Vielfältige Klangfarben im Konzerthaus

Beim 2. Konzert Wiener Klassik am 30.01. 2017 im Konzerthaus verdeutlichte die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz das vielseitige Können des großen Komponisten Ludwig van Beethoven (1770-1827) anhand von drei Werken. Diese sind in ihrer Gegensätzlichkeit beispielhaft für die Vielschichtigkeit seines Gesamtwerkes. Die Ouvertüre für ein Ballett, Kammermusik und große Sinfonik standen auf dem Programm.

Die Ouvertüre für das Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ (1801) war Beethovens erste Bühnenmusik Basis für das allegorische Ballett war der Mythos von Prometheus. Ein erhabener Geist, der die ignoranten Menschen neu durch Kunst und Wissenschaft definierte und ihnen moralische Gesetze gab.

Der kraftvolle C-Dur Beginn wird bald durch Dissonanzen von Fagotten und Streichern gestört. Im weiteren Verlauf der fünf minütigen Ouvertüre steigert sich die Musik immer wieder wellenartig bis hin zu rasanten Höhepunkten. Stürmisch rasant eilen sowohl die Ouvertüre als auch Prometheus dem Finale entgegen.

Mit einer ganz anderen Klangfarbe erfreuten als zweiter Teil des Abends Generalmusikdirektor Gabriel Feltz höchstpersönlich am Klavier, Shinkyung Kim (Violine) und Franziska Batzdorf (Violoncello) mit Kammermusik von Ludwig van Beethoven das Publikum.

Das Klaviertrio D-Dur op. 70,1 ist auch mit dem populären Beinamen „Geistertrio“ bekannt. Das bezieht sich vor allem auf den düsteren und bizarren zweiten Satz. Ist der erste Satz von heiterer Gemütlichkeit geprägt, ändert sich das im folgenden Satz . Er ist von Kontrasten und gegensätzlichen Klangfarben gekennzeichnet.. Mal lyrisch-ernst und getragen, folgen schnell harsche Passagen als dynamischer Gegensatz. Interessant dabei ist der Tremolo-Effekt mit den zitternden Klängen der Instrumente. Das abschließenden Presto kommt als Sturmwind virtuos daher. Gesteigerte musikalische Dramatik wechselt mit lyrischen Passagen „nach dem Sturm“.

Nach der Pause stand die 2. Sinfonie D-Dur op.36 auf dem Programm. Sie entstand im Spätsommer 1802, als Beethoven langsam sein schwächer werdendes Hörvermögen bewusst wurde. Seine 2. Sinfonie ist von Gegensätzen geprägt. Nach einer feierlichen Einleitung kippt die Musik immer wieder mysteriös nach Moll. Die Themen wechseln vom spielerischen hin zum rhythmischen. Das Musik steigert sich mit schnellen Streicher-Tremoli . Der zweite Satz im 3/8 Takt wird vor allem von den Streichern getragen. Im dritten Satz überrascht Beethoven mit einem rasanten Scherzo anstelle eines üblichen gemächlichen Menuetts. Mit mächtigen Schlägen beginnt der rasante vierte Satz „Allegro molto“. Themen aus der gesamten Sinfonie werden wieder aufgegriffen und in ihrer Wirkung intensiviert und gesteigert. Das Finale bildet dann den absoluten Höhepunkt.

Der Wiener Klassik-Abend war nicht nur ein musikalischer Genuss, sondern zeigte auch klar die Vielschichtigkeit dieses großen Komponisten.




Benedikt Stampa folgt dem Ruf von Baden-Baden

Der Geschäftsführer und Intendant des Konzerthauses Dortmund, Benedikt Stampa, verlässt ab der Spielzeit 2019/20 (1. Juni) seine erfolgreiche Wirkungsstätte in Richtung Baden-Baden. Er geht dann in gleicher Position an das dortige große Festspielhaus.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann erklärte bei der Pressekonferenz am 30.01.2017: „Benedikt Stampa hat in bis jetzt über zwölf Jahren ein großartiges Programm konzipiert und ein wunderbares Team auf die Beine gestellt.“ Ein würdiger Nachfolger soll den nächsten zwei Monaten gefunden werden. „Das wird schwer werden,“ so Stüdemann. „Der für unsere Stadt traurige Verlust ist jedoch gleichzeitig eine Auszeichnung für die herausragende Arbeit von Stampa und seinem Team. Er hat viel für den guten Ruf des Dortmunder Konzerthauses getan.“

