opernchor wurden einfühlsam begleitet von Granville Walker, seines Zeichens ehemaliger Chordirektor der Dortmunder Oper.




Romantische Komödie mit Livemusik

Was gibt es Schöneres als den Schalttag mit dem absoluten Filmklassiker „Lichter der Großstadt“ zu begehen, der live begleitet wird von den Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz? 90 Minuten Kino- und Konzerterlebnis im Konzerthaus Dortmund. Der lang anhaltende Schlussapplaus galt nicht nur den Musikern, sondern auch dem Schauspieler und Humanisten Charles Chaplin, der sogar die Musik zum Film geschrieben hatte.

Vielleicht lag die besondere Magie genau darin, dass sich die beiden Hauptdarsteller Chaplin und Virginia Cherill (Blumenmädchen) angeblich nicht ausstehen konnten. So blieb eine gewisse Distanz übrig, die den Film vor dem Kitsch rettet. Die romantische Komödie von 1931 vom Tramp (Chaplin), der sich in ein blindes Blumenmädchen verliebt und durch die temporäre Freundschaft zu einem Millionär (Marry Myers) in der Lage kommt, ihr zu einer Operation zu verhelfen, ist ein Stummfilm, trotz der aufstrebenden Tonfilms. Das Ende bleibt im Film offen, auch das ist das Schöne, ohne Hollywoodeskes Happy-End.

Die Musiker und ihr Dirigent mussten bei dem Film auf Zack sein, denn die vielen Slapstick-Einlagen wurden auf die Sekunde genau von entsprechenden Klangeffekten begleitet. Für die übrigen Musik ist Chaplin überwiegend verantwortlich, bis auf das Leitmotiv für das Blumenmädchen, das stammt von José Padilla. Chaplins Musik ist passender weise romantisch beeinflusst mit verschiedenen Leitmotiven für die Hauptcharaktere. Ein Heimspiel für die Philharmoniker.

Ein lustiger, berührender, auf jeden Fall emotionaler Filmabend ging endete und man darf gespannt sein, welcher Film in der nächsten Spielzeit gezeigt wird.




Keine Grenzen beim Musikfestival Klangvokal

Elsa Dreisig wird beim Abschlusskonzert "Von Wien nach New York" singen. (Foto: © Camilla Storvollen)
Elsa Dreisig wird beim Abschlusskonzert „Von Wien nach New York“ singen. (Foto: © Camilla Storvollen)

Zum 8. Mal findet in Dortmund das Festival Klangvokal statt. Unter dem Titel „grenzenlos“ erklingen vom 13. Mai bis zum 12. Juni 2016 25 Konzerte aus den Genres Klassik, Jazz und Weltmusik. Musik aus 30 Ländern wird zu hören sein. Die passenden Veranstaltungsorte sind neben den Dortmunder Kirchen das Konzerthaus, das Orchesterzentrum und das domicil. Im Westfalenpark freuen sich die Menschen erneut auf das A-capella-Festival, ein weiterer Höhepunkt das das große Fest der Chöre am 04. Juni mit über 150 Chören.

Klangvokal möchte Grenzen überschreiten, seien es kulturelle oder Genres. Daher gibt es im Programm einige Konzerte, die die eingefahrenen Wege verlassen und mischt beispielsweise Barock mit Pop oder mit nordeuropäischen Anklängen. Eine weitere Besonderheit ist, dass viele Künstler zum ersten Mal in Deutschland spielen oder ihr Programm exklusiv in Dortmund aufführen. So wird der vierte Akt von Puccini „Edgar“ zum ersten Mal in Deutschland zu hören sein. Ein weiterer Höhepunkt aus dem Bereich Oper und Operette ist das Abschlusskonzert „Von Wien nach New York“ am 12. Juni im Konzerthaus. Es präsentiert eine bunte Mischung aus der italienischen Oper, der Wiener Operette und dem amerikanischen Musical.

Doch das Festival Klangvokal ist wegen eines anderen Schwerpunktes weit über Dortmund hinaus bekannt: Die Alte Musik. Barockmusik trifft auf Pop und Weltmusik. So beim „Meer der Erinnerungen“ am 29. Mai in der Marienkirche wenn traditionelle Mittelmeermusik und Barockmusik von Cavalli und Rossi erklingen. Poppig wird’s bei „Mine meets Monteverdi“ am 03. Juni im domicil, wenn Popsängerin Mine und Sopranistin Robin Johannsen Monteverdi neu interpretieren.

