Spanische Nacht als Abschlusskonzert

[fruitful_alert type=“alert-success“]Nach der glänzenden spanischen Nacht gab es das traditionelle Feuerwerk im Westfalenpark. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Ein stimmungsvolles Abschlusskonzert und eine musikalische spanische Nacht bot das Klangvokal Musikfestival Dortmund am Sonntag, den 25.06.2017 seinem Publikum am Sonnensegel im Westfalenpark. Wer wollte, konnte sich schon mal mit Wein und Tapas versorgen. Zum Glück hatte sich das Wetter so einigermaßen gefangen und das Konzert konnte nur wenigen Regentropfen kurz vor Ende der Pause durchgeführt werden.

Das renommierte WDR Funkhausorchester Köln unter der Leitung von Enrico Delamboye begleitete die lyrische Sopranistin María Rey-Joly und den spanischen Tenor Ismael Jordi temperamentvoll und engagiert. Der spanische Gitarrist und Komponist Santiago Lara begeisterte später mit wunderbarer Flamenco-Musik.

Die traditionelle Musik Zarzuela ist hierzulande nicht so populär und bekannt wie in seiner Heimat Spanien. Diese ganz und gar spanische Musikgattung zwischen großer Oper, Operette, Singspiel und Varieté in der Landessprache hate seine „Geburtsstunde“ schon anno 1658 am Hof des Herrschers Philipp IV. Später entwickelte die Zarzuela weg von einer Hofgattung hin zu einer musikalischen Ausdrucksform für das Bürgertum, Bauern und Arbeiter. Sie hat ihren volks-nahen Charakter bei ihrer Wiedergeburt 1850 weiter behalten. Die zumeist äußerst romantischen und temperamentvollen Zarzuelas handeln zumeist von Liebe ( auch zu Städten) und Leidenschaft, sind aber auch von Melancholie und Traurigkeit durchzogen.

Einige der zahlreichen Romanzen, Arien, Duette und Preluden (1830 -1930) wurden von den beiden hervorragenden Interpreten und dem Orchester kraftvoll und leidenschaftlich zu Gehör gebracht. Als Einstieg wurde vom Orchester das „Preludo aus „El bateo“ (Federico Chueca) gespielt. Als Beispiel für eine gefühlvolle Romanze sei nur das Duett „Cállate corazón“ (Federico Moreno Torroba (1891-1982) aus „Luisa Fernanda“ genannt. Das auch der Walzer mit dreiviertel Takt seinen Platz hat , zeigte sich beim „Vals de Angelita“ aus „Château Margaux“ von Manuel Fernández Caballero (1835-1906). Als Zugabe für das begeisterte Publikum durfte später natürlich das berühmte „Granada“ (Agustin Lara) nicht fehlen. Mit einem grandiosen Feuerwerk begleitet von den Klängen des Orchesters endete die „Spanische Nacht“.

Ein gelungener Abschluss für das Klangvokal Musikfestival, das die musikalische Vielfalt der „Heimat Europa“ von Norden bis Süden eindrucksvoll vor Augen und Ohren führte.




All you need is love and Britain

[fruitful_alert type=“alert-success“]Cupid (Sophie Junker) erwärmt das Frostelementar (Sebastian myrus). (Foto: © Barton Kirchmann)[/fruitful_alert]

„King Arthur“ von Henry Purcell in der Reinoldikirche. Eines der Höhepunkte des diesjährigen Festivals „Klangvokal“. Trotz der etwas ungewohnten Form eines Erzählers verzaubert die Oper heute noch. Vor allem, weil sie so herrlich un-opernhaft ist.

Die Legende von König Artus kennen Sie sicher. Auch von Merlin werden Sie vielleicht gehört haben. Beide kommen als Gesangsrollen aber nicht vor. Henry Purcell hat die Artus-Legende noch ein wenig mit Figuren wie Schäferinnen und Schäfer, Pan, Comus, Venus angereichert, so dass eigentlich eine kleine Nummern-Revue entstanden ist. Vaudeville aus der Barockzeit. Viel Liebe und im Schlussakt eine gehörige Portion Patriotismus.

