Gitarre, Piano und ein Small Beast

[fruitful_alert type=“alert-success“]Paul Wallfisch am Klavier, Brigitte Hendley an der Gitarre und Kristof Hahn an der Steelguitar. (Foto: © Djamak Homayoun).[/fruitful_alert]

Am 14. Mai 2017 war es mal wieder soweit. Paul Wallfisch präsentierte eine weitere Folge seiner musikalischen Reihe „Small Beast“, diesmal im Megastore. Der ehemalige Musikalische Leiter des Schauspielhauses hatte selbstverständlich zwei Gäste mitgebracht: Gitarren-Legende Kristof Hahn und Dark Shadows-Mitglied Brigitte Handley.

Es ist schön in unserer schnelllebigen und wechselhaften Zeit, dass es Dinge gibt, die scheinbar unverrückbar sind. Wie Pauls Start ins Kontert. Die meiste Zeit nur begleitet durch sein Piano – erst zum Schluss ließ er sich von Hahn begleiten – gab es einen Miniaturquerschnitt durch sein Schaffen aus den vergangenen Jahren. Einer der Höhepunkte war sicher Dylans „Blind Willy MacTell“, den Wallfisch intensiver vortrug als der Altmeister. Vielleicht ist das Klavier auch das richtige Instrument für den Song.

Kristof Hahn hatte nicht nur seine E.-Gitarre mitgebracht, sondern zeigte im ersten Stück auch, dass er auf der Steelguitar ein Meister ist. Sein Set war ein Mix aus Rock‘n‘Roll und Country-Rock, gesungen auf Englisch und Französisch.

Der eigentliche Star des Abends war aber die Australierin Brigitte Handley. Ihre akustischen Versionen der Musik ihrer Band „Dark Shadows“ hatten manchmal leichte Anklänge an R.E.M.s „Fables of the Reconstruction“-Phase, kam aber durch ihre wunderbare Stimme sehr gut beim Publikum an. Interessant mal Kraftwerks „The Model“ aus der Perspektive eines männlichen Models zu hören. Ehrensache, dass Hahn und Wallfisch Handley bei ihren Zugaben unterstützten.




Zauberhafte Klänge im Konzerthaus

Im 8. Philharmonischen Konzert am 09.05 und 10.05.2017 standen mit „melodien_zauber“ im Dortmunder Konzerthaus zwei russische Komponisten der späten Romantik im Mittelpunkt. Die Reihe um Sergej Rachmaninow (1873-1943) wurde mit seiner letzten 3. Sinfonie a-Moll op. 44 (1936) fortgesetzt. Ergänzt wurde der musikalische Abend nach der Pause mit dem Violinkonzert D-Dur op. 35 von Peter Tschaikowsky (1840 – 1893). Rachmaninow schätzte sein Vorbild Tschaikowsky sehr und konnte ihn in seinen jungen Jahren noch persönlich kennen lernen. Beiden gemeinsam ist ein gefühlvoll-ausschweifende, romantische tonale Musikausrichtung. Beim älteren Rachmaninow sind auch schon neoklassizistische und modernistische Einflüsse zu erkennen. Komponisten wie Arnold Schönberg, mit der von ihm entwickelten modernen Zwölftontechnik, standen schon in den Startlöchern.

Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz vermittelte dem Publikum ein Musikerlebnis, dass einfühlsam die Qualität der Werke beiden russischen Komponisten verdeutlichte. Diese gingen oft unter die Haut.

Rachmaninows 3. Sinfonie entfaltete nach ruhigem Beginn eine schwärmerischen Melodienzauber, den er dann stark strukturiert weiter entwickelt. Der zweite Satz wartet mit leidenschaftlichen, kurzen sowie musikalisch vielseitigen Episoden und einen überraschend eingefügten rasanten Scherzo auf. Die Instrumentation wurde um Harfen, Xylophon, Kontrafagott oder Alttrompete erweitert. Der dritte Satz verschlägt das Publikum musikalisch auf eine Art russisches Volksfest mit einem rasanten, bunten und temperamentvollen Finale. Fehlen durfte aber auch nicht der für Rachmaninow bedeutende, hier kunstvoll verarbeitete „Dies Irae“- Choral der lateinischen Totenmesse.