Aber auch Barockmusik „pur“ darf nicht fehlen: Am 10. Juni geht das Publikum mit der „Cappella Mariana“ in der Marienkirche auf Entdeckungsreise in die osteuropäische Vokalmusik um 1500. Das Barockoratorium „Nabucco“ von Michelangelo Falvetti eröffnet das Klangfestival am 13. Mai in der Reinoldikirche. Für dieses Konzert werden extra die Renovierungsarbeiten an der Kirche unterbrochen.

Wenn ein Motto „grenzenlos“ heißt, kann der Besucher sich auf Musik aus unterschiedlichen Regionen freuen. Weltmusik ist ein wichtiger Bestandteil von Klangvokal. Die „Songs aus Thessaloniki“ am 14. Mai im domicil erzählen vom reichen kulturellen Erbe der griechischen Hafenstadt, die ein Schmelztiegel der Kulturen war.

Persische Liebeslieder werden am 18. Mai in der Marienkirche von Alireza Ghorbani angeboten, ebenfalls dort gibt Magam-Sänger Alim Qasimov aus Aserbaidschan am 25. Mai ein Konzert.

Das domicil ist Schauplatz für Jazz (20. Mai), Tango (27. Mai) und kubanische Musik (11. Juni).

Neben den bereits erwähten A-capella-Festival im Westfalenpark und dem Fest der Chöre gibt es weitere spannende Chormusik beim Klangvokal. Ein Höhepunkt ist sicher das Sonderkonzert „De profundis“ des Dortmunder (eigentlich Hörder) Komponisten Daniel Friedrich Eduard Wilsing. Fünf Chöre werden das Konzerthaus am 11. Juni gemeinsam mit den Dortmunder Philharmonikern zum Klingen bringen.

Die Preise für die Konzertkarten liegen in der Regel zwischen 10 und 30 Euro. Der Kartenvorverkauf ist bereits gestartet. Weitere Infos zum Programm und zu den Konzertkarten gibt es unter www.klangvokal.de




Zwischen Traum und Trauma

Das 6. Philharmonische Konzert im Konzerthaus Dortmund am 23. und 24. Februar 2016 stand unter dem Motto „traum_welten“. Das bedeutet nicht nur die traumhaft-ekstatische positiven Seite, sondern auch die dunkle Seite, der Albtraum dahinter.

Besonders deutlich wird das bei Maurice Ravel (1879 – 1937) bei seinem „La Valse, Poème choréographique zu Beginn des Abends. Im Jahr 1916 als Hommage Johann Strauß von Ravel zunächst unter dem Titel „Wien“ konzipiert, wurde der Name nach seinen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg in „La Valse“ geändert.

Was bei Thomas Manns „Zauberberg“ eine literarische Auseinandersetzung mit dem „Fin de Siècle“ ist, gelingt Ravel beeindruckend auf musikalischer Ebene.

Der Dortmunder Philharmoniker unter der sensiblen und energischen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz gelang es hervorragend, die unterschiedlichen Stimmungen des Stücks bis in die feinen Nuancen für das Publikum lebendig werden zu lassen.

Am Anfang die wie durch einen Nebel gesehenen ausgelassenen Walzerklänge eines höfischen Balls, die immer ekstatischer werden. Zwischendurch sind aber schon bedrohliche Paukenschläge zu hören. Am Ende steigert wie bei einen „Tanz auf dem Vulkan“ in einen hysterischen Taumel bis zur Katastrophe hinter dem Abgrund.

Es folgte das technisch anspruchsvolle 2. Klavierkonzert g-Moll op. 13 von Camille Saint-Saëns ( 1835 – 1921). Die junge Schweizer Pianistin Beatrice Berrut meisterte die Herausforderung der Melange verschiedener stilistischer Einflüsse mit einer scheinbar spielerischen Leichtigkeit. So zum Beispiel in den Solopartien mit der formalen Strenge J.S. Bach, oder dann im plötzlichen Wechsel leicht mit einem romantischen Anklang an Schuhmann im erste Satz „Andante sostenuto“. Das Zusammenspiel mit dem begleitenden Orchester war von großer Harmonie geprägt.