So kommt es, dass ein Frostelementar, eine der berühmtesten Arien „What power art thou“ singt. Manchen ist die Arie auch unter „Cold song“ bekannt, das durch Klaus Nomi in den 80er Jahren bekannt wurde. Nomi, der kein „Pop-Barde“ war, wie das Programmheft suggerieren will, sondern Countertenor mit klassischem Hintergrund, hat die Arie in den 80er Jahren bekannt gemacht und auch den Countertenor in den Fokus der Öffentlichkeit.

Ein weiterer Spaß am Rande: In der Arie sind Comus (in der Mythologie ein Sohn von Dionysos) ein Schmählied auf die Kirchenabgaben. „Warum sollte der Dummkopf [gemeint ist der Pfarrer] den Zehnten bekommen“. Das in einer Kirche…Musikalisch ist das Lied auch ein schönes Beispiel wie Purcell und die Volksmusik sich beeinflusst haben müssen, denn das Lied könnte heute zum Repertoire einer jeden Folk-Band gehören.

Da passt es ganz gut, dass ein Erzähler, François van Eeckhaute, uns die Geschichte dazu erzählt. Den größten Teil übernehmen die Sängerinnen und Sänger und das Orchester: Vox Luminis aus Belgien.

Man spürte schnell, dass alle Beteiligten großen Spaß an der Inszenierung hatten. Es wurde gealbert, aber auch ernsthaft gesungen. Sophie Junker verzauberte als „Cupid“, wir froren mit dem Frostelementar (Sebastian Myrus) und feierten mit Comus (Robert Buckland). Alle Solisten bildeten bei bedarf auch den Chor, beispielsweise den der siegesfrohen Sachsen gleich Beginn.

Das Orchester fügte sich nahtlos in die gute Vorstellung ein. Herauszuheben waren Rudolf Lörinc und Moritz Görg an der Trompete sowie Mariana Soroka an den unterschiedlichen Percussions.

Auch wenn es ein wunderbarer Abend war: Mein Traum wäre „King Arthur“ in einer Inszenierung mit dem Puppentheater „Buchty a loutky“, die Händels „Acis und Galatea“ aufgeführt haben.




Geistliche Musik durch die Jahrhunderte

[fruitful_alert type=“alert-success“]Tenebrae verzauberte die Besucher der Bonifatiuskirche durch eine beeindruckende Performance. (Foto: © Bülent Kirschbaum) /fruitful_alert]

Ein besonderes Programm präsentierte der Chor „Tenebrae“ aus England am 23.06.17 im Rahmen des Festivals „Klangvokal“ in der Bonifatiuskirche. Geistliche Lieder von der Renaissance bis zur Neuzeit skizzierten die musikalische Hingabe von gläubigen Menschen. „Tenebrae“ bedeutet übersetzt „Dunkelheit“ oder „Finsternis“, ist aber auch ein Begriff für die Karmette zu den drei Kartagen Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Kein Wunder, dass viele Texte die Themen „Tod“ und „Hoffnung auf Auserstehung“ behandelten.

Der erste Teil des Programmswar den Komponisten der Renaissance und des Frühbarocks gewidmet. Spontanen Sonderapplaus gab es für die wunderbare Interpretation der „Burial Sentences“ von William Croft, wobei ein Teil von Henry Purcell komponiert wurde. Das Stück ist in England sehr bekannt, weil es oft bei Staatsbegräbnissen gespielt wird.

Danach ging es ein wenig in die Zeit zurück. Drei Stücke von Thomas Tallis, einem englischen Komponisten der Reformationszeit, zeigten mit welcher Klangkunst das 16. Jahrhundert die gregorianische Musik veredelte.

Am Ende stand wiederum ein Klassiker: Das „Miserere mei, Deus“ von Gregorio Allegri ist ebenso schön wie bekannt und wurde von den Künstlerinnen und Künstlern in Perfektion dargebracht.

Der zweite Teil war den modernen Komponisten gewidmet und hatte mit drei Werken von John Tavener einen ersten Höhepunkt. Tavener, ein Engländer, der zum orthodoxen Glauben konvertierte, zeigt dies auch in seiner Musik. Sein „Funeral Ikos“ zitiert orthodoxe Riten bei der Beerdigung und auch die Musik ist durch die orthodoxe Gregorianik beeinflusst. Das dritte Stück von Tavener „Song for Athene“ verbindet den Komponisten mit William Croft, denn das Lied wurde wie auch die „Burial Sentences“ bei der Beerdigung von Prinzessin Diana gespielt.