Für das nach der Pause folgende Violinkonzert von Peter Tschaikowsky konnte als Solo-Interpretin die hervorragende Konzertpianistin Mirijam Contzen gewonnen werden. Das technisch anspruchsvolle Programm mit vielen Tempowechseln und virtuosen Kadenzen war eine große Herausforderung für Solistin und Orchester. Die romantisch-sehnsuchtsvollen, dann wieder ins quirlig-virtuosen oder rustikal-volkstümlichen wechselvollen Tonpartien verlangten allen Beteiligten viel ab.

Klagend-melancholische Töne der Klarinette sorgte für einen nachdenklichen Kontrast.

Ein bewegendes Musikerlebnis im Dortmunder Konzerthaus.




Musikalisches Doppel-Spiel im Konzerthaus

Das 3. Konzert Wiener Klassik stellte am 24.04.2017 in zwei Hälften die beiden Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756 -1791) und Franz Schubert (1797-1828) gegenüber. Obwohl Schubert Mozart nicht mehr kennenlernen durfte, war er doch tief beeindruckt von seinen Komponisten-Kollegen. Beiden war ein nur kurzes Leben vergönnt.

Die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten Leitung von GMD Gabriel Feltz verdeutlichte im Dortmunder Konzerthaus durch Gegenüberstellung je eines Rondo und einer Sinfonie der beiden Komponisten Anlehnungen und Unterschiede in den jeweiligen Werken.

Die erste Hälfte gehörte Wolfgang Amadeus Mozart mit seinem „Rondo für Violine und Orchester C-Dur KV 373 (1781) und der „Sinfonie C-Dur KV 200“(1774).

Unterstützt wurde das Orchester beim Rondo durch die ausgezeichnete Solo-Violinistin Mirjam Tschopp aus der Schweiz.

Das Rondo zeichnet sich durch eine Heiterkeit und vermeintlich spielerischen Leichtigkeit aus. Beschwingt eingeleitet durch die Solo-Violine und danach durch das Orchester aufgenommen und verstärkt, entspinnt sich ein lebendiges Wechselspiel- oder Zusammenspiel. Zum Orchesterteam gehörten nicht nur die Streicher, sondern auch 2 Oboen und Hörner.

Die nachfolgende Sinfonie ist in seinen vier Sätzen nach einer impulsiven Orchester-Eröffnung mal tänzerisch-verspielt, dann wieder elegisch-melancholisch getragen.

Die musikalische Verknüpfung des ersten und des vierten als Rahmensätze findet bei den späteren Sinfonien des Komponisten noch verstärkt.

Nach der Pause ging es in die zweite Hälfte mit Schuberts Rondo für Violine und Orchester A-Dur D 438. (1816).

Dieses Rondo ist nur für Solo-Violine (Mirjam Tschopp) und Streicher konzipiert. Hier greift die Solo-Violine erst nach der großen Adagio-Einleitung das Einleitungsthema der Streich auf und führt es dann frei weiter. Das eigentliche Rondo zeichnet sich durch große Virtuosität, rhythmische Finessen aber auch durch Heiterkeit aus.

Die folgende 6. Sinfonie C-Dur D 589 (1817/1818) von Schubert zeichnet sich durch eine erstaunliche musikalische Vielfältigkeit, Kontrasten und Tempowechsel aus. it . Mal elegisch, dann wieder tänzerisch-spielerisch oder voll kraftvoller Energie. Mit seinem Scherzo als dritten Satz folgt der Komponist klar dem sinfonischen Vorbild Beethovens. Diese dominierte die Gattung Sinfonie für die folgender Zeit maßgeblich.




Stummfilmkonzert voll Dramatik

Der schwarz-weiß Stummfilm „Faust“ (1926), nach einer deutsche Volkssage wurde in diesem Jahr für das beliebte Format Stummfilmkonzert ausgewählt. Der Film wurde live orchestriert durch die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung des GMD Gabriel Feltz. Die musikalische Untermalung stammte von Bernd Schultheis.