Der zweite. Satz, das „Allegro scherzando“ war melodiös und von beschwingter Leichtigkeit gekennzeichnet.

Der dritte Satz mit dem Finale:Presto (alla breve) nimmt mit einer schwungvollen Tarantella noch einmal gehörig an Fahrt auf hin bis zu den fulminanten Orchesterakkorden am Ende.

Für das begeisterte Publikum gab es von der Pianistin noch eine Zugabe von J.S. Bach.

Nach der Pause folgte das Trauma des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow (1873-1943), die 1. Sinfonie d.Moll op. 13.

Nach der Uraufführung am 27. März 1897 wurde sie zunächst gnadenlos von der Presse verrissen. Das führte bei Rachmaninow zu einer Depression. Hinzu kam noch seine unglückliche Liebe zu Anna Lodyzhenska, der Frau eines Moskauer Kaufmanns. Ihr hatte Rachmaninow die Sinfonie gewidmet und von diesem Schmerz ist sie geprägt. Düster, wuchtig, melancholisch und kraftvoll. Nur kurz heiter beim Volksfest der Zigeuner.. Das Mottothema wie das gesamte Werk von Rachmaninow basiert auf der Tonfolge des „Dies Irae“-Chorals der lateinischen Totenmesse.

Einen persönlichen Bezug zu seiner unglücklichen Liebe zeigen auch die an die Zigeunermusik anklingende musikalischen Elemente. Die Eltern von Anna waren Zigeuner (Roma -Sinti ?).

Temperamentvolle Tarantella und Volksfeststimmung wechselt mit ruhigeren Passagen bis zum gewaltigen Höhepunkt mit dem Schlag eines Tamtams, um dann wieder zum umfassenden Motto des ersten Satzes zurück zu finden.




Ein Generalmusikdirektor in Doppelfunktion

Doppelte Arbeit musste Generalmusikdirektor Gabriel Feltz beim 2. Konzert Wiener Klassik am 01. Februar 2016 leisten. Beim Tripelkonzert von Beethoven dirigierte er nicht nur die Dortmunder Philharmoniker, sondern spielte auch den Klavier-Solopart.

Zunächst begann es mit Mozart. Die kleine, aber feine Ouvertüre zu „Die Zauberflöte“ zeigte in wenigen Minuten, welche Schaffenskraft Mozart besaß. Bleibt zu hoffen, dass diese Oper mal wieder im Opernhaus aufgeführt wird.

Der Höhepunkt des Abends war mit Sicherheit das Tripelkonzert von Beethoven. Zusammen mit Shinkyung Kim an der Violine und Franziska Batzdorf, die schon im vergangenen Kammerkonzert mit ihrem Cello begeisterte, spielte Gabriel Feltz das Klavier. Das Stück könnte man durchaus als „geheimes“ Cellokonzert betrachten, denn das Cello hat durchaus eine dominierende Rolle in dem Konzert. Nichtsdestotrotz ist es ein schönes Stück Musik, das vor allem im ersten Satz die typische Beethovensche Klangwelt erkennen lässt. Ein großes Lob an die drei Solisten.

Schuberts Frühwer, seine 5. Sinfonie, war nach der Pause im Fokus. Das kurze Werk zeigt zwar Anleihen an Haydn und Mozart, aber Schubert versucht hier eigene Ideen einzuflechten.




Französisches Flair beim Philharmonischen Konzert

Die franzöischen Komponisten Fauré, Tomasi und Ravel sorgten zusammen mit Mozarts Pariser Sinfonie am 19. und 20. Januar 2016 für einen französischen Abend beim 5. Philharmonischen Konzert. Der Titel „amour_fou“ („Obession“) stand stellvertretend für die Suiten „Pelléas und Méliansde“ (Fauré) und „Daphnis und Chloë“ (Ravel). Wie virtuos eine Trompete klingen kann, zeigte Balász Tóth beim Trompetenkonzert von Tomasi.

Faurés romantische Suite über eine todgeweihte Liebe machte den Beginn des Konzertes. Gastdirigentin Julia Jones führte die Philharmoniker durch die vier Sätze. Besonders ergreifend war der vierte Satz „La Mort de Mélisande“, der auch zu Faurés Beerdigung gespielt wurde.