Der Ruf wurde nach schwierigem Anfang im Jahr 2005 hart erarbeitet. Der erreichte Qualitätsstandart und die gute Akustik im Konzerthaus habe sich herum gesprochen und die Anziehungskraft für Künstler sei gewachsen, führte der Kulturdezernent weiter aus.

Benedikt Stampa blickt zufrieden auf seine bisherige Zeit in Dortmund zurück.„Baden-Baden ist nun der nächste logische Schritt für mich,“ so Stampa. Ihn reizt zudem, dass die Oper im Festspielhaus Baden-Baden eine große Rolle spielt. Sein Ziel für das Konzerthaus Dortmund sei, das Haus Generationen fest für die Zukunft zu machen.

Jetzt schon müssen die Dortmunder beginnen, sich über den geeigneten Kandidaten oder die geeignete Kandidatin Gedanken zu machen.




Ungarische Heimatklänge im Konzerthaus

Am 10. und 11. Januar 2017 luden die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung John Axelrod das Publikum zum 4. Philharmonischen Konzert unter dem Titel „heimat_klänge“ in das hiesige Konzerthaus. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die durch Zigeunerkapellen beeinflusste Volksmusik.

Die „Tänze aus Galanta“ von Zoltan Kodály (1882-1967) bildeten den Anfang dieser musikalischen Reise. Hauptbestandteil war der Tanz „Verbunkos“. Der häufige Wechsel von langsamen und schnell Passagen ist kennzeichnend für Kodálys Suite. Nach einer langsamen Einleitung nimmt die Tanzsuite musikalisch gehörig an fahrt auf und verlangt dem Orchester alles ab. Interessant ist aber auch ein orientalisch anmutender kleiner Zwischenpart,

Ein Höhepunkt des Abends war das folgende Oboenkonzert Nr. 1 von Frigyes Hidas (1928-2007). In zahlreichen Solokadenzen konnte der ausgezeichnete Albrecht Mayer mit der Oboe begeistern und dem Publikum die musikalische Vielfalt dieses Instruments näher bringen. Eine große Sensibilität zeigte er mit seiner Oboe im langsamen Mittelsatz im schönen Zusammenklang insbesondere mit den Harfen.

Nur mit zwei Zugaben wurde er von der Bühne entlassen.

Nach der Pause ging es mit der bekannten „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2“ von Franz Liszt weiter. Inspiration auch hier wieder die „Verbunkos“ der Zigeunerkapellen.

Die oft heiter-pompöse Musik ist durch Tempowechsel und Motiv-Variationen gekennzeichnet.

Den Abschluss bildete Béla Bartóks „Konzert für Orchester“. Die heitere Unbeschwertheit fehlt hier bis auf die kleine Episode im zweiten Satz. Nach einer strengen, ernsten Einleitung geht die Stimmung im dritten Satz zu einer schwermütigen Totenklage (Elegie) über. Das musikalisch lebensbejahende Finale hat da schon eine befreiende Wirkung, mit der das Publikum in den Rest-Abend entlassen wird.




Wenn die Rosen erblühen in Málaga

Mit viel spanischem Temperament begrüßten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz das neue Jahr. (Foto: © Anneliese Schürer)

Vielleicht kommt ihnen das irgendwie bekannt vor. Ja genau, das war doch in den 70iger Jahren ein Hit des Schlagerduos „Cindy und Bert“. Ursprünglich stammt die Melodie aber aus der „ Rhapsodie España“, des französischen Komponisten Emmanuel Chabrier (1841-1894). Es war das temperamentvolle Finales des Neujahrskonzerts 2017 aus der im Dortmunder Opernhaus. Zur stimmungsvollen Begrüßung des neuen Jahres luden die Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz nach einem Sektempfang im Foyer der Oper das Publikum mit dem Slogan „Viva España“ ein.