Orthodox ging es weiter, denn der Chor präsentierte zwei Versionen des „Cherubikon“-Gesangs. Das erste von Rachmaninow, das zweite von Chesnokov. Nach zwei Arbeiten des Spätromantikers Holst endete das Konzert mit den Zeitgenossen Whitcore und Harris.

Musikalisch war das Konzert von allererste Güte. Die Sängerinnen und Sänger nutzten den Raum der Bonifatiuskirche optimal aus und zeigten große Vokalkunst.




Musik als Weltsprache

[fruitful_alert type=“alert-success“]Ihre Musik kennt keine Grenzen: Anna Maria Jopek. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Das letzte Konzert im Jazzclub Domicil am 22. 06.2017 während des Klangvokal Musikfestivals 2017 in Dortmund gehörte dem Anna Maria Jopek Quartett aus Polen. Die als „Queen of Jazz“ Polens bekannte Künstlerin ist aber viel mehr als das.

Sie verbindet fast übergangslos Jazzelement und sanfte Vokalakrobatik, temperamentvolle südamerikanische Rhythmen und amerikanische Pop-Elemente. Auch klassische Element wie zum Beispiel von Chopin finden in ihrem musikalischen Kosmos Eingang. Für sie ist Musik die weltumspannende Sprache der Verständigung. Charakteristisch für ihren besonderen Stil sind musikalische Wortdehnungen und Steigerung der starken und kraftvollen Stimme bis hin zum fast Schreien. Mit dabei oft eine Spur von Mystik und Erotik. Voll Melancholie oder von unbändigem Temperament geprägt.

Die vielfältigen musikalischen Einflüsse aus verschiedenen Ländern hatten einen großen Einfluss auf ihre Entwicklung, ohne das dabei ihre polnischen Wurzeln verleugnet werden. In ihren Gesang baute sie passender Weise auch die direkte Kommunikation mit dem Publikum ein, was für Belustigung sorgte.

Ihr zur Seite standen drei Kollegen, die auf ihren Instrumenten ohne Schwierigkeit mit der großen Herausforderung verschiedener Musikrichtungen zurecht kamen. Sie konnten ihre vielseitiges Können in zahlreichen Solo-Partien beweisen.

Am Piano, Keyboard, Akkordeon, Flöten, Kalimba, und Vocals überzeugte Krzysztof Herdzin. Für Bass, Percussion, Backing Vocals und Live Looping war Robert Kubiszyn zuständig. An den Drums konnte sich Pawel Dobrowolski ausleben.

Es war ein besonderer, ungewöhnlicher und unterhaltsamer Abend.




Klassik meets Hiphop im Konzerthaus

Das 3. Konzert für junge und jung gebliebene Leute am 19.06.2017 im Dortmunder Konzerthaus brachte zwei nur scheinbar unvereinbare Musikrichtungen zusammen. Klassik und Hiphop. In den letzten Jahren haben sich die beiden musikalischen Welten aber auch gegenseitig inspiriert.

Der Künstler und exzellente Violinist Miki Kekenj liebt neben klassischer Musik auch soul-lastige Hiphop-Tracks als Ausdrucksmittel. So lag es nah, diese beiden Welten zu verbinden. Schon vor zehn Jahren entwickelte er sein „Opus 1“. Zusammen mit der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Philipp Armbruster führte er nun auf der hiesigen Konzertbühne sein Violinkonzert in e-Moll „Opus 2“ (Hiphop meets Klassik“) auf. Es ist ein Konzert in drei Sätzen für Violine, Rap-Gesang, sinfonisches Orchester und Hiphop-Band und eine interessante Symbiose aus diesen unterschiedlichen Musikrichtungen. Jeder Satz ist durchzogen von einem Hiphop-Song. Zu Beginn zeigte aber die Dortmunder Philharmoniker ihr Können bei der rasanten und emotionalen „Ouverture méditerranéenne, op. 330“ von Darius Milhaud.