Mozarts „Pariser Sinfonie“ stand danach auf dem Programm. Von der Romantik zurück zur Wiener Klassik. Mozart komponierte die Musik im „Mannheimer Stil“ und veredelte sie mit seinem Ideen. Kurz, knapp, effektvoll. Musik zum genießen.

Nach der Pause war der Zeitpunkt für den Solisten des Konzertes, Balász Tóth, gekommen. Das Trompetenkonzert von Tomasi begann energisch mit einer Fanfare, wurde dann immer feiner und melodischer. Ein sehr gutes Zusammenspiel von Solist und Orchester.

Zum Schluß Ravel. Nein, nicht der bekannte „Bolero“, sondern die Suite zu „ Daphnis und Chloë“. Die „choreografische Sinfonie“, wie sie Ravel selbst nannte, hat einen besonders energischen Schlusssatz. Der „Danse générale“ fängt langsam an und steigert sich wie beim „Bolero“ ins Exzessive.




Mit Musik die Geschichte erklären

Die musikalisch-literarische Reise durch das letzte Jahrhundert nach der Vorlage des Buch-Bestseller „The Rest is Noise“ (Alex Ross) als Kooperation der Ruhrtriennale mit sechs regionalen Theatern ist ein ambitioniertes Unterfangen. Mit den Dramaturgen der Theater erarbeitet Regisseur Johan Simons sechs Varianten seiner erfolgreichen Lesereihe.

Die sechs Etappen der Reise: Das Schauspiel Essen (05.11.2015), Schlosstheater Moers (03.12.2015), Schauspiel Dortmund (21.01.2016), Theater Oberhausen (04.02.2016), Theater an der Ruhr (17.03.2016) und zum Schuss das Schauspielhaus Bochum (07.04.2016). Unterstützt werden sie dabei musikalisch durch die Bochumer Symphoniker.

Die erste Etappe konnte das Publikum am 05. November 2015 im Schauspiel Essen mit dem „Goldenen Zeitalter“ um die Jahrhundertwende (Strauss, Mahler u.s.w.) erleben. Weiter ging es am 03.12.2015 im Schlosstheater Moers (Komponisten – Zwanziger Jahre in Berlin, unsichtbare amerikanische Komponisten von Ives bis Ellington, Schönberg und die Atonalität). Das Schauspiel Dortmund diente als Ort für die dritten Etappe, die sich im ersten Teil mit der Kunst der Angst – Musik in Stalins Sowjetunion beschäftigte. Im zweiten Teil ging es um Musik im Amerika Franklin D. Roosevelts.

Friederike Tiefenbacher, Ensemblemitglied des Dortmunder Schauspielhauses, übernahm die Rolle des Autors Alex Ross und führte in die Lesung ein. Die anderen Schauspieler wie Bettina Lieder, Carlos Lobo, Andreas Beck, Frank Genser, Uwe Schmieder und Julia Schubert übernahmen bei ihrer Lesung verschiedene Rollen und Persönlichkeiten der Zeit, wie zum Beispiel Maxim Gorki. Es gelang ihnen mit Eindringlichkeit und Einfühlungsvermögen, die Stimmungslagen der Personen über die Texte dem Publikum näher zu bringen. So führt etwa Frank Genser die Verzweiflung von Dimtri Schostakowitsch nach einer vernichtenden „Formalismuskritik“ durch Stalin in einem Artikel in der Prawda (1936) und seine Trauer um die Opfer jeglicher Gewaltherrschaft und Diktatur, ob von Hitler oder eben Stalin, mit seiner Lesung aus dessen Memoiren dem Publikum deutlich vor Augen. Verstärkt wurde das Gehörte durch die folgende musikalische Darbietung der fünf Sätze aus Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 c-moll, op. 110. Beeindruckend intensiv dar gebracht vom Streichquartett der Bochumer Symphoniker.

Kurz vor der Pause zeigte Sachiko Hara ihr Können und Virtuosität am Piano mit „Chaconne“ von Sofia Gubaidulina, einer von Schostakowitsch geförderten russischen Komponistin. Sie wurde von elektronischer sowie von Improvisationsmusik beeinflusst.