Gerade in diesen schwierigen Zeiten sollte das Jahr 2017 mit spanischer Lebensfreude begrüßt werden.

Ausgewählt wurde Musik von Maurice Ravel (Rhapsodie espagnole), Joaquín Rodrigo ((Concierto de Aranjuez für Gitarre und Orchester) und Manuel de Falla El sombrero de tres picos „Der Dreispitz“, Ballettmusik, Suite 1 und 2). Zur Verstärkung der musikalischen emotionalen Stimmungen wurden auf einer Leinwand im Hintergrund jeweils passende Bilder spanischer Landschaften, eine spanischen Arena oder etwa eine spanischen Tanzgruppe projiziert.

Erstaunlich ist, dass wieder ein Franzose sein Herz für spanische Musik entdeckte. Geheimnisvoll fing es mit Maurice Ravels „Prélude à la nuit“ (Rhapsodie espagnole) an und im weiteren Verlauf wurden sowohl die mal melancholische, andererseits wieder temperamentvoll lebensfrohe spanische Lebensart im Konzertsaal lebendig. Zwei Harfen, Streicher, Blasinstrumente und Pauken sorgten für den entsprechenden musikalischen Background.

Ein Höhepunkt war sicherlich der Auftritt des mexikanischen ausgezeichneten Gitarristen Pablo Garibay beim zweiten Teil mit Rodrigos „Concierto de Aranjuez“.

Mit großer Sensibilität und musikalischer Intensität bewies er großes Können mit seiner Gitarre. Das zeigte sich besonders im Mittelteil, dem als Filmmusik und als Coverversion von Carlos Santana bekannten Adagio. Die Kombination Orchester und Gitarre sorgte für eine besondere Atmosphäre.

Mit Manuel de Fallas „El sombrero de tres picos“ kam Flamenco-Stimmung in den Konzertraum.

Mit Urlaubsträumen, spanischer Lebensfreude und nachdenkliche Melancholie wurde das Publikum in den ersten Abend des neuen Jahres entlassen.




Farbige Klangbilder im Konzerthaus

Am 12.12.2016 wurden junge und jung gebliebene Leute zur „Groove Symphony“ ins Dortmunder Konzerthaus gelockt. Diese Konzertreihe verbindet schon seit einiger Zeit erfolgreich klassische Musik etwa mit modernen Techno-Beates und elektronischen Klängen. Auch für die Dortmunder Philharmoniker sicher immer wieder eine interessante neue Erfahrung. Die junge Generation soll hier nicht nur klassische Musik auf eine spezielle Art näher gebracht werden, sondern es entsteht dabei ja auch etwas ganz Eigenes und Neues.

An diesem Abend wurden Kompositionen von Claude Debussy (1862-1918) mit Techno und elektronischer Musik von Marc Romboy zusammengeführt. Romboy hat seit 1992 Techno und elektronische Musik stark geprägt. Obwohl hundert Jahre zwischen ihnen liegen, verbindet Debussy und Romboy doch Einiges: Neu klingende Musik und atmosphärisch farbige Klangbilder erschaffen jenseits von konventionellen Harmonien.
Pentatonische und Ganztonleitern wurden für Debussy dabei zu einem festen Bestandteil seiner musikalischen Arbeit. Mit diesem revolutionären neuen Musikverständnis inspirierte er viele Musiker des 20. Jahrhunderts wie zum Beispiel Miles Davis oder etwa Philip Glass.

Auf dem Programm stand:

Claude Debussy/Marc Romboy „Prélude à l‘aprés-midi d‘un faune“ RMX

„La Mer, trois esquisses symphoniques pour orchestre“ RMX
I
. „De l‘aube à midi sur la mer“RMX
(Morgengrauen bis Mittag auf dem Meer)
II. „Jeux de vagues“RMX
(Spiel der Wellen)
III. „Dialogue du vent et de la mer“RMX
(Dialog zwischen Wind und Meer)