Im ersten Satz „Mein Utopia“ des Violinkonzerts beschreibt Kekenj seinen Traum von einer besseren Welt. Die Harfe führt danach als eine Art drittes Thema ein, dass auf einer Sample-Bearbeitung von John Coltranes „In a sentimental mood“ beruht. Am Ende wird der Traum mit einer musikalischen Steigerung aufgelöst. Der zweite Satz „Schlaflied“ beruht auf der der traurigen Realität der Verfolgung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein jüdische Mutter vergiftet ihr Kind, um es vor dem Leid durch die nahenden Soldaten zu bewahren. Während diese mit Gepolter anrücken, singt sie dem Kind ein Schlaflied (Schlaf mein Vögelchen) und erzählt ihm eine Geschichte von lauten Trollen und krachenden Bäumen.  Diese bewegende Geschichte wird von der Violine auch einfühlsam begleitet. Am Ende wirkt die Musik jedoch und fast trotzig auf brausend. Im dritten Satz „Requiem für die Liebe“ heißt es „Ich trag die Liebe zu Grabe, bevor die Liebe mich zu Grabe trägt.“ Die Virtuosität der Violine kommt voll zur Geltung. Sie steigert sich immer mehr. Aber keine Sorge, am Ende siegt die Liebe, ohne die wir nicht leben können.

Das Zusammenwirken von Orchester, einem starken Solo-Violinisten und Hiphop-Sprechgesang ist gut gelungen.




Hits von Berlin bis Hollywood

[fruitful_alert type=“alert-success“]Nicht nur Simone Kermes und Roland Kaiser hatten ihren Spaß, sondern auch die vielen Besucher des Konzerthauses. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Eine große musikalische Spannbreite für das Publikum bot „Berlin-Mailand-Hollywood“ mit der Sopranistin Simone Kermes und dem Special Guest Roland Kaiser am Sonntag Nachmittag im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals in Dortmund. Der passende Ort dafür war das Dortmunder Konzerthaus.

Musikalisch begleitet wurde das Konzert von der in den verschiedenen Musikrichtungen bewanderte Neue Philharmonie Westfalen unter der souveränen Leitung von Eckhart Wycik.

Sie zeigten ihr Können egal ob bei der Opernmusik von Georg Friedrich Händel (1685-1759) oder später Schlager von Roland Kaiser und Udo Jürgens, Filmmusik von John Williams (Indiana Jones), John Barry (1898-2011) „Jenseits von Afrika“ oder am Ende die Musical-Hits von George Gershwin (1898-1937) und Leonard Bernstein (1918-1990).

Das Konzert war in verschiedene musikalische Abschnitte aufgeteilt. Zunächst konnte Simone Kermes mit ihrer klaren Sopranstimme ihr Können bei den italienischen Opernarien von Nicola Antonio Porpora (1686-1768), Gaetano Donizetti (1797-1848) bis zu Giuseppe Verdi (1813-1901) beweisen. Sie meisterte die schweren Koloraturen mit einer ihr eigenen Leichtigkeit. Zudem fand sie auch Zeit, das Publikum zu animieren und mit ihm zu kommunizieren, sowie ihre festliche Kleidung mehrfach zu wechseln.

Der zweite Abschnitt nach der Pause war dem Schlager gewidmet. Kermes sang im Duett mit Roland Kaiser den auch aus dem Fernsehen bekannten Song „Alles was du willst“ (Roland Kaiser). Ihre Koloraturen lockerten den Song auf erfrischende Weise auf.

Als Hommage an Udo Jürgens sang Roland Kaiser begleitet von einem dreiköpfigen Background-Chor dann ein Arrangement bekannter Hits wie etwa „Aber bitte mit Sahne“, „Ehrenwertes Haus“, „Griechischer Wein“ oder „Ich war noch niemals in New York“.

Dann folgte die Hollywood-Filmmusik. Von „Herr der Ringe“, eine besondere Interpretation von Simone Kermes des Hits „Over the Rainbow“ (Harold Arlen, Wizard of Oz) bis hin zu „Jenseits von Africa“. Gefühlvoll wurde es mit „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ von George Gershwin (1898-1937) und bei „Glitter and Be Gay“ aus „Candile“ von Leonard Bernstein.

Am Ende begeisterten Kermes und Kaiser das Publikum mit der im Duett gesungenen Version des Hits „Warum hast du nicht Nein gesagt“.




Ein Abend mit Luther und Bach in der Reinoldikirche

[fruitful_alert type=“alert-success“]Einfach nur Bach: Barockorchester Stuttgart, Kammerchor Stuttgart und die Solisten. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

„Das Reich muss uns doch bleiben“. Das ist nicht nur die Schlusszeile des Chorals „Das Wort sie sollen lassen stahn“ aus der Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“, sondern steht auch auf der Glocke vor der Reinoldikirche. Hier fand auch am 15. Juni 2017 das Konzert des Barockorchesters Stuttgart zusammen mit dem Kammerchor Stuttgart im Rahmen des Festivals „Klangvokal“ statt.