Die Geschichte handelt vom Pakt des Wissenschaftlers Faust mit dem Teufel Mephisto. In Verzweiflung überschreibt er seine Seele in dem Teufel, um die Menschen in seiner Stadt von der zu dieser Zeit grassierenden Pest zu befreien. Zunächst nur für einen Tag, dann für immer, lässt er sich auf diesen teuflischen Pakt ein. Faust werden rauschhafte Genüsse geboten und auch seine Jugend wieder gegeben. Trotzdem ist er unzufrieden und verliebt sich in das unschuldige und schöne Gretchen. Nur sie will er haben, mit den bekannten schrecklichen Folgen für die junge Frau. In diesem Film siegt aber am Ende die Liebe der beiden Menschen über den Teufel.
Genug Dramatik steckt also in diesem Stoff. Murnau arbeitet mit Gegensätzen und einer ausdrucksstarken Ästhetik. Diese wechselt zwischen romantischen Landschaftsaufnahmen, dem grell leuchtenden Guten und als Kontrast dazu steht das Düstere, Apokalyptische und Dunkle. Dazu die wunderbaren Schauspieler wie Emil Jannings (Mephisto), Camila Horn (Gretchen) und andere, die mit jeder Geste und jedem Blick ihre Gefühle offen legen.
Es ist eine große Herausforderung und Anstrengung für das Orchester und seinem Dirigenten, die Musik auf den Punkt genau der Handlung mit seinen unterschiedlichen Stimmungen anzupassen und musikalisch Ausdruck zu verleihen. Das gelang auch dieses mal wieder ausgezeichnet. Alle wurden bis an ihre Grenzen gefordert und Gabriel Feltz war beim Schlussapplaus eine gewisse Erschöpfung ansehen.
Ein besonderes Format, dass hoffentlich auch weiterhin viele Anhänger finden wird.




Wasser als Spiegelbild der Seele

Das 7. Philharmonische Konzert präsentierte am 04. und 05. April 2017 eine spannende „seelen_reise“ mit den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz. Zufall? Alle Komponisten begannen mit einem „D“ im Nachnamen: Dvořák, Dutilleux und Debussy.

Wasser spielt in den böhmischen Sagen eine große Rolle. Auch Antonin Dvořák war von dieser Thematik fasziniert, wie sein Oper „Rusalka“ zeigt. Aber in seiner sinfonischen Dichtung „Der Wassermann“ wird das Element Wasser in seiner bösen Eigenschaft widergespiegelt. Der Wassermann raubt ein Mädchen und zeugt mit ihr ein Kind. Das Mädchen will noch einmal ihre Mutter besuchen und lässt das Kind bei ihm. Als das Mädchen nicht zurückkehrt, tötet der Wassermann das Kind.

Dvořák Kniff bei dem kleinen Stück: Das Motiv des Wassermanns ist erst lockend, wird dann aber immer agressiver bis zum entscheidenden Mord an seinem eigenen Kind. Souverän leiten uns die Dortmunder Philharmoniker durch die strudelnden Wasser.

In eine Seelenreise ganz anderer Art führt uns Henri Dutilleux mit seinem zwischen 1966 und 1970 entstandenen Cellokonzert „Tout un monde lointain“. Der französische Komponist versuchte sich den zahlreichen musikalischen Strömungen, die es in seinen 97 Lebensjahren gegeben hat, weitgehend fernzuhalten. Dennoch ist das Cellokonzert nicht leicht konsumierbar. „Die ganze Welt in der Ferne“, so die Übersetzung ist eine Reminiszenz an den französischen Dichters Charles Baudelaire. Auch die einzelnen fünf Sätze sind inspiriert durch Gedicht-Zitate.

Der Solist war Wolfgang Emanuel Schmidt, der dieses technisch sehr anspruchsvolle Stück mit seinen Höhen und Tiefen musikalisch ausleuchtet. Träumerische Passagen wechseln mit klaren, expressiven Momenten ab.

Nach der Pause ging es wieder um das Thema „Wasser“. Es war Zeit für „La mer“ von Debussy, ein Musterbeispiel musikalischen Impressionismus. Und wie im Impressionismus üblich, hört man wenig „Meer“, sondern lauscht den Interpretationen von Debussy von Wind und Wellen. Und das ist sehr unterhaltsam.




Die Streicher im Fokus

Im Mittelpunkt des 4. Kammerkonzerts der Dortmunder Philharmoniker im Dortmunder Orchesterzentrum standen am 27.03.2017 die Streicher und Werke der beiden Komponisten Richard Strauss (1864-1949) sowie Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) für diese Gruppe.
Sieben hochklassige MeisterInnen unter den Streichern konnten an diesem Abend ihr Können beweisen. Shinkyung Kim, 1. Konzertmeisterin der Dortmunder Philharmoniker an der Violine. Joowon Park, ebenfalls an der Violine. Seulki Ha und Juan Ureňa Hevia an der Viola. Emanuel Matz und Florian Sebald am Violocello, sowie Frank Kistner am Kontrabass.