Der Dirigent Ingo Martin Stadtmüller hatte eine schwierige Aufgabe. Mit einem Knopf im Ohr in Verbindung mit Marc Romboy (Live-Elektronik) und Ali Khalaj (Keys) musste er die Philharmoniker beim Zusammenklang mit den Elektronik-Musikern entsprechend antreiben.
Ansonsten wechselten sich die Dortmunder Philharmoniker und ihre „Elektronik-Partner“ zwischendurch auch gekonnt mit eigenen Partien ab. So entstand ein intensives und farbiges, oft meditatives musikalisches Klangbild.
Die Besucher/innen wurden so in eine fantastische Welt von Faun und im zweiten Teil in die das spiel von Wind und Wellen am Meer hineingezogen. Dabei wurde die ganze Palette von Emotionen, von sanft bis tosen bis aufbrausend, bedient.
Atmosphärisch verstärkt wurde das Erlebnis noch durch an hinter die Philharmoniker an die Wand projizierten abstrakten Bildinstallationen.
Als Fazit bleibt: Klassik und elektronische Musik, dass passt zusammen, wenn Musiker offen und aufgeschlossen sind.




Musikalische Glanzlichter im Konzerthaus

Gleich drei Glanzlichter aus dem musikalischen Repertoire von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) bekam das Publikum beim 1. Konzert Wiener Klassik 2016 am 28.11.2016 im Konzerthaus von der Dortmunder Philharmoniker unter schwungvoller Leitung des 1. Kapellmeisters Motonori Kobayashi zu hören. Die ausgewählten Kompositionen entstanden alle auf großen Reisen aber unterschiedlichen Schaffenszeiten Mozarts.

Zu Anfang stand die Ouvertüre zu „Mitridate, Re di Ponto“ KV 87 (1770), Mozarts erster Opernauftrag im jugendlichen Alter von vierzehn Jahren in Mailand, auf dem Programm.

Grundlage für das Libretto war das gleichnamige Drama des Franzosen Jean Racine.

Eine dramatische Geschichte einer erbitterten Bruderrivalität um die Liebe zu der Verlobten ihres Vaters und das Verhältnis zu ihm. Diese konfliktgeladenen Irrungen und Wirrungen finden schon zu Beginn der Ouvertüre ihren kraftvollen und stürmischen Ausdruck. Der Mittelteil (Andante grazioso) bringt etwas andächtige Ruhe durch die Leitung der Flöte und der ersten Geige. Ein auf brausendes Presto beendet die Idylle.

Das folgende Flötenkonzert G-Dur KV 313 entstand mehr als sieben Jahre später (1778) während einer Reise nach Paris. Der jetzt erwachsene Mozart schrieb es für den jungen niederländischen Musikliebhaber und Amateur-Flötisten Ferdinand Dejean.

Felix Reimann konnte hier sein Können auf der Querflöte unter Beweis stellen. Das vom Orchester im Allegro maestoso zu Beginn schwungvoll vorgegebene Thema greift er locker auf um es dann weiter aus zu zieren.

Der dreigeteilte ,romantische-melodische zweite Satz Adagio non troppo erlaubte dem Flötisten sein ganzes technisches und musikalisches Vermögen mit zwei anspruchsvollen Solo-Kadenzen zu zeigen. Das abschließende Rondo ist sehr kontrastreich mit wechselnden Sechzehntel-Kaskaden und ruhigeren Passagen gestaltet.

Nach der Pause folgte als drittes Glanzlicht mit Mozarts Sinfonie Nr.36 C-Dur „Linzer Sinfonie“ KV 425 (1783). Graf Thun hatte den noch frisch verheirateten Wiener Komponisten bei ein Aufenthalt auf einer Rückreise in Linz kurzfristig zu einem Konzert genötigt. In nur vier Tagen entstand die sogenannte „Linzer-Sinfonie“.

Dies ist nicht nur Mozarts bis dahin längste Sinfonie, sondern hat Überraschenderweise eine langsame Einleitung und punktiertem Rhythmus des Orchesters im ersten Satz Adagio -Allegro spirituoso. Den feierlich-behutsamen Charakter des zweiten Satzes Andante unterstreichen die Trompeten und Pauken. Das folgende Menuetto fällt gegensätzlich aus. Der freche, eher ruppige Rahmenteil steht im Kontrast zum eleganten Trio-Teil.