Kantate? Richtig, das Konzert war Johann Sebastian Bach gewidmet und hatte vermutlich wegen des Lutherjahres einen Schwerpunkt auf den Reformator. Nicht nur die beiden Kantaten „Ein feste Burg ist unser Gott“, sondern auch „Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild“ wurden gespielt, sondern auch einer der Lutherischen Messen (in g-Moll). Wobei die Teile der Messe aus verschiedenen Kantaten zusammengesetzt wurden, überwiegend aus der Kantate 187 („Es wartet alles auf dich“). Ein schönes Beispiel der Wiederverwertung aus der Barockzeit.

Bei der Messe, die zuerst erklang, hatte der Tenor (Thomas Hobbs) eindeutig die schönste Arie („Qui tollis peccata mundi“), aber bei den beiden Kantaten konnten auch Sarah Wegener (Sopran), David Allsopp (Countertenor) und Peter Harvey (Bariton) ihr Können unter Beweis stellen. Begleitet durch den erstklassigen Kammerchor und durch die gut aufgelegten Musiker des Barockorchesters Stuttgart wurde der Abend zu einem Erlebnis. Bei den Musikern muss man auf jeden Fall Susanne Regel hervorheben, die mit ihrer Oboe verzückte.




In das Licht des Südens getaucht

Am 13. und 14. Juni 2017 tauchte das Dortmunder Konzerthaus musikalisch in das Licht des Südens ein. Beim 09. Philharmonischen Konzerts war „sonnen_strahl“ das Motto. Viele Komponisten wurden durch ihre vielen Auslandsreisen, speziell vom sonnigen Italien, musikalisch sehr inspiriert. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Otto Tausk (Chefdirigent des Sinfonieorchesters und Theaters St. Gallen) brachte den Flair Italiens sensibel in den Konzertsaal.

Drei Komponisten standen im Mittelpunkt der Abende. Den Anfang machte „Fontana di Roma“ von Ottorino Respighi (1879-1936). In den vier Sätzen wurden die schönsten römischen Brunnen mit ihren verschiedenen Stimmungen zu unterschiedlichen Tageszeiten lebendig vor Augen geführt. Es sollen Gefühle und Visionen transportiert werden.

Zu Beginn wurde die Stimmung am „La fontana die Valle Giulia all‘alba“ im Morgengrauen durch schimmernd vibrierend von den Streichern und mit orientalischen Klängen der Holzbläser musikalisch untermalt. Heiter ist die Stimmung im Morgenglanz wenig später beim Tritonen-Brunnen im zweiten Satz, um sich dann wie zum Tanz in sprudelnden Wasserspielen zu vergnüglich zu steigern. Der bekannteste und größte Trevi-Brunnen wurde in seiner prachtvollen Stimmung am Mittag mit Fanfarenklängen gebührend musikalisch untermalt. Der Brunnen der Villa Medici in der glitzernden Abendstimmung wurde mit melancholisch-sanften Klängen der Harfen und Celesta sowie dem Glockenspiel bildhaft dargestellt.

Danach folgte das 1. Klavierkonzert C-Dur op. 15 von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Die heitere und beschwingte Stimmung des ersten Satzes erinnert zunächst an Mozart. Das frühe Klavierkonzert des noch jungen Beethoven zeigt aber auch schon viel von dessen leidenschaftlichen, ungezügelten und in die Tiefe gehende Musik.

Der chinesische Pianist Chen Guang am Klavier brachte diese zusammen mit dem Orchester einfühlsam und technisch hervorragend zu Gehör. Es gab als Zugabe ein chinesisches Klavierstück.

Nach der Pause folgte Felix Mendelssohn Bartholdys 4. Sinfonie A-Dur op. 90, genannt die „Italienische“ voll klassizistischer Lebensfreude, aber nicht immer heiter.

Der erste Satz mit seinem bekannten Hauptthema hat einen tänzerischen Charakter und erinnert an die Vertonung der Ballade „Der König in Thule“ von Carl Friedrich Zelter, dem kurz zuvor verstorbenen Lehrer von Mendelssohn Bartholdy.