Am Anfang wurde das Streichsextett aus der letzten Oper von Richard Strauss „Cappricio“ op.85 gespielt. Mitten in den Wirren und der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatte es 1942 im Münchner Nationaltheater seine Uraufführung. Eine unglückliche Liebesgeschichte. Sowohl der Dichter Olivier wie auch der Komponist Flamand lieben die Gräfin Madeleine. Sie kann sich letztendlich nicht für einen der Beiden entscheiden. Dies zeigt als eine Art Allegorie, dass Text und Musik von gleicher Bedeutung für eine Oper sind und nicht voneinander getrennt werden können. Das Fünftonmotiv zu Beginn, dass von der ersten Geige gespielt wird, zieht sich durch das gesamte Stück.
Es folgte das Streichquintett g-Moll KV 516 von Wolfgang Amadeus Mozart.
Im ersten Satz treten die fünf Streichinstrumente schon bei der Eröffnung in eine anmutigen, spielerischen Dialog mit Staccato-Einlagen. In den folgenden langsamen Sätzen kommt die emotionale Tiefe durch die Streicher voll zur Geltung.

Nach der Pause ging es mit den „Metamorphosen“ für Streichseptett von Richard Strauss aus dem Jahr 1945 weiter. Viele Städte lagen in Schutt-und Asche und die Zerstörung von Weimar, Dresden und München machten dem Komponisten zu schaffen. Das zeigt sich auch in der melancholischen und elegischen Musik, die als eine Art letzte Reminiszenz für eine untergegangene Welt gesehen werden kann. Erst gegen Ende ist das Hauptthema, ein Motiv aus dem Trauermarsch von Beethovens „Eroica“ erkennbar.
Nach viel Beifall vom Publikum gab es am Ende noch eine schöne Zugabe aus dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss.




Zauberhafte Filmmusik im Konzerthaus

Welch starke Emotionen und Bilder Musik transportieren kann, bewiesen am 13.03.2017 im Konzerthaus die Dortmunder Philharmoniker unter der gewohnt temperamentvollen und engagierten Leitung von GMD Gabriel Feltz.
Sie luden unter dem Motto „Hollywood Hits – Fairy Tales!“ zum 2. Konzert für Junge Leute ein. Moderiert wurde der Abend locker und flockig von Johannes Döbbelt. Gesanglich zeitweise unterstützt wurde das Geschehen durch die starke Stimme von Viviane Essig. Die ganze Palette von Gefühle wird im Film erst durch die wunderbare Musik der Film-Komponisten deutlich.
Eingeläutet wurde das Konzert passend mit dem 20th-Century-Fox Fanfare von Alfred Neumann. Wie das Motto schon andeutet, standen Fantasy-Filme und andere Traum- oder Märchenwelten im Mittelpunkt.
So ließ man das Publikum „Hedwig‘s Theme“ aus „Harry Potter“ (Musik: John Williams) eintauchen oder mit dem gefühlvoll von Viviane Essig gesungenen „Somewhere over the Rainbow“ aus „ der Zauberer von Oz“ (Musik: Harold Arlen) dem Alltag entfliehen. Stimmungsvoll und dramatisch ging es mit der Musik von Klaus Doldinger aus „Die unendliche Geschichte weiter. Da konnte auch die Querflöte oder das Saxophon als Solo-Instrumente ihr Können zeigen.
Es folgte der vom Ballett bekannte „Tanz der Zuckerfee“ aus „Der Nussknacker“ (Peter Tschaikowsky). Viel bejubelt wurde dann „Let it go“ aus „Frozen (Die Eiskönigin)“ mit der stimmungsvollen Musik von Robert Lopez. Danach waren musikalische Themen aus Piraten-und Karibikfilmen mit „Flight to Neverland“ aus „Hook“ (John Williams) und die „Fluch der Karibik“ Suite (Klaus Babelt) angesagt.
Einen besonderen Schatz bekam das Publikum auf besonderen Wunsch des  Generalmusikdirektors mit der „The Sea Hawk“ Suite von Erich Wolfgang Korngold zu hören. Der Komponist musste in den 1930iger Jahren als Jude aus Nazi-Deutschland fliehen.
Dramatisch-melancholisch weiter ging es mit „I see Fire“ aus „The Hobbit“ von Ed Sheeran (arr. Viktor Åslund), gesungen von Viviane Essig. Archaisch endete der Abend mit der „Avatar“ Suite von James Roy Horner, eindrucksvoll begleitet von einer Abordnung des Dortmunder Opernchors.
Starke Beifall nach einer Zugabe am Schluss war der verdiente Lohn für die beteiligten Akteure.