Nach der Pause stand die Musik im Amerika Franklin D. Roosevelts im Mittelpunkt. Viele der von den Nazis oder dem sowjetischen Machtsystem bedrohten, verfolgten und beeinträchtigten Komponisten, Schauspieler, Produzenten u.s.w. emigrierten vor und nach Kriegsende in die USA. So etwa der für seine proletarischen Arbeiterlieder bekannte Hanns Eisler.

Das Dortmunder Schauspielensemble gab, begleitet von Sachiko Hara am Piano, mit „Into the Streets May First“ von Aaron Copland/Alfred Hayes eine kraftvolle Gesangsprobe ab. Zuvor beeindruckte Hara mit ihrer Darbietung von Sergei Rachmaninows (ebenfalls ausgewandert) Etudes-Tableaux, op. 33,Nr. 1, Nr. 2.

Das Publikum erfuhr bei der Lesung aber auch, dass die Zuwanderer zwar beachtet wurden, aber ihnen oft mit Misstrauen begegnet wurde. Eleonore Roosevelt, die Präsidentengattin, setzte sich vehement und beharrlich für die Komponisten und Künstler ein, wie Julia Schubert mit ihrer Lesung zeigte.

Der Komponist Igor Stravinsky, dessen moderne und progressive Musik aus „Sacre du printemps“ von Walt Disney für seinen Film „Fantasia“ benutzt wurde, war auch einer Emigranten. Die atonale Zwölftonmusik von Arnold Schönberg wurde im Animationsfilme wie etwa Tom und Jerry „Putin‘ On The Dog“ eingesetzt. Auf einer Leinwand wurde ein Film-Ausschnitt davon gezeigt. Ein Ausschnitt aus „Modern Times“ mit Charly Chaplin beendete die Veranstaltung.




Cellovergnügen von Beethoven bis Rachmaninow

Das zweite Kammerkonzert am 11. Januar 2015 im Orchesterzentrum präsentierte exquisite Kammermusik mit Cello, Klavier und Klarinette. Franziska Batzdorf (Cello), Martin Bewersdorff (Klarinette) und Julia Golkhavaya (Klavier) spielen Werke von Beethoven bis zu Rachmaninow.

Den Anfang machte Beethoven. „Bei Männern, welche Liebe fühlen“. Dieser etwas merkwürdig klingende Titel entstammt einer Arie aus Mozarts „Die Zauberflöte“, die Beethoven als Ausgangsmaterial für seine sieben Variationen benutzt hat. Cello und Klavier spielen hier die Hauptrolle und das Vorbild Haydn ist erkennbar.

Für Alexander von Zemlinsky war nicht Haydn das Vorbild, sondern Brahms. Für sein Trio in d-Moll nahmen Batzdorf und Golkhavaya die Unterstützung von Bewersdorff in Anspruch. Zemlinsky, mehr als Opern- und Liedkomponist bekannt, zeigt hier, dass er auch ein Komponist für Instrumentalstücke ist.

Nach der Pause spielten Batzdorf und Golkhovaya die „Pohádka“ von Leoš Janáček. Er steht in seiner Bekanntheit sicher hinter Namen wie Smetana oder Dvořak, aber sein kleines Stück ist ein schönes Beispiel tschechischer Komponistenkunst.

Beim letzten Stück blieben wir in slawische Gefilde. Die Sonate in g-Moll für Cello und Klavier von Sergej Rachmaninow war der krönende Abschluss des Abends. Rachmaninow widmete diese Sonate seinem Psychologen, der ihm von seinen Selbstzweifeln nach dem Verriss seiner ersten Sinfonie kurierte. Diese Befreiung von den Zweifeln ist in der Musik der Sonate zu spüren.

Franziska Batzdorf stellte wieder unter Beweis, wie abwechslungsreich und vielfältig das Cello ist. Auch ein großes Lob gebührt ihren Mitmusikern am Klavier und an der Klarinette.




Eine emotionale musikalische Reise

Mit dem 2. Konzert für junge Leute unter dem Titel „Hollywood Hits – Love. Space. Hell“ entführten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz am 14.12.2015 das junge und jung gebliebene Publikum im Dortmunder Konzerthaus durch die fantastische Welt der Hollywoodfilm-Hits. Ihm zur Seite stand als Moderator an diesem Abend kein geringerer als BVB-Spieler Neven Subotić.