Der vierte Satz führt das Publikum schließlich zum furiosen Finale hin.

Ein Abend, der nicht nur Mozarts Musik lebendig werden ließ, sondern auch einen kleinen Eindruck von der Entwicklung seiner Schaffenskraft bot.




Ein apokalyptisches Oratorium

Am Samstag, den 12.11.2016 wurde in der Dortmunder St. Reinoldi Kirche das Oratorium „Das Buch mit sieben Siegeln“ von dem österreichischen Komponisten Franz Schmidt (1874–1939) aufgeführt. Ein seltenes Erlebnis in Deutschland.

In Zusammenarbeit mit dem Klangvokal Musikfestival dieser Stadt, dem Dortmunder Bachchor an St. Reinoldi und der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Klaus Eldert war dies ein beeindruckendes musikalisches Ereignis und eine Anspruchsvolle Aufgabe. Die schwierigen Gesangparts übernahmen der Tenor Luca Martin als Johannes, Sopranistin Martina Schilling (Wesen, Engel, Tochter), Altstimme Maria Hilmes (Wesen, Engel, Mutter), Tenor Markus Francke (Wesen, Engel, Überlebender) und als als tiefer Bass Philipp Meierhofer (Stimme des Hern, Wesen, schwarzer Ritter, Überlebender). Das Zusammenspiel wurde dem Publikum die gesamte Facette der Offenbarung musikalisch vor Augen geführt.

Der Seher Johannes sieht als eine Vision vor Gottes Thron Christus als Lamm. Nur dieses Lamm ist würdig, das siebenfach versiegelte Buch mit den Offenbarungen über zukünftige Geschehnisse aus Gotteshand entgegenzunehmen und sie zu öffnen. Nach der ersten sechs Siegel zeigt sich, dass die Menschheit immer mehr in Dunkelheit, Krieg, Krankheit und großer Verzweiflung verfällt. Die wenigen Gläubigen Menschen hören von Gott nur den Rat, noch weiter durchzuhalten und auf Gerechtigkeit am Tage de jüngsten Gerichts zu verharren und zu vertrauen. Das ganze geschehen wird musikalisch eindringlich ausgemalt.

Im zweiten Teil wird das siebte Siegel geöffnet und nach kurzer musikalischer Stille blasen die sieben „Posaunenengel“ mit einem infernalisch-schaurigem Appell zum Jüngsten Gericht. Die „Gerechten“ erlangen danach das „ewige Leben“ und der Weg ist frei für „einen neuen Himmel und eine neue Erde“. Nun beruhigt sich auch der musikalische Hintergrund langsam und Gott verspricht am Ende allen überlebenden „Gerechten“ die Überwindung von Tod und jedwedem Leid.

Musikalisch grandios ist das „Das Buch mit sieben Siegeln“ inhaltlich jedoch durchaus fragwürdig

Mag für gläubige Menschen die Hoffnung auf ein jüngstes Gericht in der Zukunft, dass alles Leiden auf der Welt beendet tröstlich sein, verführt diese fatalistische Einstellung doch zu einem passiven Ausharren.

Die „sündigen und vom Teufel verführten“ Menschen werden als von Gotteswillen abhängig gesehen, die unvermeidlich der „Götterdämmerung“ entgegen gehen. In der Historie gibt es viele Beispiel für Berechnungsversuche der Apokalypse.

Menschen sind hier nicht selbstbewusste, selbstbestimmte und aufgeklärte Wesen, die ihr Schicksal und die Verhältnisse auf ihrem Planeten auch mitbestimmen können. Wie heißt da noch im Text der Internationale?

„Es rettet uns kein hö’hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!




Hohe Wellen im Konzerthaus

Am 18. und 19. Oktober 2016 luden die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz zum 2. Philharmonischen Konzert unter dem Thema „wasser_spiele“ in das Dortmunder Konzerthaus. Für Teil zwei des Abends mit fünf orchestrierten Schubert-Liedern, konnte der renommierte dänische Bariton Bo Skovhus als Gesangssolist gewonnen werden. Ars tremonia war am 19. Oktober dabei.