Die wundersame Welt der Fußballlieder

Tommy Finke präsentierte am 13. März 2017 ein Auswärtsspiel seines „Mundorgelprojektes“ im Dortmunder Fußballmuseum unter dem schönen Titel „Lieder aus der Kurve“. Die erste Erkenntnis: Fußballvereine müssen Schiffe sein. Anders kann man die Zeile „Verein XY darf nicht untergehen“ in vielen Vereinsliedern nicht begreifen. Zweite Erkenntnis: Gemeinsam singen macht Spaß und verbindet Fußballfans aller Couleur.

Tommy Finke, der musikalische Leiter des Dortmunder Schauspielhauses, präsentierte mit seinen drei Mitmusikern vom Mundorgelprojekt, ein buntes, schräges Potpourri an Fußballliedern. Dritte Erkenntnis: Manche Lieder sind nur wegen des Klatschrythmus in Stadien beliebt wie beispielsweise „Amarillo“ („Sha la la lala lalala“), manche Lieder wie „7 Nation Army“ werden unbeliebter, weil sie die Torhüter eines Vereins aus Bayern sind und manche Lieder werden sogar von Fans zweier Mannschaften gesungen, die sich absolut nicht leiden können, wenn auch mit verschiedenen Texten. „Steht auf, wenn ihr…“ und „Olé, hier kommt der…“ haben ihren Ursprung in „Go West“ von den Pet Shop Boys, auch wenn das Original von den Village People stammt.

Dazu gab es weitere schöne Lieder wie „Fußball ist unser Leben“ oder „Er steht im Tor“. Natürlich durfte der „Kaiser“ nicht fehlen, denn „Gute Freunde darf niemand trennen“. Dass es auch wirklich sehr gute Fußballsongs gibt, bewies das Lied „Three Lions (Football‘s coming home)“.

Wenn man schon im Ruhrpott ist, durfte natürlich das passende Lokalkolorit nicht fehlen. Wolfgang Petrys Hymne ans Ruhrgebiet ist eher im blau-weißen Lager zu verorten, während „Leuchte auf, mein Stern“ ans schwarz-gelbe Herz gerichtet ist. Doch der Höhepunkt war Schwarz-Weiß. Nein, nicht Essen, sondern es ging um Wattenscheid 09. Ja, der Verein, der einige Jahre in der Ersten Bundesliga spielte (Lesniak und co). Und hier kommen wir wieder zurück zur Einleitung. Wie heißt es so schön im Vereinslied der Wattenscheider? „Hat man eins gesehen, dann kann man es verstehen, Wattenscheid 09 wird niemals untergehen“. Was singen die Schalker? „1000 Freunde, die zusammenstehen, dann wird der FC Schalke niemals untergehen“ Da kann Borussia Dortmund nicht zurückstehen: „Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen, Borussia Dortmund wird nie untergehen“.

Als Zugabe gab es das Lied, das zur Quintessenz aller Fußballlieder geworden ist: „You‘ll never walk alone“, danach – wir sind ja im Ruhrgebiet – „Das Steigerlied“.

Vierte Erkenntnis: Der Abend schreit nach einer Wiederholung. Und es gibt noch viele schöne Vereinslieder zu entdecken.




Bilder in Musik gebannt

Auch wer die verderbte Geschichte des Fanfarenstoßes von Franz Liszts „Les preludes“ nicht kennt, die laute und drohende Musik scheint Verderben anzukündigen. Liszt sagt selbst „wenn der Drommete (Trompete) Sturmsignal erklingt, eilt der Mann, wie immer der Krieg heißen möge, der ihn in die Reihe der Streitenden ruft, auf den gefahrvollsten Posten.“ Ist es da verwunderlich, dass die Nationalsozialisten diese Musik für die Wochenschau-Berichte über den Russland-Feldzug benutzten? Der Beginn des 6. Philharmonischen Konzertes am 07.03. und 08.03.17 im Konzerthaus Dortmund mit dem Titel„klang_gemälde“ war schon ein ein Paukenschlag.