Dieser freute sich darüber, bei dieser Gelegenheit auf seine humanitäre Stiftung aufmerksam machen zu können und bat auch charmant um eine Spende für die multikulturelle Straßenfußballliga „buntkicktgut“ in der Nordstadt mit ihren 35 Teams. Feltz und Subotić führten mit Humor und kleinen Anekdoten durch das Programm.

Im Mittelpunkt des Abends stand zum großen Teil der „unendliche Weltraum“ mit Musik aus „Star Wars“ (John Williams), „Alien 1 und 2 , „Star Trek“ (Jerry Goldsmith) oder aber „Back to the future“ (Alan Sivestri).Schnell wurde klar, dass der emotionale Zauber der Musik ein essentieller Bestandteil des Erfolges und Wirkung der Filme bis heute ist.

Das selbe gilt natürlich auch für das folgende schwungvolle Medley der Musik von Monty Norman aus den James Bond 007-Filmen. Ein Höhepunkt war sicherlich die von Konzertmeister Alexander Prushinsky auf seiner Violine gefühlvoll vorgetragene Tango-Musik (Calos Gardel) aus „Der Duft der Frauen“. Das Konzert endete mit Musik aus der tragisch-rührenden Liebesgeschichte „Love Story“ (Francis Lai) aus dem Jahr 1970.

Als Zugabe für das begeisterte Publikum gab es als Zugabe noch Musik aus Spielbergs „E.T.“ von John Williams, womit man vom Komponisten wieder am Anfang des Konzertes angelangt war.




Verpasste Beziehungen

Eigentlich sollte Pianist Andreas Boyde beim 4. Philharmonischen Konzert am 08. und 09. Dezember 2015 die Klavierkonzerte von Clara und Robert Schuhmann spielen. Doch leider wurde er krank. So musste Clara zurückstehen, denn Martina Filjak spielte nur das Klavierkonzert von Robert. So verpasste das Publikum zwar die musikalische Beziehung zwischen den beiden Ehepartnern, aber die lernten mit Filjak eine Pianistin kennen, deren zartes, aber farbenfrohes Klavierspiel die Besucher begeisterte.

Die Philharmoniker unter der Leitung des Gastdirigenten Sebastian Lang-Lessing begannen mit dem „Ersatzstück“ der „Tragischen Ouvertüre“ von Brahms. Das Werk stand schon vor knapp drei Jahren auf dem Programm eines Philharmonischen Konzertes. Brahms passt thematisch ideal zu denn Schumanns, denn seine Zuneigung zu Clara wird in mehreren Briefen deutlich. Ob es zu mehr gekommen ist, bleibt aber Spekulation. In dem kurzen Stück von Brahms wird der Klang durch Posaunen und Tuba geprägt und gibt ihm einen dunklen, schweren Charakter.

Das Klavierkonzert in a-moll von Robert Schumann ist sicher ein Meilenstein in der Klaviermusik. Und wenn man Martina Fijak spielen hört, weiß man auch warum. Das Konzert verbindet das solistische Klavier wunderbar mit dem Orchester. Filjak spielt sanft, fast zärtlich, hat aber auch die nötige Power, um die energischen Stellen des Konzertes zu bewältigen. Ein souveräne Leistung der Pianistin, die erst nach zwei Zugaben die Bühne verlassen durfte.

Die 3. Sinfonie von Brahms fällt in den „Richtungsstreit“ zwischen der „Neudeutschen Schule“, vertreten durch Bruckner und Wagner und den „Traditionalisten“, zu denen Brahms gehörte. Zu den Besonderheiten der Sinfonie gehört der vierte Satz, das „Allegro“. Am Ende scheint die Sinfonie langsam zu verklingen. Es ertönt zwar noch das Hauptthema des ersten Satzes, doch nur noch wie ein schwacher Widerhall. Ein sehr beeindruckendes Ende für ein insgesamt sehr ansprechendes Konzert. Schade, dass wir nicht Clara Schumanns Klavierkonzert hören konnten. Wir wurden zwar mit dem betörenden Klavierspiel Filjaks entschädigt, andererseits gibt es nicht häufig die Gelegenheit, Musik von Komponistinnen im Konzertsaal zu erleben.