Mit der Ouvertüre zu „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner (1813–1883) ging es schon von Anfang an emotional bewegend und dramatisch los. Die Streicher, Bläser und Trommelwirbel übertrugen die gespenstische Stimmung auf dem Schiff des „fliegenden Holländers“ mit den brausenden Emotionen für das Publikum im Konzertraum. Wie bekannt, musste der „Holländer“ nach sieben Jahren auf See zur Erlösung durch die Liebe an Land kommen. Das Englischhorn kündigt den Auftritt von Senta, die die Ankunft eines Erlösers hofft mit leiseren und sanfteren Tönen an. Das traurige Ende der Geschichte ist bekannt. In dieser Ouvertüre steckt schon die ganze Dramatik und emotionalen Höhen und Tiefen dieser Wagner-Oper.

Bo Skovhus überzeugte mit warmen und kraftvollen Bariton danach mit seiner Interpretation der für das Orchester bearbeiteten fünf Lieder von Franz Schubert (1797-1828).

Die von dem Dänen Karl Aage Rasmussen (geb. 1947) für das Orchester instrumentierte Version des „Taucher“ hatte überhaupt erst am 12.März 2012 in Groningen Premiere gehabt.

Bei der Geschichte taucht ein mutiger Jüngling nach einem goldenen Becher, den der König in die tosenden Wellen der See geworfen hat und danach noch ein zweites Mal um einem Ring und die Hand der Königstochter. Da verschlingen ihn die Fluten. Es geht also um emotionale und sprichwörtliche „Wasserwellen“.

Danach folgen der mystische „Prometheus“ (Instr. Carl Nielsen), das an den „Sturm und Drang“ beeinflusste „An Schwager Kronos“,(Intr. Johannes Brahms) sowie das ebenfalls von Brahms instrumentierte „Geheimes“. Hier spielen Horn und Streicher eine besondere Rolle bei der Vermittlung eines pulsierenden Schlagens des verliebten Herzens.

Die bekannte Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, der „Erlkönig“ in der dramatischen Bearbeitung von Hector Bérlioz bildeten den stimmungsvollen Abschluss.

Nach der Pause führten die Philharmoniker und ihr Dirigent das Publikum durch das musikalisch emotionale Wechselbad der Sinfonie Nr.7 von Antonin Dvořák.

Der kämpferische 1. Satz: Allegro maestoso beginnt musikalisch eher ruhig aber bedrohlich-düster. Das zweite Thema des Satzes ist klanglich optimistischer, jedoch immer im Kampf mit dem düsteren Motto-Thema. Das verlangt vom Orchester und Dirigent vollen (körperlichen) Einsatz.

Die kraftvolle und kämpferische Stimmung kennzeichnet auch den 2. Satz: Poco adagio.

Das sanfte, von den Holzbläsern dominierte Hauptthema wird immer wieder unterbrochen und sich als kraftvolle Eruption des gesamten Orchesters steigert.

Der 3. Satz: Scherzo Vivace ist von folkloristisch-böhmisch mit tänzerischen Klangelement geprägt und im kämpferischen Moll gehalten.

Der 4. Satz: Finale Allegro führt nach einer emotionalen Achterbahn zu einer fulminanten Coda, einer dramatischen ausklingenden musikalischen Bedeutungseinheit.

Steht am Anfang ein rhythmisches, starkes Streicher-Motiv, folgt danach immer drängender und optimistischer werdende Hauptthema. Doch die düstere Grundstimmung versucht sich immer wieder mit geballter Kraft bis zu leicht zuversichtlichem Ende durchzusetzen.

Ein bewegender Konzertabend.




Walzer zur Verzweiflung

Das 1. Philharmonische Konzert in der Spielzeit 2016/17 stand zwar unter dem Titel „zauber_bilder“, es war aber auch ein sehr emotionales Konzert. Denn Tschaikowskys 5. Sinfonie zeigte den Komponisten in einem Zustand emotionaler Zerrissenheit und Depression. Genau diese Emotionen brachten die Dortmunder Philharmoniker unter GMD Gabriel Feltz am 28. September wunderbar zum Klingen.