Doch was kann ein Komponist wie Liszt für den Missbrauch eines Teils seines Werkes? Liszt war ein Komponist der Romantik. Seine „Preludes“ beschrieben auf musikalischer Art die Stationen eines Menschen (besser: Manns) im Laufe seines Lebens. Die sinfonische Dichtung ist mehr als der „Fanfarenstoß“ und die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Charles Olivieri-Munroe stellten das auch unter Beweis. Viele unterschiedliche Stimmungen charakterisieren das Stück und auch die leisen, wehmütigen Passagen kamen zu ihrem Recht.

Mit Liszt ging es weiter. Das 2. Klavierkonzert stand auf dem Programm und als Solist saß Bernd Glemser am Flügel. Klavierkonzerte von Liszt sind besonders herausfordernd, denn der Komponist war ja selber ein Klaviervirtuose. Kein Wunder, dass Glemser in einigen Passagen sein Können zeigen konnte. Bemerkenswert war, dass die Sätze nicht mit einer kleinen Pause voneinander getrennt waren, sondern ineinander übergingen. Denn die Themen sind so stark miteinander verbunden, dass das Werk wie ein Gesamtkunstwerk behandelt werden muss.

Nach der Pause war es Zeit für einen „Klassiker unter den Klassikern“ Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in der Orchesterbearbeitung von Maurice Ravel. Das Stück ist ein Musterbeispiel von Programmmusik. Der Betrachter geht von Raum zu Raum (symbolisiert durch das Stück „Promenade“, das mehrfach von unterschiedlichen Instrumenten intoniert wird) und schaut sich verschiedene Bilder an. Je nach Bildmotiv verändert sich die Klangfarbe der Musik. Bei „Gnomus“, einem Bild mit einem stampfenden Zwerg, wird diese Art der Bewegung vom Orchester musikalisch imitiert. Am bekanntesten ist vielleicht das „Ballett der Küken in ihren Eierschalen“, bei der das Orchester das Bild von federleichten, quickenden Küken zeichnet.




Mit Cro an der Frittenbude

So langsam füllt sich das Feld der Künstler und Bands, die am 28. und 29. Juli im Dortmunder Westfalenpark beim Festival Juicy Beats für musikalische Highlights sorgen. Neben Headliner Cro sind die Elektropunker von Frittenbude wieder dabei und Freude von Indiefolk kommen ebenfalls nicht zu kurz: Mighty Oaks werden in Dortmund dabei sein.

Von Wochen zuvor haben Cro, Trailerpark, Bilderbuch, SDP und Alle Farben zugesagt. Jetzt sind Acts wie Frittenbude, die Mighty Oaks, Megaloh oder Pat Thomas aus Ghana mit dabei. Freunde elektronischer Tanzmusik können sich über Dirty Döring aus Berlin freuen.

Das bewährte Programmkonzept bei Juicy Beats bleibt erhalten: Der Festival-Freitag bietet von 14 bis 22 Uhr ein Live- und DJ-Programm auf drei Bühnen und mehreren Dance-Floors. Cro spielt seine einzige NRW-Show im Festivalsommer 2017, der Headliner auf der „Dortmund.macht.Lauter.“-Bühne des Dortmunder Kulturbüros ist der Rapper Goldroger. Die Zuschauerzahl für Freitag bleibt auf 18.000 begrenzt.

Samstag können dann 32.000 Gäste von 12 Uhr mittags bis 4 Uhr morgens feiern. Top-Acts sind Trailerpark, SDP, Bilderbuch und Bonez MC & RAF Camora. Auf der zweiten Hauptbühne spielen OK Kid und Mighty Oaks. Weltmusik gibt es auf der Bühne des Radiosenders Cosmo (früher Funkhaus Europa). Hier treten Tinariwen (Marokko), Pat Thomas (Ghana) und das Duo Dicht&ergreifend (Bayern) auf.

Zuwachs bekommt das Festival im Floor-Programm: Das Booking-Kollektiv Polytype präsentiert einen eigenen Floor. Das Label steht für eingängigen Elektro-Pop und bringt neben Alle Farben auch Nicolas Haelg, Younotus und Pretty Pink nach Dortmund.