Das einem Messgesang ähnlichen Andante ist wohl auch unter diesem Eindruck entstanden. Mit der Einführung eines dritten Satzes durchbricht der Komponist das Formschema der klassischen Sinfonie. Italienische Stimmung kommt vor allem durch die zu erkennenden Volkstänze „Tarantella“ und „Saltarello“ auf. Zum furiosen Ende hin treibt die Musik stetig nach vorwärts.




Musik des Mittelalters in der Marienkirche

[fruitful_alert type=“alert-success“]Musikalische Zeitreise ins Mittelalter mit der „Schola Gregoriana Pragensis“. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Eine Zeitreise ins 14. Jahrhundert erlebten die Besucher des Festivals „Klangvokal“ am 13. Juni in der Marienkirche. Die „Schola Gregoriana Pragensis“ unter der Leitung von David Eben entführte uns zum Hof des Kaiser Karl IV. (1316-1378) in Prag. Gesungen wurde Material, das sich zwischen der „Ars antiqua“ und der „Ars nova“, die in ihrer Rhythmik und Erweiterung der Mehrstimmigkeit einen neuen Abschnitt in der Musikgeschichte darstellt.

Ob Guillaume de Machaut, der bekannteste Komponist der „Ars nova“ und Karl IV. sich begegnet sind? Möglich, denn Machaut war Gast auf vielen Fürstenhöfen. Der Minnegesang stand noch hoch im Kurs und auch die „„Schola Gregoriana Pragensis“ gab einige Kostproben.Wobei das Liebeslied „Dame je sui cilz qui vueil“ von der einzigen Frau im Chor gesungen wurde, nämlich von Barbora Kabátková, die auch die gotische Harfe spielte. Was sie aber sehr schön interpretierte.

Der Chor, bis auf Kabátková stilecht in Mönchsgewändern unterwegs, zeigte nicht nur musikalische Brillanz, sondern überzeugte auch bei den vielen gesungenen Sprachen. So sangen sie Werke in Latein, Französisch, Mittelhochdeutsch, Tschechisch und Kirchenslawisch.

Die Zeitreise war aber auch gleichzeitig eine Entdeckungsreise in die Geburtsstunden der „neuen Musik“. Melodien zu geistlichen Liedern werden für weltliche Texte benutzt. In manchen Stücken erahnt man die Anfänge der folkloristischen Musik. Die Stücke, die sich sehr stark an der Gregorianischen Musik orientierten, verströmten einen starken meditativen Charakter.

Schön war auch, dass die Sänger den Raum, den die Marienkirche bot, bei Wechselgesängen nutzen, so entstanden feierliche Klänge, die den gesamten Kirchenraum erfüllten.




Mediterrane Chansons im Domicil

[fruitful_alert type=“alert-success“]Weltmusik einer Kosmopolitin: Vakai Stavrou. (Foto: © Bülent Kirschbaum)[/fruitful_alert]

Im Rahmen des Klangvokal Musikfestivals brachte die griechisch-zypriotische Sängerin Vakia Stavrou am 11.06.2017 mediterranes Flair in das Dortmunder domicil. Die Sängerin mit der klaren, kraftvollen und dabei weichen Stimme hatte zumeist melancholische Chansons in verschiedenen Sprachen im Programm.

Das ist auch ein Spiegel ihres wechselvollen Lebenslaufs. Geboren auf Zypern, hat sie im Laufe der Zeit in vielen verschieden Orten in Europa gelebt. Ob London oder Paris, Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal, von überall ist ihre „Weltmusik“ beeinflusst worden. Anklänge an südamerikanische Musik aus Brasilien oder Argentinien (Tango) sind ebenfalls heraus zu hören.

Der portugiesische melancholische Fado spielt dabei eine große Rolle. Die wenigen von ihr an diesem Abend dargebotenen englischsprachigen Songs haben dagegen einen anderen Rhythmus. Da konnten das Publikum bei einem Song deutlich einen Dreiviertel-Takt heraus hören.

Zweimal griff die Sängerin für ihre Begleitung auch selbst zur Gitarre. Ansonsten wurde sie musikalisch sensibel von ihren vier männlichen Kollegen Carlos Bernado (Gitarre), Octavio Angarita (Violoncello), Guillaume Robert (Kontrabass) und Inor Sotolongo (Percussion) instrumental unterstützt.