Die Schicksalsmelodie zum Tanz. Der dritte Satz der 5. Sinfonie von Tschaikowsky ist sehr ungewöhnlich, er lockert die teilweise doch sehr düstere Stimmung auf. Sein Schicksalsmotiv erklingt durch alle Sätze und wird am Ende wieder prominent aufgenommen. Das Stück in seiner Perfektion war der Höhepunkt des 1. Philharmonischen Konzertes.

Begonnen hatte es mit dem „Zauberlehrling“ von Paul Dukas. Ein bekanntes Stück für die Dortmunder Philharmoniker, denn es wurde bereits in der letzten Spielzeit unter GMD van Steen 2012/13 (ebenso wie die 5. Sinfonie von Tschaikowsky) zur Aufführung gebracht. Der „Zauberlehrling“ handelt von Goethes gleichnamiger Erzählung und wurde weltberühmt als Filmmusik für Walt Disneys Zeichentrickfilm mit Mickey Maus als Zauberlehrling. Das Stück enthält viele komische Elemente, z.B. wenn der Zauberlehrling versucht, sich an den Zauberspruch zu erinnern, werden seine Fehlversuche in unterschiedlichen Tonarten gespielt.

„Ibéria“ ist von Debussys „Images – Drei Bilder für Orchester“ wohl das bekannteste. Ibéria, das klingende Bild von spanischen Straßen und Wegen, von Düften der Nacht und dem Morgen eines Fests, wurde mit viel spanischen Flair dargebracht. Schlagwerk und Celesta entführten die Besucher des Konzerthauses in ein wildromantisches Spanien.




Eine bunte Operetten-Gala

Unter dem Titel „Bei einem Tee à Deux“ lud Moderator Kammersänger Hannes Brock am Sonntag, den 18.09.2016 die Freunde der Operette wieder in das Dortmunder Opernhaus. Musikalisch begleitet wurde das vielseitige und bunte Programm des Abends von der Dortmunder Philharmoniker unter der locker-leichtfüßigen Leitung von Philipp Armbruster.

Sie begannen das Programm mit der Ouvertüre aus der „Lustigen Witwe“ von Franz Lehár.

Der Chor des Theaters Dortmund stand den acht hochkarätigen Interpreten bei einigen Nummern, wie etwa Emily Newton bei „Heia, heia, in den Bergen“ aus Emmerich Kálmáns „Die Csárdásfürstin“, tatkräftig zur Seite. Passend zu den jeweiligen Operetten wurden Fotos aus den entsprechenden Aufführung früherer Jahrzehnte in diesem Haus an die linke Wandseite projiziert. Neben Emily Newton versprühten Tamara Weimerich, Ashley Thouret und Almerija Delic Witz, Temperament und Freude am Gesang und Bewegung.

Auch die vier männlichen Pendants, Morgan Moody, Fritz Steinbacher, Luke Stoker und Joshua Whitener boten neben ihren guten Stimmen auch Kostproben ihres komödiantischen Talents.

So musste Luke Stoker beim „Fliegenduett“mit Ashley Thouret aus Jacques Offenbachs „Orpheus in der der Unterwelt“ zur Freude des Publikums in einem ganz besonderem „Insektenkostüm“ auftreten. Das tat er mit viel Sinn für Humor.

Einen Ausblick auf die Premiere von „Blume von Hawaii“ (Paul Abraham) im Januar 2017 gaben Tamara Weimerich und Morgan Moody mit dem komisch-lustigen Duett „Ich hab ein Diwanpüppchen“.

Die Bandbreite des Abends reichte von Operetten wie „Zigeunerliebe“ (Franz Lehár), Melodien aus Musicals wie „Maria“ aus Leonard Bernsteins „West Side Story“, weniger bekannten Stücken wie „Leise, ganz leise“ aus „Ein Walzertraum“ von Oscar Straus bis zu „If I loved you“aus „Carousel“ von Richard Rogers.

Ks. Hannes Brock bewies nicht nur als Moderator seinen gewohnten Witz und Selbstironie, sondern zeigte auch als Sänger und als Tänzer, was er alles noch drauf hat. Mit einem temperamentvollen Finale schickte das gesamte Gala-Ensemble das Publikum beschwingt nach hause.